Skip to main content

Full text of "Theosophia revelata, das ist, Alle göttliche Schriften"

See other formats


el ee ed 
! \ ., > 


. 


ays * * 








” A 

— 
ic 
I. 


— Ar 
Br — 


— 








THEOSOPHIA 


Alle ottliche 
Gchriften 
Facob Bohmens, 


von Altſeidenberg. 














Ag Aal Si a RT Ser er — —— 
Des Satfeligen Mocberkrudetn 
"IACOB BOHMEN: 
| FEN Teutoniei Philofophi — bi 

Alle Theofophifche Schrifftenz | 








y 
k 






g 


“ 
J 
| 
Fi 















Yo 


NV 


| E { = * 





v 





“ 


ul 


= 


— 


MN 


—— 1 
— — 
2 


— 7 





————— — 


VE 


Ss 


des Gotrfeligen und Hocherleuchteten Deutfchen THEOSOPHI 


4 ) 


Ko Boöhmens, 


Darindie allertieffeſten Geheimniſſe GOttes und feines Weſens; der ewigen und zeitlichen 
Natur und Creatur; Schöpfung der Engel und ihrer Hierarchien; des Falles Lucifers und feiner 
Regionen; der Schoͤpfung dieſer Welt und des Menfehen ‚und alles was Leben hat; famt des verführten Menfchens | 
Fall; Infonderheit das KRündlich- groſſe Geheimniß JEſu Chrifki, mit der Mutter der him liſchen Wiedergebarerin und feiner heiligen Oeco⸗ 
nomie unter und mit ung Menſchen, im Glauben der neuen Geburt von oben ; benebenft dem wahren Fundament Chrifklicher Religion 
und der Gottfeligkeit, den Liebhabern der Weisheit, aus ihren verborgenen Schriften, srundlich entdecket werden 

Alles nach dem weſentlichen Grunde der Dreyen Principien Goͤttlicher Geburt in der Seelen, | 

und Sein Selbſt⸗Offenbarung in Dreyheit und Weisheit; auch nach dem Prophetiſchen und Apoſtoliſchen 
ya Zeugniß, und dem wahren Sinn und inwendigen Verſtande der gangen heiligen Schrift, 
= — deren 7 Giegel Apoc. V. alhie eröffnet liegen. — J 
Aus des Auctoris wieder gefundenen eigenen Orignalien, und denen von Alters darzu gehoͤrigen vielen Copeyen, 
welche man nunmehro alle mit einander conferiret, mie vieler Arbeit aufs neue treulich corrigivet, und mercklich verbeſſert. 
® Anbep mie des Aocherleuchteten nunmebro feligen Miannes Gottes 


JOHANN GEORG GICHTELS, 
& Eines Gottſeligen und erfahrntn Kenners diefer Schriften, : 
Beifteeihen Summarien und Inhalt ieden Capitels, dem Gottbegierigen Kefer zu einem 
e ausgebornen Lichte, im Verſtande des Gemuͤths / ausgejieret. Ä 
In Beyfügung des Audtoris J.B. ausftihulichzerläuterten Lebens-Lauffes und dienlichen Negiftern. 
eu: er Br ee Beer er 


— Geedruckt im Jahre des audgtbornen groſſen Heils 1730. 













| Vortede 
Chriſtlicher GOttſuchender Leſer/ 


S iſt abermal eine ſonderliche 
Schickung GOttes mit dieſen 
Schriften / daß wir dieſelbe nun 
zum dritten mal in unſern Ta⸗ 
gen durch einen neuen Druck an das Licht 
bringen. Und wie die Edition von 16082. 
aus den Originalen Handfähriften formiret / 
Die andere aber von ı715. daraus genommen? / 
mit Hinzuthunverfihiedener merckwuͤrdiger 
Verbeſſerungen weldye man in Notis ges 
habt; als die in dem vorigen Druck zurück 
geblieben waren: alfo hat man beyde auf 
ein neues durchaus nad obgemeldten Ori- 
Ber conferiret/ und noch manches gt» 
a fun⸗ 





/ 


10 Voaorrede 
funden / was dem begieriegen Leſer den Geiſt 
des Schreibers in das Licht ſtellet / um ver⸗ 
ſtaͤndlichen Begriff, wie hinten ſpecificiret 
und angefuͤhret worden: dabey man es dis⸗ 
malen will bewenden laſſen / und es uͤber⸗ 
fluͤßig achtet, diefelben iemanden anzuprei- 
fen; zumahlen GOtt nunmehro die Schu⸗ 
fe des H. Geiſtes geöffnet, da ein Schüler 
der Weisheit in ſich mit den Hergen lefen 
fan, was der Buchſtabe im Buche deuter. 
2. OOtt gebe den Succefs mit diefer 
Schulen; eben wie mit der angezündeten 


‚Rampe des Lichts des eiwigen Lebens, wel- 


dies GOtt mit der erften Edition mit der 


Jungfrauen ſeiner Weisheit auf denLeuchter 


geſetzet / und den Buchſtaben in lauter Geiſt 
und Kraft dieſe 47 Jahren geboren hat / 
und demſelben einen Character beygeleget / 
daß auch die Vernunft den goͤttlichen Lichts⸗ 
Schein fahen mag. Wir reden aber von 
dem Buche des Auctoris vonz Blaͤttern/ 
welches Die heil. Seele ſelber iſt von GOt⸗ 
tes Finger ſelbſt geſchrieben und beſchrieben. 

3. Daraus man nun die Lectionen 
nimmt / und zu GOttes⸗Gelehrten wird — 

un 


an den Bott-füchenden Kefer. IT 
und die göttlihen Wunder fi verklären, 
welche es in den Geburten der Principien 
geſetzet da GOttes Liebe und Zorn in ein 
mächtiges Ringen gekommen, welche Macht 
von beyden Primas in der Bildung feyn 


follen: wobey der Satan nicht gefeyret / 


und feiner feits alles ins Merck geftellet, die 
Goͤttliche Geburt zu bindern/ und taufenden 
von Schangen und Bergen aufgeworfen / 
der Seelen Beifte ( welcher des Glaubens in 
dem Heil. Beifte it) den Weg zu verlegen; 
daß er mit Sophia fidy nicht conjungiren 
ſollen; dagegen menfhlidye Kräfte nichts 
foiten haben thun Eünnen. 

4. Da OOtt aber die Seele an diefe 
Berge anführet, Fan fie nicht zurück: wel 
ches von der eingeleibten Sungfrauen der 
Meisheit kom̃et / davon unſer Autor fehreis 
bet, welche der Seelen Gehuͤlfin ift, und die: 
felbe verborgentlich haͤlt und den Muth ftär- 
cket daß fie vor Feiner Macht anfteher, wie 
formidable diefelbe aud) iſt. 

5. In welcher Parrhefie die Vereini⸗ 
gung der Feuers⸗mit der Lichts⸗Tinctur gez 


ſchiehet welche alle Derbigkeit der Natur 


a 2 auf’ 


12 Dorrede 
auflöfet, daB alle Macht des Teindes im 
Augenblick wegfaͤllt die Berge ins Meer 
fallen und in den Abgrund verfinden. 

6. Davon wir unferm Lefer vieles ſol⸗ 
ten erzehlen Fünnen, wie fid) in diefem Streit 


‚die verborgenſte Kräfte der Liebe GOttes in 


Ehrifto eröffnen; alhieaber nur allegorice 
angezogen wird um dem ernfien Gemuͤthe 
Anlaß zu geben, nadı dem aufgefegten himm⸗ 


liſchen Kleinod mit Paulo rechtſchaffen zu 


ringen, Schul⸗Recht im Feuer zu thun, und 


der Taufedes H. Geiftes theilhaftig zu wer⸗ 


den / nach Feuer und Licht/ worin Natur und 
Beift ſich fcheiden/und die Seele in die Schule 
des H. Geiſtes aufgenommen wird; da fie im 


Feuer wohnen kan ohne Breñen / und hinfort 


bey dem Quell⸗Brunnen des himmliſchen 


Waſſers ſich hältıdas aus JEſu Leibe quillet; 


7. Da Feuer und bicht in ſteter Con- 
junction ſtehen, und die Seele Macht hat/ 
in das Waſſer des ewigen Lebens einzutau⸗ 
fen / was mit ung geheiliget foll werden; 
denn es reiniget von aller Befleckung der 
Natur / welche zuvor in dem himmliſchen 
Feuer⸗Bad ſchnee⸗weiß gebrannt worden. 

8. Auf 


4 





an den Gott⸗ſuchenden Leſer. 13 
8. Auf welche Tiefen der Seelen und 
des Beiftes unfer Autor führer; davon Die 
Seele mit dem Worte geſchwaͤngert wirdy 
und bald ineine Geburt des Geiſtes kommt/ 
wie cin gemütlicher Lefer bald in ſich empfin⸗ 
den wird. Und wann er dem inwendigen. 
Menſchen nachgehet / wird er eine Kraft in 
fi) befommen, welche das himmliſche Ge⸗ 
waͤchs in ihme fortfeget, / es fen wachende oder 
fhlaffende, bis zu der männliden Gröffe 
in Chrifto. Und das fan der Satan nid 
wehren, wie fehr er der Seelen auch zufe- 
get; welche im Streit gegen den Bofen in 
Kräften am inwendigen Menfhendadurd) 
fort und fort zunimmt, und darin behar⸗ 
rende immerfort überwindet, | 
9. Bottlobt daß wir folder Slam 
bens-Streiter nunmehre viele haben, wels 
de in Ehrifto gegen den allgemeinen Seind 
fefte ſtehen und Anhebern im Glauben ih⸗ 
re Arbeit leicht machen: an ſtatt unfere er- 
fien Mitarbeiter, die im Streite nicht ber 
fanden, ung die Arbeit gang fehr beſchwe⸗ 
vet; und da die Liebe ihnen wiederum aufe 
helfen wollen , ift man aufden tiefen Grund 
* | 3: ge⸗ 


14 Dorrede 


gekom̃en / worin der Seelen Berderben aus 
der erfien Eltern Fall lieget / und die Seele 
mit Ketten der Finſterniß angebunden ftchet. 


- 10, Darin ung Au&tor groffe Aufſchlieſ⸗ 
fung gegeben; wann er zwar auch warnet / 
daß man folle fahren laffen, was nicht blei⸗ 
ben wollen. Da die Liebe ſich aber in die 
allertieffte Geburten eingeführet, wolte 
man feine Mitgefellen nicht werlaffen, und 
drung zu ihnen in die Hölle ein: da GOtt 
auch Gnade gegeben daß ihr Geiſt endlich 
gerettet worden. Wann die himmlische 
Mutter ihren aͤuſſern Menfchen zwar nicht 
wollen anſehen / fo fehr war fie über ihrer be⸗ 
gangenen Untreu geruͤhret / und ließ fie alſo 
Zeit ihres zeitlichen Lebens ihr Gerichte im 

Fleiſche tragen: davon alhie weiter nichts zu 
ſchreiben iſt / dieweil es Dinge, die in die E⸗ 
wigkeit gehoͤren. 

u. Nur will man dabey anfuͤhren / daß 
der Kampf mit dem Drachen drey Repriſen 
gehabt / nach den Principien der Seelen und 
des Geiſtes / darin ſich GOtt vom Himmel 
beweget / und unſer Helfer zu uns von oben 
herab gekommen auf die Erde, den Streitin 
ung 


an den Bott-füchenden Leſer. 15 
ung führende, welcher 21 Fahre defperat an⸗ 
gehalten, da der böfe Feind faft alle Tage 
neue Waffen angethan / dabey man immer 
‚zulernen gehabt, und auch neue Waffen 
des Lichts in Chriſto angezogen’ die der H. 
Geift ung in die Hand gegeben; bis der 
Drache überwunden, und Chriſto das Reich 
und die Kraft in der Menſchheit geworden / 
da GOtt demſelben feinen Koͤniglichen Sig 
befeſtiget auf dem Regen⸗Bogen des Heil. 
‚Elements in unſerer Menſchheit / lieben 
Brüder und Kinder Sophiæ! da hinfort al⸗ 
les ſich unter ſeinen Scepter beugen muß. 

12. Was es alhie fuͤr ſchwere Siegel 
des Zorns GOttes in der Seele giebet / da⸗ 
von handelt unſer erleuchteter Schreiber 
durchaus in dieſen Schriften: und bis ſie 
gebrochen, (welches das goͤttliche Licht 
Sophie allein vermag) iſt dem Drachen 
nicht beyzukommen. A 
13. Daben die Ereafur aber dag Loos 
‚hat, mit JEſu ans Creutz ausgeſpannet / 
und von GOtt / Engeln und Menſchen ver⸗ 
laſſen / und aller Welt / Engeln und Men⸗ 
ſchen / guten und boͤſen ein Schauſpiel zu 
wer⸗ 






16 Vorrede 

werden / ſich ſelber auch mit Chriſto GOt⸗ 
tes und aller Gnaden des Heil. Geiſtes aus⸗ 
ziehet / bis GOttes Zorn im Centro der 
Seelen verſohnet / und in Sanftmuth wer: 
wandelt wird. 

14. In diefem enthält ſich ein Kampf: 
Ringer mit Paulo alles Dinges / ſich gan 
nacket auszichende, um gegen einen glatten 
und: bloffen Seind / als die hoͤlliſche Schlan⸗ 
ge iſt anzugehen, und felber nicht gefaflet 
und gehalten werden zu fonnen in keinem 
Dinge, es ſeh im Beift oder Natur. 

5. Aus welchem Gtreite unſerm 
Schreiber der Beift der Erfentniß in Ehri- 
ſto gewachfen / und er aufden Grund der 
Principien Börtlichen Weſens inder Seelen 
gekommen it, da es eine ſcharfe und tiefe 
Reinigung gebraudyet, diefelbe vom Satan 
gu reinigen. Dis iſt der Zweck/ worauf 
der Beift in den Schriften zielet. 

16, Andere Dinge muß der Leferinden 
Büchern nit fucden: wann GOtt unſerm 
Manne zwar alle Heimlicyfeiten der Natur 
- @röffner/darer oft eine Allegorie der äuffern 
Tinctur in Steinen und Metallen mit der 
inaern Zinetur der Seelen machet. | 

Mi 17. Äu- 


an den Gott⸗ſuchenden Kefer. 17 
17. Autor beaͤuget aber damit fein Gold / 
fondern bloß und alleine GOtt / welcher den 
Fuͤrwitz auf die Singer klopfet / daß er/ an 
fiatt Gold, Aſche und Dreck finder, und die 
Thorheit zu fanden wird: wie unfere er⸗ 
fie Mitgefellen erfahren, und GOtt und 
Glauben verlohren haben, dabero fie im 
Streit Nicht ſtehen köͤnnen. Welches man 
albsie zur Warnung bringen wollen, heili⸗ 
ge Dinge nicht gemein zu machen / welches 
Zauberey heiſſet. 

18. Zuletzt will man den Anfaͤngern 
des Glaubens hiebey noch fuͤgen daß, wann 
fie uͤber dieſe Schriften kommen / und den ho⸗ 
hen und tiefen Geiſt mit dem Verſtande nicht 
faſſen koͤnnen / daß es gnug / wann ſie nur ei⸗ 
nige Zeilen leſende ins Hertze einfaſſen und 
bewahren / da es ſchon ſeine inwendige Wir⸗ 
kung thun wird / davon unſer liebſte Hey: 
land deutet Matth.ı3/ 13. mit dem Gleich⸗ 
nißdeg Ferments im Brod-Teige, davon ein 
wenigs einen groffen Teig von 3 Scheffel 
Mehls aufgehen und wie lebendig machet. 

19, Alfo wird auch diefes aus GOtt ger 
borne Wort feine Wirkung in der > 
thun / 


i8 Vorrede an den Bott-fuchenden Leſer. | 
thun / umd die Effentien derfelben mit der 
Gleichheit anzuͤnden wodurd der würdige 
gefer fih nihefoll enthalten koͤnnen im vers 
borgenen auf feine Knie zu fallen, und feinen 
Geiſt in GOtt einzuführen, da GOtt denſel⸗ 
ben dann als ein wolgefaͤlliges Opfer vom 
Himmel anzuͤndet. Welches der Anfang 
des Glaubens iſt / der eine Kraft GOttes / 
welche nicht in uns ſtille ſtehet / ſondern die 
Seele immer weiter fuͤhret in der Heiligung 
des Geiſtes. 

20. Welchemnach Anfang, Mittel und 
Ende lauter heilig Ding mit diefen Schrif 
ten iſt: dabey der Heil. Geift dem Hertzen 
auch den Verſtand inder heiligen Bibliſchen 
Scdhrift aufihleußt, daß ſich die Geheimniſſe 
Gottes demſelben nach gerade maͤchtig vers 
klaͤren / davor Vernunft mit ihrem Forſchen 
ſtille ſtehen muß. Ein ſolches vermag das 
him̃liſche Ferment des Geiſtes in dem Wor⸗ 
fe, welches wir dem Leſer mittheilen: er thue 

in GOttes Segen ſeinen Nutzen damit / 
welchen wir demſelben aner⸗ 
wuͤnſchen. 


Rechen⸗ 


Rechenſchaft des Schreibers, 
Von weme derfelbe feine hohe Gaben des 
Geiftes empfangen‘, 


Um den unmiffenden und ivrigen Lefer zu unters 
richten, den boͤſen und feindfeligen aber für 
Schaden zu warnen. 


Ott hat mir das Wiſſen gegeben. Nicht 
4 ich, der. ich der Ssch bin, weiß e3, fondern 
| GOtt weiß esinmir. Die Ißeisheit ift 
feine Braut, und die Kinder Chrifti find in Chriſto, 
in der Nßeisheit, auch GOttes Braut: So nun 
Chriſti Geiſt in Ehrifti Kindern wohner, und Chri⸗ 
fti Kinder Neben am Weinſtocke Chriſti find, und 
mit ihme Ein Leib find, auch Ein Geift: wen iſt 
nun das Wiffen? ift es mein oder GOttes? folte 
ich denn nun nicht im Geifte Ehrifti wiſſen, wor⸗ 
aus diefe Welt fen gefchaffen, fo derfelbe in mir wohs 
net, Der fie gefchaffen hat? folte Er es nicht wiffen ? 
So leide ich num, und will nichts wiſſen, der ich 
der Ich bin, als ein Theil vonder auffern Belt, auf 
daß Er in mir wiſſe / was Er wolle; ich bin nicht 
die Gebarerin im Wiſſen, fondern mein Geift ift 
{or Weib) inder Er das Wiffen gebieret, nachdem - 
daß als Er will; gleich roie die ewige Aßeisheit 
284 Leib iſt, und Er gebieret darinnen/ was Er 
will. So Er nun gebieret, ſo thue nicht ichs, ſon⸗ 
dern Er in mir; ich bin als todt im Gebaͤren der ho⸗ 
ben Wiffenheit, und Er iſt mein Leben. Habe ich es 
Doch weder gefuchet noch gelernet. Er neiget fich 
zu meiner Ichheit/ und meine Schheit neiget fich in 
Ihn. Nun aber bin ich todt / und verftehe nichts, 
Er aber iſt mein se Alſo fage ich, ich lebe 
2 in 





20 Rechenſchaft des Schreiberg 


in GOtt und Gott in mir,und alſo lehre und ſchreibe 
ich von Ihme / lieben Brüder, fonft weiß ich nichts. 

2. Dertraget mir doch meine Shorheit ein mes 
nig / daß ichs euch fage, nicht mir zum Ruhm, 
fondern euch sur Lehre und Wiffenbeit, daß 
ibrs wifler, wen ihr ſpottet und fchmäber, 
wenn ihr mich verhoͤhnet: foll ich euch nicht 
‚bergen,und meine es hertzlich. Seyd doch nicht 
alſo wilde gegen der theuren Offenbarung, die uns 
Gott zu letzte gonnet. Leſet ihr fie von erſt vecht, 
fie hat einen gar edlen,hochtheuren Urſtand und An⸗ 
fang / welcher reicher über ale Vernunft, ja uͤber die 
‚auffere Welt / und über das Licht der auffern Na⸗ 
tur: warum wütetihr wieder den Hochften ? 

3. Sch vermahne euch chriftlich, fehetzu, was ihr 
thutydaß euch nicht der Zorn des HErrn ergreiffe und 
euch GOtt fluche : ich fage euch, ich will unfchuldig 
ſeehyn an eurer Seelen, fo ihr das erwecket. Gehet, 
was beym Elia / 2. Reg. ı. auch Korah Dathan und 
Abiram in der Wuͤſten gefchach. Num. 16. Sich fage 
euch,fo viel mir im HErrn erkant ift,es dürfte euch u. 
mehrern alfo ergehen, deñ e8 iftießo eine wunderliche 
Zeitnicht allen bewuſt und erfant ; der Herr hat feis 
nen Eifer-Beift gefandt es ift eine wunderliche Zeit 
vor der Thür, das werdet ihr erfahren,fo ihr lebet. 

4. Meine lieben Brüder! Feindet mich nur um 
meiner Wiſſenſchaft nicht an. Dann ich, der ich 
der Sch bin, habe es nicht zuvorn germußt, das ich 
euch habe gefchrieben. Sch vermeinte, ich fhrieb _ 
allein mir, und ift ohne meinen Bewußt alfo gerar 
then, Schfage euchs in guten Qreuen, iftes nicht 
eure Sabe zu verftehen, fo laßt mirs ſtehen; denn ich 
verſtehe es wohl, was ich gefihrieben habe, Kann es 

einer 


wegen feiner hohen Gaben. ar 


einer verftehen, undes ihn geluͤſtet ich will es ihme 
gernegunen: wo aber nicht,under.es nicht begehret, 
indem ers nicht verftehet,fo vergreifte er fich nur nicht 
mit Schmähen und Räftern wieder GOtt, oder es 
wird ein Ernfthernach folgen, Davon ihr nichts wiſ⸗ 
fen wollet noch koͤñet in folchem Lauf. Vergoͤñet mir 
doch nur,daß ich in dem arbeite,darein ich geſetzet bin, 
s. Solches habe ich euch , lieben Herren und 
Brüder in Chrifto, die ihr meine Schriften les 
jet, und euch derfelben gebrauchet, nicht wollen beva 
gen, und vermahne euch brüderlich, fo wohl auch 
meinen Segenfaß, daß ihr die H.Schrift wollet gez. 
gen meine Schriften halten ; aber in der Schrift an⸗ 
ders nichts füchen, alsdas väterliche Lieber Herb. 
Sefuchrifti,fo werdet ihr wohl finden / aus was Gei⸗ 
fie ich geſchrieben habe. Der aber diß nicht thun mag, . 
der laſſe mir meine Schriften mit Ruhe / denn ich has 
be ihm nichts gefchriebenzich habe fie alleine fire mich- 
gefchrieben,ohne Bedacht, wie es damit gehen fülte 5. 
weiß auch nicht, wie es zugehet, daß ſie alſo lauffen: 
denn ich bin niemand Damit nachgelauffen, und ver⸗ 
wundere mich neben euch , was der Huchfte thut. 
6, Mercket es doch, und werdet fehende, denn der 
Zag bricht an! Werdet ihr meine Schriften ler⸗ 
nen recht verftehen, fo werdet ihr von allem Zancke 
erlöfet,. und euch felber Fennen lernen. Jedoch ver⸗ 
mag es nicht eben der Buchftabe, fondern der lebens 
dige Geiſt Chrifti alleine. Der Weg iſt euch treus 
lich gewieſen. Nun thut, was ihr wollet: die Ein⸗ 
ernte iſt nahe, daß ein ieder wird genieſſen, was er 
in feine Scheune hat eingeſam̃let/ rede ich von ganz 
em Hertzen / ohne Schers, in meiner mirvon GOtt 
gegebenen. Erfenntniß, IR empfehle mic MR 
r 3 Lu 


22 Reechenſchaft des Schreibers 
ae Liebe in dem theuren Namen JEſu 
hriſti. 

7. Jauchtzet dem HErrn alle Lande, und lobet 
Ihn alle Voͤlcker! Denn ſein Name gehet uͤber alle 
Berge und Hügel! Er ſcheußt auf als ein Reis/ und 
gehet in großen Wundern! Wer will das wehren? 
Hallelujah! Siehe die ꝛ. Schutz⸗Schrift wieder 
B. Tilken $. 72. /q. 200. [4.308./4.un® 326. /q. 

8. Mercket, was euch gefagetiftz esifterkannt! 
Heucheln gilt nichts, esmuß Ernſt feyn. Auf Gna⸗ 
de fundigen befommt Ungnade. Die Stunde ift 
nahe, laffets euch gefaget feyn, ihr werdet Einen Bes 
ſchirmer und Beyftand alda haben, wie ihr alhier 
an euch ziehet, darauf ihr euch verlaffet. hr müfe 
fet mir unter Augen treten, und für eure Bosheit und 
Laͤſterung Nechenfchaft geben. Chriftusinmirund 
allen Gliedern Chrifti fodert euch vor das Urtheil 
Ehrifti. Was fol ich euch denn fagen für eure 
Schandflecke, die ihr mir auf Erden habet angehan⸗ 
gen? ch bitte eich, alsein Blied meiner Sees 
len, kehret doch ums weil noch die Gnaden⸗dhuͤr 
offen ſtehet ehe Die groffe Kluft zwifchen mir und 
euch gefchloffen wird. Lue. 16:26. Die Barmher⸗ 
tzigkeit Chriſti ruffer euch hiermit noch eines, ob ihr 
wollet Buſſe thun; wo nicht, fo will ich an euch un 
ſchuldig feyn, fo ihr ins Gericht geftellet würdet. 
Ihr habt einen groffen Berg vor euch, Darüber ihr 
fteigen muͤſſet. Wird euch Ehriftus verlaffen, fü 
muͤſſet ihr wohl in diefer Kluft ewig bleiben. 

9. Ich Habe keine neue Lehre, fondern nur 
die alte, welche in der Bibel und im Reiche 
der Natur zu finden iſt; ich habe nur ger 

fehrieben, was die Natur und der Menſch * 
| 19. Sie 


wegen feiner hohen Gaben. 23 


10. Sie beraubet nicht die glaͤubigen Hertzen des Glaubens, 
ſondern fie fuͤhret ſie von dem Hiſtoriſchen Glauben, vom 
Heucheln, zu dem Lebendigen Glauben, welcher iſt JEſus 
Chriſtus, und weiſet fie, wie fie ſollen dem Sünden-Reich 
abiterben, und in Chriſto neugeboren werden, und ihm im 
Glauben und Beifte nachfolgen, und Ein Geift mit Chriffo 
werden; welches dem Satan bange thut, daß man ihn niche 
mehr unter Ehrifti Purpur- Mantel dulden will: aber die 
Zeit ift geboren, daß fein Reich offenbar und zu Spott werde, 
da8 wird niemand aufbalten, es iſt von GOtt alſo geordnet. 

11. Weil aber dieſes euch deucht wunderlich feyn, fo iff 
es doch allein die Schuld, dag ihr folches nicht verſtehet; was 
kann ich nun davor, Daß ihr daran blind feyd? habe ich 
euch doch nichts gefchrieben , fondern nur denen, denen es 
GOtt zu verfichen giebt. S. Die Apologie wieder Greg. 
Richter. $. 39.40. 48. 61.70. 

12. Ich warte aber meines Heilandes, was der thun will. 
Will Er, daß ich was miffen fol, ſo will ich es wiſſen; wo 
nicht, fo will ich es auch niche wiffen. Sch babe meinen 
Willen, Erkenntniß und Wiſſen in Ihn geftellet, ohne Ihn 
will ich nichts wiffen, Er fol meine Erkeñtniß, Wiffen, Wol⸗ 
len und Thun feyn; denn auffer Ihme iſt eitel Faͤhrlichkeit. 
Der Menfch trifft das fchwerlich, das er vor Augen bat, viel- 
weniger das verborgene, 8 ſey dann, daß GOtt fein Licht fen: 
gebe ich euch mohlmeinende zu erwegen, wiewohl ich ein 
fchlechter einfältiger Mannbin, und von Feiner Kunſt diefer 
Welterboren. Was ich aber babe, das iſt GOttes Gabe. 
Sch habe e8 nicht von Kunſt oder Studiren, fondern vom 
Licht der Gnaden, welches ich alleine gefuchet habe: und ob 
mein Anfang zwar einfaltig geweſen, wegen meines kindiſchen 
Berftandes, fo bat dach GOtt ſeit der Zeit in feinem Lichte ete 
was in mir gewircket, und mir meine findifche Augen eröffnet. 

13. Und wiewohl esift, daß ich mir damit nicht viel guter 
Tage erfchöpfer babe, fo fol ich doch auch feinem Willen nicht 
wiederiteben. Sch babe allein gefchrieben nach der Form / 
wie mir esiff gegeben worden, nicht nach andern Meiſtern 
oder Schriften ; und dazu iſt mein Vorhaben ie nur geweſen 
fur mich: ob mirs wohl der Geift gezeiget hat, wie e8 ergehen 
werde; fo hat doch mein Hertze nichts gewolt, fondern Ihme 
alles heimgeftellet, was Er. un Sch bin auch en 

4 obne 


24 Rechenſchaft des Schreibere. 


ohne Rufgelauffen und mich jemand bekannt gemacht, denn 
ich auch mit Wahrheit wohl fage, daß es meine Bekannten 
zum wenigften wiſſen; was ich aber iemanden gewieſen, das 
iſt auf ſeine Bitte und aͤmſiges Begehren geſchehen. 

14. Und ferner fuͤge ich euch, daß ihr meine Schriften nicht 
wollet anſehen als eines groſſen Meiſters: dañ Kunſt iſt nicht 
darinnen zu ſehen, ſondern groſſer Ernſt eines eifrigen Ge⸗ 
muͤths, das nach GOtt duͤrſtet, in deme der Durſt groſſe 
Dinge empfangen, wie der Erleuchtete wohl ſehen wird, und 
ohne das Licht keinem recht keñtlich oder begreiflich ſeyn 

wird / wie es der Leſer in der That alſo empfinden wird, und hat 
doch auch leichter oder dem Verſtande naͤher nicht moͤgen ge⸗ 
ſchrieben werden. Wiewohl ich vermeine, ſie ſind helle und 
einfaͤltig genug in ſolcher Tiefe: ſo aber etwas waͤre, das 
zuſchwer ſeyn ſolte, koͤnnte ich es wohl etwas einfaͤltiger 
fuͤrbilden, wenn mir das angemeldet wuͤrde. S. von den 
letzten Zeiten an P. K. 1.Th. $. 60./g. 
15. Merckets wohl ihr Leſer! pruͤfet in heiliger Schrift in⸗ 
wendig u. auswendig, erlernet die Wahrheit! Befindet ihr es 
nicht in der Wahrheit aus Chriſti Geiſt, ſo ſollet ihr ihme kei⸗ 
nen Glauben zuſtellen. Wir aber haben es in Ternario Sancto 
geſehen, und wiſſen was wir ſchreiben. Ich aber bin ein Kind, 
deſſen Verſtand am Gaumen meiner Mutter hanget, und ha⸗ 
be Feine Gewalt noch Verſtand, ohne was mir die Mutter gie⸗ 
bet. Ich liegein Ohnmacht als ein Sterbender; doch richtet 
‚der Höchfke mich mit feinem Odem auf, daß ich gehe nach fei- 
nem Winde. Undvermahne euch chriftlich, wollet doch den 
Eifer zu eurer ſelbſt Seelen: Wohlfahrt verſtehen. Habe ges 
nug zu Lohn, fo ich euren Odem erlange, und mich in euch er⸗ 
gruͤnen mag u. euch mein Reben geben mag ; was foll ich euch 
‚mehr geben? Nehmet das Geſchenck an, behertziget e8 wohl! 
nicht in Meinung alleine; fuͤhret es in Odem GOttes ein, pro⸗ 
biret es in Leib und Seele, nehmet davon die Lauterkeit: die 
Affecten laſſet fahren; fie find nicht das Perlein, ſondern dem 
Suͤnder zur Scham geſetzet auf daß der Boͤſewicht aufgeha⸗ 
ben werde und nicht imFleiſche ſtoltziere Nehmet nur das rei⸗ 
ne Oel zur Heilung: dad andere greiffet der Seelen Wunden 
nicht an ſondern nur die Wunden im aͤuſſern Menſchen. Bit⸗ 
te, der Leſer deute es nicht anders, als es ſeinen wahren Grund 
bat. S. vom Irrthum der Secten Eſ. Stiefels und Ez. 
Mechs.q. 306./4: Ver⸗ 


it 25) = 
Berzeichniß 
(ler Bücher und Tractaten / 


ie fie nad) der Drdnung der beyge⸗ 
esten Zahlen in dieſem Wercke auf eins 
ander folgen, und in etliche Bände, nach eines 
ieden Belieben, zufammen gefüget werden 


e 


funnen. 








f, Aurora, Morgenröthe im Aufgang. 


‚ De Tribus Principiis cum Appen- 
dice. Beſchreibung der drey Prin= 


cipien Goͤttlichen Weſens / nebft dern 
Anhang. 


II. DeTriplici Vita Hominis. Bom drey⸗ 
fachen Leben des Menſchen. 


IV. Pfychologia Veracum Supplemento. 
Diersig Tragen von der. Seelen, 
nebft dem umgewandten Auge. 


V. De Incarnatione Verbi, Partes tres. 
Bon der Menfhwerdung JEſu 
Ehrifti, drey Theile. | 

VI, Sex Punda Theofophica, Von ſechs 
Theofophifgen Puneten, | 


VII. Sex. 


26 Verzeichniß und 
VIL Sex Puncta Myftica. Bon ſechs My⸗ 
ſtiſchen Puncten. 


IX. Myfterium Panſophicum. Vom Ir⸗ 
diſchen und Himmliſchen Myſterio. 


RX, Chriftofophia,libri octo. Der Weg zu 

| Ehrifto in acht Büchlein ‚ ale: 

ı. De Peenitentia vera, libri duo. 
Von wahꝛer Buſſe/ zwehBuͤchlein. | 
Sufpiria Viatorum. Vom heiligen 

Gebet. 

3. De Æquanimitate. Von wahrer 
Gelaſſenheit. | 

4. De Regeneratione. Bon der neuen 
Mieder-Geburt. 

5. es ar mentali.Bom überfinnlichen 

eben. 

6. —— Von Goͤttlicher Be⸗ 
ſchaulichkeit. 

7. Colloquium Viatorum. Geſprach 
einer erleuchteten und unerleudite> 
ten Seelen. 

8. De quatuor Complexionibus.. Bon 
vier Complexionen. 


X. Libri Apologetici duo contra Balth. 
Tilken. Zwo Schutzſchriften wie⸗ 
der Balthaſar Tilken. 

XI. Anti-Stiefelius, libri duo. Bedencken 


über Eſaias Stiefels ln, 
un 


D 


— 


| Ordnung der Tractaten. 27 


und vom Irrthum der Secten 
Eſ. Stiefels und Ezechiel Meths, 
zwo Buͤchlein. 


Apologia contra Greg.Richter, cum 
libello Apologetico ad Senatum 
Gœrlicenſem. Schutz⸗Rede wie⸗ 
der Greg. Richtern, nebſt der 
ſchriftlichen Verantwortung an 
E. E. Rath zu Goͤrlitz. 


Informatorium Novisſimorum, 
Partes duæ. Unterricht von den 
festen Zeiten an Paul Kaym / 
zwey Theile. 

DeSignaturaRerum, Von der Ge⸗ 
burt und Bezeichnung aller 
Weſen. | 

DeEledtione Gratiz. Bonder Gna⸗ 
den⸗Wahl. 

XVI. De Teſtamentis Chriſti. Bon Chri⸗ 

| ffi Teftamenten. 

XVI. Myfterium Magnum,cum Epitome, 
Erflärung über das erfie Bud) 
Mofis/nebft dem £urgen Extradt. 

XIX. Quzftiones Theofophicz. Be 

rrachtung Göttliher Offenb⸗ 
rung, geſtellet in 177 ——— 





d- 


28 Derzeihniß der Tractaten. 

XIX. Tabul& Principiorum. Tafeln von 
Den drey Principien Goͤttlicher Of⸗ 
fenbarung. 

XX. Clavis. Erklaͤrung der vornehmſten 
Puneten und Wörter in dieſen 
Schriften 

XXI. Epiftole Theofophicz. Theofophi- 

| ſche Send- Briefe. | 





| Hierauf folgen ; 

Mantiffa pro alumnis Sophiæ, oder 
Zugabe andie Schüler der Weisheit. g 

De Vita etScriptis J. B. oder ausführs 
lichzerläuterter biftorifher Bericht 
von dem Leben und Schriften Jacob 
Boͤhmens. 

Libellus Emendationum, oder Ver⸗ 

Zeichniß der Verbeſſerungen in dieſer 

neuen Edition. 

Die Regiſter / ale: | 

1, Vocabularium, oder ER der 
Magiſch⸗-Myſtiſchen Terminorum 
und anderer lateinifhen Woͤrter. 

2, Index locorum Scripturæ, oder Regi⸗ 
fter der angezogenen und erklärten 
Schriftſtellen. 

3.Index Rerum et VocumTheofophica- 
rum, oder Regiſter der abgehandelten 
„zbeofopb, Materien und Wörter. 


Er: 


83: ( 29 ) 84 J 
Erinnerung an den Leſer. 






















Edition von Ao. 1715. ihrer 28 an der Zahl darſtellet. Man 
hat fuͤr dienlich erachtet, die kleineren Buͤchlein, welche ſonſt 
um Wege zu Chriſto pflegen gerechnet zu werden, auch bey 
dieſer neuen Auflage unter ſothanem ſchoͤnen Titul zuſammen 
zufaſſen, wie ſchon ehedeſſen in der Hollaͤndiſchen Edition 
von Ao. 1682. geſchehen iſt; nur mit dem geringen Unter⸗ 
ſcheid, daß man die beyden Buͤchlein von der Buſſe ietzt fuͤr 
Eins genommen, da ſie in jener als zwey beſondere Tractaͤt⸗ 
lein auf einander folgen, mithin die Anzahl der Tractaͤtlein 
des Weges zu Chriſto, fo in der Hollandifchen Edition g be⸗ 
raget, fich in der gegenwärtigen nur auf 8 erſtrecket. Wenn 
Inun der Geneigte Leſer die fub No. IX. unter dem TitulChri- 
tofophia angezeigte Tractatlein mit zu derSumma rechnen 
vill, wird derfelbe die Zahl compler und richtig befinden. Auſ⸗ 
er dem iſt man bey derjenigen Ordnung der Schriften ges 
lieben, die inder Edition von Ao. 1715. beobachter worden; 
Die lateinifchen Titul der Bucher ſtammen zwar nicht vom 
Autoreber ; find aber doch von deffen guten Freunden und 
liebhabenden Leſern, zum theil noch bey deg fel. Mannes Res 
ben und mit deſſen Condefcendenz, alſo geftellet, theild auch 
nach diefem von andern gelehrten Liebhabern, fo wohl der 
Kuͤrtze im allegiren, ald auch der wohlanftandigen Gleich» 
örmigfeit wegen binzugetbans und da wir fie auf folche 
Art vor uns gefunden, fo laſſen wir billiger weiſe, mach de 
fel. Autoris Exempel, die Sache gut feyn. Die Kupfer: 
Stiche, fo inder Hollaͤndiſchen Edition denen Büchern vor⸗ 
angefuͤget worden, übergeben wir mit gutem Bedacht bey 
der gegenwärtigen. Sie ffammen von einer fremden Inven- 
tion ab, nicht von des Autoris Geift. Wie num diefendie 
Hand des Künfklers nicht entwerfen oder abmahlen kann; 
fo mögen auch die in ihm eröffneten Geheimniſſe und tiefe Et⸗ 
kenntniß weder durch Pinfel noch Stichel abgebildet werden; 
anerwogen biefelben Feines Menſchen Gemüth gründlich 
und nach der lautern Wahrbeit erfennclich oder ge 
| i 


30 Erinnerung. 


lich ſeyn koͤnnen, als nur in dem heiligen Geiſte GOttes, 
aus welchem ſie gefloſſen ſind. Woferne der Leſer nun auf 
Weſen und Wahrheit ſiehet, wird Er der Bilder von ſelbſt 
vergeffen , als die Ihme zwar mehrere Koſten, aber keinen 
Nußzen bringen oder ein reelles Vergnügen machen würden ; 
nicht zu gedencken, daß fie manchem ungeübten und ſchwa⸗ 
chen, obwol gutem Gemuͤthe, auf anderweitige Art binder- 
lich, wo nicht gar ſchaͤdlich Fallen Fönnten. Daher mir zu 
demverftändigen Leſer das Vertrauen haben, Er werde mit 
denen Figuren und Kupfern, jo theild von dem Autore ur- 
fprünglich herrühren, und in dieſer Edition unverfälfcht bey- 
behalten find, theils zu deffen guten Andencken und Erläu- 
terung der Lebens-Gefchichte ſchon vor Diefem beygefüget, 
undiegtzum Theil nur etwas fauberer und lichter geſtellet 
worden, vollkommen zu frieden feyn, wann Er in diefer E- 
dition von dergleichen fonft nichts mebr finden wird, ald mag 
ein veinlicher Druck zu einer. ungefünftelten Zierde etwan 
aufzuweiſen pfleget. Im den andern und eflentiellen Stuͤ⸗ 
sten hingegen verhoffen wir demfelben deſto treuern und 
wichtigern Dienft geleifter zu haben, mit durchgaͤngiger 
Derbefferung des Tertes nach den Originalien und alte⸗ 
ften Copeyeny auch Hinzufuͤgung verfchiedener ſchoͤner 
- Sugaben ;. wie Er fo wohl in dem hinten angebangten Le⸗ 
bens-Kaufe, als auch befonders in dem gleich darauf folgen: 
den Verzeichniß der Verbefferungen in diefer neuen 
Auflage mit mehrern finden und zugleich daraus alfobald 
erkennen wird, was dieſe unfere Edition für, allen vorigen 
voraus habe. Was der Geneigte Leſer für einen Zweck has 
ben, und mas Er bey unferm Autore ſuchen muffe, wird ihm 
in der. allgemeinen Vorrede über die fimtliche Schrif⸗ 
ten, gleich anfangs von GOttes Geiſt angewieſen. Wie 
einfaͤltig und zuchtig des Autoris Her& bey Auffeßung Dies 
fer feiner, Schriften gemefen, wie Göttlich und lauter fein 
Geift, unvermengt mit allen Wig und Kunſt diefer Welt, wie 
rein und unfchuldig feine Abficht , wie frey, feſt und gewiß 
fein wohlgegründeter Muth, wie hertzlich, zart und demuͤthig 
in ihm die Liebe zu feinem Mitgliede, auch wie beilig, genau 
und ſcharf der Ernft GOttes in feinem Geiſte ſey, wird ein 
Gott⸗ ſuchendes Gemuͤth bald inne werden, wann bey Leſung 
der mis: vorangeſtelten Rechenſchaft des a 
a - als 


Ä 


Erinnerung. gr 


Saiten ſeineswohlgeſtimmten Hergens,durch den holden und 
erquicklichen Ton des Goͤttl. Geiſtes in unferm Autore,in Bes 
wegung kommen: welcher fo lieblieh, kraͤftig und durchdrin⸗ 
gend ift, daß er auch alle wiedrige diffonanz in ubelgeitelleten 
und mit der Goͤttlichen Wahrheit und Liebe nicht einſtimen⸗ 
den Seelen in Ewigkeit überffimmen wird. Bey iedem Tra⸗ 
ctat, (diegang kleinen etwan ausgenommen ) ftchet gleich 
nach dem Titul ein Verzeichniß der Capisel, oder ein ſum⸗ 
mariſcher Inhalt, in welchem der Lefer alle in demfelben 
‚abgebandelte Puncte auf einmal überfehen kann: gleich- 
‚wie die über iedes Capitel geitellete Summarien ihm den 
gantzen Inhalt deffelben in einer deutlichen Kürge vor Aus 
‚gen legen, auch einem achtfamen und ftilen Gemuͤth den 
Verſtand des Textes ſelbſt nicht wenig erleichtern werden. 
Was zur biftorifchen und andermweitigen Nachricht bey einen 
jeglichen Tractat dienen möchte, das iſt alles in ders 

Abtbeilung des Aiftorifhen Berihts von dem Leben 
und Schriften des fel. Autoris gehörigen Orts anzutreffen; 
gleichmwiedie forzes, Darsus diefe unfere Edition ihre Verz 
beſſerung erlanget, in der 7. undlegten Abtheilung derſel⸗ 
‚ben zu ſehen find. Solten auch den Kefer einige Termini, 
‚oder gewiſſe Wörter und RedenszArten, fo der Autor in bes 
ſonderm und eigenem,iedoch im Licht der Natur hell und tieff- 
‚bewährtem Gebrauch hat, anfanglich zu ſchwer düncken, fo 
wird Er in dem Erſten Regifter, oder ſo genannten Vocabu- 
lario, einedem Geiſt des Autoris vollfommen -gemaße ind 
folide Erflarung davon antreffen. Die in dem Zweyten 
Regifter angeführte Schriftftellen, fo vom Autore hin und 
wieder erlautert werden, Fönen einem unerfahrnen oder pr=- 
occupirten Lefer zum Zeugniß ſeyn, wie der fel. Autor - 
nicht8 wieder die heilige Schrift habe, noch diefelbe ver- 
werfe. Geraͤth er nur in GOttes Segen auf die Spur 
des Geiſtes, dahin diefe-Schriften führen, fofol Er mig 
Bermunderung zum Lobe GOttes erfahren, mie mächtig 
fie ihm die heilige Schrift auflchlieffen werden, und wie 
wahr auch die nur äuffere Erfahrung des feligen Dr. Spe- 
ners fey, fo in den Lebens-Lauf, fe. 5. $. 10. in ber 
Anmerkung unter andern beygebracht worden. Der reis 
chen und ungemeinen Schat der Görtlichen Geheimniffe 
und Erkenntniß, der in Dielen Schriften verborgen BR 
x ann 
















22 Erinnerung. 


kaun der geliebte Leſer gleichſam in einem ſehr bequemen 
Spiegel erſehen, wenn Er ſich in dem Dritten Resl-Re- 
gifter ein wenig umzuſehen Belieben tragt. Was endlich 
Druck und Pappier betrifft, fo halten wir, daß auch 
beydes nicht unangenehm ind Auae fallen, fondern dem 
Ehriftlichen Leſer zu einem erwecklichen Zeugniß dienen wer⸗ 
de, wie willfahrig man feiner feitd mit Anwendung gehoͤ—⸗ 
iger Sorgfalt und Koften geweſen, demſelben dieſe theu- 
ve Schriften fo vein und vollfommen, ald es nur bey uns 
fern Umſtaͤnden möglich geweſen, zu uberliefern, Daher 
wir um fo vielmehr da8 Vertrauen haben, derielbe wer: 
de die, aller przcaution ungeachtet, mit untergelaufenen 
Druckfehler gutig uberfeben, und vermöne der davon ge- 
gebenen und "meiftentheild am Ende der Regiſter befind« 
lichen Verzeichniß verbeffern, als welche ohne dig die 
Vollkommenheit des Geiftes in "unferm Autore bey 
eines ieden Gottliebenden Lefer uͤberfluͤßig ver- 
guten wird, 





2 (0) E 33 
Spiegel der Weisheit, 


Darinn ein ieder Chriſt ſich fehauen und den 
Geift erwecken mag, mit welchem diefe Schrif: 
| ten zu leſen. 





Menfehwerdung JESU Chriſti I. Theil, 


Cap. 7. $. 10. Die Liebe und Sanftmuth iff unfer 
ESchwert,fie iſt das Feuer ded andern Principii, deme der Teu⸗ 
fel und die Welt feind find. Licbe ſiehet in GOtt der Zorn 

ſiehet in die Hölle. 


$. ır. Solch Wiffen wird Feinem gegeben ohne’ Ringen ; 
ı aber nicht alle ausm Ziel, viele aus eiferigem Suchen. 


| 6.14. Es iſt ein ſehr groffer Ernſt vorhanden, als von 
der Welt her nie geſchehen. 


4. 15. Es iſt nicht genug, beten: HErr, gib mir einen 
ſtarcken Glauben! ſondern du muſt in Chriſti Leiden und Ster⸗ 
ben eingehen, und aus ſeinem Tode neugeboren werden. 


Cap. 8, 6, 1. Unſer rechtes Leben, damit wir GOtt ſol⸗ 
len ſchauen, iſt als ein verdaͤmpfet Feuer, in manchen auch 
wol als das Feuer im Stein verſchloſſen; wir muͤſſens aus- 
ſchlagen mit ernſter Einwendung zu GOtt. 


9. 5. Wie ſchlaͤgt die aͤuſſere Vernunft oft das edle Bild, 
dad aus dem Dornen-Bade aus der Truͤbſal auswaͤchſet: mie 
gar mancher Zweig wird von dem Perlen-Baum abgeriſſen 
durch Zmeifel und Unghauben, welcher die Dienfchen in den 
falſchen Weg einführt > 


e Cap. 


24 Spiegel der Weisheit. 

Cap. 9. d. 2. Wir haben das Centrum der Natur in 
und, machen mir einen Engel aus ung,fo find twir dag ; machen 
wir einen Teufel aus ung, fo find wir das auch ; wir find alhier 
im Machen, in der Schöpfung, wir ſtehen im Acer; GOttes 
Wille in ber Liebe ffebet im Centro des Lebens gegen ung, 


Cap. 10. $. 2, Begehren, Sinnen und Gemuͤth halten 
inne des Geiſtes Centrum, aus welchem der ſtarcke Wille aus⸗ 
geboren wird, in welchem die rechte wahre Gleichniß und dag 
Bild GOttes mit Fleifh und Blur ſtehet, ſtehet aber in der 
Berborgenpeit. 


Cap. 12. $. 18. Der Teufel iſt ein fleter Bergifter der 
Complerion : mo er ein Suncklein reucht, das ihm dienet, das 
ftellet er dem Menſchen immer für; imaginivet der Menſch 
nur darein, er wird ihn Bald inficiren. 


4. 19. Darum heiffet es: Wachet ‚ betet, ſeyd nüchtern, 
führer ein maßiges Leben ; denn der Teufel euer Wiederfacher 
gehet herum ald ein brüllender Loͤwe, und ſuchet, welchen er 


verfchlinge. 1. Petr, 5:8. 
Cap. 4 $. 6. Der Willeiftdie Wurgelder Bildniß, ein 
falſcher Wille zerſtoͤrt die Bildniß. 


0, 
IF) 
un 
Yan 


RN) * 
RAN LG, Äl 
— — INT rn 
YANG NG 
SEO, CH, 





: AURO- 





DE VITA ET SCRIPTIS 
JACOBL BÖHMII 
Ausführlich erläuterter 


Sikpriicher Bericht 


von dem 


eben 


St 
Schriften 


des teutſchen Wunder-Mannes 
und hocherleuchteten Theoſophi, 


Facob Voͤhmens, 


aus bewaͤhrten und unverwerflichen Nachrichten 
mit aller Treue und Aufrichtigkeit 


in ſieben Abtheilungen verfaſſet, 
und uber alle vorige Editionen 


mit wichtigen Erläuterungen und Zufägen 
vermehret,auch durchgehends mit Fleiß verbeffert, 


Zum Vergmigen der Riebhaber diefes 


theuren Mannes und feiner fehr edlen Schriften, 
zum Druck befördert. 


Im Jahr des ausgebornen groſſen Heils 1730. | 








entnnät a u. 8 
Ki a } —— Sun, 
ar DR 


2 


OR Ri te bad Bund? u 
> In ER cp; au 2 PR U 5 — 









emp 
BR u ar, 5 


2 Ass OR 






F u) * * In 
ar ale J * 







je aaa Di Br j —— NR je. Ro #7 
I 
— REIT — — —— — —— — wre > 


PIE HE, ne * at —— — 


Y 
J 
— 


Not = 
NIT IST Sn 


IR NS er INN NIE NIS 


N 
h 
4 


In 
! — Au) \ 
q 





Summarifcher Zehalt 
des ausführlid) » erläuterten Hiſtoriſchen 
Berichtsvon dem Leben und Schriftey 


Jacob Boͤhmens. 


J. Herrn Abrabams von Srankenberg, Nobil. 
Silef, Bericht von Jacob Böhmens Vater: 
fand, Eltern und Haus⸗Stand; von feiner 
Göttlichen Erleuchtung und Gnaden-Gabe, 
wie auch von der Weiffagung eines unbe⸗ 
Fanten Mannes in. feiner Jugend; _fer- 

ner von deſſen Schriften und andern Köder 

Wbbenheiten; endlich auch von feinem —5 — 
chen Mandel und fel. Abfterben. 


11. Herrn Cornelii Weißners, Med. Doct. zu Breß⸗ 
lau, Relation von des Autoris Sanftmuth, 
Demuth und Freundlichkeit, auch von dem 
Examine und Colloquio zu Dreßden. 

. Herrn Tobiaͤ Robers,Med.D zu — 

a 2 richt 


Summariſcher Inhalt. 
richt von der Kranckheit, Abſterben und Be⸗ 
graͤbniß des Seligen. 


m, Heren Ebrenfried Hegenicii, Patricii und 
| Raths⸗Verwandten zu Görlik, Zeugniß ton 
Dem Talent und Schriften des Autoris, auch 
von feiner Erfentniß des Grundes der Nas 
tur; dabey zweyer Bürgermeifter Documen- 
ta befindlich. 


V. Mehrere Merckwuͤrdigkeiten vonJac. Boͤh⸗ 
mens Wohnhaus und Begraͤbniß⸗Platz; von 
feiner Perſon und Beruff; nebſt Wiederho⸗ 

Jung aller feiner Schriften, 


VL Von den alten und neuen Editionen der Schrif⸗ 

ten ZB. wie auch von den Hollaͤndiſchen, 

Engliſchen und andern Überfegungen ders 
felben. 


VIL Catalogus der Drioinäten- Hand-Schriften | 
und erften Eopeyen der Schriften ſel. J. B. 
wie fie GOtt Ao. 1728 wieder gegeben. 


‚DE 








DE VITA ET SCRIPTIS 

oder 
Hiſtoriſcher Bericht 
Sonden Leben und Schriften 


Jacob Boͤhmens. 
| 





J. 

Herrn Abraham von Frankenberg, 
auf Ludwigsdorf, eines Gottſeligen Schleſiſchen 
| von Adel und vertrauten Freundes des 
| fel. Autoris. 


Gruͤndlicher und wahrhafter Bericht 
‚von dem Leben und Abfcheid des in GOtt 
‚feligeruhenden Jacob Boͤhmens, diefer Theoſophi⸗ 
| fhen Schriften eigentlichen Autoris 
und Schreibers. 
| Summarien. 
OP yeob Höhmend Geburts⸗Zeit, Baterkand und Eltern. 6. 1. 2. 
Als ein Knabe er hat des Viehes gehütet,3. und findet Borbe⸗ 
| deutungs: weile verborgene Schäße ineinem Berge; a. welches 
guch mit ander-meitigen Zeugmiffen bemäbret wird. s. Darauf wird 
Er zur Schulen gehalten, und ferner aufs Schuhmacher Handwerck ge⸗ 
than. 6. Nachdem er ausgelernet und darauf gemwandert , hat er fich 
‚in den Eheltand begeben. ibid, Und wie Er von Jugend an GOtt ums 
kinen H. Geiſt gebeten hat; fo ih Er auch darauf mit Göttlichen — * 
| a 3 umfa 


er r e ** 

6Ausfuͤhrlicher Bericht | 

; umfangen worden, 7. auf Art aller 9. Männer GOttes. 8. Eines 
unbekanten Mannes Zeugniß von ihm, in feiner Jugend. 9. Er hält 
fich fleißig zur Kirchen „ und wird feiner GOttesfurcht halber gehaſſet. 
10. In der 2. Göftlichen Erleuchtung wird ihme Centrum Natura 
eröffnet, ı1._und in der 3, wird er mit dem Heim und Thummim begna⸗ 

diget. 12. Schreibet Ao. 1612 fein erſtes Buch Auroram, welches 
durch Göttliche Schickung offenbar wird, 13. wieder des Satans 
Danck, 14. welcher vergeblich diefes Ficht auslöfchen wollen. ıs. Der; 
zeichniß feiner Schriften , wie fie nach den Jahren heraus gekommen, 
16. Die 40 ragen von der Geelen find durch Dr. Balth. Walter ges 
ftellet , und von Werdenhagen in die Tateinifche Sprache überfeget, 17, 
Dr. Walters Zeugniß von des Autoris Babe, 18.19. Woher J. B. die 
Jateinifchen Wörter habe? 20. Deleben groſſes Zalent.2ı, Nach⸗ 
denckliche Geſchichte mit einem Sophiſten. 22. Gabe der Prüfung und 

rophezen bey I. B.23. Sein Signet oder Pitſchaft; 24. Symbo⸗— 
um oder Wahlipruch ; 25. Gedaͤchtniß in Stamm: Bucher 5 26. auf: 

fere Leibes-Geſtalt. 27. ‚Seine legte Schriften, Krandheit und felt 
‚ges Abſterben, 28.29. moben der Abicheid Herrn Joh, Doufa in Holz 
Land mit erzehlet wird. 30.31. J. B. Beerdigung , 32. und Monits 
ment, mit einem zierlichen umd finnreichen Epitaphio. 33: 40. I. B. 
iſt der rechte Autor diefer Schriften. 40. , Warnung an die Fälterer, qı. 
Das Thoͤrichte der Welt it GOttes Werckzeug. a2. Gelehrte, Ber: 
kehrte a3. Es kommt aber nunmehro GOttes Stunde, 44. und der 
Sabbath⸗Tas it vorhanden. as. Niemand foffe fich an des Autoris 
Einfalt. 46. Es it ein gar hoher und tiefer Grund der Erkentniß in 
ihm ‚47. 48. welche Gnaden-Gabe von EDEL in einer ſehr verworre⸗ 

.. nen Zeit an Teutſchland verfiehen worden, 49. Autoris Prophetifches 
und Apoftolifihes Zeugniß , auch geheimes Talent wird nun eröffnet, 
30, si. nicht der Bernunft, fondern dem demüthiaen Sucher 552. dann 
aus Babel kommt feine ErTeuchfung. 53.54. Denlinterfcheid eines Gott⸗ 
gelchrten und Weltgelehrten findet man in Werdenhagens Pſycholo⸗ 
gia vera, 55. mie auch in mehreren Zeugniffen klaͤrlich angewieſen. 
56.57. Beſchluß dieſes Berichts. 58.59. 


911 befchreiben den Gottſeligen Lebens Lauff diefes von 
SS‘ GOtt hochbegnadeten Zeugend und Teutſchen Wun⸗ 
X der-Manned Jacob Boͤhmens, möchte wol ein 
klugfinnig, und anfehnlicher Zier - Redner von nd» 

then ſeyn: Weil ſichs aber big auf ießt noch keiner , auch von 
feinen eigenen Landes: Leuten unterfangen will ich nur als ein 
Benachbarter fir meine wenige Perfon, fo viel mir aus muͤndli⸗ 
cher Zufammen Sprache des felig Verftorbenen von 1623 und 
1624 bi8 annoch im Gedachtniß verblieben, Fürglich und eins 
föltig, iedoch ariindlich und wahrhaftig anmelden. Nemlich: 
3, Es iſt der felige Dann Jacob Böhme, im 1575. Jahre 
nach Chriſti unferd HErrn Geburt zu Alt:Geidenberg, einem 
gemefenen Marckflecken ohngefehr anderthalb Meilen ** 
tz 







von J. B Leben und Schriften], 7 
Goͤrlitz in Ober⸗Lauſitz, nach den Gebirge zu, gelegen, von ſei⸗ 
nem Vater Jacob und ſeiner Mutter Urſula, beyden armen 
und geringen Bauers⸗Leuten, guter Teutſcher Art aus Chriſt⸗ 
lich-und unbeflecktem Ehebett gezeuget, auf dieſe Welt gebo⸗ 
ren, Jacob (als ein kuͤnftiger Untertreter der Elauitiſchen Ge⸗ 
burt )genant worden. 

3 Nachdem er nun etwas erwachfen, bat er neben andern 
Dorf- Knaben des Viehes auf dem Felde hüten, und alfo ſei⸗ 
nen Eltern mit biligem Gehorſam zur Hand gehen müffen- 

4. Bey welchem feinem Hirten-Stande ihme dis begegnet, 
daß er einsmals um die Mittags: Stunde ſich von den andern 
Knaben abgefondert ‚undauf den davon nicht meit abgelege- 
sion Berg, die Aandes: Erone genant, allein für fich ſelbſt ge 
ftiegen, aldar zu oberſt (welchen Ort er mir felber gezeiget und 
dis erzehlet) mo es mit groffen rothen Steinen, faſt einem 
Thuͤr⸗Gerichte gleich, verwachten und befchloffen, einen offe⸗ 
| nen Eingang gefunden, in ‘welchem er aus Einfalt gegangen, 

und darinnen eine groffe Bütte mit Gelde angetroffen, worüber 
ibm ein Graufen angefommen, darum er auch nicht8 davon 
genommen, fondern alfoledig-und eilfertig wiederheraus ges 
gangen. Dbernun wolnachmald mit andern Hüte-Jungen 
zum öftern wieder hinauf geftiegen, bat er doch ſolchen Eins 
gang nie mehr offen geſehen; (melcheg eine Vorbebeutung auf 
feinen aeiftlichen Eingang in die verborgene Schag:Rammer 
der Göttlichen und Natürlichen Weisheit und Gebeimniffen 
wol feyn können) Es ift aber felbiger Schaß nach etlichen . 
Sahren, wie er berichtet, von einem fremden Künftler geho- 
ben, und hinweg geführet worden , worüber foldyer Schatz⸗ 
Gräber ( weil der Fluch dabey gewelen ) eines ſchaͤndlichen To⸗ 
des verdorben. : 

5. Und iftfich auch uber ſolchem des J. B Eingange in den 
hohlen Bera nicht groß zu vermwundern : ſintemal (wie in des 
Heinrich Kornmannd Büchlein, der Venus-DBerg genant, 
item in des viel und weit gereifeten und erfahrnen Leonhardi 
Thurnheifferd Schriften, ſowol beym Hamelmanno in ber 
Holfteinifchen Dfdenburgifchen Chronica, Theophrafto Para- 
celfo, Agricola, Mathefio, Aldrovando, Theobaldo, Kirchero, 
Zeillero, und andern: itemin der Wahlen Schatz und Berg⸗ 
Buͤchlein enthalten) derogleichen Wunder-Oerter bin und 
wieder angetroffen worden. Maſſen denn auf dem * 

a 4 e⸗ 


3Ausfuhrlicher Bericht 
Gebirge, nahe bey dem Hirſchbergiſchen Warmen Brunnen 
in Schleſien, ſonderlich auf der AVENTROT-Yurg, unter 
dem Stein mit ſieben Ecken, und andern vielen Orten zu fin⸗ 
den, Ja es iſt der fromme und gelehrte, wiewol wenigen be⸗ 
kante Mann Johann Beer von der Schweidnitz im Jahr 
1570 durch Goͤttliche Vergoͤnſtigung fo weit gekommen, daß 
er zu erlichen Zeiten in den Zotten-und andere dafelbff herum⸗ 
gelegene Berge icdoch nach gewiffer Maſſe, und nicht ohne 
Göttliche Furcht) geben , und die Wunder und Schaße dev 
Erden darinnen feben und nach Nochdurft gebrauchen mögen. 
Wie in deme vor wenig Jahren zu Amfterdam gedruckten 
Buͤchlein vom Gewinn und Verluſt Beiftlicher und Reiblicher 
Güter; ſowol in der merckwuͤrdigen Relation yon denen drey 
verbanneten Geiſtern im Zotten: Berge (mit welchen Ehren 
nemeldter Johann Beer perfönlich Sprache gehalten) um: 
ſtaͤndlich zu vernehmen. 

G. Nun wenden wir und wiederum zu unſerm Jacob: Deſ⸗ 
ſen Eltern dieweil ſie vermercket, daß ſich bey dieſem ihrem 
Sohne gar eine feine, gute und geiſtſame Natur angelaſſen, 
haben ſie ihn zur Schulen gehalten, da er nebenſt taͤglichem 

Gebet, auch gewoͤhnlicher Tifch:und Haus-Zucht,nach Noth⸗ 
durft Leſen und etwas Schreiben gelernet, bis er von ihnen auf 
das Schuhmacher⸗Han dwerck gethan ; Darinnen er auch red⸗ 
lich und ehrlich ausgelernet, darauf gewandert ‚'und endlich 
im Jahr 1504 zugleich Meifter und Bräutigam geworden, 
mir der tugendſamen Jungfrauen Catharina, des ehrbaren 
Hanſen Kunſchmanns , Bürgers und Fleifchhauers in Goͤr⸗ 

litz, Eheteiblichen Tochter, Mit welcher er 30 Jahr bis an 
fein felige® Ende ‚ in ſtiller und friedlicher Ehe gelebet, und 

durch GOttes Gegen 4 Söhne gezeuget, davon einer ein Gold⸗ 
ſchmid, der ander ein Schuhmacher, die andern, andere Hand: 
wercfer worden. 

7. Demnach nun wolgebachter unfer IF. B. von Jugend 
aufder Gottesfurcht in aller Demuth und Einfalt ergeben ges 
weſen, und fonberlich den Predigten fehr aerne beygewohnet, 
ifter endlich durch den tröftlichen Berheiffungd: Spruch un: 
ferd Heilandes, Lue. 11:13. Der Bater im Himmel will oder 
wird den H· Geiſt geben, denen, die Ihn darum Bitten ‚in fich 
felber erwecket , wie auch zugleich durch den Streit, und das 
manchfaltige Schul⸗ Gezaͤncke von der Religion (darein er ” 

nl 





von J. B. Leben und Schriften... 9 
nicht ſchicken und richten koͤnnen) erreget und beweget worden, 
daß er um die Wahrheit zu erkennen, iedoch in Einfalt des 
Geiſtes, inbruͤnſtig und unaufhoͤrlich gebetet, geſuchet und an= 
geklopfet, bis er (damals bey feinem Meiſter auf der Wander⸗ 
ſchaft) durch den Zug des Vaters in dem Sohne, dem Geiſte 
nach in den H. Sabbath und herrlichen Ruhetag der Seelen 
verſetzet, und alſo ſeiner Bitte gewaͤhret worden; alwo er 
(feiner eigen Bekentniß nach) mir Goͤttlichem Lichte um⸗ 
fangen, und 7 Zagelang in höchfter Goͤttlicher Befchaulich- 
keit und Sreudenreich geffanden. 

8. In welcher recht Apocalyptifchen,aber aus groſſer Blind⸗ 
und Bosheit ietzt verworfenen Schulen des Geiſtes GOttes, 
die H. Patriarchen, Koͤnige, Propheten, Apoſtel und Maͤnner 
GOttes iederzeit geſtudiret und dannenhero das Geheimniß 
des Reichs und Gerichtes GOttes und Chriſti, nachmahlen, 
wie auch Chriſtus die ewige Weisheit des Vaters ſelber) durch 
allerhand Gleichniſſe und Figuren, hohe und tiefe Spruͤche 
und Reden, wie auch mit Wunder und Thaten der Welt eroͤff⸗ 
net, und mit Darſtreck und Aufopferung ihres eigenen Lei⸗ 
bes und Lebens gantz ernſtlich und beſtaͤndiglich angekuͤndiget 

b 


en. 

9. Und kann wol ſeyn, daß auch von auſſen durch Magifch- 
Aſtraliſche Wirckung der geſtirnten Geiſter, zu dieſem H. Lies 
be⸗Feuer, gleichſam ein verborgener Gluͤmmer und Zunder, 
mit an: und eingeleget worden: Denn wie mir der ſelige Mann 
felber erzehlet, bat ſichs einsmals bey feinen Lehrjahren zuge- 
tragen , daß ein fremder zwar fchlecht befleideter, doch feiner 
und ehrbarer Mann, vor den Laden fommen,welcher ein Paar 
Schuh für fich zu Fauff begehret; Weil aber weder Meiſter 
noch Meifterin zu hauſe, bat J. B. als ein Lehr-Funge, 
felbige zu verkauften, fich nicht erfuhnen wollen, bis der Dann 
mit Ernſt darauf gedrungen: Und ald er ihm die Schuh (der 
Meinung Käufern abzufchrecken ) ziemlich ! hoch und uber 
rechte Billigkeit geboten , hat ihm der Mann daffelbe Geld 
alſobald und ohneeinige Wiederrede dafür gegeben , die Schub 
genommen, fortgegangen, und alder ein wenig vondem Laden 
abgekommen, flille aeftanden, und mit lauter und ernſter 
Stimme geruffen: Jacob, fomme heraus! Woruber er in 
fich ſelbſt erſchrocken, daß ihn diefer unbefante Dann mit eige; 
nem Tauff⸗Ramen genennet, und ſich boch erholer, aufge⸗ 

a 5 | ſtan⸗ 


10 Ausführlicher Bericht 
flanden, zuibme aufdie Safle gegangen. Da ihn der Mann 
eines Ernſt⸗ freundlichen Anſehens, mit Lichtfunckelnden Au⸗ 
gen, bey der. rechten Hand gefaſſet, ihme ſtrack und ſtarck in die 
Yugen gefeben und gefprochen : Jacob, du bift klein aber dw 
wirft groß und gar ein ander Menſch⸗ und Mann werden, 
daß fich die Weltüber dir verwundern wird! Darum fo 
fey fromm, fürchte SOtt / und ehre fein Wort; infonders 
beit lis gerne in H. Schrift , darinnen du Troft und Untere 
weifung haft, denn du wirft viel Noth und Armuth mit 
Verfolgung leioen müflen ; Aber fey getroſt und bleib bes 
ſtaͤndig denn du biſt GOtt lieb, und Er iſt dir gnädig! Wor⸗ 
aufder Mann ihm die Hand gedrücker, wiederum ſtarck in die 
Augen gefeben, und allo feinen Weg vor fich gangen. Er 
der Jacob aber nicht wenig darüber beffürst worden, und folche 
Weiſſagung und Ermahnung , mit der Geftalt des Mannes, 
immer im Gemůͤthe behalten, und nicht vergeffen können, auch 
forthin in allem feinem Thun ernſthafter und. aufmerckiger 
worden, alio daß auch obaedarhter Geiffficher Ausruff und 
Sabbaths⸗Tag nach weniger Zeit darauferfolger. 

10. Aug welchem, al$ ex wieder zu fich felber kommen, fol: 
gende die Lüfte der thörichten Tugend je mehr und mehr abge: 
leget, fleißig zur Kirchen aangen, nebenſt Yefung der H. Bis 
bel, ſich des gepredigten Worts und der hochwuͤrdigen Sa: 
sramentenordentlich gebraucht, wird er durch Goͤttlichen Eifer 
getrieben, daß er ſchandbare Wort und Narrentbeydung ‚in: 
fonderheit, Gotteslafterliche Reden und Flüche nicht hören 
noch leiden Eönnen, fondern auch an feinem eigenen Meifter, 
bey deme er gearbeitet , vermweifen und ftraffen müffen. Sich 
alſo aus Liebe zu wahrer Sottfeligfeit und Tugend, eines ehr⸗ 
baren, eingezogenen Lebens befliffen, und aller Uppigfeit und 
böfen Befellfchaft entfchlagen, worüber er dann, weil es dem 
Welt-Brauch gang zumieder, mit fpöttlichem Hohn⸗Lachen 
und Schmach: Worten verfolget, und endlich. von feinem eige⸗ 
nen Meifter (als welcher folchen Haus⸗Propheten nicht leiden 
Fönnen ) weiter zu wandern, verabfiheidet worden. 

r1. Unterdeſſen, und nachdem er fich als ein getreuer Arbeiz 
ter feiner eigenen Hand, im Schweiß feines Angeficht8 geneh⸗ 
ret, wird er mit des 17. Seculi Anfang, nemlich Anno 1600, als 
im 25. Fahre feines Alters zum andernmal vom Göttlichen 
Lichte ergriffen, und mit feinem geſtirnten Seelen⸗Geiſte durch 

einen 








von. B. Leben und Schriften... n 
\ einen gählichen Anblick eines Zinnern Gefaͤſſes (als des lieb⸗ 
lich Jovialiſchen Scheing ) zu dem innerſten Grunde oder 
| Centro der geheimen Natur eingeführet; Daerals in etwas 

zweyfelhaft um folche vermeinte Phantafey aus dem&emürbe 
zu ſchlagen zu Börliß vor dem Neyßthore [almo er an ber 
Brücken feine Wohnung gehabt] ins Grüne gegangen, und 
doch nicht8 deitomeniger folchen empfangenen Blick je langer 
je mehr und Flarer empfunden ‚ alfo daß er vermittelft der ans 
gebildeten Signaturen oder Figuren, Lineamenten und Kar 
ben , allen Gefihöpfen gleichfam in das Her und in die inner⸗ 
ſte Natur hinein ſehen koͤnnen, (wie auch in ſeinem Buͤchlein 
de Signatura Rerum, dieſer ihm eingedruckte Grund genug: 
ſam verfläret und enthalten, ) wodurch er mit groffen Freu: 
den uͤberſchuͤttet, ſtille geſchwiegen, GOtt gelober, feiner Haus: 
Geſchaͤfte und Kinder: Zucht wahrgenommen „und mit ieder> 
mann fried: und freundlich umgegangen , und von folchem feis 
nem empfangenen Lichte, und innern Wandel mit GOtt und 
der Natur, wenig oder nicht8 gegen jemanden gedacht. 

12. Aber nach dem im Verborgenen wirckenden heiligen Rath 
and Willen GOttes wird er nach 10 Jahren, nemlich 1610, 
durch Lberfchattung des H. Beiftes, zum drittenmal von 
GOtt berühret,und mit neuem Licht und Recht begnadet und 
befräftiget. Damit er nun folche groffe Gnade fo ihm befche: 
ben, nicht aus der Gedaͤchtniß lieſſe, noch auch feinem fo heili⸗ 
gen und troffreichen Lehr-Meifter wiederftrebte ; fchrieb- er 
( doch nur für fich felbff) bey geringen Mitteln,und mit gar kei: 
nen Buͤchern als nur der 9. Bibel verfeben,. 

13. Im Sabre 1612 fein 1. Buch Morgenroͤthe im Auf: 
gange, (nachmald von Dr, Balthaſar Waltern AURORA 
genant ) welches ob er es mol niemanden , ald endlich auf 

roſſe Bitte einem molbefanten von Adel, der es ohn gefahr 
Ben ihme funden , nur zum Überlefen anvertranet, auch nicht. 
gewolt, daß es an das offene Tage:Licht fommen, viel weniger 
gedruckt werden folle: Hat doch der von Adel aus groffer Be- 
gierde zu folchem verborgenen Grunde, daffelbe alfobald zer- 
theilet , und nebenff eigener Hand durch unterfihiedene Copi⸗ 
ſten bey Tag und Nacht gang eilfertig abgefchrieben , worauf 
es einem und dem andern befant bis esendlich auch dem O⸗ 
ber- Pfarrer zu Görlig, Gregorio Richtern, kund worden, 
der es dem gemeinen oder verkehrten Schul: Brauche * 

ohne 


2 Ausfuͤhrlicher Bericht 
ohne genugfame Prüfung und Erkentniß, alſobald mit oͤf⸗ 
fentlicher Lafterung von dem Predigftuhle zum hoͤchſten ver- 
dammet, und folches auch mit perfünlichen Schmaͤh un dBan⸗ 
niſirungen des unfchuldigenAutoris fo ofte und lange wiederhos 
tet und getrieben, bis leglich der Rath zu Goͤrlitz ſelber nachges 
fraget, Jacob Böhmen, ald ihren Burger, vor fich gefodert, 
(fo gefchehen Anno 1613, Freytags den 26. Jul.) das Buch auf 
dem Rathhauſe verwahret, und den Autorem, fich an feinem 
Leiſte begnügen, dad Bucyer-Schreiben aber unterwegen zu 
faffenverwarnet. Wie folcher Procef anderwerts ausfuͤhr⸗ 
lich, infonderbeit aber auch der. unförmliche Eifer dieſes uns 
zeitigen Nichterd, und die groffe Sanftmuth und Demuth 
des feligen J. B. neben andern hoch⸗bedencklichen Zeugnifs 
fender Chur-Sächfifchen Herren Theologen, in einem hiebey 
mit angehängten Send: Schreiben Herrn Dr. Cornelii Weis- 
ners, berühmten Medici und Chymici , umffandlich zu befin- 
den. (. Nr. I.) Das Autographum oder die einene J. B. 
Handfehrift ſolches Buchs ( da e8 bereit abcopiret war iſt, 
nachdeme es in die 27 Jahre in des Raths Verwahrung gemwes 
fen, den 26. November Anno 1641, durch Dr. Paul Scipio, 
Buͤrgermeiſtern dafelbft, und nachgehends ihrer Churfuͤrſtl. 
Durchl. Appellations-Rath, dem Churf. Saͤchſiſchen Haus: 
Marſchallen zu Dreßden, Hrn. Georg von Pflugen auf Po⸗ 
ſterſtein, als wolbeliebenden Patron unſers J. B. da er nach 
Soͤrlitz kommen, gepraͤſentiret, und aus deſſen Hand ferner 
durch Henr. Prunium, Hasſ. an Abraham Willems von 
Beyerland, Bürger und Kaufmann zu Amſterdam verſchickt 
worden. | 
14 Woraus zu fehen, wieder Fürfk der Finſterniß, als ein 
abgefagter Erbfeind des wahren Goͤttlichen Ficht8 , durch da 
nunmehr jelanger je klaͤrer fich offenbarende Geheimniß der 
Bosheit, in feinen Gliedern und Werchzeugen , fich wieder 
alles was GOtt, Gut, oder GOttes heiſſet, ja wieder und über 
Chriftum , dad wefentliche lebendigmachende Wort, als den 
HErrn ſeinen GOtt ſelber, gang freventlich, vergeſſen und 
boshaftig , doch blinder weiſe ſetzet, und nicht ruhet bis erfein 
Muͤthlein gekühlet, und den Unfchuldigen gefället. Deffen er 
Bern mit ewigem Grimmen und Grießgrammen, in den hoͤlli⸗ 
ſchen Zorn:und Feuerflammen wird büffen, und das ſe— 
tige Sicht, und holdſelige Angeſicht GOttes in Ewig “ | 
nicht 


—* 





von. B. Leben und Schriften. L 13 
nicht ſehen müffen, Wehe ihme und feinen Hölfen- Kindern, 
| den VBerlaumbderifchen und unverfühnlichen Natter » Zungen 
und Tieger⸗ Hergen! 

%. ufbat der heilige und gebultige Mann einen be= 
truͤbten bath (2. Chronic; 36: 21.) gantzer 7 Jahr lang, aus 
einfaͤltigem alſo vermeintem Gehorſam zu feiner Obrigkeit, ge⸗ 

halten, und innerhalb ſolcher Zeit nichts geſchrieben, indeme 
ſein hohes icht ſich gantz verborgen; wovon er in dem Buche 
ber 3 Principien c. 24: 3. 16. ꝛc. auch in den Send-Briefen, 
als im 1:17. IV: 17.18. xil: 13. 2c. faſt Eläglich fchreibet und war⸗ 
netz Bis er endlich nach groffem Rampf, Muͤhe und Noth die 
erfte Gnade wieder erreiche, und den Much gefaflet, bins 
führo auf und mit GOtt alles zu wagen. Als er demnach 
durch weitere, nemlich der vierren Bewegung des inihme 
\ Böttlich gelegten Grundes mit überfchwenglichen Gnaden 
geſtaͤrcket und erwecket wie auch durch etlicher Bottesfürch- 
tiger und Natur: verffändiger Rente Suchen und Anhalten 
folch hochtheures Pfund nicht zu vergraben, fondern GOtte 
und feiner Gemeine zu Ehren und Nugen wol anzulegen, ins _ 
ftandig ermahnet worden, greift er im Namen GOttes wieder 
zu der Feder, fahret fort mit Schreiben, und verfertiget 
bey guter Muͤſſe, Weile und Ruhe, Cweiler fein Handwerk 
zu treiben, feinen Verlag gehabt) folgende herrliche, und 
Bis and Ende der Welt daurende hochruͤhmliche Schriften. 

16. Aldnemlich ANNO 1619. 
No,2. Von den Drey Principien, dabey ein — vom 
zfachen Leben des M enfeben, 
ANNO 1620. 

3. Vom Dreyfachen Leben des Menſchen. 

4. Antw. aufdie 40 Sragenvonder Seelen. 

5. Von der Menſchwerdung Chriſti, von feinem Leis 
den, Sterben und Auferffebung ; tem vom 
Baum des Glaubens. 

6, Ein Buch von 6 Puncten, 

7. Vom Simmliſchen und Irdiſchen Myſterio 

8. Von den letzten Zeiten an Paul Kaym. 

| ANNO 1621, 

O. De Sienatura Rerum, | 

10. Von den 4 Compierionen. 

u. Apologig an Balthaſar Tilken, 





12. Be⸗ 


r e ⸗ ⸗ 

14 Ausfuͤhrlicher Bericht 

12 Bedencken uͤber Eſaiam Stiefeln. 

ANNO 1622. 

13. Von der wahren Buſſe. 

14. Von wahrer Gelaſſenheit. * 

15. Von der Wiedergeburt, 

16. De Pœnitentia. ya 

ANNO 16323. 
17. Von der Verfebung und Gnaden:Wabl, 
18. Myfterium Magnum über Genefin. 
ANNO 1624. & 
19. Eine Tafelder Principiorum an Johann Sigmund 
von Schweinich und Abraham von Seankenberg. 

20. Vom uͤberſinnlichen Zeben. ü 

21. Von Höttlicber Beſchaulichkeit, . 

22. Von den 2 Teftamenten Chriſti. | 

* gig einer 'erleuchteren und unerleuchteren 

eele, 
34. Apologia wieder den Primarium zu Goͤrlitz, Grego- 
rium Richter. 
25. Von 177 Theofopbifchen Sragen. 
26. Auszug des Myfterii Magni. 
27. Bin Geber-düchlein. 
28. Tafel Börtlicher Offenbarung der dreyen melten, 
geboͤret zur 47. Epiſt. 

29. Vom Irrthum Kzechiel Meths. 

30. Vom Juͤngſten Berichte. 

31. Briefe an unterfcbiedliche Perfonen. 

Anmerkung. 
Diefer Inder der Theoſophiſchen Schriften if vom Gel: Ahr, von Fran⸗ 
Eenberg nur zur nöthigen Nachricht entworfen , und eben nit ganz 

- genaudie Ordnung beebachtek, wovon in der 5. Abtheilung am Ende, 


„ein mehrers. | | 
17. Wobey zu erinnern , daB die 40 Fragen von der See- 
len durch den in Europa, Africa und Aſia febr wolzgereifes 
een und erfahrnen Medicum Chymicum, Dr. Balthaſar Wal: 
tern von Groß: Blogau aus Schlefien, (als er fich drey 
Monat lang bey Jacob Böhmen in feinem Hauslein 
vor der Neyßbruͤcken zu Goͤrlitz aufgehalten, und viel gehei⸗ 
me und vertraute Gefpräche mit ihme gepflogen) mit ſonderba⸗ 
vem hoben Bedacht geſtellet, vondem Edlen und Hochgelehr= 
sen Herrn Johanne Angelio Werdenhagen, Rechtsgelehr⸗ 
J ten 

































von J. B. Leben und Schriften... 15 
ten und Fürftl. Küneburgifchen Rathe, in die Rateinifche Spras 
che überfegt,, und Anno 1632 zu Amſterdam unter dem Titul 
Pfychologia Vera, Zehen vornehmen Polıticis zugefchrieben. 
in 18. und folgendes Anno 1648 eben daſelbſt in 12. Teutfch 
gedruckt worden. Bon Ihmeiſt unten N. VL $.7. weiter zu 


eben. 

—8* Wol Ehren⸗gedachter Dr. Balthaſar Walter (welcher 
nachmals zu Paris geitorben , und des Teutonici Schriften 
bey vornehmen Leuten dafelbft und anderswo befant gemacht 
und hinterlaffen ) hat unterfihiedlich und zum öftern betheuret, 
daß er auf feinen vielen und weiten Reifen, infonderheit als 
er ganger 6 Fahr lang in Arabia, Syrien und Egypten ge: 
weſen, und nach der wahren verborgenen Weisheit ( welche 
man font Kabbalam, Magiam ,; Chymiam, oder auch in ih⸗ 
rem rechten Verſtande Theofophiam nennet ) mit groffem em⸗ 
figen Fleiſſe geforfcher, feldige auch Hin und wieder zwar 
Stuͤckweiſe und vermifiht , nirgends aber fo vollfommen hoch 
und tiefrein gegruͤndet, ald bey diefem einfältigen Marne und 
verworfenen Eckitein (nicht ohne groffen Anftoß, und Aer⸗ 
‚gerniß der Dialectifchen Schul Gelehrten, und Metaphyſi— 
ſchen Kirchen- Lichter ) gefunden. Und hat fih D 3.10. bey 
unferm Theodidadto , den er ( vielleicht nach dem alten Cano+* 
nico, Joh, Teutonico, oder zum Unterfcheid der Nationen 
und wegen der vorfreflichen Gabe folcher Hochteutfch:geftel- 
feten Schriften ) Teutonicum Philofophum genennet , fonffen 
in feiner Dizt und allem Thun fehr ffrenge, und wie J. B. 
meldete, gar Moſaiſch und Hartmännifch gehalten, auch 
nicht mol vermercket, Daß Jacob Böhm hingegen mehr frey: 
und fanftmüthig oder indifferent, und ohne eigenwehligen 
Aufſatz gemwefen. 

[19. Wie denn das bloffe Kunſt⸗ und Natur⸗ ohne das H. 
Gunſt⸗ und Gnaden- Licht, immer mehr aufferlich , ſcharf, 
partheyilch , aefeslich , als innerlich, füffe, linde, Catholiſch 
und Evangelifch ift: und dannenhero die Gaben des Geifteg, 
‚nach Unterfcheid ihres urfprünglichen Grundes und erften 
Herfommeng, wie auch aus ihren Früchten und Ausgebur- 
ten billig und mwolbedachtlich zu unterſcheiden, und einen ieglie - 
n das Seine (machdeme e8 ein Glied am Reibe,oderGefäß und 
erckzeug im Haufe ift) gereimlich zuzueignen und mitzutheis 
n; nicht aber (wie in Babel gefthieht) alles uber einen Kamm 
— zu 


16° Ausfuͤhrlicher Bericht 
zu feheren, ober über einen Reiften zu fehlagen, und was nicht in 
allem fehnurgleiche oder einfeitig mit einſtimmet, alfobald zu 
verfegern und zu verdbammen , wie in Diefen unſers Teutonici 
Schriften ſehr grundlich und verfandlich ausgeführer zu 
befinden. ] h Yoga 
20. Ferner fo iſt auch abfonberlich zu mercken, daß unfer 
feliger Teutonicus Diejenigen Lateiniſchen Terminos und Kunſt⸗ 
Woͤrter , ſo er (ſonderlich in ſeinen letzten Schriften) gebraucht, 
nicht von ſich ſelber, oder einigem Leſen fremder Buͤcher; fonts 
bern ang gepflogener fo ſchrift⸗ als mundlichen Kundſchaft mit 


21. Bey welchem ich ihme auch dis Zeugniß geben muß, 
daß er, ob zwar langſamer, jedoch Deutlich und leslicher Hand, 
im Schreiben nicht leicht ein Wörtlein geändert oder ausge⸗ 
fteichen ; fondern wie ed ihme von dem Geiſte GOttes in den 
Sinn gegeben , alfo reinlich und unabcopiret aufgefchrieben. 
Welches noch mol manchens Hochgelehrten mangeln dörfte ! 
So viel iſt an demrechten Doctore und Ditarore, nemlich dem 
Seifte und Troft Böttlicher Weisheit und Wahrheit gelegen, 
davon aber heutige felbit - gemachiene Rluglinge wenig oder: 
auch wolgar nichts hören, glauben oder wiſſen wollen, und: 
deromegen auch mit recht gründlichen Erfentniß der gehei⸗ 
men Weisheit und verborgenen Wahrheit, nicht unbillig vers 
fchonet bleiben. i x 

22. Diefes ift auch merckwuͤrdig zu erinnern, welches er 
mündlich erzehlet , daß auf eine Zeitein Fremdling von klei⸗ 
ner Statur, doch ſpitziges Anfehens, und wigigen Verſtandes, 
zu ihme vor die Thuͤre fommen , mit freundlichem —— 

| ichen 


voon FBLebenund Schriften...  ı7 
lichen Gluͤckwuͤnſchen und bittlichem Erſuchen, weil er ver> 
nommen daß er, 3.9. mit einem befondern Geifte begabet, 
‚ berogleichen insgemein nicht zu finden, und aber ein ieglicher 
dasjenige Gute fo er empfangen, billig feinem Nächten auch 
gönnen und mittheilen folte: Er, I. B. fowol thun, und ihm 
ſolchen befondern Geiſt auch geben, oder (mie dem Simoni Ma- 
go) um Geld hinlaſſen wolte. Worauf ihm J. B. mit gebuͤh⸗ 
rendem Gegendanck eingehalten, daß er ſich hoher und groſſer 
Gaben und Kuͤnſte gantz unwuͤrdig ſchaͤtzte, auch dergleichen, 
als ihm der Fremde etwa einbildete, bey ſich gar nicht befaͤnde, 
‚fondern nur fchlecht und recht in dem allgemeinen Glauben 
und Vertrauen zu GOtt, und der Bruderlichen Liebe zu ſei— 
nem Nachften, lebte und wandelte; Im übrigen aber von Eeis 
‚nem Singular-oder wie e8 der Fremde meinte, Familiar-Geis 
fie, nicht wuͤſte noch etwas hielte; wolte er aber ja einen Geiſt 
haben, fo folte er (wie 3.5. gethan) ernfte Buſſe thun, und 
‚den Vater in Himmel um feinen Heiligen Geiſt der Gnaden 
\inbrünftiglich anruffen, fo wurde Er Ihn ihme geben , und ihn 
dadurch inalle Wahrheit leiten. Welches aber biefer bethoͤr⸗ 
te Menfchnicht annehmen, fendern kurtz um, ja mit falfch:ına= 
sifcher Beſchwerung des 3.5 vermeinten Familiar-Beift aug 
ihm erzwingen wollen, bis J. B. im Geiff ergrimmet, ihn Bey 
der rechten Hand gefaffet , ſtarck angeſehen und gehalten , in 

























Worüber diefer Banner mit Zittern erfihrocden ‚um Verzei— 
hung gebeten,daß alſo J. B. von feinem Eifer nachgelaffen, ihn 
‚von folcher Simoney und Teufeley gar ernſtlich abgemahnet, 
und ohne weiterd Halten alfo ab-und hinziehen laffen. 
23. Seiner groflen Sanftmuth, Gedult und Demuth, wie 
‚nicht weniger der durchdringenden Gabe, des MenſchenGeiſt zu 
Terforfchen und feine Berborgenbeit zu offenbaren,erhellet nebft 
jetzt erwehnetem aus folgender Geſchicht. Es iſt der felige 
Mann nebenſt dem Herrn David von Schweinich und an⸗ 
deren, bey einem Edelmann geweſen. Als nun der Herr Da⸗ 
oid von Schweinich von dar abgereift, hat er den Edelmann 
zebeten, wenn er den Jacob Böhmen von fich laffen wuͤrbe, 
jolte er ihn zu ihm auffein Gut Seifersdorf ſchicken, welches 
Yiefer auch gethan. Es hat aber ein Medicus, der dem ſel. 
Böhmen fehr feind gemefen,dem Jungen der ihn führen ſollen, 
inen Ortsthaler mit dem Beding gegeben, daß er benfelben in 
Kin ans 


3 Ausfuͤhrlicher Bericht 

eine Pfüge werfen folte; melches felbiser auch freventlich ges 
than. Denn,ald er nahe beySeifersdorf bey einer groffen Pfuͤ⸗ 
ge fommen, hat er den guten Dann hinein gemorfen, welcher 


| 


. 
n 


ſich demnach nicht allein übel befudele ; fondern weil er mie 


dem Kopfe aufeinen fpigigen Stein getroffen,ibm ein Loch ges 
fchlagen, daß er ſehr geblutet. Als dieſes der Junge gefehen, 
iſt er Sehr erſchrocken, hat angefangen zu weinen, iſt auf den 
Edel⸗Hof gelauffen, und berichtet was vorgegangen. Als 
nun Herr David von Schweinich biefed erfahren, hat er dem 
fel. Böhmen in die Schaferep führen, auch alba verbinden 
und reinigen laffen, ihm auch ein ander Kleid zum Anziehen ges 
ſchickt. Nachdem er nun ausgehen können, und in die Hof⸗ 


: 
. 


ſtube kommen, bat er allen Anmwefenden die Hand geboten; und. 


weildes Herren David von Schweinich Kinder daſelbſt in der 
Drdnung geffanden, und er zueiner unter den Töchtern kom⸗ 
men, hat er, nachdem er ihr die Hand geboten , gelagt: Diefe 
iſt das froͤmmſte Menfch unter allen, fo hier in diefer Stube 
verfamlet find; Hat auch feine Hand auf ihr Haupt gelegt, 
und einen befondern Gegen gefprochen. Es fol diefe Toch⸗ 
ter, mehrbefagten Herrn David von Schweinich eigener 
Bekentniß nach , auch das froͤmmſte unter feinen Kindern ges 
welen ſeyn. Weilnnun gleich damals der Herr David von 
Schweinich einen Schwager famt feiner Frau und Kindern 
bey fich gehabt, welcher dem nunmehr fel. Böhmen fehr feind 
geweſen ihn agirt, einen Propheten gefcholten, und von ihm 
beaehret, daß er ihm etwas prophezeyen folte; hat er fich ſehr 
entſchuldiget dag er Fein Prophet,fondern ein einfältiger Mann 
ware, auch niemalg für einen Propheten ausgegeben , und gar 
fehr gebeten, daß er feiner verfihonen woltes Der Edelmann 
aber mit agiren immer fortgefahren, und unterfihiedlich ans 
gehalten, daß er ihm etwas prophegeyenfolte. Und ob gleich 
der Herr David von Schweinich feinem Schwager einge⸗ 
redet und gebeten, daß er doch diefen Mann wolle zufrieders 


laſſen, bat e8 doch nichts helfen wollen. Als nun der gute ° 
Boͤhm ſo oft von ihm gereiget worden , hat er angefangen? 
Weilihrs ja fo haben wolt, und ich vor euch Feine Ruhe ha⸗ 
ben kann, fo werde ich euch fagen muffen , was ihr nicht gerne. ' 


hören wollet. Der Edelmann erblaffend verfegte: Er folte 
nur ſagen was er wolte. Daraufer angefangen und erzeblet, 


was für ein gottlos, argerlich und leichtfertigeS Leben hin und 
ai | wieder 





| von J. Leben und Schriften. 19 
wieder big dahin er geführet, wie es ihm darbey ergangen, und 
wie es ihm ferner ergehen werde, welches denn auch alleg 
| wahrhaftig erfolget iſt. Deſſen hat fih nun der Edelmann 
\ heftig geſchaͤmet, fich über die maflen erbittert und erzürnef, 
und auf den lieben Boͤhm los fihlagen wollen, melches aber 
| Herr David von Schweinich unternommen, und damit er 
demſelben Ruhe verfchafte, hat er ihn nebenft 6 Speifen zum 
| Pfarrer PT. gefihickt, und bitten laſſen, daß er ihn bey fich bez 
halten wolte, fo dann auch geſchehen, und er uber Nacht aldor> 
| ten geblieben, und des folgenden Morgens wieder nach Goͤrlitz 
gebracht worden. 



























Anmerkung. | 

Nachhero hat einer von Görlig buͤrtig, etwas ausführlicher gemeldet 
von demſelben Edelmann, als folte derielbe damals in folchem ihme 
felbit erweckten Grimm und Zorn nicht Tange bey Herrn David von 
Schweinich verblieben, fondern ganz entrüftet aufgeftanden ſehn, fich 
zu Pferde gefest haben , und nad) Haufereiten wollen ‚ fey aber von 
Pferde geftürgt, den Hals gebrochen und todt gefunden, tie ihme 
dann von Jacob Böhmen (dag nemlich fein Ende nahe vorhanden 
wäre) ſolches auffein eigen Begehren angekündigt, 

24. Wobey noch etliche zufällige Anmerckungen: Seit, 
des ſel. 3.5.Siegel oder Pitſchaft war eine aus dem Him⸗ 
mel gereckte Hand mit einem Zweige von drey sufgebluheten 
‚Lilien als dag Raptum Magicum (Pa/ddes Virga): Die bi: 
hende Ruthe Aaronis! Das Reich der Kilien im Paradeid 
GoOttes; welches zur legten Zeit, da das Ende wiederum in 
feinen Anfang geführet und der Circul beſchloſſen wird, fol 
offenbar werden. Die Taube Noah mit ihremFriedbringens 
‚den Del:Blat nach überffandener Geiftliher Suͤndfluth. 
| Der guldene Zweig Znez,und Herculis guldener Apfel: Zweig 
aus dem Garten der Hefperidum, als er den Drachen über: 
‚wunden, zum Zeugniß des in diefem wunderbaren Geelen= 
‚Streit erhaltenen Sieges und Giegeld, mit dem Abbruch des 
Adelichen Reiſes: davon die geheime Philofophia mit ihrem 
Perlenen Ritter⸗Kraͤntzlein lehret, und Autor in 
‚feinem Buß Buͤchlein oder Wege zu Ehrifto ſowol in ben 
‚andern Schriften, Geheimniß weiſe andeutet; denjenigen bes 
kant, welche in der geiſtlichen Bechtzoder Jacobaͤiſchen Ringes 
Schule das Kraͤntzlein und den Gegen erlanget. 






(Der Adiuhdes obgemin Gianeis IR an siigen Des Aufl 
er Abdruck des obgemeldten Gianets if an einigen des Aufone 
Briefen unter uns —S au ſehen.) 

| | b2 25. Sein 


Ar 


wo Yusführlicher Bericht 


05. Sein Symbolum oder gewöhnliche Obſchrift, ſonderlich 


inden Briefen, waren diefe 8 Worte: Unfer Heil Im Leben 
Jefa Chrifti In Uns! Die hohe Vereinigung ded Menſchen 
mit GOtt, durch den Glauben in der Liebe JEſu Chriſti ans 
zudeuten darinnen der rechte uralte Adel und höchfte Troſt der 
glaubigenGeelen ffammentlich gemwurgelt nach dem aller:voll- 
Tommenften Grad Göttlicher Gnaden , mit unausdencklichen 
Freuden und ewigen Frieden zu finden. 
26. In die Stamm:Bucher guter Freunde ſchrieb er ges 

meiniglich folgende Reimen: 

Weme Zeit iff wie Ewigkeit, 

Und Ewigkeit wie die Zeit; 

Der ift befreyt 
Von allem Streit. ; 

Welche mit des hocherleuchten teutſchen Lehrers Tauleri 
gleichgefinntem Reim-Sprüchlein N, 

Weme Leid ift wie Sreud, 

Und Freud wie Leid, 

Der dande GSOtt für folche Gleichbeit. 

fehr liestich, und zu wahrer Ehriff:glaubiger Gelaffenheit gar 
erbaulich mit einftimmen, auch zu verſtehen geben, daß in der 
rechten einigen Wahrheit und ewigen Weisheit ‚iin, bey und 
vor GOtt dem überal gegenmwärtig-einmefentlichem Gut, 
fein Gezweytes oder Wiederwaͤrtiges, fondern Ein mit Ein, 
ja alles ein Ewiges, Inniges und Einiges Ein al der über: 
finnliche und übermefentliche Friede GOttes felber fey ! (Von 
welchem allgemeinen Grunde ver Ewigen Einigkeit und Einis 
gen Ewigkeit Nicolaus de Cufa, Udalricus Pindarus, Joh, Picus 
Mirandula, Paulus Scalichius, Jordanus Brunus, Franeifcus 
Georgius Venerus, Autor Phyficz Reftitutz, Job. Kapnion, 
Menafle Ben Ifrael , Francifcus Patritius, Archangelus. de Bur- 
genovo , Dionyfius Areopagita , Maximilianus Sandzus, Alva- 
zez, Taulerus,Rusbroch , Henricus Harphius , Oculus Sydereus, 
und andere gnugfames Zeugniß geben.) Ob man derogleis 


chenAutores auch zumeilen, und nicht nur immer den in natuͤr⸗ 


lichen und Göttlichen Geheimniſſen, blinden und elenden 
heidniſchen Schul⸗Goͤtzen Ariſtotelem mit feiner Sophiſtiſchen 
Clamanterey und Diſputanterey hoͤren und ehren wolte. 


27. Seine J. B. auſſerliche Leibes-Geſtalt war verfal⸗ | 


len ‚und von ſchlechtem Anſehen, Heiner Statur, niedriger 
Stirne, 








| 
| 


von J. B. Leben und Schriften. T. 2 
Stirne erhobener Schläffe ‚etwas gekruͤmmter Naſen, grau 
und fait Himmel-blaulich glingender Augen, fonften mie die 
Fenfter am Tempel Salomonis, Eurg-bünnen Bartes, klein⸗ 
lautender Stimme, doch holdſeliger Rede, zůchtig in Gebir. 
den, beſcheidentlich in Worten,demüthig im Wandel, geduldig 
im Leiden, fanftmuthig von Hergen. Geinen über olle Na⸗ 
tur von GOtt bocherleuchteten Geiſt, und gang reine mol: 
verftändliche hochteutſche Redens-Art hat man and diefen 
feinen unverfalfihten Schriften in Göttlichem Lichte zu pruͤ⸗ 
fen und zu erkennen. 

28. Folget nun fein feliger Abfchied aus diefer Welt, wel: 
cher fonften anderwarts mit allen Umſtaͤnden meitlauftiger 
befchrieben ; achten aber dieſes Orts genug zu feyn, nur daß 
nötbigfte daraus zu erzeblen. 

29. As er im Jahre 1624 etliche Wochen über bey und 
in Schlefien war, und neben andern erbaulichen Gefprachen 
von dem hochfeligen Erfentnig GOttes und feines Sohnes, 
fonderlich aus dem Fichte der geheimen und offenbaren Natur, 
zugleich die drey Tafeln von Göttlicher Offenbarung (am 
Johann Sigmund von Schweinich, und wich 4. V. Fran⸗ 
Eenberg gerichtet) verfertigte, if er nach meinem Abreifen, 
mit einem hitzigen Fieber überfallen , wegen zu vielen Waſſer⸗ 
trinckens zerſchwollen, und endlich feinem Begehren nach alfo 
Franck nach Görlitz in fein Haus geführet worden. Alwo er 
nach zuvor gethaner rein⸗ Evangelifcber Glaubens: Defents 
niß und würdigem Gebrauch des Gnaden⸗-Pfandes, folgenden 
7.(17.) Nov. Sonntags verfibieden,da er zuvor feinen Sohn 
Tobiam rufte und fragte: Ober auch die fehöne Muſic hoͤr⸗ 
ge? Als er ſagte Nein, fprach er : man folte die Thüre öffnen, 
daß man den Befang befler bören Eönne, Darnach fragte 
er, wieboch es an der Uhr? Als man antwortet, es habe 
zwey gefchlagen, fprach er : Das ift noch nicht meine 
Seit, nach dreyen Stunden ift meine Zeit, unterdeſſen 
redete er dieſe Worte einmal: Odu ſtarcker Edi 3e baorb, 
rette mich nach deinem Willen! © du gecreunigtee 
HErr TESU Ehrifte, erbarme dich mein , und nim 
mich in dein Xeich! ald ed aber Faum um 6 Uhr des Mors 


| * nahm er Abſcheid von ſeinem Weibe und Sohne, ſegne⸗ 


te fie, und fprach darauf 3 Nun fahre ich bin ins Para⸗ 


dei! Hei uni — erſeuftzet tief, und 
b3 ent⸗ 


22 Ausführlicher Bericht ER 


Warn ; fuhr alfo mit Fried gay fanfte und ffille von biefev 


bi Bey welcher Geſchicht nicht unfuͤglich mit anzufuͤh⸗ 
ren, was Joh. Rud. Camerarius, Med. D. Centur. 2, Memora- 
bil. Medicinal, Artic, 94, p. 134. aus des hochgelehrten Dan, 
Heinfi ii Ehren⸗Gedaͤchtniß über des hoch⸗ beruͤhmten J. Douſæ 
Abſchied erzehlet, nemlich ehe ießtgemeldter J. Doufa, Erbe 
Herr zu Nordwyk und KRativpf aus dem Leben hintrat, iſt er 
bey noch gefundem Leibe zudem geheimen Eingange der See⸗ 
Ien gelaffen ) gleichfam verzuckt, alwo ev die Kräfte der zus 
Fünftigen Welt, nemlich die Freude der Unfterblichkeit gez 
ſchmecket, und alfe dasjenige was fonft die albereit Geftorbes 
ne erſt erlangen, bey andachtiger Vorbereitung zu feinen 
Sterb:-Stündlein voran erblicket und empfunden, denn ald 
Diefe felige Seele ohn alles Webe, fich je mehr und mehr zu ih⸗ 
rem Abſcheid nahete; ſiehe, ſo zuffet ohn alles Verſehen ber 
Umſtehenden dieſer H. Mann überlaut: Ey, was höre ich? 
oder höre ichs nur allein ? Was iſt das für eine Stimme: Was 
iſt das für ein lieblicher Befang ? als fie ſich nun darüber lan⸗ 
ge yerwunderten, und doch nichts vernahmen , werden fie ge= 
wahr, daß dieſer GOtt-geliebte, und zu den Böttlichen Wunz 
dern und Geheimniffen zugelaffene Mann nicht mehr auf 
Menfchliche oder Irdiſche, fondern Himmliſche Are und Weis 
fe lebte, und * daſelbſt ſeine Wohnung und ewige Ruh⸗ 
und Bleibe⸗Statt wieder antrete, welche er voriger Zeit in 
Adam verläffen und verloren. (Er farb An, 1604, den 8: 
O4. 59 Jahr alt.) | 
31. Derogleichen Euthanafıa cum Arthanafia oder feligers 
Anblick und Vorſchmack, bey den alten frommen und einfaltie 
gen Ehriften, wol vielgemeiner und befanter ald bey unſern 
heutigen nur aufs aͤuſſere Gefperre und Gepferre verleiteten 
Welt: Phantaften geweſen, wie die Exempel der Heiligen und 
Seligen, in GOtt ihrem beifigen Sabbath und Zebaoth Ent⸗ 

ſchlaffenen, anderwerts zu fatrer Genuͤge beweiſen. 
‚32. Hierauf hat man den verblichenen Leichnam unſers 
feligen J.B. gebührlichen gereiniget und verhuͤllet, folgends 
eingefargt /und mit einem ehrlichen und Chriſtlichen Con⸗ 
duet oder Leich Begaͤngniß (nach vom Rath, wieber den 
uch Todten » läfternden Ober: Prediger oder Hohen Priefter, 
erhaltener und gehaltener Leich⸗Sermon und Ehren-Be— 
— 





(ER 
RED 
FR 


Aus GorT, len 
Ju InsyH eben. 
EN De en * ——— — 
Eee ———— 
=p rg 10'2 #= 
dent. xbeis um 6. Bo — 





ne * 
WEN ee 


Y 
J 


* 
4 
4 








von J. B.Leben und Schriften... 23 
graͤbniß) daſelbſt zu Görlis aufden Gottes⸗Acker mit gewoͤhn⸗ 
lihemflang und Geſang begraden. Aufwelches Srab nach» 
malen gegemwertige8 Monument oder Reich- und Ehren-Ge⸗ 
daͤchtniß (aus Schlefien geſchickt aber nicht lange hernach, 
| aus Berhegung der vom Teufel befeffenen Laffer: Zungen , mit 
Koth befieckt, und zerſtuͤckt) gefegt und aufgerichtet worden. 

Anmerdung. 
| Die Laufisiiche Geſchichte melden P. II.p. 36. lit, t. eö ey, nachdem 
es wenig Stunden gefianden, abgefügt und bey Geite geichaft wor⸗ 
den. O Sandtum fc, Furtum & Sacrilegium! 0 ein vermein: 
ter H. Kirchen-Raub. 

33. War ein ſchwartz hoͤltzern Creutz mit dem Hebraͤiſchen 
Namen IHSVH und ı2 guͤldenen Sonnen-Strahlen, darunter 
ein Kindlein aufden Todten⸗Kopf mit aufgeflügten Arm und 
Haupt ruhend, mit diefen 8 Buchftaben V. H. I. L I. C. l. V. 
fo oben $. 25. ausgelegt) unterſchrieben. 

34. In einem breiten Oval-Circul oder Felde, ſtunden nach⸗ 
folgende Worte mit güldenen Buchffaben: Aus GOtt gebo- 
ven, inIHSVH geftorben, mit dem Heil. Geifte verfiegele, 
ruhet albie Jacob Böhm von Alt -Seidenberg, A+O 
1624, den 7. (17.) Novembr, um 6 Uhr im 50. Jahr feines Als 
ters feliglich verfdhieden. 

35. Zur Rechten, vom Mittag ber, war an dem Creuß 
gemahlet ein fehwarger gecrönter Adler aufeinem hohen Ber⸗ 
ge, der trat mit feinem lincken Schenckel einer groffen gemuns 
denen Schlangen auf den Kopf; indem vechten hielt er einen 
grünen Palmen⸗Zweig, und mit dem Schnabel empfing er eis 
nen aus der Sonnen dargereichten Lilien: Zweig , mit 3 ausges 
Ba Lilien, (Autoris Sigillum) dabey nicht übel geffanden 
VIDL | 

36. Zur kincken des Creuges von Mitternacht⸗ werts, Fund 
ein mit einer güldenen Erone und Creutz gecrönter ausgeruͤ— 
fteter gelber Löwe, mit dem rechten hinter-Fuße vor ſich auf 
eincım gevierten Eckſteine oder Cubo, mit dem lincken aber 
Binter fich auf dem umgekehrten Reichs - Apfel oder Globo, 
hielt in der vechten vörder - Pfoten ein Feuer : Tammendes 
Schwert, in der lincken aber ein brennendes Hers darinnen 
ein Auge, wobey fich fein gefchickt das VICI. 

37. Mitten aber unter den breiten Oval-Reime der Grab» 
Schrift, andem Stamme des Ereußes, Fund ein Lamm mit 

Pt: b4 einem 


24 Ausführlicher Bericht 
einem Bifchofd: Hute und herabbangenden Inful, [mie fonffen 
dergleichen in der 29. derer 32 magifiben Figuren Theophraft, 
Parac. in folio 605. zu finden ] unter einem Palm - Baume 
bey einer fpringenden Brunn: Duelle, auf einer grünen Auen 
unter den Blumen fich weidende, alwo ſtund VENI, And 
folche drey Worte find von dem einigen Worte Chrifto auffols 
gende Weife zu verſtehen: 
In Mundum VEN!! Satanam defcendere VIDI! 
. Infernam VICI! VIVITE Magnanimi, 

Verteutſchung. 
Ich bin gekommen — die Welt, zu huͤlf den Menſchen⸗ 

| indern ; 
Den Satan babich bald aefehn , wieer das molte hindern ; 
Ich ſtuͤrmt' ihm aber feine Hoͤll, und hab ihn überwunden ; 
Kaͤmpft wol-gemuth, BEE DER: fo wird da8 Heil ge 
unden ! 

38. Letzlich Funden von unten bey der Erden an des Creu⸗ 

tzes Stamme hinauf, feinelegte Worte; 
Nun fahr ich hin ins Paradeis, 
Daſelbſt gibt er GOtt Lob und Preiß: 
Wir ſehen nach, und warten auf, 
Bis wir auch enden unſern Lauff; 
Herr JESuU komm, führung zu hauff. 
230. Und fo viel von dem einfaltiaen Lebens⸗Lauff des von 
GOtt aelebrten, und in GOtt feligzruhenden Teutſchen 
Wunder Mannes Jacob Böhmens, fo viel-mir nemlich 
aus deffen eigenem Munde, und denn etwas mweniges aus bey: 
mefender Freunde Bericht , bierzu nöthig, bewuſt, ohne mag 
fonften von andern mag aufgemerckt, oder auch von mir felber 
vergeſſen und ausgelaffen feyn, 

40. Ob nun aber jemand ware , der fich entweder an der 
einfaltigen Berfon , oder an der bochwürdigen Gabe des Au: 
toris ärgern, und argwohnen möchte, als wenn irgendein an: 
derer mit unter der Decke laͤge, der fich unter folchem Namen 
verborgen, und der vormwißigen Welt etwas neues und unbes 
kantes vorſchwaͤtzen; oder auch etwa eine alte verdammte 
Ketzerey und ertraumte Teufeley aus dem Abgrunde bervors 

Bringen wolte: ( derogleichen bey ietzigen ohnedis traumfüch» 
tigen Belt: Phantaften, fonderlich denen de > | 
iſchen 


— — 








von J. B. Leben und Schriften!. 25 
liſchen Schul⸗Zaͤnckern, und jungen alamodiſchen Tempel⸗ 
Herren nicht ungemein.) 

41, Der toll hierinnen von GOttes und feiner ewig⸗bleiben⸗ 
den lBabrbeit wegen treulich verwarnet, mie auch nothduͤrf⸗ 
tig berichtet ſeyn: daß er fich folche gan ungegründete Ge⸗ 
dancken und verläumderifche Laͤſterungen nicht einnehmen, 
noch abwendig machen laffe, Sintemaled GOtt nach feinem 
weiſen Rath und gnaͤdigen Willen alfo gefallen ‚nicht was 
| Hoch, was mächtig, was edel, was weile, was reich, was et⸗ 
| wage. fondern wag niedrig, was ſchwach, mas unedel, was 
| sböricht,, was arm und nichts vor der Welt iſt, zu ermwehlen, 
| aufdaß er zu Schanden mache was hoch und gewaltig iſt. 
| Denn den Hoffertigen wiederſtrebet GOtt, und ftöff die Ge: 
| waltigenvon dem Stubl: Aber den Armen erböbet er aus dem 
| Korb, undden Demüthigen gibt Er folche und andere Gnade; 
| and das Geheimniß des HErrn iſt unter denen die Ihn fuͤrch⸗ 
| ten, und feinen Bund laff Er fie wiſſen. 
| 42. Wie hievon die Menge der Geifflichen und Weltlichen 
| Erempel und Hiftorien zu voller Genüge bezeuger , nemlich 
dag GOtt die Perfon nicht anfiehet , fondern aus allerley Vol: 
| ee. Geſchlecht, Sprachen, Ständen; wer Ihn fürchtet und 
recht thut, der iſt Ihme angenehme; alſo daß es ihme leicht iſt, 
aus einem Hirten wie Amos, einen Propheten, oder wie 
| David, einen König: tem, auseinem Zöllner, wie Mat⸗ 
| ıbaus, einen Evangeliften: aus ungelehrten Idioten und 
Fiſchern, wie Perrus und Andreas, Jacobus und Johan⸗ 
| neswaren, erleuchtete Apoſtel, oder aus einem Verfolger und 
Handwercker, wie Saulus einen Paulum, und auserwehl⸗ 
| gen Rruͤſtzeug: Dergleichen aus einem armen lahmen Schus 
ſter, wie unter Juliano Apoſtata, einen Vorbeter und Wun⸗ 
derthaͤter, (welcher durch ſein Gebet den Berg ins Meer ver⸗ 
ſetzen muͤſſen) oder wie vor wenig Jahren zu Wittmund im 
| Oft: Srießland, einen Schriftsmeifen Mann (davon Job. 

ng, Werdenhagen in Pfychologia pag. 365.) zu erwecken; 
und in Summa aus dem Nichts ein Etwas, ja alled zu ma⸗ 
| chen was Er felber will. 
| — DOder hat der Allmaͤchtige denn nicht Macht mit dem 
| en zuthun was Er will? Sieheſt du ſtoltzer Phariſaͤer, nei⸗ 

Sieben, und — —— bare 

auge 


.. 
* 


26. Ausfuͤhrlicher Bericht 
ſauer und ſcheel, daß der HErr unſer barmbergiaer GOtt und 
Vater gegen feine Kinder fo fromm und guͤtig iſt ? fo gebe hir 
und beiß dir felber vor Zorn und Hoffart aus Hergeleid, mit 
Enivfchenden Zahnen die Zunge ab; und reiß, und fri dein 
eigen neibifch und gottloſes Here, mit grimmen und hoͤlliſchem 
Grisgrammen, aus deinem Leibe heraus ; fo kann man erfen- 
nen daß deine Geburt aus der alten Schlangen und rachgieri⸗ 
sen Höllen: und alle deine Kunſt aus dem folgen Lucifer, und 
zornigen Drachen: Zeufel; mit nichten aber aus GDtte in 
Thriſto, und feinem Heil, Seifte und Worteder Gnaden und 
Wahrheit ift. h 
44. Dder fülte ed wol bey iegigen hochgefahrlichen Zeiten, 
oder verheereten und zerftöretenEhriftenheit nicht noͤthig feyn, 
daß GOtt einmal drein fehe, und zu dieſen verführten Voͤlckern 
und ihren blinden Leitern mit anderen Lippen rede? meildoch 
alles Fleifch feinen Weg vor dem HErrn verderbet, und fon- 
derlich der Arge in feinen geiſtlich und Chriſtlich genanten, aber 
fleifchlich und unchrifftich erfanten Schein=beiligen und fal 
feben Lichtern der berhörten und verkehrten Welt Gelehrten, 
alles aufs zierlichfte und kuͤnſtlichſte verdecket: und.doch unfer 
folcher Larven noch darzu das feurige Blut, und böllifche 
Rach-Schwert, eines Bruderz,. wieder dem. andern (zumal 
unter den Chriften und die ſich Evangelifch nennen) erwecket, 
und ausgeſtrecket hat. | 

45. Darüber ich meiter nicht eifern, ſondern die aflehneine 
Difenbarung , und fehr fchmergliche. Erfahrung bey denen 
GOtt⸗liebenden Gemüthern und Kindern des feligen Fries 
dens davon reden und urtheilen laffen will, wie fo fehrift:alg 
mind: und perfönlich lebendige Zeugniffe und Erempel gnug 
vorhanden; Wer ein Ohr hat zu hoͤren, oder ein Auge zu fe= 
ben, der hoͤre und ſehe, was dad Wort und Licht der Wahr» 
beit, in feinem hierzu beruffenen und auserwehlten Zeugen 
faget und zeiget; fo wird er befinden, Daß beydes Himmel und 
Erden wieder ietziges Gefchlechte der Menfchen Friegen, und 
daß eine noch andere Zeit und Geburt vorhanden, die fich end» 
lich wie der Blig vom Aufgange big zum Niedergange, in ei= 
nem Nun über alle Welt eröffnen, und den fiebenten Feyers 
und Feuers Abend und legten. Gerichtd: oder Sabbath-Tag 
mitbringen wird, welchen die heiligen Propheten, Vpoftel und 
andere erleuchte Gottes-Maͤnner im Geifte jederzeit geieben, 

un 








von 3. B. Leben und Schriften.T. 27 


und der legten Welt von Anfang her verfündiger haben. Das 
rum felig iſt der Knecht der da wachet wenn fein Herr fommt. 

46. Summa, niemand ffoffe fich an diefen Eckſtein der 
Einfalt, daß er nicht zerfchellet werde, fondern richte fich viel- 
mehr daran auf, und bedenke daß der Himmel dafelbft am 
böchften, wo die Erde am niedrigften ift, und daß nach dem 
Worte des HErrn, alle Hügel und hohe Berge erniedriget 
und die Thale erhöhet werden müffen, auf daß es uͤberal gleich 
und eben fey, und man fortbin ohn Anſtoß wandeln möge im 
Lande der Lebendigen- 

47. Selobet feyder Herr, der allerhöchfte, der diefen er: 
niedriget , und jenen erhöhet, und gibt feinen Geiſt, wann und 
wen er will, auf daß fich vor Ihm ein Fleiſch ruͤhme! 

48, Anreichende aber infonderheit das vertraute Pfund, 
als die Gnaden⸗Gabe, welche GOtt der hoͤchſte und einige Ge: 
ber alled Guten, von oben herab in diefes Irdene und vor der 
klugen und ffolgen Welt verachtliche Gefaͤſſe, ald einen groß 
fen Schatz und Föftliches Fein Perlein geleget : iſt dieſelbe von 
folcher Würde und Güte , daß meines Erachtend (ob man ans 
derſt offene Fenfter gen SSerufalem bat) feit der Apoſtel Zeik, 
Faum ein folcher hoher und tiefer Grund von dem mefentlichen 
Erfentniß der allerheiligften Göttlichen Drey-Einigfeit, und 
dem Lichte der geheimen und offenbaren Natur, Gnade und 
Herrlichfeit, den Menfchen dieſes Erdbodens iſt eroͤffnet und 
vorgezeiget worden. 

49. Dadenn fonderlich zu bedencken, warum doch GOtt 
folche hohe Gnaden⸗Gabe eben unferm zerfförten, und fo Beiff- 
als Leiblich verwuͤſtetem Vaterlande, Hochteutfiher Nation, 
zumaldurch eine fo fhlechte und unanfehnliche Perfon, und 
bey folcher verworrener Zeit eröffnet und gegoͤnnet; da alles 
intiefem Schlummer, Schlamm und Kummer der Zeitlichen 
Eorgen, Woluft und Nahrung (ald wie im Tode) ers 
ſuncken und erftorben, alio dag man auch bes Ewigen unſicht⸗ 
baren Gnaden- und Himmel-Reichd_ GOttes und Chriſti 
darüber vergeffen, und nur um die auffern Hülfen und Scha- 
len des todten Buchſtabens und dieſes vergänglichen, irdi- 
ſchen Leibes und Lebens (von den Fuhrern verführt) zancket, 
krieget, ſtreitet, vaubet, morder, brennet, verfolget, were 
jaget, verdammer, undum eiteler, ſchaͤndlicher eigener ar: 

* zu 


08 Ausführlicher Bericht 

Luſt und Nutzens willen, einander mit Ach und Wehe ind auf 
ferfte Berderben ffürget, und bergeftalt geberdet, ald wenn we⸗ 
der Recht noch Gericht , weder Geligkeit noch Verdammniß, 
weder Glaube noch Erkentniß, weder Himmel noch Hölle, we⸗ 
der Engel noch Teufel, weder Leben noch Tod, ja gar Fein 
GOtt iemald gemefen, oder nimmermehr zu hoffen. 

50. Worgegen nun in obbemeldten ‚bochtheuren Schriften 
unfers feligen hochteutſchen Nropheteng, und Apoftolifchen 
Zeit-Erinners , ein ausführlicher Grund und beffändiger Bes 
richt, mit folcher Erklärung eröffnet und dargethan wird, daß 
man fich ber betbörten Blindheit und verfehrten Bosheit bils 
lig zu ſchaͤmen: und dargegen die groffe Güte, Weisheit und 
Almacht GoOttes über die Menfchen, böchlich zu rühmen; 
alfo ernffe und wahre Buffe (moraufder Geiſt GOttes in dies 
fem feinem getreuen Zeugen, ald dem Buß- Prediger Noah, vor⸗ 
nemlich in Diefen legten Tagen, fiehet und anweiſet) zu wircken 
genugfam verurfachet ; mie der fleißige und unparthepifche 
Leſer diefer Schriften (ob er fie anders mürdiget) zur Genüge, 
und nicht ohne befondere Sruchtbringende Erbauung, im wah⸗ 
ren —— Chriſtenthum, ie mehr und mehr erfah⸗ 
ren wir 

51. Daß aber auch etliche Dinge (ſonderlich von bisher ums 
bekanten Geheimniffen und Verborgenheiten, der Söttlichen 
und Menſchlichen, Himmlifchen und Srdifihen, Engelifchen 
und Teufeliſchen Geburt , Natur und Eigenfehaft) darinnen 
enthalten, welche von einem ieglichen nicht alſobalde moͤgen 
verſtanden und ergriffen werden; muß man es dem Geiſte 
GOttes in feiner Schulen und für dieſe Zeit alſo heimgeſtellet 
ſeyn laffen, bis eines und anders bey Fünftiger Auswicklung 
beffer erfant, und dem Würdigen eröffnet werden möchte, 
Denn BDtt, nach feiner ervigen Weisheit, nicht alles fo bald 
zugleich und aufeinmal offenbaret,, fondern von Zeit zu Zeit 
fein heiliges Licht und Erkentniß giebet und verklaret. 

52. Wobey denn wol zu beobachten, daß ſichs in derglei⸗ 
* von GOtt eingegebenen Schriften, mit gemeinen Heidni⸗ 
ſchen Schulmeiſterlichen Examiniren und Judiciren (wie 
man ſonſten auch wol des Heiligen Geiſtes Mund und Hand 
ſelber in heiliger Goͤttlicher Schrift, nach des gott⸗ und geiſtlo⸗ 
ſen Ariſtotelis ſpitzigen Dialectica, geſchwaͤtziger Rhetorica, 
* aberwitzigen Metaphyfica gang uͤberkuͤnſtlich ig“ —* 

uglich/ 


u 


von J. B. Leben und Schriften... 29 
kluͤglich, ja Gotteslaͤſterlich zu muſtern und zu meiffern fich 
unterftehet) nicht will thun laffen, auch nicht feyn fol noch 
kann; denn was will doch der blinde Scycha vom Göttlichen 
Licht ? oder faule Jude von dem lebendigen Worte? oder der 
tbörichte Grieche von dem Geiſte der ewigen Weisheit Cdie 
er weder gefehen noch geböret oder verftanden) für ein GOtt⸗ 
Natur: Schrift: und Glaubens gemaͤſſes Urtheil fallen? gar 
nicht : fondern es gehöre eine gar viel andere Schule, Geburt 
und Proba, nemlich der Göttlichen Offenbarung und Erneu: 
rung in dem Geiffe des Gemuͤths, (ald das Licht der verborge- 
nen Gnade und Wahrheit J. C. mit Eröffnung des Reichs 
GOttes, famt dem Anblick und Vorſchmack der Kräften der 
zukuͤnftigen Welt, und des gütigen Wortes GOttes in ung) 
darzu; wie der Autor Diefer herrlichen Schriften bin und wie⸗ 
der fehr klaͤrlich und ausführlich davon zeuget und anzeiger. 

53. Ja auch die von GOtt in dem Univerfal:oder allgemei- 
nen Haupt » runde des ewig-⸗webenden und lebenden Wor- 
tes, erleuchtete Männer unter ven Heiden, Juden und Chri- 
ften, haben gar auf eine vielandere Weife ihre Oracula ‚ Spira- 
cula und Miracula oder Munder-Worte, Werke und Thaten 
geftudiret und geprackicivet, weder iegige Synagogen, und 
Höben in Babel und Iſrael (ſonderlich die vorhin bey fich 
ſelbſt Fromme, kluge fehende und reiche Frau Philautia zu Lao- 
dicea ) hören, fehen, wiflen, oder alauben und annehmen will; 
ob e8 ihnen auch ſchon GOtt felber grob und ftarck genug vor 
die Ohren und Augen fchallen und mahlen laͤſſet, daß fie es 
mit Händen greiffen möchten. 

54. Davon wir mit der Hulfe GOttes eine wolbeglaubte 
An⸗ und Ausführung thun Fönten,wenn es dieſes Dres Schick⸗ 
lichkeit, und vonnoͤthen. Iſt aber in Oculo Sydereo, Triade 
Myſtica, via veterum Sapientum, Evangelio Exulantum, Co- 
pia vom Greuel der Verwuͤſtung, Judicio Theomantico, Se- 
phiriele, Raphaele, und ſonſten, genugſamer Anlaß zu weiterer 
Erforfchung des wahren Theofophifchen Grundes gegeben; 
wie auch andere Autores, Neue und Alte, nebenft H. Echrift 
Cbefonder8 in Oculo Sydereo) angezogen , bey welchen ein 
gründliches und umftändliches zu finden. 

55. Möchte man auch des ſab No, 17. wol Ehrengedach⸗ 
- ten frommen und Ehriftlichen Juriſten und Politiei J. Ang» 
Merdenbagens Piychologiam veram J.B. T, mit ee \ 

e 


o" Ausführlicher Bericht 

Fleiſſe leſen, wiirde man dieſes Thema und Hauptſtuͤck von 
den Theodidadtis oder Gottgelehrten, wieder die Cofmodida- 
&os oder Weltgelehrten, mit Unterfcheid des Geiſtes aus 
GOtt, von dem Geiſte diefer Welt, und wie die Sreundfchaft 
und Weisheit diefer Welt vor GOtt nur Keindfchaft und 
Thorheit fey ; ja endlich aus Betrug und Riff der alten Schlan⸗ 
genden Tod, das Gerichte und ewige Verdammmig mit ſich 
bringe, aus heiliger Schrift ‚Dr. Luthero und andern hochge⸗ 
kehrten Maͤnnern zur Gnuͤge erörtert und ausgeführt befin- 
den. Gonderlich da er in der Dedication an zehn vornehme 
Politicos (gleichfam mehr billige Richter , ald theild genante 
Theologi nicht find) Lit. a. 6. c, 5. d. 3. Item pag. 63. 75. 
365. 548- 604. unſers Teutonici mit befondern Ehren ges 
dencket. 

56. So find auch ſonſten noch andere gute Schriften für 

die Liebhaber Göktlicher Weisheit oder wahrer GOttes-Ge⸗ 
Ichrtheit vorhanden, ald da iſt Harmonia oder Concordantz des 
rer ‚fo bie Welt nunmehr Catholifch, Lutheriſch und Calviniſch 
oder Reformirt nennet, A-1613 zu Augsburg gedruckt, wel 
che, fo man fie hörte, wurde man Seuaniffe genug von fols 
cher Fundamental - Schulen in ihren eigenen Schriften an 
treffen, davon doch ihre heutige laue und faule Nachfolger 
und Schüler felber nichts mehr wiffen, und dennoch folchen 
Namen führen und behaupten wollen. Wie die Juden, 
welche fich zwar Abrabams Samen und Namen rühmen; 
aber Abrahams Glauben und Leben oder Wercke niche 
haben: Und hilfe nicht, daß man der verſtorbenen Heiligert 
‚and Propheten Graber von auffen fo ſchoͤne ſchmuͤcket und 
ſchmincket, fo ed doch von innen nur nach dem Tode und der 
Höllen ſchmecket und ſtincket, wie Chriſtus, die emige Wahrs 
heit und Weisheit, felber zeuget, und beym Evangeliften 
Matth, cap. 23. wol achtmal Weh über folche Schriftgelehr⸗ 
ten und Pharifaer fehreyer! daran ſich unfere Neulinge und 
Weichlinge mol fpiegeln, und ihre Geſtalt vor GOtt in feines 
Richt und Gerichte recht ernftlich befchauen moͤchten, würden. 
"fie den alten Natter-⸗Balg und Natur, Schale, oder den alles 
verberbenden Antichrift nicht nur zu Rem und Conſtantino⸗ 
pel, fondern auch in ihrem eigenen Bufen , Hirne, Haufe und 
Hergen, inwohnende und wirckende, in zumeilen gar ſtarck 
wuͤtende, befinden, | 

Kr | 57. Item,/ 


von J. B. Leben und Schriften.T. 31 

87. tem, iſt auch ein geiſtliches Büchlein Daniel Friede⸗ 
richs, daß alle Ehriffen , vom Sröften bis zum Kleinften ‚ ein 
ieder feiner Maß nach, von GOtt muͤſſen gelehrt werben, 
Anno 3643 gedruckt, darinnen 32 Fragen von folchen Bruns 
de beantwortet werden. Nicht minder iſt in Clavi und Theo. 
logia Myftica Maxımil, Sandzi 1640 aus mehr dann 120 
Autoren von der wahren geiftlichen Geburt, heiligen Reben 
und himmliſchen Wandel mit Chriſto in GOtt: wie such das 
ſelbſt und ſonſten abſonderlich Joh. Taulero, Job. Kus- 
broch, Henr. Harphio, Henr. Suſen, al. Sufone, Thoma 
de Kempis (oder Job. Gerfon) Teutſchen Theologia, Luthe⸗ 
ro, Job. Arnden, und andern zumal Ale Zeutfchen erleuch- 
teten Männern, eine folche Praxis oder Übung der wahren 
weientlichen Theologia oder Gottſeligkeit enthalten, davon 
man in den offentlichen Predigten ber rhetorifirenden Kunſt⸗ 
Rednern iegiger Zeiten faft wenig oder felten, ja wol nichts 
und nimmer höret; und müffen dennoch ihre Worte lauter 
heilig und Goͤttlich Ding, ja vom dritten Himmel herab ge 
redt feyn, welches wahrlich ein groffer Ruhm , wenn man. es 
inder Wahrheit alfo empfinden, oder auch aus ihrem Leben 
und Wandel vermercen und erlernen Fünte: aber hiervon 
mag die Erfahrung, und eines ieglichen Gewiſſen, felber re: 
Den und zeugen. 

58. Wir ſchauen auf das Emige, und bauen auf dad Ei- 
nige, und befchlieffen diefe unfere Erinnerung mit bem Ges 
bet unfers allein wahrhaftiaften Kehrers und Meifters J. C. 
da er im Seifte fich freuete, und Match, U. und Luc. 10. alſo 


prach: | 
59. Ich preife dich Bater, HErr Himmels und der Erden, 
dag. du folches ( Geheimnig der Gostfeligkeit) denen Weifen 
und Klugen Cdiefer Welt) verborgen haft, und haft es denen 
(Släubigen und) Unmündigen (deines Reichs) geoffenba⸗ 
vet: Ja, Bater ! dennesift alſo Crecht und) wolgefällig ge⸗ 
wefen vor dir. | 


Gefchrieben den 13.023.) ———— im 
1651. Jahre. 
Durch den A. V. F. gerichteten im Glauben. 


1 Wahr⸗ 


2 
pr = 


32 Yusführlicher Bericht 
| II. | 


Wahrhaftige Relation 
Herrn Cornelii Weißners, Med. D. zu Breßlau 


von des ſel. Jacob Boͤhmen Sanft— 
muth, Demuth und Freundlichkeit, it. von 
dem Examine zu Drefden, i in Öegenwart Chur⸗ 
fuͤrſtl. Durchl. und acht der fuͤrnehm— 
ften Profefforen, 
An Herrn G.R, von Seyerland in Amfterdam, 


bes damals vor 3 fahren mit Tode abgegangenen Herrn 
Abrahams von Beyerland, älteften Sohn. 


Stummerien. —* 
K. Weißners perfönliche Bekantichaft mit I. Böhmen. 6.1.2. 
— su Goͤrlitz mit dem Primario, wenen IJ. Boͤhms 
Schwager, einem Becker. 3. Jae. Böhm daben hegeigte Ganft- 
muth und Liebe. 4. Des Teimari heftiaes Schmoͤhen auf der Can 
tzel wieder den unfchuldigen J. B. Der time mit aller Befheidunheit 
begennet. 5:8. Des Magittrats in Görlis bedenckliches Berfabren; 
9. ben deſſen Mißhelligkeit J. B der Stadt vermielen, so. aber bals 
de wieder mit Ehren zurück geführet wird. u. Von dem Eramine 
oder Colloguio zu Drekden. ız. Der berühmteften Theologorum bes 
ſcheidene Eenfur von J. Böhm, 13. und friedliche Erlaffung deffelben. 
14. Dr, Meifners und Gerhards Zeugniß vom Autore, 15.16. 
GSOttes Gnade, ſamt Brüderliche Kiebe 
und Treue bevor. ; 
Egen fel. Jacob Boͤhmens Teutonici Nachricht 
und Zeugnis zugeben, bin ich zwar, GOtt weiß es, 
willig und aeneigt zu thun, weiß aber aus eigener 
Erfahrung wenig davon ; doch fo viel mir beruft iſt, fehreibe 
E. 2. bherglich gerne, und erkenne mich ein viel mehrers, als ein 
ſolches, ſchuldig. 

2. Meine Kundſchaft demnach mit gedachtem ſeligen J.B. 
anlangende, ift gemacht worden ohngefehr im Julio 1618 zu 
Lauben in meinen Baterlande, Durch einen Handeldmann und 
Schneider (nunmehr in GOtt ruhenden fel. Kiborium 
Schneller) mit feiner Frauen Bruder, einem jungen Predi⸗ 
ger, Namens Salomon Schröter, welche beyde des feligen 


J.B, und auch meine guten Freunde waren, feine 59 ge⸗ 
reue 





von J. B.Lebenund Schriften. IL 33 
freue Difeipuli, die fich feiner Schriften ſehr befleifigen thaͤ⸗ 
ten, und auch ruhmliches gutes Erfentnig darinnen von GOtt 
erbeten und erlanget hatten. Ich aber war des Edelmanng 
bey der Schweidnig , Namens Balthaſar Tildens , Rinder 
|- Prxceptor gemwefen, und daſelbſt von ihme contrariam mentem 
| «weil er des felgen J. B. Wiederfacher war ) contra illum 
| <GHDtt vergebe mirs) ſo gefaſſet hatte, Daß ich ihme auch zu⸗ 
| wieber war, und vermeinte, daß er im Wahn einiger Praͤdeſti⸗ 
natoren fteckere, wegen der Gnaden: Wahl GÖttes in feis 
ı sem Sobne ꝛc. daher die obgemeldete zween Fremde, als 
einesmals der felige liebe Mann zu Lauben bey fie gekommen, 
mich zu fich gebeten, und zu Chriſtlicher Konfereng Anlag und 
Gelegenheit gegeben, melches (dem lieben GOtt ſey Rob und 

Danck dafür gefager) fo erbaulich und felig abgelaufen, daß 
| wir wahre Freunde, und mit billiger Hindanfeßung alles 
Argwohns und Irrthums, in Chriff-brüderlicher Liebe Ei: 
| nes worden; ba der felige Mann meine Academiſche Heftige 
keit und Ungeftumigfeit (welcher ich damals elendig unter: 
| wmorfen war) mit hoch » verwunderlicher groffer Freund: 
lichkeit vertragen, und in folcher Liebe diſcuriret, dag ich 

um gehabter Gottesfurcht willen, ihme länger nicht reſiſti⸗ 
ren Fönnen, fondern der Wahrheit und der Freundlichkeit des 
Beifted JESU Chriſti in ihme, mich ergeben müffen; ſeit 
| bei a babe ich ihm felber nicht mehr gefprochen noch 

efehen. 

K 3. Was aber den Adtum Görlicenfem (vorgefallen im Jan. 
‚ 1624) belanget, welchen ich E. 2. neulich zu. erzehlet, babe 
| denfelben alfo gewiß vernommen von vorgemeldeten getreuen 
\ Sreunden, nemlich: Daß jener Goͤrlitziſche Wiederpart , der 
daſelbſt dasmal Paftor gemefen, des fel, J.B. feinem Schwa⸗ 
| ger (einem jungen Becker, der des fel. J.B. Blurs-Freundin 
| neulich geheyrathet hatte) einen Thaler Geld zu feiner Noth- 
durft, um Weyhnachten Weißen zum Strietzel-backen einzus 
kauffen geliehen, dafur er ihm zur Danckbarkeit einen ziemli⸗ 

chen groſſen Strietzel verehret, und ihme folgends bald nach 
den Feyer⸗Tagen den Thaler Geld wieder gebracht und abae- 
zahlet habe, in Hoffnung; der Herr Prediger würde ihm für 
| diefe Zinfe des Thalers halben, welchen er nur zwey Wochen 
\ gebraucht hatte, daran genügen laffen. Der Prediger aber un⸗ 
willig, ihme mit GOttes Zorn und gremlichem Fluch Den 

€ | un 


24 Ausführlicher Bericht | 
und ben einfältigen jungen Becker fo gewaltig damit erſchreckt 
habe, daß derfelbe in fehr tiefe Schwermuth , Melancholey, 
und Zweifel feiner Seligkeit gerathen, weil er deh Priefter er 
zuͤrnet, und folchen Fluch von ihm vernommen hatte, alfo dag 
er etliche Tage lang niemanden Feine Antwort hat gegeben, 
noch von fich fagen wollen, was ihm ſchade, fondern nur ſeuf⸗ 
gen, und mit groffer Betruͤbniß mit fich felber redend, umher⸗ 
gegangen; bisendlich auf feiner Ehefrauen hertzliches Bitten 
und Begehren ihr feliger Vetter J.B. der Sachen fich anges 
nommen, dem berrübten jungen Manne fo freundlich zugeres 
det ‚bis er von ihme erfahren, was ſein Anliegen fey; und 
nachdem ers vernommen, ihn getröftet und Friede zugefpros 
chen. fich auch aufgemacht, und ungefiheuet ‚doch mit aller 
Beſcheidenheit, zum erzueneten Prediger gegangen, ihn aufs 
freundlichfte gebeten, nicht mehr mit dem. jungen Manne zu 
zuͤrnen fondern baß er ihn Gnade finden laflen wolle; er molte 
felser von des jungen Mannes wegen ihn (den erzürneten 
Prediger) mager ferner vor die Zinfe des geliehenen Thalers 
halben von ihm begebre, contentiren, und es ihme gerne brin⸗ 
gen, wann er nur wüßte, wieviel der Herr begehrete; Jedoch 
meinete er daß der arme junge Dann, feiner Möglichkeit nach, 
genug dafur gethan hätte; gleichmol, fo noch. der Herr vermeis 
ne, daß was mangele, wolte er ihm den Mangel erfegen. 

4. Darauf der Prediger mit Ungeffüme heraus gefahren 
Wos der Zerrfleck (J.B) bey ihme zu ſchaffen, ihn zu verums 
ruhigen, zu moleftiven und zu perturbiven hatte? Was eg ihn 
anginge , er folte feines Thuns warten und fich packen. Dies 
fer aber inftandig angehalten, und um Gnade gebeten , mit 
Erbietung Richtigkeit zu machen, und den Herren zu eonten⸗ 
tiren. Der Herr aber fich feiner Ungerechtigkeit und Unrechts 
geſchaͤmet, fie nicht befennen ‚noch fagen wollen mag er be: 
gehre , fondern nochmals den Supplicanten oder Inkerponen⸗ 
ten fich zu packen geboten, ihme die Stuben-Thüre gemie- 
fen, zu welcher er fich heraus packen folte. Er aber, der ges 
bietende Herr aan ſchwulſtig, breit ‚und gemachlich ‚auf feis 
nem Stuble gefeffen , auch Pantoffeln angehabt; und als der 
fromme zu GOtt ſeuftzende, demüthige, fanftmütbige, und 
ſehr liebreiche felige Interponent unverrichteter Sachen fich 
weggemendet , und im Ausgehen der Thüre, dem zornigen 
Herrn einen Chriſtlichen Vale: Segen (GOtt en euer 

rip.) } 


f 
j 








von J B. Leben und Schriften. I. 35 


Ehrm.)geforochen ; derfelbe fich er zuͤrnet, und wegen des Ge- 
gend noch viel übler ald zuvor geftellet , den Pantoffel von ſei⸗ 
nem Fuß genommen, undihn nach dem fel. Manne zur Thuͤre 
hinaus geworfen, fagende: Was ſolſt du mir, gottiofer Bube, 
noch viel gute Nacht fagen ‚oder mir wunfchen, was frage ich 
nach deinem Gegen ie. Der liebe Matt aber unerzürnet, ha— 
| be den Pantoffel aufgehoben , ihm denfelben wieder zu feinen 
Fuͤſſen geftellet, und geſaget: Herr, zuͤrnet nicht, ich thue euch 
kein Leid, ſeyd GOtt befohlen! damit zu diefem mal von ihm 
geſchieden. | = 
ı 5. Bid Sonntags hernach der Prediger fich auf die Cantzel 
gemacht, heftig invehiret, den feligen lieben Mann GOttes 
| namfündig gemacht , grenlich und erſchrecklich fulminirt dee 
gantzen Stadt und dem gantzen Erbaren Rath den Untergang 
| gedreuet, ihn aber einen Aufrübrer,, unruhigen leichtfertigen 
| Mann und Reger gefcholten , und dem Magſſtrat in Präfeng 
| der Gemeine zum Rach⸗Schwert wieder folchen Tumultuan⸗ 
| ten und Reſiſtenten des H. Predig- Amts, der_die Prediger 
| veruntubige,, fie in ihren Haufern uͤberlieffe und KetzerBuͤ⸗ 
| eher fehriebe, aufdaß GOtt nicht Urſache habe über fie zu zur: 
| nen, und im Zorne die Stadt verfinden zulaffen, gleichwie 
\ den Aufrührern Core, Dathan und Abiram, die dem Moſe wies 
derſtunden geſchehen und alles um fie mit ihnen von der Erden 
\ verfihlungen,und in Abgrund der Höllen müffen 2c. vermahnet. 
6. Worauf der unfehuldige und falfch-befchuldigte Mann, 
ı welcher eben am Pfeiler gegen uber dem Predigffuhl figend, 
| daerfeinen Stuhl gehabt, und es alles felber gedultig mic an⸗ 
\ gehöret, ftille gefchwiegen, bis dag alles Volck ausder Kirchen 
\ gemefen, er folange in feinem Stuhle gewartet habe, big der 
Prediger mit feinem Capellan, oder Amt3-Collegen, aus der 
Droſt⸗Kammer durch die Kirche nach Haufe gegangen, ſey er 
\ ihnen gefolget, und habe heraus aufdem Kirchhofe den Herrn 
| Prediger angeredet , freundlich gefraget: Waser ihm doch zu 
Leide gethan habe ? Er wuͤſte bey fich felber fich nicht zu erin⸗ 
nern daß er ihme ein ubel Wort gegeben hatte, er molte ihn 
\ Doch (in Beyfeyn des Ehrw. Herrn Capellang, der daſelbſtbey 
ihnen geftanden und mit ihm gegangen) feiner Deifferhat erin« 
| nern, und fie namhaft machen, aufdaß er depreciren, und Buffe 
thun könne, die er gerne thun wolte, mann er nur wüßte, was 
‚ er wieder ihn gefünbiger hätte ? 
2 7. Auf 


— * 


35°. Ausführlicher Bericht 
7. Auf welches der Prediger ihm anfangs nichtd antwor⸗ 
ten wollen, fondern ihn angeblicket, als ob er ihn durchs Ge⸗ 
fichte ermorden wolte, endlich angefangen im Eifer heraus zu 
geifern, greulich zu injuriiren und zu fluchen,, fagende : Hebe 
Rich weg von mir, Satan, trolle dich in Abgrund der. Hölfen 
mit deiner Unruhe, kanſt du mich nicht zu frieden laffen,, muſt 
du mich bier beſchimpfen und moleftiven, fieheft du nicht, daß 
ich ein Geiftlicher bin (weiſende auf fein Sammarien, ober 
ſchwartzen Prieſter⸗Rock) und in meinem Amte gehe? ac. 
8. Der betruͤbte und hochbeleidigre Dann zur Gegen:Ant 
wort gegeben: Ja, Ehrw. Herr, ich fehe wol, daß ihr ein 
Beiftlicher ſeyd, habe es auch in der Kirchen gehöret ‚wie es 
darum befchaffen ſey, und habe auch gefehen, daß ex daſelbſt 
in feinem Amte geffanben, halte ihn auch billig und ohne alle 
meitere Wiederrede fur einen Geiſtlichen, fomme auch deswe⸗ 
gen, und bitte ihn ald einen Beiftlichen , er wolle mir doch für 
gen, was ich ihm zuleide gethan habe? Wandte fich zu dem 
andern Beiftlichen Herrn Capellan, und ihn bittende : Ehrw. 
lieber Herr , helfe mir doch den Herrn Prediger um mein An⸗ 
liegen erbitten, mir zu fagen in eurem Beyfepn, mas ich wieder 
ibn geredet oder gethan habe, darüber er ſo eiferig auf der Can⸗ 
Gel geweſen, und dem Magiffvat die Rache befohlen hat ? Über 
welches der Prediger fich noch grimmiger geftellet, durch ſei⸗ 
nen Diener hinter fich nach den Stadtfnechten oder Gerichts⸗ 
Dienern ſchicken wollen , ihn wegzunehmen, und in Thurn: zu 
werfen, melche3 der Herr Capellan wiederfprochen und vers 
hindert, daß es nicht gefcheben, den lieben Dann entichuldiget, 
amd nach Haufe geben heiffen.. | 
9. Folgenden Montag Morgens, ald der Magiſtrat auf 
dem Rathhaufe beyfammen geweſen, und ben Ubel-Befchuls 
digten vor fich gefobert ‚ihn eraminiret / und nichts Ubels von 
ihm vernehmen , feinen Zorn noch Mißgunſt ſpuͤren, weder in 
Morten, Wercken noch Geberden an ihme etwas mercken 
koͤnnen, das zu ſtraffen mare, ihn fragend , was er. doch. dem 
Prediger zu Leide gethan habe? Er geantwortet ,.er wuͤſte es 
nicht , könte es auch von ihme nicht erfahren, bitte derohalben 
zum alleruntertbanigften und allerfleißiaften, die Wolweiſen 
Herren molten doch den Herrn Rlager.oder Prediger fommen, 
and fagen laffen, mas erihm gethan habe? Auf welches der 
gange Rath geſchloſſen, es fey billig, daß man den Herrn Uri 
| | 8 


er 


| 
| 


| 
2 





von J. B. Leben nd Schriften. I. 37 


diger freundlich zu fich Bitten laſſe, und ihn nörbige die Grava.. 
mina namfündig zu machen: Haben darauf zwey Männer 
des Raths honorifice zu dem Herrn Prediger gefchicker, und 
ibn bitten laffen , zu ihnen auf das Rathhaus zukommen, oder 
den Abgefandten Herren die Gravamina fpecifice zu entdecken ! 
Woruͤber er eiferig worden , ihnen wiederfagen laffen ‚mas er 
auf ihrem Gerichts⸗ oder Rathhauſe zu thun habe? was er zu 
ſagen habe, das ſage er an GOttes ſtatt von der Cantzel, da ſey 
ſein Rathſtuhl und Profeßions⸗Banck: was er da geſaget 
habe, deme ſolten ſie nachkommen, und den leichtfertigen, 
loſen, verwegenen Ketzer der Stadt verweiſen, auf daß er 
nicht mehr dem Heil. Predig⸗-Amte wiederſtehe, und die 
— Core, Dathan und Abiram über die gantze Stade 

ringe. 

10. Solchemnach (als dieſes an den Rath wieder uͤber⸗ 
bracht worden) haben bie Herren confulivt, und nicht finden 
Können ‚wie fiebillig der Sachen abhelfen folten,, fich befuͤrch⸗ 
tende ihres Predigerd Vehementz auf feiner Cantzel, und bes 
fchloffen den unfchuldigen J. B. der Stadt zu verweilen, im 
welchem Schluß etliche Maͤnner des Raths nicht einmilligen 
wollen, fondern aufgeftanden und davon gegangen, die uͤbri⸗ 
gen aber erequiret, und durch die Gerichts oder Stadt: Dies 
ner den unübermiefenen, getreuen, frommen Bürger der 
Stadt ſtracks zum Thore hinaus verweifen laffen. Deſſen 
der gedultige felige Dann ſich nicht geweigert, fondern gefa> 
ger: In GOttes Kamen, ihr Herren, ich will thun, mag ihre 
befehtet , und mich der Stadt enthalten, darf ich nicht vor in 
mein Haus gehen, und die Meinigen mit mir nehmen, oder 
zum wenigſten eine Nothdurft mitihnen reden? Gie aber ihe 
‚ „ne folches abgefchlagen und verweigert , fagende ‚fie koͤnten 
nun das Urtheil nicht andern, welches der gange Rath geſchloſ⸗ 
fen hätte, darinn babe er gehöret, daß er ſtracks vom Rath⸗ 
baufe mit Schimpf und Spott zur Stadt hinaus geleitet wer= 
den ſolte. Darauf er gefager : Ja, liebe Herren, es geſchehe⸗ 
weil es nicht anders ſeyn kann, ich bin zu frieden; Sey alſo hin⸗ 

aus verwieſen, uber Nacht weg geweſen. 

u. Folgenden Morgen aber, als der gantze Rath wieder zu⸗ 
ſammen kommen, und ihre Uneinigkeit geſchlichtet hatten, 
ſey ein anderer Schluß gemachet, dem verjagten, unſchuldi⸗ 
gen Mann ůͤberal nachgejaget / und aufs Sand umher ange 

—— c3 ge 


38 Ausführlicher Bericht 
geſuchet und endlich gefunden, und folenniter wieder mit Eh⸗ 
ren indie Stadt geführet worden; welches ein Wunder von 
GOtt gemwefen, mitten unter den Teufels⸗Acten und Decreten, 
Doch haben ihn feine Verfolger nicht lange Fönnen dulden 
noch zufrieden laffen ; fondern der eine Pharifaer den andern 
gegen ihn und feine Schriften aufgemachet , ihn fo bitter miß⸗ 
handelt , daß die Herren hierüber verlegen feynde, fich endlich 
verlaufen laffen , daß es ihnen lieb ſeyn würde, ſo er fich irgend 
fonft wohin aufeine Zeitlang wolte verfügen: Da nun über 
dem einige vornehme Perſonen und Freundein Drefden Ver⸗ 
langen hatten ihn zu ſprechen, begab er fich den g. Maji 1624 
dahin, alwo er bey 2 Monden fich aufgehalten. So viel iſt 
desjenigen, deffen ich für gewiß berichte, daß es alles alfo 
gefcheben fey, 


12, Wegen des Adtus zu Dreßden, weiß ich auch wol für 


gewiß zu affirmiren, aber nur autoritate aliorum fide digna» 
rum , &exceptione majorum , daß der felige (wol wie eine ges 
jagte Hindin, aus⸗ und eingejagete) Mann GOttes fey nach 
Dreßden von feinen Bönnern: daſelbſt beruffen worden, und 
von verfamleten vornehmen Dodoribus (Namens Herren 
D. Soe, D. Meifaero, D,Balduino, D. Gerbard, D Leis 
fern, noch ein Doctor, der ich ießo nicht nennen kann, und jivey 
Profefloribus Mathematigis) in Churfürftl, Durchl. Prafeng 
examiniret, und feiner Schriften halben zur Rede gefeger, 
auch in viel Wege mit allerley Theologifchen und Philofophis 
ſchen, auch Mathematiſchen Fragen angefochten, aber von kei⸗ 
nevderfelben ubermunden, noch durch einen derofelben confun: 
diret worden; fondern fo glimpflich und fo befiheiden den 
Herren Examinatoribus geantwortet, daß fie ihm Kein boͤſes 
Wort geſaget; Churfuͤrſtl Durchl. aber fich Höchlich daruͤber 
verwundert, und einen Schluß ihrer Eenfur zu wiffen begeh⸗ 
ret; Sie aber, die Herren Dodtores und Examinatores, fich ent: 
fihuldiges, und gebeten, Daß Churfürftl, Durchl. Gedutt haben 
molte, bis der Geiſt des Mannes fich deutlicher erklären werde, 
je könten ihn nicht verſtehen; hoffeten aber, er würde fich hin⸗ 
fuͤhro Elarer vernehmen laffen, alsdann wolten und koͤnten ſie 
urtheilen, ießo aber.noch nicht. f 
13. Da dann auch der wolgegrimdete Bottfelige Mann fie 
eine und andere Gegen⸗Frage fol gefraget , und fie ihme 
auch Antwort follen gegeben haben mit ziemlicher ot 
N 3 enheit, 


—.. 


N 


von J. B. Leben und Schriften, I, 39 


benbeit, nicht ſehr unmwillig, noch fehr eiferig fondern aleichwie 
beſtuͤrtzt geweſen, indeme fie von einem ſolchen einfältigem 
Layen dergleichen groffe Dinge unvermutblich zu bören, und 
nicht möglich zu verftehen gehabt ; aber nicht gelaͤſtert haͤt⸗ 
ten, ungeachtet daß den Herren Theologis der einfältige Mann 
ziemlich wol die Wahrheit vorgehalten, und von den Fabeln 
unterfihieden,, denn Er auch mit groffer Befcheidenheit fie ges 
ebret, und freundlich mit ihnen geredet, allerley Irrthum be- 
rübret, gleichfam wie mit einem Finger ihren Urſprung gegeis 
get. Den Herren Altrologis aber ausdrucklich geſaget: Ihr 
lieben Herren, fo weit ift die Wiffenfchaft eurer Mathehis rich» 
tig, recht und gegründet im Geheimniß der Natur, mas aber 
darüber iſt nemlich dig und dig xc. iſt heidniſcher Zuſatz Dummıs 
beit und Blindheit der Heiden , welchen wir Chriften nicht 
nachzufolgen hätten, 

14. Alſo haben fie ihn zufrieden gelaffen, und iff in Pace di⸗ 
mittivet worden, auch ihre Churfuͤrſtl Durchl. groß Genügen 
an feiner Antwort gehabt: Ihn abfonderlich zu fich gefodert, 
allerley Heimlichkeie mit ihme geredet , und in allen Gnaden 
ihn abgefertiget, und nach Haufe gen Görliß gefchickt haben. 

15. Mehrers Fann ich mich nicht befinnen, daß ich für ge⸗ 
wiß davon nehöret hatte; Aber nachderhand habe ich bören 
Die zween Herren Dodtores, Meifnerum und Gerhardum zu 
Mittenberg von dem fel.J.B. reden, da fie fich verwundert 
haben über der Continuation und Harmoney der Echriften 
dieſes Mannes; Herr D. Gerbard fagte: Ja ich molte die 
gantze Welt nicht nehmen, und den Mann verdammen helfen ; 
der andere, D. Meiſner, ihm geantwortet: Mein Herr Bru⸗ 
der, ich auch nicht; wer weiß, was dahinter ſteckt; wie Fürs 
nen mir urtheilen, was wir nicht begriffen haben, noch begreif⸗ 
fen können, ob es recht, ſchwartz oder weiß ſey; GOtt befehre 
den Dann, fo er irret und erhalte ung bey feiner Göttlichen 
Wahrheit, gebe ung diefelbe ie langer ie beffer zu erkennen auch 
Einn und Muth, fie augzufprechen, und Vermögen, fie forfs 
zuflangen! Damit ward was anders geredet und ich ſchied 
von dannen. Bi 

ı6. Ein andermal babe ich geböret, dag der fel.D. Meiſner 

zu Wittenberg, gefaget, Daß als des J.B. gedacht, und gefra> 

get worden, wag ihre Wol Ehrw. für ein Urtbeil von ihme 

gebe? Hater geantwortet; Er begebre nicht darzu zu is 
04 


ad Ausfuͤhrlicher Bericht 


noch zu helfen ‚daß der Dann comdemniret oder ſupprimiret 


oder relegiret werde, er fey ein Dann von munderlichen hoben: 


Geiftes⸗Gaben die man ießo noch weder verbammen,noch aps 
probirenfönne, Bitte fehlieglich an diefer ungeſchickten Re- 
lation-Schrift kein Mißfallen zu tragen. Kann ich ER. ans 
derswo mehr mit dienen, tbue ichs berslich gerne,und bitte den 
unbefanten lieben Herrn Michael le Blon zu Amſterdam offi- 
ciofe und in Chriſto freundlichft von mir zu geüffen, möchte 
wol Urſache haben einft dahin zu reifen, oder an ihn zu ſchrei⸗ 
ben, und ihm zu fprechen, GDtt erhalte ung alle in Gnaden 
bey feiner feligen Erkentniß JEſu Chriſti in uns! Den zu 
Februar, An. 1651, 

Chriſtian Weisner. M.D, (al, Wiesner.) 


11. 


Umſtaͤndlicher Beriht 
des Herrn mi Med, Doct. zu 
zͤrlitz, 


von der Kranckheit, Abſterben und Be⸗ 
graͤbniß des ſel. Autorls Theoſophi, 
an die Edlen Herren von Schweinichen. 
Geſchrieben, de dato Goͤrlitz, den 21. Nov. 1624. 


Summarien. 

ESericht von J. Boͤhms letzten Krandheit ‚s.1. und dabey ge⸗ 
machten Anſtalt. 2. Deſſen Glaubens-Bekentniß vor Em⸗ 

pfahung des H.Abendmahls,3. und Bereitwilligkeit zumSter⸗ 
ben. 4. Er hoͤret die himmliſche Muſica; deutet fein Ende an und be⸗ 
tet.s. Seine leiten Worte und ſeliger Abicheid. 6. Gein Alter, ibid. 
Derantaltung zu feiner Begräbniß. 7. LeichenzTert.8. Obrigkeitli— 
che Bewilligung in der Wittib Anſuchen; 9. darwieder ſich zwar das 
Miniſterium geſetzet, . aber von dem Magiſtrat genoͤthiget worden, 
die Leich⸗Predigt zu verrichten. u. Daraufdann die Leich⸗Begaͤngniß 
und Beerdigung erfolget. ı2. Ungebraͤuchlicher Modus der beichen⸗ 
VPredigt und Berfälihung der Perfonalien. 13. 14. Nahmunih. ıs. 
2 Michael Kurkens dem Geligen in feiner Kranckheit bemiefene grofs 
e Treue und Bedienung. 16. Nach-Rede. 17:9. Bon dem Grab: 
— 20. Hr. Mich, Kurtzens Carmen auf das Abſterben Aus 
oris. WEN, 





IMMA- 


VE 








von J B. Leben und Schriften. III. 41 
RS IMMANUEL! | | 
Edle, Beftvenge, Wolvenamte Hrn. N.N.N. von Schweis 
| nichen aufm Schweinbaus,Jobndorf. ıc. 

Enſelben neben Erbietung meiner williaen Dienfte, 
wuͤnſche ich von GOtt alle feline und zeitliche Wols 
fahrt; und Fannes nicht aus Chrifflicher Gondoleng 

| umgeben fie zu berichten, mie e8 ſich mit unferm Chriſtlichen 

Mit⸗Bruder und GOttes⸗Manne Jacob Böhmen alyier zu 

| Görlinzugetragen und verlauffen hat. Denn als er heute 

| Donnerftag 14 Tage den 7. November fehr Franck und ſchwach 
| mit groffem Geſchwulſt und Mattigkeit anhero vom Schwein: 
haus gelanget, habe ich bald gefehen aus allen Circumftantüis, 

\ daß er nicht lange leben wuͤrde, darauf ich auch Bald Hrn. 

\ Melchior Bernd von der Zittau herunter vermönet ‚welcher 

‚ mit mir eines Sinnes concludiret, daß es gu weit entweder 

| caufa zgri immorigeri oder nature moru ad morrem prædeſti- 

| natam tendete mit ihm kommen ware, und nicht mehr Jweiln 
| alvifluxus, Rugitus ventris, dolores lancinantes lateris finiftri, 
| excrefcentia ventris & pedum, Anguftia pedtoris, hians os, 
ficcitas, confumptio fumma thoracis & faciei , Urina ruffa eit- 
| <ulonigro, (quæ femper talis erat) von Anfang bald bis zu En: 
de vorbanden waren] ald nur confortantia vorhanden feyn 
| müften: Daran wir ed nicht mangeln lieffen. Nahm ung 

\ auch Wunder, daß gegenmwertiger Chymicus, weiln Er Pa: 

| tient Die gange Zeit, ald er auf dem Schweinhaug geweſen, 

‚ Kein fonderlich Fleiſch genoffen, ihm nicht aus demfelben 

| Traftige Deltillata und Extradta endlich auf dem Weg mitgege⸗ 
ben hatte. Haben alfo uns des lieben feligen Jacobi anges 

nommen, ald möglich geweſen. 

22. Und ald wirfeine Rettung fpüren konten, und er von 

Tage zu Sage fihwächer werden, habe ich und Chriſtoph 

| Küster von der Sprottau gefchloffen, damit man ihn ohn 

Anſtoͤſſe (welche wunderlich hergegangen) albier in ſeinem Va⸗ 

| terlande brauchlicher Weife begraben möge laffen, bey ihm 

| zu erwehnen, Cœnam Domini zur nehmen , welches als wir 
ibm angekuͤndiget, e8 möchte die Range nicht mit ihm wären, 
und ihn GOtt von und nehmen ; Er folte fich mit jedermann 

ı verföhnen, und fich communiciren laffen, Er daffelbe verheif: 

ſen und kuͤnftig ins Werck mit GOtt zu fegen, willeng eyn 

wolte, und ſolches von Mag. Elia, Theodoro begehren, gie 
fi | e5 i 


42 AusführliberBeriht 

ich ihme zu Abends avifirete und etliche Quæſtiones licet 
dıfhciles bey ihm zu moviren ihn erinnerte ‚darauf Er mich 
mit einer Schedula beantwortet, darinn er veriprach,baß er deg 
andern Morgeng, jedoch mit Bewuſt des Herin Primarii, feift 
Amt begehrter maffen verrichten wolte 

3. Als er aufden Morgen um 8 Uhr nemlich 2 den 15. Nov, 
gefobert worden, ift Er bey ihm erfchienen, und nobis abfenti- 
bus allerley mit ihmegerebet , und fchlechte Quzftiones movi⸗ 
ret, als nemlich (1) ob er fich für einen Sünder erfennete? dars 
aufer Ja geantwortet: (2) Es ginge ein Büchlein oder Leh⸗ 
reherum, ob er fich dazu befennete ? darauf er auch Ja ges 
forochen, er bekeñete ſich dazu, und wiſſe aanglich,daß es wieder 
den wahren Grund der Chriftlichen Lehre des gangen Neuen 
Teſtaments nicht fepn werde. (3) Bann ihme GOtt wieder 
aufbülfe, ob er fich auch zur Chriſtl. Gemeine und Verſamlung 
finden wolle? bieraufhat er gleichfalld wie vorhin annuirer. 
(2 Ob er gebachte auf das theure Verdienſt des Sohnes 
GOttes, unſers Herrn und Heilanded JEſu Chriſti, zuleben 
und zu fterben ? als er dieſes auch verjabet , bat der Praͤdicant 
ihme das Abendmal gereichet ‚und darauf gefprochen: Weil 
er iegt feinen Zuffand und Mattigkeit ſehe, daß er nicht viel 
Worte zu reden vermöchte, wolte er ietzund wieder feinen Ab⸗ 
ſchied nehmen ; doch fo die Kranckheit langer wehren möchte, 
ibn wiederum befuchen, fonderlich da er etwann alleine wieder 
zu ihm kommen möchte. Als nun folches im Namen GOttes 
verrichtet, iſt er je langer je fehmacher worden, bey feinen Ge⸗ 
dancken blieben, und fich um Terreftria weiter nicht viel ber 
kuͤmmert. 

4. Folgenden Sonnabend, in meiner, Hrn. Hans Tothen, 
von Baumgarten, Advocaten, Hrn. Michael Kurtzen und 
der Seinigen Gegenwart, deutete Ich ihm die Gefaͤhrlichkeit 
des Lebens und Raͤhe des Todes an; darauf Er antwortete, 
in dreyen Tagen werdet Ihr ſehen wie es GOtt mit mir geen⸗ 
det hat. Und als wir Ihn gefraget, ob er auch gerne ſterben 
wolte? Hat Er geantwortet Ja, nach GOttes Willen. 
Darauf wir ihn GOtt befohlen, und gewuͤnſchet, daß wir Ihn 
Morgen wils GOtt beſſer als ietzund findeten! Darauf Er 
geantwortet: Das helfe uns GOtt, Amen. Hierauf wir 
Ihn weiter lebendig in dieſer Welt nicht geſehen 

Als es nun nach Mitternacht Sonntags fruͤh am. 
N ruffe 


| 








von J B Reben und Schriften. II. 43 


ruffet or feinen Sohn Tobiam, und fraate, ob er auch hoͤrte die 
ſchoͤne Muſie? als der Nein fagte, fpricht ev, man folle die Thuͤ⸗ 
\ re öffnen, daß man den Geſang beffer hoͤren koͤnne. Darnach 
fragte er, wieviel es gefchlagen ? ald man ihm aber benennet, 
es habe 2 gefchlagen , fagte er, Daß ſey noch nicht feine Zeit. 
| Unterdeffen redete er diefe Worte einmal: Odu ſtarcker GOtt 
| Zebaoth, rette mich nach deinem Willen !darnach: D du ges 
‚ ereugigter HErr JEſu Chriſte, erbarme dich meiner , und nim 
| mich in dein Reich ! Unter andern benennet Er von feinen Bü: 
chern fo zum Theil ihm mwiffende find, diefelhe abzufodern und 
einzumahnen; nach langem hernach gefaget: Einer unter 
‚ euch foll zu Herrn Schweinichen; und alfo nichts weiter 
‚ aus Schwachheit geredet. Was nun damit gemeinet, wer⸗ 
| dendie Hr. Hrn. ald feine groffe Patronen ‚leichtlichen ver: 
fteben, und der. betrübten, binterlaffenen Wittiben mit einem 
Gratial vielleicht begegnen, und bisweilen mit etwas zu 
huͤlfe fommen, oder ihr helfen einrathen, weiln Gie alle Zuver⸗ 
ſicht auf fie hat, mie fie ihr Ecben zubringen möchte. Wie 
\ dann auch der fel. Jacob wieder fie gefaget: fie wuͤrde nach 
ihm nicht lanaefeyn. * 
* Sie ſtarb bald darauf, An.ı626. in der Erndte: Zeit,i in D. Kobers 
Haufe an der Peſt, da fieder Kranken pflegete. 
6. Als aber kommt um6 Uhr, nimt er Abfchied von fei- 
nem Weibe und Söhnen, gefegnet fie und fpricht darauf: 
| Kun fahre ich bin ıns Paradeis! Heift fich feinen Sohn 
berummenden, und erfeufßete tief, und verfchied alfo gar fanft 
und ſtille von diefer Welt. Sein gantzes Alter erſtrecket fich 
| indie 49 Sabr,inftebende im soften. SIE alfo mit frölichen 
Beberden fanft und felig von feinen Stacheln in die ewige Ru⸗ 
he vom Vater des Lichts abgefodert und verſchieden. 
1. Als Er nun eine balbe Stunde davor, ehe man bie 
Stadt: Thore aufgefchloffen, ohne unfer Beyſeyn, als nur in 
| der Geinigen Gegenwart (nach 14 wochiger Schwachbeit) ge: 
ſtorben, bin ich bald erfodert zu ihnen gegangen, und mit ihnen 
GOtt gedancket, daß ibn GOtt zu fich genommen , und ihm, 
uns allen zu Troft, ein fanftes und ſtilles Ende verlieben bat: 
und weilen ſie alhie niemanden gehabt ‚der fich feines Körpers 
‚ groß annehmen wurde, und ihn beym Beben vor feinem Ende 
\ gefraget, wonn Er nun flürbe, was fie mit ihme machen fol- 
' Me; — er geantwortet: Darum befraget euch — 
en? 


44° Ansführlicher Bericht 

Bobern: Hieraufich mich deſſen angenommen und vermei⸗ 

net, weilen Er communieiret haͤtte, es wuͤrde ſchleunig fortge⸗ 

ben, welches gantz wiederſinnig ergangen; Damit, weiln noch 

von Truͤbſal und Spott uͤbrig ware, und ihm lebendig nicht er⸗ 
zeiget worden, vollend möchte auch fein Coͤrper mit Hohn im 
die Erde fommen. 

8. Wie nun die, Leich- Nrebige neben einem aufgeſchriebe⸗ 

. nen Dicto Apoc. 3:5. Wer überwindet, der foll mir weiffen 
Bleidern angelegt werden ‚und ich werde feinen Namen 
wicht austilgen aus dem Buche des Kebens ; und ich will 
feinen Namen bekennen vor meinem Pater , und vor feiz 
nen Engeln ; und folgenden brauchlichen Bericht von feinens 
Leben, auch eined Ducaten Verehrung beym Primario alhier 
Micolao Thoma) iſt beſtellet worden folgenden Montags fruͤ⸗ 
he; hat ers, nachdem er ſeinen Namen hoͤren nennen, als⸗ 
Kald von fich gefchoben mit folchen Worten : Hinweg 
mit diefem ; Er thäte ihm Feine Leich-Predige, es möchte 
es thun wer da melte ; hatte auch verredet mit ihme zu 
Grabe zu geben , denn jedermann wuͤſte, mit welcher 
Schwaͤrmerey er dieſe Stadt und andere Sand und Leute ber 
fleckt hätte. Darüber wir zwar beflürgt, und und getroͤſtet, 
GOtt * uns wol helfen die Leiche verſorgen, daß ſie in die 
Erden kaͤme. 

9. Ordnen darauf bald an, eine Supplication durch Herrn 
Michael Kurtzen zumachen dem Bürgermeifter, weiln Fein 
Sitztag war,zuübergeben , welches durch die Wittibe gefches 
ben folte.- Als nun der Bürgermeifter folche empfangen , — 
er nach Mittage einen gantzen Rath, als in einer groſſen Sa⸗ 
che zu judiciren, beruffen, und nach vielen wiederſinnigen Ju- 
diciis aus Approbirung der Juriſten: Hamanum & pium effe, 
hæreticos houeſta fepultura afhıci + dag iſt, es ſey Leut⸗ und Gott⸗ 
ſelig, daß man auch die Ketzer ehrlich begrabe: und nach Aus⸗ 
ſage M.Eliæ Theodori, der genugſamen und vernünftigen 
Eonfeßion halber, endlichen gefchloffen, ihm eine Leich-Predige 
nit gebräuchlichen Ceremonien zuzulaffen *; welche Predige 
er ihn auch (weiln es der Primarius verredet, ob es ihme gleich 
Hart verwiefen, dennoch nicht bat thun mwollen,) thun folte mit 


diefem Beſcheid, daß er fich moderivete, und des vermeinten 


Irrthums nicht gedencken folte. 
* In dem Diario der Stadt Goͤrlitz findet fish laut — 





von J. B.Lebenund Schriften. IL. 45 


Lauſitziſchen Geſchichte P. 2. pag. 33. folgende Nachricht: Anne 
3624 den 18 Nov. iſt (ſub Conſulatu Herrn Friederich Schlett⸗ 
wichs eine Extraordingir⸗Sehion gehalten, und Herr Mag. Elias 
Theodorus, über des Schufters Jacob Boͤhmens Eonfeßion vers 
nommen, auch hierauf beichloflen worden ‚ihn mit einer Leichen⸗ 
Predigt zu begraben. Anbey it auch ermehntem Mag. Theodoro 
aufgetragen worden , gedachten Schuſters Bekentniß aufs eheite 
ſchriftlich einzugeben, und die Peichen- Predigt über fich zu nehmen, 
weilihn ein E. Rath vertreten wolte. 

10. Daraufwir wieder froh worden: und weiln die Stade 

\ verfchleffen, habe ich proponiver , wieder den Primarium nicht 

‚ über zu gehen, und ihm das Dietum, fo begehret wurde auszu⸗ 
) legen, nebendem Ducaten zu überfenden ; welches er wieder 
renuiret und fpöttlich von dem Dicto geredet ‚welches wir ihm 
‚ nicht wunfchen wollen, er möchte fonft wie ein Kohlbrand aus⸗ 
ſehen. Darauf hat man ed M. Theodoro efferivet ‚und ihn 
des Ehrb. Raths Abſchieds erinnert, welcher gleichfals ſolches 
\ abgefchlagen, und dem Primario nicht eingreifen wolte. Hier 
| über wir das Lohn und das Ditum wieder befommen,und nach 
ı beygelegter Beffurgung noch eine Supplication durch Hrır. 
ı Hans Rorben von Baumgarten, Advocaten zu Görlig) ma⸗ 
chen laſſen Morgendes Tages ald Dienſtags, einem figenden 
| Rath zu übergeben, welches auch gefcheben. (Unterm 19. 
| Nov, befindet fich 1. c. folgendes: Es ift Herr Johann Salo- 
| mon, Notarius, andermeit zu Dem Heren Primario und denen 

Diaconis abgefertiget worden, ihnen zu vermelden, Daß fie den 

verftorbenen Jacob Böhm fine Contraditiione zu Grabe 
begleiten, und weder gemeiner Stadt, noch ihnen felbft, durch 
Verweigerung Unheil zu ziehen folten, zumal da der Here 
Land: Vogt ( Earl Hannibal Graf von Done) folches vor 
gut angeſehen, und die Verweigerung hoͤchſt improbiret. C*) 
Item von 22. Nov. E8iffderHr.Primarius,auffein eingegebe: 
nes Schreiben, durch den Glöckner beſchieden worden; EE. 
Rath ware anietzo ſchwach beyſammen, dahero folte fein An⸗ 
fuchen kuͤnftig communi confilio überlegt, und ſodann beant⸗ 
wortet werden. Interim ſolte er des Schuſters weder publice 
noch privatim gegen feine Hrn. Collegen gedencken.) 

- CH) Herr Chriſtian Bernhard zum Sagan berichtet an Hrn. Michael 
le Blon in Amſterdam, (welcher unten weiter vorfommt,) daß ge⸗ 
dachter Laufisifcher Land:Woat damals eben zu Gorliß gewe⸗ 
fen, und daß bey diefem etliche Perfonen megen der Witfrauen 
geklagst haben. Darauffol Hr. Land⸗Vogt befohlen haben ‚den 
Il, J.B. mit des Schulen zu begraben, auch verihaiet, Dubs 

z 





46 Ausfuͤhrlicher Bericht 
Raths⸗Herren wieder ihren Willen, ſamt anderen Perſonen, ih⸗ 


me das Geleite bis nach der Begraͤbniß geben muͤſſen. 


71. Unterdeſſen gebiete ich, beym Todten-Graͤber das Grab 
au beſtellen, und das Volck, welches aufgeſchrieben, zur Leich⸗ 
Begaͤngniß, zu erbitten. Als nun E. Ehrb: Rath weiter Fle⸗ 
hen vermercket, gibt man Antwort: Es ſoll M. Theodorus 
die Predigt thun, und ſoll in allem mie beſchloſſen, die Leich⸗ 
Begaͤngniß gehalten werden; und weiln die Predicanten ihrem 
Sinn nachgelebet ſind fie gezwungen worden, mit zu Grabe 
zu gehen (da der Mönch auch aufs Dorf gerufcht und durchs 
Raths Roß herein geholet worden) ausgenommen der Prina- 


rius , welcher fich Franck gemacht und Artzeney Cnemlich ein 


PN faffen: Futter) eingenommen hat. | Ä 

ı2. Darauf hat man mit groſſem Aufieben der Leute und 
Unſerm feiner treuen Freunde Commitatu, mie denn auch ans 
dern Schuftern, Gärbern, und die Mitleiden mit ihme gehabt, 
allen Spott nichtd achtende , durch die juͤngſten Schuhmacher 
die Chriſtliche Leiche dahin getragen, und ehrlichen zur Erde 
beſtattet; und folches mit zwey Pulfen und der gantzen Schu⸗ 
len, GOtt ſey Lob, verrichtet. Ob nun ſolches wol der Wit⸗ 
eiben und den Kindern der Unkoſten halben ſchwer fuͤrgefallen, 
haben wir e8 dennoch wegen der Herren und weit und breit in 
der Welt anwefenden feinen guten Freunden, alio anftellen 
Iaffen. Hätten auch andere Mittel zur Hand in der Nahe 
bey den Hrn. Endern zu Leutholzhayn gehabt, wie den albereit 
ſolches fehon befchloffen worden, wo wir keine Gunſt noch Urs 
laub albier gehabt hatten; aber wir dancken dem lieben GOtt, 
der es fo weit gemittelt bat, daß. fich die Hinterlaffenen zu 
frieden geben koͤnnen, und fich wegen ihres lieben verfforbes 
nen Vaters Feiner Unehre vor dee Welt befahren dürfen. Soll 
auch aus meinem Angeben von E. E. Rath um die Geburts⸗ 
Briefeder Söhne angehalten werden; welche ihnen in dieſem 
Srüppel nicht werden verfaget werden, | 

13. Die Leichen-Predigt anlang ade; ward mis einem mins 
derlichen und fonft unbrauchlichen Eingange angefangen, ders 
geffalt, daß (gar nicht unferm Chriftlichen Mitbruder mie 
fonft brauschlichen ) er iego die Leich⸗Predigt thun folte; wolte 
aber lieber einen andern 20 Meilen zu Gefallen gegangen feyn, 
als folcheg zu verrichten: weiln aber ihme ſolches von einem 


€. Eprb. Rath anferleger worden wäre, muͤſte ers auf ſich 


nebs 





; 
x 
— 


























von 5. B. Leben und Schriften. II. 47 
ehmen und verrichten. Werden alſo die Herren Summa⸗ 
jenmeife die Predigt weiter vernehmen, durch Herrn Michael 
Kurtzen abeopirt. [ Diefe fehlechte Predigt hat man zur Erſpa⸗ 
“ung de Raums alhie mit beyzufügen Bedencken gehabt, weil 
die Abhandelumg über den Spruch Hebr. 9:27. (nachdem der 
Pr=dicane den vorgefchriebenen Leichen-⸗Teyt vermorfen ) obne 
Beitt, unddem Theoſophiſchen Leſer wol nicht gelieben möchte ; 
8 iſt auch nichts zur Hiſtoria Dienliches darinnen.) 

14. Als er nun zu Ende den Bericht, wie und mit mas 
Morten er fein Ende deſchloſſen hat, leſen follen , laͤſſet er al» 
es auſſen, weiches einem ieden, er fey wer er wolle, und mag 
er im Beſchluß geredet, nach der Leich-Predigt miederfähret, 
und beichleuff mie den Quzftionibus , welche er gegen ihm fub 
‚Donfeffione moviret, deren etliche in Conceptu Concionis at» 
gectiret worden find, | 
15. Iſt alſo nun im Namen GOttes die Leich⸗Begaͤngniß 
verrichtet, und der Coͤrper zur Erden beſtattet worden. GOtt 
der Allmaͤchtige wolle unterdeffen demſelben in der Erden ſei⸗ 
ae Ruhe, und am Juͤngſten Tage eine Fröliche Auferftehung 
von den Todten zum ewigen Leben, famt und allen allergna= 
digſt geben und verleihen, Amen 
16. Haben alfo ihm den legten Dienff erzeiget und ihm und 
ben Seinigen ihre Ehre in der Welt retten und förbern helfen: 
nd es an ung mit Rath und That nicht mangelnlaffen. Son⸗ 
herlich als die erſten ſechs Tage nach feiner albier Ankunft fei- 
‚ne Frau nicht daheimen geweſen, fondern ihrer Nahrung hal⸗ 
ben nach Dreßden und Bautzen verreifet if, haben wir kei⸗ 
nen Menfchen gehabt ber feiner wartete, deswegen den Herrn 
Michael Burgen angefprochen,, welcher fich gang willig er: 
zoten, und ihm Tag und Nacht mit Ein: und Aushebung ſei⸗ 
eg Leibes, mit heben und menden treulich beygemohnet,daß er, 
el. Jacob wieder mich gefaget : Herr Michael thut mir viel 
Butes,bilft mir GOtt ein wenig auf, ich will ibn nicht laſ⸗ 
en, fondern fördern mo ich weiß und Eann: Wie ers denn 
wol würdig iſt, denn keiner albier meined Wiffens, ihm fo 
reulich in allen Vermahnungen und Unterricht gefolget , und 
olche Profedtus facros in furgem durch Göttliche Verleihung 
‚rlanget, und frey ohne Scheu, ohne Heucheley und Mens 
hen Gunſt feine Conciones , und noch feine tägliche Reden, 
m ber Wahrheit und Liebe Chriſti willen dahin richter, daß 
er 


48 Ausfuͤhrlicher Bericht 

er ehe, glaube ich, durch ein Feuer lieffe, ehe er wuͤrde die er⸗ 
kante Wahrheit mit Heucheley ſpicken, daß mir alſo ſeines 
gleichen in der Beſtandigkeit und Treuhertzigkeit kaum fürs 
kommen iſt, welches ich ihm mie Wahrheit nachfagen darf 
SHOLE wirdibn , hoffe ich, ein fonderlich Werckzeug werben 
loffen, wäre derbelben billig , daßer mit Gelegenheit von den - 
Edlen Herren promoviret werden möchte: Darum ich freund» > 
lichen bitte fuͤrs Eine. Fuͤrs andere hat man über Einen Ehrb. 
Rath ſich gang nicht zu beſchweren: obgleich etliche find wies : 
der ihn geivefen iſt doch der meiffe Hauffen auf feiner Seiten. 
geſtanden, und ihm nichts Boͤſes bat zu zumeffen wiffen,, ſon⸗ 
derlich weiln er vom Predig⸗Amt noch niemals vocirt, vielme> 
niger übermiefen worden. 

17. Iſt alſo fuͤrs dritte auf die Cleriſey zu fehieben , welche 
els eın Gift vorm Theriac „eflohen ‚ und dag Sepeliri Jieber auf 
der Schebelftätte, halte ich dafür, ald aufm Kirchhofe haben 
sollen , wenn wir nicht andere Wege aewuſt hatten. 

18. Hat dermwegenber Chriſtliche Mitbruder nicht allein in 
feinem £eben viel Wiederwaͤrtigkeit Hohn und Spott , wegen 
feiner hohen Gaben um Chriſti willen leiden und ausſtehen 
muͤſſen, fondern auch noch fein Cörper (unangefehen daß alle 
Praͤdicanten aufder Kangelfihreyen, De mortuis nil niſi bo- 
num dici) folcher Unehre von ihnen geachtet worden. GOtt 
helfe nur, daß ihnen und den Ihrigen nicht gröfferer Spott 
zum Tranckaelde wiederfahren möge; und damit auf der 
Tantzel auch M. E. Theodarus libere reden können, hat er von 
der Reich: Predigt keinen Lohn nehmen wollen, fonbern wieder 
überantworten laffen, welches nur aus Furcht und um der an» 
dern Priefter willen geſchehen iſt von denen er viel hören müs 
fie; Nun hieß es, er harte gethan mag bräuchlich wäre ge⸗ 
mern, und ſich deffen nicht theilbaftig gemacht, fondern daß 
er wäre vom Rath dazu gezwungen worden (Wiewol er priva« 
tim zur Witwen und zum Pauffer oder Leichen-Beffeller gefagt > 
Ich will alſo auf der Cangel fagen, dag ich nichts von euch 
genommen darnach werdet ihrs wol mit mir machen.) 

19. Haben alfo einen theuren, erleuchteten, hoch von GOtt 
gelehrten lieben Mani und Vater verloren , und voran gefchickt, 
welchen wir vielmehr. al8 geſchehen iſt hatten ehren und in Acht 
nehmen follen. Sch meine ung Görlger, beffen mir nicht werth 
geweſen find ; welchen wir haben gefpottet, feinen — 

ni 


von J. B Leben und Schriften. IL 49 
nicht gerne genennet ‚ fondern einen Schwärmer, Entbufias 
fien und Phantaften Öffentlich geheiſſen. Nun mie dem allen, 
er iſt dahin; GOtt helfe, daß wirs erkennen, und feine Reden 
on und nicht erfüllet werden, welche er vielmals zu feinen 
Freunden und treuen Brüdern geſagt: Dender an mich, 
wenn ich werde hinweg kommen wie GOtt mit der Stadg 
umgeben wird, es wird ihr viellinglüd begegnen, 

*Peſt und Kriegfolgete fork darauf. - u. 

20. Nun iſt nichts übriges mehr albier , als daß man fein 
Grab mit einem oder andern Dicto ziere. Selig iſt der Mann, 
der die Anfechtung erduldet, Jac.ı. Geligfeydihr, wenn euch 
bie Leute um meinentwillen ſchmaͤhen, Match 5:11. Wollen 
bier nun die Edlem Herren etwasthun, und ihm ein zierlicheg 
Ereuge mit breiten Tafeln, und oben eine Meßinge übergüfs 
dete Sonne machen laſſen, ſtehet ihnen frey, dadurch man fein 
Grab, welches bald mitten auf dem Kirchhof oder GOttes⸗ 
Lſcker iſt, vor andern bald erfennen möge. Alhier wird nun 
ein ſchwartzer Kaſten angeordnet, und wird hiemit den Hrn. 
Hrn. I. ©. nichts vorgefchrieben, fondern appendicis loco 
nur erwähnet : welches wir fonften dergeſtalt faſt gefehloffen 

aben. - Eu 

’ or. Wollen hiemie endlich die Edlen, Geffrengen Herren, 
neben unferer aller‘ freundlichen Gruß, dem barmbersigen 
GoOtt empfehlen, ihnen die hinterlaffene betruͤbte Wittibe und 
Wayfen Ehriftlichen und Bäterlichen commenbdiren, und dar⸗ 
bey bitten, auch wie fiethun und find, die Unferigen Guͤnſtig⸗ 
Ich zu verbleiben. Datum ut fupra, } 

Ihro Geſtr. J 

—* Dienſtwilliger 

Tobias Kober, M,D, 


Weil des Herrn Mich. Kurtzens, eines Goͤrlitziſchen Civis biterati oder 
elehrten Burgers ſehr ͤfters alhie gedacht worden, auch mehrma⸗ 

en in den Send; Briefen, als hat man, um der ſo kindlichen Liebe und 
Treue willen, fo diefer Mann geaen den Theoſophum getragen, gleich 
auch) dieſer gegen jenen ‚nicht überhin können , auch deffen Carmen. 
nebre oder Leichen: Vers, fo er auf des ſel. Theoſophi Abfterben in 
atein gemachet, annoch mit beyzufügen, nebſt der Teutſchen Uber⸗ 


etzung. 
IN OBITUM AUTORIS J. B, 
Isfiades Muſæ, fi queis non ferrea corda, 2 
= N Huc properass citæ, & mecum ingeminate querelam 
— Teilen, 


0Ausfuͤhrlicher Detiht 


Trikem+ quæ feriat miferando fidera plandtu, 
Quis ültet Lacrymas moeſtis, fontesgue dolorum 
‚Obitruet,? in melius quis eœcis ommia vertet ? 
En.terus Autunmusfpolias qui gramine Campos 

t foliis arbusta (nis, (plvasque decorg, 4.0.0.2; 
Mais aimis miſeris fert fata, cietquequerelas, 
Dum JACOBE, yirum te talem ſurripit urna, 
© Behmi, decus & melioribus agnite paueis. 
Vcrgolub triſti pouam mea membra Cupreſſo F 
Decätitans querulatibiearmita triſtia voee, Kr,‘ 
O Pater, & vitæ noſtræ pars maxima btehm. 
Nön genus antiquum jactabo aut ſtemina parentum 
Nobilius, quod amat Mundus, jactantque nepotez 
Agricola nam patre ſatum ſub luminis auraa 
Taidit ipſa etiam talis paupercula Mater. 
— Nec eiũm genus eſt hocnobile 
‚gi ad placet 5 eft pieräs genusomne & ſtemma bonorum 5: ,, 
Hæc puerum & juvenem comitata eft usquefenemgue, + 11% 
‚Hat clarus memores inter poſt funera vivess 03.3 a 
Quis puexum doeuit 2, dodtus.Ludine Magiſter ? n 

uz Schola te talem fecit ? num eulta Lycza ? 

An Bläto.Philofophus ;..Sapiensve recentior ullus? 
Hæerebas minimis operis,.& pulvere in imo 


Sprettis opus manuum tradtabas: fed tua quod nune * 
Seripta ſolo pasſim ſpatioſo ſancta leguntur, a 
‚Effecitfolus, cui fpernitur, omne fuperbum, pr“ 

uique humiles adamat , lauges puerilibus oris. _ N 


Er fibi grata parans linguarum munera in imis, 
Terris tres ſuperant Nati tibi conjuge ab una x 

At dubito ulterius proles tibi Maſcula triplex, 

An ſcriptis fuerit vitam extenſura vetuſtas. 
"QuidDEUS & Natura potens, quid Terra Polusques 
oAngelus &Satanas,homo quid,quid clauſtra Barathri, 
u⸗ via ad Chriſtum miſeris, quo tramite eundum, 
"Omnia divino monitu ductuque docebac. 3 


vOppofuit Satanas fruſtra: quĩ dextra potentis 
Te tota texit vira,cen pupulam Ocelli. * 
Curſibus expletis at nunc fubis aftra, relidtis > 
In terris gravibus curis & triplice vinclo 4 
wi BEN * —7 re run ite 


‚ist 2 7 


? 
er N 1 Vuot Bed Ri 94 
mundo IR 4 
J 


BE Ve. N SO 





von ZB. Lebenund Schriften. UM, sr 


Triſte vale ingeminans: tepido nos lumine Bern  .; % 
Profequimur funus moœſti, optamusque fubinde, _ 
Ut liceat nobis zque quoque fpicula dira 
Quamprimum in Chrifto ‚qui vita eft, frangere mortis, 
Ergo vale zternum,, Æterna fruitorgue quiete ; 
Non te vexabit, ſed nos fera turba malorum, 
Omnibus his yidlis te lata mente ſequemur. 
Tandem vere novo cum judicis ante tribunal, 
Quicquid terra vorax, triflisque recondidir orcus, 
Siftetur, facris & nes fociabimur una wi 
Cœtibus, urlaudes JOVE fine fine canamus, 
=. RT MICH, CURTZ, Göocrl. 
Auf das Abfterben des Autoris J.B. 
KA Öpbiens Kinder, eilt mit Wehmuths⸗vollem Hergen + 
Herbey, und ſtimmt mit mir. die Traner- Klagen ar, 
Der Schlag iſt Traͤhnen werth, Berluft erweckt die Schmergen 
Wer ift ‚der ſo die Bahn den Blinden zeigen kann? 
Des Schuͤtzens Falt Geſtirn verwuͤſtet unſre Felder, | 
Und macht den grünen Baum von Frucht und Blättern leer; 
Das Feld ſteht Trauren-voll ;. die angenehme Wälder 
Berlaflen ihre Luft, fein Echo ſchallet mehr. 
Go trauret die Natur, weilihre Morgencöthe 
kath jenem Mittags-Pol von ihr entfernet ſteht 
Wir feufger billig mit, da an der Himmeld;Gtätte 
Der helle Jacobs⸗Stern fo balde von uns geht. 
D lieber Wunder-Mann! den ich ald Bater fchage, 
Und der den Schlaffenden noch fremd und unbefant, 

Es will der Liebe Pflicht, daß ich did Denckmahl fee 
Aufewigem Papier, mit zwar gebundner Hand ; 
Kein Adelich Geſchlecht, noch Anzahl deiner Ahnen, | 

Soll deines Geiſtes Ruhm, nach Wunſch des Sleifches,feyn; 
Dein Bater wufte nur dad Surchen- Feld zu bahnen, 
Der armen Mutter Stand gab dir geringen Schein. 


Was Wunder? diefer Welt ihr Adel iſt unedel! — 


Die wahre GOttes⸗Furcht gibt edel Blut und Much; 

Die war von Jugend auf, bis zu des Alters Schädel, 3 
Dein theures Eigenthum dein unperweldlich Gut. 
Kam deine Weisheit her von hochgelehrten Meiſtern? 
nd gab bie Schule dir fo Ber Bericht? Von 

— a | 2 


5 Ansführlicher Bericht | 
Bon Platons Lehren und verhünftlich-Flugen Geiſtern 
- War beine Gabe nicht ; Sie war Sophiens Licht. 

Du faffeft in dem Staub, bey Arbeit deiner Hande, 
Verachtet vonder Welt; Nun aber fieher marı 
Die Welt hinwiederum verachten aller Ende, 
Und zünden viel ihr Ficht bey deiner Lampen an. 1: 
Jetzt ſchallt des Hoͤchſten Lob in neugebornen Geelen, 
Die in der Kinder Geiſt demüthig kleine find, 
Die mit ImmanuEl in biebe ſich vermahlen, | 
Wann ihr gewandter Fuß die Creutzes Pforte finde. 
Doch ſchwinge dich, mein Kiel, hinaus ind Trauer-Leben, 
Alwo 3 Zweige zwar die Witwe übrig fieht, 
Wiewol z Söhne nicht fo alted Denckmahl geben, 
Als in den Schriften hie der Stamm auf ewig blüht. 
mas EÖrt und die Natur, die Etde ſamt dem Himmel, 
Die Engel, Zucifer, der Menſch die Hölle fey; 
Bericht vom ſchmalen Wea zu Ebrifto durchs Getuͤmmel 
Des Fleiſches und der Welt, lehrt deine Feder frey, 
Das macht, fie ift vom Geiſt des Herren angeblafen ; 
Sie ift in Chriſti Blut beym Creuge wolgenetzt: 
Der Satan und die Welt umfonft dawieder rafen, 
eil GOtt in feinem Aug zum Apfel dich gefegt. 
Sein Fauffift vollendracht, faͤhrſt bin zum Paradeife, -- 
Wir Armen tragen noch der Erden ſchwere Laſt, | 
Und wuͤnſchen hochbetruͤbt dir nach aufdeiner Reife: _- 
Sabre wol! diemweil du wol alhie gefämpfer haft. 
Indeſſen folgen wir, gerühret, deinem Garge, _ 
. Undwünfchen: Unfer Tod fey deinem Tode aleich, 
Qurch Ehriffi Ereubes- Tod und Kampf, worinn der Arge 
Den Todes⸗Stachel gang verlorin Chriſti Reich. 
Noch einmal, fahre wol auf ewig in der Rube, | 
Dich drucker nun nicht mehr , wie ung, der Sorgen Laſt, 
her alfo übermand, der legt die Pilgrams-Schube 
Bor feinem Brabed- Bett erfreier mic dir ab. 
Wann endlich vor dem Stuhl des Richters wird erfcheinen, 
Was jeder Erden Schlund, und was die Hölle frag, 
So wollen wir zugleich bey Chriſto mit den Seinen 
©ingen; Hallelujab, dem Lanım’ ! ohn Unterlaß. 


38 — 4 


V. Hru. 


Di > en = Par u 


von J. B. Leben und Schriften. IV. 53 
At IV. Pa 


Hen.Chrenfried Hegenici,Patrieii und Raths⸗ Ver⸗ 
wandten in Sorlig, 


| Send⸗Schreiben, | 
wegen Gel. 3. Böhm: Talent und deffen 
Schriften, auch feiner Erfentniß des 
| Grundes der Natur; 
nebft zweyer Goͤrlitziſcher Buͤrgermeiſter Zeugniſſen 
vom Autore. | 
Dat. Goͤrlitz, den 21. Febr. 1669. 


Summarien. | 
Ott wircket durch Payen- ſowol, und eher , als durch Gelehrte. 5. 
Yı.2. 3; Böhms Perion iſt genugſam bekant. 3. Herr Tom. Lies 
—— * Bericht Jae, Boͤhmens halher, 4. welchen ihm 
Becmannus, ale iu Junberd ‚in einer Lateinischen Epiſtel ertheilet. 
5; Dr. Kobers Zeugnig von; Jac. Boͤhms Erkentniß in der Natur⸗ 
Sprache 6. Böhm hat zwar nicht freimde Sprachen reden koͤn⸗ 
nen; 7. iedoch veritund cr deren Sinn aus dem Grunde der Natur: 
Sprache, nach dem Zeugniß Hertn Davids von Schweinih.8. Herrn 
Abraham von Frankenbergs weiters Zeugniß von IJ, B. daß er jelber 
feiner Schriften Autor fey, 9, nebſt vieler-andern Beyfall, ıo. und 
ferneren Beweiſen. u. Zeugniß aus Dreßden von J. Boͤhms Eramis 
nez ie. auch, aus: Barth. Seulteti-Diario, 33.14. Ingleichen Tob. 
Eimmerichs Zeugnih von F.B. ı5;_ Bericht, von Abe. von Sranfens 
bergö.erfien kurtzen Aufſat des. gebens-Fauffes J. B. in Latein, 17, 
Beyerlands in Amſterdam Beginn feiner Translation, ı8. Umſtaͤnd⸗ 
liche Nachricht von JG. D, eigenhandigen Schriften, wie es damit er⸗ 
gangen und wo fie hingekommen; wie auch von den eriten Copiſten der 
Driginalien.ı9. Bon, B. Söhnen 5; it, von dem Buche vom Jung: 
fen Gericht, und von den legten Zeiten. 20, 
.. BOET mir. uns in. Gnaden! 
en Ein, infonders guͤnſtiger Herr und. Freund. Gein 
& Geliebte vom verſtrichenen Jahre if mir wol wor» 
ET den: Hatte eber antworten ſollen, wann ich nicht 
Daran mare verhindert worden ; bitte Deswegen mich für ent⸗ 
ſchuldiget zu halten. ; 
2. Welche leugnen, daß ein. Schuſter bewuſter Bucher 
Autor ſey, geben damit zu verfteben, daß fie nicht glauben, 


daß GOit in Schrift⸗ und Sprach⸗loſen Layen, dag ift, in 
Bir .n d 3 Buch⸗ 


54 Ausführlicher Bericht 

Buchffab:ungelehrten Leuten wircken fünne ; fonbern allein 
durch die Bateiner, und andere Sprachen: Ründige, und beſon⸗ 
der d-folche Manner , die von den Höhen in Iſrael ihre Wig 
und Spig-Runft geholet , fein Wort ausſprechen und feinen 
Geiſt offenbaren wolle; Sie werden aber GOtt feine Macht 
nicht nehmen , find vielzumenig dazu. Wann fie nicht von 
ſich felber klug feyn wolten, das iſt den Verftand und das Judi« 
cinm nicht aus der Schulen, oder einer gemwiffen mit logicali⸗ 
ſchen Articuln bezirckten und oft beeibigten Lehre, Norm und 
Form ‚in die Schrift ſondern aus der Schrift , als dem Zeug— 


niß von GOtt in ihre Schule, nicht weniger aber in anderer 


Leute Buͤcher, Wercke und Wunder brachten; So würden fie 
vielleicht ein anders erfahren, und gewiß glauben, was fie icßo 
wegen ihres fo tiefzeingemwurgelten Schul: Wahng nicht glaus 
ben Eönnen , indeme fie folchen Wahn der Babe des H. Geiſtes 
weit vorfegen, ja diefe des H. Geiſtes Gabe bey iegigen legten 
eiten mol gar zu verleugnen fich unterftehen, und nicht3 deſto 
weniger Beiftliche wollen genennet feyn. sr 
3. Iſt fo lange nicht , daß Jacob Boͤhme noch geleber, und 
feine Perfon alhie gnugfam befant gewefen. Ich zwar babe 
ihn nicht gekennet weil ich zur felben Zeit, daer mit feinem 
Buher-Schreiben zuerſt ruchtbar worden ‚noch etwas jung; 
und da er folaends nach etlichen Fahren das Schreiben, wel⸗ 
ches Er auf Verbot unterlaffen hatte,mieder zur Hand genom⸗ 
men, und damit von dem Primario Paftore aufder Cangel ver: 
ketzert worden, meiſt abmwefend gemwefen. Bin aber Anno 
1624 bald nach feinem Tode mit etlichen feiner fuͤrnehmſten 
Freunden und Liebhabern, welche viel und lange Zeit mit ihme 
umgegangen waren, in Kundſchaft gerathen. Fr 
4. Da nemlih Herr Jonas Kiebing, damaliger Amts— 
Richter zu Weiffenobe, einem zu der Ober⸗Pfaltz gehörigen 
regulieren Mannes» Elofter und Flecken, vier Meilen von 
Nuͤrnberg gelegen , (als bey welchem kurtz zuvorher ich mich 
aufgehalten hatte) mir hierzu Anlaß gegeben hatte, indem er 
aweyntal an mich geſchrieben, und begehret ‚daß ich ihme und 
Herrn Chriftiano Becmanno, Redtori zu Amberg bey Dem Gy- 
mnafio,, zu Sefallen, einen und andern gemiffen Bericht des 
Jacob Boͤhms wegen ertbeilen molte: weil ſie auch nicht, 
Bald glauben koͤnten, daß ein Idior eime von GOtt und der Ras 
rur fo tiefe und ungemeine Erkentniß haben folte. * * 
5 CC» 





von J. B. Leben ind Schriften. IV. 55 
5. Becmanni Worte in feinem Briefe find unter andern die⸗ 
fe an Libingum gerichtet? Superiori hyeme fcripferat ad me, 
amicus! Geerlitii effe virum plebejum & alias &ua9n; Jacob’ 
Boehme nomine , qui fingulari fpiritus gratiadeliburus & varias 
linguas proloquatur, & infüper libros multæ fapientix plenos 
conficiat, Ex illo tempore non deftiti‘foleite inquirere am 
ita ft? &c, Tandem ante pauculos dies Egram veni, &intes 
alia inibi apud amicum vidi libros tres manuferiptos & ſa- 
sis quidem grandes Bohemii illius, Quid dicam? ur legi, 
obftupui! Itane virum e multis, in Schola'non eruditumy 
zam profunda Myfteria aggredi, & tam polire feribere!' E- 
nimvero ipfa merhodus & rerum abditarum £xpofitio facĩt, 
ut dubitem de Autore, Dicitur effe Idiot? Baahinius,. Non- 
dum credere poflum : 'nifi certior adhue: ham talem eſſẽ 
Geerlitii, talia eum ſcripſiſſe: ĩdque unius oc alterius vitĩ 
fincerioris teſtimonio. &e. d.i. Verwichenen Winter ſchrieb 
ein Freund an'mich, daß zu Goͤrlitz ein gemeiner und 
ungelehrter Mann ſich aufhalte Namens Jacob Boͤh⸗ 
une, der mit ſonderbaren Geiſtes⸗Gaben ausgeruͤſtet ſey⸗ 
und verſchiedene Sprachen rede, uͤber dem Buͤcher, voll 
von groſſer Weisheit, febriebe. Ich habe ſeitdeme mich 
emſig erkuͤndiget, ob ſichs alfo verbalte? ꝛc. Endlich 
fügte ſichs juͤngſt, daß ich gen Eger kam, und alda un: 
ger andern bey einem Freunde drey geſchriebene ziemlich 
groffe Bücher, diefes Jacob Boͤhmens vorfand. Was 
foll ich fagen? Wie ich darinn gelefen, bin ich beſtuͤrtzt 
worden, alsich gefunden, daß der ungelebrte Mann ſol⸗ 
che tiefe Gebeimnifle abhandele, und fo geſchickt es be⸗ 
febriebe! Denn fürweahr, eben feine Schreib:Xre und’ 
Auslegung der verborgenften Dinge machet mich zwei⸗ 
feln, wer der Autor ey. Man fagr, Böhm fey ein 
einfältiger Mann; ich kanns noch nicht glauben: bisich 
gewiſſe weiß, ob ein folcher zu Görlitz wohne, der diefe 
Dinge fehreibe ; und zwar aus ein oder mehr beglaubter 
Männer 3eugnifle ie. E- din (mac, 
6. Unter erwehnten des Jacob Böhmens geweſenen 
Freunden war fonderlich einer, deffen Beywohnung ich oft 
sind vichgenoffen, welcher zu erzehlen wuſte, wie ein Med,Dodbs 
alhie, Tobias Kober aenant , den ich noch mol gekennet den 
Jacob Böhmen mit feiner Batdr NER 
ah 4 au 


\ 
n 


Pl, 1 910: Mal 


36. Ausführliher Bericht 

aauuf die Proba gefeger, indem fie als geheime Freunde im Spa⸗ 
giergehen einer demandern die Blumen, Krauter und andere 
Erdgewaͤchſe gezeiget, und Jacob Boͤhm aus beren aͤuſſerli⸗ 
hen Sıgnatur und Bildung die innerliche Kraft, Wirckung 
und Eigenfchaft, mit denen Buchſtaben Syllaben und Wors 
gen des ihnen eingeiprochenen und zugegebenen Namens allos 
bald bedeutet. Has aber die Namen vor andern in Hebräis 


fiber Sprache, als welche der Rarur: Sprache am naͤheſten 


‚ware, hören wollen: Und wann man diefelbe Namen nicht 
gewuſt, hat er nach denen Griechifchen gefraget. Und da ie 
der Medicus mit Fleiß einen unrechten Namen angegeben, 
bat der ander, wann er deffelben Eigenfchaft gegen dad Ges 
waͤchſe, und deffen Signatur, ald Form, Farbe xc. gebalten, den 
Betrug bald gemerdet, und gefprochen, daß es nicht der rechte 
— ſeyn koͤnne, und hievon genugfamen Beweis darthun 

nnen. | | | a 

7: Und dannenhero mag es kommen feyn ‚daß man von ih⸗ 
me ausgefprenget, als fönte er fremde Sprachen reden : wel⸗ 
ches doch nicht alfo geweſt, er auch deſſen fich nie geruͤhmet. 
Zwar bat er diefelben bey andern verſtehen können , mann er 
fie gehoͤret nach Zeugniß Herrn David von Schweinichen, 
des Fuͤrſtl. Liegnitiſchen Landes- Hauptmanns, welches dieſer 
unlaͤngſt und kurtz vor feinem Tode hoͤren laſſen. | 

8. Dann diefer Gottesfuͤrchtige und tapfere Edelmann, 
fo etwa vor zwey Fahren verflorben, und fenften wegen feiner 
in Druck gebrachten Beiftlichen Lieder nicht unbekant iſt, hat 
damalen in Gegenwart vornehmer gelehrter Männer, bey eis 
nem Convivio in Liegnitz, viel merckwuͤrdiger Dinge von dem 
Jacob Böhmen ‚den er einesmales zu fich auf fein Gut oder 
Dorff erfodert gehabt, zu erzehlen willen, die mir folgende 
durch eine glaubwürdige Perfon, die felbft dabey gewefen und: 
ſolches mit angehöret, beygebracht worden: da er unter an= 
dern Befihichten auch von denen, fo die Sprachen angeben, 
mit diefen Worten Erwehnung gethan: Go wuſte er Jacob 
Boͤbm) auch alles, ob mir gleich Loteiniſch ober Frangöfifch 
zebeten, was wir geredet hatten : Sagte auch, wir möd'ten res 
den in was fuͤr Sprachen wir molten, Er wurde es dennoch 
pa und diefed vermittelft der Natur-Sprache, welche 
es koͤnte ꝛtc. — 


9 Wie ſonß andere noch vielmehr Edel und anbese ar“ 


von J. B. Leben und Schriften. IV. 7 
nehme Leute, und zwar öfter und gar in geheimer vertraue 
cher Freundfchait mit ihme umgegangen: Alto bat ihn ſon⸗ 
derlich der Edle Herr von, Scantenberg wol gefennet, und, 
fein Büchlein von der Buß, Gelaſſenheit, und überfinnlis 
cben Leben No. 1624 unter dem Situl, der Weg zu Cheifto, 
albie zu Goͤrlitz zum Druck befördert. Bon diefem von 
Frankenberg (als um welchen ich lauge Zeit an unterfchiedez 
nen Orten geweſen; auch abweſende, um feiner erbaulichen 
Converfation mich nicht zu begeben, per literas vielfältig mit 
ihme correfpondires,) Eönte ich viel Zeugniffe beybringen, daß 
es Jacob Böhme felbft, und nicht ein anderer unter feinem 
Samen gewefen, bey welchen die Wunder GOttes offenbar 
worden ; denn er fie an feiner (des J.ß.) Perfon genugfam 
wahrgenommen. 
- 10. Sch geſchweige derjenigen ſo mir auch nicht unbekant 
geweſen, melche durch dieſes Mannes Beywohnung, und 
durchdringende Geiftes: Rebe in merckwuͤrdige geſchwinde 
Beranderung ihres Gemuͤths und Erneurung ihres Lebens 
gerathen : allo , da fie zuvor der Eitelkeit diefer Welt, und den 
Lüften des Fleiſches gang ergeben waren, und gegen ihre Un⸗ 
terthanen nicht anders als reiffende Wölfe fich erzeigeten, mit 
iedermannd Verwunderung hernach, aller. Uppigkeit feind 
worden ‚ und ald gedultige Schafe mit denenfelben umgegans 
gen, undihr voriges argerliches Leben mit ſteter Rewe bemei- 
net. Von keinem deren, fo. ihn eufennet, babe ichiemalen ver⸗ 
nommen, noch durch andere vernehmen können, daß er nicht 
folte für denjenigen feyn angenommen worden, der die Bücher 
gefchrieben, die folgends unter dem Namen Teutongei,in Hoch⸗ 
und Niederteutſcher, auch Engliſch- und theild Lateiniſcher 
Sprache biöhero hervorfommen. 2 - 

u. Dann warın deme nicht allo ware, fo wurde er nicht von 
fo vielen Fremden albier feyn erfischet, noch zu ihnen abgeho⸗ 
let worden feyn : Denn gemwißlich unter dieſen folche Leute fich 
befunden, welche den Geiſt der Prüfung gehabt, und denen er 
feiner hohen Gaben megen genugfame Rechenſchaft, Rede 
und Antwort, nicht weniger als feiner Bücher,überflüßige Er: 
klaͤrung darthun und von fich geben Eönnen: Als er dañ auch ges 
than ‚und alfo von deine, was er gefihrieben ‚mit groſſer Kraft: 
—* — bey denen Zuhörern, muͤnd⸗ und pers 

nlich gegenger. rs —J 
—J d 12. As 





8 Ausführliche Bericht 


72. Als er zu Dreßden eine geraume Zeit bey dem vor⸗ 


nehmften Churfürftl. geheimen Rathe fich aufgehalten, auch 
alda gefchrieben, und durch folche Gelegenheit ein Eramen 
ausſtehen muflen ; da bat wol auch fein anderer, als er reden 
koͤnnen: Habehievon fichereNachricht aus eben demſelben Orte 
vom aten December 1661, mit folcden Worten: Was fonff 
wegen Jacob Böhmen Examivation in Dresden zu halten 
ſey habe mich erfundiget, daß ſolches gewiß geſchehen fey. 
3 Finde auch in des weit berühmten Mathematici, und 
geheimen Theoſophi, Bartholomæi Sculteti, geweſenen 
Buͤrgemeiſters in Goͤrlitz Diario (daraus er hernach unfere 
Annales formiret daß An. 1613 Jul’26. Freytags, Jacob 
Böhme, ein Schuſter zwiſchen denen Thoren hinter Dem 
Gpital-Schmiede, mare aufs Rahthaus gefordert, und um 
feinen Enthuſiaſtiſchen Glauben gefraget , darüber in Haft ges 
feet, und alſobald fein :gefchrieben Buch in 4to durch den 
Etadt:Diener aus feinem Hauſe abgeholet; darauf aus dem 
Gefängniß er wieder erlaffen, und ermahnet worden, vor 
folchen Sachen abzuftehen: Item, daß den 30. Jul Dien> 
ſtags, Jacob Boͤhm der Schufter, von denen Praͤdicanten 
indes Primariiı Wohnung vorgefordett , undin feiner Confes- 
Kon mit Ernſt eraminiret worden · Item, daß zuvorher, ald 
den 28. Jul. Sonntags (da das Evangelium vom falfchen Pros 
pheten) der Primarius Gregorius Richter eine ſcharfe Predigt 
wieder den Schufter J. B. gethan. J 
14. Siehet alſo mein geliebter Freund, daß man zur ſelben 
Zeit keinen andern als den Schuſter fuͤr den ſo genanten Enthu⸗ 
Niaſten, und fuͤr den Verfaſſer des geſchriebenen Buchs (wel⸗ 
ches Aurora geweſen, und, wie ich noch in fremden Orten er⸗ 
Fahren, von unferm Rathhauſe an einen gewiſſen Ort in Dreß⸗ 
den gebracht worden) albier angenommen und gehalten hat. 
15. Welches gleicher Geftalt ein gemefener Bürgermeiffer 
alhſe, Johann Emmerich, (von deflen Geſchlechts Vorfahren 
das H. Grab erbauet worden ) in feinem Diario zeuget: alwo 
er im Jahr 1624, diefe Worte feßet: Den 7. (17.) Novemb, 
ſtarb der Schuſter, den Gregor. Richter oft und viel geſchmaͤ⸗ 


bet, melched aber der Schufter genugfam verantwortet bat, 2c. 


ware beffer geweſen, der Primarius hasse den Schuſter zu frie> 
den gelaflen , bat wenig Ehre erlanget. ꝛc. Ware freylich viel 


beffer gemwefen , denn der gute Mann, der Schuſter .. 


von JB. Leben und Schriften. IV. 59 
chem ich niemals etwas ungebührliches vernommen , würde 
nicht bedürft haben, um feinen ehrlichen Namen zu retten , eis 
ne Apologiam wieder deſſelben Schmaͤh Karten su schreiben, 
und deflen eigene Schande zu offerbaren. Aber der rimarius 
bat ihn durch das Mittelder Kalter-Zungen der Welt befant 
machen , und deſſen Ehre bey unpartheyifchen Gemuͤthern mit 
feinem Nacıbeil, befördern follen. 

‚16. Sn Summa, bey Lebzeiten ded Jacob Böhmen iſt 
niemand, achte ich, alhier geweſen, der ihn nicht fuͤr den 
rechten und einigen Autor, oder fuͤr das wahre Werckzeug der 
bewuſten Schriften ſolte gehalten haben: Nur nach ſeinem 
Tode bat die nachkommene neue Welt, und die ihn nicht geken⸗ 
net, fonderlich in der Fremde , feine ald eines Layen und gerin⸗ 
gen Mannes fo bobe Erkentniß in Zweifel ziehen wollen. i 

‚77. Einen furgen Lebens⸗Lauff, nebenft dem Regiſter der, 
Buͤcher des Jacob Boͤhmens, bat molgebachter Edelmann 
Abe: von Frankenberg Anno 1637 in Latein aufgeſetzt und ei⸗ 
nem auten Freunde (Namens Henr. Prünio) ertheilet, welcher 
ihn folgendes 1638. Jahres nach Amſterdam aebracht, und 
einem Liebhaber zu Gefallen ind Hochteutfche uͤbergeſetzet: Da 
er dann nach der Zeit alfo verteuticht deren ausaegang —— 
Büchern bey geſetzet worden: Zwar ohne Vorbewuſt des 
toris, der auf ſolchen vermutheten Fall die Sache, nach Ei⸗ 
genfhaft der teutfchen Rede nicht allein viel Elarer, fondern 
Auch weitläufftiger und’ mit mebrern Umſtaͤnden wuͤrde an Tag 
gegeben ‚ oder aber diejenigen Göttlichen Geheimniffe, welche _ 
ſich bey der Perfon befunden, und ihme vor andern kund ge⸗ 
macht worden, vor der höhnifchen Welt wol gang und Zar ver⸗ 
ſchwiegen haben: Die Werske welche von dem geheimen Mans 
ne und Freunde GOttes zeugen, als nemlich feine nunmehr 
bin und wieder bekante Bücher , werden ohne das von ihren 
Ver aͤchtern genugſam verlaͤſtert. 

i8. Anno 1634 hat Abraham VVilhelmſoon van — 
Buͤrger und Kaufmann zu Amſterdam, dieſe Bücher zuerſt 


in ſeine Mutter⸗ oder Niederteutſche Sprache mit ſonderbarer 


Mühe und groſſem Fleiß uͤber gefeget, und nach und nach auf 
feine eigene, nicht geringe Unfoften drucken laffen. | 
d [fiehe®; vu]. > 
rg. Welche Schriften ich dann meiſtentheils bereus Anno 
624 und 16e5 und die folgende Jahre alhier in Goͤrlitz geſehen 
Rn) und 


60Ausfuͤhrlicher Bericht 
nnnd in Handengehabt, ebe fienoch in Holland kommen. Die 
. eigene Hand des Autoris aber, von denen meiften oder doch 
vornehmſten derofelben Schriften, hat fich obngefehr vor u 
Sahren(Ao, 1658) da ich gleich von meiner 25 jährigen Abwe⸗ 
- fenheit wieder anheim kommen, bey der Verlaffenfchaft eines 
von meinen alten guten Freunden nach feinem Zode gefunden: 
Diefe aber hat fein Vetter, ein junger Menſch, einem an⸗ 
bern albier, und diefer um ohngefehr 3 oder 4 Thaler, die, 
er doch nicht erlanget, einem Handelömannein Lauben, gege⸗ 
ben ; der fienun bin und wieder folk feil bieten, und um 100 
Ducaten verfauffen wollen, und deswegen zu: Leipzig liegen 
haben. . Sch habe zwar Anftellung gemacht, umzu-verfuchen, 
ob fie aus unwuͤrdiger Hand mögen erret und verm Untergang, 
bewahret werden: iftaber nicht leicht von einem Geitzigen um⸗ 
fonft etwas zu erhalten. Wann ich folchen Schatz bey ange: 
regter Perſon, die ich bey bero Niederlage wol befischet, gewuſt 
hatte, zweifeleich nicht, ich folte deſſelben theilhaftig ſeyn wor⸗ 
den: Der gute Dann mag ſich damit, weil er in publico. Of- 
Keio begriffen war, vieleichegefürchtet , oder je des fo nahen. 
Todes nicht verfeben haben. Sonſt iſt zur Lignitz von eige⸗ 
ner Hand zu finden, wie ich daraus. berichtet bin, das Buch, 
von den 40 Fragen von der Seelen: und hin und wieder. noch; 
etliche Send:Schreiben. Mehr ifkdafelbfk eine Abſchrift des 
Myfterii Magni , welche faft. den: 4: Theil: von. des Autoris ei⸗ 
gener Hand corrigivet worden. Wuͤrde auch noch wol: etwas. 
von felbiger Hand bey denen Erben des angedenteten Beyer» 
lands zu finden ſeyn: welcher fonften unterfchiedliche Abſchrif⸗ 
ten von deſſelben Büchern um groſſes Geld an fich. geloͤſet, um 
ſolche, wann es vonnoͤthen geweſt, gegen einander zu halten 
und zu Sollationiren, und alſo die befundene Mängel zu erſe⸗ 
tzen. Die eigene Handſchrift des Autoris wann hievon 1,2 
‚oder 3 Bögen, ober etwa ein Tagwerck vorhanden geweſt, ha⸗ 
ben alfobald zwey Landbefigere in der Nahe, Gebrudere, ab» 
boten laſſen, abgefchrieden, und Dann meiter- am andere, die 
dergleichen gethan, fortaefchicket : alfo daß die erſten Abſchrif⸗ 
ten wol die beften find, und bey Beyerlands Verlaflenichaft 
u finden. 
: 20. Bondes Tacob Böhmen Söhnen aber ifffeiner mehr 
im Leben. Das Buch vom jüngfien Berichte foll nicht mehr 
vorhanden, fondera im Feuer zu Groß⸗ Glogau — 


RN. 9 . 


f 
U U nn mu 





ss einem Liebhaber diefes ſo hoch begnadigten 


feyn. Dasvon denen legten Zeiten, fo ich nicht babe, ges 


dencke ich in Schlefien zu erforſchen: wiewol man hoffernach 


eingezogenem Bericht , daß alle die Wercke des Jaeob Böhs 


mens, in Hochteutfcher Sprache in furgem mit einanderund 


bepfommen bervorfommen follen. Womit demfelben zu - 


GOttes gnadiger Bewahrung empfehle. Datum ut füpra, 


. Meines inſonders gůͤnſtigen Heren und wehrten 


Freundes Dienſtwilliger Freund 
Ehrenfried Hegenicius, 


Mehrere Merckwuͤrdigkeiten 
von 3. Böhmens Wohnung und Begraͤb⸗ 
niß⸗Platz; von feiner Perſon und Beruf: nebft 
umftandlicher Wiederholung aller fei- 
ner Schriften. 


Summarien. 


E50 dem Abriß der Stadt Goͤrlitz 5.1.2. Don I. Boͤhmens 
a Wohnung am Neyb-Ther, 3. wird Prunti unzulängliche Nach⸗ 
richt erläutert und verbeffert. 4.5. Umtändliche Anweiſung des 
Begraͤbniß⸗Platzes J. B. auf S. Nicolai Kirh:Hofe,s. Bericht vom 
nachgeformten H. Grabe zu Gorlig, 6. deſſen Stifter Herr Georg Em⸗ 
merich , Görligifcher Watrieius, 7. Don St. Petri und Pauli Kirche 
alda.8. Des Primarii, Gregor, Richters merckliches Abiterben , und 
feines Sohnes Zufehr zu GOtt und Liebe zu I. B. Schriften. 9. Ber: 
fchiedene fonderbare Erempel Goͤttlicher Gerichte über. die Laͤſterer J. 
DB. und Berächter feiner Schriften. 10. u. GoͤttlichtHeimſuchung der 
Stadt Görlig.12. J B. if fein Sorn-Prophet; er verfündiget nur 
die Lilien⸗Zeit. 13. Seine Auffere Geſtalt; die Kupfer: Bildniffe von 
derfelben. 14. Bon einer Medaille oder Schau: Pfennig.ıs. Wahre 
Bildnis und Geſtalt I. B.nach einer Erſche nung deffelben. ı6.. Von 
feiner Feiblichen Handthierung Frau und Göhnen. 17.18. Bon Dr. 
Kobers Abfterben. 19. Won den Übrigen Sreunden %. Big die fich 
Theils nach andern Orten gewendet. 20.21. Bon feinem Lalent. 22. 
Der Huchitabe wird nicht infpiriret. 23. . Seine Theofophifche Schrif- 
ten eröffnen der Apoftel Lehre zum Lobe GOttes, 24. 25. und geben uns 
partheyiſche Nachricht von allen. 26. Summarifcher Inhalt derfelben. 
27. Wiederholung aler Tractaten J. B. nach ihrer Ordnung, mit 
dienlichen Anmerkungen. 28.90. | 





Manıes, andem was biebevor, aus verfchiedener 
Augen⸗ 
9 


a 25 


von JB. Leben und Schriften. V. 61 


ro 












De > - De a *4 
60 * + 2% Re fu UV | er i Por icht 
Augen ⸗Zeugen Munde, und Seber, einmuͤthig berichtet wor⸗ 
ben, genuͤgen moͤgte; zumalen, Da man des Geiſtes Spraͤche 
gewohnet um bie auflere Dinge nicht groß giebet: ſo hat die 
 Biebedennorb auch hier innen das Maß völler meſſen, und ein⸗ 
md andere. dienfame Nachrichten nicht übergebentwollen. 
2. Wo es dann zuvoͤrderſt ſich gefuͤget, daß ung ein Abriß 
en dieſer Stadt Soͤrlitz zu handen gefommen, ber Säugamme 
und Landes Etadr unſets Theoſophi, weiche in der Ober⸗ 
Raufis aelegen, und feit 40 1623 Chur Saͤchſiſchen Gebiets 
iſt, welchen man zum unſchuldigen Vergnügen alfo in ein ſau⸗ 
ber Kupfer bringen, und ſo viel hieher gehoͤret, davon berich⸗ 
ten wolleu. * | 
3. Fraget babe der. wolgeſinnte Leſer, aus geneigten 
Ricbe: Affeet ; nach des Autoris ehemaliger Wohnung und 
Streit⸗Platz x fo hat man biöbero Feine nahere Nachricht das 
von gehabt, als mas eben aus No. 1. s.u. und IV.13. St, aus 
des Nutoris Send Briefen, Epikt. XXXIV, 24. und LXVL 8,0. 
erhelter, Daf hemtich der ſel Mann, Jacob Böhme, am Reyß⸗ 
Thor , naͤchſt an der Bruͤcken und zwar noch aufferhalb der 
verfchloffenen Stadt oder innern Ring-Mauren gewohnet; iſt 
im Kupfer zur vechten Hand, wo lie. cc. befindlich. 
4. Men findet in einem Gend - Sihreiben Herrn Henrici 
Prunii, Med, Gandio. von Hirſchfeld in Heſſen burtig vonHrn. 
Sans Dietrich von Tſcheſch abgelaflen de dato Dreßden ꝛc. 
15.(25) Febr. 1042, folgenden Bericht bievon „Sch bin, führeibee 
„er, A0.1658 (alfo 14 Jahr nach des ſel. Autoris Abfterben) 
„ faft einen gangen Winter uber auf Herrn Caſpar von Fuͤr⸗ 
„frenau-Gut Liſſa, eine Meile von Goͤrlitz geweſen, bey 
„guten Freunden , welche mit unferm ſel. J. 2. bey Lebens» 
„zeiten Ehriftliche Sreundichaft gepflogen : da ich dann einen 
ſimlichen Theil feiner Theoſophiſchen Schriften. überfoms 
„men, auch in feinem Haufe zwiſchen dem Neyß Thore ges 
„iwefen darinnen noch ein Schufter wobnet hans Seyler, 
„welcher. bey dem fel. Dann das Handwerck gelernet ; da fie 
„mie allerhand müglichen Unterricht feines Ehriftlichen fea  - 
bens und Wandels erzehlet, und ihme in der Gruben ein ehr⸗ 
„liches Zeugniß gegeben baben ; baruber ich mich verwundert 
„und hoch erfreuet. Gefiel ihnen auch fonderlich , indem ich 
„ihnen anzeigte, wie ichiegt aus Italien kommen, und niche 
anders. vermeinet, dieſer Hoperleuchtete Mann Bars | 


ER LE 










ER) 





Br “ 
—— 


I — — 


> > 2 — 
M 
— 
7, B.Zvanen 2 Bor. 
[ OL 2,7,» 
——— — 
GA cZwischen diesem 
A — ———— A Thor hat 1.B.iein 
F — ⸗ 
— * WEN TER 0 Haus gehabıfin 
> ; AP, — D. Azrcosaas-& her. 
CA 
—— TOLLER . 
we — 
7; — 
A 
7 € — ren * 
— —— 
UT. Daoen_ rer. 
KR. A Devoi x Dada 


Di - 


Nr / er ; Ktrene. > 
— ——————— 
8 —— 
EAN, Ar CreuZ.: rose ; 


: 
—— {> 2 
E 0.2 U. lruo.* 





XA 
J ii 





SIERT 






















— —— 














dceZ ion diesem 
Thor hat 1.B.iöin 
Haus gehabt, 


— 


Ann 
— —— 











von J B.Leben und Schriften. V. 63 


„lebte noch; deswegen fie ſich auch nicht wenig verwunderten 


„daß man an ſolchen Orten davon zu ſagen wuͤſteꝛc. 
| Anmerdung. nr 


Nachdem man nicht gewuſt / inmelcher Gegend man eigentlich des Aus 


toris Wohnbaus finden fole, dieweil man weder aus Prunio noch 
andern desfals deutlich genug verſtaͤndiget wordenz fo hat das Kup⸗ 


fer einem auten Freunde, der Zeit in Görlis wohnhaft , Anlaß .ges 


geben , fich des wegen etwas genauer zu erkundigen A welcher dar⸗ 
auf nachſtehenden Bericht davon ertheilet hatt VJae. Boͤhms 
Wohnhaus ik vor dem Neyß⸗Thor nicht Lit, Cain Plano, ſon⸗ 
dermüber der Brücken in der Veyb⸗Vorſtadt, und zwar zwiſchen 
beyden Shoren eingefaffet. Wenn man über die Neyß-⸗Bruͤcke 
»herüber kommt, fogehet mandie 9. Geil: Kirche Fit. M. vorben, 
„und durch das alda befindliche Thor. Daun ſtehen rechter Hand 
„dien Haufer , davon if es das dritte. Es ſtͤſſet gleich an die das 
elbſt befindliche Mauer, durch welche noch ein ungefchloffenes 
Chor in die Vorſtadt gehet. Iſt demnach, von’ auflen einkom⸗ 
»mende,-das. erſte Haus zur lincken Hand. "Es gehoͤret ſolches 
»Haus vorietzo einem Tiſcher, namentlich George Geldner „der 
„es aber nicht, ſelbſt hewohnet, ſondern Mieth⸗Leute darinnen hat. 
Dem Bericht nach ſoll es noch das alte Haus ſeyn, dann das Feu⸗ 
Per niemalen, auch in den Jahren 1658 und ızı7 nicht, in dieſer 


Gegend einigen Schaden gethan; gleich fie ben. den sroffen Brande 


>40. 1726 den zo. April. durch Göttliche Previdens abermal vom 
Feuer unverſehret blieben, ungeachtet es auf allen Geiten um fh 

gegriffen. Auf dieſe Nachricht wird ſich vermuthlich zu verlaſſen 
*ſeyn, weil die Relationes und Demonſtrationes oeulares, fo ich 


daruͤber eingezogen, eonform befunden. »».. Womit auch ein 


anderer reiſender Mann, der Ao. 1676 in Goͤrlitz geweſen uͤber⸗ 
einſtimmet. 


5. Oben im Kupfer, auſſerhalb der Stadt ifFlic. R. St. 
Fricolsi Kirche zu ſehen auf deren Kirchbofe, faſt um die 
Mitte, desfel, Mannes Cörper begraben lieger ‚mo auf dem 
Grabe vor diefen ent rund⸗gedrehet hoͤltzern Geulchen geſtan⸗ 
den, an ſtatt des zu Anfangs dahin gefegten zierlichen Grab: 
mahls, deffen No.L $.33, gedacht worden; welches der Neid 
nicht lange dulden Fönnen. * 

33* Anmerckung. —— 
Von dem Begraͤbniß⸗Platz J. B, geben beyde obgedachte Männer fol- 
genden Nachricht, daß es auf dem St, Nieolai⸗Kirchhofe auffer der 
Stadt gezeiget werde in dem Plano lit. R. angewieſen. Ab. 1676 
war es nicht mehr als eine Grube geweſen, ungefehr einen Schuh 
in die Erde gefunden, ohne Monument, Stock oder Pfahl, aber 
1, mol einige geoffe Steinbrocen darauf, telche der Todten Groaͤber 
ſelber darauf gebracht, um‘, wie er geſaget, ein Merckmahl zu ha⸗ 
ben, wo daſelbſt der gelehrte Schuhmacher, der ſo viel Buͤcher ge⸗ 
ſchrieben, begraben liege, um den Liebhabern, die ihn oft Pa 


x vn 1125 


J 
Ari 
Wr 
* 


64 Ausfuͤhrlicher Bericht 
frageten„ben las anweiſen zu fünnen. An. ı7ı6 war ba 
über der Erden etwas erhaben, da oben auf ein — 
‚Kiefel:Stein hervorragte; des damaligen Todten:Bräbers, Da⸗ 
niel Richters, Bericht nach, ſoll daſſelbe voller Steine ſeyn, und dies 
feibe mit der Erden gang ſeſt ineinander ftecken 5 fo ſehr, daß als das 
Gebein-Haus vor Jahren repariret, und 3 Todten: Köpfe‘, über 
daffelbe, zum Wahrjeichen, aufgefeet werden follen , und bes Das 
niel Richters Vater , damalen auch Todten-@räber ‚unter andern 
des ſel. J. B. Kopfmit darzu ausgraben wollen; et, wie gedacht, das 
Grab voller Steine ‚und diefelbe fo feit ineinander gefunden babe, 
das ihn endlich die allzuviele Mühe verdroffen, und es dahero ſtecken 
laſſen, zumalen ihm auch der bürgermeifter Knorr ‚dem er folches 
angezeiget, gefaget ; Laſſet ihr Böhmens Grab ungeföret. Mehr 
Barticularitäten finden ſich anderwaͤrts gedruckt. | 
6. Mehr iſt merckwuͤrdig bey diefer Stadt Goͤrlitz das 
Denckmahl des nachgeformten heiligen Grabes Chriſti, im 
Kupfer oben zur Linken lie. ©. Mit welchen Andencken des 
Auferftandenen JEſu Chrifti, unſers Heren, derSp.M. eben 
volle 100 Jahr vor unſers Theofophi Aufkunft und Ankunft 
in Börlig, ſehr bedencklich’vorbilden wollen, wie eben an dies 
ſem Orte das Zeugniß von der Auferftehung JEſu Chrifti in 
der Diorgenröthe des legten Tages folte ihren Anfang nehmen, 
zu erleuchten alle VBöldker ‚Zungen und Sprachen, worinnen 
wir denen erleuchteten Kindern GOttes alleine verffonden 
find ‚die unfern Theofophum anfehen als einen Johannem 
und Eliam unferer Zeit, der alle feines Geiftes Vorgänger 
übertrift und Chriffum in feiner legten Zukunft mit Fingern 
gewiefen, näher denn alle Propheten, dafür indem Reihen der 
Gott lobfingenden Nationen des gangen Erdbodeng,unfer be⸗ 
gnadigtes Teutſchland billig Dad Hallelujah auſtimmet, wenn 
die ſchlaffenden Jungfrauen werden erwachet ſeyn, und ihre 
Lampen geſchmuͤcket haben. 

7. Einige Nachricht von ietzt gedachtem nachgeformten 
Grabe Chrifti bey Görlig noch beyzufügen ‚fo murbe ſolches 
ums Jahr Ehrifti 1480 zu erbauen angefangen, und innerhalb 
10 Jaͤhren, nemlich Anno 1490 vollendet. Der Stifter def» 
felben war Hr. Georg Emmerich, ein vornehmer ſchwer⸗ rei⸗ 
cher Patritius dieſer Stadt, (ein Joſeph von Arımarhza) und 
Sr. Agnes Singerin geborne Aangin ; ivelche beyde nach Ges 
wohnbeit damaliger Zeit eine Walfahrt nach Jeruſalem Iges 
than, und alda die H.Oerter, infonderbeit das H. Grab, beſu⸗ 
chet hatten. Die Umſtaͤnde dieſer Walfahrt geben genugſam 
au erkennen/ daß fie nicht ſowol aus Gebot und — — 





von IBLeben und Schriften. 6 5 
als vielmehr aus einfältiger Andacht, inſonderheit fo viel Hrn, 
GS.Emmerich belanget,austuft undliche,diefe berühmte Her⸗ 
ter zu befichtigen, unternommen worden: Denn ald Er im 
Jahr 1465 dahin veifete, nahmer zugleich einen Mahler, und 
noch einen der Bau⸗ Kunſt erfahrnen Dann, nebft feinen Diez _ 
ner mit fich, undließ alle Gelegenheit des H. Grabes gan ei⸗ 
gentlich entwerfen und abbilden, nach welchem Modell er nach⸗ 
gehends dasjenigezu Goͤrlitz aus glatten Duader: Steinen ers 
bauen laffen, wozu die Gleichheit derfelbigen Gegend einigen 

Anlaß mit mag gegeben haben ;obwol der Geiſt gedachter maß 
fen fein Spiel zweiner andern Vorbedeutung getrieben. 

8, Die Kirche S. Perri und Pauli , lit. K. morinnen der 
Autor bey der aufferordentlichen dreymaligen unmittelbaren 
Erleuchtung und Gnaden Einftrahlung ‚in den Jahren 1580 
bis 1606 von dreyen frommen Primariis erbauet, nachgehendg 
aber zur Zeit de verkehrten Eifererd Greg. Richters ges 
Argert und ausgefloffen worden, möchte ım Kupfer-Rig 
auch noch anzufeben feyn. Von erwaͤhnten frommen Pimariis 
mag der dritte, als der jel. Martin Möller, wol ein geſegne⸗ 
tes Werckzeug geweſen feyn, ber unfers theuren Mannes hei⸗ 
liged Feuer nach feiner Gabe treulich mit aufblofen helfen denn 
er ein wahrer Liebhaber der Gottieligfeit geweſen, und fein 
Amt des Buchftabend nach allem Vermögen dahin gerichtet 
bat ; gleich feine einfältige Schriften theils bezeugen , daß er 
ein Liebhaber des Alterthums und der erfien reinen Zeugniffe 
des Geiſtes gemefen ‚ald an Ignatii Briefen, Theodoreti Dia- 
logis, Meditationibus Patrum und dergleichen Schriften , foer 
verteutſcht heraus gegeben, zu erfennen. Darum auch diefer 
Mann das Gluͤck hatte ein Merckmahl der Leiden Chrifti mie 
ins Grab zu nehmen, und ein Berführer beiffen müffen, wie den 
Gelehrten des Wittenbergifihen D.Salom,Gesneri heftiger Ge⸗ 
genſatz befant iſt. 

9. An dem letzten Primario und Verfolger unſers Theoſo- 
phi Greg.Richtern, hat GOtt nad Zorn und Liebe ſich auch 
nicht unbezeuget gelaffen, wiewol man fein Abfterben in GOt⸗ 
tes Berichte ungeruͤget laffet, von Fremden aber iſt bereits als 
merckwuͤrdig angefehen worden, daß diefer Mann Anno 1624 

d. 14. Aug. alfo 3 Monat vor unſers Theofophi feligen Abſchied 
und Hinfahrt ind Paradeis,diefe Welt verlaffen muͤſſen. An ſei⸗ 
nem Sohne aber offenbarete fich, noch bey des Dan ns 
& ters 


66 Ausfuͤhrlicher Bericht 

Richters Rebzeiten, GOttes Liebe fehr merklich, als an einem 
Erben des theuren Segens Göttlicher Liebe, welche der Dann 
GOttes in feines Vaters entzundeten Zorn im Namen JEſu 
Chriſti eingefprochen, dadurch diefer verdorrete Baum an Eis 
nem Zweige wieder ausgegrunet und fruchtbar worden, daß 
der Sohn in der Zerfchellung feines Hergens auch zum Vater 
geſagt: O Vater, Pater, was habt ihr gethan, daß ihr den 
Mann J.B, verfolger! bey welchen Worten e8 diefer verlor⸗ 
ne aber in Gnaden von GOtt wieder angenommene Sohn, 
der ſich vonfeined Vaters Suͤnden reinigte und davon aus⸗ 
gangen, auch nicht bewenden laflen , fondern nachgehends als 
er in Thoren, als ein Handeld:Diener fich aufgehalten , diefe 
Zheofophifche Schriften bey fleißiger Durchlefung ausgezo⸗ 
gen, und jede Materie unter gewiſſe Titul, nach Art eined Re⸗ 
giſters gebracht, und dafelbft nach und nach ın 8 Theilen auf 
eigene Koften drucken laffen ‚wovon in folgenden, Num. VL, 
Diefer Lebens: Befchreibung, mehrere Nachricht zu finden. 

10. Nicht unbequem fügen wir hiebey dag merckliche 
Gerichte GOttes, worinn gleichwol feine Liebe auch er- 
Fenntlich ift,an jenem &uperintendenten im Wuͤrtembergiſchen 
Namens Zeller, wovon indes M.Joh, Jac. Matthzi Holtzhau⸗ 
ſiſchen Unterfuchung ꝛc. ber Autor, fo der befante M. Job. 
ac. Zimmermann iſt, theuer befvaftiger, daß ers mit feis 
nen Augen geſehen und felbft angehoͤret babe : Der groffe 
GOtt im Himmel weiß, fpricht er, daß ‚ich nicht luͤge; und 
fo ich um der groffen Freundſchaft willen mich nicht enthiel 
te,den gangen Verlauff hiebey fügen Fönnte- Darauf faͤh⸗ 
vet er fort zuerzehlen, wie gemeldter Superintendend auf eine 
gefchehene lafterliche Sonntags: Predigt wieder J. B. bey ges 
finden Tagen, wieder feinen gehabten humeur, urplöglich er⸗ 
ſchrecket, und noch felbigen Abend. von dem ſtrengen Rich⸗ 
ter dermaffen ergriffen worden, daß er ı4 Tage lang die Aus 
gen nicht dörfen zuthun, fals er nicht von innen die fürchs 
gerlichite Hoͤllen⸗Geſtalten und eine Entfeßung mit Schreyen, 
Gelffen und Furcht wollen innen werden; und ob er gleiih 
bey Eröffnung der Augen, die förchterliche Höllen:Geifter in? 
feiner Seelen nicht fo offenbar ſahe, fo blieb doch immer. eine 
erfchreckliche Angft und Zittern da, und wolte feinen Troſt ans 
nehmen , fo gar, daß wann ihm gleich fein Collega mit den 
troͤſtlichſten Sprüchen begegnete, fprach er doch; Die Br 


von J. B. Leben und Schriften. V. 67 
che find zwar alle wahr; aber fie gehen mich nicht mehr an. 
Am 14. Tag nach folcher Heimfirchung , ſo an einem Sennas 
bend war, ließ er Nachmittag um 3 Uhr noch diefe Worte mit 
vernehmlicher Stimme von fich hören : Nun ich muß zwar 
fterben, und babe es verdienet 5 aber es dauret mich über 
mein Weib und Kind, auch unfern Landes-Fuͤrſten, denn 

es wird. naͤchſtens eine folche Truͤbſal über unfer Pater 
land Fommen , dergleichen noch nie geweſt iſt, und iſt gang 
gewiß, gang gewiß, gang gewiß! Gelbigen 2ibend nach der 
Sonnen Untergang gab: er völlig feinen Geift auf, Gomeit 
diele Gefchichte, welche in der bald darauf erfolgten Franz 
tzoͤſſchen Verwuͤſtung ihre gangliche Erfüllung erlangte, 
weil diejenigen fodem Zorn hatten Einhalt thun tollen, noch 
in der Liebe8- Geburt zu ſchwach waren „auch davon gejsget 
worden. | ;“ | * 
Anmerckung | | 
Eben diefe Gefchicht citiret auch Hr. Dr. Pbilipp Jacob 
Spener in feinem theologifchen Bedencken, Part. IV. pag: 138, 
fg. und thut noch eine andere fatale Geſchicht hinzu, die fich zu⸗ 
getragen mit einem andern Superintendenten, auch im Wuͤr⸗ 
tembergifchen ‚bey der Preientation eines jungen Predigerg, 
von welchem er.nicht nur den Verſpruch ſich für Böhmen und 
den neuen Propheten zu huten, gefordert; fondern auch in der 
Nredigt heftig gegen denfelben los gezogen 3 es fey aber auch 
feine leßte Predigt geweſen, da er nach wenig Tagen fich gele⸗ 
Het, und den 2. oder 3. Tag des Lagers geſtorben. Ibid, page 
588. wird auch eines Specialis gedacht, unter weſſen Inſpection 
M. Joh. Jacob Zimmermann geffanden und wie übel diefer 
bey ihn Daran geweſen, indem er immer an ihn gemwolt, und 
nur aufbie Gelegenheit gewartet, daß er dag 2, Penfum in dent 
damals gepublicirten Vortrab⸗Catechiſmo erklären folte, da 
der heutigen Böhmiften gedacht wird, (pag: 28.) um zu hören, 
wie er fich da erflaren und heraus laflen wurde ? Indem aber 
Zimmermann einefeife nach Stutgard thun, und auf Fürftl. 
- Befehl, fich etwas alda verweilen mußte; war von Ihre 
Durchl.ein Befehl an den Specialem ergangen, folchen Soma 
tag, an Zimmermanns ffatt , jemand anders zu beftellen« 
Hierauf ſoll der Speeialis Nachmittags ſelbſt den Eatechifmung 
tractiret, und wieder die Boͤhmiſten ſtarck invehivet haben. Es 
 feyaber gleich einige Confuhon an ihm wahrgenommen wor⸗ 
um‘ ; 2 


* 


= [ ben ’ 


68 Ausführlicher Bericht 
den , welche, fo bald er nach Haus gekommen , in eine tiefe Me⸗ 
lancholie ausgebrochen, und mo mir recht iff, ( ſchreibet Herr 
—*— bis auf den Samſtag, da er geſtorben, gewaͤhret 
aben foll. I 
’ Diefe Gefchichte hat der gemeldte Zimmermann ung hier 
in Holland mündlich erzehlet, man hat aber nicht8davon nos 
£iret; warum man Herr Speners Relation hieher feßen wol⸗ 
len. Welcher gemiffenhafte Dann zum Befchlug hinzu füaet : 
Ich befenne ‚daß mir von folcher Zeit an, folche traurige Be⸗ 
„gebniß viel Sorge gemachet , und mich verurfachet , von dies 
„fem Feuer ferne zu bleiben, an deme mich nicht gerne bren> 
nen wolte 2c. deffomehr (mie er oben lc. pag.138 ſetzet) weil 
„ich nicht leugne ı daß mich unterfchiedliche malen nicht wenig 
„bemweget als gefehen und geböret , daß Leute ſo bald fie über 
„den Autorem (9. Boͤhm) gefommen,in dem Leben fich merck⸗ 
„lich geandert ꝛc. Und pag.349 ſchreibet er: Sch habe ges 
„kant, und kenne noch unterfchiedliche, Die Jac, Böhmen 
„hoch halten, auch theild im Lehr⸗Stand leben und bi an ihr 
„Ende gelebet haben, von denen ich fagen kann, daß unter fol- 
„chen, die ich kenne, ‚ich nicht einen, fo viel mich erinnere , weiß, 
„der nicht folte einen Ehriftlichen, und zwar nicht nur Moral- 
„WBandel, fondern einen folchen fuhren, daß der Glaube in 


dem Mittler J. C. der Grund bleiber ꝛc. Ferner babe ges 


„böret , daß fie die H. Schrift niemal fleißiger und mit mehr 
Geſchmack gelefen hatten, als nachdem fie Böhmen gelefen 
„gehabt ꝛc. Ta ich entfinne mich einft, daß als ein Studiofus 
„kaum Fonte zur Lefung der Bibel gebracht werden, fo gar 
„Ichiene fie ihm ungefchmack , daß ihme felbit deswegen Erin- 
„nerung that; da er aber nach der Zeit über feine (Jac. Boͤh⸗ 
„mens) Schriften gefommen, fo war nachmalß die liebe Bibel 
„feine Freude. So iſt mir auch nicht wenig bevendlich vor: 
„gekommen, daß die Theologi, fo gegen J. 5. ex profeflo ges 
„ſchrieben, allemal aeringe Ehre davon gehabt, ıc. 

Dieweil oben der Holtzhauſiſchen Unterfuchung ermehs 
net worden, giebet folches Anlaß, die michtige Sache von der 
Uberzeugung deffelben, aus folgenden glaubwuͤrdigen Umſtaͤn⸗ 
den hier beyzufügen. Obgedachter Dr. Spener drucker fich 
in dem Tractätlein: Rettung der gerechten Sachen wie⸗ 
Der Dr. Pfeiffern, gedruckt zu Franckfurth am Mieyn, An, 
3696 in 12m_ pag. 260. $. 9. alſo auf; eig 


von J. B. Rebeniund Schriften. V, 69 
M.IJ. C. Holtzhauſen in Franckfurth unterftanden hatte, Ja⸗ 
„cob Boͤhms Schriften in oͤffentlichem Druck zu wiederle⸗ 
„gen, und deſſen Perſon und Geiſt heftig zu beftreiten, und ſol⸗ 
sches seiterate wieder Joh. J, Matthæi, alias Zimmermann, 
„der fich Dagegen opponiret ‚zu befeſtigen fo geſchahe es furg 


„darauf, daß diefer Holtzhauſen daraufvon GOtt mit einer 


„Schwindfucht und fehröcklichen Gewiſſens-Angſt heimgeſu⸗ 
» det wurde, woran er auch etliche Wochen darnach An. 1693 
»geltocben,, öffentlich befennend ‚ daß er fich wegen derer Bes 
»„ichuldigungen JB. der Sünde in den H. Geift angeflaget bes 
„finde, und daß er fehmwerlich gefündiget babe, indemerfih _ 
»der Beurtheilung und Berdammung der Schriften des J-B. 
„habe unterfangen , und füch nicht. vielmehr von deffen Perfon 
e.und Beifte ganglich enthalten, als feynde feines Urtheileng 
„überzeuget von deffen Büchlein, Weg zu Chriſto: um ſol⸗ 
„ches willen er Tag und Nacht heftig in feinem Gemiffen ans 
„geklaget und geaͤngſtiget wuͤrde, auch angetrieben, folches al» 
„les öffentlich zu retractiven, Ich fande, fapte er, im Weg 
„zu Chriſto, fo viel Gutes, daß mein Herg anfieng zu zappeln, 
>05 ich auch dem Manne Unrecht gethan mit meinem barten 
Urtheil, ob ich auch nicht gar Die Sünde in den H. Geiſt bes 
„gangen, indem ich den Geiſt, daraus er gefchrieben, für einen 
„Lügen:Geift gehalten und gefcholten, und zwar in öffentliz 
„chen Schriften? Gomeit die Worte Herren Dr, Speners, 
welcher dabey meldet ‚ daß gedachter Holtzhauſen die Retra- 
&ation in einem Send-Schreiben an ibn, wirklich gethan, 
mit Bitte, folches zu publiciven , gleich gefchehen , nachdem 
er denfelben einige Dionat aufgehalten , die Sache im Gemuͤ⸗ 
the wol zu überlegen, und zur Reiffe zu bringen , „fo ſchickte er 
„mir, (fihreibet Dr. Spener indem Theologiſchen Bedencken 
»,Pag: 734.) nicht allein feine Revocation , ſondern, da er fie 
„nicht publiciren durfte , bat er, Daß ich in meiner Schrift wies 
„der Herrn Dr. Mayer fein Erempel anführen, und alle war> 
„nen wolte,damit dadurch (daß vermittelft einer andern Hand, 
„deren Schrift unter mehrere al3 die feinige Fame) feine Bes 
„kentniß andere vorfichtiger machte; da babe ich ſolches zu 


thun die Gelegenheit einer Dedicarion an ihn ergriffen, das 


vor er fich auch bedancket sc. da Herr Spener zuvor ſetzet: 


„Herr Kolgbaufen anbelangend, babe ich kaum mein Tag 


„einen betrubteren Brief befommen, als den erfien, ben er an 
—J e3 | mich 


70Ausfuͤhrlicher Bericht | 
„mich in der Sache gefihricben, da er als mit der Verzweife⸗ 
„lung rang, und die Sünde in den H. Geiſt an Boͤhmen bes 
„gangen zu haben , forgete ; wie oben angeführet worden. 
Herr Spener veranlaffet und albie, in des Holtzhauſens 
erſte Kindheit des Geiſtes einzugeben‘, da am Ende einem im 
Gemuͤthe zufcheinen will, daß GOtt unter der ſchweren Rus 
then, dieerfte Abba Stimme im Grunde der Seelen wieder⸗ 
um erwecken wollen. Wie denn anfangs ein guter Funcke 
ſich in der Seelen erzeiger ‚wodurch er im ein ſtarckes Bußwir⸗ 
een gekommen, wovon der fel. Herr Gichtel zum öftern ers 
‚ zeblet , daß der Träpnen in feinen Gebeten aus dem Hertzen 
durch die Augen foviel gefloffen , daß man bie Hände darin 
folte Haben wafchen können. Welches Herr Bichteln dann 
bewogen, ihn in eine gewuͤnſchte Condition zu bringen, zu eis’ 
nem frommen benamten Mann in Eleve: da er alle Belegen- 
heit und Freyheit hatte, fein Glaubens⸗Feuer vor GOtt in den 
Gebeten rechtſchaffen anzuzuͤnden und damit in GOtt zu wir⸗ 
cken. Durch die verkehrte Führung des Seiedrich Breck⸗ 
lings aber war er davon abgefommen, ald welcher ihme, ſamt 
einem andern Studiofo, Namens Stepbanus Döhren, weiß 
gemacht, daß fie nunmehro die Babe hatten, mit den Apoſteln 
Jeſſu in die Welt auszugeben, und aller Orten dag Evanges 
lium zu verfundigen,, und die Menfchen zu GOtt zu befehren ; 
woraufer fie mit Auflegung der Hande ausgeſandt. Es war 
aber ein verkehrter Trich ‚welcher fich in dem gangen Curricu- 
lo Vitæ geauffert: dann erfkfich , nachdem diefe zween Predi- 
ger einen ziemlichen Weg in Teutfchland gezogen, und dem 
Bericht nach , bis in Franckenland gekommen geweſen, aber 
mit all ihrem Predigen nichts gefördert : 'verfuchten fie es mit 
Liedersmachen, welche fie drucken laffen, und fingende vor den 
ZIhuren, den Leuten in die Haufer gereichet; die fie aber für 
bettelnde Studenten angefehen, und das gewöhnliche Almo⸗ 
fen dafuͤr angeboten, aljo daß fie ‚Studiofi,, inwendig bey den= 
felben nichts gewircket. Wodurch fie zur Einkehr gekommen, 
und gefeben ‚daß ihre Mifhon eitel war Dahero man einen 
neuen Rath genommen, und unfer Holtzbaufen die Refolution 
gefaſſet, ein Weib zu nehmen, um ſich nach feinem Concepueine 
eigene Gemeine, mit Rinder-zeugen, aufzurichten, gedenckende, 
daß es ihm da nicht fehlen koͤnte dieſelbe8Ott zuzuführen. Der 
andere aber, nemlich Doͤhren ſchlaͤget einen andern a 
| uber 


— — — —— 





von J. B. Leben und Schriften.V. ze 

über feinem begangenenMigichlag fich vor den Menſchẽ zu ver⸗ 
bergen ‚dermaflen, daß man nicht gewuſt, wo er geblieben oder 
geſtecket, bis nach feinem Tode; da Fund geworden, daßer fich 
in Hamburg in ein Cloſter oder Pfrunde eingefauft, und auch 
in demfelben der legte Pfrundner gewelen, indem der Magiltrat 
mit feiner Perfon, wie man gefagt, das Geftifte ausgehen laſ⸗ 
fen. Alſo hatten unfere Prediger fich ledig geprediget und ges 
fungen, und das wenige ‚maß fie vom Geiſt gehabt, verloren, 
Der Herr Gichtel wolte feinem Holtzhauſen aber wieder aufs 
helfen , und wie er bemfelben von Anfang ber guͤnſtig gewefen, 
fo bat ers albie noch auf eine Bundigere Weile bezeiget, da 
GOtt ihme darzu felber die Gelegenheit gegeben, daß einige 
fürnehme Miniftri am Chur-Brandenburgifchen Hofe an ihn 
gelangen laffen, daß fie gerne einen frommen Chriſtl. Dann 
zum Prediger zu haben wünfchten. Alſo bat belobter Here 
Bichtel in gutem Vertrauen Herr Holsbaufen vorgeſchla⸗ 
gen ; welcher ed auch angenommen und ins Amt gefeget wor⸗ 
den; da er zwar dad Vertrauen, das man auf ihn gefeget, 
ſchlecht Beantwortet, indem er platt abgefchlagen , bey dem ers 
folgten Kriege mit Schweden, die gewöhnliche Formul vom 
Kirchen: Gebet zu thun; welches denen bedeuteten Herren 
übel gefallen, ſehende, daß es ein purer Eigenfinn war ; alfo 
Eonten fie ihm nicht langer patrociniren,, fondern muſten ges 
ſchehen laſſen, daß er abgefeget ward. Und damit Fam er auch 
aus Heren Gichtels Kundfchaft , und ging mit vollen Schrit- 
ten in ben Geiſt der Welt ein, legte fich nach gemeiner Schul: 
Art aufs Difputiren, wie man in der Zeit, aus feinen in Druck 
ausgegangenen Papieren gefehen, was man in Hildesheim fir 
ein Feuer gemachet gegen feine Mit-Prediger ‚die er Calixti⸗ 
ner geheiſſen; fo man an feinen Ort geftellet bleiben laͤſſet. 
Sein Ruff nach Frandfurth durch Heren Speners Veran, 
laſſung, möchte Herr Holtzhauſen von GOtt gefegnet gewe⸗ 
gen ſeyn, da deffen VBorfag war , ihn wiederum zu fich zu brine 
gen; wie am Ende gefihehen. Er brachte aber feinen enf> 
zuͤndeten zanckfüchtigen Beift mit dahin , und legte ed auf die 
Srommen an, welche fich , ohne Arges zu dencken, an ihn ver> 
erauet gehabt. Go bließ er aber lauter Feuer und Flamme 
gegen diefelbe an, daraus eine Verfolgung folte entſtanden 
ſeyn, wann GOtt nicht dagegen gewachet; welchen er nun⸗ 
mehro zu feinem Wiederpart befommen, da mit geiltlichen 
e4 offen 


72 Ausfuͤhrlicher Bericht | 
Waffen wieber ihn geſtritten worden, und Herr Dr. Spencer 
die Pöniteng hatte, Daß er in.einer Inquifition prafidiren mu⸗ 
fle. Fernerhin wendete man fich gegen des fel. J. B. Geift 
und Schriften; damit er den guten Leuten in Franckfurth 
‚eben nicht wehe that‘, dieweil ihn die wenigffen gelefen. Es 
war aber der fatale Strick, worinn GOtt ihn fangen wollen 
und darinn zappeln laffen, bis er ihn aus feinem gangen lim» 
ſchweiff wiederum in feine erfte Buſſe gebracht ; da er dann 
einen harten Mann gegen fich gefunden, welcher Macht hat 
über Leben und Food, und Leib und Geele zu verdammen, da der 
Suͤnder den legten Heller bezahlen muß , bi8 er Ioggelaffen 
wird, welches ein Gerichte iſt, Dad in die Ewigkeit gehörer. 
Der belobte Herr Gichtel trachtete zwar Herr Holtzhauſen 
in feiner gröffeften Entzündung auf die Letzte noch beyzukom⸗ 
men, um ware es moͤglich geweſen, ihn aus dem Feuer zu ret⸗ 
ten, mit einem Schreiben an denſelben und Anbietung eines 
Exemplars der neugedruckten Schriften , als dawieder er aus 
Unkunde ſtritte. Manmachte in Scandfurtb aber Schwie⸗ 
rigfeit e8 mit ihme anzulegen, daß der Brief alfo liegen ger ' 
—* und man GOtt muͤſſen mit feinem Geſchoͤpfe machen 
offen. 
1m Dan folte biebey ferner eine andere, nicht minder ſehr 
anmerckliche Gefchichte, einer ſchwer angefochtenen noch le⸗ 
benden Perſon, fügen können, die ihres verſtorbenen Vaters 
leichen Mißgriff und öffentlichen Gegenfag wieder unfern 
eugen GOttes und feines Chriſti, Jac. Böhmen , empfind> 
lich ragen muß, wann man nicht vielmehr zu dem ausgebor⸗ 
nen Hergen der Liebe GOttes in der Dienfchheit ‚das kindliche 
zuverfüchtliche Vertrauen hatte, Er werde feines H. Namen® 
Ehre an diefer Perfon vielmehr im feiner Liebe groß machen, 
und ihr die offene Wunden JEſu zur Berföhnung in ihrer 
Seelen offenbaren, als fich auffer Chrifto im Zorne an Staub 
und Afche verberrlichen. 


‚12. Wenden ung inzwifchen wieder zu den Merckwuͤrdig⸗ 
keiten der Stadt Goͤrlitz, wovon weiter nichts dieſes Ortes 
au erinnernift, ald daß fie die Gnade von GOtt gehabt, zwar 
einen Prophetifchen Dann viele Sabre lang zu beherbergen, 
‚aber auch die Zeit folcher Gnaden-Heimfuchung am wenig⸗ 
ſten mag behergiget haben, gleich aller Propheten ie > 
: ER R 





von J. B; Leben und Schriften. V. 73 


"ihrem Vaterlande iſt. Dahero auch des feligen J. B vielfäl- 


tige —— und Vorher⸗Verkuͤndigungen in feinen Brie⸗ 
fen , befonders in denen legten aus Dreßden datirt, mehr ald 
zuviel an ihr erfüller worden , da gleich nach feinem Abfterben 
der Ort und das gange Land mit Pet, Hunger, Krieg und 
Brand entſetzlich mitgenommen worden, ald ihre Gefchichte 
Schreiber nicht genug zu beklagen wiflen. 
‚of v0. Anmerdung. 
Don dem granfamen Brande im Jahr 1683 mercket ein benamter 
Mann an, um will, daß. der Prediger Zorn:Eifer das euer felber 
.. angezündet , " fie auf den Cantzeln auf. den herausgefommenen 
neuen Ditick der Schriften graufam invehiret. Was für eine Fa; 
talitaͤt es mit tem auch erfchrecklichen Brande von Anno 1717 ges 
habt, nachdem abermalen eine Edition der theuren Schriften ans 
Licht gefommen 5 dafur erzittert man vielmehr , als daß man dars 
über Erifin mechen wolte. 


13. Wiewol des theuren Mannes Talent eigentlich nicht 


war, die Wunber des Zorns GOttes zu erwecken und zu vers 
kuͤndigen, und in den Feuer- Grund des Vaters zu imaginiren, 


ſondern vielmehr das Hertz der Liebeß Ottes JEum Immanu- 


El, zu offenbaren welches er von Jugend auf mit Aengſten ge⸗ 
ſuchet, und mit vielen Freuden gefunden hatte. Von dem 
edlen Lilien⸗ Gewaͤchs unferer Zeit welches er im Geiſte er⸗ 
blicket ‚find faſt alle feine Blaͤtter erfullet, und findet man ſei⸗ 


‚nen Geift nie ohne diefe Lilie in den Handen. Dahero er ſich 


balde zumäßigen wiſſen, wann in dem Gebären des Geiſtes 


fich. der Feuer⸗Grund eröffnen und feine Zorn Wunder an⸗ 


deuten wollen, fo faft angenehm zu lefen ift, wie in der Einfalt 
der Creatur die Liebe dem Zorn Einhalt gethan, daß man al- 
lein die Pofaune des Siebenten Engeld deutlich vernehmen 
Fann ; denen Unſern, fagen wir mit dem Autore, vers 
fanden. 2 „2252 

14. Delangend deffen Bildnif , wie es der Edition yon Ao, 
1715 vorangefüget ſtehet , if folfche8 zwar ohne Anfehung der 
Koften von eines guten Kuͤnſtlers Hand in Amſterdam, nach 
einer in Samburg angetroffenen gar alten Schilderey, da> 
mals nachgemachet worden ; von welcher man feine Gewiß⸗ 
beit hat, als daß der Sohn eines verfforbenen Antiquarii die 
Berficherung geben wollen, daß es die Abbildung des I... 
märe, Ed-trift aber dennoch wenig überein mit der eigentli⸗ 
lichen Geſtalt, in welcher fich der fel. Dann einent anderen fon 
A e5 derbaren 






Ze 


74 Ausfuͤhrlicher Bericht 
derbaren GOttes⸗Freunde diefer Zeit einſt gegeiget hat, wie 
davon bald hernach , ($. 16.) mit mehrerm gemeldet werben 
ol. Warum wir die obbefagte Bildniß bey gegenwaͤrtiger 
neuen Edition nur lieber haben weglaffen wollen, den Leſer 
mit dergleichen Mißlichkeiten nicht zu abufiren. Alle andere 
bishero vorhandene Kupfer⸗Bildniſſe des fel, Mannes, find 
eine blofe Erfindung der refpedtive KRünffler, wie KTicolaus 
Haublin felber gegen unfer Einem geftanden bat, alder Ao. 
1676 zu erfi Damit vor den Tag gekommen war, und ed rund 
umher mit Myſtiſchen Figuren gezieret hatte. Go war er 
auch der Erfinder von demjenigen Bildniß, welches bem 
Myfterio Magno edit. 1678 in Odtavo vorgefeßet worden , und 
wornach Herr Morell feine Medaille gemachet- Damit man 
aber den Leſer doch nicht von allem beranbe, und dem Buche 
feinen Zierrath nehme, bat man ſich unterſtanden, eine neue 
Sigurzuentwerfen, ob folche vielleicht naber zutreffen moͤch⸗ 
ce; da der Juventor fein Mabler ift, er ſolte fonft vielleicht 
Due * Ziel kommen. Der kLeſer nehme damit in Einfalt 
uͤr Lieb. 
ſ 15. Diefer Herr Morell, welcher vor der Verfolgung des 
Reformirtenin Srandreich, Königlicher Numifmaticus gewes 
fen , bat fich hernach am Fuͤrſtl. Schwargburgifihen Hofe in 
Arnſtadt aufgehalten, almo gedachte Medaille Ao, 1707 ges 
machet worden, welche denen Liebhabern folcher Gedaͤchtniß⸗ 
Muͤntze, nicht unbefant if. Aufder einen Geite oder Avers, 
ſtehet des Autoris Bildnig von gedachter Invention ; mit der 
Umfehrift: Jacob Böhme, Teutonicus Philofophus. Auf 
der andern Seite oder Revers liefet man folgende Schrift: 
Natus 
AN. M, D. LXXV. 
prope Gorlicium 
Hine fütrinz admotus 
* divina Revelatione 
ſeſe admonitum 
Eaque A. M. DC. & M. DC. X. repetia 
divinaram naturaliumque 
rerum notitua 
ſe imbutum credens 
Varios libros Theoſophicos 
& Chymicos ſeripſit, 





von J. B. Leben und Schriften. V, 75 
A Gorlicenfibus fruftra N I 
Ad defiftentum coadtus | 
‚Aliis chariflimus 
In Confiftorio Dresdenfi 
A. M. DC. XXIV. Menfe Jul, 
Auditus & in Pace dimiflus. 
Obiiteodem anno XVII,Norv. 


Der Einbaltdiefer Schrift zeiget an, wann der Autor geko- 
ren ‚ nemlich 1575, daß er in Goͤrlitz das Schuſter⸗Handwerck 
getrieben; zu dreyen unterfchiedenen malen, von EOtt mit 
feiner Offenbarung begnadiget worden, und darauf viele 
Theoſophiſche Bücher gefchrieben; Und ob ihm gleich von den 
Goͤrlitzern vergeblich Einhalt gethan worden; Er andern 
dennoch defto lieber gemefen. Daß er endlich im Confikorio 
zu Dreßden Ao. 1624. im Julio eraminiret und friedlich erlaf- 

fen worden, und darauf den 17. Novembr. verfforben. 
16. Aber eine bündigere Nachricht von des Autoris eigen: 
licher Geſtalt, womit man tiefer in feinen Geift kommen 
Kann , theilen wir dem aufrichtigen Leſer in einfältiger Liebe 
mit, fo, wie fie Ao. 1712 den 2. May fchriftlich ausgedrucket 
worden, dieſes Einhalts: „Weil von Jacob Böhmen unter 
„ung aehandelt wird, Habe ichdie Nacht vor dem 2. biefes, da 
„ich diefen Brief unter Handen gehabt, und zwar des Mor- 
„gens zwifthen Schlaffen und Wachen feinen Geiſt bey mir ge- 
„habt. Es iſt kein rechter Tranın,, weildie Begegnung mehr 
„inwendig aldanswendigiff. Er mar uber diemaflen human 
„und demüthig als ein Lern-Schüler. Mit dem erften Wort 
„gab Er zu erkennen, daß er ſich an Br. Gichtel fel. inder 
„zeit incognito in eines Bauren Geſtalt einſt geoffenbaret ha⸗ 
„beaehabt. Hieraufumfaffeten wir einander, und er war fo 
„elein, daß ich ihn an meine Bruft in meinen Schlafrosk legen 
„koñte, und damit zu denBrüdern in einZimmer ging, worunter 
„der fel. Bruder mit war. Sich ffellete ihnen den neuen lieben 
„Gaſt dar, welcher fich auseinander that, und von Geſtalt 
„ein nicht groffer Dann war, fondern Eleiner Statur, aber= 
„malin einem fchlechten Baur-Kleide, nicht von Peiner, fon: 
„dern Wolle. Sein Angeficht, welches ich eigen und lang 
„eontemplirte, war gemeiner Geſtalt, nicht anfehnlich; das 
„Kupfer und Die Medaille, welche man von Ihme hat, iſt 
„gang ein fremd Werck dagegen. Er gab zu erkennen, = 
r 


\ 


75. : Ausführlicher Bericht 
„Er noch ein Schüler mit uns in dem Leben Chrifti fey , und 
„geluͤſtert Ihme mit einem Unfchuldigen lernbegierigen Affect 
„von Chrifti Oeconomie unter ung zu hören; Und welches 
„noch am hoͤchſten zu verwundern / ſetzte Er fib an den nie= 
„drigſten Ort unter ung, bis auf einem nach. Wenig Wors 
„te wurden unter ung geſprochen ‚Er verftund fich aber 
»machtig mol auf das Einführendes demütbinen Liebe-Wil⸗ 
„lens ing Hergedes Bruders, und ging mit ung aus dem Her⸗ 
„en indie Jungfrau JEſum ein, wovon ich erwachet, und 
„den Geiff noch in der Empfindung babe. Go weit diefer 
nachdenckliche Bericht, dabey derfebe Wolbealaubte Augen⸗ 
Zeuge der inneren Oeconomie, noch fünet: „Mich bat GOtt 
„des Mannes Angeſicht wollen feben laſſen, obwol fein Ber- 
„langen nach dergleichen bey mir iff, weil Fleiſch nichts nüße. 
- 17. Zudes Autoris Auffeen Umftänden gehört auch noch 
fein Hausſtand, Frau, Söhneund gute Freunde. Von fer 
nem Hausſtande und Nahrung iſt befant, daß er fein 
Kandwerd beym Suchen und Bewahren ber gefundenen Pers 
le des Reiches GOttes dennoch immer getrieben , und fich und 
die Geinen damit ehrlich ernehret , auch nebſt einer Fleinen Nez 
benhandlung dabey, fo lange angehalten, bis er wegen des 
mächtigen Triebes zu febreiben.auch von wegen der vielen hun⸗ 
gerigen Adler und begierigen Seelen , die fo fehrift:ald mund: 
ich ihn befuchten, feinen auffern Beruff länger nicht abwarten 
koͤnnen fondern noch vor dem Jahr 1619 von BDft an eine 
andere Arbeit gefeget; womit er andern molthatigen Gemü- 
thern in der Liebe verpflichtet worden , welche denn mit Ver: 
wunderns⸗ wuͤrdiger Görtlich-weifen Direction, durch ihren 
Hunger fein Talent dermaffen beraug gelocket, daß man band: 
greiflich erkennen Fan, der H. Geiſt habe dem ungelebrten 
‚ Schreiber. die Feder geführet, und ihme aufferordentliche 
Kräfte dazu verliehen, da Er in Zeit von 526 Jahren alle fei- 
ne Bucher (Auroram ausgenommen, fovorhin fertig gemors 
den) geichrieben, und an Briefen noch.eine groffe Anzahl, ald 
man wahrſcheinlich vermuthen kann; wovon unten bey feinen 
Briefen ein mehrers. 
‚18. Er hat zwar drey Söhne, Namens Jacob, Tobias 
und Klias hinterlaffen, davon ber eine ein Schufter , der an⸗ 
dere ein Goldſchmid geworden, fie haben aber auch nicht gar 


lange nach ihme gelebet, noch fich im Fleiſche weiter — — 
reitet, 


zn 


von J. B. Leben und Schriften. V. 77 


breitet , fondern find ohne Kinder, vermuthlich auch im ledi⸗ 
gen Stande, verftorben ; von ihrer Mutter iff oben im Le: 
benslauffe No. II. $.5. ſchon berichtet, daß fie Bald nach ih⸗ 
rem ſel Manne vor dem Ungluͤcke, und zwar in der Peſt, bey 
Verpflegung der Patienten inD. Kobers Haufe, GOtt in fei- 
ne Hande gefallen, und das Zeitliche gefegnet. 

19. So gings auch feinen lieben Freunde und Mit⸗Buͤrger, 
D. Tobias Kobern , der feine Leiche fo forgfaltig zur Erde be: 
flatten helfen,  Diefer getreue Mann farb auch des folgen; 
den 1625. Jahres unter feinen vielen Peſt Patienten, die er in 
feinem eigenen Haufe verpflegte. | 

20. Bon den übrigen vertrauten Sreunden, des ſel. J.B. 
lohne die Fuͤrſtl. Perſonen) etwas zu melden, movon unter den 
Adelichen, Gelehrten, ꝛc. die vornehmflen Herren, Carl 
und Michael von Endern, Gebrüdere; Abrabam von 


Sommerfeld; Abraham von Scankenberg; Sans Sig 


mund von Schweinich; “Job. Theod. von Tſcheſch; Dr. 
Gottfried Sreudenbsmmer; Dr. Balthaſar Walter, Dr, _ 
Seiederich Kraus, Dr. Tobias Rober, Herr Chriſtian 
Bernhard, nebft vielen andern aus den Send-Briefen br- 
Eont die auch bis an ihr feliges Ende der Wahrheit Zeugniß 
gegeben haben. | * 
21. Bon welchen eines Theils anzumercken iſt, daß ver; 
fchiedene derfelben, bey den erfolgten Krieges Troublen in 
Schlefien , und inder Lauſitz, fich nach andern Orten bege- 
ben haben; da der Herr von Sommerfeld, fich von feinen 
Land⸗Guͤtern nach Breßlau gewendet, deme auch der Herr 
von Srantenberg dahin gefolget ; welcher leßtere aber nach 
diefes feined Heren Oheims Abſterben, feinen Aufenthalt in 
Danzig genommen, zugleich mit dem Herrn von Tſcheſch, 
der von Brieg dahin gezogen war. Dr. Walter aber hat fich 
in Züneburg und Aübed einige Zeit aufgehalten, iſt aber 
endlich nach) Paris gegangen, almo er verftorben iff. Son⸗ 
fen fchreiber Autor Epift, EV. 6. 13. 14. 15. desfals an einen 
Luͤbecker: „Wiffet, daß euch Mitternachtigen Landern eine 
„Eilie blüher, fo ihr dieſelbe mit dem Gertirifchen Zancke der 
„Gelehrten nicht werdet zerflören, fo wird fie zum groſſen 
Baume bey euch werde. Werdet ihr aber lieber wollen jan; 
„ten, als den wahren GOtt erkennen , fo gebet der Strahl 
„vorüber und trift nur etliche , fo muͤſſet ihr ———— 


78 + Ausführlicer Bericht: 
„fur den Durſt eurer Geelen bey fremden Völkern holen 
„Werder ihr dag recht in acht nehmen, fo werben euch meine 
„Schriften groffen Anlaß und Anmweifung darzu geben, und 
„der Signat:Stern uber eurem Polo wird euch helfen, dann 
„ſeine Zeit ift gehoren. Deffen Deutung wir nicht von auffen 
verſtehen, denn Chriſti Reich iſt nicht von diefer Welt, fon- 
dern in dem Theil unferer Dienfchheit, mo ImmanuEl bey ung 
iſt alle Tage bis and Ende der Welt. 
22. Wir kommen hiemit aufdes Autorig hohes Geiſtes⸗Ta⸗ 
Ient , fo viel davon in einen Hiſtoriſchen Bericht gehöret; wo 
es zwar haupffachlich auf den Leſer ankommt, daß er wenig» 
ſtens angefangen habe mit dem Autore das Herge GOttes zu 
fuchen, und fich für. dem Ungemitter des Teufeld darein zu ver- 
bergen, denn alda ift ihme fein hohes Talent auferleget und ans 
vertranet worden, vermöge feines eigenen Berichts in Aurora 
Cap, 23:84. 85. Und muß man fich höchlich uber GOttes wei⸗ 
fe Regierung verwundern , der da wuſte, wozu Er dieſen ein⸗ 
- faltigen Dann gebrauchen wollen, und ihme dahero in feinem 
bungerigen Suchen vieler Meifter Schriften (mie ed Autor 
anderdmo ausfpricht (in die Hande kommen ließ darinn er zwar 
nicht fand, was er ſuchte, aber geubte Sinne bekam, nachmals 
fein Hohes Geiſtes⸗Talent fuglich auszudrucken. Auror. 22: 13, 
23. Denn es ein jeriger Wahn iff, daß man meinet, GOtt 
lehre unmittelbar feine Boten den auffern Buchffaben und 
woͤrtlichen Ausdruck, oder wie man fpricht , der H. Geiſt ins 
fpirive ale Buchſtaben, Sylben und Wörter ; welche Mei⸗ 
nung. noch von der Juden Aberglauben urſtaͤndet. Womit 
wir zwar feinen Anlaß zum Zanck geben, noch diefer oder jener 
Parthey das Wort fprechen, fondern allein unferd Autoris 
Gabe hiſtoriſch erörtern wollen; als der feine Lateinifche Ter« 
minos und fremde Wörter von auffen erlernet, doch als ge: 
fagt , nicht ohne Göttliche mittelbare Fügung, damit er deifo 
bequemer fein Inwendiges an den Tag geben koͤnte. 
- 24. Und darinn kann der theure GOttesMann mit den Apps 
ſteln fich und feine Schreibart rechtfertigen und fagen : ES hat 
dem H Geiſt und und alfo gefallen, in folchen Terminis den 
Willen GOttes abermalsder legten Welt an den Tag zu le⸗ 
gen: Damit der aufgewachte hungerige Sucher finde, und 
der faufe fatte darbe, und beyde erkant werden. Geine ver: 
meinte dunckele Schreibart iff denen Kindern des Ant Bi Ar 


von J. B. Leben und Schriften. V. 79 


aehmlich und uͤber alle maſſen deutlich, daß ſie ſich auch nicht 
entbloͤden (einer für ale) zu bekennen: Man ſaget, daß in 
Jacob Boͤhmen viel dunckele Termini find, in der Bibet 
ungleich mehr, und Knoͤpfe, welche. ohne Erkentniß der 
Pprincipien nicht aufzuloͤſen; da Boͤhm ſich ſelbſt erklaͤret, 
welches die Schrift nicht thut, Dem Verſtaͤndigen aber 
ift das Erkentniß leicht, weil man die Dinge mit dem 
Herzen Liefer und verftebet, und nichts Davon nachreden 
Eann, GOtt gebäre das Wort dann aufs neue, gleich in 
den Schreibern geſchehen iſt, wo mansdenn wieder aus, 
fprechen kann. Womit denen heiligen Schriften der Pro- 
pheten und Apoftel nichts zu nahe geredet iſt, denn fie haben in 
aller Goͤttlichen Weisheit fich ausgefprochen, nachdem es ih- 
re Zeiten erfordert, oder wie unfer Autor Epift. XII. 32. fpricht e 
Die alten Autores haben zu ihrer Zeit genug gethan; Weil 
aber die ierzige eines andern Artztes bedarf, fo befinden 
fich auch ietziger Zeit andere Erkenner und Wiffer zu der 
Kranckheit, allesnach GOttes Liebe und Vorforge , der 
nicht will, daß iemand verloren werde, fondern daß als 
len Menſchen geholfen werde. JE 

25. Wiewol diefe Erhebung der Göttlichen Gabe, durch 
piefen Men der legten Welt aus Gnaden mitgetheilet, vie⸗ 
fe. Leſer, die noch Fremdlinge find in der Deconomie Chriſti, 
und nicht wiſſen, was in dieſen Tagen geſchehen iſt, gar 
ſehr befremden moͤchte, ſo irret uns doch ſolches nicht; ob wir 
fie möchten in ihrem Suchen zum Eifer reitzen, mit jenen zu 
Beroea zu prufen, ob ſichs alfo verhalte? wo es Chriſto niche 
am bloffen Beyfall, noch auffere Menge, noch andere Secti⸗ 
riſche Liebe zu thun iſt, fondern nur, daß es erfeufich anzufes 
ben, wieder Name des Himmlifchen Vaters von vielen ver⸗ 
berrlichet werde, — 

26. Denn es iſt wol kein Articul Chriſtlicher Lehre, worin⸗ 
nen anietzo die Gewiſſen anſtoſſen und wegen des vielen Streits 
und groſſer Verwirrung nicht wiſſen, wie fie damit bey GOtt 
dran find, die der H. Geiſt nicht alhie zur gänglichenGenüge ers 
oͤrtert, und zwar mit aller Unpartheilichkeit und bIoffer Anwei⸗ 
fung zur allerbeiligften Wieder geburt,ohne welche niemand vor 
BHrt masgile, in welcher aber wir allzumal Einer in Chriſto 
find, und von Feinen fremden Namen willen, ſondern nur 





so Ausführlicher Bericht. 
von dem, der ba heiffet JESUS ImmanuEl; die auffere Crea⸗ 
tur mag in diefer Welt zu hauſe gehören, mo fie wolle. ? 
- 27. Wolte man diefes H. Talent Furg zufammen faffen und 
andeuten, ſo iſt es die Öffenbarung des Drey: inigen GOt⸗ 
tes, vermittellt Eröffnung der dreyen Peincipien, oder drey⸗ 
fachen Auggebarung feines allerheiligften Weſens welches 
mit einer rechten heiligen Anmuth und Lieblichkeit an der 
dreyfachen Welt, ald der finſtern Feuer⸗Welt , darinnen Lu⸗ 
cifer mit feinen gefallenen Engeln wohnet; an der Licht⸗ 
Welt, darin der H. Engel oder Geifter Deconomie iſt; und 
an diefer fichtbaren Welt, wo wir Menfchen aniego nur als 
Fremdlinge Herberge haben, gewiefen wird. Alles zu dem 
Ende, auf daß wir daran aus dem Grunde das groſſe Geheim⸗ 
niß CHRISTI und unferer Erneurung oder neuen Geburt er: 
lernen mögen , wo man aller Meinung lo8 und ledig wird , und 
wiederum auf den bisher mit Sand bedeckten Grund der Pro- 
De und Apoftel Eomme, da JEſus EHriffus der Eck⸗ 
ſtein iſt. ENT | 
28. Womit wir zur fpetialen Nachricht ieder Tractate und 
Bücher diefer Theoſophiſchen Schriften kommen, und zwar in 
der Ordnung, wie fie im Wercke folgen; Als: 
> LE ‚Aurora oder Morgenröthe im Aufgange. 
Wovon bekant , daß diefes das allererfte Buch, fo der Autor 
in feiner böchften Einfalt nach dem auffern Drenfchen, aber im 
Lichte der Morgenröthe nach feinem Inwendigen, geſchrieben 
bat, nur fich zu einem Memorial; foer angefangen hat mit 
dem neuen Jahr 1612. Wovon Henricus Prunius indem S. 4. 
erwehnten Briefe dieſe Nachricht ertheilet: „Des Autoris 
„Aurorz find nur 26 Capitel verfertiget, darauf ſoll folgen das 
327. und nichts weiter, weil es gewaltſam entzogen worden. 
„Es reſtiren noch ledig (an weiſſem Papier) 8 Bogen in 4to. 
„Die 26 Eapitel begreiffen nach des Autoris Hand in fich 83 
„Bogen iſt in gefchrieben Pergament gebunden, wie ein Re⸗ 
„gifter. Auswendig aufm Rücken ſtehen dieſe Worte : An- 
fang den Freytag nach Pauli Befehrung 1612. , Nachdem dies 
fes Autographum nun An, 1641 durch den Ehurfürftl. Sachfi- 
ſchen Haus-Marfchallen in Dregden, Herrn: von Pflugen 
auf Pofterftein, dem Herrn Abrabam Millemfoon van 
Beyerland Vorſtehern der Srangöfifchen Nation man 
IE n. 


1 


dam uberfandt 5 nachgehends aber von deſſen Erben zur Ber. 
beiferung der neuen Auflage von An. 1682 erfauffet worden, 
und im Jahr 1728 wieder in unfere Verwahrung, anhero nach 
Ceyden gelanget iſt, befindet fich daffelbe, vergulder aufm 
Schnitt, nunmehro steh als erneneret , in einem faubern 
Englifchen Bande, mir Clauſuren. Daffelbe Buch der Mor⸗ 
genrötbe ift der Keen, oder Eurtzer Begriff aller des Aus 
torisSchriften und Erben ;und ob es wol alles nicht fo weits 
laͤuftig darinn ausgewickelt worden, als in denen folgenden 
Schriften, fo iſt es dennoch darum deffo anmercklicher, weil 
Autdr der Zeit noch mit niemanden aus feiner Gabe gereber, 
und alfo pur lauter feine Einfalt daran zu erfennen; da er 
alle Wörter blodnachder Natur-Sprache und ihrem wahren 
Beritande gefihrieben und gebrauchet, und nicht, mie fie ge- 
meiniglich Klingen oder verflanden werden, als die Wörter ; 
Animalifch ‚ fo ihme feelifch heilt , von Anima die Seele, nicht 
thierifch, von Animal; Marcurius an ſtatt Mercurius; von 
weichem Worte der Herr Aans Dierrich von Tfehefch erin⸗ 
nert (in feiner Einleitung in den edlen Pilien-Zmeig der Schrif⸗ 
ten J. B. pag. 88.) „obwol die felbfi-weife Vernunft es für eine 
„baurifihe Einfalt bes Autoris deuten möchte, fey es doch nicht 
„ohne gewiſſe Myſtiſche Urfache, daß Autor die Syllabe Mer 
„mit dem a, als Mar, ausſpreche. Nachmals Bat ber Autor, 
auf Erinnern feiner gelehrten Freunde, fuͤr animalifch lieber 
Das Wort Seeliſch gebraucher , und Mercurius an ffatt Mar« 
curius gefeget. Des Autoris eigen Bekentniß von dieſem 
feinem erften Buche AURORA findetder geneigte Leſer in dem 
Gend-Briefen hin und wieder ‚ald: Epif.X.6.2-95 35-42. 

an welchem legtern Orte man zugleich ſiehet, daß es Autors 
aufden Buchſtaben fo genau nicht anfomme, mann nur dem 
Verſtande nichts im Abfichreiben entnommen worden. Was 
in angegogener Epit. 5.38 ftebet, hat man bereits in vorigen 
Editionen, ald einen Befihluß der Aurorz anzuhangen pfle= 
gen ; fo dieſes Orts auch gefchehen. Siehe ferner Epikt, XIl: 
66. Ep. XIX: 13. aufwelchen Schlag bes Autoris eigen Urtheil 
von diefem Buch mehrer Orten befindlih. Daß ihme daf> 
ſelbe balde, noch ehe. e8 vollendet ‚durch den eifrigen Prima- 

‚zium , Öreg, Richtern, entwendet worden, ward oben im Bes 
bens-2auffe , N.ı. $.13 berichtet. Wie nun der böle Mann 

Ras Werckzeug GOttes Zorns dabey mars; alfo war hinge⸗ 
—* gen 


von ZB: Leben und Schriften. V. gr 


Ä 


9 Ausführlicher Bericht 

gen ber Herr Earl von Endern, ein Gottfeliger Edelmann, 
das Inſtrument Görtlicher Liebe dabey. Diefer fromme 
Herr mochte zufällig davon gehöret haben, daß unfer Autor 
ein folches Buch fehriebe, liehe e8 allo von ihme : Hatte e8 aber 
nicht fo balde bekommen, da ers fchleunig abfchreiben ließ, und 
das Original dem Autori wieder zuftellete, wodurch es bald 
befanter worden, zu nicht geringen Segen dieſes Adelichen 
Werckzeuges, des Herrn Carl von Endern ; an welchen Au⸗ 
£or in der 37. Epift. ſchreibet: „Wiewol ich weiß, daß der Jun⸗ 
„cker geneigten Willen gegen mir und allen Kindern GOttes 
„träget , fo fage ich ihme doch ‚als ich gewiß erfant habe, mir 
„aber nicht gang zu offenbaren ſtehet, daß ihn ein folches ing 
Fkuͤnftige nicht wird reuen, denn feiner wird bey unfern Nach⸗ 
„koͤmmlingen darum nicht allein zeitlicher Ruhm, fondern als 
„man frommen Gottesfürchtigen Herren nachfaget , geruͤh⸗ 
„met werden. Daßaber diefer gefegnete Dann das gedach⸗ 
ge Werckzeug war, erbellet aus Epift. II:g. nebft des Herrn 
von Seankenbergs Bericht, .c. Weil nun dag Original 
bald darauf abhanden Fam , als fandten die Liebhaber ihre Co⸗ 
peyen dem Autori in ben nächften Jahren wieder zu, die er 
nachgeſehen und gebilliget ; da er dann gelegentlich in das 
Exemplar des Herrn Michael von Endern, eines Bruders 
jenes Heren Earl von Endern, noch verfihiedene Anmer⸗ 
ungen am Rande beygefuget, welche, wie inden vorigen Edis 
tionen, alfo auch in der gegenwärtigen , beybehalten, und zum 
Unterfcheid des alten Terted zwiſchen 2 Klammern, mit gröffe> 
ven Buchfkaben, find gefeget worden. 

29. Nachdem nun dem Autori diefes 1. Buch gemelbter 
maßen, gewaltfamer Weiſe entnommen worden, hat er einige 
Jahre darauf mit Schreiben inne gehalten ; inzmwifchen es 
SH rt dennoch wunderbarlich gefiiget, daß Herr Balth.Wal⸗ 
ger, Med. Do&. von feiner Morgenlaͤndiſchen Reife nach Haus 
fefam, und von unferm Theofopho vernahm ; da denn dieſer 
ſowol ald Herr Earl von Endern , Hr. Chriftian Bernhard 
und andere , ihn fo muͤnd⸗ als fehriftlich ermunterten , fein Tas 
lent nicht zu vergraben , fondern zu feinem und vieler andern 
Gegen zu offenbaren. Durch welchen Brief» 2WBechfel er 
wieder geuͤbet worden, und fein 2. Buch zu fihreiben ange: 
fangen. 

| Il. De 


von J. B.Lebenund Schriften. V. 33 
ll. De Tribus Prineipiis, oder von den drey Prins 
cipien Goͤttliches Weſens. 
Welches Buch der Autor zwar bereits im Januario 1618 zu 
fchreiben angefangen hatte, wie aus Epift. 1:17 erhellet ; (wel⸗ 
cher Brief allerdings im befagten Jahr 1618 an Herren Cart 
von Endern ergangen ift, wie wir nunmehro aus dem Origi« 
nal deffelben klaͤrlich gefehen, da ſonſt andere gemuthmaſſet 
‚haben ‚ob ware der Brief nur erſt A, 1619 gefchrieben morden 
‚doch hat ers im Octobr. 1619 erſt ganglich vollendet, wie au 
Epiſt.ll: u.und Ep.lll: 4. zu ſehen. In der 10. Ep. $. 10 gedens 
cket Autor, daß er diefed Buch, (fo viel nemlich die befagte 
Vollendung deflelben betrift ) und folgende beyde , als de tri= 
plici vita, & Pfychologiam veram innerhalb drey-viertel 
Jahrs Zeit gemacht habe. Dielen Tractat de Tribus Prin- 
cipiis nennet Autor Ep. Xll: 67 einen Schläffel und Alpha⸗ 
beth aller derer, fo feine Schriften begebren zu verſtehen. 
Es handelt von der Schöpfung ; it. von der ewigen Geburt 
der Bottheit; von ber Buffe; der Rechtfertigung bes Men⸗ 
fchen und feinem Paradeis-Leben, auch von dem Falle: it. von 
ber neuen Geburt und Chriſti Teflamenten, und vom gangen 
Heil der Geelen, fehr nuglich zu leſen: dann e8 iff ein Auge, zus 
erkennen die Wunder im Mylterio GOttes: find am angezos 
genen Drte des Autoris eigene Worte. Von dem Original 
wird nebft andern hinten inder Zugabe des Catalogi MSS. hints 
langlicher Bericht gegeben. Das 3. Buch ift 


III. De Triplici VitaHominis, oder vom drenfachen 
| Leben des Menfchen. 


30. Iſt etwann im September oder Detober des 1619. Jahrs 
angefangen, ſ. Epiſt. V. F.9. und gar balde, vermuthlich noch 
deſſelben Jahrs, fertig worden, Ep. X: u. Dieſer Tractat 
handelt ſonderlich von der ſchoͤnen Lilien, welche GOtt un⸗ 
ſerer letzten Welt goͤnnen will. Zeiget dabey den Grund der 
drey Principien in dem Menſchen, und wird vom Autore faſt 
recommendiret als das noͤthigſte fo manchem dienen möchte, 
ber Zand-Bücher überdrüßig zu werben, [.Epift. X ;ır. und 

Ep.X11;68. Hierauf folger | 
f a eg 


» 


54 AusführlicherWerihe 


“IV. Plychologia vera, oder dierkig Fragen 
Sa von der Seelen. 
. 31. Diefe Fragen hat der nach dem Grunde der Natur und 
in Goͤttlichen Geheimniffen fo emfig forfchende Dr. Balth. 
Walter, bald nach feiner Morgenlandifchen Reife, aufgefer 
tzet, und felbige an viele Gelehrten der Europaifchen hoben 
chulen gelangen laffen, mit Erfuchen, daß fie nach ihrer 
rkentniß die Refponfa darüber verfallen und ihme zuferti⸗ 
er möchten; worinn fleihme nach ihrer Kapacitat auch wills 
ahree haben. Indem er aber das gehoffte Vergnügen nicht 
darinn gefunden, hat er ſich einige Zeit Darnach ‚als er durch 
GoOttes Schickung in J. Boͤhms Kundfchaft gekommen, im 
Anfang des Jahrs 1618, zu dieſem mit Göttlichem Licht bes 
gnadigten Diranıt- gewendet, und zwar deſto zuverfichtlicher, 
weil ex. deſſen Geiſtes⸗Talent albereit in feinen Schriften ein⸗ 
geſehen, ohne was er in perfünlichem Umgange mit ihme fels 
ber. gehöret hatte ;- denfelben bittlich vermögend , gebachte 
Trogen. mie der Gabe feiner Feder Beantworten zu wollen. 
Gleich unfer Theofophus feinem vertrauten Freunde zu ge⸗ 
fallen dann auch gethan / dag im Ausfluß des Geiſtes (wie er 
Epift.X:12 erwehnet) eine folche Antwort darüber erboren 
worden, deffen fich die Welt billig erfreuen folte, warn des 
Teufels Zorn und Bosheit das nicht verhinderte, wiewol der 
Kath BDttes beſtehen muß; da er S. 48 noch beyfuüget, daß es 
im Lichte dev Ratıtv gewaltig gegründet fey. An ſothaner hoher 
Babe GOttes hatte nicht allein dad Gemuͤth befagten Herrn 
Walters als daffelbe gegen bad Ende des Jahrs 1619 da⸗ 
mit beleuchtet worden, das völlige Vergnügen ; fondern eg 
wurden such andere darob erwecket, das Lob GOttes des⸗ 
falls zu erheben. Ob nun wol die 30. Frage von dem Un⸗ 
terſcheid der Lebendigen und Todten bey Auferſtehung des 
Fleiſches, gruͤndlich eroͤrtert wird, mit Beziehung auf die Be⸗ 
wandniß des letzten Gerichtes: ſo will dennoch aus des Auto⸗ 
ris an P. Kaym abgelaſſenen erſten Antwort⸗Schreiben, de 
dat.14Aus 1620, 9.68.69 fo viel erhellen, daß die Mei⸗ 
nung des tauſendjaͤhrigen Sabbaths, wegen der abgefchiede> 
nen Seelen, dadurch nicht voͤllig gehoben werden moͤgen. 
Dahero J. B. wird veranlaſſet worden ſeyn, die Materie 
von dem juͤngſten Gericht etwas tiefer und breiter en 
+ uhren 


von J. B Leben und Schriften. V. 85, 


führen in einem befondern Tractat, dener dem Biebhaber: 
der Myſterien, Herrn Dr. Waltern, der ſich in ſeiner ni 
burtd:Stadt , Groß Glogau, in Schleſien aufhielte, 
fertiget. Als⸗ aber dieſelde Stadt Hi lange darnach n. 
1622 durch eine unverfehene Feuers Brunſt in Funken Zeit 
völlig eingeafchert ward i-muifte auch dieſes MS. nehft andern 
Büchern der Flamme uberlaffen werben, ehe man noch daran 
gedacht eine Copey davon zu nehmen, vielleicht. wol nicht oh⸗ 
ne Fatalitaͤt, wann die Sache, afalls ſie von auſſen etwann zu 
ſtarck möchte getrieben worden ſeyn) vor der Zeit alſo ent⸗ 
decket dem Spiritui Mundi nicht bloß ſtehen ſollen. Dieſen in. 
der Schleſiſchen Freunde Gemurb noch ſcowebenden —— 
den Beyerland, in ver Seit, als fie ibem mit ein und.and rt, 
guten Nachrichten, der LTrauslatirung halber, an die ‚Hand: 
gegangen waren.“ Dann der legte, in feinem Ao. 1639 ge⸗ 
druckten Catalogo aller Schriften Theofophisdiefes Tractats 
Erwehnung thut, da folcher nemlich, zu groſſem Leidweſen 
der Kinder Sophiz „im Feuer untergangen „unabgeropiret;;; 
wobey die Herren von Sommerfeld und Frankenberg 
derfelbe Bogen des Caralogi ihnen aus Amſterdam commu 
nicivet worden , nicht3 zu erinnern gefunden. Als dev, Here 
Beyerland hernagh Abao das Mſterium Magnum heraus 
gab, gedachte er, in der vorangedruckton Specikication der 
Schriften unferd Autoris, fab; No. 30, ebenfals dieſes Bu⸗ 
des vom jüngfien Gerichte, gleichwie en es ferner, in dem 
Y.1641 vermehrtem Caralogo, mit folgendem Ausdruck wie- 
derholete: „.NB, Der Autor hat noch ein Buch 9 Sale, 
„don dem jüngften Gericht in welchen groſſe DROHEN, f 
„ten begriffen waren... Daffelbe far. in dem Brande d 
„Stadt Groß Slogan mit umgefommeny ohne daß: Ball 
„einige Copey gefunden wird. Wer aber-von demfelben eis 
„nen kurtzen Begriff fehen will, der leſe dag 4. Buch des Au⸗ 
„toris, und darinnen die Yntivort der 30. Brage Son: 
ften bat man die Nachricht, daß daS Autographum der 40 


Seelen⸗Fragen in der Etadt Liegnitz aufbehalten feyn foll, 


Und dieres ift auch der 1. Tractat, ſo in eineandere Eprachei 


nemnlich in die Inteinifche überferzer. worden. Giche, oben 
N. 1, 5.17. Von dem Anhang, ald dem ungewandten Aus 


se, 3 der Seelen Silonif, wö zu BR daß der — ve 


ss Ausführlicher Bericht | 
ſolches auf Dr. Walters Begehren, Ao. 1620 zu Martha, 
Herrn Abr. von Sommerfeld zu gefallen in deſſen Haufe ges 
schrieben. Diez Schrift unferd Theofophi war 
V. DelIncarnatione Verbi, oder von der Menfch- 
werdung JEſu Ehrifti in 
| 3Theilen. 

32. Darinnen nach dem tiefen Grunde ber 3 Principien, die 
allerheifigfte Perfon Chrifti, ald wahrer GOtt und wahrer 
Menfch , fo buͤndig dargeftellet wird , daß es feines buchftabli- 
chen Zancks mehr bedarf, bey denen, welchen es nicht um 
Meinungen eigenwillig zu thun iſt, fondern die mit Chriſto in 
der Jungfrau Sophia wiedergeboren worben, wozu Feine Ber- 

niunft taug, noch die Gottheit Immanu-Els durch den Buchfia> 
Ben ergründen kann, welches der H. Geiſt in der Tieffe dem 
Gemuͤth auffchlieffet.‘  Wobey vom Keiden und Sterben 
ef Chrifti, und der rechte Ölaube an ibn theuer anges 
wieſen wird. Autor gebencket diefed Tractats vieler Drten, 
und zehlet ihn in der Ordnung für fein 5. Buch, Ep. Xll: 70. 
Iſt allem Bericht nach im Frühling A. 1620 gefchrieben. 
Drep andere tiefe Tractate find 
VI. Sex Pundta Theofophica, oder von ſechs 
* Theoſophiſchen Puncten. | 
w J VI. Sex Puncta Myflica, oder von ſechs 
Mſtiſchen Puncten. | 
‚33. Beyde find im Tahr 1620 gefchrieben worden; wer⸗ 
en auch, zum Unterfcheid,, die 6 groffe und 6 kleinen Puncten 
genant. Das Original von dem erffen hat der Autor an 
errn Abe. von Seankenberg gegeben, welches nach Dreß⸗ 
en gekommen. Ihrer wird gedacht Epikt, Xll:7r. almo auch 
6.74 unter den Kleinen Tractätlein Zweifels ohne die kleinere 
6 Puncte mit angedeutet werben. Dazu auch noch gehöret 
„VI, Myfterium Panfophicum, oder vom irdi⸗ 
fchen und bimmlifchen Mylterio, 
morinn der Grund der Magia zwar kurtz, aber tief gezeiget 
und der Urfprung Babeld geoffenbaret wird. Geböret auch 
ind Fahr 1625, ald dem Herrn von Sommerfeld zu Liebe 
geſchrieben. — 
IX, De 





von J. B. Leben und Schriften, V. 87: 


IX. De quatuorComplexionibus, oder eine Troſt⸗ 
Schrift von Vier Complexionen. | 
34. Diefe hat der Autor auf Erfuchen einer angefochtes 

nen Perfon, im Martio 1621 gefihrieben, und nennet es diefers 
wegen ein Buͤchlein für die Mfelancholey, Epiſt. XI: 72. Iſt 
in diefer neuen Edition das 8. Traetaͤtlein unter denen, fo den 
DTitel fuͤhren: Meg zu Chriſto; zu welchem denn noch fer⸗ 

ner gehoͤren: 

X. DePanitentia Vera, oder von wahrer Buſſe. 

35. Welches A.1622 im Junio gefchrieben, und dem Herrn 
Rudolph von Gersdorff zugefandt, Ep. XXV: 3. welches 
Büchlein die gröffefte Bewegung gemacht, und balde in ganß 


Scchleſien, Zaufitz und Sachfen befant geworden. Dem 


Heren Hans Siegmund von Schweinich war es ein theu⸗ 
res Wort, foihme die Thoren der Tieffe zerſchellet, ald Epiſt. 
XEV. 5.4 zulefen: dergleichen Wirckung es bey mehreren ges 
babe. Autor nenne es auch fein Gebet: Büchlein, weil von 
Gebet darinn mit gehandelt wird. Ep-Ll:3. LXIV:3. A.1623 
im Decemb. ließ es Herr Aber. von Frankenberg drucken, daß 
e8 eben mit dem Anfang des Jahrs 1624 ang Licht Fam, unter 
dem Titel Weg zu Chrifto, in Beyfügung des Büchleind von 
wahrer Gelaflenbeit, wozu auch hernach dag Tractätlein 
vom überfinnlichen Keben gefommen; wodurch eg vollends 
ausgebreitet wurde, und der Primarius zu Görlitz durch feinen 
befanten Gegenfas nur Del ing Feuer goß, daß iedermann ent⸗ 
zuͤndet ward es zu lefen; dahero es balde in den folgenden 
Jahren, ald A.1628 wieder gedruckt worden, wovon unten. 
Das 2. Büchlein, de panitentia, wird ſonſt Schlüffel Goͤtt⸗ 
licher Geheimniſſe genant, und ift zwar ein Jahr nach jenem 
gefchrieben worden , bezichet fich aber doch S.1ı8 darauf. In 
Der Edie.von 1682 iſt es im Weg zu Ehrifto das 3. in der Ord⸗ 
nung in dieſer neuen Auflage aber hat man es gleichwie in der 
von 1715, zu dem vorhergehenden unter eine Nummer gefuget, 
weil es mit bemfelben einerley Inhalts, auch ſeiner Groͤſſe nad, 
eben kein befonder Tractatlein ausmachen kann. Hierauffol- 


sen XI. De Aquanimitate, von wahrer Gelaſſenheit, 

XII, De Vita menta"‘, vom uberfinnlichen Leben, 
welche beyde im Jahr 1622 geſchrieben, undisgterwebnter 
| f4 maßen 


88 Ausfuͤhrlicher Berich 

maßen mit in das Buͤchlein: Weg zu Chriſto, gehoͤren. In 
den folgenden Abdruͤcken Des Weges zu Ehrifo, nach des Au: 
toris fel. Hinfahrt hat man noch mehrere Keine Tracratlein 
hinzu gefüget, bis ihrer 9 geworden, wenn man die bepden 
Buchlein von der Buffe, iedes beſonders zehlen will, gleich in 
der Hollandifihen Edit. von 1682 geſchehen; weil fie aber aus, 
nur⸗gemeldter Urfache, füglicher fuͤr Ein Büchlein gehalten 
worden, fo bat auch die Anzahl der Büchlein des Weges zu. 
rn in dieſer neuen Auflage ſich nicht über Acht erſtrecken 

nen. eh 

AUT,DeRegeneratione,von der neuen Wiedergeburt. 

36. Iſt zur Zeit des Buͤchleins von der Buſſe, als im Junio 
1622 zu dem Ende gefchrieben , dag der Einfältige ‚der in den, 
andern Schriften diefen fo nöthigen Artieul etwan nicht gruͤu⸗ 
den Fönte ‚ albier nahere Anweifung hatte, gleich in dein Vor⸗ 
bericht daſelbſt zu ſehen. - 
XIV. Theofcopia,oder von Gsttlicher BefchaulichFeit, 

37. Diefe Schrift iftder Anfang des Myflerii Magni, nem⸗ 
lich der anfangfiche Grund zur Erklärung den. B. Moſis, mo 
dieſe hochtheure Pforte völlig eröffnet ſtehet, und alfo an die: 
fem Orte der Autor davon abgeleitet worden, daß es unvollen: 
det blieben , und dennoch das Myfterium Magnum genugſam 
angedeutet worden. So wol diefed, als das vorhergehende 
Tractatlein, find mit im Wege zu Chriſto zu finden. ‚In 
XV, Apologia l.& 1, contra Balth. Tilken, oder Die 

1. und 2. Schuß-&Schrift wieder 

— Balth. Tilken. 

38. Dieſer Balıb, Tilken, ein Schleſiſcher von Adel ‚bey 
der Schweidnitz, hatte A. 1619, den 13. April eine Refuration 
wieder J. B. Auroram yon fich gegeben, welche A. 1620 dar⸗ 
auf, unverſehens dem Herrn Abrah. von Sommerfeld in die 
Hände kommen, und von demfelben den fel. J. Böhmen ſelbſt 
übergeben worden, mit Bitte ‚ihme zu deſto befferer Informa- 
tion und Nachricht, ſeine Apologiam und Schuß: Kede darauf 
zu ſtellen. Welches diefer dann auch gethan, und die aufge: 
feste Schutz⸗Schrift jenem ſelber gugebracht ; worauf der 
Herr von Sommerfeld diefelbe abfihreiben laffen, bey fich 
behalten und nicht weiter divulgiren wollen, nachdem — dem 

| Autors 


: 
| 
| 
| 





u U RT IN n 
00n%.8. Leben und Schriften. V. 89 
Autori fein MS. wieder zugefteller. Nachdem aber bald dar⸗ 
aufbefagtem Tilken/ ded J. B. Tractaͤtlein, Baum des Ehrift- 
lichen Glaubens, alö der 3. Theil der Menfchwerdung J. C. 


nebſt andern Büchern, durch Herrn Dr. Koſchowitzen com⸗ 


municiret und recommendiret worden: hat er fo fort denen, 
feiner Meinung nach, darin befundenen Dubiis), befondere 
Zertelchen angeflebt , und dadurch gleichham Antwort. follici> 
giren wollen ; welche auch , da fie hernach unferm Autori zu= 
gekommen, mit genugfamer Satisfation von ihm, wie befant, 
Beantwortet worden, vermittelſt der 2. wieder bemeldten Til: 
Ben gefkellten Apologie, Diele abgenoͤthigte 2. Verantwor⸗ 
tung iſt eigentlich entgegen gefeger dem ungegruͤndeten Wahn 


von der Pradeftinarion oder abſoluten Willen GOttes, ver: 


moͤge deſſen er fehlechterdings Dielen verdammen und jenen 
ſelig haben wolle, womit der Zeit nicht nur Herr Balth. Tilke, 
fordern faft viele Seelen befümmert waren: wo GOtt diefen 
Layen erwecken müffen, ſolchen Irrthum aus dem Grunde zu 
heben; gleich GOtt auch die Gemuͤther befriediget, ja ſelbſt 
den eriten Gegner, Balth. Tilken, fo vielman an feinem end- 
lichen Stille⸗ſeyn und aus den Briefen ſchlieſſen kann. Wann 
unfer Autor in feinen Briefen von Ao. 1621 und-1622 eines 
Tractats von der Gnaden⸗Wahl Ermehnung thut, meinet 
er allemal diefe 2, Apologie wieder Balth. Tilken weil der ei» 
gentlich alſo benamte und meitläuftigere Tractat von ber 


Snaden⸗Wabl, No, XV. erſt Ao, 1623 geſchrieben oder fertig 


geworden. 
XVI. Anti-Stiefelius I. & II, oder 2 Schriften wie⸗ 
der Eſaiam Stiefeln und Ezechiel Merh. 

39. Zu diefem Gegenfag Fam der. Autor auch einfaltiger 
Weiſe, da er, auf Befragen feiner Freunde, A. 1621 das erſte 
Buͤchlein zur Antwort ertheilte, wodurch Gegner entruͤſtet 
worden, und zu dem2. Tractat, A.1622 Urfach gegeben, doch 
nicht ohne Göttliche Schickung, weil des Mannes Göttliche 
Gabe fich eben damit von allen Feier: Geiſtern reinigen follen. 
XVII, Apologia contra Greg. Richter, oder Schußs 

Schrift wieder Gregorium Richtern. 

40. Iſt die bekante Verantwortung des zu erſt gedruckten 

Buchleins, Weg zu Chriſto, genant, die aber zu des Autorig 


Zeit nicht gedruckt worden ſondern ag liegen blieben. E8 
| 5 


wird 


90 Ausfuͤhrlicher Bericht 

wird davon Epiſt. L, und folgenden gehandelt. Wir haben die⸗ 
fem inder Ordnung bepgefüget die Schug-Schrift, fo vom: 
Autor an den Rath zu Görlitz, zum Beweis feiner Unfchuld, 
zwar übergeben, aber vom Rath nicht angenommen worden, 
weiler etwann vorhin ſchon des Mannes Unfchuld gewuſt, und 
die Sache lieber ſtillen, und beygelegt laffen wollen; gleich 
auch die Herren des Raths theils fehr befcheiden verfahren, 
wie aus Ep. LIII. Ic, LXIIL. 7.8. erbellet, wo Autor bezeuget, 
daß er andergleichen Streit⸗Schriften feinen Gefallen habe.ss 
Ich mercke faſt wol, daß der Teufel gerne molte mein Talent 
„mit Zanck beſudeln, hoffe aber unter Böttlichen Schuße zu 
„ftehen , dann ich empfinde ietzt Fraftig, wie GOtt feine Kin⸗ 
„ber führer und ſchuͤtzet, dafur ihme zu dancken iff. ꝛe. 

XIIX. Informatorium Noviflimorum I, I. oder von 

den legten Zeiten an Paul Kaym. 

Ar. Diefe Büchlein find eigentlich 2 Briefe, in Antwort 
auf den Tractat, genant: Bibliſche Nechnung, wielange 
die Welt geftanden und noch zu ſtehen babe; worüber J. 
5. Cenfur erbeten worden. ‚Sie haben lange unter den Send⸗ 
Briefen verdecket gelegen, bis fich durch Göttliche Fuͤgung ge⸗ 
funden, daß fie der geſuchte Tractat von den legten Zeiten 
feyn., ald bereits auf dem Titulangezeige worden. Es war 
P.Kaym ber Zeit noch mit einer aufferlichen Meinung vom 
Tauſend⸗Jaͤhrigen Reich befangen, hatte aber unferd Theo: 
fopbi Unterricht in Liebe und beftändiger Freundſchaft aufge: 
nommen; gleich derfelbe auch diefe Abhandlung , ald an einen 
Bruder, fehr lieblich gefihrieben, fo beydemalen gefchehen 
Ao. 1620. 

XIX. De Signatura Rerum oder von der Geburt und 

Bezeichnung aller Weſen. 
42. Diefer Tractat ward vollendet in Febr. 1622. Was 
Autor davon halte, iſt Epift. X. 73. zu fehen. Den Philo- 
Theofophis ift er befanter maflen ein Schlüffel sur Natur. 
Ward Ao. 1635 zum erffenmal in Duodez hochteutſch ge- 
druckt , wiewol nach Feiner eorrecten Copey. 
XX, De Electione Gratix oder von der Gnaden⸗ 


abl. 
43. Diefen Trastat hat der Autor A0,1623 auf Degebren 
eine 


von’. B. Leben und Schriften.v. 9ı 
einer in Goͤttlicher Erfentniß fonberlich begabten hoben Fürft- 
lichen Borfon geſchrieben, nach dem Zeugniß des Fuͤrſtl. Brie⸗ 
gifchen geheimen Raths, Herrn hans Daniel von Tfchefch, in 
ſeiner Einleitung in den edlen Kielien-Sweig J. B. Schrif: 
ten, 7ag.53. liche auch Epiſt. XXIII. 3. Autor erfennet diefe 
Schrift vor eine feiner beften und Elarften in Clave 5.147. Auch 
wird davon gehandelt Epift: XXXIX. 5. XL. 2. Ic. Ep, XLI. und 
XM. 


XXI, De Teflamentis Chriſti, oder von Chriſti Te⸗ 


ftamenten, Tauffe und Abendmahl. 

44. Diele vollendete der Autor im Jahr 1624, worinnen 
er auch dag 2. Büchlein von der Tauffe für die Einfaͤltigen, 
aufs neue zu Schreiben angefangen, aber wegen angewachſe⸗ 
ner mehrern Arbeit und anderer Vorfälle nicht zu Stande 
bringenkönnen. Befagte Teftamente wurden durch Henri-: 
cum Prunium Ao, 1641 in Dreßden zum erftenmal zum Druck 
befördert. 
XXU, Myfterium Magnum oder Frflärung des erz 

ften Buchs Mofis. — 

45. Von dieſem theuren Buche kann man ſagen, daß es ei⸗ 
ne Hand⸗Bibel ſey, und beydes die Geheimniſſe Moſis und 
Chriſti uns eroͤffne und mit Fingern weiſe, nicht Hiſtoriſch, ſon⸗ 
dern Theoſophiſch wie es iede Seele in der neuen Wiedergeburt 
erfaͤhret. Iſt vom Autore ſchon vor Ao. 1622 zu ſchreiben ange⸗ 
fangen, da im Febr. bereits 48 Bogen fertig waren, und ward 
im Septemb, 1623 vollendet. fiehe Epit. XXlL: 6, 

45. Es findet fich in den Collectaneis deg jüngern Richters 
(deren bereitöoben $.9 gedacht worden, und in folgender Abs 
theilung mit mehrerm zu gedencken ift) eine dienliche Anmer⸗ 
ung fo in dieſes Buch Myſt. Mag. gehört, und zwar zum 18. 
Cap. $.20. der leßten Zeilen wo Autor fehreibet: Wie GOtt 
Moſe eine andere Schrift auf eine Kugelgab. Dabey be; 
faater Collector folgendes erinnert: „» Daß albie der Autor 
„ſcheinet wieder den Haren Text Moſis Exod. 34; 1. Deut, 10: 
»1. Reg. 8:9. zu fchreiben,, der von ſteinern Taffeln erpreffe 
ſchreibet, damit verhält fichsalfo : des fel. Jacob Böhmens 
„Teut, Meinung von den 2 Rugeln, darauf das Gefeg geichries 
„ben, ruͤhret her aus mündlicher Converfation mit Dr. Balz 
„thaſar Waltern, der eingang viertel Jahr beym J. je ges 

’ wohnet, 


a N — aa ı, x 
9 AMusfuͤhrlicher Berich 

„mohnet, und es che dem beym Reuchlino geleſen hatte. 
„»Denndiefer Reachlinus fehreibet in feinem dritten Buch von 
„der Anbaliftifchen Aunff pag. 705. 26. wie folget : Es halten 
„die Kabalzi dafuͤr, daß GOtt ſein Befege zuerſt mit ſchwar⸗ 
„gen feurigen zerffreuten Buchſtaben, auf den Rücken einer 
„Weiffen feurigen Kugel, geſchrieben, wie Rambam Gerun, 
„denfis faget. Davon man noch ferner Paulum Riccium im 
3,4. Buch vom Himmlifchen Ackerwerck pag. 127. und Fr. 
„Angelium de’Bourgo Nuovo über den 33: Aabaliftifchen 
„Schluß⸗Puneten Joh. Pici pag. 825. kann nachiihlagen und 
„eſen. So ſtehet auch im alten Hebräifchen Buche Zohar : 
„EB waren die Befeß- Tafeln ( mie das eingemwickelte Buch oder 
„Himmelstuch -Apoc- 5:1. cap..6:14.) inwendig und auswen⸗ 
„dig befihrieben gewefen , anzudeuten das Geſetze der Natur 
„in. dem (coniſch⸗runden) Hergen aller Menſchen Jer. 31:33. 
»;Rom, 2:15; [welches der Geiſt der Weisheit im Salomone, 
„‚Prov.3:3. c. 7:3. und Chriſti, in Paulo, 2. Cor. 3:3. auch 
„Tafeln nennet] von dem munderthatigen Finger GOttes ger 


„ichrieben. Muß deromegen von folchen dem Buchſtaben H 


„Schrift abffimmigen Meinungen nicht eilig noch leichtfers 
„eig, fondern wolbedachtſamer Weiſe, (wie ed den Verſtaͤndi⸗ 
„gen in hohen und geheimen Sachen geziemet ) Hüglich geur- 
„theilet werden. Bid hieher des Colletoris Erinnerung. 
Woraus zu erfehen, wie unfer Theofophus alles zu prüfen, 
und das Gute zu behalten wiffen, wanns nur im Theoſophi⸗ 
fchen Grunde gewurtzelt war, two allerdings denn die Tafeln 
Moſis (wie fie auch immer aufferlich mögen befchaffen gewe⸗ 
fen ſeyn,) eine Runde feurige Kugel find, von auffen und in- 
nen mit dein Willen GOttes beffhrieben. Davon und faſt 
wundert, wie die Alten fo nahe daffelbe erkant, da dag 


Menfchliche Geſetz Buch noch nicht fo weit auf ober von einan⸗ 


der gewickelt war als ietzt . % 
In Antonii Weckens Churfl. Saͤchſ. Reichs-Secretarii und 
Archivarii Befchreibung der Refidentz und Aaupt-Peftung 
Drefden, findet fidh(nach der unverfälfchten Edit.) fols 
+ gende Nachricht: 
»Myfterium Magnum oder Erklärung uber das erſte Buch 
Moſis, vonder Offenbarung Goͤttliches Worts, durch die 
3 Principia Goͤttliches Weſens, und vom Urſprunge der Welt 


„und der Creation, darinnen dag Reich dev Natur * 
ei 


en 


a 


von EB. Leben und Schriften. V. 5; 
„Reich der Gnaden erklaͤret wird, gefchrieben. Er machte de: 
nen Geiſtlichẽ der Evangeliſchen Kirchen nicht wenig zu ſchaft 
Yfen, und ob er wol bey vielen in Feine Conſideration Fam, viel⸗ 
vmehr aber fuͤr einen Traͤumer gehalten ward, und man ihn 
»anhero für das Ober⸗Conſiſtorium zum Colloquio und Exa- 
„mine nacher Dreßden erforderte, fo waren derer doch auch 
viel, in und auffer Landes, welche genaue und groffe Corre- 
fpondenz mit ihmehielten; Er lebte aber fo in einem feinen 
"ftillen Wefen, ohne eig und Eigen-Nuß, bis er zu Goͤrlitz 
am ı7. Novembr, 1624 im 50. fahre feines Alters, da er die 
„Stunde feines Todes zuvor benennet, und fich durch Empfa- 
„bung des Heiligen Nachtmahls wol bereitet gehabt, mit den 
Worten: Nun fahre ic) bin ins Paradeis! eines fanften 
Todes verfchieden, und auf den Kirch⸗Hof dafeloſt ehrlich 
»hegradenward. Geine Schriften find mehreutheils in En- 
»gelland und Holland Fommen, und daſelbſt auch noch vor 
„eurgen Jahren in Anfehen geweſen und wieder aufgeleget. 
47. Gelegentlich erinnern mir biebey, daB das Zeichen 
IFA fo in M.M. Cap.43:69. ſtehet, fo viel man weiß, 
nicht des Autoris J. B. eigenes ſey, fondern eines andern ; iff 
in derEdir.inQuarto A 0.1694 gefunden. Der fel. Herr le Blon in 
Amfterdam,mwelcher dieſe Schriften fleißig unterſuchet, ſetzet in 
feinen Eyemplar dabey: Diefed Zeichen if in zweyen Erem: 
„plaren, fo aus des Autoris eigenen Hand abgeichrieben, niche 
„gefunden. Der fel. Abr. von Frankenberg war ein fon- 
derlicher Liebhaber der magifchen Figuren, und hat zu ver: 
ſchiedenen Anlaß gegeben, als in feinen Schriften zu fehen. 
Das Original yon diefem groffen Wercke hat Autor dein Hrn. 
Abr. von Srankenberg zu gefandt, und iſt in den Kriegs⸗ 
Zeiten mit nach Dreßden kommen. 


XXIII. Collogvium viatorum oder Geſpraͤch einer er⸗ 
leucht⸗ und unerleuchteten Seelen. 

48. Iſt in Form eines Send⸗Briefes an Hrn. Hans Sig⸗ 

mund von Schweinich gerichtet, wie die Nachrichten lauten, 

und zwar Ao, 1624 zu der Zeit „ al&fich Autor 6 Wochenlang 


bey ihm aufgehalten, war im Febr. und Mart. deffelben Jah 
red, Siehe Epift. LIIL 4. Er hat fonderlich diefen Edlen 


Mann lieb und werth gehalten, der auch die Perle lauter⸗ 
lich geſuchet und gefunden. Beyde Seelen find in * Wr 
| pra 


94 Ausführlicher Bericht 
fpräch erbaulich fürgeftellet. Die Herrn von Sommerfeld 
und Tfebefch, ftelleten Die Rubric Lateiniſch alfo: Collogvium 
anime illuminatz & illuminandz; ff im Weg zu Chriſto 
nachder Ordnung das 7. Büchlein. 

XXIV, Sufpiria viatorum oder Gebet- Buch. 


40. Der Autor bat daffelbe Ao.1624 zu fihreiben augefan⸗ 
gen, wie wir aus beffen Original unter und bier zu Leyden 
erfehen. Er bat mit mancherley bungerigen Seelen zu thun 
gehabt, denen Er, aldein treuer Oeconomus, aus dem Schag 
Goͤttlicher Weisheit feine Gabe gerne mittheilen wollen, bar: 
unter dieſes Geber-Büchlein das tägliche Brod heiffen mag, 
und inder Einleitung eine gar theure Anmweifung zum rechten 
Geiſtes⸗Gebete giebet. Dieſes Tractatlein ward Ao. 1641 zum 
erftenmalin Dreßden zum Druck befördert, worzu Prunius 
die Hand mit geboten hat , wecher dabey anmercket, daß der 
Autor willend gemwefen, nach Vollendung der 7 Tage-Gebe⸗ 
ter, auch die 10 Gebote in den Chriſtl. Apoftolifchen Glauben, 
famt , dem Vater Unfer , Gebetd-Weifezuerklären. Der la⸗ 
teinifche Titel lautet deutlicher: Libellus Pr=cationum. Gon 
if das Büchlein indem Weg zu Chriſto inder Drdnungdss2. 
ſowol in der Hollaͤndiſchen als diefer neuen Edition, 

XXV. Quæſiiones Theofophicz » oder 177 Theoſo⸗ 

phifche Fragen von Goͤttlicher Offenbarung. 

50. Man weiß eigentlich nicht, wer diefe Fragen aufgefe- 
feßet fo iedoch Ao. 1624 geſchehen, vermuthlich von den Schle- 
fifchen Freunden ; aufler daß man an einem Drte liefet, daß 
8. 0. in 8. C. felbige gefertiget babe. Autor hat folche zwar zus 
beantworten nicht vollenden koͤnnen, wegen feines erreichten 
Lebens⸗Ziels: man mag fie aber alle aus den übrigen Schrif: 
ten auflöien. Daß fie der ſel. Eduard Tayloor in Engelland 
aus des Autoris Gabe hat ſuchen zu beantworten, und unter 
dem Titel J. B. Theofophia druckenlaffen, iff bey Beantwor: 
tung der 14. und 15. Frage, inder angefügten Nora bereits er- 
innert worden. Man ift auch in Dreßden des Vornehmens 
gemwefen dieſe Fragen zu drucken, ums Jahr 1642. 


XXVI, Tabule Principiorum, oder Tafeln Goͤttli⸗ 
cher Offenbarung, 
ZXVII, 


von y.B. Leben und Schriften. V. 95 
XXVII. Clavisoder Schlüffel der vornehmften 
Puncten. 

sı. Sind beyde damalen als der ſel. Theoſophus im Frühling 

Ao. 1624 bey Hrn. HSans Sigmund von Schweinich in 
Schlefien war, an die Freunde gegeben worden. Die Tafeln 
wurden aus den vorigen Tabellendes Autorid gezogen, inſon⸗ 
derheit aus derjenigen, Die er Ao. 1623 im Novemb. an Hrn. 
Steudenbammern M.D. und Hrn. Huſern, Muͤntz⸗Mei⸗ 
ſtern, gefandt und bereits Ao. 1619 entworfen worden, und die 
am Ende des 47. Send-DBriefes (der fonftauch den Namen 
eined Tractats vom wehren und falſchen Kichte traget) 
nur völliger ausgebreitet ft; von welchen der Hr. von Fran⸗ 
Eenberg ein fonderlicher Freund war , deme e8 Autor zu Liebe 
gethan; mie fiedenn auch ein Grund⸗Riß der gangen Theoſo⸗ 
phie find. Wir haben iede Tadel, um der Bequemlichkeit 
willen, beſonders geftellet , damit der Kefer den darzu gehoͤri⸗ 
gen Tert gleich dabey haben möge, zum nöchigen Unterricht. 
Dom Clave iſt noch zu erinnern, Daß die SS. vom 141. an big zu 
Ende, nemlich alles mag unter dem Wort Scientz ſtehet, aus 
der Niederländifchen aufrichtigen UÜberſetzung, nach einer 
correcten Copey Prunii, (mie man denn ießt eines mit den ans 
dern conferivet hat) genommen find. 

AXIIX, Epiftole Theofophicz, oder Theoſophiſche 

Send Briefe. » 

52. Geht viel, jadiemeiften Hand-Briefeunferd Theofo- 
phi liegen noch verborgen, darinnen viel wichtige Abhand- 
lungen vondenen Liebhabern diefer Gabe GOttes billig vers 
muthet werden. Mit Hr. Chriftophoro Pelargo Prof. Prima. 
rio zu Franckfurth an der Oder, hat unfer Autor oͤfftere 
Correfpondence gepflogen , und follentheild Briefe 3, 4, 5 2 6 
Bogen, feiner Handſchrift, groß geweſen ſeyn, von welchen 
Feine Copey behalten, laut des fel. Beyerlands aus Schlefi- 
en erhaltener beglaubten Nachricht, welche er feinem Av. 1639 
in Druck ausgegebenem Catalogo aller Schriften Autoris 
beygefüget. Diefe dürften mit des befagten Profefloris Biblio- 
thec diffrahirer feyn. Desgleichen bat Autor vielfältig mehr 
feinen befanten Freunden zu gefchrieben,als ausden vorhandes 
nen Briefenzu fehen; wovon aber noch Feine geſamlet wor- 
den. Zurnemlich folte man fird von dem Hr. Abr. von * 

merfe 


96 Ausfuͤhrlicher Berich 
merfeld wundern, daß nur der einige Brief an ihn, de Ar- 
1620, (welcher dem Hr. J. A. Werdenhagen zu theil worden) 
in unfern Epifteln mit eingebracht worden ; da boch die meifte 
Correfpondenz , megen Revifion und Intitulirung der Tracta⸗ 
ten, vonder erften Zeit an, zwilchen ihnen beyden ergangen, 
Es meldet aber der fel. Herr die Urfache ſelbſt in einem eigen: 
bandigen Brief an Hr. Beyerland, de Dato Breßlau 28, 
Januar. 1643: Darinn er berichtet, daß er von des fel. J. 
Miffiven ‚ zwar ein ziemlich Gebuͤndlein gehabt, welche er aber 
inder Stadt Bunglau, zwifchen Görlig und Lignit geles 
gen, bey dem plöglichen Einfall der Schwediſchen Voͤlcker, Ao, 
1642, in feiner Flucht verlaſſen müflen, da fie, neben feinen 
fchönen Büchern und vielen anfehnlichen Mobilien, nachdem 
die Stadt von den Schweden in Brand gefiesfet worden, im 
Feuer mit aufgegangen. Was aber feine und anderer Edlen 
und Gelehrten an den Theoſophum abgelaſſene Epifteln ande: 
trift, ſind ſelbige ſamt andern Ms. nach des Autoris Ableiben in 
vormundſchaftliche Verwahrung genommen worden und dar⸗ 
auf dem aͤlteſten Sohne zugefallen, davon man weiter nicht ers 
fahren, wo er damit geblieben iſt. Jetzo in dieſer neuen Auflage 
befindet ſich noch eine Zugabe einiger Briefe von des Autoris ei⸗ 
generHand,darınn auch verſchiedene Nachrichten zu finden fin 


VI. | 


Von den alten und neuen Editionen 


oder Abdruͤcken diefer Schriften; it.vonder 
Hollandifchen, Englifchen, Lateiniſchen und Frantzoͤ⸗ 
fifchen Uberſetzung derfelben ; befonders von Bayer⸗ 
lands angewandten Fleiß ; nebſt anderweiti⸗ 
gen Auszuͤgen. | 


Summstien. 


Usbreitung diefer Schriften. .1. Deffentlicher Abdruck derſel⸗ 

N ben. 2. Mancherley Editionen.3. Bon desHenriei Betkit Edi⸗ 
“tion. 4. Unternommene Gamlung der fümtlicen Schriten 
in ein Bolumen,durch Ammersbach, 5. Bon dem neuen Amſterdammer 
Druck, Uo. 1682, und des ſel. Heren Gichtels daben geleiſter Direction 
and geoffem Fleiß. 6. Don der Niederlaͤndiſchen Uberſezung; 7. um⸗ 
ſtaͤndlicher Bericht aus Sonden, wegen des ropalen Drucks Be 





ze 


von %.B. Leben und Schriften. VL. 97 
ſcher Sprache; ferner von Werdenhagens Lateiniſcher und denn der 

Frantzoͤſiſchen Translation. ibid. Ausführliche Nachricht, mie Abrab, 
Wilhelmſon van Benerland in Umterdam die MS dei Autoris aufge; 
ſuchet, welcheer auch gegen Bezahlung an fich gebracht, 8. und die 

Driginalien nebt andern Copeyen bekommen. 9. 10. Nachricht vor 

deſſen Abfterben und Hrn. Sohn ibid. Fleiß und Sorgfalt, fobey dee 

Holändiichen Nberfesung bewieſen, famt Hr. Beyerlands eigenenz 

SBericht in feiner Sprache. nn. Bon Hr. Michael le Blon translatirz 

ten Send-Sdriefen , wie auch von des Autoris eigenhändigen Epiſteln. 

12. Ordnung worinn dieſe Schriften in Niederlaͤndiſcher Sprache publiciz 

ret worden. 13.14.,, Bon des jüngern Richters, eines Sohnes des Goͤr⸗ 

litziſchen Primarii, edirten Eollectaneis aus J. B. Schriften. 15, 16, 

Don einem neyern Auszug der Schriften I. B.17. Befchluß. ı8, 


Achdem der Same dieſes Goͤttlichen Works einmal 
9 ausgefaet worden, hat ed GOtt auf keinerley Weiſe 
ungefegnet gelaffen, fo wenig in den Hergen guter See⸗ 
Ion, ald auswendig in vieler und geſchwinder Ausbreitung; da 
man fich höchlich vermundern muß über den ffarcken Trieb 
und Luſt ſo vieler begierigen Gemuͤther zum öfftern Abſchrei⸗ 
ben, daß auch ſelbſt Adeliche Perſonen mit Luſt daran gear⸗ 
beitet, und Tag und Nacht geſchrieben haben. Wodurch die⸗ 
fe Schriften balde in Teutſchland ja auch durch Dr. Balth. 
Waltern in Franckreich und nach Hear. Prunii Zeugniß (No, 
V.q. 4.) in Italien, wie nicht weniger in Poblen und Kits 
thauen, (ſiehe Ep. E. 10.) bekant geworden: Der Nieder⸗ 
landen zu geſchweigen. Daß alſo noch bey Lebzeiten des Au⸗ 
toris erfuͤllet ward, was er mehr gemeldter maſſen verkuͤndi⸗ 
get: Was mein Vaterland wegwirft, das werden fremde Voͤl⸗ 
cker mit Freuden aufheben. | Ä 
2. Wie mit den Abſchriften, fo iſt es auch balde mit den 
Abdrucken ergangen, da der erfie Editor oder Verleger dee 
Hr. Abr. von Seankenberg war, welcher, gedachter maffen 
Ao. 1624 zum neuen Jahr, die Büchlein von der Buſſe und 
wahren Gelaflenheit, ( mworzu hernach auch dad vom übers 
finnlichen feben gefommen ) unter dem Titel, Weg zu Chris 
ſto, zu Goͤrlitz publicivet. Hiemit war der Weg gebahnet, 
und ward dieſes Büchlein fo beliebr, daB es Ao 1682 etwas klaͤ⸗ 
rer und deutlicher zum andernmal, iedoch mit 2 Büchlein, al® 
von der Wiedergeburt und dem Schlüffel Göttlicher Geheime 
niffe, wie auch dem 15. Kap. aus dem drepfachen Reben ver» 
mehret, herausgegeben murbe. | 
3. Es wirdaber ben Liebhabern zur Nachricht genug ſeyn, 
8 | wann. 


93 Ausſuhrlicher Bericht 

wann wir ohne weitlaͤuftigern Bericht nur eine kurtze Speciß · 
eation der Editionen beyfuͤgen, die ung ſelbſt zu handen ges 
kommen, und fo mol bey diefer neuen Auflage der gefamten 
Wercke des Autoris, ald auch bey voriger de Ao. 1715 mit cone 
er worden, da wir denn unferer Ordnung nachgehen 
wollen. 

1. Aurora, Ao. 1634 iſt eine undienliche Edit. in r2mo in 
Teutſchland gedruckt worden, da der Editor das Buch in 
einen kürgern Begriff gebracht, Daß es etwann nur halb fo 
viel Materien enthalt, als die rechten und vollſtaͤndigen 
Nachdruͤcke aus den Manuſcripten. Dahero auch obges 
dachter Hr. Beyerland iedermann dafür warnet, fonderlich 
wegen vielerley Veränderungen des Terted. Es kam aber 
A0.1656 in Amſterdam die erſte Edit. in 12mo mit einer 
Borrede der Liebhaber heraus, welcher ein: oder mehrern 
Eopeyenin MS. gefolget, doch aber bey Ermangelung des 

Originals nicht vollkommen zureichen fönnen. Ferner 1676 
die 2. Edition in Odavo, bey Henr, Betkio, und darauf 
endlich der verbefferte Abdruckin der vollſtaͤndigen Amfters 
dammer Edition, A0.1682; ohne der andern völligen Auf⸗ 

lage von Ao.1715 zu gedencken; als welche fo mol mie die 
von Ao 1682, bey allen hernach gefeßten Tractaten ohne dis 

mit einzurechnen if | 

2. DeeyPrincipia, Ao. 1660 in 8vo, oder vielmehr groß 12mo 

in Amfterdam bey Henr. Betkio, iff eine faubere Edition, 
DerAppendix vom drepfachenkeben iſt in dem Volumine des 
Ammerbachs Ao. 1675 in 4to mit eingebracht , von web 
chem bernach befonders gehandelt wird. 

8. Vom dreyfachen Leben. Ao, 1660 in 12mo Amfterdam 
bey Henr. Berkio. Das 15. Kapitel ift mehrmalen dem Wege 
zu Chriffo beygedrucket, als Ao. 1628 und 1658 und in dem 

Volumine in 4 von 1675 no, I. 

4. Seelen: Seagen. Ao, 1648. in 12mo Amſterdam bey 

ans Sabel; it. Ao, 1663 in gvo bey Henr. Berkio, Das 
umgewandte Auge, Ao. 1676 inızmo bey H. Betkio, 

5. Menſchwerdung JEfuCbeifti,ao.ı660 ın 12mo beyBerkio, 

6, Sechs Theofopbifdse Puncte. 0.1665 inızmo Amſter⸗ 
dam bey H. Betkio, it. in 4.1675 no. 10. 

7. Sechs Myſtiſche Puncte. A0.1676 in iꝛmo Amſterdam 
bey Betkio, 

h 8. Ir⸗ 


RN! VB EN un aa ı tele N 


von J.B. Leben und Schriften. VI. 99 
8. Irdiſch und bimmlifch MyRerium Ao, 1675 in 12mo 
Amfterdam bey Henr,Berkio, 

9. Vier Complerionen, ao. 1661. in gyo Amfterdam key 
Barkio. It.eine Edition mit lateinifchen Buchſtaben im 12mo 
ohne Jahr⸗Zahl und Drt, wobey die 40 Fragen blos , ohne 
des Theofophi Antwort, gefüget, nebſt einem kurtzen Be: 
richt von J. B. Lebens⸗-Lauff. Ferner ao, 1675 in 4. no. 6. 

In der Edit. von ao, 1682 im Wege zu Chriſto. it. 1704. im 

Wege zu Chriffo in 12mo bey Betkio, despleichen in den 
übrigen befondern Editionen des Weges zu Chriſto. 

10. Von der Buffe, dası. Büchlein , ift allemal im Wege zu 

. Ebrifto,von welchem alhie infonderheit dieEditiones folgen : 
Meg zu Chriſto, in zwey Büchlein , a0.1624. (fiehe s. 2.) 
In 5 Büchlein 20.1628 (ſiehe $. 2.) Eben daffelbe ao. 1635. 
In 6 Büchlein ald: Buße, Geber, Schlüffel Götrlicher 
Beheimniffe, Gelaffenheit, Wiedergeburt, uͤberſinnlich Re 
bei, 20.1658 inızmo , ingleichen bey Betkio,, ao. 1675 in 4. 
no. 4. 20.1677 inı2mo bey Betkio. It. 1700 in 12mo bey 
Michael Brotbagen , iffBerkii Verlag. In 9 Büchlein 
ao. 1682 in der completen Amſterdammer Edition , nach 
welcher eine andere ao. 1704 in $vo, mworunter Amfter: 
dam ſtehet; deögleichen ao. 1715 in gy0 zu Büdingen, wors 
unter ebenfald Amfterdam ſtehet, abgedrucket worden. ao. 
1718. in gvo zu Hamburg bey sollen. ao. 1722 Frangöfifch 
in Berlin bey Schlechtiger. Das 2. Büchlein von der 
Buffe, oder Schlüffel Goͤttlicher Geheimniſſe iff im We- 
ge zu Chriſto von ao, 1624 nicht befindlich, fonft in allen des⸗ 
felben Editionen. | 

11. Von wahrer Gelaffenbeit, iff in allen Editionen des We⸗ 
ges zu Chriſto. 

12. VYomüberfinnlichen Keben , deögleichen, wie auch 

31. Von der Wiedergeburt, ausgenommen die Edit, von 1624- 

14. Von Böttlicher Befchaulichkeit a0, 1662 in gyo Amſter⸗ 
dam bey Betkio,, dabey der Clavis ; it. 20,1675 im 4ro no, 5 
in dem Wege zu Chriſto mit 9 Büchlein. 

15. Apologial. contra Balth. Til ken ao 1877 in anıo Amfter? 
dam bey H, Berkio, Apologia II. contra®, Tilken, ao. 1676 
in iꝛmo bey Berkio. N 

16. Ansiftiefelius I, a0 1639 in 12mo. ao, 1676 in 12mo. Amſter⸗ 

82 | dam 


100 Ansführlicher Bericht 
dam H. Betkii. Antiftiefelius II, a0,1676 in iꝛmo Amſter⸗ 
dam bey H.Betkio, 

17. Apologia contra Greg. Xichter, ao, 1675 in 4to no. 2. it. ao} 
1677 in gyo, Amſterdam bey H. Betkio. It. Libellus Apo« 
logeticus, a0, 1682, iſt unter den Send: Briefen der 54. 

18. Yon den letzten Zeiten an Paul Kaym. ao, 1682 ; unter 
den Send-Briefen, Epift. 8. und u. / 

19. Signatura Rerum , ao. 1635 in 12mo, und a0,1639 inı2mo. 
20. B————— ao. 1665 in ı2ıno , Amſterdam bey H. 
Betkio. 

21. Chriſti Teſtamenta, ao. 1641 in Dreßden. ao. 1658 in 
1ı2mo , Amſterdam bey Heur. Betkio, it. ao, 1675 in 4to 

‚n0.8.C.9. 

22. Myfterium Magnum, ao, 1640 in 4to Amfterdam. It. ao. 
1678 in 8vo bey H, Betkio. 

23. Gefpräch einer erleucht: und unerleuchteten Seelen, 
ao. 1649 in 12mo, Amfterdam bey sans Sabel, it. ao. 
1663 inızmo Amfterdam bey H. Berkio, a0.1675 in 4. no. 

15. it. beym Weg zu Chriffo , 1700 und 1704. ic. 

24. Gebet: Büchlein, befonder$ ao. 1641 in Dreßden. Im 
Wege zu Ehriffo 1658 in ı2mo bey Berkio; ao, 1675,1677, 
1700,1704. %. 

25. 177 Theofophifche Sragen, 20.1642 in Dreßden. a0,1677 
inızmo, Amſterdam bey H. Berkio. | 

. 26. Tabulæ Principiorum, und 27. Clavis, a0.1662 in gvo 
bey H. Betkio, wobey die Tafel nicht iff. ao.1675 in 12mo, 
wobey die Tafel. 

Erklaͤrung etlicher Woͤrter, ſo ein Theil des Clavis, ao. 1628 
beym Wege zuChriſto; it. a0.1639 und ao. i675 in 4to, no,ır, 

28. Send⸗Briefe, ao.1658 in 12mo, Amſterdam bey H. 
Betkio, find 62 Stucke, und febletder 37. 44: 52. und 54. 
der legtern Editionen. 

Vier Epifteln des erleuchteten und von GOttes Geiff ges 

triebenen Mannes, Jac. Böhmens ꝛc. ohne Jahrzahl; 

find der 1. ı1. 46. und 47. Gend:Brief, dabey Tſcheſchiĩ 

Entwerfung der Tage Adams im Parndeis und feines 

oreyfachen Salles, nach fel. I. Boͤhmens Erfentniß. 

Der 46. und 31. Send:Brief a0.1639 in 12mo beym Ber 

dencken über Eſ. Stiefels Büchlein. it. ao.1675 in gro 

no, 7. der 55, Sendbrief a0, 1635 beym Wege zu Ehri : 

4. Di 


— 
> 





von J. B. Leben und Schriften. VI. 1or 

4. Dieſes find die eingele Ausfertigungen des Druckes ber 
Theofophifchen Schriften, welche meiffentheild von Henrico 
Berkio, oder Henrich Beets verleget worden, der anfanglich 
ein wolbabender Amfierdammer Kaufmann war, nach nies 
dergelegter Handlung aber fich mit dergleichen Verlag bemuͤſ⸗ 
finet, wo er in Befantfchaft Herrn Aber, von Srankenbergs, 
ob. Theod. von Tfchefchens und anderer fommen. Gtarb 
A0, 1708 im 80. Jahr feines Alters zu Hamburg. 

5. Man fieng ao.1675 zwar eine Samlung diefer Gchrif: 
gen an, in dem mehr angezogenen Volumine in 4to , worauf 
auch Berkii Name ſtehet, aber andere haben folches unter⸗ 
nommen durch Anführung eines Lutherifchen Predigers zu 
Halberſtadt, Namens Henricus Ammersbac iſt mit grober 
Schrift, und enthält folgende Tractate. No.ı. Gind verfchie> 
dene Judicia von J.B. 2. Apologia wieder Greg. Kichtern. 
3. Ehrenfr, Hegenicii Gendfihreiben von J.B. 4. Der Weg 
zu EHrifto in 6 Büchlein. 5. Von Böttlicher Befchaulichkeit. 
6. Bon Bier Complepionen. 7. Der 46. Sendbrief. 3. Bon 
Ehrifti Teftamenten. 9. Bon der 9. Tauffe das 2. Buchlein. 
10. Bon Sechs (Theofophifchen) Buncten. ıı. Das 15. Cap. 
aus dem Dreyfachen Leben, wobey vom Clave ein Exrradt. 
12, Clavis und Tabula Principiorum, 14. Bom Dreyfacben 
Leben, Appendix. 15. Gefpräch einer Erleuchteren Geelen. 
13. Sind 150 ausgezogene Weiffagungen Q. K. nach feinem 
Begriff. Das gange Werd iſt alfo unvollfommen blieben. 

6. Bir ſchreiten hiermit nun zu dem edlen Wercke der voll» 
frandigen Edition aller bisher abfonderlich publicirt⸗geweſe⸗ 
nen Schriften unfers fel. Autoris J. B- womit die Göttliche 
Providentz im Jahr 1681 durch eine gar befondere Gnaden⸗ 
Bewegung im Aeuſſern durchgebrochen iſt, die Gabe des 
Schreibers mit einem neuen Charader and Licht zu frellen. 
Worzu ſich GOtt auch im Ziel dag Subjetum auserfehen , auf 
deffen Treue und Fleiß Er fich verlaffen innen. Es war fel- 
biges nemlich der theure Mann GOttes, Tobann Georg 
Gichtel, feliger Gedachtniß, welcher mit dem Pfand des Glau⸗ 
bens nach Amſterdam geführet, durch Göttliche Schickung 
bald an einige Tractaten des Autoris gelanget, die er zu ſeiner 
geiſtlichen Ubung angewendet, und im Gegen auch damit ge⸗ 
wuchert hat, zum Dienft feines Nachiten: wie man findet, 


daß er in feinen erſten noch iungen Jahren ſchon ein experi 
8.3 men 


- 
- 
- 
- 


KM 


102 Ausfuhrlicher Bericht 

mentales Zeugniß von dem Autore abgeflattet, an einen feiner 
auslandifchen Correſpondenten, welcher ſolches Judicium der 
Ao. 1676 aus dem Niederlandifchen ins Hochteurfche übers 
festen, und von dem befanten Schtefifchen Edelmann, J. T. 
von Tſcheſch für J. B. wieder David Gilbert von Utrecht 
geftellten Apologix zu Ende bengefüget, und morinn er ſich 
folgender geſtalt ausdrucket: „Theoſophiſcher Schreiber ha⸗ 
„be einen Einigen rechtſchaffenen funden, Jacob Boͤhmen, 
„einen Schuhmacher von Goͤrlitz in der Lauſitz, ſo ums Jahr 


1624 geſtorbeu; Ihme ur nicht nur allein Zeugniß aus dem 


„Geſchmack, fo Liebhaber der Wahrheit von ihm haben, ſon⸗ 
„dern um der darinn gegruͤndeten Wahrheit willen ſelbſt, 
„welche dieſes Subjetum erwehlet, und ſich ung offenbaret. 
„Nach der H. Schrift, als dem Einigen Grunde unſerer Ers 
„kentniß wird Ihme wol der Ruhm von GOtt bleiben, und 
„keiner tiefer in GOtt gründen ‚oder GOttes Goͤttliches We—⸗ 
„ſen klaͤrer ang Licht ſtellen koͤnnen. Der Autor hats durch 

„ſein eigen Studiren nicht, ſondern von GOttes Gnaden: 
„Bin auch gewiß, daß wer nebenſt fleißig- und emſigen Ein- 
„dringen zu GOtt mit berlichem Hunger drinnen lefen wird, 
„ber wird Speife finden, die fein Gemuͤth und Geele erquicken 
„tolle, und heiff: Decies repetita placebit, Man wird Zeit 
„feines Lebens darinnen zu ſtudiren haben. Ob man ibn fchon 
„einſt aus den Händen leget, fo treibet doch der Magifche 
„rund in dem Menſchen das Gemuͤth ſelber, ſolche Buͤcher 
„wieder zu leſen. Dann einem, der auf Chriſti Wegen wan⸗ 
„belt, ſehr viel begegnen wird, davon man oftmals feinen Be: 
sfcgeid weiß, und bey dieſem Yutore groffe e Auffchlieffung fin: 
„ben wird, wie ang Erfahrung begengen kann. Go weit die 
Worte des treuen Arbeiters in GOttes Weinberge: deſſen 
Zalent des Geiſtes nachbero aus einer Gröffe in die andere ges 
wachſen ift. Und da GOtt in erfolater Zeit mit feinem Fürs 
haben der obbefagten Publication diefer Schriften fich geöff- 
net, hat er zu folchem Ende eines gemiflen nunmehro entſchlaf⸗ 
fenen Sottfürchtenden Buͤrgermeiſters Herg erwecket , die 
Koften darzu an die Hand zus fchaffen : wo er gedachten Herrn 
Gichtel fel. (mit welchen er bereits vorher befant geweſen) 
die Diredtion deg gangen Wercks aufgetragen, der dann alles 
unter Göttlihem Beyſtand wol beforget, und zuvoͤrderſt an 
ben Erben des ſel. Abr. Wilhelmſon van u 
vorhan⸗ 








von J. B. Leben und Schriften. VI. 103 
vorhandene Handfehriften des Autoris, theils in Originali, 
meift aber in den erften Copeyen erhandelt, wobey andere da⸗ 
malige Freunde in Liebe das Ihrige mit beygetragen. Tore 
aufBeatus zugleich mit feinem Confratre und Landes-Mann, 
Georg Chriſtian Suchs,(welchen er ao. 1679 zu ficb ind Haus 
genommen, und der 1683 diefe Welt geſegnet) obnemeldte 
MSta mit dem vorigen Drucke auf dag aufmerckſamſte confes 
riret, und gar viele anmerckliche Verbefferungen daraus an⸗ 
gezeichnet. Gie Fonten aber dismal ( da man mit dem wirck⸗ 
lichen Druck noch in diefem 168. Jahre begonnen, und fonff 
noch andere Umftände Verhinderung gegeben,) unmöglich 
allefamt in ſothane nene Auflage eingebracht werben. Was 
aber davon hernach aroffen Theils mit in die Edition von ao, 
1715, und bauptfachlich in diefe aegenwärtige Auflage gefom: 
men; deffen gefchicht beydes im folgenden, und fonften an ges 
börigem Ort, zulangliche Erwehnung. Ao.1682 Fam man 
mit diefem Druck zu Ende, wobey die Eleine Echrift belichee 
worden, ber Meinung, alles in einen Band zu bringen ;ed fand 
fich aber balde, daß es ein groffes Werck werden ‚md fich mol 
in 4 bis 6 Bande ausbreiten würde. Als nun unfer mehr: 
gemeldeter Pradticus von diefer Edition ein gebunden Exem⸗ 
plar hatte, wendete er feine übrige Zeit aufeine nicht minder 
nüsliche Arbeit, indem er die geiftveichen Marginalien mit fehr 
netter Schrift in ſolches fein Manuale von 9 faubern Banden, 
binbey fügte , welches ao 1714, auf Erfuchen, zum Behuf des 
Drucks mit nach Hamburg geliefert worden; weil ſichs der 
Mühe wol verlohnte, den Liebhabern GOttes und feiner Ge⸗ 
heimniffe, den Furg-gefaften Beift des Autoris, mol befeelet, 
am Rande des bequemen Formats barzuftellen. In diefer 
neuen Edition aber find ermehnte Real: Warginalien als Sum⸗ 
marien zufammen gerücket , und iedem Kapitel füglich:r voran 
gefeget worden, damit der geiftreiche Inhalt iegli hen Capi⸗ 
tels, dem Lefer gleich auf einmal und ununterbrochen vor Augen 
geleget werde. Und eben diefelbe Amfterdammer Edition 
von a0. 1682, ward inder zu Hamburg, unter unferer Leydi⸗ 
ſchen Dirediion ao, 1715 beforgten neuen Auflage der gefams 
zen Werde, zum Grunde geleget; nur daß noch viele diens 
fame Verbeflerungen binzufamen , welche wir mittlerweile fo 
wol aus des fel. Herin Bichtels Hand⸗ Kremplir, (Melcher 
Sich noch vieles aus den unser handen habenden Manuſcripten 

94 notiret 


104 AusführlicherBeriht — 
notivet hatte, das damalen nicht mit in den Druck kommen 
koͤnnen:) ald auch fonften aufgefucher. Es nahm fich aber 
unſer damaliger Hamburgifcher Agent die ſtrafbare Freybeit, 
Daß er bisweilen feiner eigenen Caprice mehr folgete als unfes 
ver gethanen Anweiſung: welchesman in diefer abermaligen 
neuen Auflage nach Moͤglichkeit zu redreßiren getrachtet. 

7. Nun iſt noch von denen Uberſetzungen diefer Schriften 
in verfchiedene Sprachen bie zuverläßige und eigentliche 
Nachricht beyzufuͤgen. Bon der Solländifeben ift vorlangft 
befant, was für ungemeiner Fleiß , Mühe und Unkoſten dars 
aufgewandt worden. Die Engeländer find den Hollaͤndern 
gefolget , und haben gleichen Fleiß darinnen bewiefen. Das 
von mar nunmehro einen gewiffen Bericht aus London ems 
Hfangen hat, welchen man von Wort zu Wort dem Chriſtli⸗ 
chen Lefer hiermit miteheilen fol. „Die Wercke find alles 
„ſamt in Englifcher Sprache zu befommen ; fo viel und eben 
„dieſelben, die fie im teutſchen Original haben. Man bat fie 
„in 8 Vol, in Quarto , ohne das Myſterium Magnum, welches 
„in Folio , und den Weg su Ebrifto ‚fo in Duodecimo heraus 
„iſt. Die Perfon, fo diefe Schriften überfeter bat, war Jo- 
„hannes Sparrow , ein Advocar yon dem {inner - Temple zu 
»%ondon. Mr. Elliſton und Mr. Hotham haben auch einen 
„oder andern Tractat über dieſes ing Eugliiche überfeget 3 
„doch wird der Advocat Sparrow insgemein für den Uberſetzer 
„und Editor gehalten. Er war ein Dann von wahrhafter 
„Tugend, und fchien gar tief in den Geift des Autoris einzu⸗ 
„dringen. Geine Überfekung wird in den meiften Stücen 
„fuͤr getreu und richtig gehalten, ausgenommen in einigen 

„wenigen von den allev:odfcureffen Dertern, die er etwann 
„nicht fo mol verftehen mochte. Gein Stilus aber iſt, wiefich® 
„oft zutraͤgt, nicht der fchönfte. Anlangend die Zeit, fo find 
„fie alleſomt überfeget worden 3u Ende der Regierung Roͤ⸗ 
„nigs Carl des Erſten, und gedruckt zwifchen ao. 1646 und 
1656, zur Zeit des bürgerlichen Krieges, aufgenommen dad 
„legte, welches nach Königs Caroli 1]. Reflauration, ao. 1661 
» und 1662 in Druck gekommen. Cinige haben dafür gehal⸗ 
„ten, daß König Earl 1. die Schriften Jacob Böhmens 
„nelefen und hochgehalten babe. Man hat gehöret, daß er 
„die Koſten zum Verlag gegeben haben foll, und daß fie dars 
„um fo royal gedruckt ſeyn. Was daran ſeyn mag? SR 

} v 


’ 


„Here war. 


von J. B. Lebenund Schriften. VL 105 


zit unftreitig, daß er ein wahrhaftig: frommer und lieber 


Anmerkung 
Eines Neifenden, was er im Jahr 1676 in Kondon hievon 
vernommen hat: „Es iſt nur alzugewiß , daß der König in 
„Engeland, Carolus 1. zu Jacob Böhmens Schriften 
„Drucs:Beförderung, fonderlich des Myfterii Magni, noch 
„vor feinem Marter: Tode, nicht allein die Difpofition ge⸗ 
„machet hat ; fondern Er hat auch, ald Er 20.1646 die 40 
„Fragen von der Seelen geleſen, fich fehr darüber ver⸗ 
„wundert, ausruffende: Sey GOtt Lob! daß noch Men- 
„ſchen gefunden werden, die von GOtt und feinem Wort 
„ein lebendiges Zeugniß aus der Erfahrung neben Fünnen. 
„Und hat ihn folches veranlaffet ‚ einen habilen Dann ſelbſt 
„in die Lauſitz nach Görlitz abzufenden, mit Ordre, die 
„bochteutfche Sprache alda zu lernen, um defto bequemer 
„zu ſeyn, des Jacob Böhmens Schreib: Art deſto gruͤnd⸗ 
„licher in feiner Sprache felbften zu verſtehen, und feine 
„Schriften in das Englifche zu translatiren; auch alles 
„und iedes von dem Leben , Schriften und Umſtaͤnden dieſes 
„J. Boͤhms, was dazumal in Goͤrlitz noch möchte zu ver> 
„nehmen feyn, fleißig zu annotiren: welches auch in allem 
„vollbracht und gefchehen feyn fol. Maßen mir folches 
„alles, als ich im Jahra676 etliche Monat lang felöften in 
„London mich befunden, von glaubwürdigen Engelaͤn— 
„dern iſt erzehlet worden. 
Im Aateinifchen hat der gelehrte Here Job. Angelius Wer: 
denhagen (fiebe No. I- $.17) die 40 Sragen von der Seelen 
nberfeget, und unterm Titul, Pfychologia vera, ao. 1632 in 
24mo zu Amſterdam drucken laffen mit gelehrten Anmer- 
dungen. Er mar weyland Profeflor zu Helmſtaͤdt und Fürftl. 
Lüneburgifcher Rath , nachmals Syndicus der Stadt Magde: 
burg, und zulegt Fuͤrſtl. Ersbifchöflicher Geheimer Rath da- 
felöft : durch deffen Gottfelige Bermittelung die bewuſte jam- 
merliche Zerſtoͤrung der Gtadt, ao. 1631 mol folte abgewandt 
worden feyn , warın nicht die Prediger ihnen felber das Unglück 
mit Gewalt über den Hald gezogen, indem fie dag Gegentbeil 
mit groffem Ungeftum bey dem Magiſtrat getrieben, und Den: 
felben aufm Rathhauſe fo lange überlauffen,bis fie ihn mit Ge⸗ 
malt ubertauber, und fo giftigen Lerm wieder a 
85 | gebla⸗ 


106 Ausführlicher Bericht 
geblaſen hatten, daß er fich darob nach Holland retiriren mu⸗ 
ffe, almo er ao. 1651 im 72. Jahr feines Alters verfforben. 
In Italien bat man fich a0. 1684 auch an die Uberfegung 
einiger Tractaten machen wollen, und daran gearbeitet; es iſt 
aber ftecken blieben aus Mangel der Verlags:Koften. Im 
Stangöfifchen ift e8 auch ſchon vor vielen Jahren mit der 
Signarura Rerum verfischet worden; aber eben nicht zum bes 
fien gerathen, dieweil der Überfeger , ein Med. Dr. Fein gebor⸗ 
ner Frantzos gewefen, und die Eprache nicht genugfam inne 
gehabt. Beſſer ift es mit dem Weg zu Chrifto gelungen, mel» 


cber unter dem Titul: lechemin pour aller a Chrift herausge⸗ 


kommen, und in Berlin ven Gotthard Schlechtiger, Buch⸗ 
druckern der Königl. Societät der Wiffenfchaften daſebſt, ge⸗ 
Drucket iff a0.1722 in 8 Traetaͤtgen verfaffer, nach. dem Vor⸗ 
‚Bild der teutfchen Edition von ao. 1682. Beydes die Sprache, 
da der Üiberfeger ein geborner Frangofe , und auch der Ginn 
des Geiſtes, find feindarinn ausgedrucket. GOtt zuͤnde ſei⸗ 
nen Geift in diefer etwas flächtigen Nation zur Fixitaͤt das 
mit an! 


8. Um aber dem Leſer annoch mit einer dientichen Nach» 
richt von den Manufcripten des Autoris zu dienen, will 
man einen Ertract aus dem Beſchluß des Lebens: Lauffes 
J.B. in der Edit. von ao, 1682, den fel. Herrn Beyerland 
betreffend, in nachſtehendem mittbeilen. Was des fel. 
Autoris J. B. Schriften belanget, find fie nunmehr nicht um: 
fundig Dann wie fie eine theure Geburt innerlich in 
GOtt find, und auch daraus müffen erfant werden : fo hat 
fie auch die Hand des Höchften aufferlich gewaltig gefchüget, 
and zum Spott bed Verderbers aus feinem Rachen gezogen 
und vor dem Untergang erhalten. Danndafurg nach un: 
fers fel. Autoris Tode Eines von feinen Schriften durch Schi⸗ 
Kung GOttes nach Amfterdam , zu eines frommen und ein» 
faͤltigen Kaufmanns, Abrabam Willems van Beyerland 
Händen kommen: iff er alfobald davon entzündet worden, und 
bat von dem an nicht unterlaffen, nach den übrigen allen zu 
trachten. Maßen er die dantald noch lebende vertraute Freun⸗ 
de fel. Jac. Boͤhmens, theils vernehme Edelleute und Docto- 
res,auggeforjchet,umd um die ſer Bücher willen Ichriftliche Cor⸗ 
refpondeng mit ihnen gehalten, auch gar Fein Geld gefparet, 

m. 


von J. B.Leben und Schriften. VL. 107 
wo irgend etwas zu bekommen gemefen, folches an ſich zu kauf⸗ 
fen; wie es ihm dann auhHDtt gedeyerrlaffen. Denn nachdem 

fie fonften eingeln bie und da bey den Liebhabern verſtreuet, 
und darzu werth auch geheim gehalten worden: fo waren fie 
doch bey denen fel. Hr. Carl und Michael von Endern, Ges 
brüdern , als des fel. I. B. wertheften Freunden und Patro⸗ 
nen, denen Er fich auch zuerſt vertrauer und durch fie rucht⸗ 
bar worden, (ungewiß vor oder nach ihrem Tode) meift alle 
beyfammen, nicht in Driginal, fondern in der erſten und rich- 
tigften , auch nachgefehenen Copey des Hr. Carl von Endern. 
Diefelbe waren nach Görlig, an Hr. "ans Rorben, von 
Baumgarten, Advocaten dafeldft, gekommen: von dem fie 
Beyerland hernach um 100 Neichöthaler an fich gelöfet, und 
nach Leipzig an feinen Correſpondenten alda zu liefern brin- 
gen laffen, mit Drdre an denfelben, fie mit Gelegenheit auf 
Hamburg, an feinen dafigen Correſpondenten abzufchichen. 
Wie nun auf eine Zeit 20 Laft- Karren mit Raufmanng-Bütern 
von Leipzig nad Hamburg abgiengen, ward das Kaͤſtchen 
mit obgemeldten Schriften auf einen derfelben geladen. Sie 
hatten aber unterwegens das Ungluͤck auf einen Troupp ſtreif⸗ 
fender Reutherey zu ſtoſſen, weildamald noch Fein Friede in 
Teutſchland war,von welchen die andern Karrẽ mit Kaufmang 
Gütern alle gänglich beraubet wurden, bi auf diefen mit den 
Schriften, den fie ſtehen liefen ; entkam alſo das Kaͤſtchen 
unter GOttes Schuß der Gefahr, und wurde zu Samburg 
wol geliefert. Inzwiſchen hatte der Correfpondent in Leip⸗ 
zig fihon Zeitung befommen, daß die Karren geplündert wa: 
ven, und in der Meinung, daß die Schriften mit verloren 
gangen , berichtet er die Fatalität per pofta nach Amſterdam 
an Hr. Bayerland. Das Kaftchen aber, welches, wie ge- 
meldet, in Hamburg wol angekommen, ward bald darauf 
aufein Schiff gegeben und nach Amſterdam abgeſchicket, fo, 
daß es mit guten Windeaufeben den Tag in Amfterdam ars 
kam, da der feipziger Briefeingelauffen war. Und da der fel. 
Beyerland ausdiefem Legteren zuerft das Unglück vernehmen 
mufte, ward Er fehr betrüßt und traurig, nicht deg Geldeg 
wegen, fondern um den Verluſt des fo gewiß verhofferen Scha⸗ 
tzes; gingdemnach mit befummerten Hergen in feinem Kauf: 
Gewerbe gegen Mittag auf die Börfe. Bald darauf kommt 


der Sihiffer von Hamburg an mitdem Bücher: Röftchen und 
Ei | lie: 


08 Ausführlicher Bericht 
liefert daſſelbe an Hr. Beyerlands Hausfrau, bie foldhes un⸗ 
gefraget mas darinnen ware im Vorhauſe niederfegen hieß: 


Da nun Hr. Beyerland nach ein oder zwey Stunden wieder 


zu hauſe Fam, und das fremde Kaftchen fahe, auch von ber 
Frau vernahm, daß es nebft einem Briefvon Hamburg ges 

kommen; fo fand Erbey Eröffnung des Briefeg und des Ka- 
ftend, daß GOtt fein Wort munderlich beſchirmet, feinen 
Wunfch erfüllet, und ihn mit befondern groffen Freuden übers 
ſchuͤttet habe, 

9. Es hat fich aber der fel. Hr. Beyerland mit biefem er⸗ 
Haltenen Schag noch nicht vergnüget befunden, fondern zu 
mehrerer Gewißheit nach des Autoris Öriginalien ſelbſt ges 
erachtet. Wiewol num folche ſchwerer zu bekommen, indem 
das groffe Werck über Genefin, Myfterium Magnum, dem Hr. 
Abraham von Frankenberg, (dem es der fel. Yuter in Spe* 
cie zugeſchrieben, und ald einem befondern Liebhaber der Ge⸗ 
heimniſſe GOttes in der Schrift, in Originali , wie auch vor 
den Sechs Puncten, gelaffen) von den Goldaten in damaligen 
Krieges: Laufften, nebſt andern fchönen Schriften geraubes 
und nach Dreßden gebracht worden: fohat doch GOtt der 
Herr auch darinn fein Verlangen in etwas erfullet , Daß er die 
Worgenrötbe, ald das I. Buch des Autoris, in Originali, 
von Hr. Georg von Pflugen aufPofterftein, Churfl. Sach: 
fiichen Haus: Marfchallen zu Dreßden befommen , wie oben 
in Hr. Abrah. von Seantenbergs Bericht des Lebens Auto⸗ 
ri8$.13 gedacht worden. Nach der Zeit find ihm auch ander- 
werts 2) der Tractat von den Teftamenten Ehrifti, 3) von 
der Gelaffenbeit, 4) dad Gefpräch der erleuchteten und un» 
erleuchtesen Seelen, 5) die Apologie wieder des Primarii 
Richters Schmäh: Karte, 6) ein unvollkommen Stuͤck ei- 
ner Apologie wieder Balth. Tilken, 7)) etwa 16 Stuᷣck Send» 
Briefe, theild vom Hr. von Sranfenberg , theild von andern 
Liebhabern communiciretworden. Um ſich aber des Zmeifeld 
deſtomehr zu befreyen, ob nicht im copiren bie und da was aus⸗ 
gelaſſen: fo hat er auch nach andern ficbern und richtigen 

Abfcheiften getrachtet und die an fich gekauffet, bis cr faſt 
vonieden Tractat, 3 a4 Exemplaria zufammen gebracht. Wor⸗ 
auferdandbarlich, GOtt zu Ehren,und feinem Naͤchſten zubLie⸗ 
be mit den erhaltenen Schriften wuchern wollen indem er zu al⸗ 


lererſt ſich ſelber daruͤber gemacht, ſie nacheinander in ſeine 
Mutter⸗ 


Ben. 


2 x h . F 
von J. B. Leben und Schriften. VI. 109 
Mutter: Sprache zu überfegen, damit feine Niederländifche Na_ 
tion der Gnaden⸗Gabe der Hochteutfihen, (weil fie aus Hoffart 
das niedrige Werckzeug verachtet, und mit Füffen geſtoſſen) auch 
eheilhaftigmürde. Hat demnach Feine Koſten gefparet, die 
meiſten nach und nach aufs ſchoͤnſte und fauberfte zum Druck 
zu befoͤrdern, und die Niederlande damit zuverfehen, ausge: 
nommendie Aurora, Myfterium Magnum und Signatura Re- 
sum , die erfinden legteren Jahren im Niederländifchen her- 
ausgefommen. Jedoch hat er noch endlich dag Myſterium 
Magnum auf vieles Anhalten der Liebhaber in hochteutſcher 
Sprache in Quarto Ao. 1640 and Licht gegeben. Solcher Ge: 
ſtalt hat diefer in GOtt kluge Kaufmann die verborgene Perle 
in Acker gefuchet, gefunden, und fruchtbarlich genutzet und 
damit gemichert, ober gleich in Publication diefer Schriften 
nicht wenig Anftoß von den Wiederfachern mit geoffer Gefahr 
erleiden muͤſſen; wodurch ihm iedoch der böllifche Raub; Vo⸗ 
gelben Segen nicht nehmen fönnen, welchen ihm GOtt da⸗ 
durch vielmehr vermehret, und Big zur Auferftehung der Glau⸗ 
bigen beygeleget. Er iſt gefforben Ao. 1648, und hat die ge= 
meldete Schriften feinem alteffen Sohn, der mir diefe Hiſto— 
vie felbjt mündlich erzehlet, mit treulicher Recommendation, 
Diefelbe wol zu conſerviren, hinterlaffen. | 
10. Nachdem aber derfelbige auch vor einer geraumen Zeit 
abgeftorben, als find dieſe MSta bey feinen Erben big Dato ers 
halten worden: von welchen wir fie nun allefamt an ung ers 
Fauffet, um diefe Edition von Ao. 1682 daraus zu fertigen. Wag 
wir nun für grobe Mangel, fo in der vorigen Edition aug ſorg⸗ 
loſer Unachtſamkeit begangen, hieraus gefunden, ſolte einer 
kaum glauben; zu geſchweigen der Mühe und Arbeit, die wir 
mit dem collationiven gehabt : welches alles dennoch aug Liebe 
zu dieſer Goͤttlichen Gabe , fein Bort fortzupflansen, und der 
teutfchen Nation einen treuen Dienft zu erweiſen, mit aller 
Willigkeit verrichtet worden , ob fie vielleicht die Yugen auf- 
ehäte, und nahme Diefed unvermuthete Gnaden-Zeichen mit 
wahrer Reue und danckbarlicher Erkentniß von Gtt an, was 
fie ehemahls zur Schande und zum Verderben ihrer Unver— 
nunft verfchmäher und weggeworfen, nach deg fel, Autoris 
Weiſſagung, Epilt, E.10- „Was mein Vaterland wegwirft, 
„das werben fremde Voͤlcker mit Freuden anfbeben. 
Anmer: 


10 , Ausführliher Bericht 

——— Anmerckung. 

Immediat nach abſolvirten Druck Ao 1682 haben ſich mehr Original: 
Briefe, ander Zahl2s, zu Franckfurth am Mayn gefunden, nach⸗ 
gelafen von einem verſtorbenen alten Liebhaber der Schriften, Dia: 
mens le Blon, (welcher ein Bruder des Hrn. le Blon in Amſter⸗ 
dam, mag gemwefen ſeyn) welche man denn mit 3 neu⸗gedruckten 
Eremplaren der Schriften, ans fremden Händen redimiret , und 
mit denen davon gedruckten colationiret, aber keinen Unterſcheid 
gefunden hat. Auch it das Driginal vom Gebet: Büchlein des Au: 
toris noch hinzu gekommen , gleich wir es nunmehro hier zu Leyden 
in Händen haben, famt alen andern obbenanten Driginalien, 
und meift vielmaligen Copeyen aler Schriften des Autoris. Wo⸗ 
von hintennach ein Catalogus folgen fol, wie GOtt uns ſolche, 
nicht nur ungemindert, fondern mit verfihiedenen Copeylichen 

Tractaten vermehret, zukommen laffen, GOtt fey Danck! 
ır. Wiederum auf den ſel. Hr. Beyerland zu kommen fo 

war er in feiner Arbeit überaus zart von Gemuͤthe, und hat 
alle Worte des Autoris, welche fich nach der Niederlandi- 
ſchen Mund: Art nicht fügen wolten, am Rande mit teutfhen 
Lettern geſetzet, dabey den Unterfcheid der Copeyen mit ange: 
mercket , auch allemal das Kern: Wort davon zum Text behal⸗ 
ten: Iſt nach Zeugniß deren , die das Werd genau unterfu- 
chet , eine ziemliche richtige Arbeit. Er war der erfle, wel- 
cher des Autoris Schriften in Verſe oder Abfüge abgetheilet, 
die in feinen Überfegungen nicht fo breit fallen als in den hoch⸗ 
teutſchen Editionen, Marginalien hat er bey allen Abfägen; 
gleich diefelben auch iedem Kapitel ſummariſch vorangefuget 
find. Alles iſt in Quarto gedruckt, ingeoß und Flein Format, 
auf zweyerley Papier: Und iſt der Mühe wol werth , diefen 
wolverdienten Mann desfals felber zu hoͤren; daher wir dem 
liebhabenden Lefer aus feinen Vor: und Nach-Reden der Wer- 
cke das Merckwuͤrdigſte in feiner Sprache in nachſtehenden 
mittheilen wollen: 


Abraham Willemfson van Beyerland tot Am- 
fterdam, onder de Naem, Mede- Borger van 
de drie vermengde Werelt: 

Na-Rede van’ Drievoudig Leven. 
Lfoo wy uyt des WereltsOccupatie den T'yd (die 
ons het eeuwige Gued door.de grondeloofe Barm- 
; | hertig- 


von J. B.Leben und Schriften. VI. in 
hertigheyt heeft vergunt ) hebben uytgeſcheurt, om des 
Auteurs hooge Reuniſſe in dit Boek (naer ons ſwack 
Vermogen) in onſe Moeders. Taal te brengen: So ſal 
de ernflige Ziele ( die door haren Geeſt na de Diepte 
van de Wonderwerken Gods hongert ende dorftet) 
weten,hoe dat wy feer garen het Bock van de drie Aen- 
vangen (anders de Tribus Principiis ) fonden hebben 
voorlaten gaen ; doch, hoewel geenKoften,nochte veel 
vrienden moeyelyckte vallen,en hebben ontfien, fo is 
het felvige Boek (naer vyf of fes Jaaren foekens ) ons 
eerft voor weynige Maenden ter hand gekomen ; * 
welk ( met groot Verwonderinge )in de Stad Gerliz 
(in alle de Deftruxien der Oorlogen,die defelvige Stad 
heeft uytgeflaen ) bewaert ende geconferveert is ge- 
weelt. Ende alloo wy welgerefolveertzyn geweef, . 
uyt het felvigeBoek eenige noyt gehoorde Weten« 
fchappen in ’t Eynde van dit Bock, in onfe Moeders- 
Taal medcte delen, fo zyn wy van ’t felvige Voorne- 
men afgewent ( niet dat onsde Hatersder Verborgent- 
heden hebben konnen afichricken, maer) om dat den 
Yver tot deOntdeckinge van defe Schriften fo veel te 
wege heeft gebracht, dat alreetsby naer de helft van 't 
felvige Bock getranslateert is(hoewel dat het 90 Bogen 
gefchrift begrypt)ob hope dat de onuytputtelyckeLief- 
deGods ons vorder Tyd en Yver {al vergunnen, om’t 
felvige ten Eynde tebrengen &c. &c, | 
My is bekent, datter eenige knorren ende morren, 
om dat den Overletter ſynen Naem niet bekent en 
maekt: maer wat kant baten, dat de Werelt weet.wie 
defe Dingen in onſe Moeders-Taal ftelt; het fal hem 
genoeg zyn, dat fe onder duyfenden maer eenen ter Sa- 
ligheyt mogen dienen ; daer aen fal fyne Ziele esuwige 
 Spyfehebben, Hetis waer,dater veel vande Heylige 
* Man- 


— a * We V 
112 Ansführlicher Bericht 

Mannen Gods haren Naem niet en hebbeu verfwegen ; 
maer ghy moet weten,dat fy Lichten waren, daer de 
gantfcheGemeente op fag;daerom moften fy denBoom 
toonen daer de Vrugten op-wifschen, op dat de Vruch- 
ten van de valfche Takken (dieter ſyden uyt wifschen) 
niet voor Vruchten des Boomen en fouden uytgedeeit 
worden, Medefoen wasinhaer gantich geene Ick- 
heit nochteSelfsheit, veelweyniger eenige Aenneme- 
lyckheyt van Glorie,daer onfe hedendaegliche letterly- 
cke Wysheyt eenen hoogen Tooren, ja eene Stad: Ba- 
bel in heeft gebouwt, dar-in de Duyvel ter Herberge is 
ingetögen, en eyndelyck Waert van’t Huysis gewor- 
den. 

En wilt ghy dan noch weeten, waerom denÖverfet- 
ter fynen Naem niet een laet drucken ? omdat de letter« 
lycke Geleertheyt haer metrecht fouden moeten fcha- 

nen, om dat fe deefen, ( diede hooge Scholen noyt ge- 
frequenteert heeft, en ten naeuwer noot fes Maenden 
heeft mogen School gaan, daer-en boven met des We- 
reltsoccupatie belaft zynde) nie: en zynte voren geko- 
men, omdefe groote Verborgentheden aentLLicht te 
brengen, Wy hebben wel vericheyden Brieven van de 
Beminders der Wysheyt bekomen,die rond-uyt beken- 
nen, dat alle haere Geleertheyt uyit de hooge Academien 
maer tot aen de Schorenvan der Boom { by defe Schrif- 
ten Jen reycket. Oock lo heeft den hooggeleerden 
Johannes Angelius Waerdenhaghe onfea Auteurs 
Bgek van de veertig Vragen der Zielenin’t Latynge- 
brocht, endedoendrucken. Maer daertegens hebben 
wyeenige Brieven, die daerroepen; Siet toe, zyt wel 
beraden,dele Schriften doen de Deur open tot deGeell- 
dryverye; hetis wel een Licht, maer’t vergelyckt de 
Dwael-Lichten, den Auteur fpreekt tegens hem felfs, 

ende 


von J· B.Leben und Scyriften.VI. 3 
ende fo voort; maer ſy Ichlachten de Vleermuyfen en- 
de den Uyl, die het Lichthaten, oın dat hare Odgen’t 
felvige niet enkonnen verdragen: doch wy willen haer 
{ulcks niet qualyck afnemen, maer de vrindelycke 
Liefde JEfu bidden (.doer de grondeloofe Barmhertig- 
heyt Gods) alle vrome Godfoeckende Zielen langshoe 
meer (uyt denKerker der Duyfterniffe ) in’tLicht te 

voeren, Anno 1636. | : 
Den Lefer zy gewaerfchouwt ( nevenshet lefen var 
dit Boek ) het Boeksken van de Bete ende van dewaare 
Gelatentheyt in de Pradtycke te flellen, om defelvige 
nietalleen te lefen ende te verflaen, ınaer om den Au- 
teur in ſyn Procesl naer te volgen, °t welckin defelvige 

klaer isblyckende: doch’t {al de ernfligeZiele (in t 
Lefen van defe Schriften ) gaan gelyk alseenen die een _ 
grof roeltig Yfer wil blank maeken; id’teerfle en iſ- 
der weynighoöps; maer inde Vulharding leyt d’Over- 
winninge: denernfligenWille ende de yverigeBegeer- 
te vermach veel om tot de Genade en tot de hooge 
Kenniffe tekomen,gelyk fulks fonder twyfiel deeeni- 
gen hooge Schooleende Studie der Vaderen, der Pro- 
pheten, endederApoftelen Chrifti zyn geweeft, Want 
de Vaderen (van Adam tot opde T'yden der Rabbynen) 
die hebben hare Studie in’t eeuwige hemelfche Licht 
gehad,, endedoor’’tfelvigehebben zy met eigen felfs 
Oogen gefien , ende op eygen Voeten gewandelt: als 
mede doorhet groote Boek ( Hemel ende Aerde) den 
Menichen den warenGod (ſyn Wefen ende ſynen Wil- 
le) bekent gemaakt ; ( foodanige Academie is ook ge- 
weeltde Pinxter-SchoolederApoftelen)doch hareNae- 
komelingen gevoelende den Swackheyt ende de Ver- 
durventheyt des Menfchen, vreefende dat dit Licht 
gantich ende geheel foude verduyfteren, dishebben * 

h les 


114 Ausführliher Bericht 

lesin Schrift ende op ’t Pampier gebracht,om dat deko: 
mende Eeuwen eene Gedachtenifle ende een Recht- 
ſnoer van de Studie derVaderen mocht behouden, ende 
dat defelvige Studie niet geheel uyt gebluft en fonde 
worden, Maer, eylaes! de Wysheyt des Vernufts 
die heeft hooge Schoolen ende Academien (in de 
Ickheyt ende Selfheyt) opgericht, ende heeft Bocken 
uyt Boeken: gemaakt, zynde in haer felfs (in de 
Hiftorien , in de Letter , ende in de Konft) geheel 
dronken ende blindgeworden; foo dat men met eens 
anders Oogen als door Brillen heeft moeten fien,eu- 
deopeen ander Mans Voeten als opKricken ende Stel- 
ten heeft moeten gaen,zynde ons alfo deStudie desVer4 
nuftstot een Teeeken van onſe Ellende ( gelyk Adam 
Syn Kleed) gegeven. Ä 


In der Vorrede zum II. T. der Menſchwer⸗ 
dung fchreibet dieſer Mannalfo: 


Defe Translatie is uyt drie verfcheyden Copyen ge2 
eolligeert, endoor de Confronteering de Fouten var 
de Copieerders ontdectt: nuin de eene Copye, dan 
in de andere eenige Woorden, ja ook wel eenigeRe- 
gulen overgeflagen bevonden ; (alsmede eenige ver« 
keerde Woorden ;) waerdoor den Sin des Auteurs du« 
ylter, jaonbegrypelyck fcheen te zyn ;als by Exempel: 
in ’t vyfde Capittel, in plaats van Helſehe Wefentheyt, 
ftont in de eene Hemelfche Wefentheyt ;en daer naevol= 
gende, in plaats van onbegrypelyck Licht ftont in de an« 
der .begrypelyck Licht.  Soodanige verkeerde Woor- 
den vindt men meer, Ook inde Aurora gedruckt Anna 
1634 fol. 252 regel 23: in plaats van Berftocfung ſtaat 
Verheiſſung. Ja yderzy gewaerlchouwt voor delel- 

| vge 


Ba, il in 


L 


von J. B. Leben und Schriften. VI, is 
vige gedruckte Aurora : alloo.daerin veel geabbreveert 
en uytgelaaten is door den eerften Copieerder, die ’t 
ſchynt heeſt beeter willenmaaken; {oo dat na Giſſing 
t ſelvige Boek wel een darden Deel grooter ſal vallen, 
fo’tgedruckt wort na des Auteurs eygenStelling, die 
my veel klaerder is om te begrypen. Ock ishet’ge- 
dıuckte My/fferium Magnum in’t Hoogduyts volvan 
CopierenDruck-fouten. Dit wort verhaelt, om dat 
de Liefhebbers mogen verfeekert zya, dathier geen 
moeytenenisgelpaert,om te hebben eencorred’Trans- 
laat van dit HeerlyckeJuweel:; En’t dient ook tot Waer⸗ 
Ichouwing voor die geene die in de Hoohgduytfche 
Taal eenige van des Auteurs Wercken-wilden laten 
drucken, dat ſy haar niet en moeten op eene Copyeal- 
leen verlaten, ofte fouden gewis veel Routen begaen, 
DeWaardye van dit Kleynod wilick.d’ ernflige,yveris 
geen hongerige Ziele felfs laten pryfeeren: Het eeu- 
wige onaenvangelyckeLicht wilalleKinderen Gods 
opgaen, en alle Duyliecnis verdryven. _Defe Trans- 
latie metden Aenvang defes Maends begonnen, en ge- 
eyndigtopheden denr4. Novembr. 1637.in Amfter- 


dam U.L, Medeborger &c. _ — 
Na-Rede in’t Bovenfinnelycke Leven. 


By den Auteuren zyn deVragen niet genommereert 5 
gelyck hy oock alle ſyne Schriften met geen Verfen en 
heeft afgedeelt : doch bevindende,dat een fodanig heer- 
Iyck Werck ende milddadige Gave van’t Eenige Eeu- 
wige Goedaenonfe verblinde duyftere laetfte Eeywe 
feer dienftigis, ſo en hebbe nier konnen naalaten ( tot 
Dienft endeNutaen de angftelyck-foeckendeKinderen 
van de Edele Sophia ) alla deSchriften die ick transla- 
teere, in Verfen aftedeclen, gelyck oock het Myſte⸗ 

bz rium 


ar‘ 
—X 


6 + Ausfühelicher Bericht 


‚rium a t Druck in ’t Hoogduyts bevordert) 
‚hebbe gedaen : Wel verfeekert zynde ‚al waar-het dat 
den Auteur felfs noch leefde, hem fulcks nieten ſoude 
‚mishagen maer aangenam zyn, Sulcks dient den Lefer 
‚der felvigen Schriften tot Waerfchowwing ; Ingely- 
‚sken vandeRegilteren en Marginalien&e. 

Den Overfetter van de fes Puncten. d. 27. Feb, 1637, 
ut Aen alle Kinderen var de Edele 

Sophia. 

* * Pen was noyt ſoo ſtout in ſeven volle —*— 

dat fydorltgrypenaen dit diep-gegront Gewas : 

Om uyet aus in onsLief- Moeders- Taal te 

">. baren, 
Maer nu heft — y't volbracht in veertien Dagen ras. 

Daervoor ya tN IET,en’t AL en’t Eenig Goed gepree- 

ey. an dei DR 
» Door Sophias Gefchlacht met Ziel, Beeld, Geeft be» 
| reyt, 

Heet eeuwig Een wilons vant blind Geficht geneefen, 

Dat wy vöörts mogen fien Gods groote Heyn Iyck- 
heyt 
Den 18. April deſe tweede Translatie geeyndigt uty 
| drie differente Copyen:onder welke Copyen eeneis, 
oor Heer Michaelvan Endern felfs gecopicert by 
dacob Behme, en ſeer correct bevonden,. 
„ı2. Bevor wir bier gufdemkiebhaber eine genaue Specifica« 

' * der von Hr. Beyerland fel, uͤberſetzten Tractaten, mit⸗ 
theilen, wird nicht unangenehm ſeyn, noch eine kleine Nach⸗ 
richt von einem andern faſt um ſelbe Zeit von GOtt erweckten 

Liebhaber der Göttlichen Weisheit zu ertheilen. Diefer war 
der fel.Hr. Michael le Blon, Koͤnigl. Schwediſcher Agent in 
Amſterdam, welcher nicht allein in Hertzens-Bekantſchaft 
wit Hr. Deyerland, und fein Dit - Arbeiter war; ſondern 


quch in — * pondentz, mit Hr. Abr. von Senntenberg, l 
ke 








von J. B. Leben und Schriften. VI. u7 
Chriſtian Bernhard, und andern noch lebenden vertrauten 
Freunden desfel, Theoſophi kam: durch deren Hülfe er nebſt 
verichiedenen dienlichen Nachrichten von diefen Schriften, 
noch 25 Sendbriefe, des fel. J.B. eigener Hand, und zwar vow 
beiagtem Heren Frankenberg felber, feit a0. 1646 befommen, 
welche der Autor in den legten 4 Jahren an Chriſtian Bern⸗ 
bard zum Sagan abgelaffen. Yon welchen gedachter Herr 
le Blon 20.1647 , al& er damalen in Stodbolm war, die 12 
wichtigiten Epiſteln in die Niederlandifche Sprache überge: 
feget, welche er zufamt nach einigen andern tranglatirten 
Gendbriefen aus Herrn Beyerlands Samlung, ietzt an der 
Zahl 23 Stuͤcke, a0.1653 durch öffentlichen Druck publiciret, 
zu einem bequemen Anhang,feines damalen in Duodecimo edir⸗ 
ten viel-verbeflerten Geber-Süchleins unſers Autoris. "Und 
find obberührte 25 Original- Sendbriefe eben diefelbe, deren 
oben s. 10 inder Anmerkung gedacht worden, die GOtt und 
nunmehro zum andernmal auf eine gang unvermuthere und 
sinverboffte Weife in die Hande kommen laffen und geſchen⸗ 
efet, mit famt den andern Manufripten der fomtlichen Wers 
cke, wie gemeldet, mithinfie damit alle aus der Zerftreuung 
wiederum gerettet, und vom Spisitu Mundi, nach dafiir erleg⸗ 
ten pretio, redimires; ohne Zmeifel zu einem Depot auf unfere 
Nachkommen, fie famtlich zu bewahren, mit Göttlicher Hülfe. 
Die übrigen Sendſchreiben in MSt. fahen das Licht in Hollaͤn⸗ 
diicher Sprache nicht eher, als big die andermeitige Befördes 
rer des Guten, durch die bochteutfche Edition von 20.1682 
animiret ‚derfelben gemaß, die vollkommene Niederlaͤndiſche 
Uberſetzung der Epifteln vorgenommen, weiche ao. 1693 im 
Odtavo gedruckt worden, wie unten gemeldet mırd. 

13. Das Verseichniß der Schriften, Jac Boͤhmens wel: 
che Herr Beyerland aus dem Hochteutfchen in die Nieder⸗ 
laͤndiſche Sprache überferzet, und mit Marginalıen, famt 
dem Regifter zum Druck befördert, unter dem Namen Mede- 
Borger van de drie vermengde Werelt, wird dann dem liebha⸗ 
benden Lefer hiemit verfprochener maflen communiciret. 

Ao. 1634 gab er zu erſt ein klein Tractaͤtlein an dag Licht, 
genant Hand-Boeksken of welriekende Bloem, in Duodez, ent» 
baltende 4 Theile , nemlich, das Gefpräch der erleuchteten und 
unnerleuchteten Seelen, und dann einige Ertrasten aus dem 
drepfachen Leben, Myfterio Magno 7 Aurora, | 
Wr 3 @, 


2% J e ⸗ 4.5 
wg Ausfuͤhrlicher Beriht 
Ao.1635 publiciete er das Büchlein in Duodez: Den eerften 
Trap tot de Bekeeringe: welches die 2 Traetaten van de Boete 
en waare Gelatentheyt enthalt; wobey noch einige Ertrarten 
aus dem Myfterio Magno famt einigen Briefen. 

" A0.1636 ließ er ’t Drievondig Leven in Quart- Format dru⸗ 
cken, wiewol ohne vorangefegte Jahr⸗Zahl, Die er jedoch in der 
Vorrede der 3 Principien meldet. Inder Nachrede, zu Ende 
Des Buchs , meldet er die Urfache, warum er die 3 Principia 
nicht zuerft publiciret, weil fie ihm nemlich allererſt vor mes 
nig Monaten in go Bogen Schrift zu handen gekommen, 
nachdem er 5 a6 Jahre darnach getrachtet ; wovon gleich: 
vol die Helfte bereits ind Niederländiiche überfeget ware; 
welches Buch bey wahrenden Krieges-Troublen wunderbar 
in der Stadt Goͤrlitz conferviret geblieben, Daneben gibt 
er auch zu erkennen, warum er feinen Namen verfchwiegen, 
dieweil nemlich er, ber kaum 6 Monate mögen in die Schule 
geben, die Gelehrten nicht gerne beſchaͤmen wollen, daß er ih⸗ 
sıen mit Publication folcher groffen Berborgenbeiten, zuvor ges 
kommen, und gibt anbey diefe Erinnerung: Den Lefer zy ge- 
vvaerſchouvrt, dat alt-"geene fo vvartusschen dus danige [ ] 
Tekenen ftaat, niet des Auteurs, maer des Oversetters is, om 
onfe Moeders-Taltehulptekomen; hebbe ook dit Boek met 
een Regilter voor yeder Capittel verrykt, ende de Capittelen 
in Verfen afgedeelt, om alles te beter te konnen vinden, en 
op de Kant voor yeder Vers het Regifter geannoteert, Zu dies 
ſem dreyfachen Reben fuͤgte er aus dem Mylterio Magno daß 
8.9. 10.30. 31. und 43. Cap. ft. den 6. Text aus dem Ir⸗ 
diſch⸗ und himmlifchen Myfterio. Ferner einen Sendbrief des 
Autoris. Alles aus einem hochteutfchen gefchriebenen Exem« 
plar franslatirer, 

Aa. 1637 kamen die 3 Principia heraus auch in Quarto, 
{gleich alle feine bernach folgende Hberfegungen deffelben For⸗ 
mats find, mit welchem er den 20. Aug: 1636 mit dem Übers 
Segen zu Ende gefommen. Der Appendix van’t Drievoudig 
Leven aber den 13. Febr. 1637. Woben die erite Uberfegung 
des umgewandten Auges der Seelen iſt; it. der Ertract der 
Betrachtung des Myfterii Magni welches inden Tractat über 
Genefin gehöret ; noch, einige Wörter: Erklärungen und ber 
10. Sendbrief an Heren von Sommerfeld. Ao.1620 ihme 
von Herrn J. A. Merdenbagen, ſamt andern Epifteln zu⸗ 
geſandt. —3 


von J.B.Leben und Schriften. VL 19 

‚ Ao, 1640 ließ er das Myſterium Magnum in Quarto hoch» 

teutſch drucken mit dem Lebens⸗Lauff Autoris, und der Speci- 
fication aller feiner Schriften, vornen angefüget. 

A0, 1641 edirteer ’t Gebedt-Boeksken aus 2 gefchriebenen 
Eopeyen, den r. Jun. vollendet, | 

Ao. i641 Tfamenfpraak tusschen Meefter en Difeipel van’ £ 
Bovenfinnelyke Leven , aus dem gedruckten Weg zu Chrifto 
und einer gefchriebenen Copey, den 7. April. vollendet. 

Ao, 1641 - 1643 gab er den Tractat, De fchoone Brieven 
genant, heraus, ebenfals in Quarto, aus verfchiedenen Copey⸗ 
en, und ſelbſt aus des Autoris eigenen Handſchrift überfeger ; 
und zwar ao. 1641 dreyzehen Stuͤcke, und ao. 1643 noch 8 an= 
dere Sieben andere waren fihon vorhin von ihm bey den über- 
ſetzten Wercken Autoris hin und wieder angefüget worden. Er, 
erwehnet in der Borrede , Daß die Briefe, welche er von J.B. 
in Handen habe, feines Erachtens , die angenehinften und ers 
baulichſten unter allen wären, wiewol er Feinen eingigen Brief 
noch Blat von ihm habe, fo nicht verwundernswürdig. Er 
habe in der Ordnung diefer Briefe das Alter ober Datum nicht 
beobachtet, fondern nur aufdie Wurdigfeit gefehen ; obfchon 
ein ieder, vom Eleineften bis zum gröffeften, ein würdig Jurvel 
bey ; ſo waͤren doch die vorderſten (find die 2 an Paul Kaym 
von den legten Zeiten) gleichſam Tractaten gegen die ans 
dern. 

Ao. 1642 de Tafel van den 3 Principien, den 13. Maji 1639 
aus verfchiedenen gefchriebenen Copeyen corrigiret. Iſt das 
her fehr accurat, gleich auch das Schema ſelbſt eines gar ſau⸗ 
bern Kupfer-Gtiches in bochteutfcher Sprache mit lateini⸗ 
ſcher Schrift, das beſte vor allen ift. 

Clavis of Sleutel aus 2 gefchriebenen Eopeyen den 30. Maji 
1639 und noch einen Anhang aus einer Copey durch Henri« 
eum Prunium, den 23. Decemb, 1641. 

Verklaring van 6 Pundten (find die Fleinern) aus 2 Copeyen 
den 6. Junii 1640, 

Aerdfch en Hemelfch Myfterium das zweytemal überfeßet 
im Julio 1640 aus 3 Copeyen. | 

Ao. 1642 Menfchvverdinge Jefu Chrifi, zu Ende ge 
bracht der 1. Theil den 31. Dec. 1637 ; der 2. Theil den 29« 
Mart. 1638; der 3. Theil den 14. Nov, 1637. aus 3 verfchiede- 
nen Copeyen. | | 

| ba4 Aus 


2° Ausführlicher Bericht 
Ao. 1642 Veerti, ‚ Vragen van de Ziele, die 2. Uberſekung 
nach 3 Copeyencorrigiret , welches den 9, Novembr, 1659 be⸗ 


gonnen, und den 13. Jan. 1640 vollendet worden. obey 


der Zielen Beeldenis (das umgewandte Auge) aus 2 Copeyen 


den 12, und 13. Jan. 1640; auch die 2. Translation, 


Ao. 1642 van de 4 Complexienen aus 3 verfchiedenen Co⸗ 
peyenden u. Sept. 1639 translatiret. * 


Ao. 1642 Ses Pundten. Den 27. Febr. 1658 begonnen und 
den 18. April, vollbracht aug 3 differenten Copeyen, wovon Die, 


eine Hr, Michael von Endern felbft geſchrieben welche ſehr 
correct befunden worden. RE ia IR 

De Voor-Rede vande Teftamenten aus des Autoris eigenen 
Hand. 


Ao. 1642 Genaden-Verkiefing die 2. Translation den 17. 
Januar, aus 2 Copeyen davon die eine Hr. Michael von Ens 
dern felöft:eigene Hand. 

Sleutel goddelyker Verborgentheyt, d.i.de Pœnitentia, lib, 
2dus das 2. mal uͤberſetzet, wobey ber Brief an Dr. Kobern, 
den 13. Jun. 1624 ex Autographo, 

Ao0.1642 Apologia contra Greg, Richter, aus 2 Copeyen 
den 9. April. 1640, 

Die 1, Apologia contra Balth.Tilfen; aus einer alten Copey 
Hrn. Michael von Endern den 1. Febr. 1642, Die 2. aus 3 
Eopeyenden 25. Jun. 1639. | | 

Ao. 1642 Goddelyke Openbaring, ult. Odtobris 1639. 

Ao. 1642 Goddelyke Beichouvvlykheyt aus 2 Eopeyen den 
26. Jan. 1640. | 

- 0.1642 van de VVedergeboorte aus einem gedruckten Ex- 
emplar und corrigieten Copey , den 17. April, 1641 vollender. 

14. Herr Michael le Blon, deffen oben $. 12. gedacht wor⸗ 
den , als des Herrn Beyerlands treuer Mitgehülfe in Am⸗ 
fierdam, nahm 40. 1653 das Geber Büchlein 7.3. nad 
dent Dreßdenfchen verbeſſerten Hochteutſchen Druck aufs 
neue vor die Hand ſelbiges ind Hollendiſche zu uͤberſetzen, und 
in Druck zu geben/ dieweil Hr. Beyerland zu ſeiner Uberſetzung 
Aoıögr nur 2 uncorrecte Copeyen gehabt. Und damit das 
Trattaͤtlein, intituliret: Gulde Kleynod eene aandachtige 
Ziele, ein bequemes Duodez-Format gabe, fügte er demfelben 
obgemeldete 23 Send⸗Briefe des Autoris bey. Nach ber * 

n 





von KB. Leben und Schriften. vr, nu 


find aus der Edition von Ao. 1682 in Amſterdam Holländifch 
überfeget und editiret worden: 


Ao. 1685 de Weg tot Chriftusin g Bœksken in Odtavo, bey . 


Frederik Vortter. 
'A0.1686 Aurora of Dageraat in’t Opgaan , in Quarto bey 
Gemeldtem Vorſter. 

A0,1603 de Teftamenten JEfu Chrifti , en Bedenken over 
Efaias Stiefels Back, in Odtavo , bey Jacob Claus, Nora: Die 
Apologia wieder Stiefel und Aerb ift nicht ins Niederländi- 
ſche uberfeger. 

Ao. 1695 alle Send.Brieven in Odtavo bey Jacob Claus, 

‚A0, 1700 Myfterium Magnum , in Quarto , bey Jacob Claus 
und Willem Lamsvelt. | 
* Ao,1718 Signatura Rerum in Odtavo , in Amſterdam uͤber⸗ 
feget und zu Haarlem gedruckt bey Ifaac Enfchede; durch mel: 
ches guten Mannes Hülfe zulegt A0.1728 dieMSta aus der Zer⸗ 
ffreuung wieder zufammen gebracht worden. 

15. Zum Beſchluß diefer Nachrichten erachten wir.nicht un 
füglich zu feyn, noch etwas von den Auszügen diefer Theo: 
fopbifchen Schriften zu melden, nicht fowol dergleichen de: 
nen Philo-Theofophis anzupreifen , als vielmehr zur Ehre 
GOttes die Wahrheit der mercklichen Bekehrung des jüngern 
Richters eines von den Söhnen jenes eiferigen Primarii zu 
Görlitz, defto beglaubter zu machen, wovon vorhin ofterg 
erwehnet worden. Als diefer in Thoren, laut Bericht, fich 
aufbielte hat er alle Zeit, die er eigen hatte und von der Hands 
lung als Kauf-Diener abbrechen können, zum Lefen und Abs 
fchreiben diefer theuren Schriften verwandt; (war in den 
Jahren 1650 bis 1660 ) fo hatte ihm die Liebe auch in anderer 
dazumal noch lebenden Freunde des Theoſophi Kundſchaft und 
Srief⸗Wechſel gebracht, Dadurch er ſelbſt aus Holland, was 
von derſelben Uberſetzung heraus kam, verſchrieb und ſich an⸗ 
ſchafte, weil dazumal dieſe Schriften noch muſten von ihren 
Liebhabern von vielen Orten gefamlet-werden , dahin fie ald 
ein Same ausgefireuet waren. Aus folder Samlung hat 
dieſer fleißige Dann feine Colledtanea oder Auszüge mit vie: 
ler Arbeit verfertiget, und ohne Sahı » Zahl auch ohne Na⸗ 
men und DEk,iedoch fo viel man weiß, in Thoren drucken 
laſſen. Das Werck an fich ift fehr var weil laut Bericht, nur 

100 Stuͤcke davon gedrucket FOR GOtt aber hats um ” 

5 er 


re re a 
F u ah 
* —3— Nr 4 
a 7 Bu 


22 Ausfuͤhrlicher Bericht 


ſer Nachricht willen gefuͤget, daß ſie uns zu Augen und Haͤn⸗ 


| 


denfommen. Wollens dem Lefer einfältig beichreiben: 


' 16. Das Buch beſtehet in 8 Theilen, und gibt ſoviel beque= 


ine Bände in Odtav, iff grober Druck, mit vielen Marginalien 
oder Anmerkungen des Colletoris , daraus man fein Maß 
des Geiſtes erkennen kann, und daß er ziemlich belefen , aber 
“dennoch ein Laye oder Ungelehrter geweſen, darum er gelegents 
lich ofters ſetzet: Mir Cayen ꝛc. Er hat die Theoſophiſche 
Schriften J. B. fovieler befommen, faſt alle eingebracht ‚aber 
unter gewifle Titul von Wort zu Wort ohne die geringſte vor: 
fegliche Aendernng ; der Theile Titul find einfältig, daraus 


man iedoch mehrers abnehmen Fann. 


Auf des ıften Theils Titul⸗Blat: 


„ 1 Bon GOtt. 2. vonder H. Dreyfaltigfeit. 3. WasGOtt 
„nach Liebe und Zorn, nach Licht und Finſterniß, Gut und 
Boͤſem. Aus J. B. Schriften gezogen. 
” m Ende diefed Theild ſtehet folgende Erinnerung bes 
» Verlegers, fo der bemeldte Dann felbft iſt: Es wird der gůn⸗ 
ſtige Lefer freundlich gebeten, nicht vor ubel aufzunehmen, 
„daß Diefes Tractätlein hin und wieder etwas ımcorrect ge: 
druckt , die Orthographia und die Diftindtions-Puncten nicht 
Rrecht in acht genommen worden; Urſach iſt, daß der Verle⸗ 
"ser fein Gelehrter, auch aus gewiſſen Urſachen Keinen Eite- 
"ratumCorredtorem (weit diefe Materia nicht auf der hohem 
„Schulen geboren) darüber ſtellen wollen. Imgleichen wo 
„die Cap. daraus diefe Colleftanea genommen , nicht recht an⸗ 
„gezogen, denn Theils aus dem KTieverländifchen hat vers 
eutſcht werden müffen , theils bald hinten, bald vornen aus 
"dem Cap. etwas genommen werben, nachdem es fich zum 
„Titul des Textes gefchicket bat, wird fich aber allenthalben 
„befinden / daß man des Autoris Wort, undGSinn behalten, und 
„nichts eigenes eingefchoben , ohne was auf dem Rande ſtehet, 
welches man hoffet hin und wieder zu beflerem Berftande der 


Materia dienen möchte. Gibt GOtt Leben, Gefundheitund 


» Mittel, foll mie diefem einfältigen Druck continuiret wer⸗ 


den, und in der Ordnung folgen: Bon Erfchaffung der H. 


„Engel, von Erſchaffung der Welt und ded Menſchen, ge⸗ 
„habt euch wol. | | ni 
| er 


i 


| 





von J. B Leben und Schriften. VI. 123 


Der Eiteldes2. Theils iff diefer : 


„Bon Erfchaffung der H. Engel, famt ibrer Paradeififchen 


„Licht: Welt , und vom Fall Lucifers mit feinen Legionen famt 
ihrer höllifihenfinftern Welt. Aus J. B, Schriften. IT. Theil. 
Alhie hat er pag.ı32 bey Cap. 5: $.13.14. de Triplici Vita, 
dieſe Rand: Glofle : „Wen wir nach den Eigenfchaften deg 
Paradeiſes lebten in Liebe, Friede und Einigkeit, fo ware 
der GOtt des Friedens und der Barmbergigfeit auch bey 
"ung ‚und regierete uns der H. Beilt,fo aber iſt GOtt bey ung 
„nur nach feinem Zorn, daß wir einander anfeinden ‚ und an 
„ſtatt des Paradeifes in die Höfe ſtuͤrtzen. 
Der Titul des 3. Theils. 
„Bon der Natur; das iff, wie dieſes 'gange Univerfum ficht- 
bar und empfindlich worden. Welcher Grund bis auf diefe 


> Zeiten verborgen geweſen, nun aber durch GOttes Zulaf: 


»ſung eröffnet worden. Aus J.B.T. Schriften gezogen 
»ill. Theil. Bey diefem Theil iſt auch ein Regifter über alle 
3 erite Theile. 

Der Titul des 4. Theils, 


„Von Erfchaffung des Menfchen zu GOttes Ebenbilde, und 
„wieer vor dem Schlaff und feiner Eva gewefen. Item: Bon 
Erſchaffung des Weides aus Adam. Vom Garten Eben, 
darinn Adam und Eva verfucht worden. Bom Verſuchbaum 
»DBonder Paradeis-Schlangen. Vom Fall des erften Men⸗ 
„ſchen. Von dem Cherub vor dem Baum des Lebens. Von 
„der Liebe GQttes, den gefallenen Dienfchen zu helfen. Von 
"Fortpflangung des Menfchen durch Mann und Weib, Yom 
Dreyfachen Leben des Menfchen. Bon ber Sternen Wir: 
» fung indem auffern Menfchlichen Leben. Alles aus J.B.T, 
Schriften gezogen IV. Theil. 

Diefem Theil iſt voran gefüget A. v. Franckenb. Lebens 
Lauff des Autoris, ao. 1651 aufgelegt ; nebſt einem Extract 
aus D. Weisners Relatiou, 
 Pag.140 fagt er in Marg. „Zur Fortpflangung himmli⸗ 
„ſcher Fungfrauen darf man Feiner thierifchenBermifchung, 
„die nur Mörder gebieret, und böfe Leute. 

Der Titul des 5, Theils. 

u „XL, Fragen von der Seelen, vonD. Balth. Waltern 
ndem Autori aufgegeben. Item: Andere Extracten 0 der 
I ee⸗ 





ww re 


* RE. A ——— 
24Ausfuͤhrlicher Berich 
„Seelen. Von den 4 Complexionen des Menfchen. Collo- 
quium Anime illuminandæ; Vom Fegefeuer der Seelen und 
»dem Jüngſten Gerichte. Alles aus J. B. T. Schriften ge 
zogen . V. Theil. 
P, 226 ſtehen in margine dieſe Liebe-Reimen: 
Liebet daß, mas wiederliebt, 
Und die Seele nicht betruͤbt. 
Liebet den, den alles cher, 
Liebet den, der alles hört, 
Alles fieht und alles vicht. 
Alles merckt und alles fihlicht, 
Alles halt und alles ſchaft; 
Liebet GOtt, aus deffen Kraft 
Dieſe Welt mit ihren Luͤſten 
Muß vergehen, Liebe Chriſten! | 
P.562 fpricht er: „ Das Centrum naturz fischen, in ſte⸗ 
tem Gebet und einem twiedergebornen Leben, ſonſt wird es 
nicht funden; denn es ift das hoͤchſte Geheimniß in diefer 
2Welt: darum glaubt feinem Soldmacher. | 
Titul des 6. Theils. 
9 Bon dem Sohn GOttes; ; und wie Er fich in biefer Welt 
„zu des Menfchen ewigen Heil und Geligkeit geoffendaret 
„Hat. 1. Von der Perfon Maris, und was fie für eine Jung⸗ 
frau gewefen ‚in welcher der Sohn GOttes Dienfch worden, 
>>, Bon Chriſti Empfangnig , Menfchwerbung und Geburt. 
»3.Bonber Geele Chriſti. 4. Bon Ehrifti Taufe und Ber 
»fischung inder Wuͤſten. 5 Von Ehrifti irdifchem und himm⸗ 
„lilihen Fleiſch und Blut: 6. Bon feinem leiden und Gter> 
Zben. 7. Bon feiner Auferſtehung. 8. Bon feiner Himmel» 
"fahrt. 9. Bom 9. Pfingſt Feſt und Sendung des H. Geiſtes. 
10. Von Chrifti Wolthaten ‚und wie wir und dargegen vers 
‚halten follen. Alles aus J. B. T. Schriften gezogen und in 
»203 Zitulgefaflet. Der v1. Theil. Eine Pforte, welchedie 
Welt noch nie gefeben. A 
Pag. 100 ftehet diefe Frage und Antwort in Marg. „War- 
„um Chriſtus nichts eigenes gehabt ; Antwort :WeilEr nicht 
"nach eigenem Willen begehrte zu leben, wie wir mir Adam. | 
”° Pag. 296 fihreibet Colledtor : „Das Dpfer Mefia war ' 
nichts andersalsdie Aufopferung des eigenen Willend und 
' „ber Selbheit, welpen Adam in das gange —— Pr i 


— 





[9 


von J. B. Leben nd Schriften. VI. 125 
„Ablechre durch feinen Fall und Ingeborfam eingeführet hat: 
te; Der ward alhie durch Meßiam GOtt wieder aufgeops 
»fert, —— Wille in uns wieder leben ſoll und kann. 
„Pag. 359. Wenn wir hoffaͤrtig und zornig find, leben mir 
min der Hüllen; nach der Liebe, Demuth und Sanftmuth 
„aber im Himmel. 
| Titul des 7. Theils, 

„Bon Chriſti Teftamenten, der H. Tauffe und H. Abend- 
„mabl. Item, vom alten und neuen Teffamente, wiefie im 
„Grunde zu verftehen , was fienußen , wircken, und wie fie 

genoffen werden. Aus rechtem Grunde durch Diez Princi« 
»pia Goͤttl. Weſens furgeftellet, den Kindern JEſu Chriſti 
»zueiner Nachrichtung. Item von der Abfolurion, ſamt 
„dem Slaubend-Baum , und wie der Menfch Fönne Ein Geiſt 
— an ſeyn und GOttes Werck wircken. J. B. T. der VIL, 
eil. 


Titul des 8. Theils. 
„Don ber Gnaben-Wahl oder dem Willen GOttes uber 
„die Menichen, das iſt, wie die Spüche H. Schrift zu verſte⸗ 
ben ‚ind „welche vom gefallenen verderbten Adam, und 
denn von der neuen Wiedergeburt aus Ehriffo handeln. 
J,B. T,deg-VII, Theil. | 
Diefes find die Titul aller Theile, welche indgefamt 12 Al⸗ 
phabet und 15 Bogen groß find ; hatten mögen wegen ded weit: 
lauftigen Druckes aufı, oder 2 Alphabet geben. Welches 
der Colledtor, al$ der Sachen unerfahren , eben nicht beaus 
get, und fichet man vielmehr deffen Fleiß und Liebe daraus, 
dabey er Feine Koften geſparet. Echeinen in den Fahren 
1652 und folgenden gedrucket zu ſeyn. In Berkii gedruckten Ga- 
talogis von a0. 1663 findet man diefe Colledtanea fihon in Holz 
land angeführet. | 
17. Mit der Edition von Ao. 1715 Famabermal ein Auszug 
diefer theuren Schriften herfür in Quarto, den man vermuth⸗ 
Sich unternommen , da der Druck von Ao. 1682 fehr rar und 
theur geworden, und man nicht gebacht, daß fo bald wiederum 
eine neue Auflage heraus kommen follen; anderer bekanten 
- Motiven zu geſchweigen. Es waͤre aber zu wünfchen gemes 
fen, daß man die Einfalt bes angeführten jungen Richters ges - 
habt, undfich an des Autoris Worte gebunden, wann man 
das Talent nicht gehabs , deſſelben Geiſt inder — zu 
olgen. 


» 


dh a 1. A EHE N e. ’Y a. A le ug en. Q ATERN Bi 
26 Ausfuͤhrlicher Bericht 
‘ folgen. Da man denn as vielen Orten in fremde Concepte 
gerathen und Ideen gefchöpfet, welche in des Autoris Geiſte 
und Grunde fich nicht finden und pure Finſterniſſen befunden 
werben , wie einem erleuchteten Gemuͤth, daß den Geiſt J. B. 
infich hat, bey dem erften Auffchlagen erkennelich iſt Wels | 
chem nach diefe Arbeit ihrem Autori billig zurück gegeben wird, 
Damit er fich tiefer in dem Geiſt damit gebaren möge. 

18. Ware alfo eine hinlangliche und zu verlaßige Nachricht 
von den Umftanden dieſer Theoſophiſchen Schriften, denen 
anfänglichen Liebhabern derfelben zu Liebe, mit beygefuͤget; 
daraus man mit den Gemuͤthe bald wieder gehet und ich viel 
lieber an unfer® Autoris hoben Geiſtes Gabe felber erquicket, 
wozu mir dem Chriftlichen Leſer des H. Geiſtes Segen treu⸗ 
fich anerwuͤnſchen, zum Lobe GOttes! Amen, 


VII, 
Catalogus 


Der Driginalen Hand Schriften und 
Erſten Eopeyen der fantiichen Schrif⸗ 
ten des fel. Sacob Boͤhmens. 


IS find diefe Driginale Hand⸗Schriften und erfte Copey⸗ 
en der Schriften fel. 3.2.v0n dem Hd: n. Abraham von 
Beyerland Weyland colligiret, atıch bey deflen Er⸗ 

ben bis ind 3. Geſchlecht, vermoͤge feines hinterlaffenen Be> 
ehls, forgfaltig aufbehalten, bis fie auf Intercefion guter 
Freunde, und gegen genugfame Berficherung, daß fie der 
Verordnung des Hrn. von Beyerlands gemaß,mol verwahret 
‚bleiben folten, dem Verleger der Edition von Ao. 1682 über» ⸗ 
faffen worden: welcher diefelben auch , fo lang ergelebet, gut 
genug aufgehoben ; feine Erben aber haben fie verwahrloſet, 
daß fie auch nach ihrem Tode öffentlich in die Welt verkauffet 
worden, in Jahr 1728; da fichs denn durch SOttes fonderbard . 
Fuͤgung begeben müffen, daß fie in September deffelben Jahrs 
durch bie 2. und 3. Hand an den Hrn, J. VV.U.in Leydenfäufe | 
Lich zurück gefommen.E8 befinden ſich demnach unter deufelben 
| DER LBDie 








von z.B. Leben und Schriften. Vll. 127 

I. Die Autographa , oder des Autoris Driginale 

| eigene Hand. 

Deffen 1. Buch, Aurora, oder Morgenroͤthe, welches durch 

Dr. Paul Scipio, Bürgermeiftern in Görlitz nach fieben 

und zwantzig⸗ jaͤhriger Verwahrung aufden daſigen Rath⸗ 

hauſe, den 26. Novemb, ao, 1641 dem Chur⸗Saͤchſiſchen 

Haus: Marfchallen in Dreßden, Herrn Georg von Pflu⸗ 

gen auf Pofterftein, überreichet, und aus deflen Hand fer> 
ner im folgenden Jahre, durch Herrn Henricum Prunium 
anden fel. Hrn. Beyerland in Amfterdam gelanget, Bes 

"findet ſich in einem faubern Bande. 

2. Ehrifti Teftamente, vonder Taufe und Abendinahl, durch 
den Autorem fürs zweytemal an vielen Orten verbeffere. 

3. Apologia wieder den Primarium zu Görlig, Greg, Richter, 
melche Herr HZans Robt, Advocar dafelbft, gedachtem Pru. 
nio zugeftellet, der folche an Herrn Beyerland überlaffen. 

4. Geſpraͤch zwifchen einer erlenchteten und unerleuchtes 
sen Seelen, durch Heren von Frankenberg a0, 1639 an 
Herrn Beyerland gefandt. | 

5. Bon wahrer Belaffenheit. 

6: Das Geber-Süchlein. 

7, Die erfte Apologia wieder Balth. Tilfen, incomplet ; kam 
auch durch Prunium an Herren Beyerland. j 

8. Kin und viergig Sendbriefe, worunter 25 durchianderer 
Perſonen Beytrag darzu gekommen. 

II, Die Apographa oder Abfehriften der Drigings 

lien, durch verfchiedene Scribenten. | 

r. Die erften, richtigffen und mit den Driginalien nachaefehe- 
nen Eopeyen waren bey dem Edlen Herrn, Carl und Mi⸗ 
chael von Endern, Bebrüdern, unweit Goͤrlitz, zu Zeut⸗ 
holtzhayn auf dem Lande feßhaft, mo fie anfangs beyſam⸗ 
men berubeten. Diefe Liebhaber Chriſti lieſſen die eigene 
Hendichrift des Autorid, wenn ı, 2, oder 3 Bogen davon 
vorhanden geweſen, alsbald abholen, fchrieben dieſelbigen 
ab, und ſchickten ſie fo danı weiter fort an andere, die auch 

. „dergleichen getan, mie anderswo gemeldet worden. 

2. Unter diefen Dit-Eopiften war. infonderheit der. naͤheſte 

Herr Ehriftian DBernberd, ein junger Öefelle und fpecias 

ler Correſpondent J. Boͤhmens / auch Sn 

Sagan, 


x 
= 


TE Alan == Harn a an # in dh \ 


28°. AusführliherBeridt ı 
Sagan, welchen Dr. Balıb. Walter ao. 1617 in des Ar 
toris Kundſchaft gebracht, und weſſen Lebens⸗Zeit fich bis 

. A0.1649 erſtrecket. Da er nun niche findiret hatte, bat ex 
fich von Wort zu Wort an die Vorfchrift gehalten und 
nichts daran geandert, dergeffalt , daß man fich auf feine 
Treue verlaffen kann, eben ald ob es die Driginalien ſel⸗ 

ber waren. 

. Here Hans Robt von Baumgarten, Advocat zu Goͤrlitz, 
einvertrauter Freund I. Boͤhmens, der demfelben bis an 
fein Ende treulich beygeffanden, auch im Namen der Witz 
wen, der Beerdigung halber eine Supplication an EE. Rath 

zu Görlitz aufgefeger und übergeben , verfertigte auch ei- 

nigeAbfchriften. Nach Ableiben befagter Herren Gebrüs 
dere von Sendern, fielen ihm meiff alle nur erwehnte MSta 
vornehmlich zu, gleich fie Herr Ehrenfried Hegenicius, Pa- 
tricius und Rathsverwandter der Stadt Goͤrlitz, beyfam- 
men bey ihm gefehen; laut feines obangeführten Berichts, | 

. N. IV. ehe fie nach Holland an den Herren von Beyerland 

gekommen. Alhie zu geſchweigen, was nach der Zeit durch 

andere noch hinzugekommen, wie hernach folget. 
Und dieſer Herr Hegenicius iſt der vierte Copiſt, von def: 
fen eigener. fihönen Hand man gar faubere Abkchriften von 
verfchiedenen Tractaten bat. Nachdem nach des fel. 
Autoris Abſterben einige Jahre verlauffen waren, fanden 
fich noch andere Liebhaber der Söttlichen Gaben , die aufs 
neue die Abfchriften der. Eleinern Tractaten J. B. vor die 
Hand nahmen, ſowol um ihrer Erbauung willen, als zum 
Die des Naͤchſten. Unter denfelben waren die bekan⸗ 

teften : 

5, Herr Henricus Prunius ‚Medicinz Candidatus ‚von Hirſch⸗ 

- feld in Heſſen gebürtig , welcher ‚alder a0. 1638 aus Ita⸗ 

lien retournirete, mit einigen guten Freunden fel. J.B. fo 
bey Börlig wohneten, in Bekantfhaft Fam, und von ihnen 
einen ziemlichen Theil der Schriften erhielt, von welchem 
er eine völlige Specificarion hinterlaffen hat. Wahrender 
o er nun in Abcopirung verfihiedener Tractaten begrifs 
fen war, bediente er fich dabey Durch vertraute Gorrefpons 
den& der guten Anweifung Herrn Johann Dietrichs von 
Tfehefeh , Fuͤrſtl. Briegifchen Geheimen Raths, erft zu ! 
Brieg, und darnach , wegen der Troublen, zu Dantsig 
mo 


u) 


> 


ne Dr zei 


u 
- N 





von J. B. Leben und Schriften. VII 129 

wobnbaft; aldan welchen er in Italien befant geworden, 
bey Gelegenheit eines Tractats vom wahren Lichte, 
welchen bemeldter Herr von Tſcheſch im Divinal zu Padua 
gefchrieben,, und Herr Cafpar von Gersdorffen, der fich 
damalen zu Venedig aufbielte, verehret. Mit deffen Ges 
nebmbaltung Prunius auch ao. 1640 viele Manuferipta , füs 
mol Originalia ald Eopeyen, an Heren Beyerlandin Pers 
fon nach Amſterdam überbracht, Gleich wie nicht lange 
darauf, nemlich ao. 1642 im Novembr. Herr Abr. von 
Frankenberg eine Reife von Dantzig aus zu Schiffe nach 
Amfterdam unternommen, und die übrigen Autographa 
famt andern Manufcripten , befonders die correeten Exem⸗ 
plarien in Folio, vom Myfterio Magno, zum Perfent mits 
genommen. Die legten Jahre über bat fich gedachter 
Prunius bey obbeſagten Churfl. Saͤſchſiſchen Haus⸗Mar⸗ 
ſchalle, Herr Georg von Pflugen auf Pofterfiein zu 
Dreßden meift um der Stalienifchen Sprache willen auf: 
gehalten , welchen Herrn er ald einen fehr Chriſtlichen Vor⸗ 
fteher der Wahrheit beſonders ruͤhmet. 

6. Ferner iſt zur felbigen Zeit Hr. Wilhelm Schwarg, ein 
Buchhalter in ber Nabe wohnhaft, der eine gar sierliche 
Hand gefchrieben, mit und neben Prunio in Berfertigung 
der Copeyen engagiret geweſen, weſſen ſchoͤne Hand in den 
Kleineren Tractaten, infonderheit ineinigen Epifteln Autos 
ris, recht zu abmiriren iſt. o 


7. Auffer diefen hat man noch einen andern Kopiften, der 
bey Herren Abr, von Sommerfeld Gerichts-Schreiber 
geweſen, und fur demfelben die Aururam , die 3 Principia, 
drepfach Leben, 40. Fragen ꝛc. in den leßtern fahren, in 
Folio-$ormat , aus den andern Manuferipten,, mit groffen 
Fleiß zwar fauber abgeſchrieben; dabey aber bißmeilen mehr 
auf die Zierde des Styli, ald auf des Autoris gemöhnliche 

- Schreib-Art reflectiret: da nicht ohne, daß der Senfus Aus 
toris vieler Orten alteriret worden, darüber auch der fel. 
Beyerland geklager; fo -iedoch auch aus andern Copeyen 
redreßiret werden Finnen. Won dergleichen Copiſten nun 
ſiur die Manuferipta zur folgenden Anzahl erwachſen. 


i 11. Saͤmt⸗ 





0 Ausfuͤhrlicher Bericht | 
IM. Sämtliche EspeyeninMSto: 
Diefelbigen find meiſt in fehönen Pergament-Bänben, fo 
wol in Folio, aldin Quarto , Odavo und Duodecimo befinds 
lich; und zwar, nach der Drdnung ber gebruckten Werde zu 

„geben, ſo hat man | 

2% Don Aurora neben dem Autographo noch 4 befondere los 

peyen, von ben erſtern und nachfolgenden Adfchreibern, 

2. Die 3 Principia haben ebenfalls 4 Eopeyen von den erſten 

Abſchreibern, und noch von einem andern. 

3. Vom dreyfachen Aeben hat man 5 Manuferipta , von chen 
biefen Männern, und nach einem Unbekanten abeoyiret. 

4. Von den go Fragen der Seelen haben wir gleichfallg 4 Co⸗ 
peyen, Darunter ber fleißige Prunius ietzt zumerfienmalmie 
vorkommt, und noch ein anderer. Ä Ä 

Bon der Philofopbifcben Kugel find nebft derfelben 4 
| Copeyen von den erſten Schreibern, dabey von Herrn 
Hegenicio. 

Dad umgewandte Auge, ober Bildniß der Seelen bat 

auch 4 Eopeyen, fo von den erſten Schreibern und Pru- 
dr nıo, 

5, Bon der Menſchwerdung JIEſu Chriſti find 4 complete 
und meiſt correcte Manufcripta aller 3. Theile vohanden, 
worunter der 1. Theil amal von Prunii Hand, und der 3. von 

einem andern. J ee 
‚6. Bon den 6 groffen oder Theofopbifchen Puncten find 4 
 verfchiedene Copeyen, worunter die von H. MFichaelvon 
Endern mit Recht den Namen ber allercorrerteften vers 


| 
y 


— 


* 


re 1 | | Y 
7. Die 6 Eleine oder Myſtiſche Puncten haben auch 4 Co⸗ 
peyen ber belobten Seribenten, und darunter beſonders die 
ſchoͤne Hand ſel. Wilhelm Schwartens. 
8. Irdiſch und himmliſch Myfterium beſtehet in 5 Copeyen, 
von der Hand deserften Schreibers auch der Herren Hege- 
nici und Prunii, 
9. Der Weg zu Chriſto: | 
1. Bon wahrer Buffe hat 2 richtige Nbfchriften. _ 
-2, DePonitentia, oder Schlüffel Goͤttlicher Geheim⸗ 
niſſe hat auch 2 bergleichen. 
| 2, Von 


di 


von. B. Lebenund Schriften. vIL. 137 
3. Vom heiligen Gebet, iſt das Original vorhanden nebſt 
2 Abfchriften, wor unter die von Prunio, 
3 J wahrer Gelaſſenheit find nebſt dem Original 2 
Sopeyen. | 
4: Bon der Wiedergeburt ifFein corrected Exemplar, 
5. Vom uͤberſinnlichen Leben find auch 2 Copeyen. 
6, Göttliche Beſchaulichkeit Hat 3 gute Copeyen. 


7. Das Gefprächeiner erleuchteten und unerleuchteten. 


Seelen begreift über das Autographum noch 2 Eos 


r peyen, 
8. Die vier Complerionen haben 3 gute Eopeyen. 

10. ‚Apologia wieder Balth Tilken befteher in 5 Abſchriften, 
wovon die ı. und 2. beyſammen find , und die andern iede 
befonderd, ohne das Original, 

it: Bedenden über Eſaias Stiefels Büchlein, 2 gute Co⸗ 
peyen. 

«2. Bom Irrthum Stiefels und Meths 4 MStadon den 
erften Copiſten und Prunio, 7 


13. Apologia wieder ben Primarium, Greg. Kichter, bat 


nebſt dem Original noch 3 Copeyen von Heren Michaek 
von Endern, Prunio, &e. | 

14. Signatura Rerum enthält 2 Copeyen, wovon die eine vom 

des Heren Michael von Endern Hand, 

5. Von der Ensden: Wahl find auch 2 Eremplarien von den 
erften Copiſten. Kae 

16, Die Teftamenta Chriſti vonder Taufe und Abendmahl 
heſtehen über dag Autograpkum noch in 2 befondern Co⸗ 
zeyen, deren eine von ben erften Abſchreiber, ehe fie der 
Artor emendiret bat: und die 2. bat Herr Beyerland nach 
derſelben in Ampfterdam ſehr fauber abfchreiben laſſen. 

Noch findet fich von der Tauffe eine befondere Copey. 

37. Myfterium Magnum iffin 4 Foliant-Abfchriften Befindlich, 
beren bie 2 erſte Abſchreiber ieder ein Exemplar copiret. 

Das 2 ließ Here Joh Sigmund von Schweinich auf 
ſehr ſchoͤn Papier für ſich ſauber abgeſchrieben, und ver⸗ 
guilber koͤſtlich einbinden; und dieſes Exemplar uͤberkam 
Darauf Here Abrabam von Sommerfeld, nachdem ed 
deſſen Neffe, Here Abraham von Frankenberg erhal⸗ 


"a0. Welcher Letzters noch oßnedem fein eigen correctes 
3 i® Em 


132 Ausfuͤhrlicher Bericht 


Exem ** ‚dem Original gang conform , zur Se "ER s 

und da er dem Publico damit dienen wollen, überbrachte 

er beyde perfönlich an oftbefagten Heren Beyerland in 

Amfterdam. Eben bieraus haben mir nun die viele und 

nuͤtzliche Berbefferungen i in das Werd der nenen Auflage 
noch eingebracht. 

8. Göttliche Offenbarung i in 177 Theofophifchen: Fra⸗ 
gen, beſtehet in 4 Copeyen von Prunio und andern geſchrie⸗ 
ben. 

19. Tabulæ Principiorum enthalten 5 verſchiedene Gopeyen 
der erften Scribenten, Prunii und anderer. 

20. Die Claves und Explicationes Terminorum findet man 

ing Abſchriften von verſchiedenen worunter eine von des 
Herrn J. S. v. Schweinich eigener Hand. 

21. Theoſophiſche Sendbriefe, i in Folio-Quarto-Odtav- und 
Duodez - Banden, fomol Originalia als & wa. an ber 
Zahl nunmehro 74 und mehr. 


IV. Andermweitige Maniferipta, | 

Es follen noch andere Manuferipta in Herrn Benedict Zins 
ckelmanns Haͤnde nach Dreßden gekommen feyn, von wel⸗ 
chen man einen Extract, aus feinen Theolojzifchen Büchern, 
r (nunmehro i in der Fcſu. Btaunfchm.Bibliorhec zu Wolfen⸗ 
„. büttel)debitivet.E8 ſtehen zwar unfereßefchicht- Schreiber, 
und darunter der Koͤnigl. Schwediſche Agent, Herr Michack 

. ‚le Blon, zu, daß die 3 Principia famt der Graden- Wahl, dem 


Herrn Yindelmann auf einige Weile zugefommen; wes _ 


gen der übrigen aber fragen fie Bedenden, fuͤrnehmlich in 
Abſicht des groffen Werks über Gain, Myfterium Ma« 
gnum, und der 6 groffen Puncten; welche bepde Original« 
Asta in einer ‚befondern fo genanten Truhen oder Kaſten, 
nebft andern ſchoͤnen Schriften verwahret dem Heten Abr. 
von Frankenberg, bey damaligen Krieges⸗Laͤuften, auf ſei 
nem Adelichen Sitz Ludwigsdorff, am Sonntage Judita, 
20.1634 von den Soldaten geraubet und nach Dreßden 
„gebracht worden. Dan hielte davor, daß obbefagter Zins 
celmann folche Truhen mit den Büchern an ſich gefaus 
fet, fo er aber auf Befragen nie geftehen wollen, fondern 
beſtandig race Dennoch baben beydes, Seen 
berg 


4 
| 





von J. B. Leben und-Schriften.VIL. 133 


berg und Prunius, vornehmlich der legtere. in loco, die 
Refticution bey. Hindelmann urgiret, fo ferne er es haben 
möchte; aber nie etwas effectuiren koͤnnen. Dahero man 
in der Ungewißbeit iſt, wo fie mögen verborgen liegen, 
und würde auch fo lange ungewiß bleiben, bis ein Kenner 
der eigenen Hand des Autoris folche geſehen haben möchte, 
davon urtheilen zufönnen. » Doch tröftete ſich gedachter 
. Herr von Frankenberg, daßer über dag Original anncch 
ein fehr corrected Exemplar der genaueften Abſchrift Mytte- 
zir Magni habe, welches er albereit verbotenus mit dem 
Aütographo. conferiret, und demfelben gang gleichfürmig 
dargeſtellet. Wie cr dann im Fahr 1642 darauf Gelegen⸗ 
beit gehabt, zugleich mit feinem Oheim, Herrn Abr. von 
Sorerfeld,(welcher die Schriften J.B. durch feinen eigenen 
Schreiber abcopirt, zu feinem Gebrauch ſaͤmtlich beyeinans 
der gehabt) aus ihrer beyder Eremplarien das a0: 1640 
in Amfterdam hochteutfch : gedruckte und vom Herrn 
Beyerland ihnen communicirte Myfterium Magnum , mit 
groffem Fleiß zu. corrigiren , und.die angemerckten Errata 
darauf Extradtts-meife- an den Herrn von Beyerland zu 
überfenden ; wovon die eigene Hand ſowol ald die beyden 
Exemplafia M6ta. Myf. M. nunmehro unter uns beruhen. 
Eo haben wir auch unter unferm Vorrath die vom Auto- 
ze verbefferte- Sechs groſſe Puncten, vonder Handfchrift. 


Herrn Michael von Endern. Können-mithin mit Rech = 


fagen , daß und an den drey Principien und der Gnaden⸗ 
Wahl auch. nicht. daS. geringfte_abgehe, wenn wir dem 
groffen Nugen erwogen, welchen wir. aus folchen Copeyen 
erlanget, diedenen Driginalien gang conform find.. Noch 
find wir mit ber eigenen: Hand des Autoris; von, Chriſti 
Teſtamenten, durch. ihn jelber an vielen Orten merstlich 
verbeffert, begluͤcket worden; wie auch mit dem. Original 
des Gebet-Süchleins.. Und endlich erfegen unfere 4 a5» 

malige Copeyen ber Fleinern Tractatlein des Aucoris , als 
les genugfam, was etwadesfalls einem einfachen Autogra- 
pbo fur ein Gemicht bepgelegt. werden möchte. 

2. So befinden fich auch noch in der Fuͤrſtl. OR: Sriefle 
feben Bibliorbec zu Aurich drey Msta von den erften Co⸗ 

x piften, welche ver Autor, wie man dafür halt, felber Er 
“ 5 i3 ir 


*2* EHRE Her a a 
MR ' 2. ' 

14 Ausführlicher Bericht se. | 

diret hat, nemlich ein nicht gang completed dreyfaches 
Leben, die 40 Fragen von der Seelen, und bag Tra⸗ 
etälein vom irdifchen und bimmlifchen Myſterio, iedes 
in Quarto, und im gefchrieben Pergament eingehefter, nach 
Inhalt zuverläßigen Berichtd, von gewiffer Hand- Und 
äft zu vermuthen, daß gedachte MSta durch den mehrma⸗ 
“Sen angezogenen frommen JCtum, Herrn MWerdenbagen, 
dahin werden gelanget feyn, und daß felbige 40 Fragen 
wol eben dad Exemplar gemefen, deſſen er fich in der 
Br zu feiner Pfychologia vera bebienet bat. Zum 
eſchluß ſey GOtt berglich gedancket für feine groffe 
Woltbat, die Er dabey bewieſen. Er wolle im Segen das 

mit ſeyn ietzt und immerdar! Gegeben Keyden 
den 3. Februarü 20.1729, 








Libellus Emendationum, 
 Serzeichmiß 
SSieler Verbeſſerungen 


piefer neuen Auflage, 


Theils nach des Autoris eigener Hand,theils 
nach den alleralteften und bewaͤhrteſten Copeyen, 
svelche von feinen verfrauteften Freunden und 
eriten Liebhabern gefertiget worden. 


Em geneigten Lefer dienet zur Nachricht, 
daß fich viele wichtige Aenderungen, die 

2 einen gang andern Sinn des Beiftes ge⸗ 
ben, hier befinden, und nicht wenig manz 


gelhafte Stellen erganget find. So wird ferner 


auch Daraus zu erfehen feyn, was diefe neue Edition 
fonft noch fr anfehnlichen Zuwachs oder Beyfuͤ⸗ 
sungen, und andermweit verbeflerte und richtigere 
Mage bekommen. Zivar find einige wenige Derter 


von den vorigen Editoribus, um beffern Zufammen> 
hangs willen, mit Fleiß geandert worden, und Dieje 


hatten wir auch wol fo laffen koͤnnen: wir halten 
aber dafuͤr, die rechten Kenner werden es uns Danck 
wiſſen, daß wir den Text, fo wie er in den Origina⸗ 
lien ftehet, ohne eigenmaͤchtige Criſin hergeſtellet 
haben; da die in vorigen Editionen geſchehene Aen⸗ 


derungen ſich in dieſem Verzeichniß auch befinden, 


und von einem gelehrten und eurioſen Liehaber als 


lectiones variantes, deren man auch im Text ſelbſt 


i 4 | ders 


Bin Pe, — ei ae 
3 $ - 


135 Verzeichniß er 
verfchiedene eingefchalter, mit Vergnügen Finnen 
gebrauchet werden. Ein Erempel ift im Wege zu 

Chriſto vom H. Gebet $ 6. lin. pen. Da in den 
vorigen Editionen ftehet: Wie wir darinnen 
find ꝛc. wofür wir gefeget: Wie er fey darin- 
nen ꝛc. ob es ſchon nicht fo gut mit dem vorhergehens 


den zufammen hanget. Die Einfalt des Autoris 


batte es aber fo hingefchrieben , darum wir es bils 
lig fo gelaffen, wie in andern dergleichen Stellen 
mehr, zum Beweiß der Aufrichtigkeit, womit man 
in allem zu Werck gegangen. Solten fonjt einige 
wenige Stellen in dem Drucke, nach Anweifung 
dieſes Verzeichniffes, aus Derfehen nicht geandert 
feyn: wolle es der geliebte Lefer felbft, nach Gefal⸗ 
len, bewerckſtelligen. 


Erflärung 


der in dieſem Verzeichniß vorkommenden 
Abbreviaturen. | 

a, heiffet bier addirum, und bedeutet, daß dasjenige, fo darauf 
folget, eine Zugabe fey, die fich in Diefer Edition findet. 

d, oder del. heiffet deletum , und bedeutet, daß das darauf fols 
gende in diefer Edition weggelaſſen fey. - 

f. beiffet für, und bedeutet, daß das auf dieſem Buchſtab fol: 
gende verandert fey in das, fo vor demfelben bergebet. 

ule, heiffet ultima linea, und bedeutet, daß das Wort auf der 
alleriegten Zeile zu finden fey. 

pen, heiffet penultima linea, und bedeutet, daß das Wort 
en der Zeile zu finden fey, die oben über der allerlegten 

ebet. 

a fin, heiffet a fine, und bedeutet, daß man die Zeilen von un: 
ten auf zu geblen babe. 

Die Zahl, fo vor 1. oder linea (d, i. geile) ſtehet, zeiget ben Pa- 

. ragraphum oder Vers an. 


More 





der Verbefferungen. 137 
Morgenröthe im Aufgang. 

Orrede S. 44.1.9. poft gut war; add. Und wie der 
Baum war. Cap- 1. 6.9.1.7. Grimmigfeit add. der Hiße. 
cap. 3. 8.6. 1.6. hungert a. ſtets. 37.1.13.14. Kichteg, 

a. denn der Leib hilft allen Gliedern in Erkentniß des Lichtes. 
cap: 4. $. 10. 1.10. allerley a. irdifche. cap. 6. $.5.1,2. von 
Emigfeit a. zu Emigfeit. 24. 1.6. “Jacob a. hatte. cap. 7. g. 
24.1.2. Kraft a. und Glan. cap. 8. 6.14. 1.2. ob fich denn 
f. oder wie. 84.1. 6. alle a. heilige. cap. 10. $. 4.1. ı. und 
f. oder. 8. 1. 1. oder a. die. cap. 11. $.7. l.ı. alle 7 a. quell- 
21.1.5. Geiftea. alles. 42. 1.3. Licht a. nicht. czp, 12, 6.62. 
1.6. das a. alte. 96. l.ı. oder a. dem. 108. 1.3. bedeutet a, 
recht. cap. 13, 5.16. 1.3. Kaufmann a. Fönnen. 76. 1, 3. oder 
a. Ein 80.1.1. odera.der. 1o0.1,1. König a. Pucifer. 122, 1,7, 
dena.gleich 131.1.2.3. Ealter, a. harter, bitter, bigiger, ſau— 
rer. cap.14. S.4. 1.9. Leib a, ſchon. 7. l,ule. und a, dep. 32. 
1.5. einbligend f. einen Blig und. 33. 1.3. auch a. alle, 36. 1. 
30.31. Trage f. Schrift. 87. 1.3. wehren? a. dieſes iff der 
Kern. cap. 15. $.58. 1.7. fteigerf. ſtehet. 67. 1.3. oder a. die, 
cap. 16. $.84. l. ult. gefchaffena. war. 92. 1.2. gemefena. ſey. 
cap- 18. .5.1. 2. Unterweiſung a. dem Leſer. 29. 1,3. gang f. 
EHtte8.37-1.2. alſo iſt a. auch. 41). 5. Himmel: a. Reich. 60, 
l,ı. mitten a.oben. gı. 1.1. iffa. gar. 103. 1.4. gefaffeta har, 
114. l,ult, gerne a. außeigenem Willen. 123. 1.5. anbeten, a. 
es iſt nicht das Hertz SOttes, fondern es ift ein angezunder Licht 
inder Natur: cap, 19. $.53. l.2. dann a, ein. 57.1.3. fagen, 
a. daß ber Tod darinnenfey ; hingegen muff du auch fügen. 95. 
1.7. docha. nicht. 98.'.4. aucha. gar. cap. 20,v. 11.1.1. meis 
net a.1mol. 29. 1.7. Luft a. an zufehen. 30. 12.3, vernuͤnfti⸗ 
ger f. verſtandiger. 46. 1.6. ifta.imSeuer. 48 1.3. gefpros 
chen a. hat. cap. 21. v.ıro. 1.2. dir a. bier. 12.1.6. Gift f. 
Geiſt. cap. 22. 5.3. 1.3. ſtehet a. dir. 34. l.ult. derſelbe f. der. 
72. 1.4. gingen a. um. 73. ]. 2. mit f. mitten. 87. 1.7. Einer 
1. feiner. 88.1.3. Zorns a. GOttes. 103. 1.ı. kalt f bald, cap. 
23. 8.23. 1.5. faſſeſt f. verfteheft. 24. 1. ı. ‚bier: f, ten. 39. 
1.4. verriegelt a. fondern. 47. 1.2. dreyf.diez. 83. 1.7. un- 
recht a. alle. I. ul. darzu f. und. 94.1.4. ernfien f. äufierffen, 
cap. 24. 9.53. 1.4. Leben a. GOttes. cap. 25. $.25. I 9. vor 
Zeit f. den Zeiten. 31. 1.4. gleicha, wie. 97. Hr. hata. aber, 

is 106. 





BB. Verzeichniß 

106. I. 2. Mile f. Bilde, cap. 26. $. . l; 3: undf. oder. 68. 

1.3, mitf mitten, 70.12: feinenf,den. 114. 1.3. Maſſa a. 

ſchon. 124. 1.2. erftarbfi erſtarret. 138. 1.7. das Hergea. 

GOttes. 1.11. Befchluß des Autoris a. Epift. 10:38. - 
Drey krincipia Gottliches Weſens. 

Fit ohnurſpruͤnglichen f. ohn Urfprung. (2) webet f. 
ſchwebet; ( den f.er. . „mwordena,ift. Borr. 5.4.1.4. ſey; 
a.und l.ıs. feinera, ewigen. 1. 20. feiner f. fein. 9.5. 1.10. 
felber , fo mol f. ſelbſt und. 1. 11. dief. eine. 6.1.3. gehalten. 
balten. 8, 1.2. von wegen daß f. weil. 9. 1.4. haben (al. fra> 
gen) 10.1.2. garhochnöthig. 1.9. Pein a. ja. ır.].ı. mwira, 
daß wir. 1.2. lernen felber kennen. 12.1.3. welche f. und. 1.8, 
treuen f,thenren. 3. l.ır. fey? a.und. I. 14. alesa. des. 1, 
ar. wiea, zu ſehen, das ſolches .. iſt. 14. 1. 1. folchesfür 
dis. 1.6. wiederwillige a. gehoͤret. 15.1.3. was a. die. 1.4. 
Wollen oder f. Wallen und. I. pen. einem Ingedenck f. einer 
Erinnerung . . . und a.zweiner. 17. 1,2. wohnet (ledet) 19. 
1.5. Rechenfchaft a. haben und. cap.ı. 5.2, 1.5. ſtehet f. beſte⸗ 
bet. 1,8. ernftliche f. ängftliche. 3. 1.ult. ſiehet f ſuchet - . - 
und f.oder. 6.1.4. das f. es. 9. l.ule, oder ein fund. 15. ). 3 
auch a.chen. cap.2. 5.1.1.6. vitæ a. das iff. 2.1.3. worden 
a.da8 iſt. 1.5. darausa.fieift. $. l.ule. einander a. und ins 
einander. 9. 1.10. Blitz, (Schrack.) 1.4. aFine. die f. ihre. 
11.1.8. Triumphf. Triumphiren. 12. 1.1. dann a. ein .. 
Piche-Koften f. Liebe-Koſen. I. pen. allein a. eine. cap. 3« $. 1, 
1.1. Schriften f. Schreiben. 3. 1.4. einer f. der. des f. eines, 


1.18. ängftlichen Cernftlichen) 4. l. i. lange a. und viel. 6- L 


“pen. und a. auch. 7. 1. 8.9. vergönnenf. mißgoͤnnen. Ges 
henden a. nicht. 8. 1.7. deſſen f. des. ı2. 1.4- verwandelt a. 
morben. 14. 1.5. und a. die. 15. 1.5. einem a. neuen. 20. 1.7. 
Centrum a. in fich. cap. 4. $.3. 1.8. führen, a. wieer der He- 
„vagetban.'l.ıo. gethan f. fich fihameten. 1.15. als a daß. 4. 
"14. wärea.nım. l.pen. und GOtt a wäre. 13. 1.2. Paren- 
> thefis, 5.17. vorne: Folget weiter das Kapitel. 1.g. Geftalt, 

averftehe nach der Bildniß. 29.1.3. Sternen f, Steinen 43. 


1.5. betriegen f. betrüben. 44. 1.8. Welt a. im Urkund. 49. 


1.2, vom f. dem. 50.1.13. gleich a. als. 51. 1.5. iſt ihr erikf 
ift er, 52. 1.2. ſcharf a und. 54. 1.3. denn a. ein. 56. 1. ». 
Tieffe a, nicht. 66. l.ult. Folget a. alſo. 70. J. in pen. ausf. 
| TUR von 


9 





der Berbefferungen. 139 
von. capı 5. $:3. 1.2. ewigen a. Geburt und ungertrennlichen, 
ewigen. 4.1.5. Verfolgung a. gerne. 7. l.ıo. Erbebung a. 
Herr. 8.1. 2. Anfang (Aufgang) ıı- I. 3. geſaͤet f. geſam⸗ 
let. 23. 1.3. Herbigfeit f.Bitterkeit. cap. 6. 5. 1.1.12. Häte 
tigkeit f. Herbigkeit. 18. 1. 2. geſtirnten Himmelsf. Seffirng. 
cap.7. 9.2, 1.14. unabtheilig ( unabtrennlich.) 7. 1.6, Pa- 
rentheſis. 12.1.8. (wuͤtet f. nöthiget-) 14. 1.15. ewigen a: fin- 
ſtern. cap. 8. r.l.ı. Anfang (Eingang) ıo.l ır. man⸗ 
cherley f. ewige. 33. I. ıı. fonderliches f. wunderliches. cap. 

9.2.1.1. Wig und Verſtand f. Willen und Erfentnif. 8. 
7. Wucher f. Ruge. 20.1.4. Wachſam (Weſen) z2. 1.8. 
‚ bie Schrift f. Chriſtus. cap. 10. $.20.1.2. waͤre f. mare. 1.3. 
himmliſch a, gewefen. 25. 1. 2. entfeget (entfärbet) 48. 1.8. 
herrſchen f. Herr feyn. cap. ıt. 8.2.1.3. fehen (denden.) 8. 
1.4. Heiligkeit f. Herrlichkeit. 13. I. pen. lieblich a. oder leib⸗ 
lich. 18. 1.3, Art (Geſtalt) 32, 1,7. mit f. als die. 40.1.4. 5. 
endernf.allen. cap,ı2. $.13. 1.2. fürmwarf a. und fagte- 24. 
!.ıı. Kraft, a. Traume und Fürbildung. 25. 1.5. weder a, 
der. 29. I. 1. Principia a. dag. 1.7. Anfang Ausgang) 30: I. 
6. in des f. in der. 1.7. undf.denn. 31. 1:3. desf.der. 33.1. 
3. Giefdie. gu. I. 1. züchtige Jungfrau fi Zucht der Jung: 
frauen. 45. 1. 8. deine, a. und mein Licht nicht wie deineg, 
60.1.3. Schlange (Schande) cap. 13. $. 17. I. 6. bauetea, 
(am Ereuße) 19. 1.5. Jungfrau a.abermal. J. io. drucken, a. 
Daß das Blut iffgefloffen. 20.1.18: Weibes a, allein. 21. 1.4. 
Lilien a. Zeit. 28. 1.13. iedes a. Dinges. 30. 1. 8. unanfänglis 
hen (unauflöslichen) 32. 1.4. dera.berben. 49.1.4. ſcharf 
(itarb) lin. pen. Saturnus. add, Dieſes gefchiebet im ı. Monat. 
50. lin, pen, Jupiter. add. Dieſes gefchiehet im 2. Monat. sı. 
fin. ult. Mars. add. Diefes alles gefchiehet im 3. Monat. 53. 1. 
z1. zu lefen. add. O Menſch, alhier bedenke dich, wie harte 
du gefangen wirft, und wie du bein Elend im Mutterleibe em⸗ 
pfäheft. Mercer auf ihr Suriften, aus welchem Geifte ihr 
sechten Eönnet. Bedende alhier wol, denn es iſt tief. 59. 
fin. ulr. Sol.a, Diefes alles gefchiebet im Eingang des 4. Monz 
den. cap. $.2. I.2. Anfang. f. Yufgang. 4. I. pen, erfienf. 
böchften. 6. l.ult. thun a. Fönnen. 8.1.1.2. Anfang a und 
Yufgang. 23.1.6. ſich a. mit Gewalt. 31. 1.22. poſt Lande. 
add. (Alhier iſt die Porten, da die Kinder diefer Welt Eiger 
werben als die Kinder des Lichts. O Menſch befinne ibn 


Zr 


140 0 Berzeichniß 
37.1.5. GOttes a. nahet und. 64..I.pen. Willen ( Vorfaß) 
71. L.ır. Freuden⸗ f. Feuer: cap. 15. 9.22.14. Wolluft a. wil⸗ 
len. 34.1.6. das Her im Leibe f. fein Herg in Liebe. 1.18, 
bublenf. Buben . . . janet f. lauft. 59. I.ı2. lebet. add. O 
Menſch bedencke dich alhier, es iſt der gewiffe Grund, vom 
Autore im Licht der Natur erkant im Willen GOttes] 63. 
l. ult. ſtehet cal. aufſteiget.) cap- 16. 9.28. 1. pen. Sternen: fi 
Streit: 44.1.4. feinem a. feurigen, 48.1. 2. Höllen: a. 
Reichs. 57. 1.3. diefem (Welt-)a- Leben. cap. 17. $.10. I, pen. 
Bier add. Elementen oder. 42. 1.5. ſchoͤnes a. machtiges. 45. 
1.2,3: und ich fähe nicht auch die H. Schrift, f..ift folches 
nicht auch in der H. Schrift zu feben. 46.1.5. feiner,a. (fehnens 
den) 52. I. 3. Abarundes a. in ihme. 93. l.ı,2. mutena. und 


toben. 97. 1.7. fchlofff. ſchlich. 104. 1. 1.2. gefchloffen f. ger 


fchlichen. 116. 1.5. wohnet (ruhet) cap. 18. F. 2, l.ult: Thiere 
(al. Grimm) 48. l. 2. feine (ihre) 67. l.ı0. Aegypten⸗ a, 
Land. L.ıg. Schwert a. um fich. 72. I. 1. Elteften Dbriffen) 
8.1.5. Zielf. Zeit. 107. L.ule, verſchwendeſt (verfchlingeft) 
eap- 19: $. 1. 1.5. feines (ihres) .. ihme (ihr) 37. I. pen. ges 
quaͤhlet. add. Golchen Robgefana und Freude der Geligen be: 


fehreiber der H. Geiſt im 103. Pſalm. 51. l. 3. Diebftohl; a 


dein Gemüth. 72. 1.3. Hölle: a. und der Menfch Chriſtus 
wohnet überal. cap. 20. $.7-1.3. Kleid a, diefer Welt. 15. 1. 
8,9. feiden und gülden Kleid f. Kleid von Seiden und Gold ge- 
ſticket. 50. I. pen. Macht (Mannheit) 52. l 2. irdifch (moͤr⸗ 
difch) 64. 98.1.4. einen a. frommen. 125. 1.5. dem Reiche f. 
der Rache. cap. 21: 5. 6. 1.7. aufgewachet iſt. add. ( Alhier bes 
dencke, maß der Gerechten Seufßer und zu ODE: Eindringen 
in ihrer unbilligen Bedrangung vermag; wie es den Zorn 


GOttes anzüunder, wie beym Kain, da dem Treiber feurige - 


Kohlen auf feine Seele gefamlet werden) 36. I. 2. reiteft 
(tritſt) 41. 1.5. boshaftig (geſchaͤftig) ‚cap. 22. 5.15. 1.12, 
Bleichnif a. foltees begreifen. 43. I.2. heimliche (himmlifche) 
45.1.5. neuen a. Menfchen. Sr. 4. gezeuget (geboten ) cap. 
23. 8.2. 1.13. der Schaflein f. ihre der Schafe der Herde) 45. 
1.3. unda. höre, cap. 24, $.10. lLao, u. der Thuͤr f. die Thies 
re. 17.1.6. Rauch: f.Raub- 25. 1.2. Treiber f. Teufel. cap. 
25. $. 45.1.4. muffe a. dee Menfch. 53. 1.6. unverwesliche 
a das verwegliche. I-ı2. fpotten a. können. 88.1.2. Leib f. 


Menſch. 92. 1,6. Geige (Geiſte) 96. 1.5. ln ler 
Ä «iR 


der Verbefferungen. 44 
Lao. der Thür f. und Steine. cap. 26. $.14. 1.11. wiederſtre⸗ 
ben a. follen. 22.1.1. irdiſche (Judiſchen) cap. 27. $, 20.1.7. 
Kinder (Engel) I. u. erreichen (erſchen). 


Dreyfach Leben des Menſchen. 


Deſſen Haupt:Fitul warb nach der Edition von An. 1682 
wieder eingerichtet, und der Eurge Begriff. der Borrede aus 
den 4 übereinffimmenden Manuftripten groffen Theils vers 
beffert. cap.ı. $.28.1,7. wird, add; (daß der Wille inder Fin- 
fterniß ſtehet) 52. 1.4.5. unfaglich f. unerforfchlich. 54. 1.13. 
Effentien a..in fich felber. cap. 2. 9.7.1.3. Ewigkeit a. in Emig- 
feit. 36. l. 2. Herbigfeit Cal. Härtigkeit) 41. 1. ule. giebet f, 
verurſachet. 47. i- pen, freundlich f. der Freudenreich. 49. 1. 
7. Lichte a. GOttes. 61, 1. un. Herbigkeit (al. Hartigfeit) 32. 
1.7. brennend (begehrend) 84.1.6. Weſen f. Wachfen. cap. 3. 
$.1.1.ı, Iſt das Summarium aljo verbeffert: Won der hold: 
feligen Liebe-Geburt , und von der 6 Geſtalt der Natur, von 
ber Begierde Gutes und Boͤſes, und wie beydes muß ſeyn. 14. 
I. pen, Ginnen (Stimmen) J. ult. Sinnen (Sternen) 18. 1.4. 
fonderna. nach. 37.1.8: Menſchheit (al. Weisheit) 41. l. pen. 
Bernunft a, find die Wunder. . ult. unverftanden a. blieben, 
44.1.6. aus welchem f. daraus. 65.1.3. worden? add. Und 
fo wir GOtt ſchauen wollen, fo muß das Wort auch in ung 
Menfch werden. 71.1.2. Leben a, und Geiſt. 82.1.9. Zweifel, 
(Feufelö) 86.1.4. des a. Goͤttlichen. cap. 4. über S.r. a. Die 
erite Porte in Ternarium Sandtum, 5. 1,5, eine a, jede. 15.1.3. 
Erſinckung (Erffilung) 43. 1. 4. Licht f. Reich. 54. 1. 5.6. 
anfanglichen tängftlichen) 65. 1.2, einigen (ewigen) 70.1.2. 
grünen (grimmen) 1.3. grimmen (innern) cap- 5..$-14, l. ır. 
gehet a, vom Bater: 15.1.8.9. ſchweren (ſtrengen) 1.16. leib⸗ 
lich (lieblich) 29, 1.4. Heiligkeit (Herrlichkeit) 33. 1.2. poſt 
Schrift add, und ba wir boch in unferer Mutter hiermit erfant 
find. 40.1.6,7. aus a, dem Vater und Sohne aus. 45.1.7. 
Principium a, (ald diefe Welt) 55.-1.3. und f. ohne. 76. 1.4. 
Kinder, a. fondern fie find die Wölfe unter den Kindern. 87 1. 
8. aldaa, indiefem Geheimniß. 38. 1.15. om a. (al. feinen Ver» 
fand im) 90.1.3. Einemf. feinem. 92. 1.6, emigen Natur 
f. unfichrbaren Natur. 93.1. 4. worden, add, und nennen auch 
die Geftalt und Form wie e8 iſt gefchaffen worden. 100.13. 
groß (grob) 121. l,ult, ewigen a, keinigem) 131. 1.4- BEE er 
ande 


142 Berzeihniß * 

ſtanden) cap. 6.5. 49.1.5. Sterne f. Steine. 50.1.4. ineinan⸗ 
der f. untereinander. 1.7. auff. aus. 65.1.8. Centrum a, 
Naturz. cap. 7. 9.25.1113. aber a. himmliſch. 33. 1 2. - Pros 
phet a Samuel.34- 1.1.2. befchaffen f. befchloflen. 40.1. 10% 
ſpeyet (ſtreuet) cap. 8. F. 7. 1.7. Prophet a. und König. 24- l. 
13. dann f.baß. cap. 9: (.38.1.3. Zinetur f. Weſenheit. l5. 
Weisheit (al. Wefenheit) 1. ule. feinem f. einem. 49. } 10, 
Zeufel a. Leiber. 59. 1.3. Tinctur a. himmliſch 66: 1.4. die 
Region f. dag Reich. 71. 1.5.6, erreichen (erwiſchen) 83.1. 4. 5- 
Leben a. das begehret Leben. 85. 1.1.2. des Hertzens ald der 
Sonnen Kraft. cap. 10. $. 38. 1. ult. Augen & in Zeit und 
Eimigfeit. 42.1.8. von fund. 44.1.6. natürliche (creatuͤrli⸗ 
che) 45. 1.7. durch dieſes Centrum hinaus f. hindurch. 50. 1. 
14. eigenen a. menfchlichen. cap- I. $-5.1. 11.12. feinen Gaus 
men (Centrum) 6.1.8. Faͤule f. Freude. 1. u. erhielte. 40. 
1. pen. ule, Meisheit (al. Majeſtaͤt) 4r. 1.8. Zweig f. Zwang. 
1.11. die f, der. 45.1.3. Fuchſens a. Hafens.1.4. Schlangen 
a. Eigenfchaft. 47: 1.2: grobe (groffe) 48.1.4. vom f. und 
6.52. L.ı2. zur a.!Hurerey und. $. 53. 1.12. Worte fi 
MWerce.57.1.14. Weisheit f, Wefenheit. 63. 1.19. lebe (blei⸗ 
be) 70.1.1. verftanden (verhanden) 71. 1.6. Menſch (Suͤn⸗ 
Det) 72.1.19. wann f. wie. 74. 1. 3. ware (mohnete) 77. 1.8. 
Siehe a. und wir find auch Adams Seele. 8ı. 1. ulr. oder a. ihr, 
83.112,10. zweifelt, a. der hat nicht den Geift Ehrifti. 89, 
1.1. Kelch f. Reich.1.4. Liebea. und. go. 1. pen. parenthefirt, 
94. 1.10. gefahren (gemorfen) 05. 1.5: Reich (Tach) 96. Ei 
18. Faͤrckel (Fehler) 102. 1.1. Geiſt a. in der Dffenbarung 
JEſu Ehrifti. 1. 6. Lafter a. derfelben. 105. 1. 8: verätts 
dert (verwandelt) 106. 1.12. nur und a. untereinander. 
cap. 12, $. 2. 1.3. Seele a, voneinander, 6. 1. penult, ewi⸗ 
gen (einigen) 8.1.12. Kleid a. Chriſti. 12.1.9. Untraus 
a, gwifchen und. 13.1.7. Unreinigkeit (al. Ungerechtigkeit) 19. 
l,ule. Blume a. (aus der Erden) 21.1.9. geſchmaͤhet f. ges 
ſcheuet. 24. 1.9. Meinung a. in GOtt. 25.1.3: Endung % 
Aenderung. 44 1.7: Kinder f. Bruder: cap. 13: $-5.1. 11. Ge⸗ 
meine a. oder der Gemeine-6.k 4. umgeben f- umgeben. 7. 1a 
ult. add, Infeript. Der rechte Apoſtoliſche Gebrauch des 9. 
Abendmahls, wie die Apoftel und ihre Nachkommen das Brot 
gebrochen, und den Kelch getrunken Haben. 8.1. 4. des f.den. 
9. 1.3. gehalten worden f; geweſen, 20. 1. 11. 13. Finge ” 

® 


der Verbeſſerungen. 143 
des HErrn. 1.14. Weſen f.Leibe. 18. 1.18. Engliſche f. gan⸗ 
tze 20. 1.7. Elementen a. an allen Enden. 22. 1. 10. gantze a. 
heilige. 1.10. leg: die Weſenheit hat Sulphur verſtehe der Leib 
Chriſti, das ift der Vater, Sulphur iſt des Vaters ꝛc. 32. L.ır. 
Zweigen f. Zweyen · 33. 1.9: abgeraumet (abgetrennet) cap, 
14- 9.6. 1.1. Kinder f. Bruder. 8-I.ı. Bruder (Kinder) 28, 
1. 9,10. alda,hoffartig. 29. 1.3. hertzlich Chöchlich ) 1.6.7. 
Geiſte (Beige) 36.1.9. Leiden a. JEſu. 39.1.7. ſchoͤner a. 
und klaͤrer. cap. 15. 1.6. Wunder (Siege 18.1. 2.3. ſeyn a. 
oder erfunden werden. 19. 1. 4. ſuche a.und prufe- cap. 16. $. 
6.12. Sammer: a. Meer. I. 9.10. biete, a. oder um einen 
Fiſch, der ihm eine Schlange biete. 7.1.9.10. aus a. und ich 
Eommebarum , daß ich Bird anzeige , denn du biſt GOtt lieh 
und werth. 13.1.7. Geelen a. (im Herßen) 14.1.8. Gewalt 
(Breuel) 21. 1-16. feyd a. (al. erfunden werdet;) 22. Lult, 
gleifnerifch a,thierifch. 25. 1.8. ergeben (al.erhaben) 26, 1.2. der 
Geelen:- Wille f. die Seele. 27.1. 4.5. Principien a (Böttlicher 
Dffenbarung) 33. 1.10. wir f. wie. 35. 1.4. aufmachendeg a. auf⸗ 
wachfendes. 37-1.5.6. Willen add. ( Gleichwie bey Moſe, da der 
Grimm forach : Laß mich, daß ich Iſrael vertilge). 1, penult. 
Weſen a, ein ewig Nichts ohne Slang und Schein. 39.1.5. 
Kind f. Bild. 1.10: erſte (ernſte) 40.Kız. Licht, a. ald das 
edle Perlen⸗Kleinod. 1.33. einfegen a. in bie eivige Weſenheit 
in den ewigen Bund: 47.1.7. Geift f. Wille. cap. 17. 9. 2.1.3- 
Angeficht (al. Majeftat) 3. 1.1. Kinder (Brüder) 1.5. Geiſt 
Menſch) 15. 15. .L6. leg. den er doch einem andern muß laffen in 
einem böfen Gemiffen- cap. 18. $.10.1.13. Reuel f. Greuel. 
1. 15. faͤllet (fahren) 14.1.3. felber, a- ſuche dich nur felber. 1.5. 
Schieſſer Schügen) 17. 1.10. ihr Futter f. ihre Wolle. 
Viertzig Fragen von der Seelen. 

Fr.1. 8.35. 1.12. Herra. und Freund, items6.1.r. 77. [.r. 
dis a. der Turbz. 83.1. pen. wird a. werden. 103. 1.2. ewi⸗ 
gen. a. (einigen) 115. 1.3. 4, erſten a. ewigen. 143: 1.7: da f. 
und. 147.13. gereichet f. gerichtet. 191. 1.1. wiſſet =. dieſes. 
225.1,6. das Ende f. das Welen. 228. l.ı. Mein gelichter 
Herr und Freund. Fr. 2. $.3.1.4. Gleichniß a. des. Fr. 4. 
$.7. 1.5. geben konte f. gegeben. 3r.6- 5.6.1. 1. wiewol a. wir 
.. reden hatten, f.fchreiben ware. 17. l.ult. Spott f. Korb. 
8r.7.9.20.L2. Leibe f. Liebe. Sr. 8. 9.2.1.1. pr wiſſet, 
was in unſerm f· In unferm, 12, vieſen viel l. J. geikbeie: 

. ben 


144. Merzeichniß ı u * 

ben a.worben. 14.1.5. Wafler f. Feuer. Fr. 14. 8.5.1. 
EHE a. neu⸗ Joule. Leib f. Spiegel. Fr. 17. 8. 18. 1.3. haben 
f. tragen. 1.6. nicht a. allein. Fr-18.6. 17.1.3. endlich f. leg- 
fich. Fr. 19. 8.8- 1. 2. Ringen f. Rugen. Sr. 21. $. 11.1.2, 
ewigen f. einigen. 18. I.ı. Alfo a. mein. Sr. 22. 9.16.1.4 
nächft- a, folgende. Fr. 24. $.19.1.3. einander a. felber. Fr. 
26. $.23.1. penult. Geift wol a. ungebeten. 28. 1. pen. Bes 
gängniß f. Begrabniß. Fr. 30.6.22.1.2.3. Effentien f. Eles 
menten. 31. 1. pen. Sterben a mehr. 62. I. 1. nicht mehr f. 
nimmer. 67 1.4. genommen, a. wie fie haben. 1.5. vergofe 
fen, a. wie fie haben. 68: 1.1. ſich a. haben. 1.2.3. gemacht, a, 
und. . getroßet, a wiefie.. 78. parenthefiret. 84.1.1. Alſo a, 
nein... Here f. Freund. 1. ul. Welt a. hat. Fr. 31. 9.3.1.1. 
wird a. ein. 1.3. fondern a. ein. r.32.9.4-1.3. Trauren a, 
auch. Fr. 34. 1. 1.2. Was Verdammten a, fey. 2.1.1. treibet 
f. wirdet. 5. In. eingefperret f. eingeſchloſſen. Fr. 35. v.7. 
i. 1. Ihr wiſſet, was euch die Schrift faget, daß... bat. 20. 
{.2. Minifterium f,Myflarium. Fr. 36. $.13.1.3. der Geelen 
f.derfelben. 24. 1.1. ihr a. mein. Umgewandte Auge: das 
iſt eine kurtze Summarifche Erklaͤrung f. welches handelt. | 


Menfehwerdung JEſu Ehrifti, Erfter Theil. 
Cap. 2.8.5. 1.1. alfo a. zu vernehmen und. 9.1.7. ſowol a, 
auch. Cap. 3.8.13. 1.10. Paradeis a. denn. 22. l.ın Feuer a, 
in fich. 23.1.14. deda. Geelen. 24.1. pen. Kind, a. fage ih. 
eap.4.6.3.1.4. und a. muß. [.5. wenden f. worden. 5.l.ı. 
Eivigkeit, a. denn eg iſt nicht aus der Ewigkeit. 1.17. GOttes 
More f. GOtt. 1.20. darum f. dadurch. 7-1.6. Aber a.gleich. 
IQ. l. 4. des a. heiſſen. cap. 5 $. 2 l. 9. Herrlichkeit f. Ewig⸗ 
keit. 12.1.5. wohneteſt f. waͤreſt. 21. 1.7. erweckete f- erweh⸗ 
lete. cap. 6. F.ii. 1.13. gemachet a. werden. cap. 7. 9.5. [.13- 
unmuths f. wehemuͤthig. 6.1.4. Marrice f. Tinctur. cap. 9. 
6.19. 1.2, verblieben a. und gang verwegen. (.13. Elementen 
2. al8 in Einem Element. 21.1.9. Geilt a. ®Dites, cap. 10. 
1.2. Geburt f. Menſchwerdung · 1.1.6. Kunſt a.hat. cap. ır. 
6.3. 1.6. der Gottheit f. GOttes. 9.1.8. erboren a. JEſus 
Ehriſtus. cap.ı2. 5.1.1.1. feinen a.vechten. I. 19. verblichen 
a. und irdiſch worden. 2r. 1.8. fehlet a. nunmehr, cap, 13.5.3. 
1.4. groffen a. geifklichen. 4- 1.3. geimmiger a, fcheußlicher. 
7.45. Adam a. (in der Liebe) 12,1.26. Halm a, einmal, capı 
14, 


Au Aa 
0 


"der Verheffertingen. 145. 
14. $.5. 1.9. Sulphur f. Stein. $.ı2. No, VI. 1.8. Teufel, a, 


hat auch feinen gemwolt. No, VII. I. 2. Chriſti Knechte und 


Kirchen= Diener. Zwepter Theil. Titul: 1. 2. poſt JEſu 
Ehrifti. add. Bon Chriſti Leiden, Sterben, Tod und Auferfkes 
Kung. cap- 1. $. 5.1. 7. Lebens⸗ a. Eircul oder. I. 9. wird a, 
auch. 6. 1.2. anmelden. a. weil. wir es aber fonft als f. wel⸗ 
ches aber. cap-2. 1.3. des a. (ewigen) 1.1.2.3. Urfranda-in 
fich. 4. I. penult. Imagination f, Imaginiren. eap. 3.6.3.1, 
15 frey a. war. I. i. 12. urſtaͤndet a. mit im erfien Willen, 
I. ule. verftehet a. num weiter alſo: cap-s. 6. 3.1.3.d08 2% | 
Licht. 13. 1. 9. verloren a, er hat fich ſelbſt verloren, cap. 6, 
$. 7.1. 27. vom a. ewigen. 15. 1. 17. Licht a, der Miajefkärs 
cap. 7. 6.13. 1.4: ſuchenden a. demütbigen. 1.5. auch a. noch, 


35. l. 12. a Fin. genug a · haben. cap. 8. $.ı. 1.7. Waffer f. 
Feuer. 1:15,16. verfchloffen a. liegen. =. I. 2. immer a. mehr. 
6.1.18. Schnarcher f ſchwachen. 7. I- 2.3. ein Zwaͤngen und 
Drängen. cap.9. 8.3. 1.8. a Fin. Geelen, a, es zeucht alle 


BEE 





Geelen. ‚cap. 10. §. 2.1.17. Adam a. und Leib. 7. l. ır. der 
Wunder GOttes, f. des Geiſtes Wunder. 8. 1.4. Menfcben 
a. das Mittel, 1.18. Wefen; a. und faſſet daffelbe Werfen. 
Dritter Theil. cap. 4. $.3. 1.9. Lebens: a. Zeit. cap.5. 5,3. 
1.6. im Innern f. in Ihme. 9. 1.6.7. leg, in unferm andern 


und dritten Buche f. anderswo ausgefuͤhret, a. und erklaͤret 


worden. I. 8. a Fin, erklaͤret worden f. zu leſen iſt. 10. JL. 13. 


Wiewol a. es iſt daß. 15. 1.2. Wefen: a. und fuͤhret feine Lies 
be, darinn die Bildniß ſtehet, in das irdiſche Weſen. cap. 6. 


s.1, 1.57 alle f.alda. 2. 1,7. GOtt a. neu- 8. 1-9. auch a, das 
sum. cap-7. 8.2. 1.13. wie es im Waffer f. wie ed im Feuer, 
4.1. 17. Reich f. Regiment, 6. 1. 8. diefe a. Früchte, ibid. 
alte f. alödenn. 8. 1.3. die Bildniß f. das Bild. 1. 8. Neuel f. 
Greuel. cap-8. $.2. 1.4, gebuͤhren f. gehören. I. 4.5. Güter 
a. alſo lange. 6. l. 22. erſten a. ernſten. .. Sturtz f. Sturm. 
7. 1.5. die a. aͤuſſere. 
Sechs Theoſophiſche Puncten. 
Cap.t.· $,19. 1.6. Ezechiel a. der Prophet. 22. 1.2. (2) und 
verffeben. weiter I. 4, und verſtehen. 33. 1. 15. (einig) f eigent= 
lich. cap. 2. 6.8; I. pen, Licht-Welt f. Lichten. cap. 3. F. 6. 
I. 4. ein Leben, darinn f. da. 7 .l. ult. toll f.todt. 8.1.5. Thiere, 
a, Wurmes 21.1.3. wieder a a f. beſitzen. sapı — 2. 
0 


146 ‚Berzeihniß .. + * 
1.8.9: ald man dañ fiebet wie f. aldan..... l.9. einander anfein⸗ 
‚den f. zu ſehen. 5.1.8.9. wie ihr dieſes ein Gleichniß am Feuer 
Habe , F-aldam Feuer zu feben. 7: 1.8, auch daß wir nicht fi 
noch, ibid. geben. 9. 1.3. daffelbe Liche f. bat. I. 4. Kraft a, 
Habe. 10.1.1. Und dann haben wir euch f. Auch iſt. I. 5. giebet 
2.08. 1.6. Eigenfchafta, und dann. 14. 1.4. Lichts a. GOt⸗ 
te8. 25. 1.13. Sonſt mo du ihme wiederſteheſt, f. wiederſte⸗ 
Heft du ihme, 27. 1.1. hats den Verſtand f, alſo zu verſtehen. 
cap. 5. 6.4. 1.3.4. unda- fichihme. cap- 6. $. 8. 1.17. die Ge⸗ 
ſtaltniß f. dieſe. cap- 8. 1.1.3. Gemeinfchaft a. weder: 25. l. 
6. Goide a. am meiften. 31. 1. ult. unfer a» eigen. cap.g. $. 6. 
1.3. 'genant a. darum. cap. 10. 97. 1.19. darunter f. damit. 
14. 1.14, wolteer a gleichwol. 
Sechs Myftifche Puneten. 

Nach dem Titel add. Vorrede. Dietheure Erkentniß iſt 
nicht, es ſey dann daß die Seele eines im Sturm gefleget, und 
den Teufel niedergefihlagen, daß fie das Ritter⸗Kraͤntzlein bes 
kommt, , welches ihr die holdfelige Jungfrau der Zucht zu eis 
nem Sieges-Zeichen auffeget, daß ſie in ihrem theuren Ritter 
Ehriſto hat gefiegef. Da gehet auf die Wunder-Erfentniß, 

ber mit feiner Vollkommenheit. P. 1. 9.2. 1. pen. Urffande 
F Berftand. 9. l. 1. Klarheit f. Wefenbeit. 1.4. fähig a: ſeyn. 
9.11. $. 7. 11. Feuer f. Licht. 1.2. eineignet f. einergieber: 
13. 1.5. Weſen f. Leben. P.1L. s. 2. 1.8. wohnen f leben. 16. 
1.2. nemlich a. wenn. P. IV. S.1 1.4 Bewegung f. Beweg⸗ 
niß. 4. 1.2. Vatera.umd Sohn. 

Irdiſch und himmlifch Myfterium, 

Sm Titel wunderbarliche f. wunderliche ; hierinnen fol f. 
darin .... frebenf. ſtehet; Gefchrieben den Kindern, f. für 
Die Kinder . der f. dein. werdenf. tollen. .. Turba a. fols 
fen. del. befchrisben. add. Alles gang ernſtlich und treulich ges 
geben aus Erkentniß des groffen Mytterii. 2.1.1.7. Urſtand f; 


J 


Verſtand. T. 2. $-2. 1.4. im Willen f. im Wollen. T. 4. d. 8. 


1.45: Beift: Leben f. geiftlichen: 3. 5. $.3. 1.3. Einigen f. ewi⸗ 
gen. 3.7. F. 2.1.3. GOttes Vorab. 4. 1. ult. Cryſtall⸗ 
Steine. 6.1. ule. von GOttes f. vom H. II. 1.6. ihren. ſei⸗ 
nen. 12. 1. 1. Wief. Als. 13. 1,5. GOttf. er. 14. 1.4. boͤſe a. 
fell. 3.8. 6. 3. 12. ſtraffet a. ihn. 15. als f. und, 11.1.5 
der Krieg a. als. T.9. F. 3. 1. ult. kommet a. einem. 
eg 


+ oe 


4 


der Verbefferiingen. 147 
es MEARITSTDO. Wahre Buffe. 

Tit. lin. u. poft erlangen. add. Samt furgen Gebets⸗ For⸗ 
meln wie füch des Menſchen Geele in fich felber in der Gnade 
GOttes erwecken, dieſelbe in fich fallen und ergreiffen ſoll. ır. 
1. 3. zur a rechten wahren. 15. 1.7:.8. wiederfehrenden f. mies 
berfommenden. item 18.1.6. 19. 1.17. a fin. Gruben f. Gruft. 
20.1.2. fühlet f. findet. 25. 1.5. irdifcher a, böfer. 1.6. achen 
f. werden. 26. 1.4.5. Edlen a. Jungfrau. 27. 1.4. daß a. 
Siegs- 1. pen. Gottloſer a. Saͤu-Menſch) 29. I.ı. Edlen a. 
Jungfrau. 30. 1.4. und f. als -- theure f. treue. 1.13.,meis 
ner f. der. 1.32. Zorn a. mit. 1.36. Höfe a. uberwandt und. 


1.43. O a. du. 1.58. alerbeiligfte füflefte. 31. 1.7: Namen 4. 


GOttes. I.ır ihrem a lieben. 33. 1.4. fleben f. ſtehen. 1. 
ult, Angriff. Anblick. 34 1.7. anderffa.gar. 35. 1.2.7, ſte⸗ 
hen f. ſehen. 1.7. GOttes a. darüber. 39.1.6. Meniih a. mm. 
40. 1.16. mich a. doc). I 32: nun f. du. 1.45. iſt, aein. [.52. 
und f. mir. 41. 1. pen. anbricht fanaehet. 42. 1. x. allerheilig- 
ſte f. oflerholdfeligfte- 1.14. dem f. deinem . . SBlute a. meines 
Erlöfer®. 1.19. auf, a. Herr, I. 19. a fin. Seelen f. Liebe 


43.1. 2. Begierde, =, und ruffe niit meiner Begierde. ' 1.5. 


Hunger, a. zunde doch du meiner Seelen Hunger. 1.6. hat⸗ 
te, a. an. [.8. machtige Kraft f. machtige Hand. 1.27. doch 
a.auch. 1.7. a ſin. groſſem Lobef. groffer Liebe. 44. 1.22 23. 4 


in, führen,a, wie dumich geführet haft. l. 10 .afin. ich a ſchlum⸗ 
mæere noch und . . „dich a. nicht. l.ule. Paradeis a. ein. Gebetlein 





la. armen a. verwundeten. 50. I,pen, ewig dein a, eigen. 53.19. 
10. Dienftf. dienen. lg. Chriſto a. in und. 54.1.7. flehe f: fliehe. 
Das 2: Büchlein: Schlüffel Goͤttlicher Geheimniß. 

$.8- 1.1. (finnlichen) f. himmlifihen. 9. 1.6. und a. den. 1. 
35. hundert ftaufend. 12. 1. 14.15, allena, feinen. 1.16. einer 
f. der. 13. 1.6. ihm a. in ſich. 15. 1.17. und a. wird. 16.15. 


deutet f. ſaget . . mit f. von. 


Rom H. Gebet, 
6.2, & x. Gebets a. nur, 1.3. Feine a. vechtes 3.1. +. zu 
mir f da. 5. l. 2. del. und höher. 6. 1. 2, begehren a. wollen. 


1.6. anwenden f. anlegen. 1.7. darunter f. damit. I. pen. er 


ſeyf. wir...» .d.find. 7.1.4. Gaͤſte a find, daß wir. 1,5. Crea⸗ 

turen a. find. 10. I.1. Und wollen f. Wir follen. I. 1,2. Hof⸗ 

fart, Falſchheit, Zorn, Neid und — 1.5. “ er 
5 | au 


148 Verzeichniß * 
f. auf daß. 12. 1.5. himmliſchen f. ewigen. 13. l. 5,6. empfan⸗ 
gen f. empfahen. 1.6. Chriſti a. ihres Heilandes. 16. 1. ı. 
Dann a. St. Paulus faget. 18. 1.4. ganß a. undgar. 19. I.r. 
man a. aber. 24. 1.6. Goift f. Sonft. 25. l. 1,2. Sreundin- 
nen f. Mitbrüdern. 1. ult. viel gute Früchte tragen mögen. 
26.1.1. Sch f. Und. 1.5. voma- gangen. 36. I.ı. und f. oder. 
38. 1.1,2. weiche - » miffen f. welcher .. weiß. 39. 1. 5. und 
a.bhaff- 1.18. Und f. Ich. 1.27, undf. noch. 1. 35. feine f. deine. 
1,38. meine f. die, 1.39. den . + Wegen. 42. 1.1. Meine Aus 
gen fehen auf den Lebendigen der Himmel und Erden gemacht 
bat , und erfreuen fich feiner Gute. L3. er f. dir .. . if. d. 
haſt l. feine. 1. 4. gehalten a. bat. 1.6. deinem f. dem. 43. 1.30. 
Ein Geber f. Seberlein. 44.1. 24. unfera.erfter. 45. 1.13. ge⸗ 
nommen f. herkommen. I. 20. in dem f. nach folchem. 1:24, 
angreife f. antafie. 46. 1.35. zu fi ein. l. 46. Glantz a, gang, 
1.75. Herrlichkeit: f. Heiligkeit. l 90- dem f. deinem. 1. 96, 
Vaters a. Willen und: 47. 1. 1,12. Herrlichkeit , a ( Heilig, 
keit) 1.13,24. ſichtbar und wirckend, f.und Wirkung ſichtbar 
48. 1.27. aFin. ollezeit (ale Stunden) 1.10. a.Fin, Fleiſch a, 
indir. 52. 1.4. oder f. und ohne, 54, 1.62. aFin. eitela. Din⸗ 
gen einer folichen Luft zugebracht, fr Pracht und Wolluſt des 
‚Sleifches entheiliget. 1.56. aFin. deinen f. dene. 1.55. a An. 
.Du ruffeſt ung in deinen Sabbath, aber das Gemuͤth und 
Seele wirds nicht gewahr : mir geben vorüber ac. 1.50. a fin, 
die Seele f. fie, l. 48. a in. wircketeſt, a. O Herr! I. 42.2 
‚Ein, deinen a. heiligen. 1,37. afn. uns a dir. 1. 29.2. fin. Kraͤf⸗ 
‚sea,meinen. .. . gegenf.zu. 1.5.afn. wohnen f. bleiben. F. 
55. 1.2, Daßa.c8 Dir wolgehe und. 1.3. gegeben hatf gibr. 


| Wahre Gelaffenheit. N 
Auf dem Titul find erliche Wörter verbeffere. Cap-ı. 6.1. 
1, 3. daS a, Auffere. I. 7. Eigenthum a. in der eigenen Ver⸗ 
nunft. 3. 1.8. Begier der a. Ereatürlichen. 4. 1.3. und a. im 
Weſen. 5. 1.5. Creatur kriegte f Ratur bekam .. grimmen | 
‚finfteten f. grimmigen. 9. 1.6. Creatur f. Natur 12.1.9. er 
‚aalödann.. ... als f. alddannnemlich. 13. I.5. ein a ſchoͤn. 
16.1.3. richtet f. lehnet. 18- 1. Zigenf. Milch. 19. l.ı. wird f. 
will, 1.4. dena-beiligen. 21. 1.5. ganga-ein. 23. 13,4. auch 
a. gang: I. oder ſ. noch. 24. 1.14 blos a. als. 27. 1.6. fie a. 
alles ,. ina,der: 28.1. 5-thuea, du. 1,7. deinenhein. 29.1. 


2, 


der Berbefferungen. 149 
2. Funcke a. der Göttlichen. 30. 1.4.5. Teufel f. Lucifer. 1. 6- 
eingehet a. denn. 31. 1.7. Vernunft a, aufs neue wieder erflirs 
bet und. 32. 1.1. man a. gar. 1.6. David a. und. 1.ult. Luſt 
a. der Vernunft. 34. I.ı. Alles fpeculiven in den. 1.3. Geiſt a. 
dem. „ Geifte GOttes. 35. 1.9. did a. doch. 37.1.1. Eigenherrs 
Schaft f. Eigenheit. 39. 1.6. nur ald einf. alfo nurdas. 40: [. 
4. Eigenthums f. eigenen Thuns. 41. I. 1. Willen f. Fürs 
Baben. .. . Geiffa. GOttes. 42. 1.2. Buß f. Vernunft. 43. 
4. pen. arbeitet a. und wircket .. mit f. in. 45. 1. 8. zerſtreuet, 
a. dag iſt. 46. 1.2. ohne f. in... . Göttliche. 1. pen. ing fl 
zum. 47. l. i. Wer a. nun. cap, 2. 6, 1. I. 2. gedencket fich fe 
fich verhoffet. 1.4. als a. aus. 5. I.r. davon a wieder. . aber 
Das f. und fein. 1. pen. iniedem Spiel f. ein Beyſpiel. 8. 1.5. 
Finftere Welt f. Finſterniß. 1.9. gram, a. welche ihn geboren 
Hat, und iſt auch feinem Vater gram . . » deffen f. deren. [.14. 
inuß era. nun GOttes Zorn⸗Spiel führen. d. Contrarium, II. 
8. 2. ſchuf, a. ſondern in der darein er felber einging,, nicht im 
Wercke der Schöpfung. 12.1. 2. verfihoffen f. gefchloffen. 1. 4. 
erhebet fi erreget. 1.6, Creatur a, molthun. 15. I. ıo. Willen 
a. wieder. 17. l. 6. kommt f. gehet. 23- 1.4.5. und a. der Wil⸗ 
ke. 31. 1.9. de3 a. ewigen. 32. 1-2. da ihme f darinn. 33- 1.2. 


unmwendet f. abwendet. 34. l.ıo. ausf. in. 36. 1.3. mit f: im. 


57.1.5. eina. Trug. 40. 1.10, Leuchten f. Richt. 45. I. z. ung 
fihm . - . fürbildet f.einbildes. 49. L. x. Ehrea: und Gur. 1.4, 
Sehorfam a. damit. 51. I. 9, 10. animalifchen f. thierifchen.- 
54.64. haſt a. fett. 1.8. unda. dich. 1.9. du a. doch. 

Neue Wiedergeburt. 

Vorrede 6. 2.6 1. dena. tiefen. Cep. ı. 6. 2.1.3. wir a. 
auch. 1.4. Und a. daß. 1.6. auch f. und. 3. Wule. darzu ein f. 
und ein. url. 3. dann a. auch. was a. das. 1.5. treibe. a» Dann. 
LG. nicht regieren und treiben. 14. 1.ult. Vater a. ſey. 18.1. 
5. erheblichen f.aufferlichen. cap, 2. $.2. 1.8. Limbus (al, Li- 
mus); 5. 1.2. welcher da3 f. in welchem 8. 1. 10, Geſtirne a. 
sit. & ır.ı2. des Lichtes. 1.13. Lichts a. als. n. 1.15. geiftlichen 
a. Welt. 12. J. ult. Limbo (Limo) 18, Ir. Welt a. (Dualitat) 
cap.3. 1. 1,9. Eckel cal. Eitel) v7. 1.14.15. Weſenheit a- 
eingefuͤhret, und die verblichene Wefenheit. cap. 4- 5.0. 1. 


pen feuriges a. Weſen. 7.1. 2. inf. von. 13. 1. 5. davon a. 


greß. ©. 1.4 thieriſche (al. irdiſche) v. iq. 1.1. verdirbet a. 
3: alſo. 


150 Berzeichniß | 

alfo. cap. 5, 8.4.1.8. gerne a. wollen. so. 1.4. keiden f. Bes 
‘ben. 12. 1.1. 2. Lohn a. Er hat ung verdienet. l. i1o. allein a. 
nicht. 13. 1.6. wolfinoch. cap. 6. 8.4, 1.1. Weg (al. Werth) 
8. 1.1. als f. ohne. 12. l. 1. im f. das. 13. 1x5. dem feinen. 14. 
1.2. und f. oder. 18. 1.6. Teufel a. mitten. cap. 7. $.1. 1.2. 
niemanden a. einigen. 5. 1.6. leben f. lehren. 13. 1.9. aus f. 


in. 14. 1.ult. vona. deren. cap· 8. 6.1. 1.9. Leben (Weſen) 3. 


13. witfin, 11. l. 2. derf-und. 12. 1.3. Sucht f. Luſt. 
Uberfinnlich Leben. 


841 3. ſchaffete f. machete. 6.1. 8. Ereuge a. unſers 
Herren JEſu Chriſti in Gedult. 8.1.2.3. Ereaturen. I. 3. als 
les a. Leben. 1.5. dief. alle. 9. L.ı. Eigenthum a. indich. 1.13. 
Deinem f. Einem. 13. 1-3. welche die f. welche dich. 14. 1.3- ale 
ten Creaturen. 1.5. HErrn a, JEſu Chriffi. item 15. 1.10. 
23.1.1. das a. ſeyn oder. deinem fi feinem. 1. pen. Leibes (al. 
Zedend) 27. 1.12. Innerlich f. Inwendig. 35. I. 20: Honig f. 
Ding. 8.42. 1.6. ohne a, alle. 46, l. i2, ewig a. bleiben oder⸗ 
55 · L14. Dennf. Diefe- . 


Goͤttliche Beſchaulichkeit. 
„ Cap- 1. $. 3.1.4. ſelber a. vor ihrem Wollen der Bosheit, 
Me fchamer fich in fich ſelber. 16. 1.4. Emwigea, Eine: 20. I.2. 
ieſes f. das. 1.7. einem a, eigenen. 39- 1.6, in a. ewiger. 40- 
4.3. Licht f Reich. qr. I.ı. fich a. in. cap-2. $.1. 1.4. über 
finnfichen a. Göttlichen. 5. l.ult. oder f. und. 8. I. 2. vom a. 
eiligen. 9. 1.7. nun f. nur. 1.14.15. Irdiſch (Thieriſch) 13.1. 
12. ubergrundliche f. unergründliche- 14, I. 9. in a. und mif. 
22. 1.3. Leben (al. Willen) 23. 1.8. ſtecket f. ſtehet. 1.10. wirs 
den a, oder... alfof.ald. 24, 1. pen. Ordnung a. ber Gin. 
nen. 25.1.5. Liebe f. Liebe Feuer. 26. 1.7: 8. ausdringet a. 
und gehet. 27. 1.4, rauch a. trocken. 29. I. pen. allen f. dert. 
cap. 3. 1.3. ewige (einige) 1.9 alles a. inallem. 3. 1.2. iffa. 
die. 14- 1.2. ſich a. hat. 1.3. inaden. 15. Ir. uns a. nun. IQ« 
1. pen. Kraft f. Kraͤften. 23. 12. eigen (einig) 1. 3-4. aus⸗ 
gefloffenen a. Goͤttlichen. 24. 1.3: ſehet a. ihr. 25.1.2. Dis 
1. Daß. 29. 1.6. Beivegniga,eined Dinges. 32. 1.2. Beyfall 
eines Dinge. 36. 1.7. und f. oder. cap- 4. $.1. 1.2. anf. auf. 
44:5. Ausfluß a, der Liebe. l. 7. die a. Göttliche. 


‚Ger 





—— der Verbeſſerungen. 15T 
Gefpräch zweyer Seelen. - 

5.18 [.1. Dis f. Das. 13, 1.8, Eigenſchaften. 45. 1.5. Ei 

tel EEckel) 68- 1.7. nicht . . fondern. 78. 1.7- ſie f. ſich. 
Bier Eomplepionen. 

5.2. 1.7. ober f. und. 31. l. 4. wird a. fo. 37- 1.2. Licht a. 
Ciebe) 73. 1.2. mühefeliga.und beladen. 77. 1.5. Freuden a. 
wieder. 78. 1.2. dann a. groffe- 79- 1.8. ung f. mir. 84.1. 
5. Geifte f. Fleiſche 94. 1. 4- (wann er das erforfchen 97. 1. 
4.dochf. noch. 103, 1. pen. zuf. im. us. L 4, eineinfames. 121. 


L 8. fief. ſich. 

| APOLOGIen. 

Erſte Apologia contra Balthaſar Tilfen. 

$.3.1.2. unda.der. 4.1.3. nun-a. mehr 1.4. nicht d. mehr. 
5.1.6. declariven f. erklären. 28.1.2. oder a. gleich. 42.1.3. 
befcheiben f.geffhrieben. 58.1. 4. Pasauill a. wol. 1.5.unda. 
will. 59. l. 3. des f. das. das f.ed. 131. 1.5, 6. Elementen a- 
auch. 134.1. pen. dardurch f. darzu. 193.1. pen. diefen f.ber. 
397.1. Geiſt Luft. 1.2. dieferf.der. 202.1. 2. Leib f. Yes 
ben. 2. Goͤttlich Wefen f. Göttliche Wefenheit. 209.1. 2.3. die 
Gottes wahre Gleichniß. L.ule. Engeln a. GOttes im Him⸗ 
wel, 219.1.3. Fuͤrſt a. des Lichte. 336.1. 2. aber f. doch. 

Zweyte Apologia contra Baith, Tilken. 

6. 3. 1. 3. 4. eine a. offene, L ult. einzuführen f. anzufuͤh⸗ 
ven 7.1. & Urt a, ift 13. 1. 4. der a. Zeit der. 17.1.3. mir 
a, fepriftlich. Tert- Sg. 1. 2. viel a. mal. ı.Lı. Meinung 
a, iemand. 20-1. 4. lehren f. leben. 34. I. 7. 8. was f. 
daß. 41. 1. 4. was a. das fey- 45.1. 3. das a. ſtarcke. 49. I. 2. 
and a. dann. 169. l. 8. Erden a. willen. 183. I. 6.7. tragen 
8. bringen. 219. I. 2. ewigen f. inwendigen. 222. I. 4. Goͤtt⸗ 
lichen a. him̃liſchen. 320- 1.3. nur a. imer 324. I1. jeder a. einen, 

Bedencken über Stiefels Büchlein. 

$. 1. l.ır. feiner a. groffen. 4. 1. 1. wir a, denn. ır. |. 2, 
Freunden a. darinnen. 13 1.2, 3. Efenz a. räget. 15. l.ult. in die f 
in der. 16.1.9. Madenſack a. (der da nur Stand und Uns 
flat machet) 18. 1.4. und a. auch. 33.1. 4. Himmlifcher und 
Irdiſcher. 35.1. uſt. Himmliſche a. Göttliche. 43. l. 3. 4- 
‚ and a. hat. 44.1. 4. Irdiſchen a. Yugen. 94. I. 6. ſcheus⸗ 

lichen f. ſchandlichen mol. 5. Zungen a. möchten. * 
4 20 


152 » © _ A, Meßßerzeihnilit 0 


I, 2. diefer a. Auffere. 127. 1.9. der a. Feuer⸗ 147, 1.6. gilt f. 


bifft. 154. 1. 6. von a, den. 155. I. ult. der a, aber. 161. l. 4. 


Bliedern a lernen. 
Irrthum Stiefels und Meths. 


s.60. 1.4. Weisheit (al: Menfchheit) 1.9. oder a: au. 64. 
1.6. Offenbarung (Ordnung) 8o.1.1.dafwir wahr und fund 7 


iſt wahr ald wir. 84. I. pen, ſolches a. nun. 1,ult, und d. nun. 
85.1.3.4. Menfchen a, im Verklaͤrer der Puncten, 103. 1.4. 


ausführlichernf. beffern. 108. L.ı. ſchreibet f. ſaget. m. 1.4. ” 
Natur a. gang. 120. !. pen, vder a. der. 136. l. 3, ſchreibet f. 


redet. 160. 1.12. GOttes a. des Vaters. 174, 1.3. Item, a, 


HEren. 176: 1. ule, Leſer a fleißig. 177. 1.1. Menſchen f. Autor. 
178; 1.2, vielen f. allen. 194- 1.3. iffa. und der im Himmel iſt. 


204. 1.9. diga. Liebe, 227. I. 1. Heucheley a. ganslich. 236. 
I. 3. etwa a. deutlicher. 238.1 2. Geiſt a. GOttes. 243.1.8. 


im.a. Sohne. Luft) 244. 1.6: Same (Sohn) 245. 1.2. GOt⸗ 


te8 a. vom ewigen Weſen GOttes. 2534. 1.6. lallen a. allein. 


263. 1.8. leg. Einernte. 304.1.3. Bunde f. Bilde. 315 1.6, ° 


des a. auffern. 321. 1-4. Hif.in. 363. 1.6. er a.aber. 387- 1. 
ulr, Grund (Verſtand) 423. 1.8. Mannes f. meiner. 445. 1. 
10. werden f. ſeyn. 472-1. 9, 10. Erklärung f. Ausleaung, 
504. 1.7. ſeyf. iſt. 530. 1.4. iffa nur. 
| Apologia wieder Greg. Nichter. 
Diefer inderEdition von A,ı7ı5 unſchicklich gefegte Tractat, 
bat nunmehro eine recht verdefferte neue Einrichtung, der 


N 


| 





— en 


u 


Edition von Ao, 1682, gemäß. Vorr. I. 8. 9. wie ed dann 
dem Autori dieſes geſchmaͤheten Büchleing auch alfo geber- 1. 


a1 12. als in dem ausgeftveueren feindliche Pasquill zu feben iſt. 
- 1.13. greulich a. wieder den Antorem. Text. s.ı. 1.6. Go viel 
a. als. 2.1.12. Demuth a, und. 1.16. zumdritten f. ferner. 1. 
21. zum vierten f. Endlich. 3. 1.5. Gerichte f. der Richter: 4. 
1.8. nuna. wurde. 5. 1. 4: unfer Beliebter f. unfer Meifter und 
Lehrer. 1.5. denenf allen. 1.6. a fin. von chef.erft. 10, 1.6. 
Narren a. gemachet. 14. 1.7. wenden f. befebren. 16. l. 10. 
noch ſey, add, auf ewig bleibe. 19. I. 4. zorniger , eiferiger. 
20. 1.6. woiftf fo weiſet. ar. 1.6. euch das f. eseuch. 1.16. 
als ihr ſeyd: add. ihr habt gewiß nicht allein geſtudiret 24.1. 0. 
zua.und. 1,14. Bildern f. Bildung. .. . ähnlich f. gleich. 26. 
Lr. darum a. j0- 27. 1.16, hielten f. achteten. 28. 1.3. a 
| ann 


— ——— 


Br; "IE Er 2 a a 6 
der Verbeſſerungen. 1 

dann f. Wie wann 1.8. ihr a. dann. 1.14. und a. die. hıs. 

mwief. als 29. 1.14. aber ich will f. ich will une. 1.18. unter a. 
> ben. 1.19. folla,dann. 30. 1. pen. nahea. als. 31. 1.7.8. auch 
niemalen koͤnne f- noch. 1.15. fondern a. wirhaben... . . Geilf 
a. empfagen. 33. 1. 3. der f. zur. 1.6. gegen f. wieder. [.14. 
geheiffen f. gefiholten. 34. 1. 12. verzeihe f. verzeihen wolle. 
36. I. 15. heut f. heutiges Tages. 37. I. 1. zu einem f. zum. 
42. 1.22. denen f. allen. 43. 1.15. holenf. haben. 44.1.8. ern⸗ 
ftef- wahre. 45. l.ıo. deffen a, noch. I.ır. dag f. folches. 46. 
1.19. die a. Göttliche. 1.25. 26. der HErr faget beym Prophe⸗ 
ten. 1.29. kommen, a. fondern die da thun den Willen meines 
Batersim Himme. 1.32. derſelbe a. Wille... . ihnen a. kraͤf⸗ 
tig. 1.4. afin. Kein, a. der rechte wahre Glaube, d. Er. l. ult. 
bricht f. leuchtet. 48. 1.7. Ehrifto f. Ihm. 52. I. 13. Monftra 
a. müffen. 53.1.3. Pasquill a. auch. 55. l.ır. auch a. nur. 1. 
27,28. Neuen Geburt a. [darum fol man prüfen, welchem 
Geiſt er dienet,] 57. 1.3. Arma.und. 62. [.2. des a. ewigen. 
63. 1.3. trinden a. und. 69. 1.13. die Zeit f. der Seit. 1.20. 
ihme f. mich. 70- l.ult. dererf.ibrer. 72. 1.15. untergehen, a. 
Amen, Amen, Amen! 73. I.ı. Antwort, del. Amer, Amen, 

Amen! 1.7. ſolche f.fo. 75. l.ı. Era. mir. 

. Reste Zeiten. | 
Erſter Theil. S.1. 1.5.6. Carln von Ender f.C-E- Lult. 
ina-dergleichen. 3. 1.6. leichte f, nicht. 4. 1.7. eigenen f. in- 
nigen. 5. 1. pen. Feuer f. Triangel. 8. 1:4. feyn, a. und die 
Erkentniß muß aus GOtt feyn ; GOttes Geift muß uns Zeug: 
niß geben, und unfere Gewißheit ſeyn. 9. I, 2. Erkentniß f, 
Bekentniß. 10.1. 4. Erleuchtung GOttes. 11. 1. 5. auch f. 





und. 13.1.7. folla. alfo. 16. 1.2. mit f. und. 1.4. eucha.das. | 


17. 1.2. mehrf.nunmehr. 18. 1.7. alles f. als. 19. 1.7. Teu⸗ 
fel a. bat. Lu. fief: ihr. 20. 1.6. zerbrechen, a. fie feiber fol 
fich zerbrechen. 1.8. eigenen a. Lügen: 2r. I. 9. meine a. ge» 
wiffe. 22.1.3, Trugs f, Truckes. 24. l. 1. wirda der Himmel 
feinen Thau und die Erde ic. 1.7. ohne f. wieder. I. 10. ber f. 
er. 29. 1.5. nuͤtzlich f, möglich. 30. 1. ult. poſt zur Zeit Zion, 
add.PS. Die Junger fragten Chriſtum, Herr, weiches wird 
das Zeichen feyn deiner Zukunft? Und Er antwortet: Euch 
gebuͤhret nicht, Zeit und Stunde zu willen, welches ihme 
mein Bater bat vorbehalten, 34. 4 dem f. den. . » feinef, 
5 


Ihre, 


3400 Vergeichnig 


% 


ihre. 1,2. wie f. mir. 36.1.8. lebet a. ewig: 43. 1. ult. rügen 


f.rübren. 47.1. 5. oder f- und. 49.1. 7. Suͤnden a, werden. 
53.4.3.10f.da. L7.mita.dem. 1. 10. kommet a. erſt. 54. 1.ı. 


von ehe f: vonerften. b. 2. und der f. mitden. Or I. 12. unter 
f.beyden. L.4. a. fin. eilend f. fpielend. 62.1.8. heimgeſtellet u 


was er wolte. 69. l. 1. Aber es f. Und. 1. pen. ind a. Göttlis 
che. 74. L.ı. Principiumf. Myfterium. 78. 1.3. die edle f. das 
edle. go. I. 3. Menſchwerdung a. Chriſti, und im andern 
Theil von der Menſchwerdung. 82. 1. pen. ihr a. wol. 83-1. 
pen. Cabaliſtiſchen f. magifihen. 85.1.2. fliehen? a. forfchen. 


8.9. fich a. denn. 86.1.5.von f. und aus. 90.1. 3. meiner f 
mehrer. Zweyter Theil. 5. 2. l. 2. in f. an. 4. l. 1. Adam 


a find. 1.4. Hiſtorie a. daß ein GOtt ſey, denn ſeine ꝛc. 5. 1.6. 
inf.an. 1.7: aus f. auf. 6. l. 4. ſtehen a.und. 7. I. 3. aͤuſſere 
a. irdiſche. 8.1. 5. im a. groben. 10.1.3. der f derſelben. I. 
pen. der f. ihr. U.l. 8. Weisheit GOttes in GOttes 
Liebe [al. Welenheit GOttes in GOttes Liebe} 16- 1. 1. will 
2.08. 20. & 4. verfchlingen. 21. I. 4- daſſelbe. 22: I; 4. mit 
Adam f. Adanıd. 27. I. 4. Imagination al. Incantation, 28. 
L.5. und f. oder ... davon fs darum I. 13. begehret a- und 
31. Uberſchickt I. 2. Lebena. der Menfchen. I. 4. und a. hätte. 
34.1.1. das f. der I.z. es f. er. 1. 3. fuͤhret a. nur. I. pen. 
immer a- und. 35-1. 6. Goͤttlichen f Eöftlichen. 37. I. 2« 
darnach f.bernach. 40. l. 4. fie f. die 1.7: und f. ſondern. 41.1. 
4. Geiſte a. Chriſti. 43. I. ult. Creatur cal. Natur) 44.1 1. 


der f. dem · l. 8. Flehen a. ſich. 1 14: alſo f. als. 45. l. 1. wir 


a. bier. 46. l. 2. geſchrieben a. habet. I. pen. dieſe f. in dies 
fer. 47.1.6. EHstlofer a. Menſch. 48.1. 1. nun fl nur. 51. 
L. 2. geimme f. grimmigen 52. I. 4. Liebe =, ſelbſt. 53. l. 3. 
zu —* gebracht. I. 5. einander f. aneinander. [. pen. würs 
de f. 


wird. 54. 1. 2. der f. dem. l. 3. grimmen Tod f Grin... 


55.1. ult. dan a, den. 56.1. x. 2. dazu f. dahin. 1, 3; gedeu⸗ 
get f. angezogen. 57. I. alt. das f.ed. 58.1.1. Werf. Der- I. 
pen, der f. Dann. 59. I. x. Evangelifta f, der Evangeliff. & 
1.2, (oder wer... gefchrieben) I. 6. geböret a. doch. 6r- I. 2. 
3. bleibet eg euch f. bleiben fie. 62. I. 7. Sehen a. ber 68. 
r. 3. die Wahl f. der wol. l. 5. Lauffen, a. und ob es iſt 
dag er muß harte lauffen . - Go iſt er aber f. fo er aber.I. 
6.7. und wird vom H. Geiffe getrieben. 04. — 

fen 


ie 





der Verbeſſerungen , 155 
fen f. verwerfen. 65. I.pen. angftlichen. 66. I. 1. Anlangend 
euer gang Chriftliched Erbieten, erkenne ich und nehme 
in der Liebe gefchehen an, foein Glied dem andern in der Noch 
zu Hulfe kommt; folteinder Liebe verfchulder werden. Wol⸗ 
let wir ferner, was eurem Gemuͤthe annehmlich fey , niche 
bergen, will euch, fo vielmir GOtt verleibet, nicht verhalten; 


anietzo in die Liche JEſu Chriſti empfohlen. z- 


Signatura Rerum, 


Tit. Emigfeit a, in Emwigfeif. Leibes a. aus der Kranck- 
beit ... Gleichheit a, wieder in das erſte Wefen. dem a, hei- 


ligſten. Borr. $. 1.1.15. durch a. den. 2. l. 9. feinem a. ih> 


me. 3. 1. 67. dadurch a. auch. 1.7. und f. oder. 1. 10. Na: 


ea. daduech. I. u. Auch f. Auf: L 14. dem gans unnügen 
a irrigen. 1. pen. GOttes a. billig. 5.1. 4. noch f. und I.x. 


der a, beſten ... neuen a. wieder: Cap. 1. F. 4. 1. 5. bracht 


ı a, Eing. II. I, 13. verwandelt a. wird. 1-5. a. fin. haben f. bat, 


Cap. 2. $. 16-1. 3. effentialifihen a. Lebens. 18. 1. ult. fie 
fih. 19.1. 2. Friede f. Freude. Cap- 3.8. 19. I. 2. Wefen fl 
Weſenheit. 21. I. 4. fich a. in ſich. Cap. 4. 8.9.1.3. als a, 
zum erften. 15. 1. pen. und f. auch. 19. I. 12. dieſes f. bes. 
26.1.4. Hunger a, bat. Cap. 5. $. 9.1.7. es f. er. Cap. 
6. $. 9.1. 2. feine a. ewige 14. I. 1. find f. iſt. 15. 1. leib⸗ 
lich (al. lieblich) 20. l. 5. mitf. in. Cap. 7. 6.7.1.2. Gleich» 
niß f. Gfeichheit. l. ult. Luft f. Liſt. ur. I, pen. Doch a. auch. 
21. |, 3. tingipet a, und vertreibet. 39. I. 2. was f. Daß, 49. 
1. 6. eigenen (ewigen) 62.l. ult. mit a. ihnen. 81. 1,6.7. nicht 
a, anderd. Cap. 8.9.6.1. aus a. ſich. 34. l. 1. ſproͤde a. 
und. Cap. 9. $. 2.1. 3. alſo f. und. 4.1.8. alles f als. 
49. 1. 2. und f. welche. 60.1. 2. der ich a. der. “Sch. Cap. 
10. $.1.1. 7.8. Eben a. einen. 16.4.6. mir f. wirs. I, 11. 
da f. daß. 22. F. ule. GOttes a, aus. 34 1. 4. Reiche f. 
Reichthum ... in Diefer f. der. 36.1. 3. ein f. im. 49, I. 2. 
Todes f. todten, Cap, 11.518. 1.3. denfelben f. den. 30. 1. 3. 
a. fin, Ungefiht Auge) 39. 1. 2r. giftige f. vergiftete. 44.1. 
15. in a, der 57.1. 3.4. Mutter angezogen f. Natur aus: 
gezogen. 63. 1,9. derer für der- I. ıo. viel a. hundert. 74. 
I. 2. find a.ein. 77.1.3. affo a. iſts. 88.1. pen. Finfterniß; a. und 


die Finſterniß 92.1.9. gang f. Glantz. 1.13. ewiger (einiger) 


R 97: 


156 Berihnß 

97. L. i. Wenn f. Dann. l. ult. Crone a als. cap. 12. F. 8. l. 
1. Adams feine f. Adam in ſeiner. 14. 1.5. den f. der. l. 6. als 
a.in. 23. l. 4. Todte f. Tod. 27. l. 2. die f. feine. cap. 13. $. 10. 
1.6. ihr f. der. 40. l. 2. zur. f. indie. 48.1.4. Sulphurs f. 
Feuers. 5.59 1.6. das f. was immer· 1.9. ewigen (einigen) 
[. 10. ein f.im. ... gleich f. gleichen. cap. 14. F. 2. J. ult. iſt 
es doch f. iſts. 16. l. 9. aus der f. als die. 17: .2. Herbigkeit 
cal. Härtigfeit) 25. l. 4. Fein f. Feiner a. Anfang. 29. 1.5: & 


f. & 1.8. f. IN t, 3. afın. Glan (al. Glaſt) 41 
L.2. in f. als. l. 3. Weſen a. Alles. 1-6. Angſt⸗ a. Dual. I.ıı. 
iſt a. auch. 43. 1.5. Kaͤlte f. Falten. 46. l. 4. Toͤdtens f. To⸗ 
des. 54. 1.4. der f. und. cap.ıs. $.6.1. 7. Gleichniß f. Gleich⸗ 
heit. 7. 1.5. dis f. das. 9. I. 1. dem a. Selbs. 16. l. 5. er f. 
ers. 31. 1.3. dieſe f. die Begierde. 38. 1.5. afin.dochf.de. 41, 
L.1. abſterben f. erfterben. 44.1.3. Es f. Er. cap. 16. 9.3 kr. 
ober a. der. 1.7. lebendige a. ewige. 5. 1.5. a ſin. fire Ster⸗ 
nen f. Firfterne. 8. 1.4. Liebe oder f. Liebe und. 14. 1.5. alda 
f. und alfo. 18. I.2. Gebarerin f. Gebarung. 19. 1.2. Wun⸗ 
der: f. Wieder: 24. [.1.2, eines, ewige. 28. L. u. alder a, in 
des Vaters Eigenfchaft. 30. 1,8. in ſich a. ein I.pen, er a. 
wieder. 35. 1.4. a fin. offena. denn. 1.3. a. fin. Teufel a, Has 
ibn. 37.13. mit f in. I. 5. af, GOttes f. der. 1.4. a fin. 

Aufgang f. Anfang. 4% & 2. daB Einergeben f. ein Ein> 
geben. 43. 1.7: Linea a. erariffen. 44. 1. ult.die a. ewige, 47: 
J.i. d. Als ... Will a. dermegen. d. ich. 1.4. wie f. wer. 

Gnaden: Wahl. 

Tit. Odera. von. Vorr. s.4. 1.8. und a. der. F.ın. ergrifs 
fen worden f. kann begriffen werben. 5. l.ı2. unferer f. die. I. 
4. a, fin, aber a. auch. 6, 1.5. vonder Welcher. cap. $.3.1. 
u. einen f. einigen 1.3. afın. Ziel f. Zahl. 6. I. 2. der a. ge⸗ 

‚ fundene. 1,10. innen f. immer. 7. 1.6. Raum a. Zeit noch 
Statte. 1.7,8- Raum oder Zeit, fondern. 9: 1.8. ewigen (eis 
nigen) |. 12. oder f.und. l. 14. docha. gan. 1.4. afın. einige 
f. eigene. 10. 1.4. Gof. Es. Centro a, auch. 15. 1. 13. da f. 
davon. 16. 1.2. da f. wenn. 1.8. mit a. einer ». . folchen AN 
17. 1.3. die Göttliche f. GOttes. 1. 6. Menfchen f. menſchli⸗ 
chen, 18. 1.2. auſſer a. der. 1. 3. Einem a. einigen. 20.1.9. 
Wolthun a, als. 21. 1.4. nicht a. fagen. 27. I. alsdenn a. ſo. 

29. 


% 


ze 


der Verbefferungen. 157 
29. 8. nahe ↄ. als. 30. 1.7. und f.auch. 31. 1.1. Go f. dar: 
um. cap.2, 9.2.1.3. GOtt f. Er. 3 1.1. Nun a. aber. 8.1. 


10. einigen f.ewigen. l.ız. ina.die, 9.1.2. GOtt fi der. 12. 


I. Undf Wir. 15. Ir. anf in. l. 4. als f. welches. 16, 1.2. 
daß f. damit. 20. l.ule. empfindlich a. fichtlich. 21. I. ı. der- 
ſelben f. diefer. 1.7. gut a. Item .. eifrig a. Item. 1. 8. wol- 
len a. Item. 1. ult. alfof. wie. 22- I.1. Und f. Es. 1.7. als f. 
nemlich. 23.1.1. Und f. Wir. I. 2. ana-der, 24. 1. 5. anzün- 
denf.entzünden. 27. l.ı. So f. Alſo. cap- 3. 8.14. [.g. undf. 
von. 26. 1,3. nun a, die. 29, 1:1. mitf- mitten. 32. 1.3. in 
den finder. 39. 1.4. Anfang a: der Bewegung: cap. 4. 5.2. 
1.3. wiſſen afeben. 4. 1.2. als f. und. 16. 1,3. a fin. einigen 


ewigen. 27. 1.20. derfiorer. 47. 1.4. ſaget Chriſtus f. ffe- 


bet. 49. l.2. unda.ihn. cap-5. F. 4. Ir. Mens a. aber. 21. l. 


2. Geiſte a. ſind. 25. 1.4. a En- als denn a. darinn. 26.1 ı. vom 
Menſchen . «- Aug diefem. Lult. deren fdeffen. 36, 1. 5. ih⸗ 
me f. ihnen. cap-6, $.2. 1.4. bernach a: aber. 4.1.1. Alfo a. 


auch. 1.4. alöf.denn. 14.1.3. on fin. 31. le 3. a ſio. GOtt 
f. Er. 33. 1... Diefelbe f. Die» 36.1.6. die fs ın. 37.1.2. ſei⸗ 
nem f, einem. 39. 1.2. Pfalm a. Davids. 43-1:4. Mofen a. 
in Chrifti Figur: 50. 1.6. mit a. der. Cap. 7. v.1.l.ı3. natuͤr⸗ 
lichen a, und. 6. J pen. Effeng f. Scientz. 16. 1.9. anf. in. 21. 
1. 4. innerna, und auffern. 32:1,3. Fund f. iſt. 42. 1.4. mein 
a, himmliſcher. 50. I. 2. guter a. Baum. 1.6, eine a» iede, 51. 


1.2. Zeit Gahh 53. 1-5. zum  Beifl. 62.1.1. von denfelßen 


f. hievon. cap. 8. $.2. 1.3. als f. nemlich. 10. 1.3. gewircke⸗ 
ten f. wirkenden. 14.1.3. als a. in. 15. l 12. Erſten, a, als 
Sal, Sulphur und Mercurius_ 26. |, 4. oben a, gar. 33: 
und a. die. 34: 1.3. Creation a. aldi 38. 1-1, 2. Ereaturenf. 
Creation. 404,1. ffehet a. zum andern. 41. 1:9. daß f. das. 
44. l. 3. der a,auffere. 47: 1;pen. als f, nemlich. 54. 1,6. fol 
a.num. 72. 1. 6. aus fe in. 79- 1.4: Fruchte a. auch. 83. J. J. 
Same f. Baume. 84.1.8. Schaͤcher a. am Creutze. 90. l.8. 
als f. nemlich. 94. I. 23: boͤſen a Weſen. 99. l. 3. iſt a. in 
Chriſto. 104-1. 8. lange a. Zeit. cap. q. $.r- 1.9. falſche a. 
Seele. 9. 1:5. ausfprechen a als der Ausgang 15.1. pen. von 
Dein f. oder Bein. 19.1.1. heilige a. Lebens 29.1, ı. nun a, 
iegt. 1.5. era.infich. 32.1.9. aldf. nemlich, 36.1.6. auch a. 
alhie. 4u. 1.5. den ſelb⸗ f. denfelben. 45. 1: 3. als f, nemlich. ir. 
I, pen. 47.1, ult. Gnade f. Gerechtigkeit. 50. l. 3. im F 

| ng. 


fang f. in Adaml. 8. 9.... Gerechtigkeit a. in der Gnade. | 
60. I. 4. werden a. durch Menfchen. 62.1. 7. Schaͤcher a. 
am Creutze. 64. I. 6, kommen a. zu ſuchen und. 68. I. ar. 
ſollſt f. ſelbſt. l 24. Samen f. Namen.69. 1. ult. Paradeid 
a, an. 71. 1.5. Daß fr und l. i5. Era. in. 73. 1. 10. Kae 
ben a» und führe ihn I. 15. dem f. den. 80.1.8. Abras 
hams f. Adams g1-l.7. warf. das war. 03. 1.3. im a. See⸗ 
len⸗ 193. [. 1. mochte a. nun. 106.1. ı. find f. das find. 116.1. ° 
1. iſt. 2. ietzt. 117.1. 7. ruffetfiea. aber. 1.14. waruma,aber. 
20.1.1. du a.num. l. 10, und a, ihn. Cap. 10. 5. 2, I. ult. 
wie a. dann. 5.1. 1. Suͤnder a, nun. 6. 1. 3. Iſaac, a. un⸗ 
ferm Vater. I. 8. Eſau a. habe ich: 9. l. 3. aus a, der. 18. 
l. 5. Sonft f. Denn. 26. l. 3. den f. welchen. 28. I. 10. in 
a. den I. pen, Womit. f. Wo. 32.1.1. 2. fremden Scheinsf. 
Sreuden:Scheind. 35. l. u. und a. burch- 38. 1. 3. 08f. 
Er. 43.1.6. a. fin, Kraft a. daß. Cap. ır $.1. 8. Geelen, 
Juden. 14.1. pen. das f. da. 20. 1. pen. ihre f. die. 30. l. 13. 
obwol f.gleichwie. 34.1.5. & fin, alle a. feine. Cap.ı2.$-3.1. 
1. ſahe a. von Emigfeit. 10. 1. 3. eben a.mitder Lydia. ı.l. 
10. find a auch. 13.1. 2. Ehriftum a. erſtlich. 17. 1-4. aud 
und ag. l. 1. alſo f. als. 19. l. 4. Diefe f. die 20.1. pen. feu⸗ 
riſche (GGerechtigkeit) zu I. u. der f. und. 27. 1.5, Spra⸗ 
chen f. Sachen. 1. ule. ſollen. a. Amen! 29. 1. 2. aus f· nach. 
41. 1. 1. mufte a. dieſer. I. 9. verrathen f verachten. 44. 1. 1. 
auch a. ein. Cap. 13. $+ 5.1» 4. Fuͤllerey a. und. 16, 1. 1. die: 

ter a. fehr. 


CHRIGSTS Teftamenta. | 

OL Taufe. Borr. I 6.leg. Guͤnſtiger, Chriftlicher. Der 
22.8. iſt alfo verbeffert: Es muß viel ein anderer Ernſt dars 
beyfeyn, es darf keines Diſputirens darzu, fondern nur ein 
ernfter Bußfertiger Menſch im Glauben, in der Kraft Chri- 
fti, verſtehet diefe Teffamentliche Einfegung und Nieffung. 
Es ift dem natürlichen Menfchen eine Thorheit und kanns 
nicht begreiffen cr Cor. 2:19 4 L. 2. auffchlieffen a. mag. 
I. 3. das f. welches 5. I. 6. Liebe a. in feinem Sohne. 6.1.4. 
folchen a. ewigen. I. 5. und f-daß.1. 8. denen f. welchen. 8-1. 
15. wohnet a Joh. 6. 9. I. 5. Spige f. Spigen a, folcher 
keiter, 10, 1. 6: fiha.darı 15. In nicht a, allein nur. er 

Zu } aber 





der Berbefferungen. 159 
oder f. anders. 16-1. 5. wie a. zın 1. 7. Herßen a. hören 
18. |. 4. 5. des Priefters f. feinem. 19. I. 5. groffer a. und. 
20. 1. 4. deffen f. des. 21. I. 4. alda f fo. 22.1. x nur 
weiß f. miffe. T. 2. iſt f. ſey. 1. 2. gibt f. gabe. I. 3. haͤlt f. 
Halte. 1.7. So f. Alsdann. 23. 1.2.6. parenthehrt. 24. und 
25. parenthefirf. 26.1.8. alfo a. lebeten und. Cap. 1. $. rf. 
8. die Ginnen f. fie. 2.1.7. Ungrunde, a. Joh. 1. 8.1. 1. 
12. 13. Und a. können 9-1. 8. in a. eine. 13.1. 3. treatin- 
liche f. natürliche. 14. 1. 3. feinem f. feiner ... Grunde fr 
Mutter 1. 5. 6. ihme f. ihr . . demfelben f. ihr .. ihmf. ihr. 
1. 6. derfelbe f. diefelbe. $, 15.1. 2. Gelbheit a. eingefuͤh⸗ 
vet. Cap, 2. $. 30.1.9. wäre f. ſey. 31.12. darein f. 
darinnen. 33. l.ı, 2. Zorn: Feuer f. Zorne. Cap. 3. $. 1. l. 
5. ana fih. 2.1.2. derf. er. 5. 1. 2. andern f. zweyten · 
12. l. 2. Grund f. Brunn. 17.1: 3. andern f. zweyten. 23 
L. l. 4. untödtlichen a. ewigen. 28.1. 6. Leibes f. Fleiſches 
L 2. a ſin. fol a Joh. ©. 30.1. 2. gerichtet a. werden. 
Cap. 4. $. 3.1.4. ward f. worden. .. welcher f. dennibnen _ 
der. 1.6, ſeinem a. erffen. 13- 1. pen. Licht, a. fager Chris. 
ſtus .. Anbeuch a des Teiged. 20.1. 5. angezuͤndet a. wird⸗ 

40.11. 4. das f. daſſelbe. 51. 1. 5. eroͤffnetes a. Gnaden. 
2. Taufe. Cap, 1. im Titel. derſelbe a. Streit. 14. l. 1. Chrift 
f. Menſch. 22.1. 2. Böttlih (geiſtlich) 31. + 6. Natur a. 
verflanden wird. 32. J. u. Afo= if. Cap. 2. v. 1.1.2 
darzu haben a. deſſen. das Feuer f. des Feuers. 41. 6. 
einem a. folchen. 10.1. ı. erftorbenen a. und. 23.1. 6. Feuer 
e. GOttes. 1.3. a. fin. alſo a. 'verfchloffen. 14. 1. 1. dieſeß 
a. Bilde. 24 1.4. abgeſchnitten a. werden. 27. I. 7. fpricht 
a. nun. 28.1.2. ala. ſehr. - 33.1.2. eröffnete f. of⸗ 
fenbarete. Cap. 3.9. & 1.1. das f. GOttes. 7. 1.i4- 
in der fe Die 9 1. uln Siebe a. ımd Gnade. 10. 1. 
5. und am andern Drte faget Chriflus f. Item. 5. 1. 
2.3. dieſes f. dad. 1. ult. in fig. 18.1 5. verſte⸗ 
bet a. aus. 23. 1. 1. Geſtirne a. in Sich. 1.3. ietzigem 
fr jedem. N | 

%5. Abendmahl. Cap. 1. $.2.1.5. überley f. überbleiben. 
20. 1.13. innern f. inwendigen. 22. I. 10. mollen a, 
gantz L. in. als a. die l. 13: Strumpf; a. Und mie — * das 
Ein⸗ 


160 ro SSSORLAENDNIB: .u 
Eingeweide und die Schenckel wuſch. 24- 1.0. zündet a. wuͤr⸗ 
de. 28. 1.2. Vorbilde a, ein. 29. I. pen. irdiiche a. ebierifche. 
cap. 2, 9 3.1. ult; auß f. von. 27. I. 5. wefentlicher a und 
geiftlicher. cap. 3. 8.3.1.3. oderf. und. 8. 1. vlt. faffeta. und 
iſſet. 75. 1. 3. übernaturliche a. mefentliche. 21-1. 7. auch f. 
und. 24. |. 1. auffere a. recht. 25-1. 3. darmit f. Darunter. 
27. 1.7. fprachen a etliche. 30. 1. 4. ben Zunder a. gar. I. 10. 
oder f. und. 32, 1.2. ihreadd. Begierde in GOttes Wortund 
Kraft, und wendet ihre. I. 4. ein a. neues junges. 40.1. 2. 
vermeinen a- daß. 41. I; 5. Tinctur a. des. 42. I. 1. ander f. 
zweyte. 46. 1:5. alfoa. auch. I. 11. mirf. ihme. 49. Kg, olle 
a.nur. 50.1.4. Alhie a. aber. 53.1. 1. folchem a. dem. 1.8 
Lebens⸗ ( Ölaubeng- ) cap- 4. 8.19. 1.3. ein fan. 1:6. Taufe 
2: thut- 27. 1.5. lauterlichfte. 32. 1. pen. nura.nach. 34. 1.7. 
Dein. a.einem 1.8. noch f. und. cap-5. Ss. 10.1. 7. und a ein. 
21: 1.3: als f· dann. | 


Myfterrum Magnum, 


Titul: a: Angefangen zu fchreiben noch vorm Jahr 1622. 
und vollendet im Septemb.1623. f Befchrieben ins Fahr 1623. 
Vorr. 8.6.1.9. Kraften. 16.1. ule. Amen. add.N, 1623. den ıı, 
Septemb. cap. 2. $. 5. 1.g.dennf. dem. cap. 3.9.9.1. 7. die f, 
in. 16. l. pen. Wiffen cal. Wiffenheit) 17.1.5, Mercuriusa, und, 


| a J —— — cap. 4. $.2. ee Ti a 
fuͤr . lin 4. für 8. Schärfe cal der Schoͤpfer) lin. 13. 
A für J. rule, T für Ereug, 3.13. alfoadd. 


‚&.del. &lin. 4. geformete Wort a. &. 4lin.2. T. fi. 
Creutz. 5.1.5. Tf. K Creutz. item l. q. $- 11. l. 8. verzehret 
e6. 13.1.1. Verzehrlichkeit. 18.1.2. Scheidung a. aus. cap. 6, 
8.2.1.3. Urſtand (al. Verſtand) 7.1.5. Leben f. Wefen. cap. 

10. 8.3.1.3: väterlichen (al. natürlichen) I. pen. nur f. nun. 

25.1. 4.in Metallen f. im Metallen. cap. 14. F. 4.1.7. liebli» 

ches cal, leibliches) eap. 17. 6. 4. 1. 5. Emigfeit f. Eitelkeit. 

cap. 18-S. 12.1.3. Er f. Es. cap. 19. 8.3. I. pen, ſich f. fie. 16. 

K.ule Wefen f. Welt, 23.1.5. Fein fein. cap: 20, 5- a Bi 

ru 


* 
2 
BE} 


| 


. 


5. 


der Berbefferungen. 16L. 

Frucht a. angreiffend. cap. 21. S. 14. 1. 6. wiederneugebor⸗ 
nen. cap. 22.6. 36.1.4. durch Das f.im. 50. I. 2. und wird 
die arme Seele f. tal die erme Gele) 64.1. ult. Eckel (Eitel) 
cap. 23. $.2ı. 1.6. thierifche a. Eigenfibaft der. cap. 24.5. 
15.1.2. verborgene (al. verheiffene) 26.1. 1. Eine f. einige. 
I. 21 ſtehet f. ſtellet. 35.1.7. bezeichnet f. bezeiget. Cap. 26. 
1.1.3. Staͤtte f. Staͤrcke. cap· 27. 5.34. 1. 3 denn f. den. 
Au 1.3.2 fin. augenommenes Kind Sohn) 57- L ult, deren 
f-die. cap. 28.35.39. 4. Baͤumlein f. Blümlein. 44,1. ult. 
ven Weg (das Reich ) 63. 1.3. mebrf-nur. 66. 1. ulc. dem 
Jungfrauen⸗Kinde wieder angezogen werden. cap. 29. $. 
T34.2.denf. der. 17.1-7.amf.vom. 29.1. 3.wolten f.wollen. 
zB lohnt f. führer. 59.1.3 a fin Linea a. ders 66. la. nur 


— cap.30. 5. 14.1. 4. das fider. cap· 34. F. 30. l. 7. Men⸗ 
dena 


n feinen Eigenſchaften. cap. 35. 8. 16.1.5.0 f.O. 
22.1.2. Zavan f. Japhan. 33. I. 11. 12. verderben (al. vertrei⸗ 
ben) zwingen f. zaͤhmen. eap- 36.5. 50.1. 3. vernünftlichen 
Wiſſenheit. 59. 1. 5. mit f. mir. cap. 40. 5. 85. 1.4. warf. 
ward. cap- 41.$.42 1.6. ihnen f. ihn. 49-1. 4. Vernunft⸗ 
Verſtande. cap- 42.9, 3.1, 1. lauten. 25. 1. 5. Spiegel (al, 
Siegel) cap. 43. % 49. he. fihf. fie. cap. 44. |. 24. 1.10, 
den f. daß. cap. 46. 9.9.1.10.noch f. nach. cap. 47.6.20. 
L u. himmliſchen a. Theil. 27.1. 1. gar fein. cap. 48. 8.32. 
L3.undf.der.. cap.52.v.ı1l.3. ſo ficha- nicht. 32. l. ult. 
dem gröffern Adamiſchen Willen. 36.1. 2. a fin. Subtilheit 
f. Seldheit. cap. 57. [.28.1.3-.afin, in f. nach. 32. I. 3. fich 
f.fie. cap. 60.$.20.1. ult. Batern f. Vater. 51. Kı2.dann 
f.daß. cap. 61. $. 22.1. 3. einfcheinen f. erfcheinen. cap. 63. 
$.11. 1.6. Babel f. Serufalem. cap. 64. $.42. 1.2. Joſephs 
(al. Jacobs) cap. 66.9. 15 1.8. Reichthum (al. Eigenthum) 
16. 1» 4. deinen (al. ihren) 40- 1.5. deines (al. meines) 43: 1.2. 
Lod:(al. Cloack) 46. 1.2.ihrf.der. 48.1.2. Stein (al.Ster- 
ne) cap.67.v.18.hult.edf.er. cap-69-$. 38.1. 1.darüber 
f.davor. cap.70.$. 51.1. 5. Stuͤcke (al. Fuͤncklein) cap. 72. 
5,25..3.iffa,in. cap. 73. $.13:1:.2.de8 f. der. 16.1. 1. foll 
a. gan. 31 1. 4; Fiebe- Einfpreihen. 39- I, 4. Viehhirten⸗ 
Amts:Weife: cap, 76. S.ı1.l. 8. einiges (al-ewiges) 20. 1.2.3. 
Dar in eins. cap, 77-5, 13.1.3. Wegef, Steige. ibid. Steige 
f. Wege. 


\ 177. Fra⸗ 


f * a), Pe De 

16 WVWVerzeichniß 
177 Fragen Goͤttlicher Offenbarung. 
Titul: hat, a. mas ſie nuͤtze ſind. Vorgeſtellet a. durch einen 
Liebhaber Chriſti und feiner Kinder, poſt 1624. add. von as 
cob Böhmen, ſonſten Teuronicus Philofophus genant. Vorr. 
J, ul. JEſu.Chriſti. add. Folgen die Theofophifche Fragen. Zt. 
1. 6.1.1.10. Jahren. Fr. 3. F. 11.1. 6. ewigen unda-auch, 27. Ta 
4. iſts a nur Fr. 5.3.1.4. Imagination f. Imaginirung. in. 1.2. 
allenthalbencallefamt) 15.1.3. die f. alle. Fr. 6. 8.3.1.2. rech⸗ 
te f.die. 1,3. d. rechte. 4. 1,1. GOtt f. GOttes das Ewige. 12. 
und wäre aber f. und ed wäre. 1.3. Seine Augflüffe. 1. 5. Imar 
gination f. Imaginirung. 9. l. 3, 4. Arbeit a, ein. IO. 1. .x 

Imagination.. Bildung. u. 1. 4. formirer f.geformet, 12.1.1. 
Speilung f. Speife. 16.1.2. Eingefchlaffenf. Schlaf. Frr$- 
$. 10.1.6. GOttes a. gank 13.1. 1. wie a. ifl. 14.1.2. Den 
Eigenfebaften f.der Einheit. Fr. 9.9.4.1. 7. Zornige GOLF. 
Zorn GOttes. Fr. 10.$.2.1.4. würde a. auch. 3.1.2. alsf. 
nemlich 1.4.5. Süßigfeit (Sanftmuth) 1.5. Bildung der a. 
guten. Fr... $. 27 1,5. als f. nemlich. Se. 12. $.4. 1.12. Liebe 
GOttes a. und, 8 1. 9, leg. aber es ging ein Seift heraus 
und trat vor den HErrn, und ſprach: Sch willihn uͤberre⸗ 
den. Der Herr ſprach zu ihm: Womit? Er ſprach: Ich 
will ausgehen, und will ein falſcher Geift feyn in aller feiner 
Propheten Munde. Er ſprach: Du folt ihnüberreden, und 
ſolts ausrichten, gebe aus, und thue alfo. 1 Reg. 22. 20-22. 
Sr. 13. 5.8.1. 4, in den meiſten (Menſchen) 10. I ule nur f. 
nun. 

» Tabulz Prineipiorum, 

- Der Titulift einiger maffen verbeſſert. 8. 4. 1. 4. Feuer a. 
im Lichte, 7. l-ult. genommen a. und befommen. 9.1.13. untes 
re f. andere. 18.1.5. ewigen (einigen) 9. J. 7. 5. aller fürder; 
Wiſſenſchaften. 20. 1. 5. ewigen (einigen) I. 8. Formirung. 
Nota die Tabell felber hat nach der Edition von Anno 1682, 
groffen Theils ihre Emendation bekommen. 25.1.5. Objectum 
f- Subjetum. 27. 1.1. inder Emigfeit f. im Emwigen. 28.1.5.0, 
ein Temperament oder gleiche Eigenichaft f. in der Ternperanz 
ober Gleichheit der Eigenfchaften. 29.1.1. feuvenden f Feuer⸗ 
brennenden. - Dann mit f. mit 30. l. pen. Unſern a. albier. 
35. 1.5. Empfindlichkeit a. verftehet man. 36. 1. ır. innere f. 
immerwehrende. 40. I, 1. Brunquell f. Dual. Au. 5 Der 

| reyen 


der Verbeſſerungen. 163 
freyen Luſt des Willens. 45. 1. 8. Selbheit der Eigenſchaften 
f. Eigenſchaften der Selbheit. Die J. Tafel Tetragrammaton 
iſt gantz nach der Edit. von Anno 1682 eingerichtet. Die 
11. Tafel Macrocosmus. die fichtbaren f. (der fichtbaren Welt) 
So iſts alhier entworfen f. und wird euch alhie aezeiget. 56. 1. 
ut, —— f. eingeleibet. 59.1. 4. Welches a. geiſtliche 
Weſen 1.6. gewandelt a. hat.1. ır. iffa. auch. 60. 1. 4, 5. mels 
tbe GOtt bat beiweget als der Göttliche Wille. III. Tafel 
Mictocosmus, Begierde a. ſtunden da Er . . Funde f. geſtanden; 
Menftruum (al. Monftrum) und in f. auch in... Bildung a. ſtehe, 
wie er; Zeita. in ein Bild gefeßet. d. gebildet ; fich ergeben f. 
‚folgen. F. 64.1. pen, entipringet f. feheinet. $-66.1.7. fich dem 
Willen GOttes ergiebet, F ihren Willen GOtt uͤbergiebet. 67. 
. 1.9. Thieriſche cal. feuriſche) 1.11. Erden a.auch. 68.1.5. unda, 
haben. 72.1.2. müffen a. ewig. . . verdammt a. werden. 73. 
l. 2. und a. da8. 74.1.7. Darunter f. Darum. 

Clavis der vornehmften Puncten. | 

6.5.1. 11. GOtt a. führen. g- I. 4. Schriften (Bücher). 
Explicatio 2, I. 2. unmeßliche (unmwanbelbare) I. pen. Ziel 
(Zeit) Einige f. ewige. 4.1.3. fieheta, daß 5. I. ı. oder a. der 
1. 2. Bewegniß f. Bewegung. 10.1.3. Ens f. Effenz. |. 3. Infaß⸗ 
lichkeit. 13.1.5. d. immer. Eined.. da f. davon. I. 6. ob es 
ware f. ob fie gleich da ware 15.1.5. Dieſem f. dein. 1. 7. wirs 
ckende f. wirckliche. 16.1. 3. Kraft a. Dann. I. 5. Heiligkeit 
Huldigkeit) I. 7. heiſſet (ſchleuſt) 1. 14. wircket unda. darinnen 
die Drepbeit. 22.1.3. und f.oder 26. 1, 1. eutſtehet f, ſtehet. 
27.1.2. welches f. daß. (5. 37. die in der Edition von Anno 1715 
allhier eingeführte Tabell bleibet weg. ſiehe Die angehängte 
Nota im Zert 43. I. 13. Ginnen ? Sinnlichkeit. 49. 4 4. 
Natur a. in v: 50,1. pen. Ens (Effenz) 64. 1. 9. klare f. lau⸗ 
tere. 65. I. pen. Eigenheit f. Einheit. 66. 1. 6. das Tempe- 
rament f. die Temperatur. 67;1.1. Der f. Diefer. 73.4. 7. 
Temperamento 83. |. 3. und ihn zu l. 6. man a, doch 86.1. 
5. frauliche f. weibliche. 94- I. 4. eitele (lautere) 99. 1. ı. 
Göttliche (geiftliche) 1..2,3. (Weißheit oder) 114. I. 4.2 fin. 
aber a. mann. 17. 12. biefer fein folcher-.126.1. 4. iſt GOt⸗ 
tes f. in GOttes. 129. I. ult, aber f. verſtehet. 133. 1.3. Dies 
fer f.der. 135. l. 3. metallifchen (al. materialifchen) Nora : der 
137. 138. und 139. $, iſt aus dem * Goͤttlicher — 

2 ei 


DR DARAN 


164 Verzeichniß. 

keit hieher transkeriret, nur etwas veraͤndert; Und das uͤbri⸗ 
ge vom 140.5. bis 8. 147. ward als ein Additum in die Edi- 

tion von Anno 1715. eingebracht; ſo aber beydes richtig iſt. 

| Theotophifche Send + Briefe, 

Epift- 1, $. 4.1.0. menſchlicher f. Menfchen.. oder fi und 
Ep. 2. F. 7. 1. 7. niedrigen a.ungelehrten. u. 1. 4. uberfende. 
a. euch. 1. pen. es a. Euch, Ep. 3. 6.4.1.3. mir f. nur. Ep- 4 
.$. 9.1.3. und a. der. 15.1. 4. den Tod a. aug= 17.1. 1. gufer, 
lieber 18.1.2: ich a. bin. 2r. 1. 1. alleine a. in-1.4. Geelea, 
nur. 24-14 himmlifchen. a. willen. 27.1. 6. gang a. klar. 
"28.1. 1. alſo f. ietzo. 32.1.2. alfo a. nur. 34. I. 3. Erkentniß 
a, wenn fie e8 hätten... dag a. Spotten 43. 1. 1. erfennen 
wie. 44. 1. 2. aber f. an. Ep 5. 6. 10.1. 1. mas a. es. 14. 
1... näbeftf-jüngft. Ep. 6.5. 2. 1. pen. erboren a. werde, 3. 
1.12. hiemit f. mit dieſem. 1. ule: begierig und willig f. willig und 
bereit. 4-1, 7. dieſelben f. ſelbige. Epiſt. 10. $. 1 I. 5. mei⸗ 
nen noch bishero unerkanten Schriften. 2. 1. 5. iſt f. worden. 
1,6. von dem Autore nicht alſo f. niemale. 1. 7. dieweilen es 
nur f. dann es ihme der Autor nur 3. 1. 10, dadann a ja. 1. 13. 
Diefe f. die. 13.1.3.2.afin. Vorwitze a. alfo darnach tracktet. 
14.1. 5;erfenne 2. daß. 15. 1. 6. ich a. euch. 18. 1. 4. feßte f. 
ſagte. 28. 1. 2. aber a» doch. 1.9. dieſe f. die, 30. 1. 4. milk 
a. was Er will. 31. !.pen. ſich a- gleich · 37.1.2. 3. Höhen,a. (ein 
iedes vom erften an iſt zehen mahl höher) 40. I. r. Allerkluͤ⸗ 
efte. Ep. 12. : 2. Soll-Einnehmer f Zöllner. I. 3. Maria 
Himmelfahrt f. 10: Maji. 1.1.4. Aſt a. am Baume, 23.1, 
“2 wie mag der f. wer mag- I, 3. prüfet und richtet. 24. L.ır. 
Gelaſſenheit a. zu GOtt. 25.1, 3. wie a. viel. 36. L pen. 
"Babel a. und. 38.1.9. Mutter a, wieder. 46. 1. 2. itt.a, der. 
‚49.1. 16. habe erfahren. add, Sie mögen wol daheimen ler⸗ 
nen Leute ſchmaͤhen. Es iſt nicht der Findliche Weg in GOt⸗ 
tes Reich darzu iſt ihr Weg Revoca; und von ihnen ſelbſt im 
Schein, aber heimlich find fie wie vorhin. 50. l. I. alfof: fo 
Lule, Welt a. vorhin voll add, darnach lauffe ich nicht. 51. J. 
2. mag a. er. 68. 1. 4. Principien, a und, 73, 1.2. Bezeich⸗ 
nung derf. und: 75.1.3. Orten. I. 7. Dann zu, a. dermich 
“andere Wege führete,zu folchen Menfchen, da e8 nöthig war. 
76.1.1. Balthafar f. Balgen 1.2. Pletzka f. Pleöfe, Ep. 13 74 


Fu 


der VBerbefferungen. 165, 
1.5. ſich a. felber. Ep. 14. 8.2.1.2. der f.die Ep. 15.8. 1. l. . die a- 
eigene. 14-1. 5-ou8gewicelt f. ausgewircket. Ep. 17.1.1. add 
an Ev.H.v4.] 8. 1. l. i. Edler a. Herr. I. u. wollen 
f. können. 2. I. pen. wieder a. neu: 12, 1.4. Euer Gunſten f. 
E. Seftr. Ep. 18. 1.1. Schweinich f. Schweiniß. 2.1. 2. pralen 
f toben. 1. 3.2 fin, So ſchmecket. f. folches ſchencket. Ep, 
29. 2.1.2. Herr, a. und Heliebter Bruder im Leben JEſu 
Chriſti.l. 3. Immanuel, a. feiner Gnade 2. 1.3. mag f. Fann.. 
das f. dann, pen. Wiederbringung f. herwieder gebrachtes 
Heil3.1. 3. eine atoffene. 4. l. z. freundliche Liebe f. Liebe und 
freundliche» 1.3- das f. der. l pen. an f. aufs. 5. l.ı. mirs fr 
es ihm. 1.3. ich geſehen, daß nicht allein D. alſo. 1. 7. bie f. 
der. 6.1.2. werde fewieder. 1. 3. giftig f. heftig. 7. L. 1. als a. 
Koch l- 4. nie f. nicht. 1.7. oder f. und 8.l. 3. ſetzen f. legen. I. 
4, 5. Ehriftlichen f. ernftlichen. 10. 1. 7. anders a. darzu. 
22.1.1. lieben Herren. 13... GOtt a. nım. I. 3. herkom⸗ 
anea. darum. I. 4. den a, Zeit der. 14. I. ult. verſtehen f. er⸗ 
Eennen- 15. & 4. erfuchen f. ermabnen- 16- 1. 2. allen a. Dins 
gen. 17. 1. 3. mir a. ſchriftlich. 22. 1. 3. ewigen f. eigenem. 
Ep, 20. I. 2. add, an Herr Gottfried Sreudenhammer vor 
Sreudenheim, Dr. Med. zu Groffen» Ölogau- 4-1. 1. Lieber 
«Lilien) I. 2. der Seelen f. derfelben. I. 3. GOttes a. als. 
25.1.3. Leib (Menſch) 26. 1.3. daff-dar. Ep. ar. 93.14. 
gfleget a.e8. Ep. 22. 1.2. Herr Hans von Sihellendorffi f. H. 
v.©.8.6.1.3. in Sulphure Mercurio und Sale. Ep. 23.1. 3. d. 
(21.1683) 3. 1. 2. auf f. aus. Ep. 24.1.1. Balthafar f. Bern: 
Hard. Nitfihen. a. Tuchmachern in Trouppau. Ep. 25. S. 1. 
$. 10. demf.demfelben. I. ulc. wird f. will. 3.1.9. Rudolph f- 
N. itemf,14. 4.1.6. als a, alle. I. 7. die fe daS. I. ult. moͤ⸗ 
ge f. möchtet. 5. x. Ferner f. Noch. 1. 1,2. Dr. Adam 
Brux, Medicus zu Sprotta, f. D.A.B.M. zum Gagan, Ep- 
26. $. 2.1.4 3 fin. allerwenigſte a. derfelben. 3. l. 3. auch 
a. noch. l. zer f. es. 1.8 kein ein l. ul Erden 
=. verborgen. + 4. +. alſo f. allhier. Epift. 27. F. 3. 
L. 1. fo ffo Bald, Ep. 28. [.ı. An Dr, Chriſtian Steinber: 
gen, al-an Valentin Thirnes. 2, L.ır. ein f. das. 1.12. da das 
Eifen f. das da. 3. 1. pen. der f. oder. 5. I.r. wird f. iſt. I. 2. 
ein-f. net: 6. 1.3. Nein, f. fordern. 1.5. Menfthen a. Chris 
ſtum. l. 6. in Kraft f. mie. 7.1.4 ar a ſind. 9.1.8. Bei 

| * 


166 Verzeichniß 
der Trübſal f. trüßfeligen Zeit. I. 11. in ſ. an. 10.1.0. der 
Characteren. Epift. 29. 1.2. add. Der offene Brunnquell im. 
Herken JEſu Chrifti fey unfere Erquickung. Ehrenvefter, 
wolbenamter Herr, werther Freund. Nebſt Wünfchung 
‚aller beilfamen Wolfahrt , ꝛc. der gantze r-$. iff hinzugekom⸗ 
men. Ep.30. I.2. Gold:Berge a. (al. zu Lignitz) Ep, 31. $. 12% 
L. 1. fixes f. feines. 18. 1.5.6. mitdeme f. in deme. d. mit. 25, 
1.3. Berftand (al. Urſtand) Ep. 32. 8. . 1.9. nichts 4. zu. I. 
12. euch a» fihon. 2.1.4.2. fin. der a. Herr. Ep-33. s. 6.1.0. 
erinnert (verführet) Ep. 34 F. 4. 1.3. Gaben a.’ gerne. 8.1. 
ult. und a.hertzlich. 24. 1, ult. Sapra a, bin wohnhaft zwiſchen 
dem Neiß⸗Thor. Ep- 36. I. 1. Balthafar f. Bernhard. I. 2. leg. 
1622. f. 1621. 8.1. 1.7. will f. wird. 2. 1.2, Baume f. Brun⸗ 
nen. 1.3. will f. wird. 3. 1.8. gröffer a. werden. Ep. 37. l.ı. 
von Endern a. im Sahr 1622- Unfer Heilim Leben Ehrifti. Ep. 
38. 1.2. leg. 19. Febr. f. 1. Febr. 12. |. 1. ich a. euch, meinen, 
17. 1.1, meine f. die. 1.16. es a. dann. Ep.39. $-17. 1. 1,2. 
Geliebte Herren und Freunde (al. geliebter Herr Friedrich ) 
19. 1.4. Creation f, &reatur. 21. 1,3. Scheidung a. bat: 27. 
I. 4. temperierte (al, tingirete) 28. 1. pen. Qualität f. Dual. 
29: 1.3.4. Liebe Herren (al. lieber Herr Friederich) 31. 1.1. fie 
a. ie Thiere) 1.2. Meineliebe Herren (al- Mein lieber Herr 
Sriederich) 1.3. noch f.doch. 32. L.ı. ins f.in. 1. pen. fo a. ei: 
lend und. Ep. go. $.12. I. pen. Menſchen und f. oder. Ep- 41 
I. 1. Frankenberg a. auf Ludwigsdorf. 1.1.1. Edlera. in Chri: 
ſto geliebter Herr, und vornehmer werther Freund. 1.5. dies 
ſem f. meinem. 3. 1.8. gewirdet a. hat. 6. 1.4. eingeführer a. 
babe, 8.1.9. einander a. mit. ı1. 1. 6. als f. aus. 12. 1:4. le 
fen a. und erwegen. 15.1.3. undf. oder. P.S. $.14.1. ult. und 
a. ihn. Ep. 42. I. 2. von Freudenheim, Med. Dr. Pract. zu 
Groſſen⸗Glogau f. V. F. M. D. z. G. $.3. J. ult. Chriſti a. 
möchten. 23.1.1. Mars f. Martis. J. ult. Eigenſchaft a. gang. 
33. 1.2, doch a. nur. 39. l. 2. wol a. anietzo. 52. l. 2. ſuchen a. 
und behuten. Ep. 43. 1.2. Einreitung Chriſti f. 30. Mart. 3. 
1. 2,3. eingegoffenen f. eingefchloffenen. Die 44, Epiftel iſt von 
dem Tractat der Teftamenten Chrifti, wohin fie inder Edition 
von Ao.1715 trandferirt, wieder an ihren rechten Ort bieber 
gebracht. Ep. 45. $.3. 1.6. tiefen f. füffen. 4. 1.3. afin. die a. 
Goͤttliche. 5. 1.2. dann folchen f. denfelben. 7. J. ult. hoffen | 
NE. 


U, Ks N a a RE RB ET 
der Verbeſſerungen. 167 
iſt. Ep. 46. $. 2. l. 10. Lebens JEſu Chriſti. 4. L 1. Alſo a. 
auch. 12. kr: iſt a. daß, 15. l. 4. 4. ſin. derſelbe f. der. 20. 1.4. 
von auſſen d.durch. 31. I. 3. ſelber a, mit unausſprechlichem 
Geufgen vor GOtt inung felber. 39. 1-5. ſich a- ein. 43. JL. 10. 
mit a. im. 44.1.5. Neue a, Wieder. 52. | 5. unda.den. 75.1. 
3: in a, Oöstlicher. Ep. 47. $.2. 1.4 forichet (al. herrſchet) 
3, 2. Urſtandes (al. Verſtandes) 3, 1. pen. folchem f. feinem. 
13: 1.3. und ein-f. oder. 14.1.5. daraus a. eigene. 1.5. a. fin, 
Eigenfthaft f. Eigenheit. 15: 1.5. Separatorem, item $. 31. die 
8, 35: ſtehende Tabell, iſt nach der Edition von Ao. 1682 an 
vielen Drten verbeffert worden. Sin der Erklärung No. 1. l. 
alt, pag.197: Gichtbar a. dazu. n. 2. ule, in f. vom, n.3. 1. 
3, Einige, eigne. n.5, 1.3: einigef ewige. n.6. I.ı. Wort a. 
in GOtt. no. br. Tinctur a. oder Sprechen der Drepbeit. 
l. io. giebet f.gebieret; Jufaßlichkeit a. infich eine Herrliche 
keit. I. 11. welches der Anfang des Etwas iſt. No.l. 1,7. Des 
fihattung (al. Befkhaulichkein) IE I. 4. Harte a. und Rege oder. 
1.7. indenf.im; IH. 1.5. Sinnen del.alda, & add. fo wolder 
Eſſentz und des Gemuͤths und der Sinnen .. daf. weil. 1.6. als 
da f. und albie. . . fihieblich a. wird: 1.9. Leben a, recht. IV. 
l. 7. der Natur Urſtand f. der Natur der Verſtand. L:ult, Dias 
jeſtaͤtiſch f. materialiſch. V. Ir. fünftea. Haupt» VI. l. 3. Ges 
ſtaltniß. VII. l. 1.2. Weisheit a. und iſt die 7. Haupt-Geſtalt, 
deutet an die weſentliche Weisheit; I. 7. verſtanden, a. auch) 
wird die Engliſche Weit darinn verſtanden 1.10. und fl der. 
N, 12. [.2. Weſen (al. Wachfen) N.14. 1.8, Liebe: a. Offen» 
barung. N.15,1.3, Wefen (al. Wachen) N.17. 1.4. Kraft a. 
und. N. 18. l. 4. die. f. beyde. . Melt fi Welten. l. 9. zu fes 
hen add. Diefes iſt alſo eine kurtze Andeutung der: Tabell und 
aller meiner Schriften, meinen lieben Herren zu Willen in gus 
ter Meinung.geftellet;, und den. Anhebenden zu einem Abc 
‚recht treulich» Ep. 48.9. 1. 1. I. gar-a. lieber. Ep. 50. 
6.5. 1: 2, Keellen fa Klauen. 6.1.6, von f. bey. 8. 1. 10. 
iſt a. groß. Ep. 51. $: 1.1. neben-a. Wunfchung. 1. pen. 
‚aber. a. erwantie 2: I. 1. Teufel f Satan. 1. ult. Gift 
‚aus: a. es iſt ſich fuͤrzuſehen. Ep 53, 1. 1. Schweinich f. 
f. Schweinitz. Ep.55.5:1.1.4.die-a.mahre. Ep. 56. $.14. 
L4. einem a. rechten. 17. isult. gethan. a. habe- Ep.58. $- 
Z.l. un. Gerichts-Tag GOtteseſ Juͤngſten Tag. 1. 12. 
4. 












ei 


TB, . He 


ein fein. 41. 1. davon f. darum. 5. 1.5. vorüder, a. und 
ladet feine Hochzeits-Gaͤſte. 1. a. will (wachet) 1. 5. lebet 
(ſchlaͤffet) 7. l. a. Chriftug a. ntır. 8.3. darinnen a. 
and, 10. li 1. ſtehen f. ſehen. u. La: fiea. nur. Ep. 60. 
F. 3. 4. weiblich f. wunderlich. .. Krellen f. Klauen. 6x 


l. ult, füpra a. Eier in der Liebe Chriſti dienſtw. J. B. 


Ep6r.$. 1.1. 16. nun a. zum. 3 La iſt ffind. 7. Lanf 
durch. 8. l. 1. deucht fr dünder. 1. 6. mag a. es 13.1.3. 
und f. oder. Ep- 62. S. 12. 1. 1. Gelegenheit a. her. 1. 4. 
euch a.alle, Ep. 63.9.4. 5. begehret a. hat. l. 7. Durchl. 
f. Gnaden. 12.1.1. Chriſtlichen lieben. I pen. euch a. alle. Ep. 
64.1.8 l.amirage. q. l. 3. wird f. wolte. 10.1. 3. Luther f. 
ihnen, 18.1.2. Zubuß f. Behuf. 1. 6. nacha.der. Ep. 65.$. 3. 
L. 13. treuen fetheuren. Ep. 66. $.r1.2. auch f. und J. 8. l. 4. 
5 welches, a. weil ich ſelber auf der Bruͤcken geſtan⸗ 
de l. 6. geſpuͤret a. habe. 5.0. iſt die Nora zur Erlaͤute⸗ 
rung wegen ber eingefallenen drucken angehaͤnget, und end⸗ 
lich die letzteren 8 Sendbriefe von Num. 67 bis 74 indiefer 
neuen Auflage, ald eine Zugabe, zum erſtenmal mie hinzuge- 
fuͤget worden. 


Dieſes waren alfo die Verbefferungen in denen Schrif⸗ 
ten des Audtoris ſelbſt, fo nach denen Originalien und erffen 
Copeyen derfelben, (mie fie in dem Lebens⸗Lauff No. VII. ange: 
führet find) unter GOttes Segen in diefe neue Auflage einge: 


bracht worden, mobey man auch Die Druck Fehler der Edi- _ 


tion von Anno 1715. nicht aus der acht gelaffen hat. Anlan⸗ 


gend die übrigen Stücde, foden eigenen Schriften des Auto- 
ris. als eine theild nöthige, und überhaupt nugliche und leſens⸗ 
wuͤrdige Zugabe beygefüget worden, fo findet ein Gottlieben⸗ 


der Leſer den Kern diefer Schriften in dem bündigen Haupt⸗ 


Titel, und gleich drauf das gefalbte Wort der Vorrede eines 


och lebenden GOttes⸗Mannes, welcher diefe Schriften von 
langen Jahren her unausgefest in inwendiger, nie erimüdender 
 Praxihat, und in welchem der H. Geiſt, in Goͤttlicher Beſie⸗ 
gung aller Gegen-Machten, zur Vollkommenheit gefuͤhret, 


was Er in unſerm Schreiber, aus erbarmender Liebe zu der 


armen Seelen, eroͤffnet hatte. GOtt ſey gelobet, welcher 


dieſer neuen Auflage ſo wol gewolt, ſie mit einer ſo edlen 
Juweel 


| 





u Der Verbeſſerung. 169 
Juweel der himmliſchen Jungfrau zu eroͤnen, und damit zu⸗ 
Fleich das feſte Siegel des vollkommenen Sieges, der ewigen 
Wahrheit u. LiebeGOttes in Chriſto FEſu, darauf zu drucken, 
ſo keine Macht und Liſt ſeiner Feinde. Davon abreiſſen kann 
noch wird ewiglich? Amen. 

Die nach der Vorrede der Edit. yon Anno 7715. geſetzten 
Sprüche haben ihre beffere Einrichtung befommen, und find 
als ein Siegel der Weisheit dem Lefer vorgeftellet , der fich 
in diefen Schriften befehen mill. 

Darauf folget Die Rechenfcbaft des Schreibers, von wen 
Er feine hohe Gnaden de Geiſtes empfangen, fo in diefer neu- 
‘en Edition zum erſten mal mit voran gefeßet worden. Sie 
beſtehet aus verfchiedenen auserlefenen Stellen des Autoris, 
die man zum Beſten desanfabenden Leſers unter diefen Titel 
zufammen getragen, damit Er, fo Er etwann in Unwiſſenheit 
andemAutore und feinenSchriften irrete, eines Beßern darinn 
unterrichtet, ein boͤſes und feindſeliges Gemuͤth aber fuͤr Scha⸗ 
den gewarnet werde. Und weil man das Verzeichniß der 
ſaͤmtlichen Tractaten einiger maſſen in eine andere Ordnung 
gebracht, als hat man davon, wie auch von einigen anbern 
Puneten, dem Lefer eine Fleine Por - Erinnerung mittheilen 
wollen, Hierauf folgen dann die Schriften des Autoris 
feloft nach ihrer hier angezeigten Verbeflerung, in richtiger 

Ordnung, alle mit einander ; welchen man die Zugabe für die 
Schule der Weisheit, als einen Eernhaften Auszug der vor- 
Hergehenden Schriften, unmittelbar beyzufügen allerdings 
für billig befunden bat. | 

Der ausführlich, erläuterte, Ziſtoriſche Bericht von 
dem Leben und Schriften des Autoris iff in diefer Edition 
mit befonderem Fleiß durchgehends verbeffert und um ein an- 
fehnliches vermehret worden. Es wäre der Mühe wol werth, 
dem Lefer die viele getroffene Verbefferungen an dieſem Ort 
umſtaͤndlich anzuzeigen, wann es ihme nicht ein Leichtes waͤ⸗ 
ve, ein Auge auf die vorige Editiones zu ſchlagen, und der 
wichtigen meliorirung alsdann felbft zu feinem Vergnügen in- 
ne zu werden. Jedoch will man zum Voraus nicht ungemel⸗ 

det laſſen, daß auffer dene 6 Abtheilungen des Lebens Lauf⸗ 
fes, fo in der Edit, von Anno 17135. befindlich find, noch die 
7. in diefer Auflage, mit ——— Nachrichten hinzugekom⸗ 
5.7 men, 


— 


170 Verzeichniß 
men, fo vorhin noch nie bekant geworden. Die Verbeſſerun⸗ 
gen in den vier erſten Abtheilungen kommen zwar gar reichlich 
dennoch aber: ſo ofte nicht vor, als in der fünften. und ſech⸗ 
ſten; in welchen beyden letztern der geneigte Leſer ſonderlich, 
s in den Anmerckungen vorkommt, als gantz neue Zu⸗ 
gaben anzuſehen hat, der durchgaͤngigen Ausbeſſerung und 
Erläuterung, fo faſt in allen Zeilen zu finden, zu geſchwei⸗ 
gen: daß es ihme ohne Zweifel ein angenehmes Vergnügen 
machen wird, fo viele wichtige und zu verlaͤßige Nachrichten: 
überal anzutreffen-. gi | 
Diefed Verzeichniß der Verbefferungen:, welches dem: 
hiſtoriſchen Bericht angehaͤnget worden, erfiheinet-gleicher 
Geſtalt zum: erſtenmal in dieler Edition, daß der geneigte 
Leſer aufeinmaldarinnen ſehen fönne, was und wo, auch mit 
mas Aufeichtigkeit und Treue bey biefer Edition in den ſaͤmt⸗ 
lichen Schriften, theild nach des Autoris.Originalien,, theils 
nach den erfien Copeyen, geandert und weggethan, ober vers 
beffert und zu des. Leſers Dienſt hinzu gefeget worden ... 
DenSchluß macher endlich ein drepfachesXegifter,fo eben⸗ 
falls eine gang neue und fhönere Geſtalt bey dieſer Auflage 
genommen mit durchgaͤngiger befleren Einrichtung und ſehr 
reichlicher Vermehrung, welche nach der. Reihe. anzumeifen. 
zu weitlaͤuftig fallen ſolte. Der geneigte Leſer aber-Fann da⸗ 
bon in dem Vorbericht zu den Regiſtern Nachricht haben, 
auch auſſer denen allda angegebenen: Zuſaͤtzen, noch weit 
mehrere in den Regiſtern ſelbſt, fuͤrnehmlich in dem dritten, 
wahrnehmen, warn Er Belieben traͤget, ſolche ſelbſt ein we⸗ 
nig an zu ſehen, und gegen die Regiſter der vorigen, Edirio- 
nen zu halten. Wir hoffen, Er werde uͤberal ſein Vergnuͤ⸗ 
gen finden; welches unſer Seiten vollkommen ſeyn wird, 
wann dieſe Schriften den Gegen an feiner Seelen haben, 
den der felige Autor beauger, und wir. ihm von gantzen 
Hergen. wunfchen.. 


ENDE. 





WERTET 








— 
— — — 
— 
— 
* 


Po ⸗ 
⸗ F r 
* 





MO; 5 


7 


RN be AT £; G 4 3 
NN TR FAySı 
—— | KENT N ul 





9 








* 





2 a 22 ii 23 u, ade Biete Pi 5 % ur 


AVRORA, 


oder 


Morgenroͤthe im Aufgang, 


das iſt: 
Die Wurtzel oder Mutter 
der 


Philoſophiæ, Aſtrologiæ und Theologiæ, 
aus rechtem Grunde, 
oder 


BWecſchreibung der Natur / 


Wie alles geweſen / und im Anfang wordenift: 
‚wie die Natur und Elementa creatuͤrlich worden find, 
auch von beyden Qualitaͤten, Boͤſen und Guten; woher alle 
Ding ſeinen Urſprung hat, und wie es ietzt ſtehet und wircket, 
und wie es am Ende dieſer Zeit werden wird; auch wie 
GOttes und der Hoͤllen Reich beſchaffen iſt, und wie die 
Menſchen in iedes creatuͤrlich wircken. 


Alles 


Aus rechtem Grunde und Erkenntniß 
des Geiſtes im Wallen GOttes/ 
mit Fleiß geſtellet 
durch 


— a: 
Jacob Boͤhmen - 
in Gorlig, 
Im Jahr Chrifti 1612. feines Alters 37 Sahr, 
Dienſtag im Pfingften. 

















Gedruckt im Jahr des ausgebornen groſſen Heils 1730. 


— ———— erh. ii 
: er ae Bun. 
m, 


ee Fri 006 u 
"% —— tn) Sein ne ur Ei..% 
x ENT EBENE Ana WELT. 
rl EN EEE RR EE N 7 6 


Br Ag Bo ea Ar TER A 
RETTET ——— 


ir —— a 
au in an‘ n 73 


* 


— 


——— 


4 ID du 
2 Me a 2 zer 


MT, r Du 


| * — 
ru ee 
er ae Ei, 


— N 


— 


* a 
st vun zu H 





TATEN... OO RUIRTUN FRE, EIER U, 


Verzeichniß der Capitel 
in der Aurora. 


vVorrede des Autoris über diß Buch. pag.i 
1, zer. Bon Erforfipung des Göttlichen Weſens in der 
24 


2. er ———— das Goͤttliche und er 
Weſen betrachten fol. 


3. Cap. Bon der hochgebenedeyten, triumphirenden, F 
gen, heiligen, heiligen Dreyfaltigkeit GOtt Vater / 


Sobn, heiliger Geiſt, einiger GOtt. | 38 
4. Cap. Von Erſchaffung der heiligen Engel. Eine An: 
weiſung oder offene Porte des Himmels; 50 


5. Cap. Bon der cörperlichen Subſtantz, Weſen und Eigen⸗ 
thum eines Engels. 58 
6. Cap. Wie ein Engel und Menſch GOttes Gleichniß * 
Bild ſey. 67 
7. Cap. Bon dem Revier, Ort, Wohnung, fo wol von dem 
Regiment der Engel , wie ed am Anfang geflanden iſt 
nach der Schöpfung, und wie es alfo worden iſt. 72 
8. Cap. Bon dem gantzen Corpus eines Engliſchen Koͤnig⸗ 
reichs, die groſſe Geheimniß. 82 
9. Cap. Bon der holdſeligen, freundlichen und barmhertzi⸗ 
gen Liebe GOttes. 103 
10. En dem fechften Duell-Beifte in der Göttlichen 
Ä 13 
11. — Von dem ſiebenten Quell⸗Geiſie in der Goͤttlichen 
127 
12. Cap. Von der heiligen Engel Geburt und Ankunft, ſo wol 
von ihrem Regiment, Ordnung und himmliſchen Sreus 
den⸗Leben. 144 


13. Cap. Bon dem erſchrecklichen, klaͤglichen und elenden 
Falle des Konigreichs au ſera 166 





14. AR % 


Verzeichniß der-Capitel. 
14. Cap. Wie Pucifer der ſchoͤnſte Engel im Himmel iſt der 
greulichfte Teufel worden. | 187 


15. Cap. Bon der dritten Species oder Geſtalt, der Sünden 
Anfang in Lucifer. 206 


16. Cap. Von der fiebenten Species ober Geſtalt, der Sünden 
Anfang in Lucifer und feinen ein. 220 


17. Cap. Bor dem klaͤglichen und elenden Zuſtande der ver⸗ 
derbten Natur, und Urfprung der vier Elementen, an 
ſtatt der heiligen Negierung GOttes. 239: 


18. Cap. Bon der Schöpfung Himmels und Erden, und 
des erſten Tages. 244 


| 10. Cap. Bon dem erfihaffenen Himmel, und der Geſtalt der 
= Erden und des Waſſers, fo wol von dem Lichte und 


Kinfterniß. ** 
20. Cap. Von dem andern Tage. 284 
21. Cap. Bon dem dritten Tage. | 208. 


22. Cap. Bon der Geburt der Sternen, und Schöpfung de3 
vierten Tages. 319 


28. Cap. Bon der Tiefe uͤber der Erben. 336 
24. Cap. Bon der Zufammen-corporirung der Sternen. 352. 


25. Cap, Bon dem aangen Leibe der Sternen Geburt, das 
ift die gantze Aftrologia, oder der gantze Leib Diefer: 
Welt. 565 

26. Cap. Bondem Planeten Saturno. 584° 


— 6 


AN- 


ra al a a ER ah 


— —ñ— — 


—— -- 


oder 
KMorgenroͤthe im Mufgang. 


Vorrede des Autoris über dis Bud) 
an den günftigen Leſer. | 


Summarien. 


oe Thenfonhie iſt gleich einem Baum im Garten, z.1. wo er vom 
afteder Erden waͤchſet und viel gute Brüchtebringet 32,3: dars 
an ihn aber der Sternen Einfluͤſſe oft Hinberm, 4. Je gröfler und 
älter er wird, je füflere Fruͤchte traͤget er, s. nach Eigenichaft feiner 
verſchiedenen Dualitäten: 6. und wenn er veraltet, ſo verklaͤren ihn 
die jungen Sproffen, bis er gar dürre und abgehauen wird. 7. Deus 
tung dieſes Gleichnifles. 8., Zwo Dualitäten in dem Baum der Na« 
tur gut und böfe,mit dergleichen zweyfachem Gaft.9.10. DerMtenich, 
als die Frucht diejes Bauıns ‚ Tebet zwifchen beyden in groffer Ge- 
‚ fahr, u. und wohin er feinen Geift wendet , da erntet er/ und ſoich 
ein Saft quillet in ihme, 12. zum Berderben, wenn er den Teufel mit 
- feinem hölifchenSaft in fich herrſchen Läffet,13. welchen er aber durch 
» den guten Saft, als den heil. Geiſt, überwinden kan aq. Diefer herr; 
ſchet inder guten Dualifät, der Satan aber in der Grümmigfeit, is, 
darein ber Menich, durch Adams Fall, fich felber geworfen, und nun 
s beyde Dualitäten in fich hat. 16.17. GOtt führer ihn aber sum Gu⸗ 
ten mit väterlicher Borforge 518.19. der Teufel hingegen verführet 
ihn zum Bhfen.2o. Da beydeQualitäten von Anfang in derMenfch- 
heit gerungen,und gute und bofeMenfchen herfür gebracht haben; zr. 
22. aljo auch noch.23. Exempel Adams und Even.24. GOttes Wir⸗ 
ckung in der frommen a Des m were Ca⸗ 
ins Geſchlechte, welche, bey der Jugend des Baums , vorgedrun⸗ 
— Woruͤber GOtt denfelben , durchs Waſſer der Suͤndfuth, 
bis auf den Stamm kahl gemachet und geduͤnget, 27. hernach mit 
dem geuet Sodoms gefihrecket,28. endlich mit dem Geſetz Mofis une 
terrichtet. 29. Aber das Licht wolte hiemit nicht an den Tag kommen, 
wegen des gewaltigen Wiederſtandes. 30. Das Mittel - Aleer 
. des Baums brachte etliche füffegrüchte,nemlich die Propheten : 31. 
au gingden Heiden ein heller, Licht auf, wiewol nur noch in der. 
wil hr Endlich sing die Sonne auf, das Un heiue fan, 
und wurde in der Natur ein Baum des Lebens: 33.34, deſſen Zwei⸗ 
ge ſich unendlich ausbreiten, unter dem Ungewitter re und 
ienen,felbft die vom Sturm abgefchlagene, zur Geſundheit der Heiz 


2 


— 


den. z5.36. Der Satan verwandelt dahero feinen Sturm in eine ber. 
trriegliche Kraͤmerey mit des Baums Früchten ‚37:39. die er verfäl- 


ſchet. 40, Wis es gekommen , daß alle — die ſalſche Waare Bear 
H | ö 


2 Vorrede des Autoris, 
fet, ba fie doch nakb dem gute Baum gehungert, und diefer auch 
über ihnen geſchwebet ? 41.42, wie gleihmolder gute Glaube einige 
ben der faliihen Waare gefund machen konnen ?ibid. woruͤber der 
Satan entrüftet, einen andern wilden Baum pflanset, gegen Mit: 
ternacht, den die Völker für den Baum Des Lebens halten und ihn 
„Lieben. 43. 44. Diefes milden Baums Wachsthum und maͤchtige 
- Ausbreitung.as. Urſach derielben, und feineHerrichaft über die Men⸗ 
» chen zu ihrem Berderben und Irrthum: 46248. die übrigen fallen 
von des Satans Verfolgung: 49. deſſen Kaufmann unterm guten 
Baum darneben ſeine betriegliche Krameren auch allezeit forttreibet, 
zum Verderben der Voͤlcker, die ihr groffes Elend nicht fahen. 50:52. 
Des guten Baums endliche Verjüngung am Abend durch 
einen geünenden Zweig, 53. zur Verwunderung und Freude der 
Menschen, die davon eſſen und gefund werden. 54:56. Die betriegli⸗ 
chen Krämer aber bleiben in Angft und Schanden zurück und verder⸗ 
ben. 57.58. Dadurch erneuert fich auch der Streit Michaels und des 
© Drachen, welcher letztere unten lieget ; 59.60. aber die Menfihen all⸗ 
maͤhlig in Eckel der ſuͤſſen Frucht und in Luͤſteruheit nach des Baur 
mes Wurtzel einfuͤhret, ferner in Zanck um diejelbe, in allerhand 
Suͤnde und Laſter ſtuͤrket, 61:63. bis auf ein kleines Haͤuflein so er: 
‚rettet wird. 64. Urſach des Luͤſterns nach des edlen Baums Wurtzel iſt 
‚fein gruͤnes Zweiglein, 65:67. mit welchen. das himmliſche Jeruſa⸗ 
lem offenbar,und der faliche Kaufmann ausgerottet wurde,68.: auch 
der wilde Baum verdorrete,, und der Fuͤrſt der Finſterniß offenbar, 
in Schande und Spott, da ſtunde; nebitdem Lichte aber zugleich 
‚auch die Thür. der Finſterniß ſich aufthate, welche ſich die Menſchen 
bald fangen lieſſen 60. wie vom Anfang her, alſo amEnde 0. Be⸗ 
ſtuͤrmung desheil. Baums: 71.defien maͤchtige Wallung in der Natur, 
and ringendes Gebaͤren zu Auswerfung des Grimmes 72. Desglei⸗ 
chen grauſame Wallung des Baums der Finſterniß, zu Verderbung 
der Frucht des guten Baums. 73. Daher ſtehet es ſchrecklich in ber 
Vatur hoͤſen Dualität ; 74. aber dagegen gar lieblich in ihrer: guten 
Qualitaͤt: 78. bisbeyde Baume angezuůndet werden ‚Der gute mit 
dem Feuer des 9. Geiſtes, da er in ewigem Lichte und Klarheit bren⸗ 
„net; 76. der Bofe init dein Feuer Des Zorns GOttes.77. Daraufder 
. Welt Ende,und’die Scheidung der Qualitäten bös ‚und gut folget, 
and jenes dem Satan zur ewigen Behaufung gegeben wird.-78., der 
fuͤrgehung aller Menfchen in derjenigen Kraft, darin ein ieder auf Ers 
„ben gewachfen war. Die vom Baum des Lebens Chriſto/ gegeflen, 
„werden in der heil. Dualität aufgenommen 5 79. desgleichen Die ihn 
nicht gekant, aber doch in feiner Kraft — ; ihre Glorifi⸗ 
“erung nach eines ieden Kraft. 80. Sie eſſen himmliſche Srüchte,und 
gebaͤren das LobGOttes ewiglich. 81. Die aber vom boͤſen Baum ges 
wachſen, gehen in Die Sinfterniß, 82. und eſſen hoͤlliſche Früchte, ein 
ieder nach ſeiner Dualität , ewiglich. Kurtze Recapitulirung und 
Inhalt des vorhergehenden. 83. Name und Inhalt dieſes Buchs, 
"was Philofophia fen 784. mas Aftrologia ? 85. und mie fern Au⸗ 
tor von dem Sternen handeln wolle? 86. 87. mas Theologie 
fen 288. Morgen⸗Roͤthe im Aufgang iſt ein geheimer Titul, den hei⸗ 
ligen beſern offenbar. 89.90, Der boͤſen Leſer und Wiederſacher * 
* * wuͤr 


Ge 1 Fan & w 


Borrede des Autoris. 3 
mürfe und Beſchuldigung. gı. Des Autoris Antwort und Rechtfer⸗ 
tigung. 92:95. Nähere Oeffnung der Urſach, warum der Geift des 
Menichen, oder die Seele‘, güttliche Dinge tractiren „und bis in die 
Gottheit forkhen könne? 96:99. Ihre Erkentniß iſt in diefem 

‚Leben Stuͤckwerck, doch wahrhaftig : warum ? 100-102. und waͤchſet 
mächtig, 103. alio daß die heil. Seele alles in GOtt fichet,obwoLhier 
nur&tüd-meile und unter beffandigem Streit.104. Auf ſolche Wei⸗ 
fe gibt Autor, was er aus EOtt hat, 105. und ertheilet den ſumma⸗ 

riſchen Inhalt diefes Buchs Yurora. 106.16, Er" 


Gunſtiger Lefer! 


Got vergleiche die gantze Philofophiam,Afrologiar 
— und Theologiam, ſamt ihrer Mutter, einem koͤſtli⸗ 
I chen Baum, der in einem ſchoͤnen Luſtgarten 






* ma . ugs —m 
2. Nun gibt die Erde, da der Baum inne fiehet, dem Baum 
immer. Saft ‚davon der Baum feine lebendige Dualität hat; 
der Baum aberin fich ſelbſt wachit von. dem Gaft der Erden, 
und wird groß, und breiter ſich aus mit feinen Aeſten. 
3, Rungleichwie die Erde mit ihrer Kraft an den Baum 
arbeitet, daß derfelbe machfe und zunehme; alſo arbeitet der 
Baum ſtets mit, feinen Heften aus gangem Vermögen, daß er 
möchte immer viel guter Früchte bringen. . 
4. Wenn aber der Baum wenig Sruchte bringet,darzu gang 
Fein, madig und wurmſtichicht; fo iſt die Schuld nicht an des 
Baumes Willen, daß derſelbe vorfeglich begehre boͤſe Früchte 
zu tragen, dieweiler ein Föftlicher Baum guter Qualitaͤt iſt; 
fondern die Schuld ift, daß oft groſſe Kälte, Hige, Muͤlthau, 
Raupen und Ungeziefer auf ihn falle :denn die Qualitat inder 
Tieffe, von den Sternen ausgemorfen, verderbet ihn, daß er 
wenig guter Früchte bringen. — 6 
. Run hat aber der Baum dieſe Art an ſich, daß je groͤſſer 
und aͤlter der Baum wird, je füffere Frucht traͤget er : in feiner 
Jugend traͤget er wenigFruͤchte denn das macht die rauhe und 
wilde Art des Erdbodens und die uͤberleye Feuchte in dem 
Baum ; und ober gleich ſchoͤne bluͤhet fo fallen doch im Ge⸗ 
waͤchſe feine Aepfel meiſtentheils ab, es fey denn Sache, dag er 
gar in einem guten Acker ſtehet. | * 
6. Run hat der Baum auch eine gute, ſuͤſſe Qualitaͤt an ichs 
dargegen auch drey andere bene zumieder,als bitter ſauer und 
berbe. Nun wie der Baum iſt alſo auch — 
HIER 2 f 


4 Vorrede des Autoris. 

bis ſie die Sonne wircket und ſuͤſſe machet, daß fie einen liebli⸗ 
chen Geſchmack bekommen, und müffen feine Fruͤchte beſtehen 
im Regen, Wind und Ungewitter. | — 

7. Wenn aber der Baum alt wird, daß feine Aeſte verdorren, 
daß der Saft nicht mehr indie Höhe Fan, fo wachfen unten um 
den Stamm viel grüne Zweiglein aus,legtlich auch aufder Wur⸗ 
gel, und verklären den alten Baum, wie er auch ein fehönes 
grünes Zweiglein und Baumlein gemefen iſt, und nun gar olt 
worden. Denn die Natur oderder Saft wehret ſich bis der 
Stamm gar dürre wird : dann mird er abgehauen und-im 
euer verbrant. Eu, (a 
8. Nun mercke,mas ich mit diefem Gleichniß angedeutet ha⸗ 
be. Der Sarten diefes Baums bedeutet die Welt ; der Acker die 
Natur; der Stamm des Baumes die Sternen ; die Aeftedie 
Elementa ; die Früchte, fo auf diefem Baume wachfen, bedeus 
ten die Menfchen ; der Saft in dem Baume bedeutet die Flare 
Gottheit. Nun find die Dienfchen aus der Natur, Sternen 
und Elementen gemacht worden: GOtt der Schöpfer abet 
herrſchet in allen ; gleichwie der Saft in dem gantzen Baume. 
9 Die Natur aber hat zwoQualitaͤten in fich bis in dag Ge: 
richte GOttes eine Tiebliche, himmlifche und heilige ; und eine 
grimmige,hölifche und durflige. ee 
10.Nun qualificiset und arbeitet die gute, immer mif gan⸗ 
tzem Fleiß daß fie gute Fruͤchte bringe ; darinnen herrſchet ber 
H. Geift, undgibt darzu Saft und Leben; Die boͤſe quillet und 
freibet auch. mit gantzem Fleiſſe, daß ſie immer boͤſe Früchte 
bringt, barzu gibt ihr. der Teufel Saft und hoͤlliſchen Lob... - - 
= 3 Nun diefes beydesift in dem Baum der Natur, und die 
Menfchen find aus dem Baum gemacht, und leben in dieſer 
let indiefem Garten zwiſchen beyden in grofler Gefahr, und 

aller. auf fie baldSonnenfchein,bald Regen, Wind undSchnee, 
12. Daß iſt ſo der Menſch feinenBeifterhebet in die. Gottheit, 
quillet und qualificiret in ihme der Heilige Geiſt; fo er aber 
ſeinen Geiſt ſincken laͤſſet in dieſe Welt, in Luft des Boͤſen / ſo quil⸗ 
let und herrſchet in ihme der Teufel und der hoͤlliſche Saft. 

13. Gleichwie der Apfel auf dem Baum madig und wurmſti⸗ 
chicht wird, wenn Froſt, Hitze und Muͤlthau auf ihn fallt, und 
leicht abfallt und verdirbet ; alfo auch der Menfch,wenner laͤſt 
den Teufel mit ſeinem Gift in ihm herrſchen. 

| X 14. Nun 





ſo wol auch die Natur und ihre —. nicht mehr er - 


u \ se a 


Vorrede des Autoris. X 
24. Nun gleichwie in der Natur Gutes und Boͤſes quillet 


herrſchet und ift;alfo auch im Dienfchen : der Menſch aber iff 


GOttes Kind,den er aus dem beiten Kern der Natur gemacht 
Bat; zu berrfchen in dem Guten, und zu überwinden das Boͤſe. 
Ob ihm gleich das Boͤſe anhanget, gleichwie inder Natur das 
Böfe am Guten hanget, fo kan er doch das Boͤſe ubermwinden ; 
fo.er feinen Geift in GOtt erheber ſo quillet in ihm der Heilige 
Geiſt und hilfe ihmfiegen. 

iz. Gleichwie die gute Qualität inder Natur mächtig iff zu 
fiegen über die böfe,denn fie ift und fommt aus GOtt, und der 


Heilige Geiſt ift Herrſcher darinnen ; alfo auch iſt die grimme 
Qualitaͤt mächtig zu fiegen in der boshaftigen Seelen: denn der 
Teufeliſt ein mächtiger Herrſcher in ber Grimmigfeit, und iſt 
ein ewiger Fuͤrſt derfelben. 


16. Der Menſch aber hat ſich ſelbſt in die Grimmigkeit ge⸗ 
worfen durch den Fall Adams und Hevaͤ, daß ihm das Boͤſe 
anhaͤnget, ſonſt waͤre ſein Quell und Trieb allein in dem Gu⸗ 
ten: nun aber iſts in beyden, und heiſſet nun, wie S.Paulus fas 
get: Wiſſet ihr nicht; welchem ihr euch. begebet zu Knechten in 
Gehorfam, des Knechte feyd ihr, dem ihr gehorſam ſeyd, ent» 
weder der Sunde zum Tode, oder dem Gehorfam GOttes zur 


‚ Gerechtigkeit. (Rom. 6:16.) 


17. Weilaber der Menfch in beyden den Trieb hat,fo mag er 
greiffen zu welchem er will: denn er lebet in diefer Welt zwi⸗ 
fchen beyden, und find beyde DualitatenB68 undGut in ihme⸗ 
in welches der Menſch wallet ‚damit wird er angethan,in heili 
ge oder höllifche Kraft: 

18. Denn Chriſtus fpricht : Mein Vater will den Heil. Geiſt 
geben denen; die Ihn darum bitten. (Luc. 11:13.) Auch fo hat 
GOtt dem Menfchen das Gute befohlen, und das Boͤſe verbor 
ten, und läffet noch täglich predigen, vuffen und fehreyen, und 
den Menfchen vermahnen zum Guten. Darbey man ja wol 
erkennet / daß GOtt das Böfe nicht will, fondern will, dag fein 
Keich zufomme,und fein Wallen geſchehe, wie im Himmel,alfo 
auch auf Erden; 

19. Weil aber der Menfch durch die Sünde vergiftet,daß bie 

rimme Dualität ſowol als die gute in ihm herrſchet und nun 

alb todt, und mit groſſem Unverftand GOtt feinen Schöpfer, 


an;, 


[4 
ia 


6. Borrede des Autorie. 
kan; fohat die Natur ihren hoͤchſten Fleiß vom Anfang bis 
aufbeuteangeleget,darzu bat GOtt feinen Heiligen Beift ger 
geben daß fie je und allewege bat weife, heilige und verftandige 
Menfchen geboren und zugerichtet, welche die Natur, ſowol 
GOtt ihren Schöpfer haben Iernen erkennen, welche allegeit 
mit ihrem Schreiben und Lehren der Welt Licht find gemefen. 
-Darmit hat GDet feine Kirche auf Erden zugerichter zu ſei⸗ 
nem ewigen Lobe: dargegen hat der Teufel gemutet und: geto⸗ 
bet, und manchen edlen Zweig verderbet, durch bie Grimmig⸗ 
keit inder Natur, welches Furft und Gott er iſt. gmn 
20. Wenn die Natur bat oft einen gelehrten verſtaͤndigen 
Menfchen zugerichtet mit fehönen Gaben ſo hat der Feufel feis 
nen höchften Fleiß daran geleget,daß er denfelben verführet in 
fleiſchliche Lüfte, inHoffart, in Begierde reich zu feyn und Ge- 
walt zu haben. Darmit hat der Teufel in ihm geherrfchet , und 
hat die grimme Qualitaͤt die gute uͤberwunden, und iſt aus ſei⸗ 
nem Verſtande, und aus ſeiner Kunſt und Weisheit Ketzerey 
und Irrthum gewachſen, welcher der Wahrheit gefpottet, und: 
groſſe Irrthum auf Erden angerichtet hat, und iſt dem Teufel 
ein guter Heerführer gemefen. I) 
21. Deñ diefe böfeQualität in derRiatur hat vom Anfang und 
noch immer mit der guten gerungen, und fich empor gehaben, 
und manche edle Frucht im Mutterleibe verderbet, wie folches 
klar zu ſehen iff erftlich bey Cain und Habel die aus einer Mut⸗ 
ter Leibe kamen. Cain war von Mutterleibe ein Veraͤchter 
GOttes und hoffaͤrtig, dargegen Habel ein demuͤthiger GOtt⸗ 
fuͤrchtiger Menſch. So ſiehet mans auch bey den dreySoͤhnen 
os ; ſowol auch bey Abraham mie Iſaac und Iſmael; fon- 
derlich aber beyin- Iſaae mit Efau und Jacob, welche fich in 
Dutterleibe geftoffen und gerungen, darum auch GOtt faget : 
Jacob habe ich geliebet, und Efau gehaffet. (Gen. 25: 23. Iſt 
anders nichts, denn daß beyde Qualitaͤten in der Natur haben 
heftig mit einander gerungen. nat 
22. Denn ald GOtt in der Natur zur felbenZeit wallete und 
wolte fich der Welt offenbaren durch den frommen Abraham, 
Iſaac und Jacob, und wolte Ihm eine Kirche auf Erden zu⸗ 
richten zu ſeiner Glorie und Herrlichkeit ; fo wallete in der Na⸗ 
‚£ur auch mit die Bosheit, und derfelben Fürft Lucifer.. Weil 
denn indem Menſchen Boͤſes und Gutes. war fo konten — 


— 


Vorrede des Autoris. 2. 
Qualitaͤten in ihm regieren: derowegen ward ein böfer undlein) 
guter Menfch in einer Mutter auf einmal geboren. 
23. Auch io iftes bey der erften Welt,fowol auch an der ans 
dern bis ans Ende unferer Zeit klar zu ſehen, wie das him̃liſche 
und hoͤlliſche Reich in der Natur hat je und allewege miteinan« 
der gerungen,und in groffer Arbeit geffanden , als ein Weib in 
ber Geburt. | 
24. Bey Adam und Heva iſt es am lauterften zu fehen : dent 
Da wuchs ein Baum imParadis aufvon beyder Dualitat , Boͤ⸗ 
ſes und Gutes; da folten Adam und Heva verfucht werben ‚ob 
fie Eönten in der guten Dualitat ‚in Englifcher Art und Form 
befteben. Denn. der Schöpfer verbot Adam undHeva von der 
Frucht zu eflen ; aber die boͤſe Dualitat in der Natur rang mit 
der guten,und brachte Adam und Heva in Luft von beyden zu 
effen. Darum befamen fie auch bald zur Stunde thierifche 
Art und Form, und aflen von Bis und Gut , und muftenfih 
aufthierifihe Art mehren und leben, und verdarb mancher 
edler Zweig, von ihnen geboren. 
25.Hernach fiehet man, wie GOtt in der Natur gemwircket,ald 
die heiligen Baterin der erften Welt geboren,ald Habel, Seth, 
Enos Renan,Dahalaleel, Jared, Henoch, Methuſala, Lamech 
sind der heilige Noah :die haben der Welt de3 Herrn Namen 
verfündiget und Buffe geprediget ‚denn der H. Geiſt hat in ih⸗ 
nen gemircket. 
26. Dargegẽ hat der höllifche Gott auch gemwircket in der Na⸗ 
tur und Spötter und Veraͤchter geboren, erftlich Cain und feis 
ne Nachkommen, und iſt mit der erften Welt gegangen wie 
mit einem jungen Baume; der wachfet ‚grünet und bluͤhet 
fchön,bringet aber wenig auter Früchte von wegen feiner mil: 
den Art. Alſo brachte die Natur inder erffen Welt wenig gu⸗ 
ter Früchte, ob fie gleich ſchoͤn blühere in weltlicher Kunſt und 
ppigfeit: denn das konte den H. Geiſt nicht ergreifen, der auch 
dismalinder Natur ſowol als ietzt hat gewircket. | 
27. Darum ſprach GOtt: ES reuet mich, dag Sch die Men⸗ 
fchen gemacht habe, (Geneſ. 6: 6.) und erregte die Natur, daß 
alles Fleifch ſtarb, mas im Trocknen lebete bis aufdie Wurgel 
undStamm,der blieb ſtehen; und hat hiemit den milden Baum 
gedunget und angerichtet, daß derfelbe folte beffere Früchte 
tragen. Aber als derfelbe wieber grünete, brachte er bald wies 
der gute und boͤſe Fruͤchte bey en Noaͤ: da funden Re 
| E | d 


a ER 


‘8 Vorrede des Autoris. 

bald wieder Spoͤtter und Veraͤchter GOttes und wuchs kaum 
ein guter Aſt in dem Baum ,der heilige, gute Fruͤchte brachte; 
die andern Aeſte trugen und brachten die wilde Heiden. 
28. Als aber GOtt ſahe, daß der Menſch alfo in ſeiner Erkent⸗ 
niß erſtorben war, bewegete er die Natur abermal, und zeigete 
den Menſchen wie in derſelben ware Boͤſes und Gutes, damit 
fie dasBoͤſe fliehen und in dem Guten leben folten: und ließ Feu⸗ 
er aus der Natur fallen,und zundere an Sodom und Gomorrah 
zum ſchrecklichen Exempel der Welt. 

29. Als aber der Menſchen Blindheit uͤberhand nahm ‚und 
fih GOttes Geiſt nicht wolten lehren laffen,gab Er ihnen Ge- 
ſetze und Lehre wie fie fich halten folten ‚ und befkattigtedie mit 
under und Zeichen, damit nicht erlöfche die Erkentniß des 
rechten GOttes. 

30. Aber das Licht wolte hiemit auch nicht an Tag kommen, 
denn die Finſterniß und Grimmigkeit in der Natur wehnete 
ſich, und derſelben Fuͤrſt regierete gewaltiglich. 

31. Als aber der Baum der Natur in fein Mittel: Ale famı, 
da hub er an und trug etliche milde/fi uͤſſe Früchte, — 
Daß er hinfort würde liebliche Früchte tragen. Denn da wur⸗ 
den die heiligen Propheten geboren aus dem füffen Aſt des Bau⸗ 
mes ‚die lehreren und prebigten von dem Licht,welches kuͤnftig 
die Grimmigkeit in der Natur überwinden wuͤrde. 

32. Auch fo ging unter den Heiden ein Licht in der atur auf, 
Das fie erfenneten die Natur und ihre Wirckung : wiewol dieſes 
nur ein Licht in der wilden Natur war,und noch nicht das heilis 
ge Licht ; denn die wilde Natur war noch nicht überwunden, 
und rang Licht und Finfterniß fo lange mit einander, big die 
Sonne aufging,und zwang diefen Baum mit ihrer Hibe daß er 
liebliche ſuͤſſe Fruͤchte trug. 

33.Da8 iſt bis da kam * Fuͤrſt des Lichts aus dem Hertzen 
GOttes und ward ein Menſch in der Natur, und rang in ſei⸗ 
nem menfchlichen Leibe, in Kraft des Söttlichen Licht, in der 
‚milden Natur. 

34, Derfelbe Fuͤrſten⸗ und Königliche Zweig wuchs aufin der 
—28 wurde ein Baum in der Natur, und breitete ſeine 
Aeſte aus von Orient bis in Occident, und umfaſſete die gantze 
Natur rang und kaͤmpfete mit der Grimmigkeit die in der Na⸗ 
tur war, und mit derſelben Fuͤrſten bis daß er uͤberwand, und 
triumphirte als ein König der Natyr,und a den Sinften 


’ 


Borrede des Autoris. 9 

der Grimmigfeit gefangen in feinem eignen Haufe. (PL.68: 19) 
35. Als diefes gefchahe, da wuchſen aus dem Königlichen 
Baume,der in der Natur gewachſen war, viel taufend Legio— 
nen Eöftlicher füller Zweiglein , die hatten alle den Geruch und 
Geſchmack des köftlichen Baumes. Und ob gleich auf fie fiel 
Regen Schnee Hagel und Ungewitter, dag manches Zmeig- 
lein vom Baum geriſſen und geſchlagen ward; noch wuchſen 
immer andere Zweiglein. Denn die Grimmigkeit in der Na⸗ 
tur und derſelben Fuͤrſt erregete groß Ungewitter mit Hageln, 
Donnern,Bligen und Regen, daß ja oft viel herrlicher Zweig⸗ 
fein von dem fuffen und guten Baum abgeriflen wurden. Aber 
diefelden Zmeiglein ſchmeckten alfo holdfelig, füß und. freuden- 
reich, das Feine Menſchen noch Engels Zunge ausfprechen 


- Fan: denn fie hatten grofeKraft und Tugend in fich,fiedieneten 


zur Gefundheit der wilden Heiden. Welcher. Heide von den 
Zweiglein dieſes Baums aß der ward entlediget von der wil⸗ 
den Art der Natur, darinnen er geboren war, und ward ein 


- füffer Zweig in dem föftlihen Baum, und grünete in dem 


Baum und trug koͤſtliche Fruͤchte wie der Königliche Baum. 
36. Darum lieffen vielHeiden zu dem koͤſtlichen Baum , da die 


koͤſtlichen — lagen, welche der Fuͤrſt der Finſterniß 





hatte mit ſeinen Sturmwinden abgeriſſen, und welcher Heide 
an dieſe abgeriſſene Zweiglein roch, der ward geſund von der 
wilden Grimmigkeit die ihm von feine Mutter angeboren war. 

37. Als aber der Fuͤrſt der Finſterniß fabe,daß fich die Heiden 
um die Zmeiglein riffen, und nicht um den Baum, und ſahe fei- 
nen groffen Verluſt und Schaden; folie er ab vom Sturm ge⸗ 
gen Aufgang und Mittag ‚und fellete einen Kaufmann unter 
den Baum, der las die Zweiglein auf, die von dem koͤſtlichen 
Baume waren gefallen. — 

38. Und warn denn die Heiden kamen und frageten nach den 
guten und Fraftigen Smweiglein ‚fo bot der Kaufmann diefelben 
an ums Geld zu verfauffen, damit er Wucher von dem Eöftli- 
chen Baumbatte. Denn folches foderte der Fürft der Grim⸗ 
migfeit von feinem Raufmanne ‚darum weil ihm ber Baum 
in feinem Bande gewachfen war, und verderbete feinen Acker. 

39. Als nun die Heiden ſahen daß die Frucht von dem koͤſtli⸗ 
chen Baume ums Geld zu verkauffen feil mar,lieffen fie hauf⸗ 
fensweife zu dem Kramer ‚und Eaufften von der Frucht des 
Baumes,und Famen auch von fernen Inſulen dahin zu Fauffen, 
ja von der Welt Ende. A5 40. Als 


10 Vorrede des Autoris: 

40. Als nun der Kramer ſahe, daß feine Waare ſo viel galt, 
auch fo angenehm war, erdachte er ihme eine Liſt, damit er ſei⸗ 
nem Herrn moͤchte einen groſſen Schatz ſamlen, und ſchickte 
Kaufleute aus in allefande,und ließ ſeine Waare feil bieten und 
bochloben aber er verfaͤlſchte die Waare, und verkaufte andere 

Frucht fur die gute, die nicht auf dem guten Baum gewachſen 
mar,darum daß feines Herrn Schag nur groß würde. 
41. DieHeiden aber und alle Inſulen undVoͤlcker die auf Er: 
den wohneten,warenalle aus dem wilden Baume gewachſen, 
der da gut und böfe war: darum waren fiehalb blind, und ſahen 
den guten Baum nicht, der doch feine Aefte ausftweckte vom 
Aufgang bis zum Niedergang; ſonſt hatten fiedie falſche Waa⸗ 
re nicht gekauft. 

42. Weil ſie aber den koͤſtlichen Baum nicht kanten der doch 
feine Aeſte uber fie alle ausſtreckte, fo lieffen fie alle den Kraͤ⸗ 
mern nach,und kauften vermengte falfche Waare für gute, und 
vermeineten, fie dDienete zur Geſundheit. Weilfie aber alle ſo 
harte nach dem guten Baum luͤſtertẽ der doch über ihnen aller 
fchmebete,fo wurden ihrer viel geſund von der groffen Luft und 
Begierde,die ſie zu dem Baum trugen. Denn des Baums Ge: 
ruch, der uber ihnen ſchwebete, machte fie gefund von ihrer 
Grimmigkeit und wilden Geburt, und niche des Kramers fal- 
ſche Waare : das wahrete einelange Zeit. ; 

43. Als num der Fuͤrſt in der Finſterniß, der da iff der Duell 
der Grimmigkeit, Bosheit und Verderbens, ſahe, daß die Men; 
chen gefund wurden von feinem Gift und wilden Art, von dem 
Geruch des Föftlichen Baums, ward er jornig, und pflangete 
einen wilden Baum gegen Mitternacht, der wuchs aus der 

Grimmigkeit in der Natur, und ließ ausruffen : Das ift der 
um des Lebens, wer davon iffet, der wird aefund und lebet 

ewiglich! Denn andem Drte,da der wilde Baum wuchs, war 
‚eine wilde Stätte: und die Voͤlcker dafelbft harten das rechte 
Licht aus GOtt vom Anfang big zur felben Zeit,und auch noch 
beutenicht erkant ; und der Baum wuchs am Berge Hagar, im 
dem Haufe Iſmaels des Spötters, 

44.Da aber außgeruffen war von dem Baum: Giehe,dag iff 
der Baum des Lebens !da lieffen die wilden Bölcker zu dem 
Baum;die nicht waren aus GOtt geboren, fondern aus der 
wilden Natur und liebeten den wilden Baum und of, von 
zn | einer 


Ulle, r' 





Vorrede des Autoris. fr 
feiner Feucht. Und der Baum wuchs und ward groß von dein’ 
Saft der Örimmigfeit inder Natur ,und breitete feine Aeſte 
aus von Mitternacht gegen Morgen und Abendr der Saum 
aber hatte feinen Duell und Wurgelausder wilden Natur, die 
da boͤs und gut wars und wie der Baum war , alſo war auch fei: 
ne Frucht. | u) | | 
45. Weil aber die Menſchen dieſes Orts alle aus der wilden 
Natur waren gewachfen, fo wuchs der Baum über fie alle, und 
ward alfo groß, daß er mit feinen Neffen veichete bis in dag 
werthe Land unter den heiligen Baum. | 
46. Das war aberdie Urſache daß der wilde Baum fo groß 
ward: Die Bölder unter dem auten Baum Tieffen alle den 
Kraͤmern nach,diedie falſche Waare verkauften und aſſen von 
der falſchen Frucht die auch boͤs und gut war, und vermeine⸗ 
ten ſie wurden dadurch geſund werden, und lieſſen den heiligen, 
guten, kraͤftigen Baum immer ſtehen. Indeß wurden ſie im⸗ 
mer blinder, matter und ſchwaͤcher, und konten dem milden 
Baum gegen Mitternacht nicht mehren, daß er nicht wuͤchs. 
Denn fie waren viel zu matt und ſchwach: fie ſahen wol, daß es 
ein wilder, böfer Bauın war; aber fie waren zu matt und 
feh wach, und fonten ihm fein Gewaͤchſe nicht wehren: Go fie 
aber nicht waren den Kramern mit der falfihen Waare nach⸗ 
gelauffen,und hatten von der falfchen Frucht geſſen fondern 
hatten vondem Eöftlichen Baum geſſen; fo waren fie Fraftig 
worden, dem wilden Baum Wiederfland zu tuun. 
47. Beil fie aber der wilden Natur im Menſchen⸗ Fand nach⸗ 
hureten in ihres Hertzens Gelüfte, in Heucheley ‚fo herrfchete 
auch die wilde NRatur uber fie,und wuchs der wilde Baum hoch 
und weit uber fie,und verderbte fie mit feiner wilden Kraft. _ 
48. Denn der Fürft der Grimmigkeit inder Natur gab dem 
Baum feine Kräft, zu verderben die Menfchen, die von des 
Kramers milden Frucht affen : Diemeil fie verlieffen den 
Baum des Lebens, und fuchten eigene Klugheit, wie Mutter 
Heva im Paradis fo herrfihete ihre angeborne eigene Quali⸗ 
taͤt uber ſie und geriethen in folchen Eraftigen Irrthum, wie 
Paulus fagef, (2.Thefl,. 2:1.) 
49. Und der Fürft der Grimmigfeit erregte Krieg und 
Sturmminde von dem milden Baum gegen Mitternacht uber 
die Voͤlcker die nicht aus dem wilden Baum geboren hy 
SAT : u 


* 


12 Vorrede des Autoris. 


und ſie fielen in ihrer Mattigkeit und Schwachheit fuͤr dem 
Ungewitter / das aus dem wilden Baum ging. 

50. Und der Kaufmann unter dem gutenBaum heuchelte mit, 
den Voͤlckern gegen Mittag und Abend,und gegen Mitternacht, 
und lobete feine Waare hoch, und betrog die Einfältigen mit‘ 
Lift : und die Klugen machte er zu feinen Raufleuten und Kraͤ⸗ 
merndaß fie ihren Gewinn auch davon hatten ; big daß ers da⸗ 
bin brachte,daß niemand den heiligen Baum mehr recht fabe 
und erkante,und er das Land zum Eigenthum Friegte. 

31. Da ließ er außruffen (2. Theſſ. 2.) Sch bin der Stamm 
des guten Baums , und ftehe aufder Wurgel des guten Baums, 
und bin eingepfropft in den Baum des Lebens: Fauffet meine 
Manre ‚die ich euch verfauffe, fo werdet ihr gefund werden 
von eurer wilden Geburt, und ewig leben. Sch bin aus der 

Wurgeldes guten Baums gewachfen,und habe die Frucht des 
H. Baums in meiner Gewalt , und fiße auf dem Stul der Goͤttli⸗ 
chen Kraft,und habe Gewalt im Himmel und auf Erden; kom⸗ 
met zu mir, und kauffet euch ums Geld von der Frucht des 
Lebens! | 

. 52.Da liefen alle Voͤlcker zu und kauftẽ und affen,big fie ver⸗ 
fihmachteten ;alle Könige von Mittage, Abend und gegen Mit: 
ternacht.aflen von des Kramers Frucht,und lebeten in groffer 
Dbnmarht.: denn der wilde Baum von Mitternacht wuchs je 
langer jefehrer über fie, und vertilgete fie eine lange Zeit. Und 
es war eine elende Zeit auf Erden,als nicht gemefen war ‚meil 
die Welt geftanden ; aber die Menfchen meinten, es ware gute 
Zeit ‚fo hart hatte fieder Kaufmann unter dem guten Baum 
verblendet. 

53. Am Abend aber jammerte die Barmhertzigkeit GOttes 
der Menſchen Elend und Blindheit, und bewegte abermal den 
guten Baum, den herrlichen Goͤttlichen Baum, der die Frucht 
destebens trug :da wuchs ein Zweig nahe bey der Wurtzel aus 
dem Föftlichen Baume und gruͤnete; und ihm ward gegeben 
des Baums Saft undGeifk,und redete mit Menfchen-Zungen, 
und zeigete jedermann den koͤſtlichen Baum , und feine Stim⸗ 
me erfcholl weit in viel Lander. 1 

54.Dalieffen die Menfchen,zu fehen und hören,mas ba waͤ⸗ 
ve; da ward ihnen gezeiget der Eöfkliche und tugendreiche 
Baum des Lebens,davon die Menfchen im Anfang geffen BR 

’ # 


Vorrede des Autorig. 13 

‚gen ‚und waren entlediget worden von ihrer wilden Geburt. 

55. Und fiemurden hoch erfreuet, und offen von dem Baum 
des Lebens mit groffer Freude und Erquickung, und kriegten 
neue Kraft von dem Baum des Lebens, und fungen ein neu Ried 
von dem wahrhaftigen Baum des Lebens, und wurden entle- 
diget vonder wilden Geburt, und bafleten den Kaufmann mie 
feinen Kramern und falfcher Wanre, ech 
56 Es kamen aber alle ‚die da hungerte und durſtete nach 
den Baum des Lebens, und die im Staube ſaſſen und affen von 
dein heil. Baum,und wurden gefund von ihrer unreinen Geburt, 
und von der Natur Grimmigfeit, darinnen fie lebeten, und 
wurden eingepfropft in den Baum des Lebens. 
.. 57. Allein die Kramer des Kaufmanns und. ihre Heuchler 
und die ihren Wucher hatten mit der falſchen Waare Er 
und ihre Schäge gefamlet, kamen nicht : denn fe waren im 
Wucher der Hurerey des Kaufmanns erfoffen, und im Tode 
erftorben,undlebeten in der wilden Natur ; und die Angſt und 
Schande die da aufgedeckt ward, hielt fie zuruͤck daß fie hatten 
init dem Kaufmann ſo lange gehuret, und die Geelen der Men- 
fchen —7 ſie doch ruͤhmeten, ſie waͤren in den Baum 


J J — ö u 


goͤtterey, und waren mit. den Dungerigen und Durfkigen zu 
dem Brunnquell des ewigen Lebens, gegangen : darum: ver- 
fehmachten fie. auch in ihrem Durſte; und ibreDunal ſteiget auf 
von Emigfeit zu Emigfeit,und ihr Gewiſſen naget fie. 

1,59. Da nun der Kaufmann ſahe mit der falfchen Waare daß 
fein Betrug war offenbar worden, mard er fehr zornig und: ver- 
zagt, und richtete feinenBogen wieder dag heilige Volck das ſei⸗ 
ne Waare nicht mehr kauffen molte „und töbtete viel deg heili⸗ 
gen Volcks/ und laͤſterte wieder den griinen Zweig der aus dem 
Baum des Lebens war gemachten; aber der Groß-Fürft Mi- 
chaEl, der vor GOtt ſtehet, Fam und flritt für das heilige 
Volck und ſiegete. J \ Zara De Warp an 
60.Als aber der Fuͤrſt aus der Finſterniß fahe,daf fein Raufs 
maun war gefallen und fein Betrug offenbar worden ‚erregte 
ar * 


RR ID. , > 

14 Vorrede des Autoris. 

er das Sturmwetter von Mitternacht aus dem wilden Baum 
gegen das heilige Volk; und der Kaufmann von Mittage ſtuͤr⸗ 
mete auch wieder fie : da wuchs das beilige Volk fehr und hoch 
im Blute. Gleichwie es war im Anfang, da der heilige und 
töffliche Baum wuchs der überwand die Grimmigfeit in der 
Natur und ihren Fuͤrſten; alſo war e8 auch zuder Zeit. 7 


tie 


beten aleich den wilden Thieren und fuͤ A, boͤſes Leben 
in Hoffatt, Pracht und Uppigkeit, und" der Reiche verzehrete 
dem Armen feinen Schweiß und Arbeit / und drengte ihn noch 


daran ©: and Kirn nn 

63. Alle böfeThaten wurden durch Geſchencke gut; die Rechte 
floſſen aus der boͤſen Qualitaͤt in der Natur sein ieder trachtete 
nach viel Geld und Gut, nach Hoffart, Praſſen und se 


Vorrede des Autoris 15 


Der Elende hatte feine Errettung; Schelten, Fluchen, Schwe-: 


ven wurde für Bein Laſter gehalten ‚und fühleten fich in der 
grimmen Qualitaͤt, wie eine SawimKotbe. Solches thäten die 
Hirten mitden Schafen und behielten nicht mehr als den Na⸗ 
men von dem edlen Baume; ſeine Frucht, Kraft und Leben 
muſte ihrer Sünden Deckelſeyn. | 

64. Alfo lebete die Welt zur felben Zeit, bis auf ein Eleineg 
auflein das ward geboren mitten unter den Dornen, in grofz 
— Verachtung, aus allem Volck auf Erden, von: 

Orient bis in Occident. Da mar Fein Unterfcheid ‚fie lebeten 
alle im Trieb der wilden Natur,in Ohnmacht, bis auf ein klei⸗ 
nes Haͤuflein das ward errettet aus allen Voͤlckern. Wie es 
war por der Suͤndfluth und vor Aufgang des edlenBaums in 
die Natur und in der Natur zalfo auch zuder Zeit. 

"65. Daß Aber die Menfchen am Ende alſo hart nach des 
Baums Wurde luͤſtertẽ iſt ein Geheimniß Myſterium, und den 
Klugen und Weiſen bisher verborgen geweſen; wird auch nicht 
in der Höhe aufgeben, fondernin der Tieffe in groſſer Einfalt: 
gleichivie der edle Baum mit feinem Kern und Hertzen allezeit 
if den Welt-Riugen verborgen gewefen ; ob fie gleich gemeinet 
babe, fie flinden aufdes Baums Wurtzel und Spige,fo iſt es 
Doch nicht mehr als ein lichter Dunſt vor ihren Augen geweſen. 

66. Es bat aber der edleBaum vom Anfang bis auf heute mit 
höchftem Fleiß in der Natur gear beitet daß er möchte offenbar 
werden allen Voͤlckern Zungen und Sprachen: dawieder hat 
der Teufel in der wilden Natur gewuͤtet und getobet, und ich. 
gewehret als ein grimmiger Löwe; aber der edle Baum brach⸗ 
ce je langer je ſuſſere Früchte, und offenbarte ſich je langer je 
ſehrer wieder alles Wuͤten und Toben des Teufels bis ans Eu⸗ 
de; da ward es lichte, 


67. Den es wuchs ein grunes zweiglein auf der Wurtzel des 
edlen Baums und kriegte der Wurtzel Saft undLeben: und ihm 
ward gegeben des Baums Geiſt und verklaͤrete den edlen Baum 
in ſeiner herrlichen Kraft und Macht, darzu die Natur darinne 
er gewachſen waer. u G — 

68. AS nun dieſes geſchahe da gingen in der Natur beyde 
Thuͤren auf, die Erkentniß beyder Qualitaͤten Boͤſes und Gu⸗ 
tes, und ward offenbar das himmliſche Jeruſalem, ſowol der 
Hoͤllen Reich allen Menſchen auf Erden Und das Licht und 


die Stimme erſcholl in die vier Winde, und der falſche Kauf⸗ 


mans 


16 .. Dorrede des Autoris. 


mann vom Mittage ward gang offenbar, und die einen haſ⸗ 
ſeten ihn, und rotteten ihn aus von der Erden. 

69. Als nun dieſes geſchahe, da verdorrete auch der wilde 
Baum gegen Mitternacht : und alles Volck ſahe den heiligen 
Baum auch in fernen Inſulen, mit Verwunderung; und der 
Fuͤrſt in der Finſterniß ward offenbar , und feine Geheimniffe 
wurden aufgedeckt, und feine Schande und Spott und Verder⸗ 
ben fahen und erkenneten die Menfihen auf Erden,denn es war 
lichte worden. Aber das wahrete eine kleine Zeit, fo lieſſen die 
Menfchen das Licht, und lebeten in.ihres Fleiſches Luft zum 
Berderben denn gleichwie fich die Thuͤr desLichts hatte aufge: 
than alſo auch die Thuͤr der Finſterniß; und gingen aus beyden 
allerley Kraͤfte und Künfke, was darinne war. 

70. Gleichwie die Menſchen vom Anfang her hatten gelebet 
im Bewächfeder wilden Natur und nur nach irdiſchen Dingen 
getrachtet / alſo wolte es auch am Ende nicht beifer ſondern 
nur aͤrger werden. 

71. Im Mittel dieſer Zeit wurden viel groſſe S Sturm · Wetter 
erreget vom Abend gegen Morgen und Mitternacht; von Mit⸗ 
ternacht aber ging ein groſſer Waſſer⸗Strom aus gegen den 
heiligen Baum, und verderbete viel Zweige an dem heiligen 
Baume, und mitten im Strom ward es lichte, und verdorr e⸗ 
te der wilde Baum gegen Mitternacht. 

72. Und der Fuͤrſt in der Finſterniß ward ergrimmet in der 
groſſen Beweglichkeit der Natur: denn der heilige Baum wal⸗ 
letein der Natur, ald der fichiegt bald erheben, und in Glorifi⸗ 

cirung ber heiligen Göttlichen Majeſtaͤt anzunden wolte, und 
den Grimm von fich gebaren ‚Der ihm fo lange war. entgegen, 
seffanden,und mit ihm gerungen hatte. 

73. Desgleichen wallete der Baum der Sinfternik, rim: 
migkeit und Berderbens auch graufam, ald der iegt bald folte 
angezündet werden,und darinnen der Fürft mit feinen Legio- 
er ausging, zu verderben die edle: Frucht von dem guten 

aume. 

74. Und es ſtund in der Natur fehrecttich in ber grimmen 
Qualitaͤt, in der Qualitaͤt, darinnen der Fuͤrſt der Finſterniß 
wohnet, menſchlich zu reden: gleich als wenn man, fiehet ein 
graufam; ſchrecklich Wetter aufziehen „das fich greulich und 

fehrecklich erzeiget mit vielen Wetterleuchten un, Sturm⸗ 
winden, ‚da man ſich entſetzet. N Da 
= Ba⸗ 


Vorrede des Autoris. 17 

75. Dagegen ſtund es in der guten Qualitaͤt, in welcher der 
heilige Baum des Lebens ſtund, gar lieblich, ſuͤſſe und wonne— 
reich, gleich der himmliſchen Freuden-⸗Reich. Dieſes beydes 
wallete heftig wieder einander, alſo harte, bis da angezuͤndet 
wurde die gantze Natur, beyde Qualitaͤten in einem Augen⸗ 
blick. 

76. Und der Baum des Lebens ward angezuͤndet in ſeiner 
eigenen Qualitaͤt mit dem Feuer des H. Geiſtes, und ſeine Qua⸗ 
litaͤt brante im Feuer der himmliſchen Freuden⸗Reich, in un⸗ 
erforfchlichenn Lichte und Klarheit. In dieſem Feuer quali⸗ 
fieirten alle Stimmen der himmlifchen Freuden-Reich, die in 
der guten Qualitaͤt waren von Ewigkeit gewefen, ımd das 
Licht der heiligen Trinitat leuchtete indem Baum deg Lebens, 
und erfüllere die gantze Dualitat, darinnen er Fund. 

77. Und der Baum der grimmen Qualität, welches iff das 
ander Theil inder Natur, ward auch angezuͤndet, und brante 
im Feuer des Zorns GHDttes mir höllifchem Rohe; und der 
grimme Duell ffieg aufin Emwigfeit,und der Fuͤrſt der Finſter⸗ 
niß mit feinen Regionen blieb in der grimmen Dualitat als in 
feinem eigenen Reiche. In dieſem Feuer verging die Erde, 
die Sternen und Elementa: denn es brante alles zugleich ‚ein 
iedes in dem Feuer feiner eigenen Qualität, und wurde alles 
fihiedlich. 

78. Denn der Alte bewegte fich, in dem da iff alle Kraft und 
alle Creaturen, und alles was genant mag werden ; und die 
Kräfte von dem Himmel, von den Sternen und Elementen 
wurden wieder duͤnne, und in die Geſtalt formiret wie fie vorm 
Anfang der Schöpfung waren: allein die zwey Qualitäten, 
Boͤs und Gut,die inder Natur waren ineinander geweſen die 
wurden von einander gefihieden, und ward die böfe dem Für- 
ften der Bosheit und Grimmigfeit zur ewigen Behauſung ges 
geben :und das heift die Hölle oder Verwerfung, welche die 
gute Dualitat in Emwigfeit nicht mehr ergreift oder beruhret, 
eine Vergeffung alles Guten, und das in feine Ewigkeit. 

79. In der andern Dualität ffund der Baum des ewigen 
Lebens, und ihr Duell ruͤhret her ausder H. Trinitat ‚und der 
H. Geiſt leuchtet darinnen: Und e8 gingen berfür alle Men- 
ſchen, die von Adams des erften Menfchen Lenden kommen 
mwaren,ein ieder in feiner Kraft, und in der Dualitat , darinnen 
er aufErden gemachfen war. Die 2 hattenauf Erden * 


18 Vorrede des Autoris. 

dem guten Baum geflen,der da heift JEſus Chriſtus, in de: 
nen war die Barmbergigkeit GOttes gequollen zur ewigen 
Freude; die hatten die Kraftder guten Dualitat in fich; die 
wurden aufgenommen in die gute und heilige Qualität ‚und 
fungen das Lied ihres Brautigams,ein ieder in feiner Stimme 
nach feiner Heiligkeit. 

80. Die aber im Licht der Natur und des Geiſtes waren ge: 
boren, und auf Erden den Baum des Lebens nie recht erfant 
hatten, warenaber infeiner Kraft gemachten, der über alle 
Menfchen auf Erden hatte gefchattet , als da find wiel Heiden, 
und Voͤlcker und Unmundige, die wurden auch aufgenommen 
in derfelben Kraft, darinnen fie gewachfen waren, und damit 
ihr Geift befleider war, und fungen daS Lied ihrer Kraft von 
dem edlen Baum des ewigen Lebens: Denn ein ieder wurde 
ach feiner Kraft glorificirer. 

81. Und die heilige Natur gebar freudenreiche , himmlifche 
Früchte, gleichtwie fie auf Erden hatte in beyder Qualitaͤt ir⸗ 
diſche geboren ‚die da bo8 und gut waren; alfo gebar fie ietzt 
bimmlifche, freudenreiche. Und die Menſchen, , die iegt den 
Engeln gleich waren, affen ein ieglicher von der Frucht feiner 
Qualitaͤt, und fungen das Lied GOttes, und das Lied von dem 
Baum des ewigen Lebens. Und das war in dem DBater wie 
ein heiliges Spiel ‚eine triumphirende Freude : denn darzu 
warenalle Dinge im Anfang aus dem Vater gemacht, und 
bleibet nun in feine Emwigfeit alfo. 

82. Die aber auf Erden waren in Kraft des Zorn-Baums 
gemachfen , das ift, die die grimme Dualitat hatte uͤberwun⸗ 
den, und waren verdorvet in der Bosheit ihres Geiffes, in ih⸗ 
ren Sünden, die gingen auchalle berfür, ein ieder in feiner 
Kraft,und wurden aufgenommen in das Reich der Finfterniß, 
und ein ieder ward angethan in der Kraft, darinnen er ge⸗ 
—— war; und ihr Koͤnig heiſt Lucifer, ein Verſtoſſener aus 

em Licht. 

83. Und die hoͤlliſche Qualitaͤt brachte auch Fruͤchte herfuͤr, 
wie ſie auf Erden hatte gethan; allein das Gute war von ihr 
geſchieden, darum brachte ſie ietzt Fruͤchte in ihrer eigenen 
Qualitaͤt: und die Menſchen, welche ietzt auch den Geiſtern 
gleich waren, aſſen ein ieglicher von der Frucht feiner Quali⸗ 
tat, ſowol —* die Teufel: denn gleichwie ein Unterſcheid iſt in 
den Menſchen auf Erden in den Qualitaͤten, und nicht late 

uali⸗ 


| Vorrede des Autorig. 19 
Duafität find, alfo auch bey den verſtoſſenen Geiffern; alſo 
auch in der himmliſchen Pomp in Engeln und Menſchen, und 
Das währet in feine Emigfeit, Amen. 

Guͤnſtiger Lefer , dieſes iff ein kurtzer Bericht von den 
2 Qualitäten in der Natur, vom Anfang zum Ende,miedar-“ 

' aus 2 Reiche entitanden find, ein himmliſches und ein hoͤlli⸗ 
fihes, umd wie ſie in diefer Zeit gegen einander wallen und“ 
ffreiten,und wie es zukünftig mit ihnen ergeben wird. 

84. Run babe ich aber dieſem Buch den Namen gegeben: 
Die Mutter oder Wurzel der Philoſophiæ, Aflrologis und 
Theologie. Damit du aber wiſſeſt, wovon dis Buch handelt, 
fo verſtehe: (D Durch die Philofophia wird gehandelt von der 
Goͤttlichen Kraft, was GOtt fey, und wie im Weſen GOttes 
die Natur, Sternen und Elementa befchaffen find, und woher 
alles Ding fernen Urfprung bat, wie Himmel und Erden ber 
ſchaffen find, auch Engel, Menſchen und Teufel, darzu Hm _ 
mel und Hoͤlle und alles was cresturlich iſt; auch was da find 
beyde Duslitäten in der Natur; aus rechtem Grunde in Er- 
Fentniß des Geiftes, im Trieb und Wallen GOttes. 

85. (2) Durchdie Aftrologia wird gehandelt von den Kraͤf⸗ 
ten der Natur, der Sternen und. Elementen, wie daraus alle 
Creaturen find herkommen, und wie diejelben alles treiben, re⸗ 
gieren und in allem wirken; und wie Bofesund Gutes durch 
fie gewircket wird in Menſchen und Thieren: daraus her- 
fommt, daß Böfes und Gutes in diefer Welt berrfcher und iſt; 
auch wie der Hollenzund Himmel-Reich darinnen beſtehet. 

| 86. Nicht iſt das mein Furnehmen daß ich wolte aller 

| Eternen Lauff, Dre oder Namen befchreiben,oder wie ſie jabr- 

lich ihre Conjundtion oder Gegenjchein oder Quadrac ynd 
dergleichen haben, was fie jährlich und ſtuͤndlich wirken. 

87- Welches durch die lange Verjahrung ift erfahren wor⸗ 
den von den bochweilen und Eugen geiffreichen Menfchen, 
Durch fleißiges Anſchauen und Aufmercken und tieffen Sinn 
und Rechnen. Sch babe baffelbe auch nicht jEudieret und ges 
lernet, und lafle daffelbe die Gelehrten bandeln ; fondern mein 
Fuͤrnehmen ift, nach dem Geift und Sinne zu ſchreiben, und 
richt nach dem Anſchauen. | 

88. 3Durch die Theologia wird gehandelt von dem Reich 
Ebrifti,miedaffelbe fey beſchaffen wie es der Hoͤllen⸗Reich ſey 

“entgegen geſetzt, auch wie es in der Natur mir der Hoͤllen⸗ 
F 32 Reich 


20 Vorrede des Autoris. 


Reich kaͤmpfet und ſtreitet, und wie die Menſchen durch den 
Glauben und Geiſt koͤnnen der Hoͤllen⸗Reich uͤberwinden, und 
triumphiren in Goͤttlicher Kraft, und die ewige Seligkeit er- 
langen, und als einen Sieg im Streit davon bringen. Auch 
wie ſich der Menſch durch die Wirckung der hoͤlliſchen Quali⸗ 
taͤt ſelbſt in die Verderbung wirft, und endlich wie es einen 
Ausgang mit beyden nehmen wird. 

89. Der oberſte Titul, Morgenroͤthe im Aufgang iſt ein 
Geheimniß, Myſterium, den Klugen und Weiſen in dieſer 
Welt verborgen, welches ſie ſelbſt werden in kurtzem muͤſſen 
erfahren. Denen aber, ſo dieſes Buch in Einfalt leſen, mit 
Begierde des H.Geiſtes, die ihre Hoffnung allein in GOtt ſtel⸗ 
len, wird es nicht ein Geheimniß ſeyn, ſondern eine oͤffentliche 
Erkentniß. N 

90. Sch will diefen Titul nicht erflaren,fondern dem unpar: 
teyifchen Leſer, der da in diefer Welt in der guten Qualität rin- 
get, zu urtbeilen geben. i 

9. Wenn nun Meifter Klügling, der da in der grimmen 
Qualitaͤt qualificiret, uber di8 Buch kommen wird, der wird 
Miederpart halten , gleichwie dag Himmel-und Hoͤllen⸗Reich 
wieder einander wallet und iff: erftlich wird er ſagen, ich fey 
viel zu hoch in die Gottheit geftiegen,mir gezieme folches nicht ; 
darnach wird er fagen, ich ruͤhme mich des H. Geiſtes ich muͤſte 
auch alfo leben, und folches mit Wunderwercken bemeifen ; 
zum zten wird er fagen, ich thue folches aus Begierde des 
Ruhms; zum aten wird er fagen, ich fey nicht gelehrt genug 
darzu; zum sten wirdihn die groffe Einfalt des Autoris fehr 
ärgern, wie denn der Welt Brauch iſt, nur auf das Hohe zu fer 
hen, und fich an der Einfalt zu argern. 

92. Denen parteyifchen Klüglingen will ich entgegen fegen 
die Alt⸗ Vaͤter in der erften Ielt ‚die waren auch nur geringe 
verachtete Leute, wieder melche die Welt und der Teufel wuͤte⸗ 
teundtobete: als zur Zeit Henoch , da die heiligen Vater ha⸗ 
ben erftlich gewaltig von des Herrn Namen geprediget , die 
find auch nicht mit dem Leibe in Himmel geftiegen, und haben 
alles mit Augen gefeben ‚alleine der H. Beift hat fich in ihrem 
Geiſte offenbaret. Hernach fieher mans in der andern Welt 
auch bey denen heiligen Alt-Vatern, Patriarchen und Prophe⸗ 
ten,die warenallefamt nur einfaltige Leute , und ein Theil nur 


Vieh⸗Hirten. | 
93. Auch 


J Vorrede des Autoris. 21 


93. Auch als Meßias Chriſtus, der Held im Streit, in der 
Natur ein Menfch ward, ob er gleich ein Furft und König der 
Menfchen war, fo hielt er fich doch in diefer Welt in groffer 
Einfalt, und war nur der Welt Hausgenoß; fo wol auch feine 
Apoſtel waren allefamt nur arme ‚verachtete Fiſcherknechte 
und Peutlein. Ja Ehriftug felbft dancket feinem himmliſchen 


Bater ‚daß ers den Klugen und Weifen in diefer Welt hatte 


verborgen gehalten, und den Unmündigen offenbaret. (Match. 
u: 25.) 

94. Darzu fiehet man wie ſie auch in gleicher Weife find ar- 
me Sünder gemwefen, und haben beyde Triebe, boͤs und gut ‚in 
der Natur an fich gehabt ; Daß fie aber gleich wieder Die 
Suͤnde der Welt, ja wieder ihre eigene Sünde haben gepredi- 
get und die geftraft,das haben fie durch den Trieb des H. Gei— 
fies gethan, und nicht aus Ruhmſucht. Auch fo haben fie aus 
eigenen Kraften und Bermögen nichts gehabt, oder in den Ge⸗ 
beimniffen GOttes [ehren fönnen, fondern es ift alles im Trieb 
GOttes geſchehen. 


95. Alſo auch kan ich von mir ſelbſt nichts ſagen, ruͤhmen 


oder fehreiben,als das, daß ich Bin ein einfaltiger Mann, darzu 
ein armer Sünder, und muß alle Tage bitten: HErr vergib 
uns unfer Schuld ! und mit den Apoſteln fagen: O HErr, du 
haft ung durch dein Blut erlöfet. (Col. 1.14.) Sch bin auch 
nicht in Himmel geftiegen, und babe alle Wercke und Gefchöpfe 
GOttes gefehen ; fondern derfelbe Himmel ift in meinem Geiz: 
fte offenbaret, daß ich im Geift erfenne die Wercke und Ge 
fchöpfe GOttes: auch fo iſt der Wille darzu nicht mein natür: 
licher Wille, fondern es ift des Geiſtes Trieb; ich habe auch 
manchen Sturtz des Teufels müffen hiermit erleiden. 

96. Es iſt aber der Geiſt des Menſchen nicht allein aus den 


Ei 


Sternen und Elementen herkommen, fondern es ift auch ein 


Funcke aus dem Licht und Kraft GOttes darinnen verborgen. 
Es iſt nicht ein leer Wort, das in Genefi (cap.ı: 21.) ftehet, 
GOtt fehufden Menſchen ihm zum Bilde, ja zum Bilde GOt⸗ 
tes fchufer ihn: denn es hat eben den Verftand, dag er aus 
dem gangen Wefen der Gottheit iff gemacht worden. 

97. Der Leib ift aus den Elementen , darum muß er auch 
elementifche Speife haben : die Geele hat ihren Urfprung nicht 
allein vom Leibe; und ob fie gleich in dem Leibe entſtehet, und 
ihr erfter Anfang der Leib ift, fo hat je doch ihren Duell auch 

3 voR 


— 


22 Vorrede des Autoris. 


von auſſen in ſich durch die Luft; auch ſo herrſchet darinnen 
der H. Geiſt, nach Art und Weiſe, wie er alles erfuͤllet, und wie 
in GOtt alles ift, und GOtt felber alles iſt. — 

98. Darum weil der H. Geiſt in der Seelen creatuͤrlich iſt, 
als der Seelen Eigenthum, ſo forſchet ſie bis in die Gottheit, 
und auch in die Natur: denn fie hat aus dem Weſen ber gan: 
Ken Gottheit ihren Duell und Herfommen. Wenn fie vom 
H. Geiſte angezündet wird, fo fiehet fie, mag GOtt ihr Vater 
machet, gleichwie ein Sohn im Haufe mol ſiehet, was der Va— 
ter. machet ; fie ift ein Glied oder Kind in deg bimmlifihen Ba 
ters Haufe, 

99. Gleichwie das Auge des Menſchen fieher bis in das 
Geſtirne, daraus es feinen anfaͤnglichen Urſprung bat; alfo 
en die Geele fieher bisin dag Göttliche Wefen, darinnen fie 
eber. 

100. Weilaber die Seele auch aus der Natur ihren Quell 
hat,umd in der Natur Boͤſes und Gurtes iſt, und ſich der Menſch 
auch hat durch die Sünde in die Grimmigkeit der Natur ges 
worfen, daß alfo die Seele täglich und ſtuͤndlich mit Sünden 


beefleckt wird; fo iſt ihre Erkentniß nur ſtuͤckweiſe: denn die 


Grimmigfeit in der Natur herrſchet nun auch in der Seelen. 
101. Der 9. Beift aber gebet nicht in die Grimmigfeit ſon⸗ 
dern herrſchet in dem Duell der Seelen, der in dem Licht 
GOttes iſt, und ſtreitet wieder die Grimmigfeit in der Seelen. 
102. Darum Fan die Geele-zu Keiner vollfommenen Er- 
kentniß in diefem Leben kommen bis and Ende, da fich Richt 
and Finſterniß feheider ; und wird die Grimmigkeit mit dem 
Leibe vergehret in der Erden, dann fichet die Seele hell und 
volfommlich in GOtt ihrem Vater, Wann aber die Geele 
vom H Geiſt angezündet wird, fo triumphiret fie indem Leibe, 
wie ein groß Feuer aufgehet, daß alfo Hers und Nieren für 
Sreuden zittern: es iff aber nicht bald groffe und tieffe Erfent- 
niß da, in GOtt ihrem Vater; fondern Die Liebe gegen GOtt 
ihrem Vater triumpbiret alfo in dem Feuer des H. Geiſtes. 
103. Die Erfentniß GOttes aber wird in dent Feuer desH. 


Geiſtes gefaet, und iſt erſtlich Hlein wie ein Senfkorn, wie es 


Chriſtus vergleichet, (Matth. 13: 31.) Hernach fo waͤchſt fie 
groß wie ein Baum, und breitet ſich aus in GOtt ihrem 
Schöpfer : gleichwie ein Troͤpflein Waſſers in dem groſſen 

deer nicht Fan ſehr wallen ; fo aber sin groffer Etrom barein 
gehet, der Fan etwas mehr thun. * 104. 





Vorrede des Autdris. 23 

104. Es iſt aber das gefthehene, gegenwärtige und zukuͤnf⸗ 
tige, fo woldie Weite, Tieffe und Höhe, nahe und weit,in GOtt 
als ein Ding, eine Begreiflichkeit; und die heilige Geele des 
Menfchen fiehet folches auch , aber in diefer Welt nur Stuͤck⸗ 
weife. Es entfaͤlt ihr auch oft, daß fie nichts ſiehet, denn der 
Teufel feget ihr heftig zu in dem grimmen Duell, der in de 
Seelen ift, und verdeckt oft das edle Senfförnlein,darum mu 
der Menfcbimmer im Streit feyn. 

105. Auf eine folche Weife, in folcher Erfentniß des Geiſtes 
will ich in Diefem Buch von GOtt unferm Vater fchreiben, in 
dem alles ift, und der felber alles iſt, will ich handeln, wie alles 
fchiedlich und creaturlich iſt worden, und wie fich alles treiber 
und beweget indem ganken Baum des Lebens. — 

106. Alhie wirſt du den rechten Grund der Gottheit ſehen, 
und wie es ein Weſen geweſen iſt vor den Zeiten der Welt,auch 
wie die heiligen Engel find erfihaffen worden, und woraus; 
auch von dem ſchrecklichen Fall Lucifers famt feinen Legionen 5 
auch woraus Himmel, Erde, Sternen und Elementa find wor: 
den, jo wol in der Erden Dietallen und Steine, und alle Crea— 
turen; wieda fey die Geburt des Lebens und die Leiblichfeit al⸗ 
ler Dinge ; auch mas da fey der rechte Simmel, da GOtt und 
feine Heiligen inne wohnen, und mas da ſey der Zorn GOttes 
und das höllifche Feuer, und wie alles anzundlich worden ſey: 
in Summa, was oder wie da fey das Wefen aller Wefen. 

107. Die erften 7 Eapitel handeln gantz fchlecht und be- 
greiflich vom Wefen GOttes und Engeln mit Öleichniffen, da- 
mit der Xefer möchte von einer Stuffe zur andern, endlich in 
sieffen Sinn und rechten Grund kommen. Im 8Sten Capitel 
fahet fich an die Tieffe im Goͤttlichen Weſen und fo fort je wei⸗ 
ter je tieffer. Es wird manche Beer oft wiederholet und 
immer tieffer befchrieben, um des Lefers, auch meiner ſelbſt zaͤ⸗ 
ben Begreiflichkeit willen. 

108. Was du aber indiefem Buch nicht genug erklaͤret fin- 
deſt, das wirft du im 2ten und ten hell und klar finden: dann 
von wegen unferer Berderbniß ift unfere Erfentniß Stuͤck⸗ 
werd, und nicht aufeinmal gang vollfommen ; wiewol dieſes 
Buch ein Wunder der Welt if, welches die heilige Seele mol 
verſtehen wird. 

109. Hiemit thue ich den Leſer im die fanfte und heilige Lie⸗ 
be GOttes empfehlen. | 
N J Das 


I. AURORA:  — Bap,r 
| Das 1. Kapitel. 
Don Erforfchung des Göttlichen Wefens 
in der Natur, | 


Summarien, 

Er von Gtt angestindete Geift ergreift das Goͤttliche Wefen.e.r. 
wo Dualitaten in der Natur.2.2Bas Dualität fey? 3. Was das 
icht iſt? 4. Die Grimmigfeit freitet darwieder. 5. Das Licht 
beftehet ohne Hise in der Natur nicht. 6. Die Hige herrſchet in der 
Natur, 7. machet Bewegung, 3. Das Licht gibt Kraftz die Hitze 
ohne Licht verdirbet alles. 9. Die Kälte wehret der Hise, und bez 
fänftiget diefelbe. 10.11. Sie Grimmigkeit verdirbet alles. ı2. Die 
Luft entfichet aus Hitze und Kälte, 13. gibt allem das Leben. 14. Das 
Waſſer gibt Leib,die Luft Geift ; heydes aus Hige und Kälte, ı5. Zwo 
Dualitäten in der Luft. 16. Das Waffer hat auch den grimmen 
Duellinfich. 17. Urſprung des Waſſers und der Luft.13. Yon der 
bittern Qualität entſtehet die grüne Farbesıg. fie machet freuden- 
ee Geiſt treibet mächtig in dieſer Qualität.2ı. Die 
tue Qualität iſt der bitteren entgegen gefeset,eine Duelle der Sanft= 
muth und der Peſt. 22. Die fauere Dualität temperiret die bittere 
nnd ſuͤſſe und gebaret Melancholey. 23. Die berbe Dualität ift eine 

Temperantz der andern drey. Ihr Verderben. 24, 


Ron beyden Qualitäten. 


Jewol Fleifch und Blur dag Göttliche Werfen nicht 
ergreifen Fan, fondern der Geiſt, wenn er von 
* GDt erleuchtet und angezündet wird: So man 
— aber willvon GOtt veden,wag GOtt ſey, ſo muß 

man fleißig erregen die Kräfte in der Natur ;dargu die gane 
Schöpfung, Himmel und Erden, ſowol Sternen und Elemen⸗ 
ten, und Die Creaturen fo aus denfelben find herkommen, ſowol 





auch Bis heiligen Engel, Teufel und Denfchen ‚auch Himmel 
e. 


und Hoͤl 
2. In ſolcher Betrachtung findet man 2 Qualitaͤten, eine 
gute und eine boͤſe, die in dieſer Welt in allen Kraͤften, in Ster⸗ 
nen und Elementen, ſowol in allen Creaturen in einander ſind 
wie ein Ding, und beſtehet auch keine Creatur im Fleiſche in 
dem natuͤrlichen Leben, ſie habe denn beyde Qualitaͤten an ſich. 
3. Alhier muß man nun betrachten, was das Wort Quali⸗ 
taͤt heiſt oder iſt. Qualitaͤt iſt die Beweglichkeit, Quallen 
oder Treiben eines Dinges, als da iſt die Hitze die hrennet, ver⸗ 
zehret und treibet alles, das in fie kommt, das nicht ihrer Ei⸗ 
genſchaft iſt. Hinwiederum erleuchtet und warmer fie ar 

wa 


- Cap... Morgenröthe imAufgang. 25 

wæas da iſt kalt, naß und finſter, und machet das weiche hart. 
Sie bat aber noch 2 Species in fich , als nemlich das Licht und 
die Srimmigfeit : davon zu mercken iſt. 

4. Das Licht oder das Herge der Hitze iſt an ihm felber ein 
lieblich,freudenreicher Anblick, eine Kraft des Lebens, eine Ers 
leuchtung und Anblick eines Dinges,das da ferne iſt, und iſt ein 
Stuͤck oder Duellder himmlifchen Freudenreih. Denn es 
machet in diefer Welt alles lebendig und beweglich, alles 
Kleifch, ſowol Bäume, Laub und Gras wachfer in diefer Welt 
za des Lichts, und hat fein Leben darinnen, al3 in dem 

uten, | 

5. Hinmiederum hat fie in fich die Grimmigkeit, daß fie 
brennet,verzehret und verderbet; dieſelbe Grimmigkeit quel⸗ 
let,treibet und erhebet fich in dem Lichte, und machet das Kicht 
beweglich, ringet und Fampfet mit einander in feinem zweyfa⸗ 
chen Duell als ein Ding ; es iſt auch ein Ding, aber es hat ei⸗ 
nen zweyfachen Duell, i 

6. Das Licht beſtehet in GOtt ohne Hitze; aler in der 
Natur beftehetes nicht; denn inder Natur find alle Qualitaͤ⸗ 
ten in einander wie eine Dualität, nach Art und Weife, wie 
GOtt alles iſt, und wie von Ihm alles herfommt und ausge= 

het: Oott iſt das Hertze oder Quellbrunn der Natur, aus 
Ihm alles herruͤhret. 3 

7. Run herrfchet die Hißein allen Kraften inder Natur, 
und erwarmer alles,und iſt ein Duell in allen; fonft wo das 
nicht ware, fo ware das Waffer viel zu kalt, und die Erde er: 
ftarrete, auch fo ware feine Luft nicht. 

8. Die Hige herrfchet in allen, in Baumen, Kraut und 
Gras, und machet das Waffer beweglich, daß durch des Wat 
fers Duell, ausder Erden waͤchſet Krautund Gras: darum 


® 


heiſt fie eine Dualität,daß fie in allen quillet und alles erbebet. 


9. Das Licht aber in der Hise gibt allen Qualitäten die 
Kraft, daß alles lieblich und wonnereich wird: die Hise ohne 
das Licht iffden andern Dualitaten Fein Nutz, fondern ift eine 
Berderbung des Guten, ein böfer Duell; denn es verdirbet 
alles inder Hige Grimmigkeit. Alſo iſt dag Licht in der Hitze 
ein lebendiger Duellbrunn, darein der H. Geiſt gehet, aber ım 
die Grimmigkeit der Hige nicht: die Hiße aber macht das 
Richt beweglich, daß es auallet und treiber, als man fieberim 
Winters da iſt das Licht * Sonnen gleichwol auf dr 

D5 — aber 


4 
C 


26 I. AURORA . Cavmı 
aber der Sonnen⸗Hitze Strahlen fanden Erdboden nicht er⸗ 
reichen, darum wachfet auch Feine Frucht. 

Bon der Kälte Qualificirung. | 


c 


10. Die Kalte iſt auch eine Dualitat,wie die Hige: fie qua 


lificirt in allen Ereaturen, mas aus der Natur worden ift, und 


in allem, was fich darinnen beweget, in Menſchen, Thieren, 
Bögeln, Fiſchen, Würmen,Laub und Gras und iſt der Hige ent⸗ 
gegen geſetzet, und qualificirt in derſelben, als ware es ein 
Ding; fie wehret aber der Hitze Grimmigkeit, und ſtillet die 

IB: = 
* — Sie hat aber auch 2 Species in ſich, davon zu mercken iſt: 

als nemlich daß fie die Hige fanftiger, und alles fein lieblich 
machet und ift in allen Greatureneine Dualitat des Lebens; 
denn e8 Fan feine Ereatur auffer der Kalte beftehen, denn fie iff 
eine quallende, treibende Beweglichkeit in allen Dingen. 

12. Die andere Species iff die Grimmigfeit: denn fo fie 
Gewalt kriegt, ſo druckt fiealles nieder, und verderbet alles, 
wie die Hitze; es kan kein Leben in ihr beſtehen, ſo ihr die Hitze 
nicht wehret. Die Grimmigkeit der Kaͤlte iſt eine Verder— 


bung alles Lebens und ein Haus des Todes, gleichwie der Hitze 


Grimmigfeit auch iſt. 


Bon der Luftund des Waſſers Qualificirung 

13. Die Luft hat ihren Urfprung von der Hige und Kalte: 
denn die Hige und Kalte treiben gewaltig von ſich, und erfüllen 
alles, davon wird eine lebende und webende Bewegung; wenn 
aber die Kalte die Hitze fanftiget, fo wird beyder Dualitat duͤn⸗ 
ne, und die bittere Dualitatzeucht es zuſammen, Daß es tröpf- 
lich wird: die Luft aber hat ihren Urſprung und gröfte Bewe⸗ 
gung aus der Hige,und das Waſſer von der Kalte. 

14. Nunringen die 2 Dualitäten ſtets mit einander , die 
Higeverzehretdas Wafler, und die Kalte zwinget die Luft: 
nun iſt aber die Luft eine Lirfache und Geiſt alles Lebens und 
aller Bewegung in diefer Welt, es fey gleich im Fleiſche oder in 
allem dem , was aus der Erden machfet, fo bat es alles fein Ve- 
ben von der Luft,und Fan nichts auffer der Luft beſtehen, das in 
diefer Welt ift, das fich bewege. 

15. Das Waſſer quellet auch in allen lebendigen und wer 
benden Dingen in diefer Welt: in dem Waſſer befteher der 
Leib aller Dinge, und in der Luft der Geiſt, es ſey ol * 

— 2; ei⸗ 


— 
N, 8 
J 





1 
— 
4 


av. Morgenröthe im Aufgang. a7 


Fleiſche oder inden Gewaͤchſen ausder Erden und drefes bey: 
des kommt aus der Hitze und Kalte, und qualificivet unter ein: 
ander wieein Ding. f 

18. Nun aber find in diefen beyden Qualitäten auch 2 fon: 
derliche Species zu merken, ald nemlich die lebendige und toͤdt⸗ 
liche Wirkung. Die Luft iſt eine lebendige Qualitaͤt, jo fie 


ſaͤnftig in einem Dinge iff, und der H. Geift herrfcher inder 


Sanftmuth der Luft,und alle Ereaturen find frölich darinnen. 
Sie hat aber auch die Grimmigfeit in ſich, daß fie tödtet und 


verderbet durch ihre graufame Erhebung. Die Dualifici- 


rung nimmt aber von der grimmen Erhebung ihren Ur- 

ſprung daß es in allen quellet und treibet, davon das Leben Ur: 

Wem bat und ſtehet, darum muß es beydes in diefem Leben 
eyn. 

17. Das Waſſer hat auch einen grimmen, toͤdtlichen Quell 
in ſich denn es toͤdtet und verzehret; darzu muß alles lebende 
und webende indem Waſſer verfaulen und verderben. 

18. Alſo iſt die Hiße und die Kalte eine Urfache und Ur⸗ 
forungdes Waſſers und der Luft, darinnen alles wircket und 
ſtehet alles Leben und Beweglichkeit ſtehet darinnen,davon ich 
von Erfihöpfung der Sternen flarlich fchreiben will. 

Don den Einfluffen der andern Qualitäten in die 
drey Elementa, Feuer , Luft und Waſſer. 
Von der bitteen Umalität. 

19. Die bittere Dualität iſt das Hertze in allem Leben: 
gleichwie fie in der Luft da8 Waffer zuſammen zeucht,und auch 
zevtreibet, daß es fcheidlich wird, alſo auch in allen Ereaturen, 
fowol auch in Gemachfen der Erden; denn Paub und Gras 
hat feine grune Farbe vonder bittern Qualität. So nun die 
bittere Qualitaͤt in einer Creatur fanftig wohnet , fo ift fie ein 
Hertze oder Freudeinderfelben : denn ſie zerſcheidet alle ande⸗ 
re boͤſe Einfluͤſſe, und iſt ein Anfang oder Urſache der Freuden 
oder des Lachens. 

20. Denn ſo ſie beweget wird, machet ſie eine Creatur zit⸗ 
ters und freudenreich, und erhebet dieſelbe mit gantzem Lei— 
be: denn es iſt gleich ein Anblick der himmliſchen Freuden⸗ 
reich, eine Erhebung des Geiſtes, ein Geiſt und Kraft in allen 
Gewachienausder Erden, eine MutterdesLebens. 

21. Der H. Geift wallet und treibet machtig in Diefer Er s 

* | | 35 itaͤt, 


28 = =.L AURORA, Gap. ı. 
lität, denn fie iſt ein Stück der himmlifchen Freudenreich, wie 


ich hernach bemweifen will. Sie hat aber auch noch eine Spe- 
eies in fich , als nemlich die Grimmigkeit die if ein wahrhaftig 


Haus des Todes, eine Verderbung alles Guten eine Verderb⸗ 


niß und Berzehrung des Lebens im Fleifche. Denn fo fie fich 
in einer Creatur zu fehr erhebet, und entzuͤndet fich in der Hiße, 
fo feheibet fie Fleifch und Geiſt, und muß die Creatur deg To: 
des ſterben: Denn fie quallet und zuͤndet an dag Clement 
Fever, darinnen Fan Fein Fleifch beftehen in der groffen Hitze 
und Bitterfeit. Go fie ſich aber indem Element Waffer ent⸗ 
under und darinnen quellend wird, fo bringt fie das Fleiſch in 
. Siechtage uud Kranckheit, und endlich in Tod. 
Von der füffen Gualitaͤt. 

22. Die füffe Dualitat ift der bittern entgegen gefeget, und 
iſt eine holdſelige liebliche Qualität, eine Erquickung des Les 
bens, eine Sänftigung der Grimmigkeit fie machet alles lieb- 
lich und freundlich in allen Creaturen Ddie Gemächfe aus der 
Erden machet fie molriechende und ſchmeckende, mit ſchoͤnen 
selben , weiffen und röthlichen Sarben. Gie ift ein Anblick 
und Duell der Sanftmuth, eine Wonne der bimmlifchen 
Freudenreich, ein Haus des H. Geiſtes, eine Qualificirung der 
Liebe und Barmhertzigkeit, eine Freude des Lebens. Hinwie⸗ 
der hat ſie auch einen grimmen Quell, einen Quell des Todes 
und des Verderbens in ſich: denn fo ſie in der bittern Quali⸗ 
taͤt entzuͤndet wird in dem Element Waſſer, ſo gebaͤret ſie 
Kranckheit und aufgeſchwollene Peſtilentz und Verderbung 
des Fleiſches. So ſie aber in der Hitze und Bitterkeit entzuͤn⸗ 
det wird, ſo inficiret ſie das Element Luft, davon gebaͤret ſich 
die geſchwinde, fliegende Peſtilentz und jaͤhlinger Tod. 

Von der fauren Qualitaͤt 

23. Die faure Dualität iffder bitfern und fuffen entgegen 
geſetzt, und teinperivet alles fein, eine Erquickung und kLoͤ⸗ 
fhung,fo fich die bittere und füffe Qualität zu fehr erhebet eine 
Begierde in dem Gefchmacke,eine Luft des Lebeng,eine quellen- 


de Freude in allen Dingen,eine Begierde, Sehnen und Luft der - 


Sreudenreich,eine ftille Wonne des Geiftes, ſolches temperiret 
fie in allen lebendigen und auellenden Dingen. Gie hat aber 
auch in ihr einen Duell des Böfen und Verderbens: denn fo 


fie fich zu ſehr erhebet, oder in einem Dinge zu fehr quellet daß 


| fie fich entzündet, fo gebaͤret fie Traurigkeit, ———— 4 


— 





*— a u Zn FE u 7 —7 EIER 


‚ - HE 36, , ESSEN, 7 Pa * 
Cap. 1. Morgenroͤthe im Aufgang. 29 
dem Waſſer einen Geſtanck, ruͤhricht und bruͤchicht, eine Ver- 
geſſung alles Guten,eine Traurigkeit des Lebens, ein Haus deg 
Todes,ein Anfang der Fraurigfeit, und ein Ende der Freuden. 

Von der berben oder geſaltzenen Qualitaͤt. 
24. Die gefalgene Dualitat iſt eine gute Temperang inder 
bittern, füflen und fauren, und machet alles fein lieblich,, fie 
wehret dem Aufſteigen der bittern Qualität, ſowol auch der 
füffen und fauren,daß fie fich nicht entzunden ; fie iſt eine ſchar⸗ 
fe Qualität, eine Luft des Geſchmackes, ein Duelldes Lebens 
und der Freuden. Hinwieder hat fie auch in ihr die Grims 
migfeit und Verderben: wenn fie in dem Feuer entzündet 
wird, fo gebare fie eine harte, reiffende, ſteinernde Art, eine 
grimmige Nuall, eine Verderbung des Lebens; davon waͤch⸗ 
ſet in dem Fleiſche der Stein, davon das Fleiſch groffe Marter 
leidet. Go fie aber indem Waſſer entzundet wird, fo gebaͤret 
fie indem Sleifche boͤſe Rauden, Geſchwaͤre, Frantzoſen Kraͤtze 
und Auſſatz, und einTraur:Hausdes Todes, ein Elend und 
Vergeſſung alles Guten. 


F Das ꝛ. Capitel. 
Anleitung, wie man das Goͤttliche und 
Natuͤrliche Weſen betrachten ſoll. 


Summarien. 

le Qualitaͤten find in der Natur mie ein Ding. 6.1. Boͤs und 
9 Gut ruͤhret aus den Sternenher.2. Sanftmuth iſt die Ruhe, 
der Grimm das Bewegen in der Natur. 3. In allen iſt ein gu⸗ 
ter und boſer Wille. 4. Die Engel und Teufel leben in ihrem eigenen 
Dualitäten aus der Natur. 5.,6. Die Engel in Sanftmuth; Die 
Teufelim Grimm. 7. Alles ruhret von den Sternen her. 8. Be⸗ 
weis durch die Sonne. 9.10, Gott iſt um feinen 9. Geiſt zu bitten. 
u. Fleiſch und Blut begreifts nicht. 2. Der Geilt GOttes herr- 
fehet in der gantzen Natur. Der Heiden Vergaffung :auch die Juden 
Eenneten GOtt und feinen Willen nicht. 3. Der Sternen Kräfte 
find die Natur. 14. Durch die Sterne heweget fich alles. ı5. ” Die 
ganse ratur ift der Leib GOttes. 16. GOtt mohnet uber den Gter- 
nen und durch alles. 17.18. Gleichniß mit des Menfchen Leib. 19 = 24.. 
Ohne der Sternen Wirkung waͤchſet nichts in der Erden. 25. Der 
Himmel hat keine Grimmigkeit infich, 26. gehoͤret aber zur Natur; 
27. iſt das Hers in der Natur und zuͤndet die Sternenan. 28. 29. 
Dies. Sinnen. 30. Des Himmels Beweglichkeit. 3. GHDttiftder 

Anfang. 32. Hummel und Erden zeigen den ganzen GOtt an, welcher 
fich in der von Ihm ausgehenden Kraft crentürlich gemachet hat. 33. 
GHtt in feiner Dreyheit ut unveranderlich. 34. GHDE if gut. 35. 
Gut und voͤſe iſt in der Natur, 36. Die Galle erwecket Zorn, aaa = 


— tr. ir - 2 
30 L AURORA, Gay. 2. 

fie fich im der bittern Onalität entzündet ;_in der ſuͤſſen machet fie 

greude. 37. 38. GOtt iſt Geiſt. 39. In Ihm it alles Kraft. 40. 

GHOLL erzuͤrnet in fich ſelbſt nicht, aber in der Natur; 41.42. ma: 

Ba freubdenreich, 43. Aus EOttes Kräften find die Himmel. 

44.0. 

Jeſes alles, wie oben erzehlet,heift darum Dualität, daß 
es alles in der Tieffe uber der Erden,aufder Erden und 
in der Erden in einander aualificiret wie ein Ding : und 

bat doch mancherley Kraft und Wirckung, aber nur eine Mur: 
ter,darausalles Ding herkommt und quillet; undalle Crea⸗ 
turen find aus diefen Dualitaten gemacht und herkommen, 
und leben darinnen,alg in ihrer Mutter: auch fo bat die Erde 
und Steine daraus fein Herfommen, und alles mas aus der 
Erden waͤchſet, das lebet und quillet aus der Kraft dieſer Dua- 
ſitaͤten, das kan Fein vernünftiger Menſch verneinen. _ 

2. Diefer zmeyfache Duell, Boͤs und Gut inallen Dingen, 


rühret alle3 aus den Sternen her: denn wie die Ereaturen 


auf Erden find inihrer Qualitat, alfo auch die Sterne. Denn 





durch feinen zweyfachen Quell bat alles feine groffe Bemeg:. 


lichkeit, Lauffen, Nennen, Quellen, Treiben und Wachfen. 
3. Denndie Sanftmuth in der Natur ifkeine ſtille Ruhe; 
aber die Grimmigfeit in allen Kraften machet alles beweglich, 
fauffend und rennend, darzu gebarend. Denn dietreibende 
Dualitäten bringen Luft in alle Creaturen zum Böfen und 
zum Guten daß fich alles unter einander begehret, vermiſchet, 
zunimmt, abnimmt, ſchoͤne wird, verdirbet ‚liebet, feinder. 
4. Es iſt in allen Creaturen in diefer Welt ein guter und 
böfer Wille und Quell, in Menſchen, Thieren, Vögeln, Fiſchen, 
Wuͤrmen, ſowol auch in allem dem, was da iſt in Gold, in Sil⸗ 
ber, Zinn, Kupfer, Eiſen, Stahl, Holtz, Kraut, Laub und Gras, 
ſowol in der Erden, in Steinen, im Waſſer, und in allem, was 
man forſchen kan. 
5. Es iſt nichts in der Natur, da nicht Gutes und Boͤſes in- 
nen iſt, es wallet und lebet alles in dieſem zweyfachen Trieb, es 
ſey was es wolle, ausgenommen die heiligen Engel und die 


grimmigen Teufel nicht, denn dieſelben find entſchieden, und 


lebet, qualificiret und herrſchet ein ieglicher in ſeiner eignen 
Qualitaͤt. Die heiligen Engel leben und qualificiren in dem 
Licht in der guten Qualitaͤt, darinnen der H. Geiſt herrſchet; 
die Teufel leben und herrſchen in der grimmen Qualität, in der 
Qualitaͤt des Grimmes und Zornes oder Verderbens. na 

27. Sie 


a ——— 


Gay. 2. Morgenroͤthe im Aufgang. 31 
6. Sie ſind aber beydes boͤſe und gute Engel aus den Qua⸗ 
litaͤten der Natur gemacht worden, daraus alle Dinge worden 
ſind; allein die Qualificirung iſt in ihnen ungleich. —* 

7. Die heiligen Engel leben in Kraft der Sanftmuth des 
Lichtes und der Freudenreich; und die Teufel leben in Kraft 
der aufſteigenden oder erhebenden Quall der Grimmigkeit, 
Erſchrecken und Finſterniß und koͤnnen das Licht nicht ergreif⸗ 
fen darein fie ſich denn ſelber geſtoſſen haben durch ihre Erhe— 

Wung, wie ich hernach von der Schöpfung ſchreiben will. 

‚8. So duaber nicht glauben wilſt, daß in diefer Welt alles 
vonden Sternen berruhre, fo will ich dirs beweiſen; fo dur 
aber nicht ein Klotz biſt und ein wenig Vernunft haſt, ſo merske 
wie nachfolget. 

9. Erftlich ſchaue an die Sonne , die ift dag Here oder der 
König aller Sternen, und gibt allen Sternen Richt vom Auf: 
gang zum Niedergang, und erleuchtet alles, und erwarmet al- 
les alles lebet und wachſet inihrer Kraft, darzu fo ſtehet die: 
Freude aller Creaturen in ihrer Kraft. 

10. So nun dieſelbe wuͤrde weggenommen, ſo wuͤrde es 
gantz finſter und kalt, auch ſo wuͤchſe keine Frucht; auch ſo 
wuͤrde ſich weder Menſch noch Thier koͤnnen mehren, denn die 
Hitze verloͤſche, und der Same murde in allen kalt und erſtar— 
ret. 


J 


Von der Sonnen Qualitaͤt. 


I. Wilt du ein Philofophus und Naturkuͤndiger ſeyn, und 
GoOttes Weſen in der Natur erforſchen, mie dig alles beſchaf⸗ 
fen ſey, ſo bitte GOtt um feinen H. Geiſt, daß Er dich mit dem⸗ 

ſelben wolle erleuchten. 

12. Denn in deinem Fleiſch und Blute kanſt du ſolches 
nicht ergreiffen: ob du es gleich lieſeſt, ſo iſts nur ein Dunſt 
oder Dunckel vor deinen Augen; allein in dem H. Geiſte, der 
in GoOtt iſt, und auch in der gantzen Natur, daraus alle Dinge 
worden find, kanſt du forſchen bis in den gantzen Leib GOttes, 
welcher iſt die Natur, ſowol auch bis indie heilige Trinität. 
Denn der 9. Geift gehet von derheiligen Trinitaͤt aus, und 
Sale indem gangen Leibe GOttes, das iſt, in der gangen 
Natur. 
13. Öleichwie der Geiſt eines Menfchen in dem ganken 
Leibe in allen Adern herrſchet und erfüllt den gantzen — 
—— en; 


* be Be 

ee I. AURORA, Cap. 2. 
ſchen; alſo auch der H. Geiſt erfuͤllet die gantze Natur, und iſt 
das Hertze der Natur, und herrſchet in den guten Qualitaͤten 
in allen Dingen. So du nun denſelben in dir haſt, daß derſel⸗ 
be deinen Geiſt erleuchtet und erfuͤllet, ſo wirſt du verſtehen, 
was hie nachfolgend geſchrieben iſt; wo aber nicht, ſo wird 
dirs gehen wie den weiſen Heiden, die ſich in der Schoͤpfung 
vergaffeten, und woltens aus eigener Vernunft erforſchen, 
und kamen in ihrem Dichten bis vor GOttes Antlitz, und kon⸗ 
ten daſſelbe Boch) nicht ſehen, und waren in der Erkentniß 
GOttes ſtockblind. Wie auch die Kinder Iſrael in der Wuͤ⸗ 
ften das Angeficht Moſis nicht Fonten ſehen, Darum muſte er 
eine Decke vor fein Angeficht machen, wenn er zudem Volck 
trat. Dasmachte e3,daß fie den rechten GOtt und feinen 
Willen nicht verftunden noch Fanten, der doch unter ihnen 
wandelte‘: darum war die Decke ein Zeichen und Vorbild ih⸗ 
rer Blindheit und Unverſtandes. Go wenig ein Were fan 
feinen Meifter ergreiffen, fo wenig Fan auch ein Menſch GOtt 
feinen Schöpfer ergreiffen und erfennen, es fey denn dag ihn 
der H. Geifterleuchte. Welches allein denen gefchicht , die 
fich auf fich felbft nicht vertrauen, fondern fegen ihre Hoffnung 
und Willen allein in GOtt, und wallen in dem H. Geiſte, die 

find Ein Beift mit GOtt. : 

14. So man nun will die Sonne und Sternen recht be= 
trachten mit ihrem Corpus, Wirckungen und Qualitäten, fo 
findet man recht darinnen das Goͤttliche Weſen, ald daß der 
Sternen Krafte find die Natur. 

15. So man das gange Curriculum oder den gangen Um⸗ 
eirf der Sternen betrachtet,fo findet ſichs bald, daß daffelbe ſey 
die Mutter aller Dinge oder die Natur, daraus alle Dinge 
worden find,und darinnen alle Dinge ffehen und leben, und da⸗ 
durch fich alles beweget, und alle Dinge find aus denfelben 
Kräften gemacht , und bleiben darinne ewiglich: Und ob fie 
gleich am Ende diefer Zeit werden verwandelt werden, indem 
fich das Gute und Böfe fcheiden wird,fo werden gleichwol En⸗ 
gel und Menfchen inder Kraft der Natur, daraus fie ihren er? 
ften Anfang haben genommen , in GOtt ewiglich beftehen. 

16. Dumuft aber deinen Sinn alhie im Geift erheben und 
betrachten , wie die ganke Natur mit allen Kraften, die in der 
Natur find, darzu die Weite, Tieffe, Höhe, Himmel, Erde und 
alles , was darinnen iſt, undüberdem Himmel, ſey ”n * 


* 


— — 


Em; Morgenröthe im Aufgang. 33 
GOttes; und die Rrafte der Sternen find die Duell-Adern 
indem natürlichen Leibe GOttes indiefer Welt. 

17. Nicht muft du dencken,daß in dem Corpus der Sternen 
fey Die gange triumphirende heilige Dreyfaltigfeit, GOtt 
Bater, Sohn und H. Beift, in welchen ift Fein Boͤſes, fondern 
iſt der Bicht-heilige, ewige Freuden-Duell , der unzertrennlich 
und unveranderlich iſt, das Feine Creatur genng ergreiffen 
ober ausfprechen kan, welcher wohnet und iftüüber dem Corpus 
der — in ſich ſelbſt; ſeine Tieffe kan keine Creatur er⸗ 
meſſen. Y 

"18. Aber nicht alfo zu verſtehen daß Er gar nicht fey in de 
Corpus der. Sternen und in dieſer Welt; denn wenn man 
ſpricht: Alles,oder von Ewigfeit zu Ewigkeit, oder Allesin 
Allem; fo verftehe biemit den gangen GOtt. Nim dir ein 
Gleichniß an einem Menfchen,der ift gemacht nach dem Bilde 
oder Gleichniß GOttes / wie im Mofi gefchrieben ſtehet. Gen, 
1227. 1% | init 

19. Das Inwendige oder Hole im Leibe eines Menſchen iſt 
und bedeut die Tieffezwifchen Sternen und Erde Der gantze 
Leib mit allem bedeut Hin mel und Erde; Das Fleifch bedeut 
die Erde, und iſt auch von Erde; Das Blut bedeut das Waſ⸗ 
fer, und ift auch vom Wafler ; Der Ddem bedeut die Luft, und 
iſt auch die Luft; Die Blafe, darınnen die Luft qualificiret, ber 
deut die Tieffe zwiſchen Sternen und Erde, darinnen Feuer, 
Luft und Waller elementifcher = weile qualificiret;:und die 
Waͤrme, Luft und Waſſer qualificiven auch in der Blafen, wie 
in der Tieffe uber der Erden. Die Adern bedeuten die Kraft- 
gaͤnge der Sternen, und find auch Die Rraftgange der Gterr 
nen: denn die Sternen mit ihrer Kraft berrfchen in den 
Adern, und treiben den Menſchen in ihre Geftalt. Das Eim 
geweide oder Darmer bedeus der Sternen Wirskung oder 
Berzehrung ; alles mas ausihrer Kraft worden iſt, was fie 
ſelber gemacht haben, dag verzehren fie felber wieder, und blei⸗ 
bet in ihrer Kraft, und die Darmer find auch die Verzehrung 
alles des, was der Menfch in feine Darmer ſchiebet, alles 
was aus der Sternen Kraft gemachten ifk. 

20. Das Herge im Menfchen bedeut die Hitze oder das 
Element Feuer ; undift auch die Hige: denn. die Hige bat im 
Hergen ihren Urfprung im gangen Leibe, Die Blafe bedeut 
808 Element Luft, und die aan auch Darin. SO 
>: - ß 


34 1° LSAURORA 0 Capı# 
De Waſſer, und ik en 

denn aus der Leber Fomme das Blut in. gantzen in ale 
Blieder ; die Reber iſt des Blutes Diutter. 

"Dr. —* Lunge bedeut die Erde, und iſt auch derſeben 


Qualit 

22. Die Füffebedeuten Nabe und Weie, denn in GOtt if 
nahe und weit ein Ding, undder Menſch Fan durch die Füfle 
nahe und weit fommen ; er fey aber mo er wolle, pifterin 
Ding Natur meder nahe och weit, denn es iſt in GOtt ein 


j mr Die Hande bedeuten bie Allmacht GoOttes: denn 
gleichwie GOtt in der Natur kan alles veraͤndern, und daraus 
machen, mas Er will; alfo auch kan der Menfch mit feinen 
Händen alles das, was aus der Natur gewachſen oder wor⸗ 
den iſt, verändern, und aus demfelben mit feinen Haͤnden ma⸗ 
chen, mas er wills; er regieret mit den Handen der gantzen 
So Er und Wefen, und fie bedeuten vecht die Allmacht 
te 

24. Rum mercke hie weiter: Der gantze Leib bis an Hals 
bedeut undift der runde Circkel des Umganges der Sternen; 
ſowol auch die Tiefe zwifchen den Sternen, darinnen die Pla⸗ 
neten und Elementaregieren. Das Fleifch bedeut die Erde, 
die iſt erſtarret und hat feine Beweglichkeit ; alfo auch das 
Fleisch hat in fich felbft Feine Vernunft, Begreiflichkeit oder 
Beweglichkeit , allein es wird vonder Sternen Kraft, welche 
indem Fleiſche und Adern vegieren , bemeget. 

"25. Alfo auch die Erbe brachte keine Feucht, auch fü wuͤch⸗ 
fe darinnen Fein Metall, weder Bold, Silber, Kupfer Ei: 
fen noch Stein, fodie Stermen nicht darinnen wircketen; es 
wuͤchſe auch fein Grafelein daraus ohne Wirckung der Ster⸗ 
nen. Das Haupt bedeut den Himmel, daffelbe ift mit den 
Adern und Kraftgängen an Leib gemachfen ‚ und gehen alle 
ai rei Haupt und Hirmi in Leib, in bie Duell Adern 
des Flei 
26. Nun aber iſt der Himmelein lieblicher Freuden Soal 
darinnen alle Kräfte find , wie in der gangen Natur, in Ster⸗ 
nen, und Elementen, aber nicht alfo harte, treibende und 
quallende. Denn iede Kraft des Himmels hat nur eine Spe« 
cies oder Geſtalt der Kraft , helle und gank fanftig quellende, 


nicht boͤs und gut: n "einander wiein ben Sternen und —* 


Eap.2. Morgenroͤthe im Aufgang. 35 
menten, ſondern lauter und rein. Er iſt aus dem Mittel des 
Waſſers gemacht, aber nicht auf eine ſolche Weiſe qualifici⸗ 
rende, wie das Waffer in den Elementen, denn die Grimmigkeit 
ft nicht darinnen. 

27. Aber nichts deffo weniger gehöret der Himmel zu der 
Fatur,;denn aus dem Himmel haben bie Sternen und Ele« 
menta ihren Urſprung und Kraft: denm der Himmel ift das 
Hertze des Waſſers. Gleichwie in allen Treaturen, ſowol in 
alle dem, was da iffindiefer Welt, das Waſſer fein Herge iſt, 
amd nicht auffer dem Waffer , es fen gleich im Flei⸗ 
fihe, oder auffer dem Sleifche, in Sewachfen der Erden, oder in 
Netall und Steinen ſo iſt in allen Dingen das Waffer der 
Kern oder das Herge; 

28. Alfo ift der Himmeldas Herßein der Natur, darinnen 
‚alle Kräfte find, wie in Sternen und Elementen , und iff eine 
weiche und fanfte Materia aller- Kräfte, gleichwie das Hirn 
im Haupt des Menfchen. 
29. Rum zündet der Himmel mit feiner Kraft die Sternen 
und Elementa an, daß fie quallen and treiben; alſo auch iſt das 
Haupt des Menſchen wieder Himmel. Bleichwie im’ Him⸗ 
miel alle Kräfte fanftig und lieblich , darzu freudenreich find 
und qualificiren; alfs find im Haupt oder Hirn des Menfchen 
alle Kräfte fanftig und freudenreich Und gleichwie ber Him⸗ 
mel einen Schluß oder Feftung bat uber den Sternen, und 
eben doch alle Kräfte aus dem Himmel in die Sternen; alfo 
* das Hirn einen Schluß oder Feſtung vor dem Leibe, und 
gehen doch alle Krafte aus dem Hirn in den Leib und in den 
gangen Menſchen. nad :1 

30. Das Haupt hat in fich die 5 Sinnen, ald Sehen, Hören, 
Siechen, Schmecken und Fuͤhlen, darinnen qualificiren die 
Sternen und Elementa, und entſtehet darinnen der fiderifche 
Sternen⸗oder Natur⸗Geiſt in Menichen und Thieren; in dies 
fen quillee Böfes und Gutes, denn es iſt ein Haus der Ster⸗ 
nen. Golche Kraft nehmen die Sternen von dem Himmel, 
daß fie im Fleifche Eönnen 'einen lebendigen und bemegenden 
: Beift machen in Menfchen und Thieren. Die Bewegung 
des Himmels macht die Sternen beweglich; alſo auch nacht 
das Haupt den Reib beweglich. | 
- 31. Albier thue nun die Augen deines Geiſtes auf, und 

ſchaue deinen Schöpfer. Ahier iſt * die Frage; woher * 
2 er 


365 MVRORA. Bay.2. 
der Himmel folche Kraft hat ober niumt, daß er ſolche Beweg⸗ 
lichkeit in der Natur machet? 
3. Hie muſt du nun ſehen uber und auffer die Natur, in die 
Licht⸗heilige, triumphirende, Göttliche Kraft,in die unverän- 
derliche 9: Dreyfaltigkeit die iſt ein triumphirend/ quallend, 
beweglich Weſen, und ſind alle Kraͤfte darinnen wie in der 
Natur Denn das iſt die ewige Mutter der Natur, davon 
+ Himmel, Erden, Sternen, Elementa, Engel SeufelDenfgen, 
Thiere und alles worden ift, und darinnen alles ſtehe 
133. So manı nennet Himmel und Erben, Een und 
| Elementa, und alles was darinnen iſt, und alles was uber allen 
‚Himmel ift, fo nennet man hiemitden gangen GOtt ; der fich 
in dieſem oberzehlten Wefen in feiner Kraft, die von Ihm aus⸗ 
gehet, alſo creatuͤrlich gemacht hat. 
34. GOtt aber in feiner Dreyfaltigkeit iſt unveraͤnderlich: 
ſondern alles was da iſt im Himmel und auf Erden und uͤber 
der Erden, das hat ſeinen Quell und Urſprung von der Kraft, 
die von GOtt ausgehet 
10435. Nicht muſtdu dencken daß darun in GOtt Bofes und 
Gutes qualle oder ſey; fondern GOtt if felber das Gute, und 
hat auch den Namen von dem Busen ‚die triumphirende ewi⸗ 
ge Freude: allein alle Krafte gehen aus Ihm aus, die du in 
der Natur erforſchen kanſt, und die in allen Dingen find. 
36. Nun moͤchteſt du ſagen: Es iſt ja Böfes und Gures in 
der Natur; weil denn alle Dingvon GOtt kommt/ ſo muß 
ja das Boͤſe auch von GOtt kommen. 
3. Siehe, ein Menſch hat in ſich eine Galle, das iſt Gift und 
fan ohne die Galle nicht leben : denn die Galle machet die ſide⸗ 
riſche Geiſter beweglich, freudenreich triumphirende oder la⸗ 
‚chende, denn fie iſt ein Quell der Freuden. So ſie ſich aber in 
einem Element entzundet ‚fo verderbet fie den gantzen Men⸗ 
— —* der Zorn in den —— Geiſtern kommt von 
der Galle 
38 .Das ifl, wenn fich die Galleerbeber und zudem Herten 
Läuffet, fo zundet fie das Element Feuer an, und das Feuer 
zündet die jiderifchen Beifter an, welche im Geblute in Adern 
indem Element Waſſer regieren: "denn zittert der gande” Leib 
fur Zorn und Gift der Gallen, Eben einen ſolchen Quell hat 
auch die Freude, und auch aus dieſer Subſtantz wie der Zorn. 
Das iſt wenn bie Bake in ber liebbabenden u 
Qua⸗ 


Sapı2:  MorgenrötheimAufgang 37 
ualitätentzundet, in denn was dem Menſchen lieb iſt ſo zit⸗ 
tert der gantze Leib fuͤr Freuden: in welchem: manchmal die 
ſideriſchen Geiſter auch angeſtecket werden wenn ſich die Gal⸗ 
le zu ſehr erhebet, und in der füffen Dualitat entzundet. 
39. Aber eine folche Subſtantz hats in G Dre nicht, denn 
Er hat nicht Fleiſch und Blut; ſondern Er itteinGeift,in dent 
alle Kräfte find, oh. 4: 24.) wie wir im Vater⸗Unſer beten: 
Dein ift die Kraft. ( Matth, 6:13.) Und wie Eſaias von Ihm 
fhreibet : Er iſt Wunderbar, Rath Kraft, Held, ewig Vater, 
Friede: Fuͤrſt. (ER.9: 6. ,,..0. er 
40. Die bittere Dialität iſt auch in GOtt; "aber nicht auf“ 
Art und Weife wieiim Menſchen die Galle ‚ ſondern iſt eine: 
— — Kraft/ ein erheblicher triumphirender Freu⸗ 
den Quͤell. Bu ar —— 
41. Und obgleich in Moſi geſchrieben ſtehet: (Exod. 20: 5. 
Deut. 4:24.) ch bin ein zorniger eiferiger GOtt; fo bat es 
darum nicht die Meinung, daß fih GOtt in dich ſelbſt erzöfhe> 
oder daß ein Zorn-Feuer in der. H, Drepfaltigfeit aufgehe 
Nein, das Fan nicht fenn 5 denn es ſtehet: Uber Die, ſo mich 

baflen; iu derfelben Creatur gehet das Zorn Feuer auf. ,... 

42: Se ſich aber GOtt in fich felbft folte.erzörnen., fo wurde 
die gantze Natur brennen, welches einmal am Jungften Tage 
in der Ratur, und nicht in GOtt geſchehen wird; in GOtt 
aber wird Die triumphirende Freude brennen: wie es denn von 
Er. nicht anders geweſen iſt, auch ‚nicht ‚anders werden 
wi im II x 4 


43. Nun macht aber die erhebende quälfende, triumphi⸗ 
rende Freude in GOtt den Himmel triumphirend und beweg⸗ 
lich; und der Himmel macht die Sternen und Elementa be⸗ 
— die Sternen und Elementa machen die Creatu⸗ 
ven bemeglid. nn 

44. Als den Kraften GOttes iff worden der Himmel; aus 
dem Himmel ſind worden die Sterne; aus den Sternen ſind 
worden die Elementa; aus den Elementen jſt worden die Erde 
und die Creaturen. Alſo hat alles feinen Anfang, bis auf die 
Engel und Zeufel, die find vor der Schöpfung. Himmels und 
der Sternen und Erden aus derfelben Kraft worden, daraus 
Himmel ind Sternen und Erde worden iſt - 

45. Diefes iſt alſo ein kurtzer Eingang oder Anleitung , wie 
man das Görtliche und Natuͤr liche * betrachten ſoll Fan 
Ri 3 örter 


\1AURORASHNE Cape3. 
förter BB nun den rechten Grund und Tieffe befchreiben, 
was GOtt fey; und wie im Weſen GOttes alles beſchaffen iff. 

46. Dieſes iſt zwar vonder Welt her ein Theil verborgen 
blieben, und hat es der Menſch mit ſeiner Vernunft nicht koͤn⸗ 
nen faſſen: weil ſich aber GOtt in der Einfalt in dieſer letzten 
Zeit will offenbaren laſſe ichs feinen Trieb und Willen walten, 
ich bin nur ein Fuͤncklein Amen. * 


Das 3. Eapitei. 


go der, hochgebenedenten, triumphiren⸗ 

den, heiligen, heiligen ‚heiligen Dreyfaltig⸗ 

keit, GOtt Bater, Sohn Heiliger Bias | 
‚einiger GOTT. .... 


Summarien. 


ne GOttes Geiſt iſt fein Verſtand. . x Vom Gebet: 2i' Der 
ater — * BB s. z. Warum un, feinen, ee Sr 


: Fr En —* ——* womit der H. Seit 38 
ar —* ia 4 — = 2 ni J— —5 — 
gehen; alſo auch der eift,28. Die Sterue beden 
die Sonne den S — oder Hertz 29,30. die 4 2 den H. 
Geift. 31. GEſtt iſt Heilig und Mi 32. — 2 33. 
- Der Sohn iſt nicht auſſer dem Water 34. Der H. Geiftift 
gi 35. Beweiß an Juden, Zürden und Heiden. 36, 9 Sim Yan 
 GHttes Bildnit. &; Der innere Menich. it Geiſt, Kraft,? 
Sohn. ib, Der H. a gehet aus den Kraften des — 

uAund Hirn aus. 8 Im Gemuͤth iſt es ein Dina. ib Wegen 

Lichts ift der Menſch ein Engel Gotleg 39:41, De aͤndige 
oder Seele. 42. Das Fleiſch a erde, 43. Exrſte anderes, 
drittes Principium. ib. Wie im M alſo iſts in Thieren: der 
Menfh aus dem beften Kern ber kan das Thiet ie 


Cap. 3. Morgenrötheim Aufgang. 39 
„milden Natur. 45. Die Drenheit ift in allen Creaturen zu ſehen. 46. 
Keines vondrenen Fan gebrechen. 47. Der Autor wirds Flärer anzei⸗ 

"gen. 48. Er iſt ohne GOttes Geiſt nichts: Sein Streit mit dem 

> Teufel, 49. | 

ünftiger Lefer alhie will ich dich treulich vermahnet ha⸗ 

ben, daß du deinen Dünckel fahren laſſeſt, und dich nicht 

DEF nach heidnifcher Weisheit veraaffeft, dich auch an der 
Einfalt des Autoris nicht aͤrgerſt: denn das Werck iſt nicht 
feiner Vernunft, fondern des Geiffes Trieb, Schaue dunur, 
daß du den H.Geift, der von GOtt ausgehet, in deinem Beifte 
habeſt, der mird dich in alle Wahrheit leiten, und fich dir offen- 
“baren, alsdenn wirſt du in feinem Lichte und Kraft mol fehen 
bis in die H. Dreyfaltigkeit , und verſtehen, was bienach ge: 


ſchrieben iſt. 
dr Bon GOtt dem Vater. 

22 Als unſer Heiland JEſus Chriffusfeine Finger lehrete 
beten, ſo ſprach Er, wenn ihr wollet beten, fo ſprecht: Unſer 
Vater der Du biſt im Himmel Matth. —* Dieſes hat nicht 
den Verſtand, daß der Himmel koͤnte den Vater begreiffen oder 
umfaſſen denn er iſt ſelber aus der Goͤttlichen Kraft gemacht. 

3: Dem Chriſtus fpricht : Mein Vater iſt groͤſſer denn 
Alles,(Jok. 10:29.) und im Propbeten fpricht GOtt: Dee 
Himmel ift mein Stuhl und die Erde ift mein Fußſchemel. 
(Efa. 66: 1.) Item / was wolt ihr mir für ein Haus bauen? Ich 
umfaffeden Hinmelmit einer Spannen, und den Erdboden 
mit einem Dreylinge.(Ef. 40: 12.) Item, In Facob will ich 
wohnen , und Sfrael ſoll meine Hütte feym.(Pl135: 4.5ir.24:13.) 

4. Daß aber Chriſtus feinen Vater einen bimmlifchen Va⸗ 
ter nennet, damit meinet Er, daß feines Baters Glantz und 
Kraft gang lauter, bel und rein im Himmel erfiheine ‚und daß 
aber. dem Eirk oder Schluß, den wir damit unfern Augen fe 
ben; daß wir Himmel heiſſen erfiheine die ange triumphiren⸗ 
vH. Dreyfaltigkeit, Vater Sohn, H. Geift. 

5. . Auch fo unterfcheider Chriſtus Hiemit feinen himmliſchen 
Dater von dem Bater des Natur, welcher ift die Sternen und 
Elementa: diefelben find unfer natürlicher Bater, daraus wir 
gemacht find, und in deffen Trieb wir albie in Diefer Welt le: 
‚ben, und von weichem wir unfere Speife und Nahrung 


nehmen. IRA N 
"6, Er iſt aber darum unſer bimmlifcher Vater, daß unfere 
A, C4 Seele 


4° © N INAURORA." Cap3. 
Eeele fich flet3 nach Som. fehnet und Ihn begehret ja ſie 
duͤrſtet und hungert ſtets nach Ihm Der Leib. ‚hungert 
und důrſtet nach dem Vater der Natur, welche find die Sier⸗ 
nen und Elementa, und derſelbe Vater ſpeiſet und traͤncket ihn 
auch. Die Seele aber duͤrſtet und hungert ſtets ind je 
himmliſchen heiligen Vater, und Er fpeifet und tra 
auch mit feinem 5. Geiffe und Freuden Quell. ae 

7. Run aber haben wir nicht zweene Vater, ſondern Pe 
einen :der Himmel iſt aus feiner Kraft gemacht, und die Ster⸗ 
* aus feiner Weisheit, die in Ihm iſt, bdie von Ihm or 

ehet. 


Von der Subſtantz und Eigenſchaft des Vaters. 


8. Wenn man nun betrachtet die gantze Natur und ihre Ei⸗ 
genſchaft, fo fiehet man den Vater: wenn man anſchauet den 
Himmel und die Sternen, fo fiehet man feine ewige Kraft und 
Weißheit. Alfo viel Sternen unter dem Himmel ſtehen ‚die 
doch unzehlich und der Vernunft unbegreiflich , auch ein Theil 
unfichtlich find, alfo viel und mancherley iſt GOttes des Va⸗ 
ters Kraft und Weisheit. 

Es hat aber ein ieder Stern am Himmel eine andere 
Kraft und Qualitaͤt als der andere, melche auch machen fo vier 
lerley Unterfcheid in und unter den Creaturen auf Erden, in 
den gangen Gefchöpfe. Nun aber berrühren alle Kräfte, die 
in der Natur find, aus. GOtt dem Vater, alles Licht, Hiße, 
Kälte, Luft, Waſſer und alle Kräfte der Erden; Bitter, Sauer, 
Se Herbe, Harte, Weich, und das. man nicht ergehlen fan, 

as bat alles feinen Ausgang vom Bater. - 

10. Wenn manaber den Bater mit etwas vergleichen teilt, 
fo muß man Ihn der runden Kugel des Himmels vergleichen: 
nicht muft du dencken,daß iede Kraft, die in dem Vater iſt an 
einem beſondern Theil und Orte in dem Vater ſtehe ‚wie die 
Sternen am Himmel ; nein, fordern ber Geiſt zeiget, daß alle 
Kräfte indem Vater in einander find wie eine Kraft : wie man 
deſſen ein Bilde hat im Propheten Hefekiel.c.1:ı5. der fiehet 
den HErrn im Geiſt und Vorbildniß gleich einem Rabe, da 
4Rader in einander find, und waren alle viere eines ie dag 
anders und wenn fie gingen, fo gingen fie ſchlechts fin: 
auf welche Seite der Wind ging, da gingen fie alle vier 
fich, und dorfte ins feiner Ummendung. — 





Cap. 3. Morgenrötheim Aufgang. Ai 
GOtt der Vater: denn es find alle Kräfte in dem Vater in 
einander wie eine Kraft und alle Krafte beftehen in dem Vater 
in einem unerforfchlichen Richt und Klarheit. 
. Nicht muſt du denken, dag GOtt im Himmel und über 
dem Himmel etwan ſtehe und walle, ine Kraft und Qua⸗ 
Kitas, die keine Vernunft und Wiffenfßßfe infich Habe, wie die 
Sonne; die lauft an ihrem Cirk herum, und ſchuͤttet von fich 
die Hitze und das Licht, es bringe gleich der Erden und den 
Creaturen Schaden oder Frommen: welches denn freylich 
geſchaͤhe, ſo die andern Planeten und Sternen nicht wehreten. 
Nein /ſo iſt der Vater nicht, ſondern iſt ein allmaͤchtiger, all⸗ 
weiſer, allwiſſender allſehender, allhoͤrender, allriechender, all⸗ 
fuͤhlender allſchmeckender GOtt, der da iſt in ſich fänftig, 
——— lieblich barmhertzig und freudenreich ; ja die Freu⸗ 
de jelber. » on — | Rh, 

12. Er iſt aber von Ewigkeit zu Ewigkeit alſo unveränder- 
lich, Er hat ſich in feinem Weſen noch nie veraͤndert, wird ſich 
auch in alle Ewigkeit nicht verandern. Er iſt von nichts her⸗ 
kommen oder geboren, ſondern iſt ſelber Alles in Ewigkeit; 
und alles: was da iſt das iſt von ſeiner Kraft worden die von 
Ihm ausgehet. Die Natur und alle Creaturen ſind aus ſeiner 
Kraft worden, die von Ihm iſt von Ewigkeit ausgangen: feine 
Weite Hoͤhe und Tieffe kan keine Ereafur, auch kein Engel int 
grund erforſchen; fondern die Engel leben indes Vaters 

raft — nftig und freudenreich, und fingen immer indes 









Vaters Kraft, 


Won GOtt dem Sohne. Wr 





42 “L+AURORA: 4,1" Cap. 
seen und Heiden, GOtt habe keinen Sohn: alhie thut die 
Augen recht auf, und macht euch nicht felber fUnEbliaD, ſo wer⸗ 
det ihr den Sohn ſehen. 

14. Der Vater iſt alles, und alle Kraft beſtehet in dem Va⸗ 
ter: Er iſt der Anfı id das Ende aller Dinge ‚und auſſer 
Ihm iſt nichts; md alltz was da worden iſt/ das iſt aus dem 
Vater worden. Denn vorm Anfang der Schöpfung der Crea⸗ 
turen war nichts als nur allein GOtt: und wonun nichts iſt, 
daraus wird nichts; alles Ding muß eine Urſache oder Wur⸗ 
tzel haben ſonſt wird nichts. Nun aber muſt du nicht den: 
cken, daß der Sohn ein ander GOtt ſey als der Vater: du 
darfſt auch nicht dencken, daß der Sohn auſſer dem Vater ſey, 
und ſey ein beſonder Theil, als wenn zweene Maͤnner neben 
einander ſtehen, da einer den andern nicht begreift; nein eine 
ſolche Subſtantz hat es nicht mit dem Vater und Sohne ‚dern 
der Bater iſt nicht ein Bild, mit etwas zu vergleiche, fondern 
der Bater it der Duell-Brummaller Krafte, und find alle 
Kräftein einander wie eine Kraft, darum heift Er auch ein 
einiger GOtt: ſonſt wo feine Kräfte zertrennt wären, fo ware 
Er nicht allmachtig; num aber iſt Er der ſelbſtandige/ * 
maͤchtige und allkraͤftige GOtt. 

35. Der Sohn aber iſt das Hertze in dem Vater alte 
Kräfte, die in dem Vater find, die find des Vaters Eigenthum, 
und der Sohn iſt das Hertze oder der Kern in allen Kraͤften in 
dem gantzen Vater; Er iſt aber die Urſache der quellenden 
Freuden in allen Kräften in dem gantzen Vater. Von dem 
Sohn, der da iſt des Vaters Hertze in allen ſeinen Kraͤften ſtei⸗ 
get auf die ewige himmliſche Freude, und quillet in allen 
Kraͤften des Vaters; eine ſolche Freude, die kein Auge geſe⸗ 
hen, und kein Ohr gehoͤret hat und in keines Menſchen Hertze 
nie geſtiegen iſt, wie Et. Paulus ſaget 1. Cor. 2:9. 

16. So aber ein Menſch alhie auf Erden mit dem H. Geiſt 
erleuchtet wird aus dem Brunnquell JEſu Chrifti, daß die 
Geifter der Natur, weiche bedeuten den Vater, angezündet 
werben, fo gebet eine foldye Freude in feinem Hertzen aufn al⸗ 
le Adern, daß der gantze Lerb zittert, und der animaliſche 

Geeliſche) Geift triumphiret, ald ware er in der H. rinita J 
—* allein die verſtehen, die an dem Orte ſi Ro Gaffe ge: 
wefen —————— 









en ze 





Cap. 3. Morgenroͤthe im Aufgang. _ "43 

17. Dieſes aber iſt nur ein Vorbild oder Anblick des Sohns 
Gottes in dem Menſchen, dadurch der Glaube geſtaͤrckt und 
erhalten wird denn die Freude fan in einem irdiſchen Gefaf- 
fe nicht alfo groß ſeyn als in einem himmliſchen, da die voll⸗ 
kommene Kraft GOttes völlig iſt. 

18. Hie muß ich nun in Gleichniß ſchreiben. Alhier will 
ich dir ein Gleichniß in der Natur zeigen, wie da ſey das H. 
Weſen in der H. Trinitaͤt. "Schaue an den Himmel, der iſt eis 
ne runde Kugel, und hat weder Anfang noch Ende, ſondern 
es iſt uͤberall der Anfang und das Ende, wo du ihn nur anſie⸗ 
heſt; alfoift auch GOtt in und über dem Himmel, der bat 
weder Anfang noch Ende. Nun ſiehe weiter an der Sternen 
Eirt, die bedeuten des Vaters mancherley Kraft und Weis- 
heit, und fie find auch aus. des Vaters Kraft und Weispeit ges 
macht worden, ' Nun der Himmel, die Sternen und die gan⸗ 
Be Tieffe zwifchen den Sternen, famt der Erben , bedeuten den 
Vater; und die 7 Planeten bedeuten die 7 Geifter GOttes, 
oderdie Fürftender Engel; unter welchen Herr Lucifer auch 
einer geweſen iſt vor feinem Fall, welche alte aus dem Bater 
gemacht find im Anfang der Schöpfung der Engel vor der 
Zeitder Welt. 

19. Rum mercke: Die Sonne gehet mitten in der Tieffe 
suikhen den Sternen in dem runden Cirk, und fie ift das Hertz 
der Sternen, und gibt allen Sternen Licht und Kraft, und 
temperiret aller Sternen Kraft daß alles fein Tieblich und 
freudenreich wird : auch fo erleuchrer fie dem Himmel, die 
Sternen, und die Tieffe über der Erden, und wircket in&lien 
Dingen, mas in diefer Welt iſt und iff der König und das 
Herge aller Dinge in diefer Welt, und die bedeutet recht 
GOtt den Sohn. 

20. Denn gleichwie die Sonne mitten zwiſchen den Ster⸗ 
nen und Erden ſtehet, nnd erleuchtet alle Kräfte, und ift das 
Licht und Hertze aller Krafte,und alle Freude in Diefer Welt, 
darzu alle Schönheit und: PLieblichkeit jtehet in der Sonnen 
Sicht und Kraft; alfo auch der, Sohn GOttes in dem Vater, 
der ift dad Herge indem Vater, und leuchtet, in allen Kraͤften 
des Vaters, und feine Kraft iſt die bewegliche, quellende Freu⸗ 
dein allen Kraften des Vaters, und leuchtet in dem gangen 
Vater gleichwie die Sonne in der gangen Welt. Go man 
Könte die Erde wegnehmen, melche bedeutet daS Dans * 
| | ruͤb 


Kar. I, AURORA; © 7" Gapı3. 
Truͤbſal oder der Höllen, fo waredie gantze Tieffe gar lichte, an 
einem Drte wieam andern : alfoift auch die gange Tieffe im 
Dater gar lichte, an einem Drte wie am andern, von dem. 
Stange des Sohns GOttes. Und gleichwie die Sonn⸗ iſt 
eine ſelbſtandige Creatur, Kraft oder Licht, die nicht aus allen 
Creaturen fiheinet, ſondern in alle Creaturen, und alle Crea⸗ 
turen freuen ſich in ihrer Kraft; alſo iſt auch der Sohn indem 
Bater eine felbftandige Perſon, und erleuchtet alle ‚Kraft in 
dem Bater, und iff des Vaters Freude oder Herge in feinem 
Centro oder Mitten, | 

21. Hie mercke die groffe Geheimniß GOttes: Die Sonne 
ift aus allen Sternen geboren oder gemacht,und iſt das Liche 
aus der gangen Natur genommen, und ſcheinet wieder in die 
gange Natur diefer Welt, und iſt mit den andern Sternen ver⸗ 
bunden, als mare ſie mit allen Sternen ein Stern.‘ 

22. Alſo iſt auch der Sohn GOttes aus allen Kraͤften * 
nes Vaters von Ewigkeit immer geboren und nicht gemacht, 
und iſt das Herge und Glantz aus: allen Kräften feines bimms 
liſchen Vaters, eine ſelbſtaͤndige Perfon, das Centrum, oder in 
ber Tieffe das Corpus des Glantzes. Denn des Vaters Kraft 
gebaͤret den Sohn von Ewigkeit immerdar: fo nun der Vater 
wide aufhoͤren zu gebaren; forware der Sohn nicht mehr; 
und fo der Sohn nicht mehr indem Vater leuchtete, fo mare 
der Vater ein finfter Thal: denn des Vaters Kraft fliege 
nicht auf von Ewigkeit zu Ewigkeit, und koͤnte das Goͤttliche 
Weſen nicht beſtehen. 

23. Alſo iſt der Vater das ſelbſtaͤndige Weſen aller ‚Keäfee 
und der Sohn iſt das Herge in dem Vater, Das: aus allen 
Kraͤften des Vaters immer geboren wird, und der des Vaters 
Krafte wieder erleuchtet. Nicht muſtdu dencken daß der 
Eohn indem Vater vermifcht fey ‚dag man feine Per ſon nicht 
fehe oder erfenne ; nein : wenn das ware ſo waͤre es nur eine 
Perfon. So wenig als die Sonne aus den andern Sternen 
feheinet, und ob fie gleich aus andern Sternen ihren Urfprung 
bat, fd wenig ſcheinet auch der Sohn aus den Kraften des Va⸗ 
ters, was fein Corpus anlanget. Und ob er gleich aus. dem 
Kräften des Baters immer geboren wird, fo ſcheinet er doch 
wieder indie Krafte ded Vaters; denmer ft eine andere Per: 
fon als der Bater, aber nicht ein anderer GOtt. Er iſt ewig 
im dem Vater und ber Vater gebaver Ihn von ie zu 

Ewig⸗ 


Eap.3. Morgenroͤthe im Aufgang. 45 
Ewigkeit immerdar, und iſt der Vater und der Sohn Ein 
GOtt, gleiches Weſens in Kraft und Allmacht. Der Sohn 
ſiehet, böret, ſchmecket, fuhlet ‚reucht und begreift alles wie 
der Baterzinfeiner Kraft lebet und iſt alles, was da gut iff, 
wie in dem Vater; aber das Boͤſe iſt nicht in hm. 
Won GOtt dem H. Geilt. 
24. GOtt der H. Geiſt iſt die dritte Perſon in der trium⸗ 
phirenden H. Gottheit, und gehet vom Vater und Sohne aus, 
der heilige wallende Freuden⸗ Quell in demgangen Bater ‚ein 
Tieblich, fanftes und ftilles Saufen, aus allen Kräften des Va— 
ters und des Sohnes, wiebeym Propheten Elia am Berge 
Horeb,(1.Reg. 19: 12.) und am Pfingſttage bey den Apoitelts 
Chriſti zu ſehen iſt. (Ad: 2:2.) 
25. So man aber feine Perfon, Subſtantz und Eigenſchaft 
aus rechtem Grund beſchreiben will, fo muß mans auch in 
Gleichniß vorbilden : denn den Geift fan man niche fehreiben, 
dieweil er keine Creatur iſt ſondern die wallende Kraft GOttes. 
26. Nun ſiehe aber einmal die Sonne und Sternen an; 
die mannich⸗ und vielerley Sternen, die unaus prechlich oder 
unzehlig find, die bedeuten den Vater. Aus denſelben Ster⸗ 
nen iſt worden die Sonne, denn GOtt hat fie daraus gemacht; 
die bedeutet den Sohn GOttes. Nun find von der Sonne 
"und Sternen worden die 4 Elementa, Feuer, Luft, Waffer, Er: 
de, wie ich bernach Far beweiſen will, wenn ich ‘von der 
Schöpfung fehreiben werde. 
27. Nun merde: Diez Elementa, Feuer, Luft und Waf- 
fer, die haben dreyerley Bewegung oder Qualifieirung, aber 
nur ein Corpus. Siehe, das Feuer oder Hiße empoͤret (gebäret) 
fich auß der Sonne und Sternen ‚und aus der Hige empöret 
‚Loebäret) ſich die Luft, und aus der Luft das Waller. Und in 
diefer Bewegung oder Dualifieirung ſtehet aller Ereaturen 
Leben und Geift, auch alles, was in diefer Welt genant mag 
werden, und das bedeutet den H. Geiſt 
28. Gleichwie die 3 Eleimenta, Feuer, Luft und Waller vor 
der Sonne und Sternen ausgehen und find ein Corpus in ein: 
ander, und machen die lebendige Bewegung und den Beilt al- 
ler Creaturen in diefer Welt ; alfo auch gehet der H Geiſt vom 
Water und Sohne aus/ und machet die lebendige Bewegung 
in allen Kraͤften des Vaters Und gleichwie die 3 Elementa 
in der Tieffe wollen, als ein ſelbſtaͤndiger Geiſt, und “a 
gr We! 186, 


46 I. AURORA. Cap.3. 
Hitze, Kalte, Wolcken, und flieſſen aus aller Sternen Kraft, 
und alle Krafteder Sonnen und Sternen find in den 3 Ele- 
anenten, als waren fie felber die Sonne und Sterne, daraus 
denn oller Creaturen Leben und Geift wird und darinnen be- 
ſtehet; alſo gehet der H.Geift aus vom Vater und Sohne, 
und wallet in dem gangen Vater ‚umd ift aller Kräfte Leben 
und Geiſt in dem gangen Vater. 

29. Hie mercke dietieffe Geheimniß: Alle Sterne, die man 
fiehet und nicht fichet, die bedeuten die Kraft GOttes des Va⸗ 
ters ; nun aus denfelben Sternen ift geboren die Sonne die iſt 
das Herge aller Sternen. Nun gebet aus allen Sternen aus 
die Kraft bie in iedem Sterne ist, indie Tieffes nun gehet der 
Sonnen Kraft, Hige und Schein auch indie Tieffe, undinder 
Sieffeift aller Sternen Kraft mie der Sonnen Schein und 
Hige ein Ding, eine bewegende Wallung, gleich eines Geifteg, 
oder einer Materia, allein dag es nicht Vernunft bat ‚denn es 
iſt nicht der H. Geiſt; auch fo gehöre das vierte Element auch 
zu einem natürlichen Geifte, foll er aber Vernunft haben. 
Alſo gehet aus GOtt dem Vater aus, (in feine Tieffe) aus allen 
feinen Kraften, undbgebaret den Glantz, das Herge ober den 
Sohn GOttes in feinem Gentro den vergleicht man der run⸗ 
den Rugelder Sonnen,der leuchtet.uber ſich unter fich und nes 
ben fich , und gebet der Glantz ſamt allen Kraften aus dem 
Sohne BDttes in den gangen Vater. 

30. Nun iffin der gangen Tieffe des Vaters, auffer dem 
Sohne nicht, denn die vielerley und amermeBliche oder uner⸗ 
forfchliche Kraft des Vaters; und die unerforfchliche Kraft 
und Licht des Sohnes; das iſt in der Tieffe des Vaters ein 
lebendiger, allEraftiger , allwiſſender, ‚allbörender , allfeben- 
der, allviechender, allſchmeckender allfühlender Geiſt is 
dem alle Kraft und Glang und Weisheit iſt, wie in dem Bar 
ger und Sohne. 

31. Gleichwie inden 4 Elementen iftder Sonnen und aller 
Sternen Kraft und Slang ;alfo auch in der gangen Tieffe dee 
Vaters: und das iſt und heiſt recht der H. Geiſt, der Die dritte 
felbftanbige Perſon iſt in der Gottheit. 

Bon der Heiligen Drepfaltinfeit. 

32. Wenn manmın redet oder fihreibet von 3 Perſonen in 
ber Gottheit, fo darfit dunicht denken, daß darum 3Goͤtter 
find, da ein ieder fur fich herrſchet und regieset, gleich. bikbın 

' iſchen 





Cap30 Morgenrötheim Aufgang. 47 
diſchen Königen auf Erden. "Nein, eine ſolche Subſtantz und 
Weſen hat es nicht in GOtt: denn das Göttliche Wefen ſtehet 
in Kraft, und nicht im Leibe oder Fleiſche. 

33. Der Bater iffdie gantze Göttliche Kraft, daraus alfe 
Ereaturen worden find, und iſt von Ewigkeit immer geweſen; 
Er hat Feiner Anfang noch Ende. Der Sohn iſt in dem Bas 
ter des Vaters Hertze oder Licht, und der Vater gebarer den 
Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und des Sohns 
Kraft und Glantz leuchtet wieder in den gantzen Vater, gleich⸗ 
wie die Sonne in der gantzen Welt. 

34. Und iſt der Sohn eine andere Perſon als der Vater, 
aber nicht auſſer dem Vater ‚und auch kein ander GOtt als 
der Vater ; feine Kraft, Glang und Allmacht ift nichts kleiner 
als der gantze Vater. 

35. Der H. Geift gehet vom Vater und Sohne aus, und iſt 
die dritte felbftandige Perfon inder Gottheit. Gleichwie die 
Elementa in diefer Welt vonder Sonne und Stertien ausge⸗ 
ben, und find der bewegliche Geiſt in allen Dingen in dieſer 
Melt ;alfo auch iſt der H. Geiſt der Hewegliche Geiſt in dem 
gantzen Vater undgebet von Emwigfeit zu Emwigfeit immer 
von dem Vater und Sohne aus, und erfüllet den gangen Va⸗ 
ter; Er iſt nichts Fleiner oder gröffer,al3 der Bater undSohn, 
feine webende Kraft iſt in dem gangen Bater. 

36. Alles Ding in dieſer Welt iſt nach dem Gleichniß diefer 
Dreybeit worden. Ihr blinden Juden Tuͤrcken und Heiden, 
thut die Augen eures Gemuͤthes auf, ich muß euch an eurem 
Leibe und allen naturlichen Dingenzeigen,an Menfchen, Thie⸗ 
ven, Vögeln und Wurmen, ſowol an Holg, Steine Kraut, Laub 
und Graß, das Bleichnißder H. Dreyheit in GOtt. 

37 · Ihr ſaget es fepein einig Weſen in GOtt/ GOtt Habe 
keinen Sohn. Nunthue die Augen auf, und ſiebe dich ſelber 
an: ein Menſch ift nach dem Gleichnig und aus der Kraft 
GOttes in feiner Dreyheit gemacht. Schaue deinen inwen⸗ 
digen Menfchenran, fo wirft du das hell und rein fehen, fo du 
nicht ein Narr und unvernuͤnftig Thier biſt. So mercke: Ju 
deinem Hergen, Adern und Hirne haft du Beinen Geiſt; alle 
die Kraft bie fich in Deinem Hergen, Adern und Hirne beweget, 
darinne dein Leben ſtehet bebeutet GOtt den Vater. Aus ders 
ſelben Kraft empöret (gebäret) fich dein Licht, daß du in derfele 
ben Kraft fieheit, verficheft und weiſt was du thun folft An 


— 





daffelbe Licht fehimmert in deinem gantzen Leibe , und beweget 
ich es im Kraft und Erkentniß bes. Bichtes dein 


der Peib hilft allen Gliedern in Erkentniß des Lichtes, das be⸗ 
deutet GOtt den Sohn. Denn gleichwie der Bater ben Sohn 


aus feiner Kraft gebaret, und der Sohn leuchtet in bem * 


tzen Vater; alſo auch gebaͤret die Kraft deines Hertzens, 


Wern und deines Hirnes ein Licht das leuchtet in allen deinen 


Kraͤften, in deinem gantzen Leibe, Thue Die Augen deines Ge⸗ 
muͤthes auf, und dencke ihm nach, fo wirſt du es alſo finden. 
38. Nun mercke: Gleichwie vom Vater und Sohn ausge⸗ 
het der H Geiſt, und iſt eine ſelbſtandige Perſon in der Gott⸗ 
heit, und wallet in dem gantzen Vater; alſo gehet auch aus 
den Kraͤften deines Hertzens, Adern und Hirn aus, die Kraft 
die in deinem gangen Leibe wallet: und aus deinem Lichte ge⸗ 


48 ung\wil AURORA, 2 Gap. 3. | 


4 


het aus in dieſelbe Kraft, Vernunft, Verſtand, Kunſt und Weiß⸗ 


dem Leibe iſt zu unterfcheiden... Und dieſes beydes iſt in dei⸗ 
nem Regiment des Gemuͤthes ein Ding dein Geiſt: und das 
bedeutet GOtt den H. Geiſt; und der 9.Geif aus GOtt herr⸗ 
ſchet auch in dieſem Geiſte in dir, biſt du aber ein Kind des 
Lichts und nicht der Finſterninßßßßß. 
. 39. Denn von wegen dieſes Lichts, Verſtandes und Regi⸗ 
ments iſt der Nenſch unterſchieden von den Thieren, und ein 
Engel GOttes wie ich klar beweiſen will, wenn ich von Er⸗ 
fchaffung des Menſchen ſchreiben werde. | 
40. Darummerdeeigen,und habe scht auf die Ordnung 
dieſes Buches; du wirft finden, was dein Herße begehret oder 
ammer lüftert.. | RR RI Aa rag 
a1. Alfo findet du in einem es Duellbrunnen erſt⸗ 
lich die Kraft in deinem gantzen Gemuthe, das bedeutet GOtt 
den Vater; darnach das Licht in DrÄaR gantzen Gemuͤthe 
das erleuchtet das gange Gemuͤthe, 


Sohn. ae ai d 
42. Darnach ſo gebet aus allen deinen Kraften, und auch 
aus deinem Lichte ein Geiſt aus, der. ift verftändig: denn alle 
Adern famt dem Lichtein dir, fomol Hertz und Hirn ‚und alles 
was in’dir iſt, das macht denfelben Geiſt; und das iſt deine 
Seele , und bedeutet recht den H. Geiſt, der vom Bater und 
Sohne ausgehet, und regieret.in dem gantzen Vater; denn bie 
Seedele des Menſchen regieret im gantzen Leibhe Der 


heit, den gangen Leib zu regieren, und ur alles, was auffer 


08 bedeutet Gout dem 


Cap, 3. Morgenröthe im Aufgang. 49 

43. Der Leib aber oder das thierifche Fleifch im Menſchen 
bedeutet die todte, verderbte Erde, das ihm der Menfch durch 
feinen Fall ſelber alfo zugerichtet hat, wie hernach folgen wirb 


an ſeinem Orte. „l Die Seele hält innen das innere erfte 


„berincipium; und der Seelen Geift dasandere Principium 


„in Ternario Sandto ; und der Auffer® Geift, als der fideris 


„ſche, das dritte Principium diefer Welt.] 


44. Alſo findeſt du auch die Drepheit der Gottheit in den 


Thieren: denn wie der Geift eines Menſchen wird und entſte⸗ 
het, alſo auch in einem Thier, und ift indem Fein Unterfcheid ; 
allein indiefem iſt der Iinterfcheid,daß der Menfch ift aus dem 


beiten Kern der Natur gemacht von GOtt felber zu ſeinem En⸗ 


gel und Bleichniß, und herrſchet indem Menfchen mit feinem 
S.Geiſte, daß der Menſch kan reden, und alles unterfcheiden 
und verſtehen. | 


45. Das Thier aber iffallein worden aus der wilden Na: 

tur diefer Welt ; die Sternen und Elementa haben die Thiere 
durch ihre Bewegung geboren nach den Willen GOttes. 

46. Alfo entftehet auch der Geiſt in Vögeln und Wuͤrmen, 
und hat alles feinen dreyfachen Duell im Gleichniß der Drey⸗ 
heit der Gottheit: alfo fieheft du auch die Dreyheit in der 
Bottheit im Holg und Steinen, ſowol in Kraut, Laub und 
Gras; allein daß daffelbe alles irdifch iſt: noch gebaret die 

datur nichts, es fey in diefer Welt was e8 molle ‚und wenn es 
gleich kaum eine Stunde ſtehen oder bleiben fol, es wird alles 
inder Dreyheit, oder nach dem Gleichniß GOttes geboren. 

47. Nunmerde: In einem Holße, Steine und Kraut find 
drey Dinge, und Fan nichts geboren werden oder wachfen , fo 
unter den dreyen folte in einem Dinge nur eines auflen bleiben. 
Erftlich iftdie Kraft, daraus ein Leib wird, es fey gleich Hole 
ober Stein oder Kraut ; hernach iſt in demfelben ein Saft, das 
ift das Herge eines Dinges ; zum dritten iffdarinnen eine quel- 
lende Kraft , Geruch oder Geſchmack, das iſt der Geiſt eines 
Dinges davon es waͤchſt und zunime : fo nun unter den dreyen 
eines fehlet, fo Fan fein Ding beftehen. 

48. Alfo findeft du die Gleichniß der Dreyheit in dem 
Goͤttlichen Weſen in allen Dingen, fchaue an was du wilſt; und 
fol fich niemand ſtockblind machen ‚ und vermeinen , es fey ans 
ders, oder denchen, GOtt habe feinen Sohn und H.Geift : Ich 
will ſolches hinfuͤro wenn ich werde —— ſe ge 


en, 


so AURORA, . @apa. 
ben, viel heker, Harer und lauterer beweifen, denn ich nehme 
mein Schreibenund Buch nicht von andern Meiftern. Und 
ob ich gleich viel Erempel und Zeugniſſe der Heiligen GOttes 
darinnen führe, fo iſt mir doch folches alles von GOtt in mei: 
nen Sinn gefchrieben, dag ichs gang ungezweifelt glaube, er- 
kenne undfehe ; nicht im Fleifch, ondern im Beifte, im Trieb 
und Wallen GDttes. F 
49. Nicht alſo zu verſtehen, daß meine Vernunft groͤſſer 
waͤre als aller derer, Dieda leben ; fondern ich bin des HErrn 
Zweig, nur ein kleines und geringes Funckleinaus Ihm; Er 
mag mich feßen mo Er hin will, ich Fan Ihm dag nicht wehren. 
Auch fo ift diefes nicht mein naturlicher Wille, den ich aus 
meinen Kraͤften vermag: denn ſo mir der Geiſt entzogen wird, 
ſo kenne oder verſtehe ich meine eigene Arbeit nicht, und muß 
mich auf allen Seiten mit dem Teufel kratzen und ſchlagen, 
und bin der Anfechtung und Truͤbſal unterworfen ‚wie alle 
Menfchen. Aber dumirfkin den nachfolgenden Kapiteln den 
Teufel mit feinem Reiche bald blos fehen 5 es fol ihme feine 
Hoffert und Schande bald aufgederkt werden. 


Ki a ac Das 4. Eapitel. | 
Don Erfhaffung der Heiligen Engel. Eine 
Anweiſung oder wir Porte des Him⸗ 
mels. 


HE. 
| 3 COBINMÄEIER, 1, nn | 
ES Ernunft-Streit der Gelehrten. s.1. Offenbarung GOttes zu ſei⸗ 

Mnem Gerichte. 2. Derinahnung. 3:5. In GH dem Bater iſt 
ale Kraft, Eine Kraft ; aber in Ihm anders als in ber Natur, we= 
gen Lucifers Fall. 6.7; Das himmliiche Waffer, 8. himmlische Er= 
88,9. himmlifche Früchte. 10. Der Natur Unvermogen. ı. Das 
Irbiſche muß vom Himmliſchen umterfchteden werden. 12. Zwo Ger 
ſtalten unter dem Himmel zu betrachten ; Sal, Kräfte; 13. Marcu⸗ 
rius, Lobgefang.14. Die menschliche Music it gegen der binmli- 
fchen nicht zu vergleichen. ıs. Die irdifche Welt ift ein Bild ber 
himmliſchen. 16. Die verderbte Natur kan Feine Kraft herfür beine 
en. 17. Fleiſchliche Wuͤrme find nicht im Himmel, 18._aber allerlcy 
aume, Stauden und Fruͤchte. 19. Die grüchte find 6 Kräfte. 20. 
Durch Adams Fall iſt das Paradis hedecket. zi. Das Göttliche We⸗ 
fen ift ewig. 22. Der Ort diefer Welt if himmliſch gemefen : 23._ aber 
Fuciter hat fein Königreich angezundet. 24.. Er molte über EOttes 
ohn herrichen.2s. GOtt hat die H.Endelauf einmal geichaffen. 26. 
Alle Kräfte GOttes find Heblich „ans dem beibe ber Natur, a: 


Ä 


| 


en vonder Dreyheit im örtlichen De ſo will ich nun 


 Cap.4. Morgenroͤthe im Aufgang. Si 


Die H. Dreyheit hat das Corpus aus ſich ſiguriret. 30. Die Engei 
haben Anfang und Eude, nicht abmeßlich, aus Sal und Marcurio 

. figuriret. 31.32. Der Geiſt iſt frey. 33._Gleichniß von einer Mutter 
und Kind.34. Der Engelteib ift ihr Eigenthum : aber die Dualität 
auffer ihnen nicht. 35:37. GOtt mag feine Kraft entzichen. 38. 


SS haben die Gelehrten und faſt alle Scribenten viel und 
große Bekuͤmmerniß, Nachforfchen, Tichten und Trach- 
teninder Natur gehabt, auch viel und mancherley Mei⸗ 
nung herfür gebracht, wenn und wie, oder woraus doch die 
heiligen Engel gefihaffen find. Hinwiederum mas doch der 
ſchreckliche Fall des Großfuͤrſten Lucifers ſey geweſen, oder 
wie er doch ſo ein boͤſer und grimmiger Teufel ſey worden, wo 
doch ſolcher boͤſer Quell herruͤhre, oder was ihn doch darzu ge⸗ 


trieben habe? 


2. Wiewol dieſer Grund und groſſe Geheimniß von der 
Welt her verborgen blieben, und ‚auch menſchlich Fleiſch und 
Blut ſolches nicht faflen oder begreiffen kan, jo will fich doch 
der GOtt, der die Welt gemacht hat, iego am Ende offenba= 
ren, und werben allegroffe Geheimniſſe offenbar werden an: 
zugeigen, baß der groffe Tag der Offenbarung und endlichen 
Gerichts nun nahe, und taglich zu gemarten ſey, an mwelchent 
wird hermieder gebracht werden, was durch Adam iſt verlo- 
ren worden, an welchen ſich wird ſcheiden in dieſer Welt, dag 
Reich der Himmel, und das Reich der Teufel... 

3. Diefeg alles ‚wie es beſchaffen, will GOtt in höchfter 
Einfalt offenbaren, welchem niemand wiederfteben fan, und 
mag ein ieder feine Augen empor heben ‚darum Daß fich feine 
Erlöfungnabet, und nicht nach ſchaͤndlichem Geig, Hoffort 
und üppigen Praſſen und Prangentrachten und vermeinen, es 
fen hie das befte Leben; da er doch in feinem Ubermuth mitten 
in ber Höllen figet, den Lucifer zu hüten , welches er bald mit 
groſſen Schreien, Angſt und ewiger Verzweifelung, darzu 
Spott und Schande wird ſehen müffen : wie man deſſen ein 
fchrestlich Exempel an den Teufeln bat, welche find die ſchoͤn⸗ 

en Engelim Himmel geweſen, wie ich bald hernach ſchrei⸗ 


R n und offenbaren will. Sch laſſe es GOtt walten, ich fan 


Ihm nicht wiederſtehen. F 
Won der Goͤttlichen Dualität. - m 
4. Als du nun im dritten Capitel haſt gründlich vernem- 

albie 


4 


nn .. 


52 "0 MAURORA, Cap.a. 


alhie Härlich anzeigen vonder Kraft und Wirckung, ſowol 
von den Quaͤlitaͤten oder Dualificirung im Göttlichen Weſen, 
oder woraus einentlich die Engel geſchaffen ſind, oder was ihr 
Corpus und Kraft ſey? — 25 | 
5. Wie ich vor auch gemeldet habe, daß in GOtt dem Vater 
ſey alle Kraft, die Fein Menſch mit feinen Sinnen fan erreis 
chen; alleinan den Sternen und Elementen, fowol an den 
—J in dem gantzen Geſchoͤpfe dieſer Welt erkennet man 
as klar. BEUTE 
6. Esift alle Kraft in GOtt dem Vater, und gehet von 
Ihm aus, als Licht, Hitze, Kalt, Weich, Guffe , Bitter, Sauer, 
Herde, Schall, unddas unmöglich zu reden oder zu begreiffen 
iſt: dieſes allesift in GOtt dem Vater ineinander wie eine 
Kraft, und bewegen fich doch alle Kraftein feinem Ausgange. 
Es find aber die Krafte in GOtt nicht auf eine folche Arc und 
Weiſe qualifieirende wie in der Natur in Sternen und Ele⸗ 
menten, oder in@reaturen. | zu 
7. Rein, fo muſt du nicht dencken: denn Herr Lucifer hat in 
feinerErbebung die Krafte der unreinen Natur alfo brennend, 
bitter; kalt, berbe, ſauer, finfter und unrein gemacht ; fondern 
‚ Indem Bater find alle Kräfte linde, weich, gleich dem Himmel, 
gantz freudenreich : denn alle Kraͤfte triumphiren in einander, 
und der Schall derfelben ſteiget auf von Ewigkeit zu Ewigfeit. 
Darinnen ift nichts denn Liebe, Sanftmuth , Barmbergigfeit, 
Freundlichkeit, eine folche triumphirende , aufffeigende Freu: 
den⸗Nuelle/ da alle Stimmen der himmliſchen Freudenreich 
ergehen, das kein Menfch ſagen, auch mit nichts vergleichen 
fan. So mans aber will vergleichen, fo muß mans der See⸗ 
len des Menfchen vergleichen: wenn diefelbe vom H. Geifte 
angezuͤndet wird, fo iſt fie alfo freudenreich und triumphiren⸗ 
De; alle Kräfte ſteigen auf in ihr und triumphiren, daß fie den 
thieriſchen Leib erheben, Daß er zittert: das iſt ein rechter Ans 
blick der Goͤttlichen Dualität, wie die Dualitatin GOtt iſt; in 
GOtt iſt alles Geiſt. N J 
8, Die Qualitat des Waſſers iſt nicht auf ſolche lauffende 
und qualificirende Art und Weiſe in GOtt wie in dieſer Welt; 
ſondern eg iſt ein Geiſt, gang heil und duͤnne, in welcher der H. 
Geift auffteiget,eine Kraft. Die bittere Dualität qualifici= 
ret inder füffen, herben und fauren, und die Liebe ſteiget darin 
nen auf von Ewigkeit zu Emigfeit denn die Liebe ar 
Er. u 


* 
* 


Cap. a. MorcenrötheimAufgang. 53 


und Klarheit gehet aus dent Hersen ober Sohn GOttes in alle 
Krafte des Vaters, undder H. Geiſt wallet in allem. 

. Und diefes iſt in der Tieffe ded Vaters gleich wie ein 
Böttlicher Galitter, welches ich nothhalben muß der Erden 
vergleichen, die ift vor ihrer Verderbung ein folcher Galitter 
geweſen : aber nicht alſo harte, Falt, bitter, fauer und finfter; 
fondern gleich der Tieffe oder dem Himmel, gang helle und 
rein darinnen alle Kräfte find ‚gut, ſchoͤn und himmliſch ges 
weſen; aber Fürft Lucifer hats alſo verderbet, wie hernach 
folgen wird. 

IO., Diefer bimmtifche Dalhieter „oder Kräfte.in einander, 
gebaren himmliſche, freudenreiche Früchte und Farben, aller: 
ley Baͤuine und Stauden ; darauf waͤchſt die ſchoͤne und lieb- 
liche Frucht des Lebens ; auch fo gehen in diefen Kräften auf 
alleriey Blumen mit fehönen himmlifchen Farben und Ges, 
ruch. Ihr Schmack iſt mancherley, ein iedes nach feiner. 
Qualität und Art, gang Heilig, Göttlich und Freudenreich: 
denn iede Qualitaͤt träger feine Frucht, gleichwie in der ver- 
derbten Mordgruben ober Fiuftertbalder Erden aufgehen al- 
ferley irdifche Baume, Stauden, Blumen und Früchte, darzu 
in der Erden ſchoͤne Geſteine Silber und Gold; das iſt alles 
ein Vorbild der himmlilchen Bebärung. 

‚ u. Die Natur arbeitet mit böchitem Fleiffe an der ver: 
derbten und todten Erden,daß fie möchte bimmlifche Form und 
Art gebaren ; aber fie gebäret todte, finftere und harte Fruͤch⸗ 
te, dienicht mehr als nur ein Borbild find der himmliſchen: 
darzu find fie gang grimmig , bitter ſauer ‚berbe, hitzig, Kalt, 
harte und böfe, und ift kaum ein guter Funcke darinnen. Ihr 


Saft und Geiſt iſt — der hoͤlliſchen Qualitaͤt ihr 


Geruch iſt ein Geſtauck; alſo hat ſie Herr Lucifer sugerichtet, 
wie ich denn hernach klar bemeifen will, 

12. Wenn ich nun fchreibe von Bäumen, Stauden und 
Früchten, fo muſt du es nicht irdifch, gleich diefer® elt verſte⸗ 
ben: denn das iſt nicht meine Meinung, dag im Himmel 
wachfe ein todter harter, hölgern Baum oder Stein, der in 
irdifcher Qualitaͤt beftehe ; nein, fondern meine Meinung iſt 
er ‚aber doch wahrhaftig und eigentlich 
fe ich mieine Fein ander Ding, als wie ichs im Buchſtaben 
etze F 

13 Zida Oipen Yon fi nb ns zwey u; 


— 


FT. ‚A 


54 5 WWAURORAUN.N N 2 Gawias 
zu betrachten: erſtlich der Salitter oder die Göttliche Kräfte, 
die find eine bewegende, quallende Kraft 5 in verfelben Kraft 
wachſt aus und gebarer fich die Frucht nach ieder Dualitat 
und Xrt, als himmliſche Baume und Stauden, die ohne Auf⸗ 
hoͤren ihre Frucht tragen, ſchoͤn blühen und wachfen in Goͤttli⸗ 
cher Kraft / alſo freudenveich,daß ich das nicht reden oder ſchrei⸗ 
ben kan; ſondern ich ſtammele daran, wie ein Kind, das da 
lernet reden, und kans nirgend recht nennen, wie es der Geiſt 
zu erkennen gibt. | HT 7 

14. Die andere Geftalt des Himmels in der Goͤttlichen 
Pomp iſt der Marcurius oder der Schall? gleichwie in dem 
Ealitter der Erden ift der Schall ; davon wachft Gold Gil- 
ber, Rupfer, Eifen und desgleichen , davon man Fan alferley 
Inttrumenra machen zum Schall oder zur Freuden als da find 
Glocken, Pfeiffen und alles was da fihaller: auch fo uf derfel- 
be Schall in allen Greaturen auf Erden, ſonſt waͤre alles ſtille. 

15. Nur durch denfelben Schall. im Himmel werden alle 
Krafte beweget, daß alles freudenreich wachft, und ſich gan 
zierlich gebaret: nun gleichwie die Göttliche Krafte niet und 
mancherley find, alfo iſt der Schall oder Marcurius auch viel 
und mancherley. Wenn nundie Kräfte in GOtt aufſteigen, 
fo rüget eine die andere, und wallen in einander, und iſt ein ſte⸗ 
tes Vermiſchen; alsdenn geben aus in denfelben, allerley 
Farben, und. in denfelben Farben waͤchſt allerley Frucht, 
das gehet indem Salniter auf, und der Marcurius oder Schall 
vermenget ſich auch,und ſteiget aufin allen Kräften des Ba: 
ters ; alsdenn gehet auf Tönen und Schalen in der himmli⸗ 
fihen Freudenreich. Soduindiefer Welt viel tauſenderley 
Iuftrumenta und Saitenipiel zuſammen brachteff, und zoͤgeſt 
fie alle aufs kuͤnſtlichſte in einander, und haͤtteſt die allerkunſt⸗ 
lichſte Meiſter darzu, Die fie trieben, fo ware es doch nur wie 
em Hunde⸗Gebell gegen dem Göttlichen Schall und Mufica, 
Bor Dur den Göttlichen Schall aufgehet von Ewigkeit zu 

wigkeit. J——— a 


eiß an dieſe Welt, w ; für 
Fruͤchte und Gewaͤchſe aus dem Salniter der Erden waͤchſt von 
Daumen, Stauden, Wurgeln, Blumen, Dele, DennSerre- 


Cap. a. Morgenroͤthe im Aufgang. 55 
de: und alles was da iſt, und dein Herke nur forfihen Fan 
daB iſt alles ein Vorbild der himmliſchen Pomp. 2 

17. Denn dieirdifche und verderbte Natur hat von Anfang 
ihrer Schöpfung bis auf heute immer gearbeitet, daß fie moͤch⸗ 
te himmliſche Form herfür bringen , beydes in der Erden und 
in Menfchen und Thieren: aldman das denn gar wol fiehet, 
wie alle Jahr neue Kuͤnſte herfür geben 5 das bat vom An- 
fang bis auf dato gewaͤhret, aber fie. bat nicht Göttliche Kraft 
und Qualität können herfürbringgn 5 darum iſt ihre Sruch 
halb sodt, verderbet und unrein. 

18. Nicht muft du dencken, daß in der Göttlichen Pomp 
Tpiere, Wuͤrme oder Creaturen im Fleiſche herfür geben, wie 
in dieſer Welt; nein, fondern ich meine allein die wunderbar= 

liche Proportz, Kraft und Sefchieklichkeit in denfelben. Die 
Natur arbeitet mit hoͤchſtem Fleiß, dag ſie moͤge inibrer Kraft 
himmliſche Figuren oder Formen herfuͤr bringen,ald man denn 
ſiehet in Menſchen, Thieren, Vögeln und Wuͤrmen, ſowol in 
den Gewaͤchſen ter Erden, daß ſich alles aufs kuͤnſtlichſte ge— 
baͤrdet; denn die Natur ware gern der Eitelkeit los, daß fie 
moͤchte himmliſche Form in heiliger Kraft gebaͤren. 
9. Denn in der Goͤttlichen Pomp gehet gleichwol herfuͤr 
allerley Gewaͤchs von Bäumen, Stauden und allerley Frucht, 
und ein iedes traͤget ſeine Frucht, aber nicht aufirdiſche Qua⸗ 
litaͤt und Art; ſondern in Goͤttlicher Qualitaͤt, Form und Ark: 
20. Die Früchte find nicht ein todt, hart, bittes , ſauer und 
berbe Ans, die verfaulen und zu einem Geſtauck werden, wie 
in dieſer Welt; fondern es ſtehet alles in Heiliger , Goͤttlicher 
Kraft, ihre Zufammen-Fügung iſt aus Goͤttlicher Kraft ‚aus 
dem dalniter und Marcurio der Goͤttlichen Pomp, eine Speiſe 
der H. Engel. aylubeiten —* 
21. Weun es des Menſchen grenlicher Fall nicht hatte ver⸗ 
derbet, fo folte er in dieſer Welt auch auf eine ſolche Weiſe ſeyn 
zu Gaſte gangen und haben von ſolchen Fruͤchten geſſen, wie 
ſie ihm denn im Paradis beyderley fuͤrgeſtellt worden: aber 
die inficiete Luſt und Sucht des Teufels, der. den Salitter infi- 
eiret und verderbet hatte , daraus Adanı gemacht ward der 
brachte den Menſchen in böfe Luft, von beyden Qualitaͤten Boͤ⸗ 
fen und Guten zuweilen, davon ich hernach klar fehreiben und 
ſolches auch beweiſen wil. | 
Are Re AI * 
id X RR ” D 4 Kom 





55° . AURORA; - Cam 4. 


a Von Erfehaffung der Engel. 

22. Es zeiget und weiſet der Geift Bell und Hlar , daß vor 
Erfchaffung der Engel das Görrliche Weſen mit feinem Auf: 
fleigen und Dualificiven fey von Ewigkeit geweſen, und auch 
in ber Schöpfung der Engel fey blieben, wie e8 noch auf heute 
iſt und wird auch in Ewigkeit alfo bleiben. Lat 

23. Der Locusoder der Drt und Raum diefer Welt, famt 
dem creatürlichen Himmel, den wir mit unfern Augen feben, 
ſowol der Locus oder Ort der Erden und Sternen, farıt der 
Tiefe, iſt eine folche Forma gemefen, mie es noch heute über den 
Himmeln in der Söttlichen Pompifl. | 

24. ES ift aber des Großfürften Lucifers Königreich wor: 
den in der Erfchaffüng der Engel. „I[Verſtehe nach dem 
„andern Principio, aus welchem er ausgeſtoſſen ward in 
„das Aufleefte, welches auch das allerinnerfte iff,] Der 


bat mit feiner folgen Erhebung in feinem Königreich die Dua® 


litaten oder den Goͤttlichen Galitter, daraus er gemacht war, 
angezumdet, [„verftebe das Centrum feiner Natur, oder 
„0883 erfte Principium,] undbrennendgemacht: 

25. Er meinte hiemit alfo hoch-lichte und qualificirend zu 
werden uber den Sohn GOttes; aber er ward ein Narr: 
darum Fonte diefer Locus nicht in feiner brennenden Qualität 
beftehen in GOtt, daraufdenn die Schöpfungdiefer Welt er: 
folget iſt. Es wird aber diefe Welt am Ende in GOtt be- 
flimmter Zeit wieder in ihren erſten Locum geſetzt werden, mie 
es war vor Erfihaffung der Engel ; und Herr Lucifer wird ei⸗ 
‚ne Höle, Gruft oder Loch zu feiner ewigen Behauſung darin- 
nen bekommen, und erwig in feiner angezlindeten Qualität blei⸗ 
ben :da8 wird feymeine ewige Schandwohnung, ein muft und 
finſter Thal, eine Höleder Grimmigkeit. Ua 
26. Nun mercke: GOtt hat infeinem Wallen die heiligen 
Engel alle aufeinmal geſchaffen nicht aus fremder Materia, 
fondern aus Ihm felber, ans feiner Kraft und ewigen Weis: 
heit. Es haben die Philofophi die Meinung gehabt , al hatte 
GOtt die Engel nur aus dem Lichte gemacht ; aber fie haben 
geirret,, fie find nicht.allein aus dem Lichte gemacht, ſondern 

ausalen Kräften GOttes. RER: 
27. Wie ich vor angezeiget, es find in der Tieffe GOttes des 
Vaters fonderlich zwey Dingezumersken : erſtlich die Kraft 
oder alle Kräfte GOttes des Vaters, des Sohnes und Be 
\ el- 





Gap. 4. Morgenroͤthe im Aufgang. 57 
Geiſtes die find lieblich, monnefam und mancherley, und find 
doch alle ineinander wie eine Kraft. 

28. Gleichwie in ber Luft aller Sternen Kraft regieret,alfo 
auch in GOtt:es erzeinet fich aber in GOtt iede Kraft mit ihr 
rer Wirckung inſonderheit. Darnach io ift der Schall in ie⸗ 
der Kraft, und der Schall töner nach ieder Kraft Dunlitat, 
und darinnenflehet die gense himmlifche Freudenreich: Aus 
biefem Söttlichen Salitter und Marcurio find alle. Engel ae- 
macht worden, verftehe aus dem Leibe der Natur. 

29. Dur möchteft aber nun fragen : wie find fie gemacht 
oder geboren, oder was ift das für ‚eine Forme 2 Ta wenn ich 
eine Engel3-Zunge hatte ‚und du einen Engeld-Beritand, fo 
toolten wir wol fein davon redet ; aber fo fieher es nur der 
Geift, unddie Zunge Fans nicht erheben denn ich kan keine an⸗ 
dere Worte als dieWorte dieſer Melt : fo aber nur der H. Geiſt 
in dir ift, fo wirds deine Seelemol begreifen. >; 

30. Siehe, die ganse H.Drepfaltigkeit hat mit ihrem Wal⸗ 
len ein Corpus oder Bild aus fich felbft zufammen figuriret, 
gleich einem Eleinen Gotte, aber nicht alſo harte ausgehend als 
die gange Frinität, doch etlicher maflen nach der Ereaturen 


e. 
31. In GOtt iſt Fein Anfang noch Ende; die Engel aber 
haben einen Anfang und Ende, aber nicht abmeßlich oder ber 
eiflich :defin ein Engel kan etwan groß ſeyn und auch bald 
eine, ihre gefchwindeBeranderung ift alſo geſchwinde wie der 
Menfchen Bedanden ; es ſind alle Dualitäten und Krafte in 
einem Engelwie in der gangen Gottheit. 

32. Dumufi aber diefesrecht verftehen : fie find aus dem 
Glitter und Marcurio gemacht und zufammen figuriret, das 
ift, aus dem Ausgange. Giehe ein Gleichniß. Aug der Son: 
ne und Sternen gehen aus, die; Elementa, und die machen in 
dem Salnitzer der Erden einenlebendigen Geift, und die Sterne 
bleiben an ihrem Eirk, und der Geift Friegtgleichwolder Gter- 
nen Dualitat‘ U. 
33Nun iſt aber der Geift nach feiner Zuſammenfuͤgung 
ein ſonderliches/ und hat eine Subſtantz wie alle Sternen; und 
die Sterne ſud und bleiben auch ein ſonderliches ein iedes fr 
ſich frey. Aber nichts deſto weniger herrſchet der Sternen 
Qualitaͤt indem Geiſte, aber der Geiſt kan und mag ſich in 
feinen Qualitaͤten erheben oder fenden, oder mag in ben Ein⸗ 

D5 flufien 


58 0% TAURORA.  " apa 
flüffen der Sternen leben wie er will, denn er ifffrey ; denn er 
bat feine Dualitäten,die ex in fich hat zum Eigenthum gekriegt. 

34. Und ober fie gleich anfänglich von. den Sternen bat ‚fo 
find fie doch num feine, gleich als wenn die Mutter den Samen 
in ihr bat >weilfie den hat, und daß es ein Same iſt, ſo iſt er der 
Mutter; wenn aber ein Kind draus wird, ſo iſt er nicht mehr 
der Mutter fondern des Kindes — ob gleich das 
Kind in der Mutter Hauſe iſt, und die Mutter ernehret es von 
ihrer Speife, und das Kind koͤnte ohne die Mutter nicht leben, 
noch ift der Leib und der Geift, der atıs der Mutter Samen ges 
Ku, ift, fein Eigenthum, und behaͤlt ſein coͤrporlich Recht 
uͤr ſich. Rd —— 

35. Alſo hats auch eine Geſtalt mit den Engeln: fie ſind 
auch alle aus dem Böttlichen Samen zufammen figuriret 
morden, aber fie haben ein ieder den Corpus nun für fich; und 
ob fie gleich in GOttes Haufe find, und eflen die Frucht ihrer 
Mutter, darang fie worden find, foift doch ihr Corpus num ihr 
Eigenthum. RE a Fa ROT kn — 


36. Aber die Qualitaͤt auſſer ihnen oder ihrem Corpus, als 


ihre Mutter, ift nicht ihr Eigenthum: gleichwie auch die Mur: 


ter nicht des Kindes Eigenthum iſt, und auch der Mutter&pei: 
fe ift nicht des Kindes Eigenthum fondern die Mutter gicht es 
ihm aus Liebe,diemeil ſie das Kind geboren hat 

37: Sie mag das Kind auch wol aus ihrem Hauſe ſtoſſen, 
wenn es ihr nicht folgen mil, und mag ihr ihre Gpeiſe entzie 
hen, welches dem Fuͤrſtenthum Lucifers auch wieberfahren iff. 

38. Alfo mag GHtt feine Göttliche Kraft die auſſer den 
Engeln iſt wenn fie fich wieder Ihn erheben; entziehen : wenn 
aber das geſchicht fo muß ein Geiſt verſchmachten und ver> 
derben, gleich als wenn einem Menſchen die Luft, die auchfeine 
Mütter iſt, entzogen wird, fo muß er ſterben; alſo auch die En: 


gel können auffer ihrer Mutter nicht leben. .) PR 
Don. der cörporlichen, Subftang, Wefen 
and Eigenthum eines Engels. 

| a Summarien 
— find der Menſchen Bruͤder uind wie die Menſchen figuri⸗ 
ret. a.2. Erſter Beweiß, Mofis und Elia Erſcheinung smenter 
Beweiß: JEſus; 3. dritter Beweiß :Adam.a, Der Engel RR 


’ 
u" 


a — 


— 


Cay.s. MorgenrötheimAufaang. 59 


aus den Kräften Baters und Sohnd gebaͤret ein Licht, welches des 

Feibes E — um, das im gantzen Engel leuchtet. 5.9. Der Geiſt 

Sa auf, gleich im Menfchen. 10-12. Der Engel Lob⸗ 

gene: 13. Autoris Erinnerung. 14.17. Des Braͤutigams Zu⸗ 

ne 18. d men Geele und der englifche Geiſt find eine 

Was qualifieiren fey, und wie es gefchehe ? 20. 21. 

an a Die Ohren 3 24:26. Die Nafe 327. 28, Der Ge 

fhmad ;29:32. Das Fühlen.z3. Die innere Befkalt der Engel und 

Menfhen. 34. Wann erne Kraft ſich zu fehr beweget, wird es abge 
ſchaffet. 35238. Der Geift iſt der König. 39. 


sebier ift nun die Frage, was denm ein Engel vor einen 
NN Korpus, Form oder Geftalt habe, oder wie er figurivet 

fey? Bleichwie ein Menſch ift gefchaffen zu GOttes 
Bildniß und Gleichniß alſo auch bie Engels; denn fie find der 
Menſchen Brüder und werden die Menfchen in der Auferſte⸗ 
bung keine andere Form und Bildniß haben als die Engel, wie 
ſolches unſer König Chriſtus ſelber zeuget, March: 22:30. Auch 
ſo haben ſich die Engel alhier auf Erden nie in keiner andern 
Geſtalt den Menſchen offenbaret, als in Menfchen-Geftatt- 

2. Dieweil wir denn in der Auferſtehung ſollen den Engeln 
gleich ſeyn ſo muͤſſen die Engel ja figuriret ſeyn wie wir; ſonſt 
muͤſten wir eine andere Bildniß in der Auferſtehung an uns 
nehmen welches doch wieder die erſte Schoͤpfung waͤre. 

3. Auch fo erſchienen Moſes und Elias den Juͤngern Chriſti 
in ihrer Form und Geſtalt auf dem Berge Thabor,Matrh.r7: 1. 
die doch fehon lange waren im Himmel gemefen : und Elins 
war mit lebendigem Reibein Himmel genommen worden ‚und 
Hatte doch nun Feine andere Geſtalt als er auf Erden hatte ge: 
babt.(2.Reg. 2:12.) Auch als Chriſtus zu Himmel fuhr, ſchwe⸗ 
beten zweene Engel in den Wolcken, die ſprachen zu den J Juͤn⸗ 
gern: Ihr Maͤnner von Iſrael, mas ſehet ihr hinnach? Die: 
fer JESUS wird wiederkommen, wie ihr Ihn geſehen habt ger 
Himmel fahren. (Ad.nır.) Dasiftja heil und klar, dag Er in 
folcher Form werde am Juͤngſten Tage wieder kommen mit 
Göttlichem und glorificirtem Leibe, gleich einem Fuͤrſten der 
heiligen Engel, welches werden feyn die Menſchen. 

4. Es zeinet auch der Beift hell und Flar, daß die Engel und 
Menfchen Eine Bildnig haben: denn GOtt hat an des ver⸗ 
ſtoſſenen Lucifers Legionen Stelle, aus demfelben Loco, darin» 
nen Bucifer faß, und daraus er gemacht ward, einen andern 
Engel gemacht sdag war Adam, ſo er nur in * —— 

blie⸗ 


60 LE AURORA, ‘7 Gay. 5 
bliehen nn aber if noch die gewiſſe Hoffnung der Auf⸗ 
eritehuung,da werden wir wieder engliſche Klarheit und Rei⸗ 
nigkeit bekommen. 

5. Nun frageſt du: wie ſind denn die Engel nach dem Bilde 
— gefchaffen ? Antwort: Erſtlich iſt der zuſammen⸗fi⸗ 
gurirte Leib, der iſt unzertrenlich und auch unzerſtoͤrlich und 
des Menſchen ganden unbegreiflich; denn er iſt aus der@etli- 
chen Kraft zufammen getrieben, und iſt diefelbe Kraft alfo mit 
einander verbunden, daß fie ewig nicht Fan zeritöret werden, 
So wenig jemand oder etwas Fan die gantze Gottheit zerſtoͤ⸗ 
ren, ſo wenig kan auch etwas einen Engel zerſtoͤren; denn ein 
ieder Engel iſt aus allen Kraͤften GOttes zuſammen figuriret, 
- mit Fleiſch und Blute ‚fondern aus Goͤttlicher Kraft. 

6. Erſtlich ift der Corpus aus allen Kraften des Vater, 


und in denſelben Kräften iſt das Licht GOttes des Gobnes:' 
nun gebären die Kräfte des Vaters und des Sohnes, die in 
dem Engel creatürlich find, einen verſtaͤndigen Geiſt, der in 


dem Engel auffteiget. 

7. Anfänglich gebären die Kräfte des Vaters ein Licht, da⸗ 
durch ein Engel ſiehet in dem gantzen Vater, dadurch er die 
aͤuſſerliche Kraft und Wirckung GOttes, die auſſer ſeinem 
Corpus ift, kan ſehen, und dadurch er feine Mit Bruͤder Fan 
ſchauen und auch die herrliche Frucht GOttes ſehen und ge⸗ 
nieſſen und darinnen ſeine Freude ſtehet. 

8. Und daſſelbe Licht iſt anfaͤnglich aus dem Sohn GOttes 


in den Kraͤften des Vaters in den engliſchen Leib creatuͤrlich 


kommen, und iſt des Leibes Eigenthum, das ibm durch nichts 
ei entzogen werden, er verlöfche es denn ſelber wie Lucifer 
that. 

Nun alle Kraft,diei indem gantzen Engel iſt, die gebaret 


daffelb⸗ Licht: gleichwie GOtt der Vater ſeinen Sohn gebaͤret 
zu ſeinem Hertzen, alſo gebaͤret des Engels Kraft auch ſeinen 


Sohn und Hertze in ſich; und das erleuchtet hinwiederum alle 
Kraͤfte in dem gantzen Engel. Hernach gehet aus allen Kraͤf⸗ 
ten des Engels, und auch aus dem Lichte des Engels einQuell⸗ 
brunn aus, und quillet in dem gangen Engel : das iftfein Geiſt, 
der fleiget aufin alle Ewigkeit; denn in demſelben Geiſte iſt al- 


le Erfentnigund Bee aller Kraft und Art, —* dem 


gantzen GOtt iſt 
10, Denn berslbe Geiſt quillet ars allen - Kräften bes Er 
gels, 





Cap.5 MorgenrötheimAufgang. 61 
gels, und ſteiget in dag Gemuͤthe da hat er sooffene T hore, da 
Fan er fich umfchauen, was in GOtt if, und auch was in ihm 
ift. Ergebetaber aus allen Kraften ded Engels aus, und 
auch aus dem Lichte des Engels, gleichwie der H. Geift vom 

Vater und Sohne, und erfüllet den gansen Corpus, 

u. Nun merke die groffe Geheimniß: Gleichwie in SH 
zwey Dinge zu merken find, das erſte iſt der Salnitter oder die 
Goͤttliche Kräfte, daraus der Corpus iff, dag andere iſt der 
| Marcurius, Ton oder Schall alſo iſt ſolches auch auf gleiche 
Form in dem Engel. 

12. Erſtlich iſt die Kraft, und in der Kraft iſt der Ton, der 
ſteiget in dem Geiſte auf in das Haupt, in das Gemuͤthe, gleich- 
wie im Menfchen im Hirn, und in dem Gemuͤthe bat er feine 
offene Porten; im Hergen hat er feinen Geffel und Urfprung, 

da er entfpringet aus allen Kraften. Denn aller Kraͤfte Queli⸗ 
brunn quillet zum Hertzen, gleichwie auch im Menichen ; und 
im Kopf hat er feinen fürftlichen Stuhl, da fiehet er alles, was 
auffer ihm iſt, und er alles, und ſchmecket alles , und reucht 
alles, und fuͤhlet alles. 

13. Und wenn er nun ſiehet und höret den Göttlichen Ton 
und Schall aufſteigen, der anffer ihm ift, jo wird fein Geiſt in- 
ficiret und mit Freuden angezündet, und erhebet fich in feinem 
fürftlichen Stuhl, und finger und Flinget gar freudenreiche 

Worte von GHtteg Heiligfeit, und von der Frucht und Ger 
wachs des ewigen Lebens; von der Zierheit und Farben der 
ewigen Freuden, und von dem holdſeligen Anblicke GOttes des 
Vaters des Sohnes und des H. Geiſtes; auch von der loͤbli⸗ 
chen Bruͤderſchaft und Gemeinſchaft der Engel; von der ewig⸗ 
mahrenden Freudenreich; von der Heiligkeit GOttes; von 
ihrem fürfflichen Regiment ; in Summa, von allen Kräften, 
und aus allen feinen Kräften, dag ich vor Unmuth meinerBers 
Pen Fleifche nicht fehreiben fan, und ware viel lieber. 
— abey . 

4. Was ich aber alhier nicht ſchreiben kan, daß will ich dei⸗ 
ner "Seelen zu bedenken befohlen haben ; du wirſt e8 am Tas 
ge der Auferſtehung hell und Elar fehen : du darfſt meines Gei⸗ 
ftes albie nicht fpotten, er iff nicht aus einem wilden Thiere 
entfprungen: fondern erift von meiner Kraft geboren, und | 
von dem H. Geiſte erleuchtet. 

5 Ssch fepreibe alpier nich ohne Erkentniß. So du abe 


62 I. AURORA. Gap. 5. 
als ein Epicnrer und Teufels Maſt⸗Sau aus des Teufels Ans 
regen wirft diefer Dinge fpotten, und wirft fagen: Der Narr 
iſt nicht in Himmel geftiegen und hats geſehen oder geböret ‚eg 
find Fabeley ; fo willich dich in Kraft meiner Erkentniß vor 
das ernfte Berichte GOttes citiret und geruffen haben. 

16. Und ob ich in meinem Leibe zu ohnmaͤchtig bin, dich da⸗ 
hinzu bringen ;fo iſt doch Der, von demich meine Erfentnig 
en maͤchtig genug, dich auch in Abgrund der Höllen zu 
werfen. 

17. Darum fey gewarnet, und dene, daß du auch an den 
englifchen Reihen geböreft: und lies das nachfolgende Liedlein 
mit Luſt, fo wird der H. Geiſt in dir erweckt werden, und wirft 


auch eine Begierde und Luſt zum himmliſchen Reihen⸗Tantz be⸗ 


kommen, Amen. g ; 

18. Der Fiedler hat feine Saiten ſchon aufgezogen , ber 
Brautigam kommt : ſchaue zu, daß du nicht das hoͤlliſche Po- 
dagra in deinen Fuffen haft, wenn denn der Reihen angehet, daß 


du zum Engeld-Tang gar ungefchickt ſeyſt, und werdeſt von 


der Hochzeit hinaus geftoffen , weil du Fein englifch Kleid an 
haſt. Wahrlich die Thur wird hinter dir zugefchloffen wer⸗ 
den, und du wirſt nicht mehr hinein kommen; fondern du wirft 
mit den böflifchen Wölfen im böllifchen Feuer tangen: der 


Spott wird dir denn wol vergehen, und Neuen wird dich | 


nagen. | i 
Don der Dualificirung eines Engels. 


19. Rum iſt die Frage: was denn ein Engel für Dualificie 


"rung habe? Antwort: Die heilige Seele des Menfihen , und 
der Geiſt eines Engels ift und hat eine Subftang und Wefen ; 
und iſt Fein Unterſcheid in diefem, als nur die Qualität felber in 
ihrem cörporlichen Regiment : die von auffen in den Menfchen 
duch die Luft qualificirt, die hat eine verderbte, irdifche Qua⸗ 
litaͤt; hingegen aber hat fie auch eine Göttliche und himmliſche, 
den Creaturen verborgen : aber Die heilige Geele verſtehet das 
mol, wieder Königliche Prophet David faget: der HErr fahr 
vet aufden Fittigen des Windes, (Pfal, 104: 3.) In demEngel 
aber Ben die Göttliche Dualitat gang Heilig, Goͤttlich 
und Rein. 

20. Es moͤchte aber ein Einfaltiger fragen : mag meineſt du 
mit dem Qualificiren? oder was iſt das? Sch meine hiemit 


die KRraft,die in den Corpus des Engels von auſſen in ſich geben 
um 


in u a re reine Zeit u 


Cap.5. Morgenroͤthe im Aufgang. 63. 
und auch wieder heraus, als im Gleichniß, wenn ein Menſch 
Odem holet, und laͤſſet ihn wieder von ſich; denn darinnen ſte 
bet des Corpus und auch des Geiſtes Leben. 

21. Die Dualität von auſſen zunder den Geiſt im Hergen in 
dem erften Duelldrunnen an, davon alle Krafte im gangen 
Corpus rege werben ; denn ſteiget diefelbe Dualitat in dem 
coͤrporlichen Geifte, welcher iſt des Engels oder Denfchen Nas 
zur⸗Geiſt aufin Kopf, da hat er feinen fürfklichen Stuhl und 
—— und hat alda feine Raͤthe, nach denen er ſich richtet 
und thut. | 
22. Das erſte oder der erſte Rath ſind die Augen, die wer⸗ 
den von allen Dingen inficiret, was ſie nur anſehen, denn ſie 
ſind das Licht. Gleichwie das Licht aus dem Sohn GOttes 
ausgehet in den gangen Bater in alle Kräfte, und inficiret alle 

Kräfte des Vaters, und hinwiederum inficiren alle Kräfte des 
| —* das Licht des Sohnes GOttes davon denn der H. Geiſt 
entſtehet; | 

23. Alfo wircken die Augen in einem Dinge, dag fie anche, 
und das Ding wircket wieder in ben Augen, und der Rath der 
Augen bringets in Ropfvor den furfilichen Stuhl, da wirdg 
approbiret. So es nun dem Geiſte gefallt ‚fo bringet ers dem 
Hergen, und das Herge gibt es den Kraftgangen oder Quell⸗ 
er in gangen Corpus; alödenn greift zu das Maul, Hände 
und Fuͤſſe. 

24. Der andere Rathfinddie Ohren, die haben ihr Auf; 
fleigen auch aus allen Kraften im gangen Corpus durch den 
Geiſt; ihr Quellbrunn ift der Marcurius oder Schall, der aus 
allen Kräften auffteiget. Gleichwie in allen Kraͤften GOttes 
der Märcurius aufffeiget und fchallet ; (darinnen der himmli⸗ 
ſche Ton oder Freude ſtehet und der Ton gehet aus allen Kraf⸗ 
ten, und inder Zufammenfugungdes Geiffes in GOtt erhebet 

er lich, wenn eineKraft die andre ruͤget, und toͤnet oder ſchallet: 
Alsdenn gehet aus der Zon oder Schall,und ſteiget wieder auf 
in alle Krafte des Vaters, und werben alle Kräfte ded Vaters 
binmwiederum damit inficivet,davon fie des Fones imer ſchwan⸗ 
ger find, und den in ieder Kraft immer wieder gebären :) 
. 25. Alfo iſt auch der andere Rath im Kopfe, die Obren, die 
ſteheu offen, und der Schall gehet durch fie aus in alles, das da 

et ; wo nur der Marcurius ſchallet und fich erhebet, da gez 

het der Marcurius des Geiſtes auch hinein, und wird Rai 

Ans | 1% 





— 


64 1. AURORA.  &ap.;5, 
ficivet, und bringets vor dent furftlichen Stuhl im Kopfe, da 
wird es durch die andere 4 Raͤthe approbiret. 

26. Und ſo es dem Geiſte gefallt , fo bringet’ers vor feine 
Mutter-in das Herge, und das Herge oder der Quellbrunn 
des Hertzens giebt3 aller Kraft im gangen Corpus; denngreift 
zu Maul und Hände. Wenn es aber dem gangen fürftlichen 
Rath im Kopfe nicht gefaͤllt, fo es approbiret iſt, fo laͤſſet ers 
wieder von ſich, und bringts nicht der Mutter dem Hertzen. 

27. Der dritte fuͤrſtliche Rath iſt die Naſe, da ſteiget auf 
der Quellbrunn aus dem Corpus indem Geiſte in die Nafen, 
da hat er zwo offene Porten. Gleichwie der liebliche und hold- 
felige Ruch aus allen Kraften des Vaters und des Sohnes 
ausgehet, und temperivet fich mit allen Kraften des H. Geiſtes, 
davon der heilige und hochtheureGeruch aus dem Duellbrunn 
des H Geiſtes aufſteiget, und wallet in allen Kraften des Va 
ters, und zuͤndet analle Kräfte des Vaters, davon fie hinwiee 
derum des holdfeligen Ruches ſchwanger werden, und den ges 
baren in Sohn und 9. Geiſte; | 

28. Alfo auch im Engel und Menſchen fleiget auf die Kraft 
des Geruchs aus allen Kraften des Corpus durch den Geift, 
und fahret zu der Naſen raus, und inficiret fich mit allem Ges 
ruche und bringet den durch die Nafen, dem dritten Rath, in 
Kopf vor den fuͤrſtlichen Stuhl. Damird es approbiret, ob 
es ein guter Ruch feiner Complerion annehmlich fey oder 
nicht ? Sit er.gut,fo bringet er ihn der Mutter, daß er ind 
Merck komt; mo nicht ſo wird er ausgefkoffen. Und diefer 


Rath des Geruchs, der fich aus dem Salnirer gebaͤret, der if 


auch mit dem Marcurio vermiſchet, und gehoͤret zur himmli⸗ 
ſchen Freudenreich, und ift ein herrlicher , lieblicher und ſchoͤ⸗ 
ner Duellbrunn in GOtt. Ba, 

29. Der vierte fürftliche Rath iſt der Geſchmack auf ber 
Bunge,der fteiget auch ausallen Kraften des Corpus durch den 
Geift in die Zunge ; denn alle Quell-Adern des gangen Leibes 
gehen in die Zunge, und die Zunge ift aller Krafte Scharfe 
oder Geſchmack. 

30. Gleichwie der H. Geiſt vom Bater und Sohne ausge⸗ 
het, und ift die Scharfe oder Approbation aller Krafte, und 
bringet in feinem Wallen oder in feinem Aufffeigen alles, mag 


- da gut iſt, wieder in alle Krafte des Vaters, davon des Vaters 


Kräfte wieber ſchwanger werden, und den Schmack Ban 
| gebaͤ⸗ 


feiget auf von Ewigleit zu Ewigkeit i und zundet hinwieder⸗ 


Caps Morgenröthe imAufgang. 65 


gebarens was aber nicht gut iſt, das ſpeyet der H. Geiſt aus, 
als einen Ekel, wie in der Offenbarung Johannis <. 3:16. ſte⸗ 
bet : und wie Er den Großfürften Lucifer ausipeyete in feinem 
Hochmuth und Berderben, denner fonte die feurige hoffaͤrti⸗ 
ge, ftindichte Qualitaͤt nicht mehr ſchmecken); Alfo gehets 


auch allen hoffaͤrtigen ſtinckenden Menfchen. 


31. D Menich laß dir dis gefagt ſeyn: Denn der Geiſt eifert 

in diefer Species ernftlich ; laß ab vom Hochmuth oder es gehet 
dir wie den Teufeln, es ift Fein Schertz; die Zeit iſt gar fur, 
du wirftes bald ſchmecken, das höllifche Feuer: 
: » 32. Nun gleichwieder H. Geiſt alles approbiret ‚alfo auch 
die Zunge die approbiret allen Schmack: und ſo es dem Geifte 
gefallt, jo bringet ersin Kopf vor die andern 4 Raͤthe, vor den 
fürftlichen Stuhl, da wird es approbiret, ob ed auch den Qua⸗ 
litaͤten des Leibes nuglich ſey? Und fo es gut iſt, fo wird es in 
die Mutter des Hergens gebracht, die gibts allen Adern oder 
Kräften des Leibes; denn greift zu Maulund Hande. Go «8 
aber nicht gut iſt, fo fpeyet.e3 die Zunge aus, che es vor dem 
fürftlichen Rath kommt: Iſt e8 aber daß es der Zungen ge> 
fallt und wolſchmecket, und.dienet dem gantzen Corpus nicht; 
fo wird es noch, wenn es vor den Rath Eomunt, verworfen, und 
die Aunge muß es ausfpeyen und nicht mehr anrühren. _ 

33. Der fünfte furffliche Rath iſt das Fuͤhlen: Der fünfte 
Rath fteiger auch aus allen Kräften des Corpus in den Geiſt 
auf in Kopf. Denn gleichwienus GOtt dem Bater und Sopr 
ne ausgehen alle Krafte in den H. Beift, und eine rüget die an- 
dere davon der Schall.oder Märcurius entſtehet, daß alle Kraͤf⸗ 
te tönen und, ſich bewegen ; fonft wo eine die. andere nicht ru⸗ 
gete,fo bewegete ſich auch nichts, und. das Rügen macht den 
H. Geiſt beweglich, daß Er in allen Kräften aufſteiget und ruͤ⸗ 
ger alle Krafte des Vaters, darinnen denn die himmlifche 
Freudenreich oder Triumphiren entſtehet fo wol Schalen, 
Tönen, Gebären , Blühen und Wachien das hat alles fein 
Aufſteigen von bem,baß eine Kraft die andere ruget. Denn 
Chriſtus ſpricht im Evangelio;. Ich wircke und mein Vater 
wirster auch. Joh. 5:17, , Eben diefeg Rügen oder Wirken 
meinet Er, daß alle Kraft von Ihm ausgehet ‚und-gebaret den 
H. Geiſt, und indem H.Geift find alle Krafte ſchon rege von 
dem Ausgehen des Vaters Darum wallet der H. Geift, und 


um 


mer ſchwanger find. 29 Mont: An 
34, Eben ane folche Geffatt hat es auch in Engeln und 
Menfchen:benn alle Kräften dem Corpus ffeigen auf und rc 
gef eine die andere, ſonſt fuhleteder Engel und Menſch nicht8. 
Soaber nur ein Glied zu ſehr bewegetiwitd, fo ſchreyet es den 
garen Yeib um Hülfe'kn, und der gantze Leib rüget ſich, als 
ein groffer Aufruhr als ob der. Feind vorhanden ware, md 
Forte bemfelen @beve zu Hülre; Au eläfet e9 von der 
Schmersen. Wie du das kanſt ſehen ſo du dich mut harte‘ an 
eirteht Finger ſtoͤſſeſt quetſcheſt oder den verwundeſt oder eg 
fey in einem Gliede wo 68 wolle’; ſo lauft bald der Geiſt an 
demfelben Drte zu per Nutter dem Herten und Elngets der 
Muster und fo der Schmerg ein wenig geoßift, fo testet Die 
Wyutter alle Glieder des gantzen Leibes auf, und muß alles dent. 
KHlfede zu Hilfe onimen,,, "Er —— 
"35. Run mercke: Aſſo růget ohn Unterlag eine Kraft die 
ander im gangen.Corpus, und ſteigen alle Krafte auf in Kopf 
vor den fuͤrſtlichen Rath, der approbiret alter Krafte Ruͤgen 
Shin Old gend einem ünfcpen 
Rathherrn Schaden thut, als durch dag Gehen, wolte das lie: 
en, das ihm nicht — xwie Herr Lucifer that , dev ſahe 
en Sohn GOttes und ihn liebete das hohe Licht, und bewe⸗ 
Hete und růgete ſich zu fehr, in willens Ihm gleich oder noch 
Knut hoͤher zu werden, ] ſolch Rugen fehaffen die Rath⸗ 
— ae 999 FRE EHE TE 02T PORN 
ME Oder wolte ſich durch das Hören zu fehr rügen und bes 
wegen und gern falſche Reden vder Sachen hören, und die 
ehr Hergen bringen; jolches ſchaffen die Rathherrn auch ab. 
37. Dder woltefich durch das diechen laſſen gehtften nach 
deme, das wicht fein ift ;_ [tie Herr Lucifer auch that, and ließ 
ſich geluften des heiligen Ruchẽes des Sohns GOttes und ver⸗ 
Minele er wurde in ſeiner Erhebung und Anzimdang noch 
vieLlieblicher riechen ; mie erdenn Mutter Heva auch alſo be⸗ 
trog, und fagte, fo fie äffe von dem verbotenen Baume ſo würde 
ſie klug und GOtt gleich werden Gen. 3:-5.]-felches Rügen 
ſchaffen Die Rathe 4 ab, 17 Ku MR DR ana Baer 
"38, Hder molte fich durch das Schmecken Taffen gelfiften, 


und das effen, das nicht des Leibes Dalitat iſt oder Das nicht 


fein iſt; [wie Mutter Heva im Paradis ließ ſich img ves Ben 
| ' 


, 
/ 


er eine Creatur iſt worden. Denn fo einer etwas machet aus 


Cap. 6. Morgenröthe im Aufgang. 67 
fels Säusapfeln seite und as davon,] ſolches Rügen in der 
Luſt ſchaffen die Raͤthe auch ab. 

39: In Summa,ibren find darums in dem fürftlichen Ra: 
ehe, daß einer dem andern ſoll Rath eingeben, und ein ieder iſt 
— ſonderlichen Dualitat zund der zuſammen⸗gefuͤgte Geiſt, 

aus allen Kraͤften gebaͤret / der iſt ihr König oder Zürff, 
= Kopf im Hirn des Menfchen ; und im Engel ın der 


‚Kraft ans Hirns Stelle auch im Kopfe auffeinent fürftlicherr 


‚Stuble; und erequivet dasjenige, mas DR den gangen fuͤrſt⸗ 
lichen — iſt beſchloſſen worden. 


Das € Capitel. 


J 


Wie ein Engel und Menfch GOttes Gleich 


i niß und Bild fey. 


gehe Goͤttliche, alſo if der englifche und menschliche keib; dies 
NER aber find —— * 1. Der 9. Dreyfaltigkeit Dfienba= 
rung. 2. Das Wort; ib, Be 9. Geh: 3. Alſo iſt Engel und 
Menkh.g. Ale Kräfte ſteigen auf in die 5 Sinnen. 5. Des Worts 
Geburt im Hertzen. 68. Das Ausiprechen ift der H. Geiſt. 9. Das 
Maul bedeutet, dab mir unalkwächtige Kinder des Waters find. 10. 


.. „gm Himmelijt eimienftes Samen. u. Die Engel haben feine Ger 


arme. 22. Der Menfchen Geburts: Glieder ſind un Sal tommen. g. 
. Die — Fruͤchte ſind Kraͤfte von einer Qualitat. 14:16. 





’ u 25. 


Fepe,wie Hr Bein inBH iſt / ald ſ auch * We⸗ 


—* im Menſchen und Engeln; und wie der G — 


Corpus iſt, alſo iſt auch der engliſche und m 
Allein das iſt der Unterfcheid, daß ein Engel und Menſch eine 
Treatur it, und nicht das gantze Wefen ; ſondern ein Sohn des 
gantzen Weſens den das gantze Weſen geboren hat: darum iſt 
er billig dem gantzen Weſen unterthan, dieweil er ſeines Leibes 
Sohn iſt. Und fo ſich ver Sohn wieder den Vater ſetzet, ſo 


iſis ja recht; ſo ihn der Vater aus feinem Haufe ſtoͤſſet denn er 


ſetzet ſich wieder den, der ihn geboren hat, und von deffen Kraft 


r2E 


fein eigen ſi ſo bat er ja, fo. ihm. daſſelbe nicht nach 
ilen geraͤth damit zu a was er will, ein Ge⸗ 


A —* | füge 


J 
“u 


nn 


68 I. AURORA. Gay. 6. 
* * Ehren oder zu Unehren, welches dem Lucifer auch ge 
ſchah. —* | 


2. Nun mercke: Die gantze Göttliche Kraft des Vaters 
fpricht aus, aus allen Dualitaren das Wort, das ift, den’ Sohn 
GOttes: nun gehet derfelde Schall oder daffelbe Wort, das 
der Bater fpricht, aus des Vaters Salniter oder Kräften, und 
aus des Vaters Marcurio, Schall oder Ton. Nun das fpricht 
der Vater aus in Ihm ſelber, und daſſelbe Wort ift ja der 
lang aus allen fernen Kraften ; und wenn es ausgefprochen 
ift, fo ftegkt e8 nicht mehr in des Vaters Kraften, fondern es 
ſchallet und tönet in dem gangen Vater wieder in alle Kräfte. 
3. Run hat daſſelbe Wort,dag der Bater ausipricht,eine fol- 
che Schaͤrfe, daß der Ton des Worts augenblicklich geſchwind 
durch die aanke Tieffe des Vaters gehet; und diefelbe Scharfe 
ift der H Geiſt. Denn das Wort,das ausgefprochen iſt, das 
bleiber als ein Ölang oder herrlich Diandat vor dem Könige; 
der Schall aber,der durch das Wort ausgehet, der verrichtee 
des Vaters Mandat, das Er durch das Wort bat ausgeſpro⸗ 
chen: und das iſt die Geburt der H. Drepfaltigkeit. 
ANun ſiehe alſo iſt auch ein Engel und Menſch: Die Kraft 
— Leibe, die hat alle Qualitaͤten, wie in GOtt dem 
Vater iſt. er u Re eye 
NRun gleichwie in GOtt dem Vater alle Kräfte aufſtei⸗ 
ı Ewigkeit, zu Ewigkeit, alfo fteigen auch alle Kräfte im 
und Menfchen auf in Kopf: denn höher fönnen ſie nicht 





| ie die haben ihre Einfluͤſſe aus dem gangen eibe aus 
. OR TrOnacH TH dena 


TIBJ 





nee 





Cap. 6. Morgenrötheim Aufgang. 69 
8. Ausmelcher Qualitaͤt das Wort feinen Urſorung nimt, 
in derfelben Dualitat wird es auf der Zungen von fich geftoffen, 
und gehetdie Kraft des Unterfcheides von der Zungen aus: 
und das bedeutet den H. Geiſt. 
9. Denn gleichwie der H. Geiſt vom Vater und Gohne 


ausgehet und unterfcheidet und fcharfer alles, und richtet das 


aus, daß der Vater durchs Wort fpricht ; alſo auch die 
Zunge ſchaͤrfet und unterfcheidet dasjenige, was die 5 Sinnen 
im Haupte durch das Hertze aufdie Zunge bringen : und der 
Geiſt fahret von der Zungen aus durch den Marcurium oder 
Schall anden Drt, wie es im Rath der 5 Sinnen befchloffen 
iſt, und richtet dasjenige aus. 

Dom Maule, 

10, Das Maul bedeutet, daß duein unallmachtiger Sohn 
deine! Vaters bift, du ſeyſt gleich ein Engeloder Menfch : denn 
durch das Maul muſt dur deines Vaters Kraft in dich raffen, 
wilſt du aber leben. Ein Engel muß das fo wol thun als ein 
Menfch; undob er aleich nicht dag Element Luft aufeine fol- 
che Weife bedarf wie ein Dienfch, fo muß er doch den Geift in 
durch das Maulraffen, davon die Luft in dieſer Welt ent- 

ehet. 

u. Dennim Himmel hat es keine ſolche Luft; ſondern die 
Qualitaͤten ſind gantz ſanfte und freudenreich, gleich einem 
lieblichen Saufen,und der H.Geiſt iſt unter allen Qualitäten 
in dem Salitter und Marcurio. Und dieſes muß fich ein En- 
gel auch gebrauchen, fonft Fan er Feine bewegliche Creatur 
ſeyn; denn er muß auch von den himmlifchen Früchten eſſen 
Durch das Maul. 

12. Du muft diefes aber nicht irdifch verffehen : denn ein 
Engel hat feine Darmer, darzu auch weder Fleiſch noch Bein; 
fondern er ift von der Göttlichen Kraft zufammenzgefuget, auf 
Form und Art gleich. einem Menfchen, auch mit allen Gliedern 
wie ein Menſch; aber die Geburts-Blieder und auch Feinen 
Ausgang von unten hat er nicht, er bedarf es auch nicht. 

13. Denn ber Menſch bat feine Geburts-Glieder, darzu 
auch feinen Ausgang erſt in dem klaͤglichen Falle befommen. 
Ein Engel treiber nichts von ſich als die Goͤttliche Kraft,dieer 
mit dem Maule faflet, damit er fein Herge anzuͤndet, und das 
Hertze zundet alle Glieder an; daffelbe treiber er durch das 
Maul wieder von ſich wenn er redet und GOtt lobet. | 
— —F E3 14. Die 


RB. KERN 
* —* Jr 7 * 


N. i. "AURORA, Gap. 6, 

14. Die himwliſche Fruͤchte aber die er iſſet die find nicht 
irdiſch: und ob ſie gleich in Form und Geſtalt find wie die ir⸗ 
difchen, fo find fie doch nur Göttliche Kraft, und haben alfo ei- 
nen lieblichen Schmad und Ruch daß ich das mit nichts im 
diefer Welt veraleichen fan, denn fie ſchmecken und riechen 
nachder H. Drepfaltigfeit. 

15. Richt ſolſt du dencken, als wenns nur etwan ein Vorbild 
waͤre, wie ein Schatten ; nein, der Geiſt zeige heil und Klar, 
daß in der himmliſchen Pomp, in dem himmliſchen Salniter 
und Marcurio wachſen Göttliche Bäume, Stauden, Blumen, 
und vielerley, was in dieſer Welt ein Vorbild ift : gleichmie die 
Engel find, alio auch die Gewaͤchſe unddie Früchte , alles aus 
Böttlicher Kraft. 

16. Richt muſt du mir dis Gewaͤchſe des Himmels dieſer 
Welt gar vergleichen; denn in dieſer Welt hats 2 Qualitäten, 
eine böfe und eine aufe, und waͤchſet vieldurch Rraft der boͤſen 
Qualitaͤt; daſſelbe waͤchſt im Himmel nicht Denn der Him⸗ 
mel hat nur eine Geſtalt, es waͤchſt nichts, das nicht gut iſt; al⸗ 
lein Herr Pucifer hat dieſe Welt alſo zugerichtet. Darum 
ſchaͤmete fich Mutter Heva; als fie hatte von dem geſſen, was 
durch die böfe Dualicat war zugerichtet worden : gleichfals 

ſchaͤmete fie fich ihrer Geburts Glieder, die fie ihr durch diefen 
Apfel-Biß hatte zugerichtet. 

17. Nun eine ſolche Subſtantz hats nicht um die englifche und 
himmliſche Frucht: es hat mol gewiß und wahrhaftig allerley 
Fruͤchte im Himmel, und nicht nur Vorbilde, und die Engel 
nehmen die mit ihren Haͤnden und eſſen die wie wir Menſchen; 
aber ſie duͤrfen keine Zaͤhne darzu, ſie haben auch keine, denn 
die Frucht iſt von Goͤttlicher Kraft. 

18. Nun dieſes alles, was ſich ein Engel gebraucht, was auſ⸗ 
ſer ihm iſt zu Erbauung ſeines Lebens, das iſt nicht ſein coͤrpor⸗ 
lich Eigenthum, das er für Natur-⸗Recht hat; ſondern der 
himmliſche Vater gibts ihnen alles aus Liebe. Ihr Corpus iſt 
zwar ihr Eigenthum, denn GOtt hats ihnen zum Eigenthum 
gegeben, und was einem nun für eigen oder zum Eigenthum 
gegeben ift, das ift aus Natur-Necht fein, und handelt der 
nicht recht dran, ber eg ihn ohne Bedinge wider nimf. - Alſo 
thut GOtt auch nicht: darum iſt ein Engel eine ewige unver⸗ 
goaͤngliche Creatur, die in alle Emigfeit beſtehet. 

9. Nun aber was ware ihm denn der — * niet Dem 


Cams. Morgemroͤthe im Aufgang. 71 
ihn GOtt nicht fpeifete, ſo haͤtte er kiine Beweglichkeit, und les 
ge da wie ein todt Holtz. Darum ſind die Engel GOtt gehor⸗ 
ſam, und demuͤthigen fich vor dem gewaltigen GOtt, loben eh⸗ 
ren, ruͤhmen und preiſen Denſelben in feinen groſſen Wunz 
595* und ſingen ſtets von GOttes Heiligkeit, daß Er ſie 
peiſet. | DET EOSHEE 

Bon der baldfeligen und freudenreichen Riebe der 

Engel gegen GOtt; aus rechtem Grunde. 
20. Die rechte Liebe in der Göttlichen Natur ruͤhret ber 
ausdem Brunnquelldes Sohnes GOttes. Siehe du Men: 
fchen- Kind, laß dirs gefagt feyn ; die Engel willen vorhin wol, 
was die rechte Liebe ſey gegen GOtt, dur darfſt derfelben in 
dein kaltes Hertz. 

21. Mercke: wenn der holdſelige, freudenreiche Glantz und 
Licht mit der ſuͤſſen Kraft aus dem Sohne GOttes in dem 
sangen Vater leuchtet in alle Krafte,fo werden alle Krafte mit 
dem holdfeligen Lichte und füffen Kraft entzünder, triumphi⸗ 
rende und freudenreich. 

22. Alſo auch wenn das holdfelige und freudenreiche Licht 
des Sohnes GOttes die lieben Engelchen anleuchtet, und 
ſchimmert ihnen in ihr Herge hinein, da zunden fich alle Kraf⸗ 
te in ihrem Leibe an, und gehet ein folch freudenreich Liebe⸗ 
Feuer auf, dag fie für groflen Freuden loben , fingen und Flin- 

gen,unddasich. noch feine Creatur augfprechen kan. 

223. Mit diefem Gefang will ich den Lefer in jenes Neben cis 
tiret haben, da wird ers felber erfahren,ich kans nicht Ichreiben. 

24. Milt du es aber in dieſem Leben erfahren, fo laß ab von 


deiner Hencheley , Finangen und Betrug, auch von deiner 


Spötterey, und werde dein Herg mit gangem Ernft zu GOtt, 
und thue Buſſe für deine Suͤnde, in rechtem erniten Fuͤrſatz 
heilig zu leben, und bitte GOtt um feinen: H. Geiſt, und ringe 
mit Thm, wieder H.Er&-Vatter Jacob hatte die gantze Nacht 
mie Ihm gerungen, bis die Morgenröthe hatte angebrochen, 
undauch nicht ehe nachgelaffen, bis Er ihn gefennet hatte ; 
(Gencf. 325,26.) alfo thue du ihm auch , der 9. Geift wird mol 
eine Geifalt in dir bekommen. 
2. Wirſt du aber in deinem Ernſt nicht nachlaffen , fo wird 
diefes Feuer plößlich. über. dich kommen und dich anblicken ; 
denn wirſt du wol erfahren / was — geſchrieben habe, und 
nt; e 4 mir 


Po Ie2n 
x 


3 


72 "LAURORA: Cap? 
wirft meinem Buche wol Glauben geben. Dir wirft auch gar 


ein ander Menfch werden, und wirft dran dencken, meil dur les 
beft; deine Xuft wird mehr im Himmel feyn al3 auf Erden. 


Denn die heilige Seele wandelt im Himmel; und ob fie gleich - 


auf Erden in dem Leibe wandelt, fo it fiedoch allezeit bey ih⸗ 
rem zn JEſu Ehrifto ‚und iffet mit dem zu Gaſte; das 
mercke. | 


Das 7. Eapitel. 

Don dem Revier, Ort, Wohnung, ſowol von 
dem Negimentder Engel, wie es am Anfang 
geftanden ift nach der Schöpfung,und 
wie es alſo worden ıft. 


Summarien. | 
[x Arnung für des Teufels Lügen. s.ı. Er wird fich mehren. 2.3. 
Aus der 9. Dreyheit find geichaffen 3 fönigl. Regimente. 4:6. 
Dieſer ſichtbare Loeus iſt Lueifres Königreich geweſen; 7. die 
andern 2 find uͤber den Himmeln: 8. GOttes Hertz iſt in Mitten. 9. 
10. So lange der Geiſt bleibet, iſts begreiflich. n. Gegenmurf.iz. Die 
Engel follen vor GOttes Hertz lobſingen; 13. find kleine Götter. 14, 
EHttes Herk urfpringet in Mitten. 15,16. Der Sohn GDttes it 
allenthalben. 17519. Wo GOttes Kraft it, da iſt auch fein Herk.2o. 
‚Der DBater gebieret allenthalben fein Wort. 21. Natürliche Gleich: 
niſſe dienen nur, Die geiftliche Dinge verftändlich zu machen. >2. Der 
Sohn iſt ewig, und hat keinen Beginn ‚wie die Sonne. 23. 24. Die 
Geburt des Fichts oder Sohns; welcher eine andere Perſon. 25. 26. 
Wie der H. Geiſt ausgehet ?27. Der Sohn iſt kein Bild, wie die Son⸗ 
ne. 28. Gott gebieret allenthalben den Sohn s und der 9. Geift ges 
bet allenthalben vom Vater und Sohn aus. 29. Gleichniß von der 
Natur des Goldes. 30. Wie in einem Ort des Gteins oft fchöner 
' Gold ; alfo der Loeus inMitten der Engel. 31.. Der Sohn it ohne Anz 
„ Fang,und gleich dein Water. 34.33. Auch alſo der H. Geiſt. 34.35. Der 
‚Engeln König. 36. Bom Loco diejer Welt. 37. Die Sternen find nur 
Kräfte ; 38.39. die Sonne ift aus der Sternen Kraft, und gibt ihnen 
Kräfte. 40. Vergleichung der Sonnen mit dem Thron-Engel. 41. 
Die Sonne iſt das Hertz aller Kräfte: 42. Alfo der Sohn oder Ficht, 


gebäret das Peben in allen Kräften. 43. Was ein Cherubin oder 


Thron⸗Engelſey? und woraus ee fornuiret ? 44.45. Die vielerley 


- Engel bedeuten den Vater; der Engliſche König den Sohn; der _ 


Ausgang den H.Geilt. 46. Alle Engel kriegen den Willen des Thron: 


uelten, 47°. 
Lhier wird fich der Teufel wehren wie ein gebeißiger 
Hund: denn feine Schande wird alhie aufgedecket wer: 
ben, und wird dem Lefer manchen harten Stoß 5 


a ih Zu me m nn 





Can 7. Morgenröthe im Aufgang 73. 


und es immer in Zweifel ſtellen, es fen nicht alfo. Denn es 


thut ihm nichts weher als wenn man ihm feine Herrlichkeit 
fuͤrwirft, wie er fo ein ſchoͤner Fuͤrſt und König gemefen ift ; fo 
ihm num das fuͤrgeworfen wird, fo wuͤtet und tobet er , als wol⸗ 


te er die Welt ffurmen. 


e 


2. So nun ein Leſer uber dis Kapitelfommen möchte,in dem 


2089. Geiftes Feuer etwas ſchwach ſeyn wiirde, fo fürchte ich 
wol, der Teufel wird ihm zufegen und zur Zweifelung reißen, 


ob ſichs auch alfo verhalte, wie es gefchrieben iff, Damit fein 
Reich nicht alfo gar blog ſtehe, und feine Sthande nicht fo gar 
aufgedeckt ſey. So er dis nur in einem Hertzen wird fonnen 


zum Zweifel bringen, ſo wird ers an ſeiner Kunſt, Muͤhe und 


Arrbeit nicht fehlen laſſen: ich ſehe das auch zuvorhin wol, dag 
ers im Sinne bat. 


3. Will derowegen den Leſer gewarnet haben, daß ers mit 
Fleiß lefe, und ſich alſo lang gedulde, bis er auf die Schöpfung 
und aufdie Regimente diefer Welt wird fommen ; denn wird 
ers hell und Elar aus der Natur bemwiefen finden. 

4. Nun mercke: Als GOtt der Allmachtige in feinem Ras 
the beſchloſſen, daß Er wolte Engel oder Creaturen aus Ihm 

ſelber machen, fo machte Er dieſelben aus ſeiner ewigen Kraft 
und Weisheit, nach Form und Art der Dreybeit in feiner 
Gottheit, und nach den Qualitäten in feinem Göttlichen 


Weſen. 

5. Erſtlich fo machte Er 3 koͤnigliche Regimente, nach der 
Zahl der H. Dreyfaltigkeit , und iedes Königreich hatte die 
Ordnung, Kraft und Qualitaͤt des Goͤttlichen Wefens. 

6. Alhier erhebe deinen Sinn und Geiſt in die Tieffe der 
Gottheit, denn albier wird eine Thuͤr aufgethan. 

7. Der Locus oder Ort diefer Welt, die Tieffe der Erden 
und uber der Erden bis an Simmel, fomol der erfchaffene Him⸗ 
inel,der aus dem Mittel des Waffers iff gemacht worden , der 
uber den Sternen ſchwebet, den mir mit unfern Augen ſehen, 
deſſen Tieffe wir mit unfern Sinnen nicht ergründen koͤnnen, 
diefer Raum und Ort,alleszufammen iſt ein Königreich gewe⸗ 
—5— Lucifer iſt der Koͤnig darinnen geweſen vor ſeiner Ver⸗ 

oſſung. | 
8. Die andere 2 Königreiche, als Micha-Els und Uri-Els.die 
find uber den erfihaffenen Simmel, und find dem Königreich 
gleich. Dieſe drey Koͤnigreiche on begreiffen eine I 
. —J 


74° nun aAälRORA. Cap.7. 

che Tieffe, die da keine menſchliche Zahl iſt, und Fan durch nichts 

gemeſſen werden: doch ſolſt du wiſſen, daß dieſe drey Koͤnig⸗ 

reiche einen Anfang und Ende haben; aber GDtt,der dieſe drey 

Koͤnigreiche aus Ihm ſelber gemacht hat, der hat kein Ende; 

es iſt auſſerhalb dieſer 3 Koͤnigreiche gleichwol die Kraft der 
H. Dreyfaltigkeit, denn GOtt der Vater hat kein Ende. 

9: Du ſolſt aber dig Geheimniß wiffen, daß in Mitten dieſer 
3 Königreiche werde der Blank oder der Sohn GOttes gebo= 
ren. Dieſes darfeiner Erläuterung ; lies das te und 
„3te Theil diefer Schriften, da iſts gruͤndlicher befchries 
„ben. Denn es foll nichts abtbeiliges oder meßliches 
„verfranden werden: allein die Einfalt wegen des zäben 
Begriffs hats zum erftenmalalfo einfältig geferzer.] Und 
die 3 Königreiche find Ziredlelerund um den Sohn GOttes: 
Feines ift das weitefte, und auch Feined das nahefte von dem 
Sohne GOttes; ; eines iſt ſo nahe um den Sohn GOttes als 
das ander. 

10. Von dieſem Brunnen und aus allen Kraͤften des Vaters 
gehet der H.Beift aus, mit ſamt dem Licht und Kraft des Soh⸗ 
nes GOttes, in und durch alle engliſche Koͤnigreiche und auſſer 

| en engthiöhe Königreiche,das Fein Engel noch Menſch erfors 
en kat. — | 
1 Sch habe mir. auch nicht fuͤrgenommen weiter zu geben: 
cken, vielweniger zu fehreiben, fondern meine Dffenbarung ' 
langet bis indie 3 Königreiche, gleich einer englifchen Wiſſen⸗ 
beit ; aber. nicht inmeiner Bernunft oder Begreiflichkeit oder 
Vollkommenheit, gleich einem Engel,fondern ſtuͤckweiſe, mır fo 
lange als der Geiſt in mir beharret, weiter erkenne ichs nicht: 
Menn der von mir weicht, ſo weiß ich nichts, ald nur von. ele: 
snentifchen und irdifchen Dingen diefer Welt: aber der Griff 
fiehet bis in. die Tieffe dev Öottheit. 
12. Nun möchte einer fragen: mie it das eine Gubffang, 
daß der Sohn GOttes in Mitten diefer Koͤnigreiche geboren 
wird, fo wird freplich ein englifch Heer naher bey Ihm feyn 
als das ander, dieweil ihr Reich eine folche groffe Tiefte hat ? 
Auch fo wird aufler dieſen Königreichen die Klarheit und 
Kraft des Sohnes GOttes nicht alfo groß feyn als bey denen, 
die Ihm nahe find, und als in den englifihen Reviren? 
vo. 13. Antwort; Die Engel find darum zu Ereaturen aus 
GOtt gemacht worden, daß fie ſollen vor Ka 
| h Et a 





Cap.?. Morgenroͤthe im Aufgang. 75 
welches iſt der Sohn GOttes loben, fingen ‚Elingen; jnbiliven 
und die himmliſche Freude vermehren. Und wo wolte ſie der 
Vater ſonſt hin verordnen als vor feines Hertzen Thuͤr? Ent⸗ 
ſpringet doch alle Freude des Menſchen, Die im gantzen Men⸗ 
ſchen ift, aus dem Brunnquell des Hertzens; alſo auch in Dre 
entſpringet die groſſe Freude aus dem Brunnquell feines 
GHertzens. 
14 Darum bat Er die H. Engel aus ſich ſelbſt geſchaffen, 
die find mie Eleine Götter nachdem Wefen und Dualitaten deg 
gantzen GOttes, daß fie follen in der Böttlichen Kraft fpielen, 
loben, fingen und Elingen, und die aufiteigende Freude aus dem 
Hertzen GOttes vermehren. m y 
15. Der Ölans aber und die Kraft des Sohnes GOttes, 
oder das Here GOttes, welches iſt das Licht oder Duell der 
Freuden, nimt in Mitten diefer Königreiche feinen ſchoͤnſten, 
freudenrcicheften Urfprung ‚und leuchter in und durch alle 
engliſche Porten. J 
16. Du muſt aber dieſes eigentlich verſtehen, wie es gemei⸗ 
net ſey: denn wenn ich im Gleichniß rede, und vergleiche den 
Sohn GOttes der Sonnen oder einer runden Kugel, ſo hats 
nicht die Meinung, daß Er ſey ein abmeßlicher Brunnquell, 
den man abmeſſen oder feine Tieffe, Anfang oder Ende ergruͤn⸗ 
den koͤnte; ich ſchreibe nur alſo im Gleichniß, bis der Leſer 
moͤchte auf den rechten Verſtand kommen. Nr. 
17. Denn es hat nicht die Meinung, daß ber Sohn GOttes 
allein in Mittel diefer englifihen Porten folte geboren: werden, 
und nicht auch auſſerhalb der Engels⸗Porten: Denn find doch 
des Baters Krafte allentbalben, davon und daraus der Sobn 
geboren wird, und davon der H. Geift ausgehet; wie folte Er. 
denn allein in Mitten dieſer Eugels-orten geboren werden ? 
18. Allein das iſt der Grund und die Meinung ‚daß der 9. 
Dater, der alles iſt in diefer englifchen Porten babe feine aller⸗ 
freundlichſte und liebreichſte Qualitäten, daraus das aller- 
freudenreichfte und allerliebreichtte Licht, Wort, Hertze der 
Kraften oder Brunnguell geboren werde. Darım Er denn 
- auch an diefen Drtendie H. Engel gefihaffen , zu feiner Sreus 
be, Ehre und Herrlichkeit. IEs ift wol in der ungruͤndli⸗ 
„lichen Ewigkeit an einem Örte als am andern ; aber wo 
„Feine Ereaturen find, fo wirds’ auch von nichts erkant, 
„als vom Geiſte in feinen Wundern.)] DER 
are 8 RER | ı9. Und 


- 


— 


19. Und iſt dis der auserwehlte Locus der Herrlichkeit 
GOttes, den GOtt der Vater in ſich ſelbſt erwehlet hat da fein 
heiliges Wort oder Hertze in hoͤchſter Klarheit, Kraft und 
triumphirender Freude geboren wird. 

20. Denn mercke dis Geheimniß: wird doch das Licht, wel⸗ 
ches aus des Vaters Kraͤften geboren wird, welches der rechte 
Brunnquell des Sohnes GOttes iſt, auch in einem Engel und 
heiligen Menfthen geboven, daß er in demfelben Licht und Er⸗ 
kentniß in groffer Freude triumphiret; wie folte es denn nicht 
allenthalben in dem gangen Vater geboren werden ? fintemal 
feine Kraft iſt alles und allenthalben, auch da unfer Herge und 
Einne nicht hinreichen. 

21. Wo nun der Vater iſt, da ift auch der Sohn und 9. 
Geiſt: denn der Vater gebaret allenthalben ben Sohn, fein 9. 
Mort,Kraft, Licht und Schall, und der H. Geift gehet allent- 
halben vom Vater und Sohne aus, auch in allen englifchen 
Borten, und auffer allen englifihen Porten. 

22. Wenn man nun den Sohn GOttes der Sonnen Kırgel 
vergleichet, als ich denn in den vorgebenden Eapiteln zum oͤf⸗ 
tern gethan babe, fo redet man in natürlichen Gleichniſſen; 
und habe ich alfo muͤſſen fchreiben um des Leſers Unverſtand 
willen ‚damit er in diefen natürlichen Dingen möchte feinen 
Sinn erheben, und alfo von einer Stuffen zur andern fleigen, 
bis er in die hohe Geheimniffe möchte kommen. 

23. Es hat aber nicht die Meinung ‚daß der Sohn GOttes 
fey ein zufammenzfiguriret Bildniß gleich der Sonnen: denn 
wenn das wäre, fo müffe der Sohn GOttes einen Anfang ha⸗ 
ben, und muͤſte Ihn der Vater aufeinmal geboren haben, fo 


. würde Er nun nicht ein Erviger, Allmächtiger Sohn des Va⸗ 
ters feyn 5 fondern Er mare gleich einem Könige, der noch ei- 


nen gröffern König uber fich hatte, der ihn in der Zeit geboren 
hatte, und der ihn Macht hatte zu veraͤndern. 
24. Das wäre ein Sohn, der einen Anfang hatte, und feine 


| Kraft und Glang wäre gleich der Sonnen Kraft und Glan, 


die vonder Sonnen ausgebet, und der Corpus oder Kugel der 
Sonnen bleibe an feinem Orte. Wenn nun disalfomware, ſo 
waͤre freylich eine englifche Porte viel naher bey dem Gohne 
GOttes als die andere ; aber ich will dir alhier die hoͤchſte Por⸗ 


te der Göftlichen Gebeimniß zeigen, und darffſt Feine höhere 


fischen, denn es iſt auch Feine höhere. &i 
t 2. Mer⸗ 





Cap. MorgenrötheimAufgang. 77 
25. Mercke: des Vaters Kraft iſt alles in und. über allen 
Himmieln, und dieſelbe Kraft gebaret allenthalben das Licht 
nun iſt und heift dieſelbe Alle-Kraft, der Bater ; und das Licht, 
das Be Alle⸗Kraft geboren wird, das iſt und heiſt 
der aim Rand ihren gen 
26. Es heiſt aber darum der Sohn, daß es aus dem Vater 
geboren wird, daß es des Vaters. Herge in feinen Kräften. iſt; 
und wenn es nun geboren iſt ſo iſt es eine anderePerfon als der 
Vater: denn der Vater iſt die Kraft und das Reich, und der 
Sohn iſt das Licht und der Glantz indem Varer; und der H. 
Geiſt iſt das Wallen, oder der Ausgang aus den Kraͤften des 
Vaters und des Sohnes; und formiret und bildet alles. 
27. Gleichwie die Luft aus der. Sonnen und Sternen Kraͤf⸗ 
ten ausgehet und wallet in dieſer Welt, und macht, dag fich al- 
le Creaturen gebaren, und Gras, Kraut und Baume aufges 
hen und alles was in diefer Welt: iſt; alfo auch. gehet. der 9. 
Geiſt aus dem Vater und Sohne aus, und waller , formiret 
und bildet alles in dem gangen GOtt. Alle Gewachſe und 
Formen in dem Vater gehen auf in den Willen des H. Geiſtes: 
darum iſt ein Einiger GOtt, und drey unterſchiedliche Perſo⸗ 
nen in einem Goͤttlichen Weſeenn 
28. Wenn man nun wolte fagen,der Sohn GOttes wäre 
ein Bild / der abmeßlich mare; wie. die Sonne, fo wären allein 
an dem Drte 3 Perfonen, mp der Sohn ware, und auſſerhalb 
ware nur ſein Glantz/ deu von dem Sohn ausginge, und wäre 
der Vater auſſerhalb dem Sohn nur Einig wuͤrde die 
Kraft des Vaters / die weit und ferne von dem, Sohne wäre, 
auſſer den Engels⸗Porten keinen Sohn und H. Geiſt gebaͤren, 
und waͤre ein unallmaͤchtig Weſen auſſer dieſem Loco des 
Sohnes: darzu ſo muͤſte den Vater auch ein abmeßlich Weſen 
yon Mann rar any) f 


ym nt y 93 Ind N 
29. Aber alfo iſt es nicht ; fondern der Vater gebäret allent- 


halben aus allen feinen Rraften.den Sohn, und der H. Geiſt 
gehet —S—— vom ———— aus zund iſt ein Ei⸗ 


tiger GOtt in einem Weſen mie 3 imterfchieblichen Perſonen. 
Deſſen haſtdu ein Gleichniß an einem koͤſtlichen Goldſteine, der 
— I : erftlich iſt die Materia, das iſt der dalniter und 
Marcurins; das iſt die Nutter oder der gantze Stein, Die gebaͤ⸗ 
vet allenthalben in dem gantzen Steine das Gold; und in dem 
Solde iſt die herrliche Kraft des Steines. ; 


z0.Run 


8 MW WLAURORA: N" GCapıy. 
30. Nun der Salniter und Marcurius bedeuten den Vater, 
das Gold bedeut den Sohn, die Kraft den H. Geiſt: Auf eine 
ſolche Weiſe iſt auch die Dreyheit in der H. Dreyfaltigteit ‚al: 
lein daß fich darinnen alles beweget und ausgehet. * 
31. Man Bi: auch in einem Goldſteine etwan an einem 
Orte einen Punct / da mehr und ſchoͤner Gold innen iſt als in 
dem andern unangeſehen daß doch im gantzen Steine Gold iſt: 
alſo auch iſt der Locus oder Ort in Mitten der Engels⸗Porten 
dem Vater ein Lieber, ſchoͤner holdſeliger Drt da fein Sohn 
und Hertze am allerliebreichften geboren wird, und da der He 
Geiſt am allerliebreichſten vom Vater und Sohne ausgehet. 
32. Aſſo haſtdu den rechten Grund diefer Geheimniß, und 
dar nicht dencken, daß der Sohn GOttes ſey auf einmal zu 
einer gewiſſen Zeit aus dem Vater geboren, ber. einen Anfang 
habe, und ſtehe nun da als ein König, und taffe fichanbeten. 
33. Rein dad ware nichr ein Ewiger&ohn,fondern Er hätte 
einen Anfang; und ware unter dem Vater, der Ihn geboren 
hatte: Er koͤnte auch nicht allwiſſend fepn, ' denn Er wuͤſte 
nicht, wie es geweſen wäre, ehe Ihn der Vater geboren hatte; 
ſondern der Sohn wird von Ewigkeit zu Ewigkeit immer ge: 
boren, und leuchtet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer wieder 
in des Vaters Kraͤfte, davon des Vaters Kraͤfte von Ewigteit 
zu Ewigkeit immer des Sohnes ſchwanger ind; ‚und den ins 
mer gebaren I III N 
54. Dardub entſtehet der H. Geiſt von Gnigfeit zu Cnig: 
keit immerdar und gehet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer 
Eine Vater amd Sohne aus / und an auch keinen Anfang ms 
ERNST RN IT >? IHKIETRN - 
"35, Und dis Mefen iſt nicht an einem Drte 28 Baer allein 
alſo ſondern uͤberall in dem ganken Vater; der weder Anfang 
aim Ende hat, dabin Feine N finnen noch denen kan, 
Amen. — TON 
Von J—— — Sin ag,wie 
| die worden ſiind. —— 
— iſt En im 2fen und ir Buche Bnimbliher be 
"36. Die Perſon oder der Cora eine Könige 3er. Enigel, iff 
un allen Qualitaͤten und aus allen Kraͤften ſeines gantzen 
Königreiches geboren worden durch den am on 
F wc * ttes, 






- 


e- 


—— 


Cap.⸗. Morgenroͤthe im Aufgang. 79 


GOttes und darum iſt er ihr König, daß feine Kraft in alle 


Engel ſeines gantzen Koͤnigreichs reichet, und er iſt ihr Haupt 


oder Heerfuͤhrer der allerſchoͤnſte und kraͤftigſte Cherubin 


oder Thron⸗Engel: ein ſolcher iſt Herr Lucifer auch geweſen 


vor ſeinem Fall.Dieſes iſt auch in unſerm Il. und III. 
Buche von den Dreyen Principien Goͤttliches Weſens, 
und vom Drepfachen Leben des Menſchen ‚gründlicher 
ES ende Sk vr er | 
Won dem Grund und Geheimnif. 


"34. So mar will die Geheimniß erfinden und den tieffeften 
Grund, ſo muß man mit Fleiß, anfchauen und betrachten die 
Schöpfung diefer Welt, das — und Ordnung, ſowol 
die Qualitaͤten der Sternen Und Elementen. Wiewol dieſes 
ein verderbtes und zweyfaches Weſen ift,und auch nicht leben⸗ 
dig und verſtaͤndig denn es iſt nur der verderbte Salniter und 
Marcurius, in welchem Koͤnig Lucifer hat haus deren. dar? 
innen Boͤſes und Gutes iff ;wietbohl es doch Die wahrhaftige 
Kraft GOttes iſt die vor ihrer Berderbung iſt hell und rein 


“sr 


 genvefen ‚hwiereßo im Hininfel. 


‚38. Diefe Kräfte der Sternen und Elementen hat der 
Schöpfer, nach dem greulichen Fall des Reichs Lucifers, wie⸗ 
der in eine folche Ordnung verfalfer, wie Da? Reich der Engel 
in der Goͤttlichen Pomp At vor feinem Fall, Allein du ſolſt 


nicht dencken ‚dag das engliſche Reich mit feitten Creaturen 


| 


waͤre alfo herum gedrehet worden, wie iego Die Sternen welche 
nur Krafte find, und von wegen der Geburt dieſer Welt alſo 


herum ee werden. 


39» Weltde Geburt ſtehet in der quellenden Angſt in Boͤſen 
und Guten im der Verderhung und Erlöfung,, bis.ang Ende 
diefer enumefacion pder Füngfien Tag. 
40. Nun mercke: DE Sonne ſtehet mitten in der Tieffe, 
und iſt das Licht oder Hertz aus Allen Sternen: denn alg der 
Salniter und Marcurius vor der Schöpfung der Welt, im Reich 
Lucifers iſt dünne geweſen / und hat unter einander qualifieiret, 
fo hat GOtt das Hertze heraus gezogen aus allen Kräften und 


die Sonne daraus gemacht... Darım iſt ſie dag alferlichtefte, 
und erleuchtet wieder alle Sternen und alle Sterne wircken 
in ihrer Kraft, und fie ſelber hat aller Sternen Kraft, und zuͤn⸗ 


det mic ihrem Glantz und Hiße an aller Sternen Kraft und ein 
F er Stern faͤhet nach ſeiner Kraft und Art von der —— 
41. Aiſo 


in 68. ; 


80 L AURORA. >» Bapız 
41. Alfo auch ift das englifche Reich befchaffen ». Die Sonne 
bedeutet den oberiten Thron⸗Engel, den Cherubin oder König 
in einem englifchen Reiche, als denn Herr: Lucifer-auch einer 
geweſen ift vor feinem Fall; der hat feinen Sitz im Centro oder 
in Dritten feines Reichs gehabt, und hat mit feiner Kraft in al: 
fen feinen. Engeln geberrfchet , gleichwie Die Sonne inallen 
Kräften dieſer Welt herrſchet; im Salnıter und Marcurio, dag 
iſt, in Weich und Harg, in Guffe und Gauer , in Bitter und 
Herbe, in Kaͤlte und Hige, in Luft und Waſſer. Als man denn 
fiehet im Winter, wenn es alſo harte kalt iſt, daß das Waſſer 
zu. Eis wird, fo feheinet die Sonne gleichwol warm durch alle 
Kälte, unangeſehen daß in ihrer Gtrafle ‚dadurch ihr Glantz 
gehet, Schnee und Eis gefrieret. TE ER 
42. Ich will dir aber alhier die rechte Geheimniß zeigen: 
Siehe die Sonne ift das Herge aller Kräften in dieſer Welt, 
und iſt aus allen Kraften der Sternen zufammen figurivet, 
und erleuchtet hinwiederum alle Sternen und alle Kräfte in 
diefer Welt, und alle Krafte werden in ihrer- Kraft qualifici- 
rende. „Verſtehe es magifch : denn es iſt ein Spiegel oder 
„Gleichniß der ewigen Melk.) a 
43. Gleichivie der Vater feinen Sohn, das iſt fein Herge 
oder Licht, aus allen feinen Kraften gebaret, und daſſelbe Licht, 
welches der Sohn ift, gebaret das Leben in allen Kraͤften des 
Vaters, dag in demfelben Lichtin des Vaters Kraften aufge: 
het allerley Gewaͤchs, Zierbeit und Freuden ; alfo ff auch der 
eh — beſchaffen, alles nach dem Gleichniß und Weſen 
Hei —*24 BEE NN 
44. Ein Cherubin oder Heerführer eines Königreichs der 
Engel der iftein Quellbrunn oder Hertz feines gantzen Koͤnig⸗ 
reichs, und iſt aus allen Kräften gemacht morden, Daraus feine 
Engel gemacht find worden und iſt das allerkraftigite und 
Tichtefte. Engliſche König iff das Centrum oder. Quell 
„beunn, gleichwie Adams Seele aller Seelen, Anfang 
„und Centrum iff, und wie aus, dem Loco Solis das Planer 
„tifche Rad gefchaffen und ausgeboren iſt, da ieder Stern 
„oer Sonnen Glantʒ und Kraft begebret; alfo auch die 
Engel ihres Cherubins oder Sürftens, alles nach GOtt 
„zu feinem ——“ — — 
45. Denn der Schoͤpfer hat aus dem Salniter und Marcurio 
der Goͤttlichen Kraͤfte Das Hertz heraus gezogenn he 


Cap.7. MorgenrötheimAufgang 81 
„mit dem FIAT gefaſſet, als das Centrum Naturz,) und den 
Eherubin oder König daraus formiret, da derſelbe fol mit 
feiner Kraft wieder in alle feine Engel dringen, und fie alle mit 
einer Kraft inficiven ; gleichwie Die Sonne mit ihrer Kraft in 
ale Sternen dringet und fie alle inficiret ; oder wie die Kraft 
GOttes des Sohnes in alle Kräfte GOttes des Vaters drine 
et, dadurch fie alle inficiret werden, darinnen Die Geburt der 

Bi * Freudenreich aufgehet 
46. Alfo hats auch eine Forma und Geſtalt mit den Engeln: 
alle Engel eines Koͤnigreichs bedeuten die viel-und mancher⸗ 
* Kraft GOttes des Vaters und der engliſche König bedeut 
den Sohn des Vaters, oder das Hertze aus des Vaters Kraͤf⸗ 
ten, und er iſt auch das Hertze aus allen Kräften, Daraus die 
lgemacht ſind: Der Ausgang aus dem Könige eineg 
Engels in feine Engel, oder die Inficirung feiner Engel,bedeus 
tet GOtt den H. Geiſt. Gleichwie derfelbe vom Vater und 
Sohne ausgehet, und inficiret alle Krafte des Vaters, ſowol 
alle himmlifche Früchte und Formen ‚davon alles fein Auf: _ 
fteigen hat, und darinnendie himmliſche Sreudenveich ſtehet; 
alſo auch hats eine Geſtalt mit der Wirkung oder Kraft 
eines Cherubind oder Thron⸗Engels, der wirdet in allen 
feinen Engeln, gleichwie der Sohn und H. Geiſt in allen 
zes des Vaters, oder wiedie Sonne in allen Kraften der 

fernen. 

47. Davon kriegen alle Engel den Willen des Thron-En- 


* und find ihm alle gehorfam, denn fie wircken alle in ſener 


Kraft, und er dringet mit feiner Kraft in fie ale: Denn fie fi 2 
feines Leibes Glieder ‚gleichwie alle Krafte des Vaters t 
Sohnes Glieder find,und Er iſt ihr Herge, und wie alle En 
liſche Formen und Fruͤchte des H. Geiſtes Glieder ſind, und 
Er ift ihr Herge, in in dem fie aufgeben ; oder wie die Sonne ift 
das Herge allee Sternen, und alle Sternen find der Sonnen 

vircken unter einander, wie ein Stern, und bie 
Sonne ift doch 










) das 18 Here darinnen : Obs gleich viel⸗ und 
mancherley find, noch wircket alles in der Sonnen 
Kraft, undalles hat fein Leben von der Sonnen Kraft, fiebe an 


was dur Pr es fen gleich im Fleifche oder in Metallen oder in 
Bewaͤch ſen der —— Ki 


— 


— — & — 9 
La Wiek Das 


82 ' L AURORA, Say. 8. 
Das 8. Eapitel. — 
Bon dem gantzen Corpus eines engliſchen 
Königreichs ;die groffe Geheimniß. 
Summarien. 
Siaea 


. Wie ein Engel: fo it das Königreich. 2. Das Regiment iſt, 
wie die 9. Dreyheit.z. Der Bater iſt aller, Kräfte Quellbrunn. 4. Ju 


eine brennende Duelle Des Zorns GOttes. 20. Die Süße Qualität 
ift der Duell der Barmhertzigkeit GOttes. 21. Gleichniß. 22. "Die her: 
be Dualitat ijt das Hertz in der Göttlichen Kraft. 23. Die Geburt des 
Sohns. 24. Im Vater iſt alles fanft und einig. 25. Steben güldene 
Leuchter, ib. Die Bittere Dualität it durchdringend die 2 Qualitaͤ⸗ 
ten; eine himmliſche Freude. 26.27. Vildet roch, weiß, blau und grüne 
Farbe; 27. tft der erſte Geift Des Lebens; 28. tm Voͤſen ein reiffend 


Giſft, ibid. und ein Anzunder des Eiferd Gttes, auch das hoͤlliſche 


Feuer. 29. Diele 3 Dualitäten bilden dem Leib, ziehen die Suͤſſe zuſam⸗ 
men, und forıniren basCorpus 5 doch ohne Vernunft. 30:32. Die Hitze, 
bes Lebens Anfang. 33.54. Der 4 Dualitäten Streit. 35. Die herbe 
und ſauere sieben die andere zuſammen; 36. die bittere machets bes 
wegliih 337. Die Hitze zuͤndets an. 38. Der Sinnen und Gedancken Ur: 
fprum, Ti Formirung der Augen. 40. Erempelder, Erden, 41. Die 
Hitze iſt der Natur⸗Geiſt. 42.43. Die Sonne zündet die ſuͤſſe Dualität 
an. 44, Der Geſchmack. id. Die ſuͤſſe ſend fich für der bitteren und 
weichet; 45. ihr folat Die herbe nach 5 46. beyde eilen dem füllen Waß 
fer nach und die Suͤſſe Hleucht. 47. Das Wachfen der Erd:grüchte und 
die Knoten im Halm, durch der Dualitäten Streit..48:51. Der Farben 
Urſtand. 52. Die Suͤſſe; grün. 53. Im Streit waͤchßt der Halm. 54. 
Die ſuͤſſe Dualität ergibt fich,ss.und wird ein neuer Reib.56. Die Suͤ⸗ 
fe iſt als ein Weib, die der andern Qualitäten Kinder gebäret. 57. 58. 
Die Hitze verzehret die Kraft.5g9. Die Geburt.60, Die Frucht.’61. 
Dieſes iſt der Natur Ende. 62. Jede Qualität wircket für fich.63. Aus 
‚ber Hitze gehet das Licht. 64. Wo die ſuͤſſe Dualität innen. iſt, das 
kan angesundet werden. 65. Das Waller brenmet und it licht. 66. 

ulver ein Geift des Schracks. ib. Die ſuͤſſe Dualität im Waſſer und 

ol& brennet. 67. Im Element Waſſer iſt die Süffe nicht Primus. 68. 

as Fette brennet und Die Suͤſſe uf Primus barin, 69.70, 3 ei 


i | uali⸗ 


N "3 — e a 
- Cap. Morgenvötheim Aufgang. 83 
Dualitäten werden in der ſuͤſſen lieblich. 71. Ganftmuth und Demuth 
iſt des füllen Geiftes Haus. 72. Inder teutſchen Sprache ift fo tiefer 
Grund, als in der Ebraͤiſchen und Eateinifiben. 73. Natur-Sprache 
vom Wort Barın. 74. Barm iſt eintodt Wort. 75. Hers ift der DI f 
— Licht. 76. Barm wird von herbe und bitter figurirt, darin der 
rn geboren wird; 77.78. Die Kraft des Fichte iff der H. 
Calıny. Der Vater ift das Sprechen : 30.81. Der Sohn iſt das Feuer... 
Der Engel Urforung. 84. Lucifers Sal. 85. Wie der Sal ge 
55 eben I durch Vertrocknung des füllen Waffers. 86. Wenn die jüf 
5 die bittere nicht ſaͤnftigen kan, fo vertrocknets die Hite. 87. 
Der ſuͤſſe Duell glüher und Fan fein Licht Dat anzunden, 89. und 
—— des Teufels Beſchreibung. 90:92. Die Liebe, 93. Wie das Feuer 
durch 5 Waſſer kemperiret wird. 94. Die fühle Qualitaͤt ſpeiſet 
die andern, 95. daraus ein freundlich Wolſchmecken. 96. Der Braͤuti⸗ 
Bam küffet Braut. 97. Das Liebe⸗Feuer ift unvergleichlich. 98. 
Yutor — des Teufel Fall. 99. Des Teufels fügen wird beftraft. 
- 100,101. Klage über des Menihen Blindheit.ıo2. Der Teufel ſuchet 
uns zu verfchlingen. 103. Unerfättliche Begierde der Menſchen. 104. 
—— Geit beſiten ?10s. Gott rufet alle. 106. Vermahnung 
107. ſagq. 


Je engliſche Koͤnigreiche ſind durchaus nach dem Gott⸗ 
lichen Weſen formiret, und haben keine andere Geſtalt, 
als das Göttliche Weſen in feiner Dreyheit hat: allein 

* iſt der Unterſcheid daß ihre Leibe Creaturen ſind, die einen 
Anfang und Ende haben, und daß das Reich, darinnen ſie ihr 
Revier haben, nicht ihr coͤrporlich Eigenthum iſt/ das fie fur 
Natur⸗Recht haben wie fie ihren Cörper für Natur-Recht has 
ben; fondern das Reich iſt GOttes des Vaters, der bat fie 
aus feinen Kräften gemacht, und mag fie fegen, wo Er hin 
will; fonft iſt ihr Reib nach allen und ang allen Kräften des 
Vaters gemacht. Und ihre Kraft gebarer das Licht und Er: 
kentniß inibnen, gleichtvie GOtt feinen Sohn aus allen feinen 
Kräften gebaret : und gleichwieder H. Geift aus allen Kraͤf⸗ 
ten des Vaters und des Sohnes ausgehet; alfo auch in einem 
Engel gehet ihr Geiſt aus, aus ihrem Hertzen, aus ihrem Lich⸗ 
te und aus allen ihren Kraͤften. 

2. Nun mercke: gleichwie ein Engel in feinein cörpordichert 
Leibe ift befchaffen mit allen Gliedern, alfo ift auch. ein gang 
Königreich befchaffen, das iſt zufammen wie ein Engel. 

3. Wenn man alle Umſtaͤnde recht betrachtet, fo findet ſi fichg, 
daß das gange Regiment in feinem Revier in einem Königreis 
che iſt beſchaffen wie ein Corpus eines Engels ‚oder wie. die H. 
Dreyfaltigfeit, . 


Hr 9 2 Sie 


34 I. AURORA. Cap g. 


4. Hie mercke die Tieffe : In GOtt dem Vater iſt alle 
Kraft, und Er iſt aller Kräfte Duellbrunn in feiner Tieffe: in 
Ihm iſt Licht und Finfterniß, Luft und Waffer,Hige und Kaͤl⸗ 
te, Hart und Weich, Dief und Dünne, Schall und Ton, Suͤß 
und Sauer, Bitter und Herbe, und das ich nicht erzeblen kan; 

‚allein an meinem Leibe nehme ichs ab, denn der iſt anfänglich, 
von Adam her,aus allen Kraften und nach dem Bilde GOttes 


gemacht. | | 

5. Du muſt aber alhie nicht dencken, daß die Rräftein GOtt 
dem Vater aufeine folche Weile find, ober in folcher verderb⸗ 
ten Art qualificiven wiein einem Menſchen, welches Herr Lu⸗ 
cifer hat alfo zugerichtet ; fondern es iſt alles fein lieblich und 
wonniereich, gankfanfte Ka u. 
G6. Erſtlich iſt das Licht gleich (mie ichs natürlich möchte 
vergleichen) dem Kichteder Sonnen ; aber nicht alſo unertrag- 
lich, wie das Licht der Sonnen in unfern verderbten Augen 
unerträglich ift, fondern ganglieblich und wonnefam , ein An⸗ 
blick der Liebe. | \ 

7. Die Finfterniß aber ifFim Centro deb Lichts verborgen, 
das ift, wein eine Creatur aus der Kraft des Lichts gemacht 
wide, und wolte in bemfelben Lichte höher und fehrer wallen 
als GOtt ſelber, fo verliſchet in ihm daflelbe Licht, T,verftebe, 
„er entzündet das Feuer, ſo ſich der Geift über die Demuth 
„aus der Kiebe erhebet. Kies das 2te und zte Buch von 
„den 3 Principien, und vom Dreyfachen Leben des Men⸗ 
„feben,} und hat an ſtatt des Lichts die Finſterniß: da erfaͤh⸗ 
vet eine Ereatur, daß im Centro eine Finſterniß verborgen if, 
8 .Gleich ald wenn man eine Wachskertze anzindet,fo leuch⸗ 
tet fie; wenn man fie aber’ auslöfchet, fo iſt der Stock ober bie 
Kerge eine Finfternig : alfo leuchtet das Licht aus allen Kraͤf⸗ 
ten des Vaters; wenn aber bie Kräfte verderbet wurden, fo er⸗ 
loͤſche das Licht, und blieben Die Kraͤfte eine Finſterniß, mie 
beym Lucifer zuſehen iſt. | s ) 

‚9. Die Luft ift auch nicht aufeine folche Art in GOtt; fons 
dern es iſt ein lieblich, ſtille Saufen oder Wallen, das ift, der 
Ausgang oder Wallen der Kraͤfte iſt der Urſyrung der Luft, in 
welcher der H. Geift auffteiget. 

10. Das Waffer ift auch nicht aufeine folche Art in GOtt: 
fondern es ift der Duell in den Kraften, nicht auf elementifche 
rt, wieindiefer Welt. Go ichs mit etwas vergleichen * 

* * 


| 


F 


| 


| che durch ſeine Erhebung und Hoffart angezůndet, davon dieſe 


ur! 
* 


Cap. 8: Morgenrötheim Mufgang. 85 
ſd muß ichs mit dem Saft in einem Apfel vergleichen ; aber 
an lichte, gleich dem Himmel, der Geiſt aller Rrafte. Herr 
cifer bats alſo verderbet, daß es in diefer Welt alfo wuͤtet 
und tobet, lauffet und vennet,und daß ed alfo finfter und dicke 
ift, und darzu fo es nicht (äuffet,fo wirds ftindicht : davon ich, 
men ich von der Schöpfung ſchreiben werde ausfuͤhrlich hans 


dein will. 

u. Die Hitze iſt in GOtt ein liebliches, ſanftes Waͤrmen, ein 
Ausgang des Lichts die ſich aus dem Licht empoͤret (gebaͤret) 
darinnen der Quell der Liebe aufſteiget. | 

12. Die Kalte iſt auch nicht auffolche Art in GOtt; fondern 
es iſt das Kühlen der Hige ‚eine Sänftigung des Geiſtes, ein 
Aufileigen oder Wallen des Geiſtes. 

13. Hiemerce die Tieffe BOtt fpriche in Moſe, als Erden 
Kindern Iſrael das Belege gab: Ich bin ein zorniger ‚eifriger 
Gott über die, fo mich haſſen; hernach nennet Er fich auch ei= 
nen barmhersigen GOtt uber Die, fo Ihn fuͤrchten, Exod. 20: 
5.6. Deut. 5: 9.10. | 
"14. Nun iſt die Frage mag denn der- Zorn GOttes im Him⸗ 
mel fey ?od fich denn GOtt in fich felder ergörne ? oder wie 
EHE erzirnet werde ? 43 
15. Siebe, in diefem iſt ſonderlich auf ſiebenerley Qualitaͤ⸗ 
gen ober Umſtaͤnde zu mercken: erfilich iſt in der Goͤttlichen 
Kraft im Verborgenen die herbe Qualitoaͤt, das iſt eine 
Hualität des Kerns oder verborgenen Weſens, eine Schärfe, 
Sufammengiehung oder Durihdringung in dem Enlitter , 
gan ſcharf und hevbe, die gebaret die Härtigfeit und auch die 
Kälte, und fo fie entzunder wird, gebaret fie die Schärfe, gleich 
dein Saltze. | * 
36. Das iſt eine dpecies oder Zorn⸗ Quell in dem Goͤttlichen 


qualificiret darinnen Die herbe groſſe Kälte, die iſt gantz fcharf; 


aleich dem Salß,auch gang harte zufommenziehend,gleich ben | 
n Ki 
17. Sieiftaber in der himmliſchen Pomp nicht alfo erheb⸗ 


lich, denn fie erhebet fich nicht felber, und zundet ſich nicht ſel⸗ 


ber an ;allein König Lucer hat diefe Dualicät in feinem Reis 
Dualität noch brennet bis an Jungſten Tag. ——— 
F 53 iß. Da⸗ 


86 = 1AURORA 7 Gays. 
18. Davon numinder Schöpfung diefer Welt die Sternen 
und Elementa, fomol alle Ereaturen zittern und brennen: dar⸗ 
aus denn worden iſt das Haus des Todes und der Höllen , und 
dem Reiche Lucifers und allen gottlofen Dienfchen eine ewige 
19. Diefe Qualität gebaret in der himmliſchen Pomp die 
Siharfe des Geiſtes, daraus und dadurch formiret wird das 
creaturliche Weſen, daß ein himmliſches Corpus Fan gebildet 
werden, ſowol allerley Farben, Formen und Gewaͤchſe. Denn 
e8 ift die Zufammenziehung oder: Bildung eines Dinges: 
Darum iftfie die erſte Qualitaͤt und ein Anfang der engli= 
ſchen Creaturen und aller Bildniflen, Die da find im Himmel 
und in diefer Welt ‚und alles was genant mag werden. 

20. So fie aber durch Erhebung angegundet wird. (welches 
allein die Ereaturen in ihrem Reiche, die aus dem Göttlichen 
Glitter geſchaffen find; können thun ;) fo iſt es eine brennende 
Quell⸗Ader des Zorns GOttes. Denn es iſt der ſieben Bei- 
ſter GOttes einer, in welches Kraft das Goͤttliche Weſen ſte⸗ 
bet in der gantzen Goͤttlichen Kraft und himmliſchen Pomp. 
So es nun angezuͤndet wird, ſo iſt es ein grimmiger Zorn⸗ 
Quell und ein Anfang der Hoͤllen, und auch eine Marter und 
Wehe des hoͤlliſchen Feuers, und auch eine Qualitaͤt der Fin⸗ 
ſterniß: denn die Göttliche Liebe, und auch das Goͤttliche Licht, 
verliſchet darinnen. [.Es iſt ein Schluͤſſel, welcher. ein⸗ 
„ichleuft zur Todes⸗Kammer, und gebaͤret den Tod; da⸗ 
„bee Erde, Steine und alles ꝛcJ. 

Won der andern Umſtaͤnde oder Species. ı 
"ar Die andere Dualität,oder der andere Geiſt GOttes in 

dem Goͤttlichen Salitter, oder in der Göttlichen Kraft, iſt die 
fürfe Bualitär,die wircket in der herben, und fanftiget die her⸗ 
be, daß fie gang Tieblich und ſanfte wird. Denn fie ift eine 
Ubermindung der herben Qualität, und ifteben der Duell der 
Barınhergigfeit GOttes welche den Zorn uͤberwindet das 
durch der herbe Quell gefänftiget wird, und die Barmhergige 
feit GOttes aufſteiget. — Kuna, 

, 22. Deffen haſt du ein Gleichniß an einem Apfel, deriffan- 
fanglich herbe; wenn ihn aber die ſuſſe Qualitaͤt zwinget und 
überwindet, fo ift er gantz fanft und lieblich zu effen : alfo iſt es 
auch in der Goͤttlichen Kraft. Denn wenn man yon GOtte 
des Baterd Barmbergigfeit redet, ſo redet man von feiner 
j ra 


Capes. Morgenroͤthe im Aufgang. 87 
Kraft, von feinen Quell-Geiffern , die in dem Galitter find, 
daraus ſein liebreich Here oder Sohn geboren wird. 

23. Hie mercke: Dieherbe Qualität ift das Herge oder der 
Kern inder Göttlichen Kraft, die Zufammenziehung oder Bil- 
dung; oder Form oder Trocknung: denn es iftdie Schärfe und 
Kaͤlte, wie man denn fiehet, dag die herbe Kalte das Waſſer 
trocknet und zu fcharfen Eifemacher. Und die füffe Qualität 
iſt die Linderung oder Warmung, davon die herbe und falte 
Qualität dünne und linde wird, daraus das Waſſer feinen 
Urſprung nimmt . a 

24. Alſo iſt und heiſt die herbe Qualitaͤt Hertz / und die füffe 
Barm oder Warm , oder Linderung oder Saͤnftigung, und 
find 2 Dualitäten, daraus das Hertze oder der Sohn GOttes 
geboren wird. Denn die herbe Dualieae iſt in ihrem Stock 
oder Kern, wenn fie in ihrereignen Kraft qualificiret, eine Fin⸗ 
fferniß ; und die ſuͤſſe ift in ihrer eignen Kraft ein quellend 
und warmend, auffteigendes Licht, ein Quell der Sanftmuth 
unddes Wohlthung, —— | 

25. Dieweilfie aber in der. Goͤttlichen Kraft in GOtt dem 

Vater alle beyde in einander qualiftciren, als ware es nur eine 

Kraft, ſo iſt es ein fanftes, liebliches , barmbergiges Qualifici⸗ 

ren, Und find diefe 2 Qualitäten 2 Geiſter GOttes unter den 

fieben Quell-Beiftern in der Goͤttlichen Kraft, wie dus deffen 

ein Bild kanſt ſehen in der Offenbarung Johannis, Apoc. ı:12. 

13. der fiehet fieben guldene Leuchter vor dem Sohne GOt— 

tes, welches bedeuten die fieben Geiſter GOttes, die da in grof: 

fer. Klarheit leuchten vor dem Sohne GOttes, aus welchen 
der. Sohn GOttes von Ewigkeit zu Ewigkeit immer geboren 
wird, und iſt das Hertze der fieben Beifter GOttes, welche ich 
alhie ordentlich nach einander befchreiben will. Du muſt dei- 
nen Sinn alhie im Geift erheben, milft du e8 verftehen oder 
begreiffen ; in deinem eigen Sinne wirft du ein herber blinder 

GStodfeyn. | | 

Bon der dritten Umftande oder Species. | 
v 26. Diedritte Dualitat,oder der dritte Geift GOttes in des 

Vaters Kraft,ifk die bittere Qualitaͤt die ift eine Durchdrin⸗ 
gung oder Zwingung der füllen und herben Qualitaͤt, die iff 

zitternd, durchdringend und aufiteigend. | 

—— la 54 27.9 


er eh 


I. AURORA; Cap. 8. 

_ 27. Hie mercke: Die herbe Dualität ift der Kern oder 
Stock, oder Sauer, oder Zufammenziehung, und die füfle 
iſſt bielichte Linderung oder Sänftigung, und die bittere iff 
die Durchdringung oder Triumphirung die da in der herben 

und ſuͤſſen aufſteiget und teiumphiret. Das iſt der Freuden⸗ 
quell,oder die Urſache der lachenden aufhebenden Freuden, da⸗ 
von ein Ding fuͤr Freuden zittert und jubiliret, davon die 

himmliſche Freude entſtehet. Darzu iſt ſie die Bildung aller⸗ 
 Ieprothen Farben in ihrer eigen Dualisät: in der füffen bildet 

‚fie alerley weiſſe und blaue, in der berben und fauren allerley 

Ber und dunckele und vermengte Farben, mit mancherley 

ſtalt und Geruche, —9 in 

28, Diebittere Dualität iffder erſte Geiſt, davon bag Le⸗ 
ben rüge wird, davon die Beweglichkeit Urſprung nimt, und 
heiſt recht COR oder Hertz, denn es iſt der zitternde, kuͤrrende, 
erhebliche, durchdringende Geiſt, dag Triumphiren oder 

Freude, ein erheblicher Quell des Lachens: in der füffen 
Dualität wird die bittere gefänftiget , daß fie gantz liebreich 
und freudenveich wird. Go fienberzufehr erheber, beweget 
vder angezuͤndet wird, fo zuͤndet fie die füffe und herbe Dualiz 
tät an, und iff als eine reiſſende, ſtechende und brennende 
Gift, gleich als wenn ein Menſch eine veiffende Peſtilentz⸗ 
Seule bat, davon er. ach und wehe fehreyer. | 

29. Diefe Dualicät ifEin der Göttlichen Kraft, wenn fiean- 
gezuͤndet wird, der Geiff des eiferigen und bitteren Zorns 
Ggottes der unerloͤſchlich iff, wie bey den Legionen Lucifers 
zu ſehen iſt Noch mehr: dieſe Dualität, wenn Fo 
Det wird, ſo iſt fie das bitter-höllifche Feuer, die da verloͤſcht 
das Licht, die aus der füffen Qualität macht einen Geſtanck, in 
der. herben eine Scharfe und Reiffen, eine Harte und Kalte, in 
der ſauren rühricht und bruͤchicht, ein Geſtanck, ein Elend, 
gr Zrauer-bauß, ein Haug der Sinfterniß, des Todes und 
der Hölen, ein Ende der Freuden, welcher darinnen nicht 

mehr Fan gedacht werden: denn es Fan durch nichts geftillee 
werden, und kan durch nichts wieder erleuchtet werden; fon- 
bern der finftere, herbe, finefende, faure, ruͤhrichte, bittere, 

grimmige Duell ſteiget aufin alle Ewigkeit. gi 
30. Nun mercke: In dieſen 3. Species oder Qualitäten ſte⸗ 
bet das törporliche oder das creatuͤrliche Weſen aller Creatu⸗ 
ven im Himmel und in dieſer Welt, es ſep gleich ein 4 IE 
enſch, 


2 ya a a. A a 1 

ap.s. Morgenroͤthe im Aufgang. 89 
Menſch, oder Viehe oder Vogel, oder Gewaͤchſe auf himmli⸗ 
ſche oder irdifche Form, Dualitat und Art, ſowol alte Farben 
und Formen. In Summa, alles was fich bildet, das ſtehet 
in diefer drey Haupt⸗Qualitaͤten Kraft und Gewalt, und wird 
durch fiegebildet, und auch aus ihrer eigenen Kraft formiret. 

31. Erſtlich iſt die herbe Qualitaͤt und die faure ein Corpus 
oder Duell, das zeucht die füfle Kraft zufgmmen, und die 
Kälte in der herben macht es trocken. Denn die ſuͤſſe Quali⸗ 
tat iſt des Waſſers Here , denn fie ift Dunne und lichte, und 
vergleicht ſich dem Himmel; und die bittere Qualität mache 
es fehiedlich, daß fich die Kräfte in Glieder formiren, und 
macht indem Corpus die Beweglichkeit. 

32. Und wenn denn die ſuͤſſe Qualitaͤt getrocknet ift, foifts 
ein Corpus, der vollkommen iſt aber ohne Vernunft; und 
die bittere Dualität deinget im Corpus in der berben, fauren 
und fürfen durch, und bildet alleriey Barden: nach welcher 
Qualität der Corpus am fehreften geneiget iſt, ober welche 
Dualitat ans ſtaͤrckeſten im Corpus ift, nach derſelben bildet 
die bittere Dualität den Corpus mit feiner Farbe, und nach 
derfelben Qualität hat die Creatur feinen groͤſten Zrieb und 
Meiglichkeit und Ballen oder Willen. | | 

Von der vierten Umſtaͤnde oder Species, 

33. Die vierte Dualität , oder der vierte Auell:Geift in der 
Goͤttlichen Kraft GOttes des Vaters, iſt die size: die iſt 
der rechte Anfang des Lebens, und auch der rechte Geift des 
Lebens. Die herbe, faure und fülle Qualitaͤt iſt der Salitter, 
der zum Corpus gehöret, daraus der Corpus gebildet wird. 
Denn es ffehet in der herben die Kälte und die Hartigkeit, und 
ift die Zufammenziehung und Vertrocknung; und in der füffen 
ftehet das Waffer und das Licht ober Scheinlichkeit, und die 
gantze Materiaded Corpus. Und die bittere iſt die Scheidung 
oder Formirung, und die Higeiftder Geift, oder die Anzun: 
tung des Lebens, davon der Geiſt im Corpusentftehet, der 
in dem gangen Corpus qualfet , und auffer dem Corpus leuch⸗ 
tet, und macht die lebendige Bewegung in allen Dualitaten 
des Corpus, 

34. Es iſt aber fonderfich auf zwey Dinge in allen Quali» 
tätenzufehen. So man ein Corpus anſiehet, fo fiehet man 
erftlich den Stock oder Kern aller Qualitäten, der aus allen 

Qualitäten gebildet iff; denn zu dem Corpus iſt Herde, 

N Z 5 Eauer, — 





— 


N Kr AURORA, * Cap. 8. 
Sauer, Suͤſſe, Bitter und Hitze; dieſe Qualitäten find zu⸗ 
fammen vertrocknet, und machen den Corpus oder Stock. 

35. Die groſſe Geheimniß des Geiſtes. Nun dieſe Duas 
litaͤten find indem Corpus vermifcht, als wären fie alle nur 
eine Dualitst, und quillet doch iede Dualität in feiner eigenen 
Kraft, und gehet aus. Eine iede Qualitaͤt gehet aus ſich 
felber in die andern, und rüget die andern, das iff, fie infici- 


vet die andern : Davon befommen Die andere Duslitäten dieſer 


Billen, das iſt ; fie approbiren dieſer Dualität-Scharfe und 
Geiſt, was in ihr iſt, und vermifchen fich immer, | 

+36. Run zeucht die herbe Qualität mit der fauren immer 
die andern Qualitäten zuſammen, und faflet und: halt den 
Corpus und vertrocknet ibn : denn fie vertrocknet alleandere 
Krafte, und hält fie alle durch ihre Inflcirung; und die füffe 
fanftiget und befeuchtet die andernalle, und temperivet fich 
Mn den anderen allen, davon werden ſie fein lieblich und 

anfie. 

37. Und biebittere macht bie. andern alle rüge und, beweg⸗ 
lich, und feheidets in Glieder , daß iedes Glied inder Tempe⸗ 
rirung aller Krafte Duell - Brunn krieget, davon die Beweg⸗ 
lichkeit entſtehet. 

38. Und die Hitze zͤndet alle Dualitsten an: daraus em⸗ 
poͤret ebaͤret) ſich Das Licht in allen Qualitaͤten, daß eine die 
andere ſiehet; denn mern die Hige in der füffen Feuchtigkeit 

rcket, fo gebaͤret ſie das ah in allen Qualitäten, daß eine 
— ſi Re: 


40: "Da dringet die bittebe — in der Site Bund: die 
een und die füffe indem Waſſer laͤſt fie fänftigdurch: da 
aͤhret die bittere inder Hige durch das ſuͤſſe Waſſer aus dem 
Corpus , und macht ihm zwo offene Pforten; das find die Auz 
en die erfte Sinnlichkeit. 
| Deſſen haſt du ein Erempel und Vorbild. Siehe an 
Die elt, derlich die Erde, die iſt aller Qualitäten Art, 
und bilden fich darinnen allerley Figuren. Erſtlich iſt darin⸗ 
nen die berbe Qualität, die ieh den Galitter zuſammen sie 


Au v 


DT 


- oder Ausbreitung ohne die BER die ift der Natur-Geiff. 


Cap. 8. MorgemrötheimYAufgang. gu 


befeftiget die Erde, daB fie. ein Corpusiff, und nicht zubricht 
und bildet darinnen allerley Corpus nachieder Dualität Art, 
als allerley Steine und Ertze, und allerley Wurtzeln nach ies 
der Dualität Art. — * 

42. Nun, wenn daſſelbe gebildet iſt ‚ fo liegts da als eine 
cörporliche , quellende Beweglichkeit: denn es quellet durch 
undin derbittern Qualitaͤt in ſich ſelbſt, al infeinem eigenen 
gebildeten Corpus; es hat aber noch kein Leben zur Wachſung 


— 
roh euthtet , ſo 
quellen und wachfen in der Erden alle Bildungen von Erg und 
Kräutern, Wurgeln, Wuͤrme und alles, was drinnen iſt. 
44. Dis verfkehe recht: Der Sonnen Hiße zuͤndet in ber 
Erden die. ſuͤſſe Dualitat des Waſſers an in allen gebildeten 
Figuren; nunmird durch die Hige in dem füffen Waſſer das 
Licht ‚ dag erleuchtet die herbe, ſaure und bittere Dualitat, 
daß fie in dem Lichte fehen; und indem Geben fteiget einein 
Die andere, und approbiret die andere, das ift, ſie koſtet in 
Fa * der andern Scharfe, daraus kommt der, Ges 
cc Fo nase te Fir Da 
45. Und wenn die fuffe Qualität. der bittern Qualitaͤt Ge⸗ 
ſchmack koſtet, ſo flend ſie ſich und giebet das Weichen: wie 
ein Menfch wenn er bitter oder herbe Gallen koſtet, fo brei⸗ 
tet er im Maul beyde Gaumen aus, und flend ſich, under 
weitert die Gaumen weiter als ſie ihm gewachſen ſind; alſo 
thut die ſuͤſſe Qualitaͤt gegen der biten. 
"46. Und wenn ſich die ſuͤſſe Qualitaͤt alſo ausdehnet und 
weicht vor der bittern, ſo dringt die herbe immer hinnach, und 
wolte auch gern von der ſuͤſſen koſten, und ma Be Corpus 
hinter und in ihr. immer trocken. Denn die füfe Qualitaͤt iſt 
des Waflers Mutter , und iſt gantz ſaoftte. 
47: Wenn nun die herbe undbittere Dunlität vonder Hitze 
ihr Licht befommen, fo fehen fie die füffe Qualität, und koſten 
ihr ſuͤſſes Waffer: denn eilen fie. dem füllen Waffer immer 
nach und trincken das in ſich; denn fie find gang harte rauh und 
durſtig/ und die Hitze vertrocnet fievollend: Und die ſuͤſſe 
Dualitat fleucht immer vor der bittern und. herben, und deh⸗ 


45. Wenn der Sonnen Hige den Erdboden anle, 


net ihren Saumenimmer weiter aus; und die bittere und ber 


beeilen immer der füffennach und laben ſich vonder ſuͤſſen, 
und — Alle iſt das — — her 
A DE Be wa 


(+ ‘ 


Klar i9 un vr „ui .n . 
waͤchſe in der * es ſey gleich in einem Menſchen, Thiere, 
Holge, Kraut oder Steine. 

48. Nun merce das Ende ber Natur in dieſer Welt, 
open nun bie füffe Qualität alfo vor der bittern, fauren und 
berben fleucht,, fo eilen ihr die herbe und bittere alfo heftig 
nach, als ihrem beften Schage, und die ſuͤſſe dringet fo heftig 
von ihnen, und bemühet fich fo heftig, daß fie Durch Die herbe 
Dualität dringet und zureiff den Corpus, und weicht auffer 
dem Corpus und über bie Erben, und eilet auch fo harte, 
bis Ar langer Halm waͤchſt 

9. Denn dringet die Hitze über der Erden auf den 
rn wirh die bittere Qualitaͤt als denn von der’ Hitze 5 
und krieget einen Stoß von der Hitze, daß fie erſchrickt, und 
die herbe Qualitaͤt vertrocknet es: da ſtreiten die herbe, ſuͤſſe 
und bittere und Hitze mit einander; und die herbe macht in ih⸗ 
rer Kaͤlte ihre Trodenheit immerdar, fo weicht denn die ſuͤſſe 
auf die Seite, und die andern eilen ihr nach. 

‚50. Denn fieaber fiehet , daß ſie ſoll gefangen ſeyn daß 
die bittere alſo hart auf ſie dringet, und die Hitze von auſſen 
auch auf ſie dringet, fo macht fie die bittere inbrünftig und 
entzündet fie; da thut fie einen Sprung durch die herbe Qua⸗ 
litaͤt, und ffeiget wieder über ſich; fo wird alddenn ein harter. 
Knoten hinter ihr an dem Orte, mo der Streit war, und ber 
Knoten kriegt ein Löchel, 

51. Wennaber die füfle Qualitaͤt Durch den Knoten ſprin⸗ 
get, fo hat ſie die bittere alſo hart inficiret, daß ſie gar zitternd 
iſt; und alsbald ſie über den Knoten kommt, dehnet fie ſich 
geſchwind auf allen Seiten aus, in willens der Bittern zu ent⸗ 
fliehen: und in ſolchem Ausdehnen bleibet ihr Leib in der Mit⸗ 
ten hohl, und in dem zitternden Sprung durch den Knoten 
krieget fie noch mehr Halmen oder Laub, und ift nun feölich, 
daß fie dem Kriege entlauffen iſt. 

52. Und wenn num die Hige don auffen alfo auf den Halm 
dringet, ſo werden die Qualitaͤten in dem Halme angezuͤndet, 
und dringen durch den Halm, und werden in dem auswendi⸗ 
on der Sonnen inficiret, und gebaͤren die Farbe in 
Halme nach ihrer Qualitaͤt Art. 

53. Beil aber dad füffe Waffer indem Halme iſt, fo behält. | 
} * Halın feine grüne, lite Garde, nach ber füffen Qualität 
rt. 


54 Solch 





Cap.8. Morgenröthe in Aufgang. 93 

54. Solch Wefen treiben die Dualitäten mit der Hige im: 
mer in dem Halme, und waͤchſt der Halm immer für fich, und 
wird immer ein Sturm nach dem andern gehalten, davon der 
Halm immer mehr Knoten krieget, und feine Aefte immer wei⸗ 
ter ausbreitet. Indeſſen vertrocknet die Hige von auflen ims 
mer das ſuͤſſe Waſſer indem Halm, und wird der Halm immer 
duͤnner; ie höher er waͤchſt, ie dünner wird er, bis er nicht 
mehr entrinnen Fan. i 

55. Alsdenn giebt fich die füffe Aualitat gefangen , fo herr: 
ſchet denn die bittere, faure, ſuͤſſe und herbe zugleich unter eine 
ander : und die füffe Dehnet fich noch etwas aus; aber fie kan 
nicht mehr entrinnen, denn fie iſt gefangen. 

56, Alsdenn waͤchſt aus allen Dualitäten, die in dem Cor- 
pus find, eine Kolbe oder Kopf ‚und wird ein neuer Leib in ber 
Kolben oder Kopfe, und wird figuriret, gleichwie erftlich die 
Wurgelinder Erden, alleinedag es nun eine andere fubtilere 
Form Erieget. { ! 

57. Asdenn dringet die fuffe Dualitat fanfte von ſich, und 
wachſen kleine fubtile Blätlein in dem Kopfe, die find aller 
Qualitäten Art. Denn das fülle Waffer iſt nun mie ein 
fihwanger Weib, das den Samen empfangen hat; und fie 
dringet immer von fich, bis fie den Kopf zerfprenget. 

58. Alsdenn dringet fie auch in den Blätlein herfür, als ein 
Weib das gebärer, aber die Blätlein oder Blüte haben nicht 
mebr ihre Farbe und Geſtalt, fondernder andern Qualitäten 
alle ; denn die füfle Dualität muß num der andern Qualitäten 
Kinder gebären. Und wenn denn die fürfe Mutter die fehönen 
gruͤnen, blauen, weiflen, rothen und gelben Bluͤmlein oder 
Kinder geboren hat, fo wird fie gar mude, und Fan biefelben 
Kinder nicht lange ernehren, und mag fie auch nicht lange has 
ben,dieweil ed nur ihre Stief⸗Kinder find, die gar zarte find. 

59. Und wenn denn die Hige von auflen aufdie zarten Kitts 
der dringet, fo werden alle Qualitäten in den Kindern ange 
zundet : denn der Geift bes Lebens qualificiret in ihnen. Dies 
weil fie denn nun zu obnmachtig find zudiefem ſtarcken Geiſt, 
und koͤnnen fich nicht erheben, fo laffen fie ihre edle Kraft von 
dich geben, und das reucht alſo lieblich, dag eim&a das Herge 
lacht ; fie aber muffen verwelcken und abfallen,meil fie zu zarte 
find zu diefem Geifte. ® 
u 60. Denn der Geiſt zeucht aus dem Kopf in die Blute, = | 


94 1, AURORA; Eav.s. 
der Kopf wird formiret nach aller Qualitäten Art: die herbe 
Qualität zeucht zuſammen den Leib des Kopfes, und die füffe 
fanftiget ihn und dehnet ihn aus, und die bittere ſcheidet die 
Materia in Glieder, und die Hige iff der lebendige Geiſt da⸗ 
rinnen. | y 
61. Nun arbeiten alle Dualitaten darinnen, und gebaren ih⸗ 
re Frucht ober Kinder, und ein iedes Kind ift nach aller Qua⸗ 
litaten Art und Eigenfchaft qualificiret. Solches treiben fie 
alfo lange, big Die Materia gar vertrocknet, bis die ſuͤſſe Quali⸗ 
tät oder das ſuͤſſe Waffer vertrocknet; alsdenn falt die Frucht 
aus, und vertrocknet auch der Halm, und falt um. 

62. Und das iſt der Natur Ende in diefer Welt. In diefem 
find noch gar hohe Dinge zufchreiben, das wirff du bey ber. 
Schöpfungdiefer Welt finden ;diefesift nur zu einem Gleich® 
niß albie eingeführet worden, und aufs Fürgefte Befchrieben. 

63. Nun die andere Geſtalt der Qualitäten, oder der Goͤtt⸗ 
lichen Krafte, oder der fieben Geifter GOttes ‚ift fonderlich 
bey der Hiße jur mercken: Erfflich if der Grund oder das coͤr⸗ 

porliche Wefen, wiewol fiein der Gottheit, und auch in den 
Ereaturen keinen fonderlichen Corpus hat ; fondern es find al- 
fe Qualitäten untereinander wieeine, jedoch vermercket man 
jeder Dualitat Wirkung infonderbeit. i 

64. Nun in dem Corpus oder Quellbrunn iſt die Hitze, die dag 

euer gebaret, das iſt eine Geſtalt, und die Fan man erforfchen : 
und ausder Hige gehet das Licht durch alle Geiffer oder Duas 
litäten, und das Licht ift der lebendige Geift, den Fan man nicht 
erforfchen. Seinen Willen aber kan man erforfchen, was er 
will, oder wie er ift ; denn er faͤhet in der füffen Qualicat, und. 
das Richt gehet in der füffen Qualität aufin dem füffen Waffer, 
und in den andern Dualitaten nicht. — 
6. Deſſen haft du ein Exempel: Du kanſt alle Ding in dies 
fer Welt anzünden, daß e8 leuchtet und brennet da die füffe 
Qualitaͤt dag Ober⸗Regiment innen bat; und da die andern 
Qualitäten das Regiment innen haben, kanſt du nicht anzuͤn⸗ 
den. Und obdu gleich die Hige drein bringeft, ſo kanſt du doch 
nicht den Geiſt drein bringen, daß es leuchtet: darum find alle 
Qualitaͤten der ſuͤſſen oder des ſuͤſſen Waſſers Kinder, dieweil 
der Geiſt allein im Waſſer aufgebet. 

66. Biſt du nun ein vernünftiger Menfch , in dem Geift und 
Verſtand iſt, fo fiehe dich um in der Welt, du wirft 2 Ju 

"den: 


, 


1 Cap. 8. Morgenröthe im Aufgang. 95 
den : Ein Holg kanſt du anzunden, daß es leuchtet, denn das 
Waſſer iſt Primus darinnen ; desgleichen allerley Kraut über 
der Erden da das füfle Waffer Primus iſt. Einen Stein kanſt 
du nicht anzunden,denn die herbe Qualitaͤt iff Primus drinnen; 
die Erde kanſt du auch nicht anzunden, e8 werden denn zuvorz 
hin die andern Dualitäten überwunden und raus geſotten, wel⸗ 
ches an dem Pulver zu fehen ift, welches doch nur ein Blig oder 
ein Geift des Schreckens ift, da fich der Teufel in dem Zorne 
GOttes drinnen fürbilder, welches ich an einem andern Orte 
ausführlich befchreiben und auch beweifen will. 

67. Nun wirft du fagen: man fan ja das Waffer nicht ans 
zuͤnden, daß eg leuchtet ? Sa, lieber Menſch, hie ſteckt die Ge: 
heimniß: das Holß, das du anzuͤndeſt, iſt auch nicht dag Fester, 
fondern ein finfter Stock, allein das Feuer und Richt nimt ſei⸗ 
nen Urfprung davon ; du muſt aber verffeben von der füffen 
Dualitat des Waſſers, und nicht vom Stocke, das iſt von der 
Tettigfeit, das ift der Geiſt drinnen. N 
68. Run ift in den elementifihen Waſſer auf Erden die Suf: 
figfeit nicht Primus oder Ober⸗Regent, fondern Die herbe, bitz 
tere und faure Qualitaͤt; fonft ware das Waller nicht tödtlich, 
fondern ed ware wiedas Waffer iff, da der Himmel aus ges 
ſchaffen iſt. Das mwillich dir beweiſen, daß in dem elementi- 
ſchen ir aufErden die herbe , fauere und bittere Dualiat 
Primus jft. 

69. Nim Korn, Weisen, Gerſten, Habern oder mas du 
wilff, da die ſuͤſſe Dualität Primus innen iſt, und weiche das in 
elementiſch Waffer , und brenne es hernach ſo wird. die fuffe 
Qualitaͤt den andern das Regiment nehmen ; und zundedaffel- 
be Waffer hernach an, fo wirft du auch den Geiſt ſehen, der 
vonder Fettigkeit des Korns indem Waſſer blieben iſt der das 
Waſſer ubermunden hat: folches ſieheſt du auch im Zleifhe; 
das Fleisch brenner und leuchtet nicht, allein Das Fette brennet 
und leuchte. | | 

70. Run möchteff du fragen, wiefomme dag, oder wie hats 
eine Geſtalt? Siehe, indem Fleiſch iſt die herbe, faure und bitz 
tere Qualitaͤt Primus, und in dem Fetten die Suͤßigkeit: darum 
iſt eine fette Creatur immer froͤlicher als eine magere, dieweil 
Der ſuͤſſe Geiſt ſehrer in ihm quallet als im magern. Denn das 
icht der Natur, welches der Geiſt des Lebens ift ‚ fiheinet fehe 

ver in ihm als in dem magern; Denn in demſelben Lichte pr ven 
E 324 | ufen 


96 I. AURORA. Cap.8. 


füffen Qualität ſtebet das Triumphiren oder die Freude ‚denn 
bie herbe und bittere Qualitaͤten triumphiren darinnen : denn 
fie freuen fich, daß fie von der füffen und lichten Qualität gela« 
bet, gefpeifet, getrancket und erleuchtet werden. Denn in der 
berben ift Fein Leben, fondern der herbe, Falte, harte Tod ; und 
in der bittern iſt Fein Richt, fondern die finffere, bittere und wuͤ⸗ 
gende Pein, das Haus des zitternden und grimmigen furchtfas 
Ren Elendes. 

71. Darum wenn ſie bep der ſuͤſſen und lichten Qualitaͤt zu 
Gaſte ſind, ſo werden ſie inficiret und lieblich, darzu gantz freu⸗ 
denreich, und triumphiren in einer Creatur: Darum iſt keine 
magere Creatur froͤlich, es ſey denn Sache, daß die Hitze in ihr 
Primus iſt; das iſt, ob fie gleich mager iſt und wenig Fettes hat, 
fo ift es dennoch treflicher Sufligfeit. Dargegen bat manche 
Ereatur viel Fettes, und ift doch gang melancholifch ; das ift 
die Urfache ‚daß fein Fettes nach dem elementifihen Waller 
geneiget iſt da Die herbe und bittere Qualität etwas ſtarck iſt 

72. Biſt du nun ein vernunftiger Menſch, ſo ſiehe: der Geiſt, 
der ſich aus der Hitze empoͤret lgeboͤret], der nimt in der ſuͤſſen 
Qualitat feinen Ausgang, Aufſteigen und Leuchten ; darum 
iſt die ſuͤſſe Qualitaͤt fein freundlicher Wille, und herrfchet in 
der Sanftmuth; und die Sanftmuth und Demuth ift fein ei: 
gen Haus. Und das ift der Kern der Gottheit: und darum 
heift Er GOtt, daß Er iſt füfle, fanftig , freundlich und gutig; 
und darum beift Er barmhertzig, daß Geine füffe Dualitat in 
der herben, fauren und bittern auffteiget, und fie labet, erqui⸗ 
ee und erleuchtet, dag fie nicht ein finfter Thal 

eiben. 

73. Denn verſtehe nur deine Mutter⸗Sprache recht,du haft 
fo tieffen Grund darinnen als in der Hebraifchen oder Lateini⸗ 
ſchen ob fich gleich die Gelehrten darinnen erheben wie eine 
ftolge Braut; es kuͤmmert nichts ‚ihre Kunſt iſt iegt auf der 
Boden⸗Neige. Der Geifkzeiget, dag noch vorm Ende man> 
ge: Laye wird mehr wiſſen und verſtehen, als ietzt die Flügeften 

o&tores wiffen : denn die Thuͤr des Himmel? thut fich aufs 
wer fich nur felber nicht verblenden wird , der wird fie mol fer 
ben... Der Bräutigam Frönet feine Braut, Umen. 

74. Siehe, das Wort Barm iſt nur auf deiner Lippen; und 
wenn du ſprichſt Barm, fo machit du das Maulzu, und Far: 
reſt bintennach ; und das iff die berbe Qualitaͤt, die MD! 


J 


Cap. 8. Morgenroͤthe im Aufgang. 97 
das Wort, das ifk.,fie figuriret zufammen das Wort, daß es 
ER“ wird oder Thaler; und die bittere Qualitat zerſchei⸗ 
det es. 
75. Das it, wenn du ſprichſt Bar, ſo kirret der letzte Buch⸗ 
ſtab R, und murret als ein zitternder Odem, und das thut die 
bittere Dualitat , die iſt zitternde. Nun iſt aber dad Wort 
Barm ein todt, unverſtaͤndig Wort, dag niemand verſtehet: 
Das bedeutet, dag Die zwey Qualitaͤten Herbe und Bitter, 
ein hart, dunckel, Falt und Bieter Wefen find, die Fein Licht 
in fith haben; darum Fan man ihre Kraft auſſerhalb des Lich- 
tes — 
06.Wenn man aber ſpricht Barmhertz ſo druckt man die 
andere Sylbe Hertʒ aus der Tieffe des Leibes aus dem Her⸗ 
"gen denn der rechte Geiſt ſpricht das Wort Herr aus der ſich 
aus der Hitze des Hertzens empoͤret Fgebäret], in welchem dag 
Licht ausgehet und quallet. 
77: Run ſiehe, wann du ſprichſt Barm, ſo figuriren die 

zwey Qualitaͤten Herbe und Bitter das Wort Barm gar lang⸗ 
ſam zuſammen dene iſt eine lange ohnmaͤchtige Sylbe, von 
wegen der Quaͤlitaͤten Schwachheit. Wenndu aber ſprichſt 
Were, fo fahrer der Geiſt in dem Wort Herz geſchwind wie 
«in Blitz heraus und gibt des Worte Unterfcheib und Verſtand. 
Wenn du aber ſprichſt IS, fo fangeſt du den Geiſt mitten in 
den andern zwey Qualitäten ‚daß er muß drinn bleiben und 


das Wort formiren, | | | 
.. 78. fo iſt die Göttliche Kraft: die herbe und bittere Qua⸗ 
Jieat.find der Salitter der Böttlichen Amacht; ; die ſuͤſſe Qua⸗ 
tat iſt der Kern der Barmhertzigkeit, nach welcher das gantze 
Weſen mit allen Kraͤften GOtt beit. Die Hitze iſt der Kern 
des Geiſtes aus welcher das Licht faͤhret und zündet ſich in 
der Mitten in der ſuͤſſen Qualität an, und wird von der Herben 
und Bittern gefangen als in Mitten: darifinen wird der Sohn 
GOttes geboren und das iſt das rechte Hertze GOttes. 
7.Und des Lichtes Flammen oder Blitz, das augenblicklich 
‚in allen Kräften leuchtet, gleichwie die Sonne in der gansen 
Welt, das iſt der H. Geift, der gehet aus der Klarheit des Sob⸗ 
‚nes GOttes, und ift der Blig und. die Schärfe: denn der 
Sohn wird mitten in den andern Qualitäten geboren, und iſt 
mit den andern Qualitaͤten gefangen. 
80. Verſtehe dis hohe Ding recht Bu der * * 
TE Hr * 


— 


98 I. AURORA. Cap. 8. 


ort fpricht, dag ift, feinen Sohn nebaret, welches dann 
immer unbewiggefihicht, fonimt daffelbe Wort eritlich in 
der herben Dunlitat feinen Urfprung, da faſſet ſichs, und in 
der ſuͤſſen nimts feinen Quell, und in der bittern fcharfet ſichs 
und bewenet ſich, und in der Hige ſteigets auf und zündet den 
mittlern ſoͤſſen Duell an. 

Sr. Nun brennets zugleich in allen Qualitäten von dem an⸗ 
gezündeten Feuer, und dad Feuer brennet aus den Qualitaͤ⸗ 
ten: denn alle Dualitäten brennen ; und daffelde Feuer iſt ein 
Feuer, und nicht viel Feuere. 

82. Und daffelbe Feuer iſt der wahrhaftige Sohn GOttes, 
der von Ewigkeit zu Emwigfeit immer alſo geboren wird: das 
wolteichan Himmelund Erden, Sternen und Elementen, 
undan allen Ereaturen, an Steinen, an Laub und Gras, ja 
an dem Teufel felber beweiſen, und nicht mit todten, ſchlech⸗ 
ten, unverftänbigen Argumenten; fondern mit eitel lebendi⸗ 
gen und unübermindlichen,, ja mit untviederruflichen und un⸗ 
wiederleglichen feiten Yrgumenten; auch uber und wieder al- 
"fer Menſchen Bernunft ; und endlich wieder aller Feufel und 
Höfen orten, ſo es alhie nicht zu viel und weiten Raumes 

nehmen molte. | 
83. Allein es wird in dem gangen Buche in allen Artikeln 
und Stücken gehandelt werden , und wirft es freylich bey der 
Echöpfung der Creaturen, ſowol bey der Schöpfung Him⸗ 
mels und Erden und aller Dinge finden , welches fich denn 
beſſer ſchickt und dem Lefer beareiflicher ift. * 
84. Nun mercke: Aus demſelben Feuer gehet der Blitz oder 
das Licht aus, und wallet in allen Kraͤften, und hat aller 
Kraͤfte Quellbrunn und Schärfe in ſich. Dieweil es durch 
‚ven Sohn aus allen Kräften des Vaters geboren iſt fo macht 
E nun hinwiederum alle Krafte in dem Vater lebendig und 
beweglich: und Durch denfelben Geiſt find alle 5 Engel 
formiret , und aus des Vaters Kraften gebildet worden. Und 
derfelbe Geiſt erhalt und tragt. alles , formiret alles, alle Ges 
ächfe und Farben und Creaturenim Himmel und in dieſer 
| Dale und uͤber aller Simmel Himmel: denn die Geburt der 
‚Heil. Drenfaltigkeit iſt überall alſo und nicht anders‘, und 
wird auch in Ewigkeit nicht anders werden. Ban 
85. Wenn aber dag Feuer in einer Creatur angezuͤndet 
wird, das iſt, wenn ſich eine Creatur zu fepr erpeber, mie 
uci⸗ 


Cap.s.  MorgenrötheimAufgang 99 
Pucifer und feine Legionen thaten, fo verlifcht das Licht, und 
gehet auf der grimmige und bigige Duell, der Quell des hoͤl⸗ 
lifchen Feuers, das iſt es gehet auf der Geiſt des Feuers in 
der grimmen Qualität. i 

86. Hiemit mercke die Umſtaͤnde, wie das gefchicht oder 
gefcheben kan:Ein Engel ift aus allen Kräften zufammen figus 
riret, wieich nach der Range befchrieben babe; nun wenn er 
fich erhebet, fo erhebet er fich erſtlich in der berben Qualitaͤt, 
dierafft er zufamment, wie ein Weib, das gebaren will, und 
druckt fich, davon wird die herbe Dualität alfo hart und 
fcharf, daß fie das ſuͤſſe Waffer nicht mehr zwingen Fan, und 
Fan nicht mehr fänftig. in der Creatur aufſteigen; fondern eg 
wird vonder herben Dualität gefangen und vertrocknet, und 
ineinebarte, ſcharfe, grimmige Kalte verwandelt. Denn 
es wird zu derb vonder herben Zufammensiehung , und verlie- 
ret feinenlichten Glantz und feine Fertigkeit, darinnen der lich 
te Geiftaufgehet, der der Geift des heiligen , englifchen und 
Goͤttlichen Lebens iſt, welcher wird Durch die herbe Qualitaͤt 
alſo hart zu ſammen gezogen und gedruckt, davon er vertrock⸗ 
net als ein ſuͤſſes duͤrres Holtz. 

87: Und wenn dann die bittere Qualitaͤt in der vertrockne⸗ 
ten ſuͤſſen Qualitaͤt aufſteiget, fo Fan fie die ſuͤſſe nicht fänfti- 
gen, und mitihremfuflen , lichten Waſſer traͤncken, diemeil 
fie vertrocknet iſt: da mutet und tobet die bittere Dualität, und 
fuchet Ruhe oder Speife , und findet ihr nicht, und wallet in 
dem Corpus als eine.verfihmachtete Gift. 

: 88. Wenn denn nun die Hige bie ſuͤſſe Qualität anzündet, 
und will ihre Hige indem füffen Waſſer fänftigen, davon fie 
aufffeiget, undin demgangen Corpus leuchtet, da findet fie 
nichts als einen harten, durren und: füffen Duell, da Eein 
Saft innen iſt, der gar vertrocknet iſt von der Herbigkeit. 

89. Alsdenn zuͤndet ſie den ſuͤſſen Duell an, in willens fich 
zu laben, aber da iſt fein Saft mehr; ſondern der füffe Duell 
brennet und gluet nun wie ein harter , verdorreter Stein, und 
kan ſein Licht nicht mehr anzunden. Und der gange Corpus 
bleibet nun ein finfter Thal, da nichts innen iſt; als in der hev- 
ben Qualität eine geimmige; harte Kalte; in der füffen ein 
hart, gluend Feuer; darinnen die grimmige Hige auffkeiger 
in alle Ewigkeit; und in der bittern ein Wuten , Toben, Ste: 
chen und Brennen. | | | 
7364 82 90. Und 


100 I. AURORA. "7 Gam$, 


90. Und da haft du die wahrhaftig 0 eines 
114.4 Engels ober Teufeld, und auch die Urfache: und 
if nicht nur im Gleichniß gefchrieben, fondern im Geifte 
durch die Kraft, aus dem alles worden iſt. Menſch, bierinne 
befinne dich hinter fich und vorfich, es iſt nichtg vergebens. 

gl. Diele groffe Geſchichte, wiefieergangen if, wieſt bu 
beym Fall des Teufels nach der Lange finden: 4 
Won der fünften Umftändeoder Species... 
92. Die fünfte Qualität oder der fünfte@eift Göttesuns 
ter den 7 Beiftern GOttes, inder Goͤttlichen Kraft des Va⸗ 
ters, iſt die Holdfelige, freundliche und: ea Liebe. 
93. Nun merke, was da ſey der Quellbrunn der hol feli 
gen und freundlichen Liebe GOttes: mercke hie eigentlich 
denn es iſt der Kern. ii, ER is wi 
94. Wenn die Higein der ſuͤſſen Dunlicät: anfgehet ; und 
zündet den füffen Quell an/ ſo brennet daffelbe Feuer in der 
ſuͤſſe en Qualitaͤt: Dieweil dann nun die fuͤſſe Qualitaͤt ein 
dünn, lieblich, ſuͤſſes Quell⸗Waſſer iſt, ſo fanftiget ſie die 
und oͤſchet das Feuer, fo bleibet alsdenn in dem ſuͤſſen 
uellbrunne des ſuͤſſen Waſſers nur das freudenreiche Licht: 
und die Hitze iſt nur ein ſanftes Waͤrmen, gleichwie in einem 
Menſchen, der ſanguiniſcher Complerion ift, da iſt Die Hitze 
auch nur ein freundlich Barmen, ſer ge mäßig 


balt. 

95. Daffelbe freundfiche Liebe: Bichrgener gehet inderfüß 
fen Qualität aufin die bittere und herbe Qualität, und zuͤn⸗ 
bet die bittere und herbe Qualitaͤt art, und ſpeiſet und traͤncket 
fie mit ihrem füllen Liebe-Saft, und erauichet * und er⸗ 
leuchtet fie, und macht fie lebendig und freundlich 

96. Und wenn dann die ſuͤſſe lichte Biebe-fraft Au ihren 
fomme, daß fiedaven koften und ihr Reben friegen ach da iſt 
ein freundlich Beneveniren und Triumphiren ein freundlich 
Willkommen und groſſe Liebe, gar gest nen ne 
fig Kuffen und Wolfchmecden. | 

97. Da küffet der Brautigam feine Braut: 0 Hold ſelig⸗ 
keit und groffe Liebe, mie ſuͤſſe biſt du wie freundlich biſt du e 
wie lieblich iſt doch dein Geſchmack? wie ſanfte reuchſt du 
doch? Ach! edles Licht und Klarheit, wer kan deine Schoͤn⸗ 
heit ermeſſen? wie zierlich ift deine Biebe? wie ſcoͤne find Pei- 
ne Farben? Ach und awiglich! wer Fan bad — 

r 








| Cap.s. Morgenroͤthe im Aufgang. 


eder mas ſchreibe ich doch, der ich doch nur ſtammele wie ein 
Kind, das da lernt reden? F 
8. Wem fell ichs doch vergleichen? Soll ichs der Liebe 
dieſer Welt vergleichen, ſo iſt es nur ein ſinſter Thal; ach und 
gros! ich kan dich mit nichtes vergleichen als nur mit der 
Auferſtehung vonden Todten; da wird das Liebe⸗Feuer wie⸗ 
der aufgehen in uns, und den Menſchen freundlich umfangen, 
und unſere herbe, bittere und kalte, finftere und todte Quali⸗ 
taͤt wieder anzuͤnden, und uns freundlich umfangen. 

99. Oedler Gaſt, warum biſt du von uns gewichen? O 
Grimmigkeit und Herbigkeit, du biſt Urſache! O grimmiger 
Teufel! was haſt du doch gethan, der du dich und alle deine 
ſchoͤne Engel in die Finſterniß verſencket haſt? Ach und im: 
mer Ach! War doch die holdſelige ſchoͤne Liebe auch in dir, o 
du hochmuͤthiger Teufel! warum lieſſeſt du dir nicht genuͤgen? 
wareſt du doch ein Cherubin, und war im Himmel nichts 
ſchoͤner als du; was ſuchteſt du doch? wolteſt du der gantze 
GOtt ſeyn? wuſteſt du doch mol, daß du eine Creatur wa⸗ 
reſt, und haſt nicht die Wurf⸗ſchaufel in deiner Hand. 

100. Was klage ich dich doch? du ſtinckender Bock! O 
du verfluchter ſtinckender Teufel, wie haſt du uns verderbet! 
was wilſt du dich doch ausreden, oder was wirfſt du mir fuͤr? 
Du ſageſt, wenn dein Fall nicht waͤre geſchehen, ſo waͤre der 
Menſch nie erdacht worden: O du Luͤgen⸗Teufel! ob das 
gleich wahr iſt, ſo waͤre der Salitter, daraus der Menſch ge: 
macht iſt, der auch von Ewigkeit iſt, ſowol als der, daraus 
du gemacht bit, in ewiger Freude und Klarheit geſtanden, 
und ware gleichwolin GOtt aufgeffiegen, und hatte in den 
fieben Seiftern GOttes die holdſelige Liebe gekoſtet, und der 
himmlifchen Freuden genoffen. 

101. O du Luͤgen⸗Teufel! wartenoch einwenig, der Geiſt 
wird dir deine Schande aufdecken, verzeuch noch eine Fleine 


- Weile, ſo wirſt du ausgepranger haben. Warte, der Bogen 


ift ſchon gerichtet; trifft dich der Pfeil, wo mirft du hinfallen? 
der Locusift ſchon bereitet , er fol nur noch angezuͤndet wer⸗ 
den ; tragenur tapfer Holg zu, daß du nicht erfriereſt; dus 
wirft mol ſchwitzen. Meineſt du, dumolleft das Licht wieder 
kriegen? ja, nobis infernum: reuch deine füffe Liebe; vath 
Fritz, wie heiſt ſie? Gehenna; das wird dich ewig lieben. 

102. Ach wehe, du armer verblendeter Menſch, — 


102 I. AURORA, © days 
laͤſſeſt du dir den Teufel dein Leib und Geele fo finfter und blind 
machen? Dzeitlich Gut und Wolluſt dieſes Lebens, dublin: 
de Hure, warum buhleft du mit dem Teufel ? | 
103. O Sicherheit, der Teufel wartet deiner; O Hoch⸗ 
muth du bift hoͤlliſch Feuers O Schönheit, du biſt ein fin⸗ 
ſter Thal; D Gewalt, du bift ein Wuͤten und Reiſſen des 
hoͤlliſchen Feuers; D eigene Rache, du biſt der grimmige 
Zorn GOttes! | 3* 
104. O Menſch, warum will dir die Welt zu enge werden? 
du wilſt ſie allein haben; und haͤtteſt du ſie, ſo haͤtteſt du 
noch nicht Raum: Ach das iſt des Teufels Hochmuth, der aus 
dem Himmel in die Hoͤlle fiel. Ach Menſch, o Menſch, war⸗ 
um tantzeſt du doch mit dem Teufel, der dein Feind iſt? haſt 
du nicht Sorge, er wird dich in die Hoͤlle ſtoſſen? wie geheſt 
du fo ficher ? Haft du doch nur ein ſchmales Steglein, darauf 
du tantzeſt; unter dem Stege iſt die Hoͤlle. Sieheſt du nicht, 
J boch —* gefaͤhrlich du geheſt ? du tantzeſt zwiſchen Him⸗ 
mel und Hölle. Ah 4 
105. Ddublinder Menſch, wie fpottet der Teufel deiner ? 
ach! warum betrübeft du den Himmel? meineſt du, du wirft 
nicht genug haben in diefer Welt? O blinder Menfch , iſt doch 
Himmelund Erde dein, darzu GOtt ſelber. Was bringeft 
du in diefe Welt, oder was nimſt du mit? ein Engeld=Eleid 
bringeff du in Diefe Welt, und macheſt in deinem böfen Leben 
eine Teufels⸗Larve daraus. i ’ 
106. O du armer Menfch, kehre um, der hiinmlifche Va⸗ 
ter hat beyde Arme ausgeſtreckt und ruft dir; komm nur, Er 
will dich in ſeine Liebe faſſen, biſt du doch ſein Kind, Er hat 
dich lieb; fo Er dich feindete fo muͤſte Er mit Ihm ſelbſt un⸗ 
eins ſeyn: O nein, dag iſt nicht; in GOtt iſt nichts als barm⸗ 
hertzige, freundliche Liebe und Klarheit. Ä 
107. D ihr Hüter Iſrael, marum ſchlaffet ihr ? wacht auf 
vom Schlaffder Hurerey, und ſchmuͤcket eure Lampen! der 
Brautigam kommt, laffet eure Pofaunen fallen! O ihr 
Geighalfe und Trundenbolde , wie buhlet ihr mit dem Geitz⸗ 
teufel! So ſpricht der HErr: wolt ihr mein. Volt nicht wey⸗ 
den, das Ich euch vertrauet habe? Siehe, Sch habe euch 
auf Moſis Stuhl geſetzt und euch meine Heerde vertrauet; 
aber ihr. meinet nur die Wolle, und nicht meine Schäflein, da⸗ 
mit bauet ihr eure Pallafl-Haufer : aber. Ich will par den 


Stuhl 


Cap. 8. MorgenrötheimAufgang. "103 
Stuhl der Vefkileng fegen , und mein Hirte fol meine Schaf: 
deinewigwenden. N 

108. Ach! du ſchoͤne Welt, wie klaget bich der Himmel, wie 
betrübeft du die Elementa; ach Bosheit, wenn wilſt du auf: 
bören? Wache auf! wache auf! und gebare, du trauriges 
Weib; fiehe , dein Brautigam kommt und fodert von dir Die 
Frucht; warum fchlaffeft du? fiebe, er Elopfet an. 

109. O holdſelige Liebe und klares Licht, bleib doch bey ung, 
denn es will Abend werden! Ach! Wahrheit, o Gerechtig⸗ 
feit und rechtes Gerichte, wo biff du hinkommen? wundert 
fich doch der Geiſt, als wenn er die Welt zuvorbin nie gefeben 
hatte. Ach! was fchreibe ich doch die Bosheit ver Melt, der, 
ich es thun muß, und die Welt giebt mir dafür des Teufels 
Dank? Ah! Amen 

Das 9 Eapitel, 
Von der holdfeligen , freundlichen und 
barmhergigen Liebe GOttes. 
” Bunmarien, 

4 Dtt fiehet aufs Niedrige. 6.1.2. Wird durch Exempel beruichen. 3. 

3.) Chriſtus war arın, 4. auch feine Apoſtel, die erſte Kirche, und 
$ Luther. 5er. Was noch verborgen ift ? 8. In ber Einfall, niit 
in der Kunſt, wird. das wahre Erkentniß aufgehen, 9. DBerkündte 
gung des Braͤutigams Zukunft. 10. Der Lefer fol ſich nit ander 
Einfalt aͤrgern. u. Das Corpus kan die Liebe nicht begreifen. 12. Die 
ſͤſſe Qualitaͤt ift zwiſchen der * und bittern. 13. Urſtand des 
Zorns GOttes. i4. Der Teufel hat ſich ſelbſt zum Teufel gemacht. . 
De herbe und bittere Qualitaͤt gebären die Hitze in der ſuſen. i6. Das 
bei cht iſt der Anfang des Reben? 317. zündet die herbe undbittere Quali⸗ 
tät an, und wann es aufgeset, erzittert die bittere Dualität. 18:20. 
Der 9. Geifi muß es in deinem Hertzen anzünden. 21. Das füfle Wars 
fer machet alles Lieblich. 22. Alle Dualitäten lieben das ſuͤſe Waſſer, 
weil es das Licht gebieret,, und die Herbigkeit beweglich machet. 23. 24. 
Das Licht wird in der Hige geboren. 25. Die füfle Qualität trocknet 
die herbe , iſt auch eine Urſache der Hise. 26.27. Die Liebe⸗Geburt 
kan nicht verglichen werden. 28. Die ſuͤſſe Qualität hat die Hise lieb, 
weil fie den Licht⸗ Geiſt gebieret: gleichwie die bittere und auch) Die hie 

ige die andere Fr liebet. 29:31. Beweiß mit einem Baum. 32. 

hne die Hee find die 3 eriten Qualitäten todt.33. Kein Dan 
kans befchreiben. 34, Er ift zu ſehr verdorben : wird aber vom 9. Gei 
angezuͤndet. 35.36. Wie die Glieder ; alfo lichen fich die Geiſter. 37. 

naufgehenden Licht, freuet fich der Bräutigam ınit der »druut.38:40. 
Die 7 Geilter begreifen alles. ar. Hoher die Bosbeit ? 42. Luciferd 
Sal: feine dung, Anzündung und Ausftoßung: 43.44. dar⸗ 
aus das Boͤſe, 45. barüber das Gericht beſtimmet. 4648. 


104 L AURORA. Cave 
Die groffe himmliſche und Goͤttliche Geheimniß. 


Jeweil ich alhie von himmliſchen und Goͤttlichen Din⸗ 
gen ſchreibe, welches der verderbten Natur des Mens 
ſchen gar fremde iſt, darob ſich der Leſer ander Ein⸗ 

falt des Autoris ohne Zweifel möchte wundern und aͤrgern, 
dieweil der verderbten Natur Trieb nur auf das Habe ſiehet, 
als cine ſtoltze, wilde, geile und huriſche Frau, die ſich in ih⸗ 
rer Brunſt immer nach ſchoͤnen Maͤnnern umfiehet, mit denen⸗ 
ſelben zu buhlen. 

22. Alſo iſt die hoffaͤrtige, verderbte Natur des Menſchen 
auch; die ſiehet nur auf das, was vor der Welt gleiſſet und 
pranget, und vermeinet, SH habe des Elenden vergeffen, 
Darum plage Er ibn. alſo: Sie dencket, der H.Geift febe nur 
aufdas Hohe, auf die Kunſt dieſer Welt, auf das groſſe und 
tieffe Studium. 

3. Ob ſichs aber auch allo verhalte; fo ſiehe nur zuruͤcke, 
fo wirſt du den Grund finden. Wer war Habel? ein Schaͤ⸗ 
fer: Wer war Henoch und Noa? einfaͤltige Leute: Wer 
war Ubrabam, Iſaac und Jacob? Viehehirten waren ſie: 
Wer war Moſes, der theure Mann GOttes? ein Viehehir⸗ 
se: Wer war David, als ihn des HErrn Mund berief? ein 
Schaͤfer. Wer waren die Propheten groß und klein? gemei- 
‚ne und geringe Leutlein ; ein Theil nur Bauren und, Hirten, die 
nur der Welt Fußhadern waren; man hielt fie nur fuͤr Nar⸗ 
ven. Undob fie gleich Wunder und Zeichen thaten, noch fahe 
bie Welt nur auf das Hohe, und der 9. Geift muffe ihrer 
Fuͤſſe Schemelfeyn: denn der ſtoltze Teufel hat je und allwe⸗ 
ge wollen ein König in dieſer Welefeyn. 

4. Run wie fam unfer König IEſus Ebriftus in dieſe 
Melt ? arm und in groſſem Kummer und Elende, und harte 
nicht, da Erfein Haupt Eonte hinlegen, Match. 8:20... 

5. Ver waren feine Apoftel? arme, verachtete, ungelehr⸗ 
te Fiſcherknechte. Wer glaubete ihren Predigten ?das arme, 
geringe Bölclein. Die Hpben und Schriftgelehrten waren 
Chriſti Henckersknechte, die da ſchrien; crucifige, seucifige, 
kuc, 23: 2, 

6. Wer iſt je und allwege bey der Kirchen Chriſti am fefte- 
ſten aeftanden ? das arme verachtete VBöldlein ; das has um 
Chriſli willen fein Blut vergoffen. Aber bat die rechte reine 
chriſtliche Lehre verfalfcher, und je und allwege — ? 


Cap.⸗. Morgenröthe im Aufgang. 105 
die Schriftgeleheten, Paͤbſte Cardinale, Bifhöfe und 
- groffe Hanfen. Worum folgere ihnen die Welt? darum daß 
fie ein groß Anfehen hatten, und vor der Welt prangeten: ei⸗ 
ne folche folge Hure iſt die verderbte menfchliche Natur. 

7. Wer hat des Pabſts Geldſucht, Abgötterey, Finanzen, 
und Betrug in Teut ſchland aus der Kirchen gefeget? ein ar⸗ 
mer verachteter Mund. Durch was Macht oder Kraft? 
durch die Macht GOttes des Vaters, und durch die Kraft 
GOttes des H. Geiſtes. — —— 

8. Was iſt noch verborgen ?die rechte Lehre Chrins nein, 
ſondern die Philofophia und der tieffe Grund GOttes, die 
bimmlifche Wonne , die Offenbarung der Echöpfungder En⸗ 
gel, die Offenbarung des greulichere Falles des Teufels, da⸗ 
von das Bofe herfommt , die Schöpfung diefer Welt, der 
tieffe Grund und Geheimniß des Menſchen und after Creatu⸗ 
renin diefer Welt, das Juͤngſte Gericht und Veraͤnderung 
dieſer Welt, die Geheimniß der Auferflehimg der Tadten und 
des ewigen Lebens. 

9. Diefes wirdinder Fieffe in groffer Einfalt aufgeben? 
warum nicht in der Höhe inder Kunſt? auf daß fich niemand 
ruhmen darf, er habe es gethan, und des Teufels Hoffart 
biemit aufgedeckt und zunichte gemacht werde. Warum thut 
GOtt daS? aus feiner groffen Liebe und Barmhertzigkeit über 
alle Bölcker ; und hiemit anzuzeigen, daß nunmehr vorban- 
den fey die Zeit der Wiederbringung , mag verloren iſt, da die 
Menfchen werden ſehauen und genieflen der Voltommenbeit, 
Yu wallen in der reinen , lichten und tiefen Erkentniß GOt⸗ 
tes. 

10. Darum wird zuvorhin aufgeben eine Morgenroͤthe 
Dabey man den Tag erfiefen oder mercfen fan: mer nun wi 
ſchlaffen, der ſchlaffe immer hin; und mer da will machen 
und feine Lampe fehmücken, der wache immer bin. Siehe, 
der Bräutigam kommt: mer num wachet und gefchmückt iff, 
der gehet mit zur ewigen bimmlifchen Hochzeitein ; wer aber 
fchlafft, wenn Er kommt, der fehlafft innmer und ewig im 
finftern Kercker der Grimmigkeit. EN 

1. Darum willich den Lefer treulich gewarnet haben, Daß 
er dis Buch mit Fleiß leſe, und fich nicht an der Einfalt des 
Autoris argere : Denn GOtt fiehet nichtauf das Hohe, denn 
er ift allein hoch ; fondern Er ya mie Er dem Niedrigen ee 


fe. Wirds ſo weit mit dir kommen, daß du des Autoris Geiſt 
und Sinn ergreiffeft,fo wirds feiner Ermahnung mehr beduͤr⸗ 
fen ; fondern du wirft dich in diefem Lichte freuen und fröfich 
fyn, und deine Seele wird darinnen lachen und triumphiren. 
12. Nun mercfe : Die holdfelige Ziebe, welche iſt der fünfte 
Lduellgeift in der Sötrlichen Kraft ‚ift der verborgene Duell, 
den das corporliche Wefen nicht begreifen ober umfaffen kan, 
ald nur werner in dem Corpus aufgebet ‚fo triumphiret daß 
Corpus darinnen , und gebaret fich freundlich und lieblich: 
denn er gehoͤret nicht zur Bildung eines Corpus ; fondern ge: 
bet m dem Corpus auf, wie eine Blume aus der Erden. Nun 
derfelbe Duellgeift nimt anfänglich feinen Urfprung aus der 
füffen Dualität des Waſſers 
13. Berftehe dis, wie es ſey, hie mercke eigentlich: Erfklich 
ift Die herbe Qualität, darnach die füffe,, darnach die bittere: 
die füfle iſt zwiſchen der herben und bittern mitten inne. Nun 
macht die berbe immer hart, Falt und finſter, und die bittere 
reiſſet, treibet, wuͤtet und zerſcheidet; die zwey Qualitäten rei- 
ben und treiben ſich fo hart mit einander, und wallen fo ſtren⸗ 
ge, daß fie die Hitze gebaren; die it num in den 3 Dualitäten 
finfiier, wie die Hige in einem Steine. 

‚ 2.4. Wenn man einen Öteinnimt ‚oder ſonſt etwas hartes, 
und reibet es auf Golg, fo erhitzen fich Die beyde Dinge: num if 
dießelbe Higenur eine Finſterniß, und darinnen fein Licht. Al: 
ſo iſts auch in der Goͤttlichen Kraft: Nun die herbe und bittere 
Qualitaͤt ohne das füffe Waſſer reiben und treiben ſich fo harte, 
daß ſie die finftere Hige gebaͤren undin fich entzunden. 

15. Und dag iſt nun zufamınen der Zorn GOttes, der Duell 
und Urſprung des böllifchen Feuers, wie beym Lucifer zu ſe⸗ 
en iſt: der erhub fich und drückte fich fo hart zuſammen mit: 
inen Zegionen, daß das ſuͤſſe Quell-Waffer in ihm vertrock⸗ 
nete, darinnen fich das Licht anzuͤndet, und darinnen die Liebe 
auffteiget. Darum iff er nun ewig ein berber, harter ‚kalter, 
bitter und hitziger und fauerftinctender Quellbrunn; denn als 
die füffe Dualicat in ihm vertrocknete, fo wards ein finſter, 
fauer Geftanc und ein Sammertpal, ein Haus der Verder⸗ 
bung und Elendes. | 
16. Nun weiter in der Tieffe. Wenn fich nun bie herbeund 
bittere Qualitaͤt alſo hart mit einander reiben, daß fie bie Hitze 
gebaren, fo iſt nun die füffe Qualität, das ſuͤſſe — 
wi 


Cap. 9 Morgenröthe,im Aufgang. 107 
zwifchen der herben und bitteren mitten innen, und bie Hitze 
wird zwiſchen der herben und bittern Dualitat in dem ſuͤſſen 
Quell⸗Waſſer geboren, durch die herbe und bittere Dualitat. 
17. Alda zündet fi) das Licht in der Hitze in dem füffen 
Duell: Wafler an,das iſt ver Anfang des Lebens : denn die her⸗ 
be und bittere Qualitaͤt find der Anfang und eine Urſache der 
ige und des Lichtes; alfo wird das füffe Quell⸗Waſſer ein 
cheinend Licht, gleich dem blauen lichten Himmel. 

18. Und daffelbe lichte Duell Waffer zundet an die; herbe 
und bittere Dualität, und die Hige, welche von der herben und 
bittern Dualität in dem füffen Waffer geboren wird, die ſteiget 
aus dem ſuͤſſen Auell-Waffer auf durch die bitter und berbe 
Qualitaͤt, und in der bittern und herben Qualitaͤt wird erſt das 
Licht trocken und ſcheinend, darzu beweglich und trium⸗ 
phirende. ber 

19. Und wenn dann nun das Licht aus dem füllen Duell- 
Waſſer in der Hiße in der bittern und herben Dualitat aufge⸗ 
bet, jo ſchmecken die bittere und berbe Qualität das lichte und 
ſuͤſſe Waſſer: und die bittere Qualität fanget den Schmack des 
füllen Wafferg, und in dem ſuͤſſen Waffer.iff das Lichts aber 
nur himmelblaue Farbe. i ns 

20. Alsdenn zittert die bittere Dualitat, und zertreibet die 
Hartigkeit in der herben, und das Licht trocknet fich in der her⸗ 
ben, und fcheinet helle, viel lichter als der Sonnen Glantz. Ju 
diefem Auffteigen wird die herbe Disalitat fanfte, lichte, duͤnne 
und lieblich ‚und Erieget ihr Leben: welches Urfprung ſteiget 
aus der Hise indem fuffen Waffer ; und das iſt nun der rechte 
Brunnquell der Liebe. 7 

21. Mercke dis imtieffen Sinn: Wie wolte da nicht Liebe und 
Freude feyn, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und 
mitten in der Finfterniß das Licht ? Sprichft du, wie gehet das 
zu ? Ja wenn mein Beift in deinem Hertzen ſaͤße und qualle in 
deinem Hergen auf, fo befande und begriffe es dein Leib; aber 
anders kan ichs nicht in deinen Sinn bringen, bu kanſt es auch 
nicht begreiffen oder verftehen, der H. Geiſt zunde denn deine 
Seele an, daß diefes Licht in deinem Hergen felber fcheine. Als⸗ 
denn wird dieſes Licht in dir felber geboren wie in GOtt, und 
fleiget in deiner herben und bittern Qualität aufin deinem füf- 
fen Waſſer, und triumphiret wie in GOtt: wenn num dis ger 
ſchicht, fo wirft du erſt miein Buch verſtehen, und — 
Fe EIER TER 22. Mer⸗ 


x 


N 
— 


J 


A 


108 ' LAURORA << Gabe. 
22. Merde: Wenn das Licht in der bittern Qualitaͤt gebo⸗ 
ren wird, das iſt wenn das bitter und trocken Quellen das ſuͤſſe 
Quell⸗Waſſer des Lebeng fanget und trincket des, fo wird der 
' —— Geiſt lebendig in dem herben Geiſt; und iſt der herbe 
fe nun wie ein ſchwanger Beift, der des Lebens ſchwanger 
ift, und muß das Reben immer gebaren. Denn das füffe Waſ⸗ 
fer, und in dem fufien Waſſer das Licht ‚ffeigt nn immer in 
der herben Dualitat auf, und die bittere Dualität triumphiret 
nun immer darinnen, und ift nichts den eitel Rachen und Freu⸗ 
de, eitel Liebhaben. | I 
23. Dent die herbe Qualitaͤt liebet das füffe Maffer,erfflich 
darum, dag in dem füffen Waſſer der Geift des Lichts geboren 
wird, und traͤncket die herbe,harte und Falte Qualität, und er- 
leuchtet fie und warme fie: denn in dem Waſſer, Hige und 
Licht ſtehet das Leben. J 
24. Ferner hat die herbe Qualitaͤt die bittere lieb, darum, 
daß bie bittere in dem ſuͤſſen Waſſer, das iſt, in dem Waſſer, Hi⸗ 
tze und Licht ‚in der herben triumphiret, und die herbe be= 
weglich macht, darinnen die herbe auch Fan triumphiren. 
25. Zum dritten bat die herbe Qualitaͤt die Hige lieb darum, 
daß in der Hitze das Licht geboren wird, dadurch die berbe 
Qualität wird erleuchtet und gewarmet. 
26. Und die füffe Qualitaͤt bat die herbe auch lieb, (1) darum, 
daß fie die berbe trocknet, dag fie nicht duͤnne wird gleich dem 


elementiſchen Waſſer, und ihre Dualitätin Kraft beftehet,und 


daß in der herben Dunlität das Licht, das in ihr geboren wird, 
ſcheinend und trocken wird. Darzu iſt die herbe Dualitat eis 
ne Urfache der Hitze welche in dem ſuͤſſen Waffer geboren 
im groffer Klarheit ftehet. . 

27. Zum (2) bat die ſuͤſſe Qualitaͤt die Bittere auch lieb, dar⸗ 


wird, barinnen das Licht aufgehet, darinnen das fülle Waſſer 


um , daß fie auch eine Urſache iff der Hige, und auch darum, daß 
der bittere Geiſt in dem füllen Waffer , Hitze und Licht trium⸗ 
 phiret und-zietert, und macht die füffe beweglich und Tebendig. 


28. Zum (3) bat die ſuͤſſe Qualität die Hige treflich fehr lieb, 


" alfolieb, daß ich das mit nichts vergleichen fan: nim bir ein 


Gleichniß welches doch wol viel zu gering iſt an zweyen jun⸗ 
gen Dienfchen edler Complexion, wenn diefelbe an einander 
erhigen in Liebe-Brunft, fo iſts ein folch Feuer, koͤnten fie ein⸗ 
ander in Leib kriechen, ober fich im einem Leib lan 

| on 


Cap 9. MorgenrötheimAufgang 109 
thaͤten das; aber dieſe irdifche Liebe iſt nur kalt Waſſer und 
nicht recht Feuer; man kan fein recht Gleichniß in dieſer halb⸗ 
todten Welt finden, als nur die Auferftehung der Todten am 
Juͤngſten Tage, das iff ein vollfommen Gleichniß, in allen 
Sötrlichen Dingen , dag rechte fiebe-Empfangen. 

29. Die füffe Qualität hat aber die Hige darum. alfo Tieb, 
daß fie in ihr den lichten Geiſt gebaret, der da iſt der Geiſt des 
Lebens; denn das Leben entſtehet in der Hitze, ſonſt wo die Hi⸗ 
ge nicht warg,fo.ware alles ein finſter That: alſo lied als nun 
das Leben ift, alfe lieb iſt auch dem füflen Geiſt die Hige, und in 
der Hißebasiht. 2 de 

30. Und die bittere Qualitaͤt liebet auch alle andere Quell⸗ 
Geifter, erfklich die ſuͤſſe denn in dem ſuͤſſen Waſſer wird der 
Bittere Geiſt gelabet, und erlöfchet darinnen feinen groſſen 
Durft, und ſeine Bitterkeit wird darinnen gefänftiget, und 
keieget fein Richte-Reben darinnen ; und in der herben bat- er 
feinen Leib, darinnen er triumphiret und ſich Fühler und ſanf⸗ 
tiget/ undinder Hitze hat er feine Kraft und Starcke, darinnen 
feine Freude ſtehet. | 

31. Und die hitzige Dualitat hat auch alle andere Qualitäten 
lieb/ und iſt die Biebe auch alſo groß in ihr, gegen und in dem 
andern; daß mans nicht vergleichenfan, denn fie wird von den 
andern geboren. Die berbeund Bittere Dualitaten find der 
Hitze Vater und das ſuͤſſe Quell⸗ Waſſer iſt feine Mutter, die 
ed empfanget / behaͤlt und gebaͤret; denn durch der herben und 
bittern hartes Treiben wird die Hitze, die gehet in der ſuͤſſen 
Qualitaͤt als in einem Holtze auf. in 

30. Wilſt du das nicht glauben; ſo thue Deine Augen auf,und 
gehe zu einem Baum, und fiche den an und befinne dich ; fo fies 
beit du erſtlich den gangen Baum nim ein Meſſer und ſchnei⸗ 
de darein, und koſte ihn wie er iſt; fo ſchmeckeſt du erſtlich die 
herbe Dualitat,diegencht dir deine Zunge zuſammen ; nun die⸗ 
ſelbe haͤlt auch und zeucht zuſammen alle Kraͤfte des Baumes. 
Darnach ſchm du die bittere Dualität, die macht den 
Baum beweglich daß er waͤchſt, gruͤnet und ferne Aeſte, Laub 
und Frucht krieget: Darnach ſchmeckeſt du die: füfle, die iſt 
gantz ſauftig und ſcharf; denn von der herben und bittern Qua» 
litaͤt krieget ſie die Schaͤrfe. 

33. Run dieſe Qualitaten waren finſter und codt, fo die Hitze 
nicht darinne wäre ; alsbald aber ber Frühling koͤmmt taß 

ie 


Ro 1. AURORA, Cap. 9, 
die Soñe mit ihren Strahlen die Erde erreiche und erwaͤrmet, 
fo wird der Geiſt in der Hige in dem Baume lebendig , und bes 
ben die Beifter des Baumes an zu gruͤnen / wachſen und blühen. 
Denn der Beift geber in der Hige auf, undalle Geiffer freuen 
fich darinnen und leben darinnen , und iſt eine hereliche Liebe 
jene ihtten. Die Hige aber wird durch Kraft und Trieb 
ber herben und bittern Qualitat in dem füffen Waffer geboren; 
der Sonnen Hige aber müffen fie zur Anzuͤndung gebrauchen : 
darum daß die Qualitaten in dieſer Welt bald todt und zu ohn⸗ 
machtig find, an welchem König Lucifer eine Urſache ift , wel: 
ches du bey feinem Fall und bey der Schöpfung diefer Welt 
finden wirft. | u ah A 
Von der freundlichen Liebe „ Holdfeligkeit und, Ei⸗ 
nigkeit dieſer funf Quell⸗Geiſter GDttes. 
34. Wiewol dis mit Menſchen Haͤnden unmoͤglich iſt ge⸗ 
nugſam zu ſchreiben fo ſiehet es doch der erleuchtete Geiſt des 
Menſchen; denn er gehet gleich in ſolcher Form und Geburt 
auf wie das Licht in der Goͤttlichen Kraft, und auch in denſelben 
Qualitaten, die in GOtt ſindd.. u07 
35. Allein das iſt zu beklagen bey dem Menſchen daß feine 
Dualitäten verderbet und halb todt ſind; darum dann des 
Menſchen Geiſt, oder fein Quellen, Aufſteigen oder Anzuͤnden 
in dieſer Welt zu keiner Volllommenheit kommen kan. 
36 Hinwiederum iſt ſich des hoch zuerfreuen;daß des Men⸗ 
ſchen Geiſt in feiner Nothduͤrftigkeit vom H Geiſt erleuchtet 
und angezuͤndet wird, gleichwie die Sonne die kalte Hitze in 
einem Baum oder Kraute anzuͤndet, davon die kalte Hitze le⸗ 
bendig wird. | TEL 
37Nun mercke: Bleichwiedie Glieder des Menſchen eines 
das ander liebet, alſo auch die Geiſter in der Goͤttlichen Kraft, 
da iſt nichts denn eitel Sehnen, Begehren und Erfuͤllen; darzu 
einer in dem andern Triumphiren und ſich Freuen; denn 
durch dieſe Geiſter kommt der Verſtand und Unterſcheid in 
GOit, in Engeln, Menfchen, Thieren und Vögeln; und in allem 
was da Iebet :denn in dieſen 5 Dualitäten gebet auf das Sehen, 
BR Schmecken und Fühlen,and wird ein vernunftiger 


ift. N Be: 
38. Wenn das Picht aufgeher, fo fiehet ein Geift den andern ; 
und wenn das ſuͤſſe Quell⸗Waſſer imdem Lichte durch alle * 


Cap. 9. Morgenrötheim Aufgang. mı 
ſter gehet, fo ſchmecket einer den andern ; alsdenn werden bie 
Geifter lebendig, und dringer die Kraft des Lebens durch alles ; 
und in derfelben Kraft reucht einer den andern, und durch dier 
ſes Duellen und Durchdringen fühlet einer den andern, und iſt 
nichts denn ein herglich Lieben, und freundlich Sehen, Wolrie> 
chen, Wolſchmecken und Piebefühlen, ein holdfelig Küffen, vone 
einander effen, trincken und Liebe fpagierem, | 

39. Das ift Die holdielige Braut, die fich in ihrem Braͤuti⸗ 
gam freiset, darinnen iſt Liebe, Freude und Wonne da iſt Licht 
und Klarheit, da ifklieblicher Geruch da iſt ein freundlicher und 
füffer Geſchmack. Ach und ewig ohn Ende, wiefan fich eine 
himmliſche Ereatur genugſam darinnen erfreuen! Ach Eiche 
und Holdfeligfeit ! haft du doch Fein Ende ; ſiehet man doch 
Kein Ende an dir ;deine Tieffe iſt uinerforfchlich ; du biſt überalf 
alfo ; nur in den grimmigen Teufeln nicht, die haben dich ver- 
derbet in ſich —* 

40. Sprichſt du nun: Wo find derin bie holdſeligen Geiſter 
anzutreffen ? wohnen fie nur in fich felber, im Himmel? Arts 
wort: Das iſt die andere offene Porte der Gottheit Dir 
magft alhier deine Augen weit aufthun, und den Geiſt in dei⸗ 
nem halb todten Hergen erwecken; denn es iff fein Dünckel, 
Gedicht oder Fantafep. | 

41. Mercke: Die fieben Beifter GOttes begreiffen in ihrem 
Cirt oder Raum den Himmel und diefe Welt, und die Weite 
und Tieffe auffer und uber de Himmel über der Welt , unter 
der Welt und in der Welt; ja dengangen Vater, der weder 
Anfang noch Ende hat. Sie begreifen auch alle Creaturen 
im Himmel und in diefer Welt; und alle Creaturen im Him- 
mel undin diefer Welt find aus dieſen Geiſtern gebildet, und 
leben darinnen als in ihrem Eigenthum: Und ihr Reben und 
Vernunft wird auf eine folche Weiſe in ihnen geboren, wie dag 
Göttliche Wefen geboren wird, und auch in derfelben Kraft. 
Und aus demſelben Corpus der 7 Geifter GOttes find alle 
Dinge gemacht und hergekommen alle Engel, ale Teufel , der 
Himmel, die Erde, die Sternen , die Elementa, die Menfchen, 
die Thiere, die Bögel, die Fifche , ale Wuͤrme, das Holg und 
Sr darzu Steine Kraut und’ Gras, und alles, was 


iſt. 
43. Run frageſt du: Weil denn GOtt überall iſt, und ſelber 
alles iſt wie kommts dann, daß in dieſer Welt ſolche NE 
ige 


— 
— * 





43. Als ſich König Lucifer erhub, Fo erhub er ſich in den. ſie⸗ 
ken Quell⸗Geiſtern, und zuͤndete die ſelben mit feiner Erhebung 
an, daßalles gank brennend wurde : die herbe Dualitst ward 
fo hart, daß ſie Steine gebar, und ſo kalt daß fie das fülle Quell⸗ 
Waſſer zu Eis machte. Und das ſuͤſſe Quell⸗Waſſer ward 
‚gar dicke und ſtinckicht, und die bittere Qualitaͤt ward gar mil 
‚sende, reiſſende und tobende, davon ſich die Gift empoͤret 
——— oder Hitze ward gang eiferig, bren⸗ 
* a! verzehrend, und war gang eine boͤſe Temperantz oder 
Vermiſchugg 
M deſes iſt nun König Lucifer aus ſeinem koniglichen 
Loco oder Stuhl geſtoſſen worden „ welchen er an dem Orte 
hatte, mo ietzt dev erfchaffene Himmel ift ; und iſt Alda bald.die 
Schoͤpfung diefer Welt darauf gefolget, und iſt die harte, derbe 
Materia, die fich. in den angezundeten ſieben Duell-Seifkerne 
gewircket hatte, zuſammen getrieben worden; davon iſt die 
Erde und Steine worden : hernach Find alle Creaturen aus 

em angezuͤndeten Salitter der ſeben Beifter GOttes ge⸗ 
affen worden. u Er an, 





>, 45. Run find die Duell-Beifter, alſo grimmig in ihrer Anz 

uͤndung worden, daß einer den andern immer verberbet mit 
. feinem boͤſen Quell; alfo thun num auch die Creaturen, die. aus 
den Quell⸗Geiſtern gemacht find, und in der ſelben Trieb leben, 


beiſſet, ſtoͤſet und neidet ſich alles, nach der, Qualitaten 


rf. —J 
46. Auf dieſes bat nun der gantze GOtt das juͤngſte Ge⸗ 
sicht befehloffen da will Er das Boͤſe von dem Guten I et 
* un 


4 


Cap.9. Morgenröthe im Aufgang. 113 
und das Gute wieder in bie fanfte und liebliche Wonne feger, 
wie es war vor der greulichen Anzuͤndung der Teufel, und will 
das Grimmige dem König Lueifer zu einer ewigen Behaufung 
geben. Und alsdenn werden aus diefem Reiche zwey Theile 
werben :das eine kriegen die Menſchen mit ihrem Könige TE- 
fü — ander die Teufel mit allen gottloſen Menſchen 
and Bosheit. 

47. Diefesift alſo eine kurtze Anleitung, damit der Leſer 
die Göttliche Geheimniß möchte defto bag verftehen : bey dem 
Zoll des Teufels und beyder Schöpfung diefer Welt wirft dur 
alles nach der Lange eigentlich befchrieben finden; will dero- 
wegen den Leſer vermahnet haben, daß er alles in feiner Ord⸗ 
sunglefe, ſo wird er auf den rechten Grund Eommen, 

48. Es iſt zwar von Anbeginn der Welt feinem Menſchen 
alfo gank offenbaret worden; meiles aber GOtt haben mil, 
laß ichs feinen Willen walten, und will zuſehen, was GOtt 
biemit thun will. Denn feine Wege, die Er für fich gehet, 
find mir meiftentheils verborgen; aber hintennach ſiehet Ihn 
der Geiſt Bis in die höchfte Tieffe. | 

8 + Das 10. Capitel. 
Don dem ſechſten Quell-Geifte in der 
| Goͤttlichen Kraft. 


| Summarien. 
SS Ton, Sprache. 5.1. Alle 7 Geifter find in einander. 2. 
Ss) Warum fie für einander geſetzet werden ? 3. Go ein Geiſt vers 
dirbet, verderben alle. 4. Solche Ereatur iſt ein Edel vor 
GOtt. 5.6. Die Hartigfeit it des Tons Duelbrunn.7.8. Geburt 
des Tons. 9. In der bittern Dualität werden alle Kräfte entichieden.ıo. 


ä 
* 


Der bittere Geiſt ſprenget ſie mit dem Blitz auf, daraus der Ton ger 


het. u. Darum haben die 7 Geiſter das Maul geſchaffen. ı2. Des 
Lichts Geburt. 13. Die Hitze erwecket in der Kälte Blis. 14. Das 
Licht iſt in der harten Dnalität corporlih.1s. Der bittern Dualitäf 
Urſprung; 16.17. ihre Gänftigung. 8. Gie hilft immer die anderen 
gebären_und ‚gebäret das Seuer. 19. 20. Alle 7 Geifter gebären 
aus.2ı. Der menfchliche Geift kan fienicht alle auf einmal begreiffen 22. 
eher Geift hat feinen Begriff, auch) im Menichen, auch in der Göttlir 

en Kraft.23. Das Fleiſch an den Dis nicht begreiffen, 24. er 
der wird nach der in ihme herrichenden Dualität gerichtet. 25. GOtt iſt 
dem Dat ABEND: 26. Der Autor ift als ein aͤngſtlich⸗gebaͤ⸗ 
rend Weib, der fich felbit nicht Eennet. 27°29. Die Hoffart hat das Gu⸗ 
te immer verdorben. 30. Der Mutter Troft.31.32. Der Blis gehet 
im Feuer auf und wird im Waſſer gefangen. 33. Das Hole brennet img 
Saft. 34. In —2 — wird der Blitz a 35. Die Bitterkeit 4 


— 


kein Locus oder Korpus. 59. Die Gottliche Geburt i 


114 UL AURORA:  Gap.ıo. 


im Holtze 36.37. Der Blitz gebäret das Licht.38. Die Geburtder 7 
Geiſter iſt ewig, und find alle7 ineinander wie ein Geiſt. 39.40. Nach 
eines Geiſtes Erweckung find Die Gedancken. 41. Wieder mas du dich 
erhebeſt, deſſen Qualitaͤt zundeit du an. 42._ Wie das angezündete 

euer zu lofihen. 43. Das eigene Liebe⸗Feuer ift das Ichadlichkte. 44. 45. 
gi Gemuͤthe bit du Herr über den Leib. 46. Der Seelen iſt alles Feuer⸗ 

trennen offenbar. 47. Wie du verfahren muft. 48. Achte der Welt 


Spott nicht, und verharre im Streit. 49. so. In GOtt iſt kein Streit, 


noch in den 7 Geiſtern. sr._ Der natürliche Menſch Eans nicht begreif? 
fen; 52. dem Autor iſts offenbaret.s3. Ju Gott iſt alleseins.sg. Die 
Geburt geſchicht verborgen. 55. Der Teufel hat dieſe Welt verdorben.56. 
Das Licht it in der Natur verdunckelt, nicht verlöfchet. 57. , Die 9. 
Drenfaltigkeit wird in Deinem Herken geboren. 58. gm ———— 
raue * 


nur in den Teufeln nicht. 60. Eott iſt allein allmaͤchtig Fl — 
Herrlichkeit wird rund um die Gottloſen ſeyn und ſie mit den Teufeln 
in eine Hoͤle einſchlieſſen. 62. 65. Da iſt keine Huͤlfe, ihre Quahl 
wird nur groͤſſer; 64. da iſts ald wenns immer donnert. 65. Be⸗ 
klagung. 66. | ARTEN 
Er ſechſte Duell-Seift in der Göttlichen Kraft iſt der 
Schall oder Ton, daß alles darinnen ſchallet und £ö- 
net, daraus die Sprache und Unterſcheid aller Dinge 
erfolget, darzu der Klang und Geſang der H. Engel, und ſte⸗ 
het darinnen die Formung aller Farben und Schoͤnheit, dar⸗ 
zu die himmliſche Freudenreich. — 
2. Nun frageſt du: Was iſt der Ton und Schall, oder wie 
nimt dieſer Geiſt ſeinen Quell und Urſprung? Mercke: Es 
werden alle ſieben Geiſter GOttes in einander geboren, einer 
gebaͤret immer den andern, es iſt keiner der erſte und auch kei⸗ 
ner der letzte: denn der letzte gebaͤret ſowol den erſten, als der 
erſte den andern, dritten, vierten bis auf den letzten. 
3. Daß aber einer der erſte und ander und ſo fortan genen⸗ 
net wird, wird dahin geſehen, welcher der erſte an der Bil⸗ 
dung einer Creatur und Formung iſt. Denn fie find alle 7 


' ‚gleich-ewig, und hat Feiner einen Anfang und Ende: und dar: 


um , daß die 7 Dualitäten immer eine die andere gebaͤret, und 
Feine auſſer der andern iff, 'erfolget, daß da fey ein einiger, 
eiviger , almachtiger GOtt. ya * 

4. Denn fo etwas aus und. m dem Goͤttlichen Weſen gebo⸗ 
ren wird, fowird daffelbe nicht durch einen Geift allein formi⸗ 
ret, fonderndurch alle fieben : und fo fich eine Creatur, die da 
ift wie das gange Wefen GOttes, ineinem Duell-Geifte vers 


derbet, erhebet und anzndet, fo zunder fie niche nur einen 


SGeiſt an, fondern alle fieben, 


5. Dar 


Cap. ıo. MorgenrötheimAufgang us 
5. Darmmrifkdiefeibe Creatur ein Eifel vor dem gangen 

BHDtt und allen feinen Creaturen, und muß in ewiger Feind: 
ſchaft und Schande ſtehen vor GOtt und allen Creaturen. 

6. Nun mercke: Der Ton oder Marcurius nimt ſeinen Ur⸗ 
——— das iſt, in der herben und harten Die; 

itaͤt aid 

7. Merike in der Tiefe: Die Haͤrtigkeit iſt der Quell⸗ 
Brunndes Tones: fiekan ihn aber alleinnicht gebaren , fon- 
Dern ſie iſt der Vater darzu, und der gantze Galitter iſt die 
Mutter; ſonſt wo die Haͤrtigkeit allein Bater und auch Mut⸗ 
ser des Tones wäre, ſo muͤſte ein harter Stein auch Klingen: 

Num aber ſchallet und pochet er nur als wie ein Same oder 
Anfang des Tones, und das iſt er auch gewiß. 

8. Der Klang aber oder die Stimme ſteiget im mittlern 
Centro auf in dem Blitze wo das Licht aus der Hitze geboren 
‚wird, da der Blitz des Lebens aufgehet. 

9. Mercke, wie dis geſchicht: Wenn die herbe Qualitat 
ſich mit der bittern reibet, daß die Hitze in dem ſuͤſſen Quell⸗ 
Waſſer aufgehet, ſo zuͤndet die Hitze das ſuͤſſe Quell⸗Waſſer 
wie ein Blitz an, und derſelbe Buͤtz iſt das Licht, der faͤhret in 
der Hitze in die bittere Qualitaͤt, da wird der Blitz enzfchieden 
nach aller Kaaft. — 

10. Dem in der bittern werden alle Krafte entſchieden and 
die bittere faͤhet den Blitz des bichts als ob fie grauſam erſchre⸗ 
cke, und faͤhret mit ihrem Zittern und Erſchrecken in die her⸗ 
be und harte Qualitaͤt, da wird fie corporlich gefangen. Und 
Die bittere Qualitaͤt iſt nun des Lichts ſchwanger, und zittert 
änder berben und harten Duakität , und rüget fich darinnen, 
und ift in der herben (harten) Qualitaͤt als in einem Corpus ge⸗ 
gefangen. | 

‚11. Und wenn ſich nun die Geiſter bewegen und wollen re⸗ 
den, fomuß fich dieharte Dualität aufthun : dennder bittere 
Geift mit feinem Blige fprenget fie auf, und alddenn gehet 
heraus der Ton, und iſt mit allen Geifteen ſchwanger; bie 

unterſcheiden das Wort, wie ed imCentre , das iſt im mitt: 
dern Cirkel, da es noch im Rath der 7 Geiſter war, beſchloſ⸗ 
ſen ward. 
12. Und darum haben die 7 Geiſter GOttes den Creaturen 
ein Maul gefchaffen ‚ da wenn fie reden oder ſchallen wollen, 
sicht erſt Dürfen zureiſſen: und ae gehen alle 1. un 
lie 24 2 raſ⸗ 


116 I. AURORA, Gapy.ıo, 


Kräfte oder Duell -Beifter in die Zunge, Daß der Schalloder 
Ton fein fanfte raus gehet. 

13. Hie merke eigen den Sinn und Geheimniß: Wenn der 
Blitz in der Hitze aufgehet, ſo faͤnget ihn erſtlich das ſuͤſſe 
Waſſer, denn darinnen wird er ſcheinend nun wenn dag 
Waſſer den Blitz fanget , das iſt, die Geburt des Ba fo 
erfchrickt es; und weiles ſo dunne und weich ift, fo weicht es 
gantz zitternde, denn die Hitze ſteiget in dem Lichte auf. 

14. Wenn denn nun die herbe Qualitaͤt, die da gar kalt if, 
die Hitze und den Blitz faͤnget, fo erfchrickt fie, ald wenn es 
metterleuchtet:: denn wenn die Hige mit dein Richei in die harte 
Kälte kommt , ſo thuts einen grimmigen Bliß „ gan Feuer- 
und Licht > Farbe, Derfelbe Blitz fahrer zurücke, und das 
füffe Waffer faͤnget ihn, und fahret in derfelben Geinmigfeit 
anf, und in dem Yuffabten und Erfchrecken verwandelt ſichs 
in grüne oder bimmelblaue Farbe, und zittert von wegen des 
grimmen Bliged. Und der Blitz an ihm felber behält feine 
Grinmigkeit, davon entſtehet die bittere. Dualitat oder der 
Bittere Geiſt: der fahrer nun in der herben Qualität auf, und 
entzündet die Hartigkeit mit feinem grimmen Quell ; und das 
Licht oder der Blig trocknet fich inder Hartigfeit, und ſcheinet 
belle, viel lichter als der Sonnen: —5— 

15. Es wird aber in der harten Qualitaͤt gefangen, daß es 
corporlicher weiſe beſtehet, und muß ewig alſo leuchten/ und 
der Blitz zittert in dem Corpus wie ein grimmiges Aufſteigen, 
damit werden immer und ewiglich alle Qualitaͤten geruͤget. 
Und der Blitz des Feuers in dem Licht zittert und triumphiret 
immer alſo, und das ſuͤſſe Waſſer ſaͤnftiget es immer alfo, und 
die Haͤrtigkeit iſt immer der Leib, der es behaͤlt und vertrock⸗ 
net. Und dieſes Ruͤgen in der Hartigkeit iffder Tom, daß es 
ſchallet/ und das Licht oder der Blitz macht den Klang, und 
das ſuͤſſe Waffer macht ven Klang fanfte, daß man ihn kan 
zum Unterfcheidder Rede gebrauchen. 

16. Hie mercke die Geburt derbittern Qualität noch bad: 
Der bittern Dualität Urſprung ift, wenn der Blig des Lebens 
in der Hiße aufgehet in die herbe Qualitaͤt: und wenn dantı 
nunder Blig des Feuers, in Vermiſchung des Waſſers, in 

"die herbe Dualitat kommt, fo faͤhet der Geiſt des feurigen 
Blitzes den herben und harten Geiſt; und das beydes zuſam⸗ 


men iſt ein eiferig ſtreng grimmig Quell u ug 
ren⸗ 


A — > 5 vr. h * 4 

Gap.ıc. Morgenroͤthe im Aufgang. 17 
ſtrenge reiſſet, gleich einer feurigen, ſtrengen Grimmigkeit. 
Ich kan es mit nichts vergleichen als nur mit einem Donner⸗ 
ſchlag, wenn das grimme Feuer zuvor-hernieder fahret, daß 
einem das Geſichte vergehet: daſſelbe grimme Feuer iſt dieſer 
beyder Conjunction Art. = 

17. Nun mercke: Wenn num diefer Feuer-Geift und der 
berbe Geiſt fich mit einander wurgen, fo macht der herbe eine 
geffrenge, harte, Falte Herbiafeit, und der feurige eine 
ſchreckliche, arimme Hitzigkeit. Nun das Aufſteigen der 
Hige und der Herbigkeit macht einen zitternden, grimmen, er- 
ſchrecklichen Geiſt, der da wuͤtet und tobet, als wolte er die 
Gottheit zutrennen. 

18. Du muſt aber dis eigentlich verſtehen: Dis iſt alfo in 
der Qualität Urfprung in fich felbft: aber mitten im Aufftei= 
gen diefes grimmen Geiſtes wird diefer Geift im füffen Waſſer 
gefangen, und wird aefanftiget; da wandelt fich fein grim⸗ 
mig Duell in eine zitternde, bittere und arünliche Farbe, gleich 
der grünlichen Dunckelheit, und behalt in fich aller 3 Duali- 
täten Art und Eigenſchaft, als nemlich der feurigen herben 
und füllen, und entſtehet aus diefen 3en die vierte Dualitat, 
als nemlich die bittere, 

19. Denn von der feurigen Qualitaͤt wird der Geiſt zittern: 
de und higig, und vonder herben wirder fErenge, herbe, harte 
und corporlich, daß es ein Geiſt iſt, der immer beftehet, und 
von der füffen wird er fanfte, und die Grimmigfeit verwan- 
delt fich in eine fanfte Bitterheit ; der ſtehet nun in dem Duell- 
Brunne der 7 Geiſter GOttes, und hilft immer die andern © 
Geiſter gebaren. - 

20. Berftehedisrecht: Er gebaret fomolfeinen Vater und 
feine Mutter, als ihn fein Vater und feine Mutter gebaret: 
denn nachdem er corporlich geboren iſt, fo gebaret er nun mit 
der herben Dualität immer wieder das Feuer , und das Feuer 
gebaret das Licht, und das Licht iftder Blitz, dag gebaret im⸗ 
mer wieder das Leben in allen Quell⸗Geiſtern, davon die 
So das Leben haben, und immer einer den andern wieder 
gebaret. 

‚21. Albie ſolt du aber wiffen , daß nicht ein Geift allein Fan 
einen andern gebaͤren, ihrer zweene koͤnnens auch nicht thun; 
ſondern die Geburt eines Geiltes — in aller 7 RER Wir: 

3 ung: 


1 A I, AURORA, Gaw.ıo, 
ung: ihrer 6 gebaren immer den fiebenden ; und fo einer 
nicht ware, fo wäreder ander auchnicht. 

22. Daß ich aber alhier bisweilen nur zweene oder drey zur 
Geburt eines Geiſtes ernenne, das thue ich um meiner ſelbſt 
Schwachheit willen: denn ich kan fie nicht alle 7 in meinem 
perderbten Behirne in ihrer Volkommenheit auf einmal ertra⸗ 
gen. Ich fee fie wokalle7 ; aber wenn ich fpecufive in fie, fo 
fteigerder Geift im mittlern Quell⸗Brunne auf, da fich der 
Geiſt des Lebens gebaret ; der ſteiget num über fich oder unter 
fich, und kan die Geiſter GOttes nicht alle. 7 aufeinen Gedan- 
cken oder aufeinmalbegreiffen,, ſondern ſtuͤckweiſe. 

23. Ein ieder Geiſt hat ſeinen eigenen Quell, und ob er gleich 
von den andern geboren wird: alfo iſt auch die Begreiflichkeit 
des Menſchen, er hat wolden Duell-Brunn aller 7 Geiſter in 
fich; aber in welchem Duell der Geiſt aufſteiget, deſſen Quell: 
Geifter , darinnen derſelbe Geiſt am ſtaͤrckeſten gebildet wird, 
begreift er im felben Auffleigen am ſchaͤrfeſten. Denn auch 
inder Göttlichen Kraft ein Geift auf einmalin feinem Aufſtei⸗ 
ger nicht alle 7 Geiſter zugleich durchfaͤhret: wenn er aufſtei⸗ 
get, ſo ruͤget er ſie wol alle 7 aufeinmal; er wird aber in ſei⸗ 
nem Auffeigen gefangen, Daß er feinen Pracht iegen muß,und 
nicht uber alle fieben triumpbhiven. [,, It das Weſen der 
„Sinnen und Gedanden: fonften fo ein Gedancken 
„durchs Centrum Naturz Eönte durch alle Geftalten geben, 
ſo wäre er vom Bande der Yiatur frey.] 

24. Alfo ifts auch im Menfchen : wenn ein Quell⸗Geiſt auf? 
fleiget, forüget er die andern alle , und fieher die andern alle; 
denn ex fleiget im mittleren Duell-Brunne des Hertzens auf, da 
ſich inder Hitze der Blitz des Lichtes anzuͤndet, Darinnen der 
Geift in feinen Auffteigen in demfelben Blige durch alle Gei⸗ 
fer ſiehet. Es iſt aber in unferm verderbten Fleifche nur wie 
ein Werterleuchten : denn fo ich den Blitz, den ich gar wol fe: 
he und erkenne, wie er ift, Eönte in meinem Fleiſche begreif⸗ 
fen ‚ fo wolte ich, meinen Leib damit verflären, [., aus dem 
„Blitze kommt das Richt der Micjeftät., ] fo würde er 
nicht mehr dem thierifchen Leibe ahnlich fehen , fondern den 
Engeln. GOttes. a — 

2. Aber höre Fritz, warte noch eine Weile, und gib den 
thierifchen Leib den Würmen zur Speife: wenn aber der gan- 
tze GOtt mird die 7 Geiſter GOttes in der verderbten * 





 Cap.ıo, MorgenrötheimAufgang. 119 
anzunden, alsdenn wird derſelbe Salitter , den du in die Erde . 
faeft , des Feuers nicht faͤhig ſeyn; ſo werden deine Duell- 
Geiſter in deinen von Hinnen Abſcheiden in demfelsen Salit⸗ 
ter , den dugefaet haft, wieder aufgehen, und darinnen tri— 
umpbiven, und wieder ein Corpus werden. Welcher aber 
des angezundeten Feuers der fieben Geifter GOttes wird fa- 
big feyn, der wird darinnen bleiben, und feine Duell-Seifter 
werden in böllifcher Pein aufffeigen, welches ich an feinem 
Drte klar beweifen will. 

26. Ich kan dir nicht die gantze Gottheit in einem Cirkel 
beſchreiben: denn Sie iſt unermeslich, aber dem Geiſte, der 
in GOttes Liebe iſt, nicht unbegreiflich; er begreifts wol, aber 
nur ſtuͤckweiſe: darum faffe eines nach dem andern, fo wirft 
du das Gantze ſehen. In dieſer Berderbung fönnen wir nicht 
höber , denn mit einer folchen Offenbarung ; und nicht höher 
befchleuft fich diefe Welt, beydes der Anfang und das Ende. 
[Ich wolte auch gern etwas böbers ſehen in dieſer mei⸗ 
„ner ängftlichen Gebaͤrung, Damit mein krancker Adam 
„gelabet würde; aber ich febe mich in der ganzen Welt 
„um, und Eannichts erforfchen, es iftalles Frand, lahm 
„und verwundt, darzu blind, taub und ſtumm.] 

27. Ich habe viel hoher Meifter Schriften gelefen, in Hoff⸗ 
nung den Grund und die rechte Tieffe darinnen zu finden ; aber 
ich habe nichts Funden, als einen halb⸗todten Geift, der ſich 
angftet zur Gefundheit, und Fan doch um feiner groflen 
Schwachheit willen nicht zur vollfommenen Kraft kommen. 

28. Alto ftehe ich noch als ein aͤngſtlich Weib in der Geburt, 
fuche vollfommen Pabfal, und finde nur den Geruch im Auf⸗ 
ffeigen, darinnen der Geift prüfet, was in dem rechten Lab⸗ 
fal fur Kraft ſtecket, und labet fich derweil mit dem vollkom⸗ 
menen Öeruche in feiner Kranckheit, Bi der rechte Samariter 
wird fommen, und wird ihm feine Wunden verbinden und 
beilen, und wird ihn in die ewige Herberge führen : denn wird 
er auch des vollfommenen Geſchmacks genieffen. | 

29. Diefes Kraut, das ich alhie meine, von welches Ge⸗ 
ruche ſich mein Geift labet, Fennnet nicht ein ieder Baur, auch 
nicht ein ieder Doktor, es iſt ja einem wol fo unfentlich als dem 
andern: es waͤchſt wol in einem ieden Garten, aber in matt» 
chem iſts gang verderbet und böfe; denn die Qualität des 
Ackers iſt Schuld daran, Se kennet mans nicht, es den 

. ..934 ne 


10 I. AURORA  dGay.ıo, 
nens auch wol kaum die Kinder diefer Geheimniß, wiewol die- 
fe Erkentniß vonder Welt ber theur gemefen iff. 

30. Dbgleich in manchem iftein Duell aufgangen, fo ift 
die Hoffart hernach gedrungen, und hats alles verderbet; da 
bat ers in feiner Mutter-Sprache flugs nicht fehreiben wollen, 
er hat vermeinet, es ſey zu kindiſch, er muͤſſe fich in tieffer 
Sprache fehen laffen , damit die Welt fehe daß er ein Mann 
ſey, und hats in feinem Vortheil aleich wie verborgen gebal- 
ten, und mit tieffen fremden Namen verkleiftert, daß mans 
nicht kennet; eine folche Beitia iff des Teufels Hoffartzfücht. 

31. Aber höre du einfältige Mutter, die du alle Kinder zu 
diefer Welt gebaͤreſt, melche fich hernach in ihrem Auffteigen 
deiner fehamen , und dich verachten , und find doch deine Kin= 
der, die du geboren haft: So fpricht der Geiſt, der in den 7 
Beiftern GOttes auffteiget , derda if dein Vater: Verzage 
nicht, fiehe, Ich bin deine Stärde und deine Kraft, Ich 
will dir einfchencken einen fanften Trunck in deinem Alter. 

32. Weildich alle deine Kinder verachten, die du geboren 
und inihrer Tugend gefüuget haft, und mollen deiner indei- 
nem hohen Alter nicht pflegen , fo will ich dich troͤſten, und 
dir in deinem hohen Alter geben einen jungen Sohn, der foll in 
‚ deinem Haufe bleiben, meildu lebeſt, und deiner pflegen und 

—— ‚ wieder alles Wuͤten und Toben deiner ſtoltzen 
inder. 
Nun mercke hie weiter vom Marcurio, Ton 
oder Schalle. 

33. Es nehmenalle Qualitäten in Mitten ihren anfaͤngli⸗ 
hen Urfprung: mercke, wo das Feuer geboren wird ; denn 
daſelbſt geher auf der Blig des Lebens aller Qualitäten, und 
wird indem Wafler gefangen, daß er leuchtend bleibet, und 
in der Herbigkeitvertrocknet, daß er corporlich bleibet, und 
belle ſcheinend wird. | 

34. Hie merke: Zünde ein Holtz an, fo wirft du die Ge- 
beinmiß fehen.;, das Feuer zündet ſich an inder Hartigfeit des 
Holßes , das. iſt nun der herbe, harte Duell, der Sarurnus- 
Duell, der macht das Holtz hart und derbe. Nun aber be- 
ſtehet nicht das Licht, das iſt, der Blitz in der Hartigkeit, 
ſonſt brennete ein Stein auch; ſondern das Licht beſtehet in 
dem Saft des Holtzes, das iſt, in dem Waſſer. Weil Saft 
in dem Holtze iſt, ſo leuchtet das Feuer als ein ſcheinend F 





Cap.io. Morgenröthe im Aufgang. 121 
wenn aber der Saft in dem Holtze verzehret iſt, ſo verliſcht das 
ſcheinende Licht, und iſt das Holtz eine gluͤende Kole. 

35. Nun ſiehe, die Grimmigkeit, die in dem Lichte auffaͤhret, 
die beſtehet nicht in dem Waſſer des Holtzes; ſondern wenn die 
Hitze in der Haͤrtigkeit aufgehet, ſo wird der Blitz geboren, den 
faͤnget zu erſt der Saft im Holtze, davon wird das Waſſer 
ſcheinende. Die Grimmigkeit oder Bitterkeit aber wird ges 
boren in Mitten der Hartigkeit und der Hitze indem Blitze und 
darinnen beftehet fie auch, und fo weit als der Blitz reicht, das 
ift, des Feuers Lohe, fo weit reicht auch die Grimmigfeit der 
Bitterfeit, welche der Hartigkeit und Hitze Sohn iſt. 

36. Diefes Geheimniß aber folt du wiflen,, daß die Bitter- 
feit vorhin fihon in dem Holtze iſt; ſonſt gebare fich die grims 
me Bitterfeit nicht alfo bliglich im natürlichen Feuer. 

37. Denn gleichtwie fich der Corpus des Feuers gebäret, 
wenn man Holg anzündet, gleich auf eine folche Weile wird 
auch das Hols in der Erden und über der Erden geboren. 

38. So aber die Grimmigkeit in dem ſcheinenden Fichte ges 
boren würde, fo wurde fie freylich auch alfo weit reichen als 
des Lichtes Glanß ; fo aber gefchicht das nicht. Das iſts aber, 
der Blig if des Lichtes Mutter : denn der Blitz gebaret das 
Licht von fich, und ift der Grimmigfeit Vater, denn die Grim⸗ 
migfeit bleibet im Blitze als ein Same im Vater , und derfelbe 
Blitz gebäret auch den Ton oder Schall. 

39. Wenn er vonder Hartigkeit und Hiße ausgehet / ſo pocht 
die Hartigkeit im Blige, und die Hige Elinget, und das Licht in 
dem Blige macht den Klang helle, und das Waffer macht ihn 
fanfte, und in der Herbigfeit oder Hartigkeit wird er gefangen 
und vertrocknet, daß es ein corporlicher Geiſt in allen Qualitaͤ⸗ 
ten. Denn einieder Geiſt in den 7 Geiftern GOttes iſt aller 
7 Beifter ſchwanger, und find alle in einander wie ein Geiſt, 
Feiner iſt auffer dem andern: Allein eine folche Geburt hat es 
darinnen, und alfo gebaret einer den andern in und durch fich 
felber, und die Geburt wahrer von Emigfeit zu Emigfeit alfo. 

40. Albier will ich den Lefer verwarnet haben, daß er die 
Göttliche Geburt recht betrachte. Du ſolſt nicht dencken, daß 
ein Geiſt neben dem andern fEehe, wie du die Sternen amHim⸗ 
mel ficheft neben einander ſtehen; fondern fie find alle 7 in ein⸗ 
ander wie ein Geiſt: wie du das in einem Menſchen kanſt ſe⸗ 
ben, der hat mancherley Gedancken 5 wegen der — 

— 55 er 


122 WWSAURORA, .. @ap.ıo, 


@ 


der 7 Beifter GOttes, welche den menfchlichen Corpus innen: 
halten ; aber du muſt fagen, [bift du aber nicht thöricht] daß 


ein iedes Glied im gantzen Corpus des andern Kraft hat. 


41. In welcher Qualitaͤt daß du aber den Geiſt erweckeſt 


und qualificirend macheſt, nach derſelben Qualitaͤt ſteigen auch 
die Gedancken auf, und regieren das Gemuͤthe. Erweckeſt 
dir den Geiſt im Feuer, fo quillet in dir auf der bittere und har- 


te Zorn : denn alöbald das Feuer angezuͤndet wird, welches in 


der Hartigkeit und Grimmigkeit gefchicht, fo quellet Die bittere 
Grimmigkeit im Bliße. 

42. Denn wenndu dich in deinem Leibe erbebeft wieder et⸗ 
was, e8 fey wieder Liebe oder Zorn, wieber dag du dich num er: 
hebeft, deffen Dualitat zundelt du an, und das brennet in dei= 
nem zufammenzcorporirten Geiſte: in dem Blige aber wird 
derfelbe Quell⸗Geiſt erwecket. Denn wenn du etwas anſie⸗ 
heit, das dir nicht gefalt, das wieder dich iſt, ſo erhebeſt du den 
Brunn des Hergend , ald wenn du einen Stein naͤhmeſt und 
fehlugeft auf ein Feuereifen, und wenn der Funcke im Hergen 
fanat, fo zundet fich dag Feuer am, erftlich glimmet es; wenn 
du aber den Brunn des Hergeng fehrer erhebeft, fo iſt es, als 
wenn du ing Feuer bliefeft, daß fich Die Rohe anzuͤndet, denn iſt 
es Zeit löfchen ; oder wird das Feuer zu groß, fo brennets und 
verzehrets, und thut an feinem Nachften Schaden. 

43. Sprichft du nun: Wie kan mar das angezuͤndete Feuer 
Töfchen ? Höre, du haft das fuffe Quell⸗Waſſer in dir : geuß ing 
euer, fo erlifchts ; laffejt du es brennen, fo verzehret es dir den 
Saft in allen 7 Quell⸗Geiſtern daß du trocken wirft. Wenn 
das gefchicht, fo biſt dir ein Höllenbrand und Schurfnittei des 
höllifchen Feuers, und iſt dir ewig fein Rath. | 

44. Wenn dur aber etwas anfiebeft, Das dir liebet, und erwe⸗ 
ckeſt den Geiſt im Hergen, fo zundeft du das Feuer im Hergen 
an, das brenneterftlich im füffen Waffer als eine gluͤende Kole, 
Meiles nun glimmet, fo iſts nur eine fanfte Luſt in dir, und 
verzehrer dich nicht; wenn du aber dein Hers fehrer erhebeft, 
und zündeft den füffen Duell at ‚daß er eine brennende Lohe 
wird, fozundeft du alle Duell-Beiffer an; denn brennet der 
gantze Leib, und greiffet zu Maul und Haͤnde. | 

45. Dieſes Feuer iſt das fehadlichffe, und hat von der Welt 
her am meiften verderbet, und iſt gar ſchwer zu löfchen : denn 


wenn es angezündet wird, fo brennet es im füffen EB, I 
| itze 


1 * — —— N, 
Cap.ro. Morgenröthe im Aufgang. 123 

Blitze des Lebens, und muß durch die Bitterfeit gelöfchet wer⸗ 
den; welches doch gar ein elend Waſſer iſt, fondern vielmehr 
Feuer. Darum folget auch gar ein trauriges Gemuͤthe, 
wenn einer das ſoll laſſen, das in ſeinem Liebe⸗Feuer brennet in 
dem ſuͤfſſen Quell⸗Waſſer. 

46. Aber das ſolſt du wiſſen, daß du in deinem Regiment des 
Gemuͤthes dein eigen Herr biſt: es gehet dir fein Feuer in dei⸗ 
nem Cirkel des Leibes und Geiſtes auf, du erweckeſt es denn 
ſelber. Wahr iſts, es quellen alle deine Geiſter in dir, und 
ſteigen in dir auf, und hat freylich ein Geiſt immer gröf 
fere Macht und Kraft in dir als der ander. Denn wenn 
in einem Menſchen das Regiment der Geiſter wäre wie 
im andern, fo hatten wiralle einen Willen und Geſtalt; aber 
fie find alle 7 in der Gewalt deines zufammen-corperirs. 
ten Geiftes, welcher Geiſt die Geele heiſt. [»Die bar 
„in fich das ıte Principium, dee Seelen Geift das 2te, 
„und der Sternen Geift in den Elementen das te, als 
„dieſe Welt.] 

47. So ſich nun ein Feuer in einem Quell⸗Geiſt erhebet ‚fo 
ift3 der Seelen nicht verborgen, fie mag alsbald die andern 
Duellgeifter aufwecken, die dem angezundeten Feuer zumieder 
find, und maglöfchen. Willaber das Feuer zu_ groß werden, 
fo bat ſie ihr Gefaͤngniß, da mag fie den angezundeten Geiff 
einfchlieffen, ald nemlich in die Harte, herbe Qualitaͤt; und die 
andern Geiſter muͤſſen ihre Stockmeiſter ſeyn, bis ihnen der 
Zorn vergehet, und das Feuer ausliſchet. 

48. Mercke, mas das iſt: Wenn dich ein Quell⸗Geiſt zu hart 
zu einem Dinge treibet, das wieder der Natur Gefege iſt ſo 
muff du deine Augen darvon abwenden : will das nicht helfen, 
fo nim denfelben Beift, und wirfihn ind Gefaͤngniß. Das ift, 
wende dein Herße von zeitlicher Wolluft, von Freſſen und 
Sauffen, vondem Reichthum diefer Welt, und dencke daß heu⸗ 
teder Tag deines Leibed Ende iſt; wende dich von der Welt 
Uppigfeit, und ruffe ernftlich zu GOtt, und ergib dich Ihm. 

49. Wenn bu das thuft, fo fpottet die Welt deiner, und muſt 
ihr Narr ſeyn: dis Creutz trage mit Gedult, undlaß den ge: 
fangenen Geiſt nicht wieder aus dem Gefaͤngniß, und traue 
GHtt, Er wird dir aufſetzen die Erone der Göttlichen 


Freuden. 
| 50. Reiſt 


» 30. Reift bir aber der Geift wieder aus dem Gefaͤngniß, fo 
ſetze ihn ——— halt Part mit ihm, weil du lebeſt: wenn 
du nur fo viel erhaͤltſt daß er dir nicht den Brunnquell des Her⸗ 
gend gar anzundet, davon deine Geele ein duͤrr Feuerholg 
wird, und ieder Quell noch feinen Gaft hat, wenn du von hin: 
nen feheideft ; fo wird dir das angezündete Feuer am Juͤngſten 
Tage nichts ſchaden, und wird in deinen Gaft-Beiftern nicht 
haften ;fondern du wirft nach diefer angfklichen Truͤbſal in der 
Auferftehung ein triumphirender Engel GOttes feyn. 

51. Nun möchteft du fagen : Sit denn in GOtt auch ein Wie- 
dermille zwifchen den Geiſtern GOttes? Nein: ob ich gleich 
alhie ihre ernftliche Geburt anzeige, wie die Geiſter GOttes fo 
ernftlich und ſtrenge geboren werden, Dabey ein ieder gar wol 
den groffen Ernft GOttes verftehen mag; fo erfolget darum 
nicht, daß eine Uneinigkeit zwiſchen ihnen fey. 

52. Denn die allerinnerlichite, tieffefte Geburt im Kern iff 
nur alfo, welches Feine Creatur im Corpus fan ergreiffen ; fon= 
dern im Blige, wo der verborgene Geiſt geboren wird,da wird 
es ergriffen : denn derfelbe wird auch auf eine ſolche Wei: 
fe und in folder Kraft geboren. 

53. Mir aber wird die Porte meines Gemuͤthes eröffnet, daß 
ichs feben und erkennen kan, fonff würde es bey mir mol ver: 
borgen bleiben big an Tag der Auferffehung von den Todten: 
es iſt auch von der Welt ber allen Menfchen verborgen gewe⸗ 
fen ; aber ich laſſe es GOtt walten. 2 
54. In GOtt triumphiren alle Geifter wie ein Geiſt und ein 

Geiſt ſaͤnftiget und liebet immer den andern, und iſt nichts 
denn eitel Freude und Wonne; ihre ſtrenge Geburt aber, wel⸗ 
che im Verborgenen geſchicht, Die muß alſo ſeyn; denn das Le— 
ben und der Verſtand und die Allwiſſenheit wird alſo geboren, 
und das iſt eine ewige Geburt, die keinmal anders iſt. 

55. Du muſt nicht dencken, daß im Himmel etwan ein Cor- 
pus ſey, der nur alſo geboren werde, den man fuͤr alles andere 
GOtt heiſſe: nein; fondern die gantze Göttliche Kraft, die ſel⸗ 
ber Himmel und aller Simmel Himmel iſt, wird alſo geboren: 
und das heift GOtt der Vater, aus dem alle H.Engel find ge- 
boren worden und auch in derfelben Kraft leben,und wird auch 
aller Engel Geiſt inihrem Corpus immer und ewig alfo gebo- 
. ren, darzu auch aller Menfchen Geiſt. u, 

56. Denn diefe Welt gehöre gleichwol zum Corpus — 
e 





Gap. 10. Morgenröthe imAufgang. 125 
des Vaters, ald der Himmel; aber die Geiſter find in der 
Kaumlichkeit diefer Welt durch König Lucifer angezundet 
worden in feiner Erhebung, daß alles in diefer Welt wie halb 
verfcehmachtet und todt iff : darum find wir arme Menſchen fo 
gar verblendet, und leben in groffer Gefahrlichkeit. | 

57. Du folt aber darum nicht dencken, daß das himmlifche 
Licht indiefer Welt in den Duellgeiftern GOttes gar verlos 
ſchen ſey: nein , es iſt nur eine Dunkelheit, welches wir mit 
unfern verderbsen Augen nicht ergreiffen koͤnnen; fo aber 
GOtt die Dunkelheit weg thut, die uber dem Lichte ſchwebet, 
und würden dir deine Augen eröffnet, fo faheft Dit auch hie an 
der Stelle, mo du in deinem Gemache fteheft, figeft oder lie- 
geft, das ſchoͤne Angefichte GOttes und die gantze himmlifche 
Morten. Du dörfteft deine Augen nicht erft in Himmel 
fchwingen, denn e8 ftehet geſchrieben: Das Wort ift dir nahe, 
nemlich aufdeiner Lippen und in deinem Hergen, (Deut. 30:14. 
Rom 10:8.) 

58. Alfo naheift dir GOtt, daß die Geburt der H. Dreyfal⸗ 
tigkeit auch in deinem Hergen geſchicht; es werden alle 3 Per: 
fonen in deinen Hergen geboren, GOtt Vater, Sohn H.Geiſt. 

59. Wenn ich nun alhie fehreibe von dem Centro oder Mit: 
ten, daß der Duellbrunn der Böttlichen Geburt inder Mitten 
fey , fo hatsnicht Die Meinung, daß im Himmel ein befonder 
Ort ſey, oder ein befonder Corpus, da dag Feuer des Göttli- 
chen Lebens aufgehe ‚aus melchem die fieben Beifter GOttes 
ausgehen in diegange Tieffe des Vaters ; fondernich rede auf 
corporliche, oder englifche, oder menfihliche Weife, um des Le⸗ 
fers Unverflandes willen, auf Art und Weife, wie Die englifche 
ar find gebildet worden, und wie es in EDtt über: 
alt iſt. 

60. Denn du kanſt feinen Ort weder im Himmel noch in 
diefer Welt ernennen, da die Göttliche Geburt nicht alſo ſey es 
fen gleich in einem Engel und heiligen Menſchen, oder auffer 
demſelben. WoeinDuell-Seift inder Görtlichen Kraft bes 
ruget wird; die Gtatte ſey gleich wo fie. wolle [nur inden Teu⸗ 
feln nicht ‚und in allen gottlofen verdammten Menſchen 
niche) ; fo iſt ſchon der Quellbrunn der Göttlichen Geburt vors 
banden ; da find Schon alle fieben. Duell-Geifter GOttes, ald 
wenn du einen räumlichen, crentürdichen Cirkel ſchloͤſſeſt und 
haͤtteſt die gantze Gottheit befonder barinnen ‚gleichwie fie in 

| einer 


126 I, AURORA: _ Gap.ıo, 
einer Erentur geboren wird : alfo auch in der gantzen Tieffe des 
Vaters an allen Enden und allen Dingen, > ! 
61. Und auf eine folche Weife if GOtt ein allmachtiger, all- 
wiffender,allfehender, allhoͤrender, allriechender, allſchmecken⸗ 
der, allfuͤhlender GOtt, der uͤberall iſt, und der Creaturen 
Hertzen und Nieren pruͤfet. Und auf ſolche Weiſe iſt Him⸗ 
mel und Erde fein, und auf eine ſolche Weiſe muͤſſen alle Teu⸗ 
fel, famt allen gottloſen Menſchen feine ewige Gefangene ſeyn, 
und in dem Salitter, den ſie in ihrem Loco verderbet nd an⸗ 
gezuͤndet haben, ewige Pein leiden, und darzu ewige Schmach 
und Schande. J 
62. Denn das gantze ſchoͤne Angeſichte GOttes, ſamt allen 
H. Engeln wird über ihnen und unter ihnen und auf allen Sei⸗ 
ten neben ihnen ſchoͤn, herrlich und Elar leuchten ; und al» 
le 9. Engel, mit ſamt allen heiligen Menfchen , werden uber 
ihnen und ımter und neben ihnen ewig friumphiren, und von 
groffer Freude, Wonne und Lieblichkeit fingen, von GOttes 
Heiligkeit, von ihrem Föniglichen Regiment, von der holdfeli- 
gen Frucht des himmliſchen Gewaͤchſes, und das wird nach 
der Dualitat der 7 Geiſter GOttes auf viel Stimmen er- 
eben. | 
2 63. Dargegen werden die Teufel mit allen gottlofen Men⸗ 
fchen in eine Hole gezwaͤnget werben, alda wird hoͤlliſcher Ges 
und auffteigen ; und dag höflifche Feuer, und 


ſtanck augen 
hoͤlliſche Kalte und Bitterfeit wird nach Arc und Weife der 


angezundeten Geifter GOttes ewig in ihrem Corpus , ſowol 


auch in ihrem Revier brennen. Ja wenn fie noch Eönten im 


ein Loch geſperret werden, Daß fie das zornige Angeſichte GOt⸗ 
tes nicht beruͤhrte, fo waren fie noch zufrieden, und doͤrften 

nicht ewige Schmach und Schande ertragen. i 
64. Aber da iſt keine Huͤlfe, ihre Quaal wird nur gröffer: je 
mebr fie es betrauren, je mehr zuͤndet fich die böllifihe Grim⸗ 
migkeit ans fie muͤſſen inder Höllen liegen wie Die Todtenbeis 
ne, wie die verfengten Schafe im Feuer; ihr Geſtanck und 
Greuel naget fie, fie Dürfen ihre Augen nicht aufheben vor 
Schande: denn fie fehen in ihrem Revier nichts als nur einen 
ftrengen Richter, und über fich und auf allen Seiten fehen fir 
die ewige Freude. Nicht daß fie Die ergueiffen oder ſe⸗ 

„ben ; fondeen fie haben ein Willen im Centro davon. ] 

65. Da iſt Ach und Web, Selffen und Schrepen Bar 
rret⸗ 


> 


Cap ro. Moraenröthe im Aufgang. 127 
Errettung; ihnen iſt als wenns immer donnert und wetter: 
leuchtet, denn alſo gebaͤren ſich die angezundeten Geiſter GOt⸗ 
tes. Mdie Haͤrtigkeit gebaͤret harte, rauhe, kalte und herbe 
Qualitaͤt; (2) die Suͤſſigkeit iſt verfihmachter als wie eine 
gluͤende Kole, da fein Saft mehr im Holtze iſt, die lechzet und 
iſt Fein Labſal da ;(3) die Bitterkeit reift wie hitzige Peſtilentz, 
und iftbitter ald Ballen ;(4) das Feuer. brennet als grimmiger 
Schwefel ;(g)die Liebe iff eine Feindſchaft; (6) der Schall ift 
nichts als harte-pochen,gleich einem holen Feuerklang, als ob 
es einen Donnerfhlag that ; das Revier des 7 Corpus iſt ein 
Trauer⸗Haus. Ihre Speife iſt Greuel, und waͤchſt aus al: 
ler Dualitat Grimmigkeit: Ach und ewig ohne Ende,da iſt kei⸗ 
ne Zeit, ein ander König ſitzet auf ihrem Stuble , der halt ein 
ewig Gerichte, fie find nur feiner Fuffe Schemel. 

66. Ach Schönheit und Wolluſt diefer Welt, o Reichthum 
und ftolge Pracht, o Macht und Gewalt! dein unrechtes Be- 
richte und groffe Pracht mit aller deiner Wolluſt liegt alles 
aufeinem Hauffen, und ft hölifch Feuer worden. Nunfsig, 
nun fauf; nun ſchmincke dich mit, num herrſche darinnen; du 
ſchoͤne Göttin, mie biſt du zur Hure worden, und deine Schan⸗ 
de und Schmach wahrer emäglich ! 


Bu Das . Eapitel. 
Don dem fiebenden Quell-Geift in der 
Goͤttlichen Kraft. Be 


Summarien. — — 
Je de Qualitaͤt iſt der Natur⸗Leib, daraus alles formiret 
Hier wird die Wirckung der gantzen Gottheit begriffen. 2, War⸗ 
— nung.3. In GOtt iſt der Blitz ewig im Aufgang : nicht in dem 
Fleiſche alſo. 4.5. Alle 7 Beifter kan Feine Ercatur begreiffen. 6. Ohne 
dem Blitz iſt alles finfter. 7. Er wird aus dem 4 eriten geboren z ib. in 
der sten als Fiebe, wird er fanft , Daraus der Ton und Freude. 8.9. Der 
zbe bat aller Geiſtet Kraft,und beftehet in feiner Garbe,alg der Hininel. 
111. Sim zden Geifte ſtehet der Blitz in Mitten.iz. Dieie 7 Geifter ge: 
baren das Ficht, welches beſtaͤndig in ihren leuchtet. 13.14. Wiederhoh: 
dung der 7 Geifter Geburt. (1) Herbe, (2) Süffe, (3) Bitter, (4) daB 
euer,ıs. (5) die Liebe, 16, (6) der Eon, 17. (7) die Natur.ıg. Chris 
us ift Das ewige Licht i9. die Geifter find Gtt der Vater ; der Aus⸗ 
gang iſt der H. Geift. 20... Der Blitz bleibet in Mitten, als das Herb. 21. 
Sind alſo 3 linteriheide in GOtt. 22. Pebeit du im Lichte, mol Dir 
| 
Ir 





ewig!23. Der Glaube bläfet die Hofnung auf, und wird im Blitz gebo⸗ 
ven. 24, Ein guter Baum traͤget gute Fruͤchte. 25, Nichts a 








2 
* 
— 


“28 1:1 AURORA, Cap. io. 


ber Liebe ſcheiden, ſo wir nicht wollen, 26. Was man geſaͤet hat, wird 
man ernten, 27. GHtt fichet keine Perfon an. 28. Der Name Chriſt 
inacht feinen heilig, 29. Der Ehriften Vortheil 30. GOtt richtet nie⸗ 
mand sondern. das eingepflanste Geſetz der Watur.zı. Wer in der 
Liebe wandelt, it in GOLL. 32. Allgemeine Vermahnung. 33. GOtt iſt 
einig und. aler Menfchen GOtt. 34. Durch Einen der Tod, durch Ei: 


‚nen das Leben. 35. Die Barmhertzigkeit GOttes gehet über alle. 36. 


Erempel von einer Wiefen mit viel Blumen. 37. GHDttes Gaben find 
unterichiedlich. 38. Juden, Tuͤrcken und Chriften find GOttes Ereor 
turen. 39. Heiden, Juden und Tuͤrcken jollen in der Blindheit wicht 
bleiben. 40. Imihmen iſt das Ficht sum theil verlofchen ; GOtt Fans 
anzuͤnden. g1. Woein Sehnen it, da iſt eine Schwaͤngerung. 42, Der 
Bräutigam iſt zu erwarten von Mitternacht, Mittag, Abend und Mor: 
gen. 43. 44. Der Engel Natur, 45.46. Was Galitter ſey? 47. Diez 
Principia, 47. 48. GOLE wircket für und für, ik ein Siebe-Ringen in al- 
fen 7 Geitalten. 49. 50. Die 6 Dualitäten in der 7ten. st. Die ſtaͤrck⸗ 
fte bildet den feib. 52.53 Das füffe Waſſer iſt der Anfang, 54. Daraus 
dos gläferne Meer. 55. Die geimliche Geſtalt aus der bitteren; 56. 
earfundelsroth aus der Hitze. 57. Das Licht gibt vermiichte Sarben, 
58. daraus gehet der Ton die Muſie und Robgefang der H.Engel.59:63. 
Die Geſtalten ſtehen im Ringen, ohne Anfang und Ende, 64:66. Des 
Autoris Streit mit dem Teufel, um das edle Kitter-Eränslein. 67. 
Nachdem Sieg gehetdie. Sonne auf. 68. Der Menich it aus allen 7 
Beifteen GOttes gebildet, 69, Der —3 laͤſſet ſich im Fleiſche nicht 
faffen, im Hertzen aber gehet er aus. 69.79. In dieſem Blitz ſiehet der 
Geiſt indie Tiefe der Gottheit. 71. Eigen ſehen iſt gewiſſer als horen.72. 
Der 9. Seelen Adel, id. muß ftets ringen. 73. Der Leib weiß davon 
nichts, ift traurig, ſcheinet oft verlaffen. 74. Wird durch die Erfahrung 


| bezeniget. 75. Um des heftigen Kampfs willen iſt diefe Erxkenntniß geges 


ben. 76278. Der Sunden⸗Quell deckets oft zu. 79. In Chriſto find wir 
einer. 80. Spoͤtteren der Welt.gı, GOttes Trieb,82.83. |, _ 


Er fiebende Geiſt GOttes in der Goͤttlichen Kraft iff der 
Corpus, der aus den andern ſechs Seiftern geboren 

I wird, darinnen alle bimmlifche Figuren befteben, und 
darinnen fich alles bilder und formet,und darinnen alleSchöns 
heitund Freude aufgebet. Das iftder vechte Geiſt der Na 


- tur, ja die Natur felber, darinnen die Begreiflichkeit ftehet,und 


darinnen alle Erenturen formiret find im Himmelund auf Ers 
den: ja der Himmel felber ift darinnen formiret, und alle Na= 
türlichfeit in dem gangen EOtt ſtehet in dieſem Geifte, . So 
diefer Geiſt nicht ware, fo ware auch fein Engel noch Menſch, 
und ware GOtt ein unerforfchliches Wefen , welches nur in 
unerforfchlicher Kraft beftunde. — 
2. Nun fragt ſichs: Wie iſt dieſe Geſtalt? Biſt du nun ein 
vernuͤnftiger Mareurius-Beift, der durch alle ſieben Geiſter 
GoOttes dringet, und bie approbiret,/ und ſchauet, wie fie 4 
") 





“ 


Cap.ır Morgenröthe im Aufgang. 129 


fo wirft du bey Erflärung dieſes 7ten Geiſtes die Wirckung 
und das Wefen der gangen Gottheit verftehen und im Sinne 
begreiffen. 

3. Berfteheftdu aber bey diefem Geiſte nichts, fo laß dig 
Buch zufrieden, und richte weder vom Kalten noch Warmen 
darinnen; denn du biffim Sarurno zu fehr gefangen, und biſt 
Fein Philofophus in diefer Welt. Laß nur dein Richten bleiben, 
oder du wirft böfen Lohn empfahen, davor ich dich treulich 
will gewarnet haben ; warte bis in jenes eben, fo wird dir 
die Himmeld-Porte aufgerhan werden, dann wirft du eg auch 
verſtehen. 

4. Nun mercke die Tieffe: Alhie muß ich den gantzen Goͤtt⸗ 
lichen Corpus in der Mitten beym Hertzen faffen, und den gan⸗ 
gen Corpuserflaren, wie die Natur wird, da wirft du dem 
hoͤchſten Grund fehen, mie alle7 7 Geiſter GOttes immer einer 
denanderngebaret, und wie die Gottheit feinen Anfang noch 
Ende hat. Darum fiehedeines Geiftes Luft, und die ewige, 
Göttliche Sreudenreich , die himmlifche Wonne und corpor= 
fiche Freuden, diein Emigfeit fein Ende hat. 

5. Nun mercke: Wenn der Blitz im Centro aufgehet, fo 
fteher die Göttliche Geburt in vollee Wirckung: in GOtt iff 
es immer und ewig alfo, aber in uns armen Fleifches- Kindern 
nicht. In dieſem Leben währet die triumphirende Göttliche 
Geburtin uns Menſchen nur folange , ald der Blitz wahrer: 
darum iſt unfere Erkentniß ſtuͤckweiſe; in GOtt aber ſtehet der 
Blitz unveraͤnderlich immer und ewig alſo. 

6. Siehe, es werden alle 7 Geiſter GOttes zugleich gebo⸗ 
ren, keiner iſt der erſte, und keiner iſt der legte: aber man 
muß auf den Kern ſehen, wie die ee Geburt aufacher; 
font verſtehet mans nichts denn alle 7 in einander zugleiche 
Eönnen die Creaturen nicht begreiffen, fondern fie fchauens an: 
wenn aber ein Geiff gerugt wird, fo rüget er die andern alle, 
fo ſtehet die Geburtin voller Kraft. Darum hats im Men: 
fihen einen Anfang, und in GOtt Feinen: darum muß ichs 
> * auf creatuͤrliche Weiſe ſchreiben, ſonſt verſteheſt du 
nichts. 

77. Siehe, alle 7 Quell⸗Geiſter waͤren auſſer dem Blitz ein 
finſter Thal: wenn aber der Blitz zwiſchen der herben und bit⸗ 
tern Qualitaͤt in der Hitze aufgehet, fo wird er im ſuͤſſen Waf 
fer ſcheinend/ und in der Bitze⸗Flammen bitter und triumphi 
> J rende 


* 


130 I. AURORA, Cap, u. 
rende und lebendig, und in der herben corporlich, trocken und 


elle. 
8. Nun bewegen ſich dieſe 4 Geiſter in dem Blitze, denn ſie 
werden alle 4 darinnen lebendig: Nun ſteiget dieſer 4 Kraft in 
dem Blitze auf, als wie das Leben aufginge, und die aufge- 
ſtiegene Kraft in dem Blitze iſt die Liebe, das iſt der fuͤnfte 
Geiſt. Dieſelbe Kraft wallet ſo lieblich in dem Blitze, als 
wenn ein todter Geiſt lebendig wuͤrde, und wuͤrde urploͤtzlich 
in groſſe Klarheit geſetzet. | 
9: Run in diefem Wallen rüget eine Kraft die andere: Erſt⸗ 
dich pocht Die Herbe, und die Hige macht in dem Pochen einen: 
bellen Klang, und die bittere Kraft zertheilet den Klang, und 
das Waffer macht ihn fanfte ; das iff der fechfte Geiſt. On 
10. Nun gehet der Ton in allen fünf Geiftern auf, gleich 
einer lieblichen Mufica , und bleibet beſtehen: denn die herbe 
Dualitat vertrocknetihn. Nun iſt in demfelben ausgegange⸗ 
nen Schalle, der nun trocken beſtehet, aller ſechs Quellgei—⸗ 
fter Kraft, und iffaleichwieder Same der andern 6 Geiſter, 
den fie alda zufammen corporiret haben , und einen Geiſt dar⸗ 
ausgemacht, der hat aller Geifter Dualitat; und das iffder 
fiebente Geift GOttes in der Göttlichen Kraft. ud | 
1. Nun diefer Geiſt befteher in feiner Farbe gleich dem 
Himmelblaue, denn er iſt aus allen 6 Beiftern geboren : Wenn 
nun der Blig, der in Mitten in der Hige beſtehet, in die an— 
dern Geiſter leuchtet , Daß fie im Blige auffteigen und den fies 
benten Geift gebaͤren, fo fteiget auch der Blig in der Geburt 
der 6 Geiſter mit aufin den fiebenten. UDO 
12. Weilaber der fiebente keine fonderliche Qualität in fich 
bat, ſo kan der Blis in dem 7ten nicht heller werden; ſondern 
er faͤnget von dem fiebenten dag corporliche Wefen aller 7 Gei⸗ 
ſter, undder Blig ftehet in Mitten zwifchen diefen 7 Geiſtern, 
und wird von allen 7 geboren. 1% an HI 
13. Und die 7 Geifter find deg Lichtes Vater , und Das Licht 
ift ihr Sohn, den fie von Ewigkeit zu Ewigkeit immer alfo ges 
baren, und Das Licht erleuchtet und macht immer und eiwig 
die 7 Beifter lebendig und freudenreich : denn fie nehmen alle 
ihr Aufſteigen und Leben in Kraftdes Lichtes. : Hingegen ge⸗ 
baren fie alle das Licht , und find alle zugleich des Lichted Va⸗ 
ter; und dag Richt gebaret feinen Geiſt, fordern macht fie alle 
lebendig und freudenreich, Daß fie immer inder Geburt I 
| 14. Sie: 


Cap... Morgenrötheim Aufgang. 131 

14. Siebe, ich will dirs noch einmalzeigen, obdu es viel- 
leicht begreiffenmöchteft, Damit Diefe hohe Arbeit nicht vers 
gebend geſchehe ohne Nutz. 

15. Die herbe Qualitaͤt iſt der erſte Geiſt, die zeucht zu⸗ 
ſammen und macht alles trocken; die ſuͤſſe Qualitaͤt iſt der an⸗ 
dere Geiſt, die ſaͤnftiget es. Nun iſt der dritte Geiſt der bit⸗ 
tere Geiſt, der entſtehet aus dem vierten und erſten: Wenn 
ſich nun der dritte Geiſt mit ſeiner Wuͤterey in dem herben rei⸗ 
bet, ſo zuͤndet er das Feuer an, ſo gehet die Grimmigkeit in 
dem Feuer auf in der herben. In derſelben Grimmigkeit 
wird der bittere Geiſt ſelbſtaͤndig, und in der ſuͤſſen wird er 
ſanfte, und in der harten corporlich; nun beſtehet er, und 
auch der vierte. 

16. Nun gehet der Blitz in Kraft dieſer 4 auf in der Hitze, 
und ſteiget im ſuͤſſen Quell⸗Waſſer auf, und die Bittere macht 
ihn triumphirende, und die Herbe macht ihn ſcheinend und 
trocken und corporlich,, und die Suͤſſe macht ihn ſanfte, und 
nimt ſeinen erſten Schein in der ſuͤſſen: nun da beſtehet der 
Blitz oder das Licht in der Mitten als ein Hertze. Wenn nun 
daſſelbe Licht, das inder Mitten ſtehet, in die 4 Geiſter ſchei⸗ 
net , foffeigen der 4 Geiſter Kräfte im Lichte auf, und werden 
lebendig, und lieben das Licht , das ıft,, fie faſſens in fich und 
find des ſchwanger: undderfelbe ingefaſte Geiſt iſt die Liebe 
des Lebens das iſt der ste Geiſt. 

17. Nun wenn fie die Liebe in ſich gefaſſet haben, fo qualifi- 
ciren fie por groſſer Freude: denn es ſiehet einer den andern 
im Lichte, und ruͤget einer den andern. alsdenn gehet auf der 
Zon: der harte Geiſt pochet; der fufle macht das Pochen 
fanftes der bittere zerſcheidet es nach ieder Qualitaͤt Art; der 
vierte macht den Klang; der funfte macht die Sreudenreich ; 
* ni zuſammen⸗corporirte Zöneniftder Ton, oder der 6te 

eiſt. 

38. In dieſem Tönen gehet auf aller 6 Geiſter Kraft, und 
wird ein begreiflicher Corpus, nach englifcher Art zu reben, 
und beftehet in Kraft der andern 6 Geifter und in dem Fichte: 
und das iff der Corpus der Natur, darinnen alle bimmlifche 
Creaturen und Figuren und Gewaͤchſe gebildet werden. 

19. Die heilige Porten. Das Licht aber , Das in Mitten 
in allen 7 Geiſtern beſtehet, und darinnen aller 7 Geiſter Le⸗ 
ben fteher, und dadurch fiealle * triumphirend und rar 
dir 2 i en 


132 I, AURORA, Cap. ır. 


denreich werden, darinnendie himmlifche Freudenreich auf: 
gehet, das alle 7 Geiſter gebaren, und das aller 7 Geifter 
Sohn iſt, und die 7 Seifter find fein Vater, die das Licht ge- 
baͤren, und das Licht gebaͤret in ihnen das Leben, und das 
Licht iſt der 7 Geiſter Hertze: und dieſes Licht iſt der wahr: 
haftige Sohn GOttes, den wir Chriſten anbeten und ehren, 
als die andere Perſon in der H. Dreyfaltigkeit. 

20. Und die 7 Geiſter GOttes ſind allezuſammen GOtt 
der Vater: denn es iſt fein Geiſt auſſer dem andern, ſondern 
fie gebaͤren alle ſieben einer den andern; fo einer nicht ware, 
fo warederanderauchnicht. Das kichtaber ifFeineandere 
Perſon: denn es wird aus den 7 Geiſtern immer geboren, und 
die 7 Beifter ffeigen immer indem Lichteauf; und die Krafte 
diefer 7 Geifter gehen immer im Ölange des Lichtes aus inden 
fiebenten Natur-Geiſt, und formen undbilden alles indem fie: 
benten Geiſte, und diefer Ausgang im Licht iſt der H. Geift. 

31: Der Blig oder der Stock oder Hertze, das in den Kraf: 
ten geboren wird, der bleibet in Mitten ſtehen; und dag iſt der 
Gohn: und der Slang in aller Kraft gebet vom Vater und 
Sohne aus in alle Krafte des Vaters, und former und bildet 
indem fiebenten Natur-Geifte allegnach der Kraft und Wir: 
ung der 7 Beifter, und nach ihrem Unterfcheid und Trieb. 
Und dasift der mahrhaftige H. Geiſt, den wir Chriffen für 
die dritte Perfon in der Gottheit ehren und anbeten. 

22. Alfo fieheft du blinder Jude, Tuͤrcke und Heide, daß 
drey Perfonen in der Gottheit find, du kanſt e8 nicht leugnen : 
- Denn du lebeft und biſt in den drey Perfonen, und haft dein Les 
ben von ihnen und in ihnen ; und du wirft am jüngften Tage 
von den Todten, in Kraftdieferdrey Perfonen , aufſtehen und 
. ewig leben. | 
23. Wirſt du nun im Gefege der Natur heilig und mol in 
diefer Belt gelebet haben, und wirft den heiligen Blig, der 
da iſt der Sohn GOttes, der dich lehret das Gefegeder Na⸗ 
tur, indeinen 7 Quell⸗Geiſtern nicht verloͤſchet haben durch 
grimme Erhebung , welche lauffer wieder Die Willenfchaft der 
Natur, fo wirft du mit allen Chriften in ewiger Freude leben. 
[„Der Natur Gefere iff die Görtliche Ordnung aus dem 
,‚Centro Natutæ: der darinnen leben Ean, Darf kein ander 
„Geferze, denn er erfüller GOttes Willen.) 

24: Denn es liegt nichts andeinem Unglauben; * und 

glau 


Cap. ı Morgenröthe im Aufgang. 133 - 
glaube hebet GOttes Wahrheit nicht aufs der Glaube aber 
blafet den Geift der Hoffnung auf, und bezeuget, daß wir 
GOttes Kinder find. Der Glaube wird im Blige geboren, 
und ringet mit GOtt fo lange bis er überwindet und ſieget. 

25. Durichteft ung, und richteft Dich felber, indem du den 
Eifer-Beift im Zorne sufsiarh der dein Licht verlöfchet : biſt 
du nun aufeinem füffen Baume gewachſen/ und zwingeſt Die 
böfen Einflüffe , und lebeft heilig und wol im Befege der Na- 
tur, das dir dann gar wolanzeiget mas Necht it, 

26. Biſt du aber nicht aus einem grimmen Smeig gewach- 
fen [„wird verftanden aus gantz gortlofem Samen, da oft 
„eine Diftel wächft; wiewol doch Rath wäre, fo der. 
„Mille gebrochen würde, aber es iſt theur; wiewol an 
„einem guten Baume auch oft Aefte verdorren: ] und biſt 
blind, wer will dich abſcheiden von der Liebe GOttes, darin⸗ 
nen du geboren biſt, und darinnen du lebeſt, ſo du darinnen 
verharreſt bis ans Ende? Wer will dich von GOtt ſcheiden, 
in dem du hie gelebet haſt? 

27. Was du in den Acker geſaͤet haſt, das wird aufgehen, 
es ſey Weitzen, Korn, Gerſten, Erbſen, Huͤlſen oder Dor— 
nen: Welches das endliche Feuer nicht wird faͤhig ſeyn, das 
wird auch nicht brennen; GOtt aber wird feinen guten Sa⸗ 
men nicht felber verderben, fondern bauen, daß er Fruchte 
trage ins ewige Leben. 

„28. Dieweildannnun alles in GOtt lebet und iſt warum 
ruͤhmet fich dann das Unkraut vor dem Weisen? Meineſt du, 
dag GOtt ein Heuchler fey, und fehe iemands Perfon oder 
Namen an? Wer mar unfer aller Vater? mar es nicht Adam? 
Da fein Sohn Cain böfe vor GOtt lebete, warum half ihm 
nicht fein Bater Adam ? aber es heift hie: Wer fündiget, ſoll 
geftraft werden. Ezech. 18: 20. Hatte Cain nicht fein Licht 
verlöfchet, wer wolte ihn ſcheiden von der Liebe GOttes? 

29. Alſo auch du, du ruhmeft dich einen Chriften, und 
kenneſt das Licht: warum wandelſt du nicht drinnen ? Meineſt 

du, der Name mache dich heilig? Warte Frig bis dorthin, fo 
wirft du es erfahren. Giehe, es wird dir mancher Jude, 
Tuͤrcke und Heibe zuvor ing Himmelreich gehen, die ihre Lam⸗ 
pen wol geſchmuͤckt haben. 

30. Was haben denn die Chriften Vortheil? Biel: denn 
fie wiſſen den Weg des Lebens, * wiſſen, wie ſie vom Sr 

3 auf 


2 


134 LAURORA. Cap.n. 
aufitchen ſollen; will aber einer bleiben Tiegen, ſo wirft man 
ihn in die Gruben, da mußermit allen gottlofen Heiden ver- 
derben. Darum fchauezu, mas du thuſt, und wer du bift; 
du richteff andere, und bift felber blind. Der Geift faget aber, 
Hu haft Feine Urfache darzu, daß du den richteſt, der beffer ift 
als du: Haben wir nicht alle ein Fleiſch, und unſer Leben be> 
ſtehet in GOtt, es fey gleich in Liebe oder in Zorn? Denn was 
du ſaͤeſt, das wirft du ernten. 

31. GOtt iſt nicht Urſache dran, daß du verloren wirft: 
denn das Befege, rechtzu thun, iſt in die Natur gefchrieben, 
amd du haſt daffelbe Buch in deinem Herkem. Du weiſt mol, 
Daß du folt wol und freimdlich handeln gegen Deinem Nach: 
fen; ſo weiſt du auch mol, daß du dein eigen Leben, das iſt, 
Dein Leib und Seele nicht ſolſt ſchaͤnden und beflecken. 

32. Wahrlich in diefem ſtehet der Kern und die Liebe GOt⸗ 
tes: GOtt fiehet nicht auf iemands Namen oder Geburt ; 
wer aber in der Liebe GOttes wallet, der wallet im Lichte, 
das Ficht aber iff das Hertze GOttes. Wer nun GOtt im 
Hersenfißet, wer willden raus fpeyen? Niemand, denn er 
wirdin GOtt geboren. | 

33. Odu blinde und halbstodte Welt, ſtehe ab von deinem 
Richten! o du blinder Jude, Türeke und Heide, fiche ab 
von deiner Laͤſterung, und ergibdichdem Gehorſam GOttes, 
und wandele im Lichte; fo ſieheſt du, wie du in deinem Falle 
ſolſt aufſtehen, und mie du dich in diefer Welt wieder die hölli- 
ſche Grimmigfeit wehren follt, und wiedu kanſt überwinden, 
und mie GOtt ewig leben. | 

34 Wahrlich esift nurein GOtt: wenn aber Die Decke 
von deinen Augen getban wird, daß du Ihn fieheft und erken⸗ 
neſt, fo wirſt du auch alle deine Brüder fehen und erkennen; 
es ſeyn gleich Chriſten, Juden, Tuͤrcken oder Heiden. Oder 
meineſt du, daß GOtt nur der Chriften GOtt fey? Teben 
Doch die Heiden auch in GOtt: Wer recht hut, der ift Ihm 
Vieb und angenehme. (Adorum 10: 35.) Dder was wuſteſt du, 
der du ein Ehrift bift, wie dich GOtt molte vondem Bofen er⸗ 
loͤſen ? Was hatteſt du für Freundſchaft mit Ihm? oder mas 
hatteſt du für einen Bund mit Ihm, da GStt feinen Sohn 
lieg ein Menſch werden, zu erlöfen das menfchliche Befchlech- 
te? Iſt Er nurdein König? ſtehet nicht gefchrieben: Er iſt 
aller Heiden Troſt? Hagg, 2:8. 

j 35. Hoͤ⸗ 


Cap. ır. MorgenrötheimAufgang. 135 

35. Höre, durch Einen Menfchen kam die Sünde in die 
Melt, und drang durch den Einen durch auf alle, Rom. s:18, 
Und durch Einen Fam die Erlöfung in die Welt, und drang 
durchden Einendurchauf alle. Was liegt nun an iemands 
Wiſſenſchaft? wuſteſt du doch auch nicht, wie GOtt mit dir 
fahren wolte, da du in Suͤnden todt wareſt. 

36. Nun gleichwie die Suͤnde ohn Unterſcheid herrſchet 
durch Einen uͤber alle, alſo auch herrſchet die Barmhertzigkeit 
und Erloͤſung durch Einen uͤber alle. Den Heiden, Juden 
und Tuͤrcken aber iſt Blindheit wiederfahren: ſie ſtehen aber 
gleichwol in aͤngſtlicher Geburt, und ſuchen der Ruhe; begeb: 
ren Gnade, und ſuchens nicht am rechten Ziele; GOtt aber 
iſt allenthalben , und fiehet auf des Hergens Brund. So 
aber in ihrer ängfklichen Geburt das Licht in ihnen geboren 
wird, wer biſt du, der du fierichteft ? 

37. Siehe du blinder Menfch,ich will dir zeigen : Gehe auf 
eine Wieſe, da fieheft du mancherley Kraut und Blumen ; du 
ficheft bittere, du fieheft berbe, ſuͤſſe, ſaure, weifle , gelbe, 
rothe, blaue, grüne und mancherley: wachfen fie nicht alle 
ausder Erden‘ ° ftehen fienicht neben einander? mißgoͤnnet 
auch eins dem andern feine ſchoͤne Geſtalt? Ob fich aber eines 
unter ihnen zu hoch erhuͤbe mit feinem Gewaͤchſe, und verdor- 
rete, weilesnicht Saft genug hat, mas Fan ihm die Erde 
thun? gibt fie ihm doch feinen Saft fowol als den andern. 
Wenn aber Dornen drunter wachten, und der Mehder kommt 
einzuernten, fo hauet er diefelben mit ab, und wirft ſie weg, 
und fie werden im Feuer verbrant ; aber Die mancherley Blu- 
men ſamlet er in feine Scheuren. | 

8. Alſo iſts auch mit den Menfchen: Es find mancherley 
Gaben und Gefchieklichkeiten,, es iſt einer viel lichter in GOtt 
als der ander ; weil ſie aber nicht im Geiſte verdorren, fo find 
fie nicht verwerflich + wenn aber ber Geiſt verdorret, fo taugt 
er zu nichts dann zu Feuer⸗Holtz. 

39. Eind aber die Türcken der herben Dualitat, und bie 
Heidender bittern, mag gehet dichs an? Go das Licht in der 
berben und bittern Qualität ſcheinend wird, fo leuchtet es 
auch. Diraber bifk in der Hise geboren, wo dag Richt im ſuͤſ⸗ 
ſen Quell⸗Waſſer aufgehet * zu, daß dich die Hitze nicht 
verbrennet, du magſt wol töfche 

‚40. So fprichfEdn nun; Its —— recht, daß die * 

34 


136 l. AURORA. BAp.IL. 
Juden und Fürcken inihrer Blindheit verkarren ? Nein: das 
Tage ich aber, wie kan der fehen, der feine Augen hat? was 
meiß der arme Layedrum, was die Pfaffen für einen Tumult 
haben in ihrer Trunckenheit ? Er gehet dahin in feiner Einfalt, 
und gebaret angftiglich. - 

41. So fprichftdu nun: Hat denn GOtt die Türcken, Ju⸗ 
den und Heiden verblendet? Nein; fondern als ihnen Gtt 
das Licht anzuͤndete, folebten fie inihres Herseng Luft, und 
wolten fich den Geiſt nicht weifen laſſen, fo verlafch das aͤuſ⸗ 
ferliche Licht. Es iſt aber darum nicht alfo gar vertofchen, 
Daß e8 in einem Menſchen nicht Tönte geboren werden, ſinte⸗ 
mal der Menfch aus GOtt iff, und in GOtt lebet, es fey 
gleichin Liebe oder Zorn. 

42. So ſich nun der Menfch fehnet , folte er in feinem Sehe 
nen nicht ſchwanger werden ? fo er aber ſchwanger iff, ſo kan 
er auchgebaren. Dieweil ibm aber das aufferliche Licht nicht 
feheinet , fo kennet er feinen Sohn nicht ,_ den er geboren hat; 
wenn aber das Licht aufgeben wird am jungiten Tage, fo wird 
er ihn fehen. 

43. Siehe, ich fage dir ein Geheimniß: Es iſt fehon die 
Zeit, daß der Brautigam feine Braut Erönet ; rath Frig, mo 
liegt die Krone? Gegen Mitternacht : denn mitten in der her⸗ 
ben Qualitaͤt wirddasPicht helle. Von warnen kommt aber 
der Bräutigam? Aus der Mitten, mo die Hige das Licht ges 
baret, und fahrer gegen Mitternacht im die herbe Qualitaͤt, 
da wird das Licht helle. Was thun denn die gegen Mittage? 
Sie find in der Hitze entfchlaffen: aber einSturm- Wetter wird 
fie aufwecken; unter dieſen werden viele zum Tode erfchrecken. 

44. Was thun dann die vom Abend ? Ihre bittere Dualitat 
will fich mit denandern reiben : aber wenn fiedas füffe Waſ⸗ 
fer often, fo wird ihr Geift fanfte. Was thun dann die int 
Morgen? Du biſt eine ffolße Braut von Anfang: die Krone 
iftdir von Anfang immer geboten worden ; aber du Dauchteft 

dich vorhin zu fhöne ſeyn, du lebeſt mit den andern. 

Bon der Gottlichen und himmlifchen Natur Wir⸗ 

ckung und Figenfchaft. 

45. So dunun wilft wiffen, was im Himmel für eine Na⸗ 
tur ſey, und was die H. Engel fir eine Natur an fich haben, 
und was Adam vor feinem Fall füreine Natur an fich gehabt 
bat, und was eigentlich die heilige, himmliſche und 6—— 

Br ala? 


Sap.ı MorgenrötheimAnfgang. 137 
Natur fen, fo merke die Umſtaͤnde bey diefem fiebenten Duell 
Beifte GOttes eigentlich, wie folge. $ 

46. Der zte Quell⸗Geiſt GOttes iſt der Duell-Beift der 
Natur: denn dieandern 6 gebaren den fiebenten ; und der 7te 
wen er geboren ift, fo iit er gleichwie eine Mutter der andern 6, 
der die andern fechfe umſchleuſt, und gebaret fie wiederum: 
—* das corporliche und natuͤrliche Weſen ſtehet in dem ſie⸗ 

enten. 

47. Hie mercke den Sinn: Die 6 ſteigen auf in voller Ge: 
burt nach iedes Kraft und Art, und wenn fie aufgeftiegen find, 
fo ift ihre Kraft in einander vermenget,und die Hartigfeit ver⸗ 
trocknets, und iſt gleichwie das gantze Weſen. Diele corpor⸗ 
liche Vertrocknung heiſſe ich in dieſem Buche den Goͤttlichen 
SALITTER. Denn es iſt darinnen der Game der gantzen 
Gottheit, und iſt gleichwie eine Mutter, die den Samen em⸗ 
pfaͤhet, und immer wieder Frucht gebaͤret nach aller Dualitat 
des Samens. „Mit dem Wort SALLITTER wird in 
„diefem Buche verftanden ‚wie aus dem ewigen Centro 
„Naturz das andere Principium gus dem erften ausgrünet, 
„gleichwie das Kicht aus dem euer, da 2 Geifter vers 
„fanden werden, als (ı) ein bitziger , und (2) ein luftiger: 
„da indem Auft:Leben das rechte Wachſen ftebet, und in 
„dem Feuer⸗Ceben die Urfacheder Qualität. Alfo wenn 
„gefchrieben iſt: Die Engel find aus GOtt gefchaffen ; fo 
„wirds verfianden aus GOttes ewiger Natur, darinnen 
„man? Geftalten verftebet zund wird Doch die Göttliche, 
„heilige Natur nicht verfianden im euer , fondern im 
„Kichte. Und gibt uns das Feuer ein Gebeimniß der 
„ewigen Natur, und auch der Gottheit :da man 2 Princi- 
„pia verſtehet / zweyerley Duell; eine hitzige, geimmige, 
„berbe, bittere, ängftliche ‚verzebrende im Feuer Duelle; 
„und aus dem Seuer das Kicht,welches im Seuer wobnet, 
„und wird doch vom Feuer nicht ergriffen; und bat eine 
„andere Quelle als die Sanfımurb, darinnen eine Begiers 
„de Der Liebe iſt: da dennin der. Kieber Begierde ein an⸗ 
„derer Wille, als das Feuer bat, verffanden wird. Denn 

„das Seuerwill allesverzebren, und macht Hochaufſtei⸗ 
„gen im Duelle, und die Sanftmurb des Lichts macht 
„Wefenbeit: als im ewigen Lichte machts den Waſſer⸗ 

„Geiſt des ewigen Acbens ‚und im zten Principio diefer 
— 35 „Me 


138 I. AURORA. Gap. u. 
„Welt machts Waſſer mit dem Urſtande der Luft. Alſo 
„foll der Kefer diefes Buchs von 3 Principien oder Ges 
„burten verfieben ; als eines vom Urſtande der ewigen 
„Natur in dem ewigen Willen oder Begebren GOttes; 
„welches Begehren fich treiber in groffer Angſt bis in die 
„vierte zum Feuer, da das Kicht entftebet, und erfüller die 
„ewige Freyheit auſſer der Natur. Da wir dann die 9. 
„Dreyzahl im Lichte auſſer Natur in des Lichtes Kraft 
„in der Freyheit verſtehen, als eine andere Quall ohne We⸗ 
„ſen; und doch mit der Feuer⸗Natur verbunden als Feuer 
„und Licht. Und das zte Principium dieſer Welt iſt aus 
„dem erſten erboren und geſchaffen worden, das iſt Ma⸗ 
„giſch, wie in unſerm 2ten und 3ten Buche klar ausgefuͤh⸗ 
„ret worden. Zu welchem dieſes nur eine Anleitung iſt, 
„und das erſte vom Autor zum erſten mal nicht genug er⸗ 
Iriffen; ob es wol klar erſchiene, ſo mochte es doch nicht 
„alles gefaffer werden, und war gleich alswenn ein Plane 
„tegen vorüber gebet ‚daraus das Wachfen entftebet.] 
4. Run in diefem Aufſteigen der 6 Geifter ſteiget auch mit 
aufder Marcurius, Ton oder Schall aller 6 Beifter, und in dem 
fiebenten beftehet er ald in der Mutter: Alödenn gebäret der 
fiebente allerlen Frucht und Rarben nach der fechfen Wirckung. 

49. Du muſt aber alhie wiflen ‚daß die Gottheit nicht flille 
ftehet, fondern ohn unterlaß wircket und aufſteiget algein lieb> 
liches Ringen, Bemenen oder Kämpfen, gleichwie zwey Crea⸗ 
turen, die in groffer Liebe miteinander fpielen, und fich mit- 
einander halfen oder wuͤrgen, bald liegt eines oben, bald das 
ander ; und fo eines überwinden bat, fo gibts nach, und laͤſſet 
das andere wieder auf die Fuͤſſe. 

50. Du magſts auch im Gleichniß alte verftehen, als wenn 
7 Berfonen ein freundliches Freuden-Gpiel anfingen ‚ daje ei⸗ 
nes dem andern obfieget ‚und dag dritte fame dem Uberwun⸗ 
denen zu hilfe, und mare alfo eine liebliche freundliche Kurtz⸗ 
meil unter ihnen, da fie zwar alle einen Liebewillen unter ein- 
ander hätten, und doch eines gegen dem andern in Kurtzweil 
oder Liebe kaͤmpfete. 

sr. Alfo iſt auch die Wirckung der 6 Geifter GOttes in dem 
fiebenten : bald bat einer ein ſtarckes Aufſteigen, bald der an- 
der, und ringen alfo in Liebe miteinander. Und wenn 
dag Lichti in dieſem Kaͤmpfen mit aufſteiget, ſo wallet —* 

ei 





a: ur L,.7r,® . j 
Cap.ır Morgenroͤthe im Aufgang. 139 
Geiſt in Kraft des Lichtes in der andern 6 Geiſter Spiele:als⸗ 
denn gehet auf in dem fiebenten allerley Frucht des Lebens, 
darzu allerley Farben und Gewaͤchſe. 

52. Wie nun die Qualität am ſtaͤrckeſten iſt ſo bildet fich auch 
der Corpus der Frucht und auch die Farben: In diefem Kaͤm⸗ 
pfen oder Ringen formiret fich die Gottheit in unendlicher und 
unerforfchlicher vielerley Art/ Weife und Bildung. 

53. Denn die7 Geifter find 7 Haupt Quellen: wenn der 
Marcurius drinnen auffteiget , ſo macht er alles ruͤge, und die 
bittere Dualitat beweget e8 und unterfcheidet es, und die herbe 
vertrocknet es. [»Die Natur und die Drey⸗Zahl iſt nicht 
„Eines, es unterſcheidet ſich: wiewol die Dreyzahl in der 

„Natur wohnet, aber unergriffen; und iſt doch ein ewig 
„Band, wie in unferm2ten und zten Buche klar ausge⸗ 
„führer worden.] 

54. Nun mercke hie, wie da fey die Bildung i in der Natur in 
dem fiebenten Geifte : Das ſuͤſſe Waſſer iſt der Natur Anfang; 
oder die herbe Qualitaͤt zeucht es zuſammen, daß es natürlich 
und begreiflich wird, auf englifche Art zu reden. 

. 55, Nun wenn es zufammen gezogen ift,fo ſiehets gleich dem 
Himmelblau : wenn aber das Licht oder der Blig drinnen auf- 
sehet;, fo fiehets gleich einem edlen Jaſpis, oder mie ichs in 
meiner Sprache nennen mag, einem glafern Dieer darein die 
Sonne fcheinet, und gang lauter und helle iſt. 

56. Wenn aber die bittere Dualitst darınnen aufgehet, fo 
zertheilet ſichs und formet fichs, gleich als wenn es lebete, oder 
als wenn das Leben da.aufginge , und formet fich in grünliche 
Geftalt, gleich einem grünen Blig , menfchlich Y reden ‚davon 
einem das Sefichte vergehet und nicht ſchauen Fan. 

57. Wenn aber die Hige drinnen aufgehet, fo formet fich die 
grune Geſtalt in eine halb rörhliche ‚ gleich als wenn ein Car⸗ 
funckelſtein aus dem grünen Blitz leuchtet. 

58. Wenn aber das Licht, welches ift der Sohn GOttes, in 
dieſes Natur-Meer feheinet, fo bekommts feine gelblichte und 
weißlichte Farbe, welches ich mie nichts vergleichen Fan: Mit 
diefem Anſchauen muſt du warten bis in jenes Leben. Denn 
das iſt nun der rechte Natur-⸗Himmel, der da iſt aus GOtt, 
darinnen die H. Engel wohnen, und daraus fie im Anfang ges 
Schaffen find. 

. 59. Siehe, wenn nun der Marcurius oder Ton in diefem Na⸗ 
fur: 


140 4 AVKOM. Cap. II. 
tur Himmel aufgehet, da gehet auf die Göttliche und engliſche 
Freudenreich: denn da gehen auf Formen, Bildungen, Farben 
und englifche Frucht, die da ſchoͤn bluͤhet, waͤchſt, und in feiner 
Vollkommenheit ftchet, von allerley Obſtbaͤumen, Stauden 
und Gemachfe, holdfelig anzuſchauen, mit lieblichem Geruch 

und Geſchmacke. | | 

60, ch rede aber albiemit einer Engels⸗Zunge; du muſt 
es nicht irdiſch verſtehen, gleich diefer Welt. 

61. Mit dem Marcurio hat e8 auch diefe Geftalt: Du muſt 
nicht dencken, daß ein hartes Pochen, Tönen oder Schalen; 
oder Pfeifen in der Gottheit fey, ald wenn einer eine machtige 
Poſaune nahme und bliefe drein: D nein, Menfch, dur halb⸗ 
todter Engel, das ift es nicht ; fondern es gehet alles in Kraft 
zu: denn das Göttliche Wefen ſtehet in Kraft , aber die H. En: 
gel fingen, Elingen, pofaunen und fchallen lautbar : denn zu dem 
Ende hat fie GOtt aus fich gemacht, daß fie follen die himmli⸗ 
ſche Freude vermehren. * 

62. Ein ſolch Bild war Adam auch, als ihn GOtt ſchuf, ehe 
daß feine Heva aus ihm gemacht ward : aber der verderbte 
Salitter in Adam hat mit dem Brunn des Lebens gerungen, 
bis er überwunden und Adam matt ward, Davon er entfehlief. 
Da war es gefcheben: So ihm die Barmhertzigkeit GOttes 
nicht ware zu hülfe kommen, und hatte ein Weib gebauer, fo 
folte er wol noch fehlaffen. Nun von diefem an feinem Drte; 

63. Diefeg, wie oben erzehler, iſt nun der fihöne und. heilige 
Himmel, der in der gangen Gottheit alfo ift, der weder Anfang 
und Ende hat, dahin keine Creatur mit ihrem Sinne reicher. 

64. Doch folft du dieſes wiſſen, daß fich je an einem Orte 
bald eine Qualitaͤt mächtiger erzeiget als die andere , bald fie: 
get die andere, bald die dritte, bald die vierte, bald die fünfte, 
bald die fechfte, bald die fiebente. Und if alfo ein ewiges Rin⸗ 
gen, Wirken und freundliches Liebe-Auffteigen, da fich dann 
in Diefem Auffteigen die Gottheit immer wunderlicher und un: 
begreiflicher und ımerforichlicher erzeiget, daß alſo Die H. En: 
gel fich nicht können genug freuen und darinnen genug Lieber 
ſpatzieren umd das fehöne TE DEUM LAUDAMUS genug fin= 
gen, nach ieder Dualität des groffen GOttes, nach feiner wun⸗ 
berlichen Offenbarung und Meisheit , und Schönheit und 


Farben, und Frucht, und Geſtalt. Denn die Qualitaͤten * 





Gay.m Morgenröthe im Aufgang. 141 
gen immer und ewig ein auf, und ift bey ihnen Fein Anfang, 
weder Mittel noch Ende 

65. Und ob ich gleich alhie babe geſchrieben, wie alles wird, 
und wiefich alles formet und bildet, und wie Die Gottheit aufs 
gebet ; fo darfit du darum nicht dencken, daß es etwan eine 
Ruhe oder Verloͤſchung habe, und hernach wieder alſo auf⸗ 


ehe. 
nit 66. D Nein ; fondern ich muß im Stuͤckwercke fehreiben um 
des Leſers Unverftand willen, damit er möchte mas begreiffen 
und inden Sinn fommen 

“ 67. Du darfſt auch nicht denken, daß ich fey in Himmel ge: 
fliegen, und habe folches mit meinen fleifchlichen Augen gefe- 
ben. Dnein: Höre du halb erftorbener Engel,ich bin wie du, 
und habe fein gröffer Licht in meinem aufferlichen Weſen als 
du ; darzu fo bin ich fowol ein fündiger und ſterblicher Menſch 
als du, und muß mich alle Tage und Stunden mit dem Teufel 
kratzen und ſchlagen, welcher mich in meiner verderbten Natur 
in der grimmen Qualitaͤt, die in meinem Fleiſche iſt wie in al⸗ 
len Menſchen, immer anficht: bald ſiege ich ihm ob,gar bald er. 
Er bat mich aber darum nicht übermunden, wenn er aleich vor 
mir oft fieget ; fondern unfer Leben iff wie einfteter Krieg mit 
dem Zeufel, [.„Diefer Streit ift um das hoch⸗ edle Ritter: 
„Cränglein, bis der verderbre Adamiſche Menſch ertoͤdtet 
„wird, in welchem der Teufel einen Zutritt zu dem Men⸗ 
„fchenbat. Davon der Sophiſt nichts wiſſen will: denn 
„er wird nicht aus GOtt, ſondern aus Fleiſch und Blute 
„geboren ; und da Doch die Geburt gegen ibm offen fzeber, 
„aber er will nicht eingeben, der Teufel haͤlt ihn: GOTT 
„verblendet nicmanden.) Schlaͤget er mic), fo muß ich zus 
rücke weichen: aber die Goͤttliche Kraft hilft mir auf, dann 


befommt er auch feinen Streich, und verlierer oft die 


Schlacht. 

68. Wenn er aber uͤberwunden iſt, ſo gehet die Himmels⸗ 
Pforte in meinem Geiſte auf: dann ſiehet der Geiſt das Goͤtt⸗ 
liche und himmliſche Weſen, nicht auſſer Dem Leibe, fondern im 
Quell⸗Brunne des Hergeng gehet der Blitz auf in die Ginn- 
lichkeit des Hirn, darinnen ſpeculiret der Geiſt. 

69. Denn der Menſch iſt aus allen Kraͤften GOttes ge⸗ 
macht, aus allen 7 Geiſtern GOttes, gleichwie auch die En- 

ee; weil er. aber nun verderbet ift, fo quillet nicht — 
ttli⸗ 


— 


142° L AURORA. 0 Gapın 


Göttliche Geburt in ihm, auch nicht in allen. Und ob fie 
gleich in ihm quillet, fo fcheinet darum nicht das hohe Licht in 
allen alsbald: und obs feheinet , fo iſts doch der verderbten 
Natur unbegreiflich. Denn der 9. Geiſt laͤſſet ſich nicht in 
fundlichem Fleiſche faſſen und dhalten; ſondern Er gehet auf 
wie ein Blitz gleichwie das Feuer aus dem Steine wenn 
man drauf ſchlaͤget. 

70. Wenn aber der Blitz im Quellbrunne des Hertzens ges 
fangen wird, fo gehet er in den 7 Duell-Geiftern aufind Hirn 
wie eine Morgenröthe: und darinnen ſteckt der Zweck und die 
Erkentniß. Dennindemfelben Lichte fiehet einer den andern, 
und fühlet den andern, und reucht den andern, und ſchmeckt 
den andern, und hoͤret den andern, und iſt gleich als wenn die 
gantze Gottheit drinnen aufginge. 

71. Hierinnen ſiehet nun der Geiſt bis in die Tieffe der Gott: 
heit: denn in GOtt iſt Nabe und Weit ein Dingz und derfel- 
be GOtt, , vondemich indiefem Buch ſchreibe, der ift fo wol 
infeiner Drepbeiti im Corpus der heiligen Seelen als im Him⸗ 
mel. Von dieſem nehme ich meine Erfentniß und von feinem 
andern Dinge; ich will auch nichts anders wiſſen als denfel- 
ben GOtt, und der macht auch die Gewißheit meines Geiſtes, 
daß ichs beitandig glaube und auf Ihn traue. 

72. Und ob mirs gleich ein Engel vom Himmel fagte; ſo 
wuͤrde ichs doch nicht koͤnnen glauben, viel weniger faſſen, 
denn ich wuͤrde immer zweifeln, ob ſichs auch alfo verpielte: 
aber fo gehet mir die Sonne felber in meinem Geiſte auf, dar- 
um bin ich des gewiß, und ſehe felber die Ankunft und Geburt 
ber 9. Engel, und aller Dinge im Himmel und in diefer Welt. 
Denn die heilige Seele iftein Geiſt mir GOtt; ob ſie gleich ei⸗ 
ne Creatur ift, fo iftfie Doch den Engeln gleich : auch fo fiebee 
des Menfchen Gecle viel tieffer als die Engel; die Engel ſehen 
allein bis in die bimmlifche Pomp , die Geele aber fiehet die 
bimmlifche und hoͤlliſche, denn fie lebet zwiſchen beyden. 

73. Darum muß fie fich mol quetfchenlaffen, undalle Ta- 
ae und Stunden mit dem Teufel ringen , das ift mit der bölli- 
ſchen Qualitaͤt, und lebet in groffer Gefährlichkeit in diefer 
Welt: darım heift dis Leben recht ein Jammerthal, voller 
Angſt, ſtetiges Wuͤrgen, Kriegen, Rampfen, Gtreiten. 

74. Uber der Falte und halb-todte Leib verftebet dieſen 
Kampf der Seelen nicht allewege: er weiß nicht, wie ihm 

ge“, 


Gap. u. Morgenröthe im Aufgang. 143 
geſchicht; fondern er iſt ſchwermuͤthig und angftlich, und ge: 
bet von einem Gemache, ja von einem Drtezumandern, und 
ſuchet Abftinentz oder Ruhe. Und wenn er dahin kommt, fo 
findet er nichts , dalauft denn Zweifel und Unglauben mit un- 
ter, ihm iſt oft ald ware er gar von GOtt verſtoſſen; aber er 
verſtehet nicht des Beiftes Kampf, wie derfelbe bald oben und 
| bald unten lieget ; was da für ein heftig Kriegen und Kampfen 

ift mie der böllifchen und himmliſchen Qualitaͤt [welches Feu⸗ 
er die Teufelaufblafen, und die H. Engel löfchen ; ] gebe ich 
einer ieden heiligen Seele zu bedenken. . 

75. Du folft wiflen, daß ich albie nicht fehreibe als eine 
Hiſtoria, diemir von andern ifterzehlet worden; fondern ich 
muß ſtets in derfelben Schlacht ſtehen, und befinde die mit 
groffem Streite, da mir dann oft ein Bein untergefchlagen 
wird, wie allen Menfchen. | 

76. Uber um des heftigen Streites und Kampfes willen, 
und um des Eifers willen, den wir mit einander haben, iffmir 
diefe Dffenbarımg gegeben morden, und der heftige Trieb zu 
folcher , ſolches alles aufs Papir zu bringen. 

77. Was aber-ganglich hierunter oder biernach folgen 
möchte, weiß ich nicht gaͤntzlich; allein dag mir etliche zus 
kuͤnftige Beheimniffe in der Tieffe gezeiget werden. 

8. Denn wenn der Blig im Centro aufgehet, fü fiehet er 
hindurch ; aber er fang nicht mol faffen , denn ihm geftbicht, 
als wenns wetterleuchter, da fich der Blig des Feuerd auf 
thut, und bald wieder verſchwindet. 

79. Alſo gebetsinder Seelen auch zu: Wenn fie in ihrem 
Kampfe durchdringet , fo ſchauet fie die Gottheit wie ein Bliß ; 
aber der Sunden-Duell deckts bald wieder zu: denn der alte 
Adam gehöret in die Erde, und nicht mit diefem Fleiſche in die 
Gottheit. 

„go. Richt fehreibe ich mir diefeg zum Robe, fondern darum, 
daß der Leſer wiſſe, worinnen meine Wiffenfchaft ſtehet, da: 
mit er nicht einen andern bey mir fische, Der ich nicht bin ; ſon⸗ 
dern der ich bin, der find ale Menfihen, die in Chriſto TEfu 
unferm Könige ringen nach der Krone der ewigen Freuden, 
und leben in der Hoffnung der Vollkommenheit, welches Anz 
fang iſt am Tage der Auferftehung, welcher nun kurtz vorban- 
den iſt, welches im Cirkel des Aufganges im Blige gar wol 
zu feben ift, in welchem fich Die Natur erzeiget, ald wenn der 

wolte anbrechen. . 81. Dar 


144 I. AURORA, ° dam, 


8r. Darum fehane zu, daß du nicht fehlaffend erfunden 
werdeft in deinen Suͤnden: Wehrlich die klugen werdens mer: 
cken; aber die Gottloſen bleiben in ihren Sünden. Sie ſagen: 
Was iſt demNarren? wenn hat er ausgetraͤumet? Das macht 
fie find in den fleifchlichen Luften entfchlaffen; wol auf, ſiehe 
zu, waß das für ein Traum feyn wird. | 

82. Sch wolte auch wol in meiner Sanftmuth ruhen, fo ich 
dis nicht thun muͤſte; aber der GOtt, der die Weir gemacht 
hat, iſt mir vielzu ſtarck: ich bin feiner Hande Werd, Ev 
magmich fegen, wohin Er will. = 

83. Und ob ich gleich der Welt und des Teufels Spectacul 
ſeyn muß, fo iſt doch meine Hoffnung in GOtt auf das zukuͤnf⸗ 
tige Reben: inden will ichs wagen, und dem Geiſt nicht wie: 
derſtreben, Amen. 


Das 12. Eapitel. 


Von der H. Engel Geburt und Ankunft, ſo⸗ 
wol von ihrem Regiment, Ordnung | 
und himmlifchen Sreuden-Leben. 
Summarıen, 


Chaffen ift zufammen ziehen. 5.1.2. Die gantze Gottheit hat 
fich beweget, 3._ Ichaffende 3 englifche Deere. 4. Jeder Thron: 
Engel war in Mitten aus allen Kräften geichaften , alio auch 
fonderbare Deerführer. 5°7. DieEngel find nicht einer Dualität 5 und 
in der Macht ungleich. 8. Erempel von der Wiefen* Blumen. 9. Et: 
fiche Engel find der Herben Qualität, etliche bes Waſſers, etliche der 
bitteren, etliche der Hitze, andere der Liebe, etliche Des Tons, etliche 
der gansen Natur. 10714. Der König iſt das Hertz. ıs. Alle Engel 
geben den Willen ihrem König und haben einen Liebe⸗Willen unter ein⸗ 
ander. 16. 17. Ihre Geflalten find unerforfhlich, Doch find die 7 
Dualitäten Primus. 18:21. Die Fürften-Engel find nach den 7 Geiz 
ftern, und der Cherubin nach GOttes Hersen geihaffen. 22. Der Ei 
gel Mufie : 23. In ihremGingen gehen allerley Gewaͤchſe auf. 24. Der 
erit in GHOtL aufiteigende Quell⸗Geiſt hebet die Muſie an. 25. In der 
eburt des Sohnes GOttes gehet allesauf, und die Freude ift unbe⸗ 
reiblich. 26:23. Was GOtt thut, das thun bie Engel auch. 29.30. 
te die kleinen Kinder, IB ohne Mißgunſt und Betrug; 31:33. zu GOttes 
— 34. koͤnnen nicht anders, als ihr Vater, thun. 35. Alſo 
len note auch in der Liebe verbunden ſeyn; nicht einander betriegem 
und belügen. 36. 37. Die Engel lieben einander und umhaͤlſen ſich 
Bean 9. 40. Ein jeder iſt ein Eleiner Gott. gu. Aus ber H. 
venfaltigfeit beftehet Himmel und Erde, in Liebe oder Zorn, welche 
Dvalitat ermecket wird. 42. Die Engel find unterichieden in — 
* NE atenz 


« 


Gaben und Erfenntniß. ı17. 18. Autor oͤ 


Gay.n. Morgenröthe im Aufgang. 145 


Dualität erſchaffen 100. 101. Sein Loeus war der ſichtbare Himmel 
und Erde. 102, gehn an feiner Stelle König.1ı03. Wie GOtt Bar 
ter und Sohn : aljo waren Michael und Eusifer in Liebe verbunden. 104. 
Sein Licht im Leibe, mar mit des Sohns Licht Ein Ding , damit er in 
allen ſeinen Engeln regieret hat, 105-107. Uriel GOttes des H. Bei? 
fies Qualitãt. ios. Alle Engel werden mit dem Willen ihres Kontges 
infictret , und find zuſammen mie ein Leib, 109. no. Uriel iſt mit den 
andern in Liebe verbunden. ın, Wenn der Sohn GOttes im Centro 
aufgehet , ſteiget der. H. Geiſt auch auf. uz2. In diefem Aufſteigen ger 
bet der Lobgeſang auf.uz. Die Farben werden mit den edlen Geſtei⸗ 
nen verglichen , in melchen fich der Natur-Himmel erzeizet. 114. 115. 
Der Autor warnet den Spötter. 16. So Erleuchtung erwecket 
1 ‚Autor oͤfnet feine Botſchaft. 119. 
ns du fäeft das ernteft dur.12o. Die Wiedergeburt iſt nöthig.ızı. Die 
Waſſer⸗Taufe. 122. Die Sterne bedeuten die Engel; 123. die Ele⸗ 
menta, die Veränderung des Himmels Geftalt nach der (Seifier Auf? 
fieigen ; 125. die Erde, den 7ten Natur-Geilt.126. Im Himmel find 
auch Thiere und Bäume. 127. Veraͤnderungen im Himmel, wie in 
der aͤuſſern Welt. 128. 129, - 


8 9 Nun 


146 2 IL AURORA:NST Gay. 12. 
[Das Verbum DOMINI faſſet die Quell⸗Geiſter mit dem 
„FIAT im Willen, das iſt die Schöpfung der Engel J 
Un fraget ſichs: Was iſt denn eigentlich ein Engel® 
Siehe, ald GOtt die Engel fchuf, Fofchuf Er ſie aus 

R dem ſiebenten Duellgeifte, welcher iffdie Natur, oder. 
der 9. Himmel. — 

2. Das Wort Schuf muſt du verſtehen, als wenn man 
ſpraͤche zuſammen ziehen oder zuſammen teeiben, gleichwie 
die Erde zuſammen getrieben iſt: Alſo auch als ſich der gantze 
GOtt bewegte, ſo zog die herbe Qualitaͤt den Salitter der Na⸗ 

tur zuſammen und vertrocknets, da wurden die Engel: wie 
nun die Qualitaͤt an iedem Orte mar in ihrer Bewegung , fo. 
ward auch der Engel. | J 

3. Mercke die Tieffe: Es find ſieben Geiſter GOttes, die 
haben ſich alle 7 beweget, und das Licht darinnen bat ſich auch 
beweget, und der Geift, der aus den7 Geiſtern GOttes aus⸗ 
gehet , bat fich auch beweget. — 

4. Nun wolte der Schöpfer nach ſeiner Dreyheit auch drey 
Heere ſchaffen nicht weit von einander, fondern eins am an⸗ 
dern als ein Cirkel. Nun mercke, wie da warendie Geiffer 
in ihrem Wallen oder Auffteigen , alſo wurden auch die Crea⸗ 
turen: in Mitten iedes Heeres ward Dad Herke ieded Heeres 
zufammen corporivet, daraus ward ein englifiher König oder 
Groß-Furft. j | | 

5. Gleichwie der Sohn GOttes mitten in den 7. Öeiffern 
EHDfrtes geboren wird, und iſt der 7 Geifter GOttes Leben 
und Herse, alfo ward auchein englifcher König mitteninfeis 
nem Revier aus der Natur, oder aus dem Natur-Himmel ges 
fchaffen, aus aller 7 Auell-Geifter Kraft: und der war nun 
das Hergein einem Heere, und hatte feined gangen Heeres 
Qualitaͤt, Maͤchtigkeit oder Staͤrcke in ſich, und war der Al- 
lerfchönfte unter ihnen. ER a 

6. Gleichwie der Sohn GOttes ift Das Herke und dad Le⸗ 
ben, und die Staͤrcke aller 7 Geiſter GOttes; alſo auch ein 
Koͤnig der Engel in ſeinem Heere. 

7. Nun gleichwie in der Goͤttlichen Kraft find’7 vornehme 
Qualitaͤten, daraus das Hertze GOttes geboren wird, alſo 
find auch etliche maͤchtige Fuͤrſten-Engel nach ieder Haupt⸗ 
Qualitaͤt in iedem Heere geſchaffen worden, derer Zahl ich 
nicht eigent weiß: und die ſind neben dem Koͤnige Heerfuͤhrer 
der andern Engel. “8 Me 


Cap... Morgenröthe imAufgang. 147 

8. Ahie ſolſt du wiſſen / daß die Engel nicht alle einer Qua⸗ 
litaͤt ſind auch ſo ſind ſie in der Kraft und Maͤchtigkeit nicht 
alle — eich: Es hat wol ein ieder Engel aller 7 Quell⸗ 
Geiſter Kraft in ſich; aber es iſt in iedem etwan eine Quali⸗ 
taͤt die ſaͤrckeſte; nach derſelben Qualitaͤt iſt er auch alorifici- 
ret. Denn wie an iedem Orte der Salitter zur Zeit der 
Schöpfung geweſen iſt, alfb iſt auch der Engel worden, und 
nach der Qualitaͤt die am ſtaͤrckeſten im Engel iſt, wird er 
auch genant und glorificivet. A | 

9. Bleichwie die Wieſen Blumen ein iedes feine Farbe von 
feiner Qualitaͤt empfahet , und auch feinen Namen nach ſei⸗ 
ner Qualität hats alfoauch die H:Engel : Etliche find der her⸗ 
ben Qualität am ſtaͤrckeſten, und die find licht⸗ braͤunlich und 
der Kalte am näheften. at 

10. Wenn nun das Licht des Sohnes GOttes an fie ſchei⸗ 
net, fo find fie. gleich wieein brauner Blig gantz helle in ihrer 
Qualitaͤt: Etliche find des Waſſers Qualitaͤt, und die ſind lich⸗ 
te, gleich dem heiligen Himmel, und wenn das Licht an fie 
ſcheinet, fo ſiehets gleichwie ein cryſtallen Dieer. 

11. ‚Etliche find der bittern Qualitaͤt am ſtaͤrckeſten, die ſind 
gleich einem koͤſtlichen gruͤnen Steine, der da ſiehet wie ein 
Blitz, und wenn fie das Licht anſcheinet, fo ſcheinets gleich⸗ 
wie rothgruͤnlicht, als ob ein Carfunckel daraus leuchtete, oder 
als ob das Leben da Urſprung haͤtte. 

12. Etliche ſind der Hitze Qualitaͤt, die find die allerlichte⸗ 
ſten, gelblich und roͤthlich, und wenn das Licht an fie leuchtet, 
fo ſiehets gleich wie der Blig des Sohnes GOttes. Erliche 
find der Liebe Dualitat am ſtaͤrckeſten, Diefind ein Anblick der 
bimmlifchen Freudenreich, gang lichte, wenn das Licht an 

— * ſo ſiehets gleich wie lichtblaue, ein lieblicher Au⸗ 


lick. | 
13. Etliche find des Tons Qualität am ſtaͤrckeſten, bie find 
auch lichte, und wenn das Licht an fie fcheinet, fo ſiehets gleich 
wie ein Auffteigen des Blitzes als wolte fich alda etwas erheben. 
14. Etliche find der gantzen Natur, als mie eine gemeine 
Vermiſchung, wenn das kichtan die fcheinet, fo ſiehets gleich 
wieder heilige Himmel, der aus allen Geiſtern GHttes for- 


miret iſt. 


35. Der Koͤnig aber iſt das Hertze aller Qualitaͤten, ud 
hat ſein Revier in Mitten als u Duellbrunn; aleipwie die 
— | AR. onne 


v4 


148 I. AURORA, Gay.n. 
Sonne mitten unter den Planeten ſtehet, und iſt ein König der 
‚Sternen, undein Herge der Natur in diefer ‘ Belt; alſo groß 
iſt auch ein Cherubin oder Engels⸗Koͤnig. 

16. Und gleichwie die andern 6 5 — neben — Sonnen 
Heerführer find, undder Sonnen ihren Willen geben, daß fie 
mag in ihnen regieren und wircken; alfo geben alle Engel ih? 
ven Willen dem Könige, und die Fuͤrſten⸗ Engel find im Rathe 
mit dem Könige. 

17. Du ſolſt aber albie wiffen, daß fie alle einen Liebe Wil⸗ 
fen unter einander haben, Feiner mißgoͤnnet dem andern feine 
Geſtalt und Schönheit: denn wie es in den Geiſtern GOttes 
zugebet , alfo auch unter ihnen. Auch fo haben fie alle zuglei- 
che die Bötrliche Freuden, und genieffen alle zugleiche der 
himmlischen Speifen , in dem ift Fein Unterfcheid. Nur in 
den Farben und Staͤrcke der Kraft iffein Unterfcheid ; aber in 
der Vollkommenheit gar nichts, denn ein ieder hat die Kraft 
aller Geiſter GOttes in fich : Darum menn das Richt des Soh⸗ 
nes GOttes an fie feheinet, fo erzeiget fich jedes Engels Qua⸗ 
litaͤt mit der Karben. 

18. Sch habe der Geftalt und Farben nur etliche erzehlet; 
aber ihr find vielmehr, die ich um der Kürge willen nicht fehrei- 
ben will. Denn gleichmie fich die Gottheit in unendlich er⸗ 
zeiget mit ihrem Aufſteigen; alfo hats auch unerforfchlicher 
vielerley Farben und Geffalten unter den Engeln. Ich Fan 
dir in diefer Welt fein recht Gleichniß zeigen als den blühenden 
Erdboden im Mayen, der iftein todt und irdifch Vorbild, ' 

Von der Englifchen Freude. 

19. Nun fragt ſichs: Was thun denn die Engel GOttes im 
Himmel, oder warum oder zu was Mittel hat ſie GOtt ge⸗ 
ſchaffen? Das moͤget ihr Geitzhaͤlſe mercken, die ihr in dieſer 
Welt nach Hoffart, Ehre, Ruhm, Gewalt, Geld und Gut 
trachtet, und drenget dem Armen ſeinen Schweiß und Blut 
ab, und verpranget ihm feine Arbeit, und vermeinet, ihr 
I beffer alö der einfaltige Laye, wozu euch GOtt geſchaffen 

nt. 
20. Frage: Warum bat GOtt Fürften- Engel gefchaffen, 
und nicht alle gleiche? Siehe, GOtt iffein GOtt der Drd- 
nung: Wie es nun in feinem Regiment in Ihm ſelber, das if, 
in feiner Geburt und in feinem Auffteigen gehet, wallet und 
iſt; alfoift auch der Engel Orden. 
21. Gleich⸗ 


Eap.ız Morgenrötheim Aufgang. 149 
21. Öleichtwie in Ihm find vornemlich, 7 Qualitäten, da⸗ 
durch das ganke Göttliche Wefen getrieben wird, und fich in 
diefen 7 Qualitäten in unendlich erzeiget, und doch die 7 Qua⸗ 
litaten Primus in der Unendlichkeit find, dadurch die Göttliche 
Geburt ewig in feiner Ordnung unveranderlich beſtehet: Und 
gleichwie in Mitten der 7 Geiſter GOttes das Hertze des Les 
bens geboren wird, davon die Ööttliche Freude aufgehet ; al: 
fo ift auch der Engel Drden. 

22. Die Fürften-Engel find nach den Geiſtern GOttes ger 
ichaffen, und der Cherubin nach dem Herßen GOttes: Wie 
nundas Göttliche Weſen wircket, alſo auch die Engel ; welche 
Dualitat im Weſen GOttes aufgehet, , und fich fonderlich er= 
zeiget in feiner Wirckung ‚als im Aufiteigen des Tones oder 
des Goͤttlichen Wirckens, Ringens oder Kampfens , derfelbe 
englifche Fuͤrſt, der derfelben Dualitat am ſtaͤrckeſten zuge⸗ 
than iſt, der fanget auch feinen Reihen mit feinen Yegionen an, 
mit Singen, Klingen, Zangen, Sreuen und Subiliven. 

23. Das ift eine himmliſche Mufica : denn da finget ein ieder 
nach feiner Dualitat Stimme, und der Fürft fuͤhret den Nei- 
ben, gleichwie ein Cantor mit feinen Schulern ; und der König 
freuet fich und jubiliret mit fernen Engeln, dem groflen GOtt 
zu Ehren,und zu Vermehrung der bimmlifchen Freuden : Und 
das iftin dem Hergen GOttes wie ein heiliges Spiel, und 
darzu find ſie auch gefchaffen, zur Freude und Ehre GOttes. 
24. Wenn nun aufgehet die bimmlifche Mufica der Engel; fo 
gebet in der himmliſchen Pomp, in dem Göttlichen Salitter 
aufallerley Gewaͤchſe allerley Figuren, allerley Farben: denn 
die Sottheit erzeiger fich in unendlich, und in unerforichlicher- 
ley Art, Farben, Formen und Freuden. 

2. Nun welcher Duell-Geiff in der Gottheit fich dazuma⸗ 
len fonderlich erzeiget mit feinem Auffteigen und Liebe-Rin- 
gen, als waͤre er Primus worden, derfelbe Fuͤrſten⸗Engel hebet 
auch alsbald feine himmlifche Muhca mit feinen zugetbanen 
Engeln an, nach er Qualitaͤt mit Singen, Klingen, Pfeiffen 
* aller himmliſchen Kunſt, die in den Geiſtern GOttes auf⸗ 
gehet. 

26. Wenn aber dag Centrum in Mitten aufgehet, das iſt die 
Geburt des Sohnes GOttes ſich ſonderlich erzeiget als ein 
Triumph da gehet auf die Mufica oder Freuden aller drey Koͤ⸗ 
niglichen Regimenten der gantzen Schöpfung aller Engel. 
b K3 27. Was 


— 


27. Was nun alhie für Freude fenn mag, gebe ich einer ie 
den Seelen zus bedencken: ich Fang in meiner verderbten Natur 
nicht faffen, vielwenigerfchreiben. Mit diefem Gefang citire 
ich den Beferin jenes Leben, da wird er felber mit am Reihen 
feyn, und erfkdiefem Beift glauben geben; was er bie nicht 
verftehet, da8 wird er dort im Schauen haben. 

28. Du ſolſt wiſſen, es iſt aus keinem Steine gefogen; ſon⸗ 
dern wenn der Blitz im Centro aufgehet, ſo ſiehets und erken⸗ 
netSder Geiſt. Darum ſchaue zu und fpiele nicht zu hoͤniſch 
an diefem Orte; oder du wirft vor GOtt ein Spötter erfun 
den werden, und darf dir wol gehen wie dem König Lucifer. 

29. Run fragt ſichs: Was thun denn die Engel, ſo ſie nicht 
fingen? Siehe, was die Gottheit thut, das thun fie auch: 
Wenn die Geiffer GOttes in fich fein Tieblich einander gebaͤ⸗ 
ven, und ineinander aufſteigen alseinliebliches Halfen, Ruß 

rt und von einander Effen ; in welchen Geſchmack und Ges 
ruch das Reben aufaehet und die ewige Erquickung, davor du 
davorne nach der Range findeſt zulefen sfo gehen auch. die En⸗ 
gel fein freundlich, holdſelig und Tieblich- in dem bimmlifchen 
Revier mit einander fpagiren, und ſchauen die munderbarliche 
und liebliche Geſtalt des Himmels, und effen von. den holdſeli⸗ 
gen Früchten des Lebens. * 

39. Nun frageſt du: Was reden fie miteinander ? Siehe, du 
praͤchtiger, ſtoltzer und hoffaͤrtiger Menſch, die Welt will dir 
alhie zu enge werden, und du denckeſt es ſey dir niemand gleich. 
gi rei dich, ob du auch Engel-Art an dir haft, oder 

eufels. 

31. Wem ſoll ich nun die Engel vergleichen ? Den kleinen 
Kindern will ich fie recht vergleichen, Dieim Maͤyen, wenn die 
ſchoͤnen Röfelein blühen, miteinander in Die fehönen Bluͤmlein 
gehen, und pflücken derfelben ab, und machen feine Eranglein 

daraus, und tragen die in ihren Handen und freuen ſich, und 
reden immerdar von der mancherley Geftalt der fehönen Blur 
men, und nehmen einander bey den Haͤuden, wenn fie in die 
fchönen Blümlein geben, und wenn fie heim fommen ſo jeigen 
fie diefelbe den Eltern und freuen fich , darob dann die Eltern 
gleich eine Freude an den Kindern haben, und ſich mit ihnen 

reuen. 
32. Alſo thun auch die H. Engel im Himmel, die nehmen 
einander bey den Haͤnden, und ſpatziren in den ſchoͤnen — 
2 





Cap. iꝛ. Morgenroͤthe im Aufgang. 151 
mels Maͤyen, und reden von den lieblichen und ſchoͤnen Ge⸗ 
waͤchſen in der himmliſchen Pomp, und eſſen der holdſeligen 
Fruͤchte GOttes, und brauchen der ſchoͤnen Himmels⸗Bluͤm⸗ 
lein zu ihrem Spiel, und machen ihnen ſchoͤne Craͤntzelein, und 
freuen fich in dem ſchoͤnen Maͤyen GOttes. | 2* 
33. Da iſt nichts denn ein hertzlich Lieben, eine fanfte Liebe, 
ein freundlich Geſpraͤch ein holdſelig Beywohnen, da einer 
immer feine Luft an dem andern ſiehet und den andern ehret. 
Sie wiſſen von feiner Bosheit oder Liff oder Betrug, fondern 
die Goͤttliche Früchte und Lieblichkeit find ihnen alles gemeine, 
einer. mag fich der gebrauchen wie der. ander, da ft Feine Miß⸗ 
gun fein Wiederwille, fondern ihre Hertzen find in Liebe ver- 
under. —— F 
34. Daran hat nun die Gottheit ihren hoͤchſten Wolgefal⸗ 
len, wie die Eltern an den Kindern daß ſich ihre liebe Kinder 
im Himmel alſo freundlich und wolgebaͤren: denn die Gottheit 
in ſich ſelbſt ſpielet auch alſo, ein Quellgeiſt in dem andern. 
35 Darum koͤnnen die Engel auch nichts anders thun, als 
gleichwie ihr Vater thut; mie ſolches auch unſer engliſcher Koͤ⸗ 
nig JEſus Chriſtus bezeuget, als Er bey uns auf Erden war, 
wie im Evangelio ſtehet, indem Er ſprach: Wahrlich wahrlich 
der Sohn kan nichts von ihm ſelber thun; ſondern was Er ſie⸗ 
bet den Vater thun, das thut auch gleich der Sohn, Joh. 5: 19. 
Item : So ihr nicht umkehret und werdet gleichwie Die Kinder, 
fo koͤnnet ihr nicht in dag Himmelreich kommen, Matth.ıg:3.. 
36. Damit meinet Er, daß unfere Herken follen in Liebe 
verbunden ſeyn wieder H.Engel GOttes und daß wir follen 
freundlich und Tieblich miteinander handeln, und einander lie: 
ben, und mit Ehrerbietung zuvor kommen wie die. Engel 
GOttes. et 
37. Nicht dag wir folfen einander betruͤgen, belügen, den 
Biſſen aus dem Munde reiffen vor groffem Geitze auch nicht 
daß einer fol uber den andern ſtoltziren prangen und den ver- 
achten der nicht feine ſchlimme Teufels Liſt brauchen Fan. _ 
. 38. Dnein, fo thun die Engel im Himmel nicht > fondern fie 
Heben einander, Feiner duͤncket fich ſchoͤner ſeyn als der ander, 
ſondern ein ieder hat feine Freude an dem andern, und freuet 
ſich des andern fehöner Geſtalt und Lieblichfeit , davon denn 
ihre Liebe gegen einander aufjteiget, daß fie einander bey ihren 
Handen fuͤhren und freundlich kuͤſen. * 
* — — 39. Mer⸗ 


12°... AURORA.NNT Bam 
39. Mercke die Tieffe: Gleichwie aldımenn der Blitz des 
Lebens in Mitten der Goͤttlichen Kraft aufgebet,da alle Gei⸗ 
fier GOttes ihr Leben bekommen und ſich hoch freuen, da iſt 
ein lieblichg und heiliges Haͤlſen Kuͤſſen, Schmecken, Fuͤhlen, 
2.0 Sehen und Riechen alſo auch bey den Engeln: Went 
‚einer den andern fiehet, hoͤret und füuhlet „fo gehet in feinem 
Hertzen aufder Bliß des Lebens ‚und umfanget ein Geift den 
andern wie in der Gottheit. — ITELR" mi 
40. Hie mercke den Grund und hoͤchſte Geheimniß der En⸗ 
gel GOttes. So du nun wilſt wiſſen, wo ihre Liebe und De- 
muth und Freundlichkeit herkommt, die in ihrem Hertzen auf⸗ 
ſteiget, ſo mercke wie folget: van HR 
4. Einieder Engel iffbefchaffen wie die gantze Gottheit, 
und iſt wie ein Kleiner Gott: Denn da GOtt die Engel beſchuf, 
ſo beſchuf Er ſie aus ſich ſelber; nun iſt GOtt an einem Orte 
Fi andern, Eriff überall der Vater, der Sohn undder 9. 
eift. | I 


pe 


gehen wie der ander, alle aus dem Söttlichen Salitter ‚der 


nenher ift kommen , daß die Engel vielevley Aualitäten find, 
‚und —“ Farben und Schoͤnheit haben, und doch alles 
aus tb. nn Ni IR. at 
44. Nun hat aber ein ieder Engel alle Dualitäten GOttes 

| in 


Cap. iꝛ. Morgenröthe im Aufgang 153 
in ſich; aber eine iſt die ſtaͤrckeſte in ihm, nach derſelben iſt er 
genant, und in derſelben glorificiret. 

45. Nun gleichwie die Qualitaͤten in GOtt eine die andere 
immer gebaͤret, aufſteiget und hertzlich liebet, und eine von der 
andern immer ihr Leben bekommt ‚und wie der Blitz im ſuͤſſen 
Waſſer in der Hitze aufgehet, davon das Leben und die Freude 

Urſprung hat; alſo iſts auch in einem Engel, ſeine innerliche 
Geburt iſt nicht anders als die aͤuſſerliche auſſer ihm in GOtt. 
46. Gleichwie der Sohn GOttes auſſer den Engeln im 
mittlern Quellbrunne in der Hitze im füffen Waſſer geboren 
wird aus allen 7 Geiſtern GOttes, und erleuchtet hinwieder⸗ 
um alle 7 Geiſter GOttes, davon ſie ihr Leben und Freude ha⸗ 
ben; alſo auch in gleicher Geſtalt wird der Sohn GOttes in ei⸗ 
„nem Engel in feinem mittlern Quellbrunne des Hertzens in der 
Hitze im ſuͤſſen Waſſer geboren, und erleuchtet hinwiederum 
alle 7 Quell-Beifter des Engels. | 
=... 47. Und.gleichwie der H. Geiſt vom Vater und Sohne aus⸗ 
gehet, nnd formet und bildet undliebet alles ; alfo auch gebet 
„ber H. Beiftim Engel aus in feine Mit-Brüder, und liebet die⸗ 
„selben, und freuer fich mit denfelben. 
5,48. Deun es iſt kein Unterſcheid zwifchen den Geiſtern 
Gottes und den Engeln als am dieſer daß die Engel Creatu⸗ 
„zen find , und. ihr corporlich Wefen einen Anfang bat ihre 
Kraft aber, daraus fie gefchaffen find, die iſt GOtt ſelber und 
„ift von Ewigkeit und. bleibet in Ewigkeit... Darum iſt ihre 
Behendigkeit alſo geſchwinde wie der Menfchen Gedanken : 
wo fie. bin wollen, da find fie auch alsbald; darzır fo Fönnen fie 
‚groß und £lein feyn, wie fie wollen. X 
49 Und das iſt das wahrhaftige Weſen GOttes im Him⸗ 
„mel, ja der Himmel ſelber. So dir deine Augen geöffnet wa- 
„zen, fo ſolteſt du es alhie auf Erden an der Stelle,da bu biſt, 
klaͤrlich ſehen. Denn Fan das GOtt einen Geift des Men- 
. fehen fehen laſſen der doch im Leibe ſteckt, und Fan fich ihm im 





Sleifche offenbaren; ſo kan Er das auch wol auſſer dem Flei⸗ 
ſche thun fo Er will. 
50. Odu Suͤnden⸗Haus dieſer Welt, mie biff du mit der 
' en unddem Tod umfangen ! Wache auf,dieStunde deiner 
tetergeburt iſt vorhanden, der Tag bricht an, die Morgen: 
‚zöthe zeiget ſich. Ol du dumme und todte Welt ‚was foderſt 
du doch Zeichen d iſt doch dein santer Leib erſtarret: wilſt 
x 5 nıcht 





s 10. 1 KIAURORA, NIT ‚Bam 


nicht vom Schlaffenufivachen? Siehe, ed wird dir ein groß 
- Zeichen gegeben 5 aber dufchlaffeft und ſieheſts nicht: darum 
wird dir der HErr ein Zeichen geben in feinem Eifer, ben * 
erwecket haft mit deinen Sunden. 
Don der gansen himmliſchen Wonne aller drop 
Koͤnigreiche der Enge? 47" 

51. Alhier zeiget der Geiſt, daß mo ein ieglicher Engel be⸗ 
ſchaffen iff; daß der ſelbe Ort oder Loeus in der himmliſchen Na⸗ 
tur, darinnen und daraus er iſt eine Creatur worden, ſey fein 


eigener Sitz, den er fuͤr Natur-Recht beſitzet fo fange er in 


GOttes Liebe bleibet. Denn es der Locus, den er.von Ewig⸗ 
keit gehabt hat, ehe daß er iff eine Creatur worden; fo iſt der⸗ 
felde Galitterran dem Orte geftanden ‚ daraus er worden iff: 
Darum bleibet ihm derfelbe Sitz für Natur: Recht ‚fe lange er 
in GOttes Liebe wallet. 
52. Nicht ſolſt du aber meinen, daß GOtt hiermit gebun⸗ 
den ſey, daß Er ihn nicht doͤrfte daraus treiben ‚fo er Aa 
wallete, als ihn GOtt zum erſten gefchaffen Bat. nn fo 
lang er in dem Gehorſam und in der Liebe bleibet 8 —* 
Ort fuͤr Natur-Recht feine: wenn er ſich aber erhebt, und 
zůndet den Ort im Zorn⸗ Feuer an, fü zuͤndet er ſeines Vaters 


Haus an, und wird ein Wiederwille wieder den Locum, daraus 


er gemacht iſt. und machet aus dem was vor ‚Feitier Erhebüng ‘ 


Eined war, Zwey. 

53. Wenn nun das gefbiche, fo ſo behan Meſein toißgeigp 
Natur Recht für fich, ind der Locus behäle feines auch fuͤ 
fich : Will aber die Creatur die einen Anfang hat; fich Wiebe 
das erfte feßen, das vor der Creatur war, das Feinen Anfang 
hat, und willden Locum verderben, den fie nicht gemacht hat, 
darinnen fie iſt eine Creatur in der Liebe geſchaffen worden, und 
will dieſelbe Liebe zum Zorn⸗ Feuer machen ; fo ſpeyet billig die 
Liebe das Zorn Feuer mit ſamt der Creaturaus. 

54. Dannenhero entſtehen die Rechte in dieſer Welt and: 
denn wehn fich der Sohn wieder den Vater ſetzet, und fchla 
den Vater, fo hat er fein vaterlich Erbe verloren, und der Va⸗ 
ter magihn aus dem Haufe ftoffen ; weil er aber in des Va⸗ 
es Gehorſam iſt, fo hat der Bater Feine Macht ibn zu ent⸗ 
erben. 

55. Dieſes weltliche Recht nimmt ſeinen Urſprung von dem 
Himmel: wie og auch gar viel andere weltliche Rechte, die 
in 





Say.) Morgenrötheim Aufgang. 155 


in den Büchern Moſis geſchrieben find, die nebmen ihren An⸗ 
fang und Urſprung alle aus der Söttlichen Natur im Himmels 
weiches ich denn klar an feinem Orte beweiſen will aus vech« 
gem Grunde in der Gottheit. | 

56. Nun möchte einerfagen: So iſt dann ein Engelgar an 
den Ort gebunden, darin er erſchaffen iſt daß er nicht von 
dannen darf oder fan? Nein: So wenig als ſich die Beifter 


Gottes binden laſſen inihrem Auffteigen, daß fie nicht folten 


unter einander wallen, fo wenig werben auch Die Engel gan 
in ihrem Loco gebundert. | 
57. Denn gleichwie die Geifter GOttes immer in einander 


aufſteigen, und in ihrer Geburt ein Liebefpiel haben, und behält 


doch ein ieder Geiſt feinen natuͤrlichen Gig oder feinen Locum 
in der Geburt GOttes, und geſchicht nimmer „daß ſich die Hi- 
Be indie Kalte verwandelt, oder die Kalte in die Hitze fondern 
ein iedes behalt feinen natürlichen Locum, und ffeiget in dem 


andern auf, davon das Leben Urfprung hat ; 


58. Alfo auch die H. Engel wallen oder wandeln in allen 
Königreichen unter einander, davon empfaͤhet einer von dene 
andern, das iſt, von des andern jchönen Geſtalt, Freundlich⸗ 
keit und Tugend, feine hoͤchſte Freude; und behaͤlt doch ein ieder 
feinen natürlichen Sig oder Locum, darinnen er jur Creatur 
worden, für fein Eigenthum. | 

59. Gleich als wenn einem in diefer Welt ein Blut⸗Freund 
und lieber Menfch aus einent andern Rande beim Eommt ‚nach 


dem er ein berglich Verlangen hat gehabt, da iſt Freude und 
ein freundlich Beneveniren und Willfommen , und ein Liebes 


Gefpräach, und es erzeiget der Wirth dem Gaſt das allerbefte; 
wiewol dis nur kalt Waffer iff gegen dem bimmlifchen. | 
60. Aſo thun auch die H. Engel gegen einander: Wenn eis 
nes Königreichs Heer zu dem andern kommt, oder einer fuͤrſt⸗ 
lichen Qualitaͤt Heer zu der andern fürfklichen Qualitaͤt Heer 
Kommt, de ift nichts denn eitel Liebe-Empfangen ‚gar ein hold⸗ 
feliges Gefprache und freundliche Ehrerbietung, gar ein hold: 
feligeg Liebe-fpagiven, gar ein zuchtiges und demuthiges We⸗ 
fen, ein freundliches Kuͤſſen und Führen, da gehet an der lieb⸗ 

liche Reihen⸗Tantz. | 
61. Gleichwie die kleinen Kinder, wenn fieim Maͤyen indie 
Blumlein gehen, da ihr denn manchmal viel zufammen kom⸗ 
nen, da haben fie ein freundlich Geſpraͤche, und a 
| Blum: 


365. . L AURORA, 2 Bam, 


Blümlein viel-und mancherley. Wenn nun dig gefihehen iſt, | 
fo tragen fie diefelben in ihren Handen, und fangen an gar eie 
nen kurgweiligen Reihen-Tang,und fingen aus ihres Hertzens 


Freude und freuen ſich: Alſo thun auch die Engel im Himmel, 


Br fie aus fremden Heere zufammen kommen. 

62. Denn die verderbte Natur in diefer Welt arbeitet mit 
höchftem Sleiffe, daß fie möchte himmlifche Form hervor brin⸗ 
gen, und muͤſſen oft die Fleinen Kinder der Eltern Lehrmeiſter 
fepn, fo es die Eltern fönten verfieben; aber es iſt leider ietzun⸗ 
der die Verderbung bey den Jungen und bey den Alten; denn 
das alte Spruͤchwort lautet: Wie die Alten ſungen, ſo lerne⸗ 
ten auch die Jungen. 

63. Bey dieſer hohen Demuth der Engel ermahnet ber 
Geiſt die Kinder diefer Welt, daß fie ſich follen anfchauen ‚ob 
fie auch eine folche Liebe zu einander tragen ? ob auch eine fol: 
che Demuth bey ihnen fey ? mas fie fich beduͤncken laflen , mag 
fie wol für Engel find ? ob fie auch denen gleich find, da fie doch 
das dritte englifche Königreich inne haben? 

64. Siehe deine Liebe und deine Demuth und deine Freund: 
lichkeit will dir der Geiſt allhie ein wenig unter Augen ftellen, 
du fihöne englifche Braut ; befchaue doch deinen Schmuck, 
welch eine fehöne Freude mag mol dein Brautigam an dir ha= 
ben du lieber Engel, der du alle Tage mit dem Teufel tantzeſt. 

65. Wenn (nießunder einer erhöhet wird, und Frieget nur 
ein wenig ein Amt, fo ft ihm ſchon Fein ander , der: nicht der= 
gleichen ijt,gut genug : er achtet den Layen nur für einen Fuß: 
ſchemeh er trachtet bald darnach,, wie er der Layen Gut fan 
mit Liſt unter ſich bringen ; fan er nicht mit Lift, ſo thut ers mit 
Gewalt, damit er ſeinem Hochmuth kan genug thun. 

66. Kommt ein einfaltiger Mann vor ihn, ber fich nicht fan 
wol verbauen, fo ſtumpt er ihn ab gleich einem Hunde: Hat er 
eine Sache vor ibıne fi fo muß der recht ſeyn, der ein Anſehen 
vor ihm hat. Rath Fritz, mas biſt du wol für ein englifcher 
Fuͤrſte? Im nachfolgenden Capitel bey dem Fall des Teufels 
wirft du es finden; deinen Spiegel, befiche dich, 

67. Zum andern,wenn einer iegunder etwas mehr gelernet 
hat in weltlicher Kunſt, oder hat was mehr ſtudiret als ein 
Laye, dem iſt flugs kein Laͤye gleich, er kan ihm nicht nach der 
Kunſt reden, er kan feinen ſtoltzen Gang nicht. In Summa 
der Einfaltige muß ſein Narr ſeyn, da er doch ein ſtoltzer FH 


J er —— 

Gap.ı2. Morgenrötheim Aufgang. 157 
gel ift, und in feiner Liebe ein todter Menſch. Diefe Part hat 
feinen Spiegel auch im nachfolgenden Capitel. 

68. Zumbdritten,wenn einer iegunder reicher iſt ald der an⸗ 
der, fo muß der Arme Narr feyn : wenn er ein ſchoͤner Kleid Fan 
erzeigen als fein Nächfter, fo ift ihm ein Armer ſchon nicht 
mehr gut genug, und gehet der alte Geſang im Wercke ietzun⸗ 
der im vollen Schwange, der lautet : 

Der Reich den Armen zwinget, 
Und ibmfein Schweiß abdringet, 
Daß nur ſein Brofcheklinge 
Dieſe Engel werden auch in das nachfolgende Capitel zu Ga⸗ 
ſte geladen vor ihren Spiegel. * 

69. Zum vierten iſt doch fo gar eine teufliſche in gemein 
Hoffart, eines über das ander Auffteigen, Verachten Beluͤgen, 
Betruͤgen, Wuchern, Geigen, Neiden, Haflen, e8 brennet iego 
in der Welt wie höllifch Feuer. Ach und ewig !o Welt, mo 
it deine Demuth? mo iſt deine englifche Liebe? mo iff deine 
Freundlichkeit ? Wenn iegunder der Mund fpricht: GOtt 
grüffe dich! ſo denckt das Here: ja huͤte dich. 

70. O du ſchoͤnes englifches Königreich, wie wareſt du ges 
zieret ? wie hatder Teufeleine Mordgrube aus dir gemacht ? 
meineſt du, du ſteheſt iegund im Flor ? ja mitten in der Hoͤl⸗ 
len ſteheſt du. So dir nur die Augen eröffnet wären, fo wur: 
deft du es ſehen. Oder meineſt du, der Geift fey truncken und 
ſehe dich nicht ? o! er fiehet dich mol, deine Schande ftehet 
vor GOtt blos, du biſt ein unzuͤchtig Weib, und hureſt Tag 
und Nacht, und ſprichſt doch: Ich bin eine zuchtige Jungfrau. 
7. Ach wie ein ſchoͤner Spiegel biſt du vor den H. Engeln, 

reuch nur deine ſuͤſſe Liebe und Demuth; reucht ſie nicht nach 

der Hoͤllen? Dieſe Part werden alle in dem kuͤnftigen Capitel 

au Gaſte geladen. | 

Bon dem Königlichen Primat oder Gewalt der 
drey Englifchen Könige, 

"72. Gleichwie die Gottheit in ihrem Wefen Drenfaltig iſt, 
indem fich der Ausgang aus den 7 Beiftern GOttes Dreyfal- 
zig erzeiget und gebaret, ale Bater, Sohn, 9. Geifl, eininer 
SH tt, darinnen die ange Göttliche Kraft beſtehet, und alles 
was da ift (und find die drey Perfonen in der Gottheit doch 
nicht ein zertrennlich Weſen, fondern in einander ;) alfo auch 

| in 


a) 2 - 


. * N 
158 1. AURORA. Cap.r2. 
in gleicher Geſtalt als fich GOtt bewegte und die Engel be» 
ſchuf, da wurden drey fonderlicheEngelaus dem Heften Kern 
der Natur, aus dem Wefen der Drepheitin der Natut GOt⸗ 1 
tes, und in folcher Gewalt und Diacht, wiedie Drepheitin den 
7 Geiſtern GOttes hat. EEE 
73. Denn die Dreyheit GOttes gehet aufin den7 Geiſtern 
BHDttes, und ift hinwieder aller 7 Geifter Leben und-Herke: ' 
alſo auch find die 3.englifche Koͤnige ein ieder in feines Heeres 
oder Ortes Natur aufgangen, und fein natuͤrlicher Herr feier 
ned Orts uber dad Regiment der Engel; den Locum aber bes 
haͤft die Dreyheit der Gottheit, welche unveränderlich ff, fir 

ſich / und der König behalt das Regiment der Engel. 

74. Nun gleichwiedie Dreyheit der Gottheit iſt ein einig 
Weſen an allen Enden in dem gangen Vater, und iff mit eins 
ander verbunden wie die Glieder in eines Menſchen Leibe, und 
find alle Derter wie ein Ort, ob ein Drt gleich ein ander Ges 
fchaffte hat als der ander, wie auch des Menfchen Glieder, noch 
iſt es ein Leib GOttes; alſo auch find die 3 englifche Königreio 
che mit einander verbunden, und nicht iedes infonderheit zer⸗ 
trennet; es darf Fein englifcher König fagen: das ıft mein 
Reich, e8 darf mir Fein ander König darein kommen. 

75. Obs wol fern anfanglich naturlich Erb-Reich iſt, und 
bleibet auch feine, fo find doch alle andere Könige und Engel 
feine rechte natürliche Bruder, aus einem Vater geboren ‚und 
erben ihres Vaters Reich alle zugleiche. | 2 

76. Gleichwie die Duellgeifter GOttes ein ieder feinen nas 
tuͤrlichen Geburt⸗Sitz hat,und behalt feinen Natur-tocum für ° 
fich, und iſt Doch mit den andern Geiſtern der Einige GOtt; ſo 
die andern nicht waren, fo ware er auch nicht, auch fo fleigee 
einer in dem andern auf; alfo iff8 auch mit dem Primat der H. 
Engel befchaffen, und hat keine andere Geſtalt als in GOtt. 

77. Darum leben fie alle freundlich und friedlich bey eine 
ander in ihres Vaters Reiche, wie die lieben Bruͤderlein es iſt 
feine Graͤntze, mie weit einer darf oder nicht. 

78. Nun möchteein Einfaltiger fragen! Auf was Mittel 
gehen denn die Engel? oder worauf fteuren ſie ihren Fuß? 
Ich will dich albie des rechten Brundes berichten, und iſt ins 
Himmel fein anderer ald wie du es alhie im Buchſtaben fin⸗ 
deft: denn in dieſe Tieffe ſiehet dey Geiſt unverruckt, auch iſts 
gar begreiflich. OR; 

7I.DIE 


u Zu ee an 





nu } 


Cam. Morgenröthe im Aufgang. 159 
+79. Die gantze Natur des Himmels ſtehet in der 7 Quell⸗ 
geifter Kraft, und in dem fiebenten beſtehet die Natur oder 
Begreiflichkeit aller Dualitäten: die iſt nun gang lichte und 
dicke wie ein Nebel, aber gantz Tcheinbarlich wie ein cryſtallen 
Dieer, daß man Fan durch alles ſehen; es iſt aber Die gange 
Zieffe über fh und unter ſich ale. 

800. Nun habendie Engel auch folche Reiber , aber trockener 
zuſammen corporiret; und iſt ihr Leib auch der Kern aus der 
Natur, das Beſte oder der ſchoͤnſte Glantz aus der Natur. 
82. Rumanfdenzten Geiſt GOttes ſteuret ſich ihr Fuß der 
da iſt dicke wie ein Nebel, und helle wie ein cryſtallen Meer, 
darinnen ſteigen fie über ſich und unter fich ‚wohin fie wollen. 
Denn ihre Behendigkeit iſt fo fehnelle, wie Die Göttliche Kraft 
felber ; dochift einer geſchwinder als der ander ‚alkönachdens 
er einer Qualität iſt. na 
82. In demſelben ſiebenten Natur⸗Geiſt gehet auch auf bie 
himmliſche Frucht und Farben, und alles was begreiflich iſt, 
und iſt gleich einer Forma, als wenn die Engel ſolten zwiſchen 
Himmelund Erden in der Tieffe wohnen, da ſie aufzund nie⸗ 
derſtiegen/ und wo fie immer waren, da ruhete ihr Fuß, als 
Runde er aufder Erden. | NE 

83. Es haben die Alten den Menfchen die Engel mit Flügels 
vorgemahlet, aber fie dürfen Feine ; fondern fiehaben Hände 
und wie die Menſchen, aber auf himmliſche Art. 

84. Es wird am Tage der Auferſtehung der Todten zwi⸗ 
ſchen den Engeln und Menſchen kein Unterſcheid ſeyn, ſie wer⸗ 
den eine Formam haben. Welches ich denn an ſeinem Orte 
klar beweiſen will, und auch ſolches unſer König JESUS 
CHRISTUS ſelber har begenget, da Erfpricht : In der Auf 
erſtehung find fie glexh den Engeln GOttes, Matth.22: 30. 
Don der groſſen Herrlichkeit und Schönheit der 

drey englifchen Könige. 

‚85. Das iffder rechte Knittel, den man nach dem Hunde 
wirft, daß er fleucht: bey diefem Gefange möchte ihm Here 
ar feinen Bart ausrauffen vor Leide. Hie mercke die 

ieffe. | | 
- Bon dem Könige oder Groß⸗Fuͤrſten Micha-El. 

86. Micha-El heiſt GOttes Stärke oder Kraft, und führet 
den Namen in ber That ; denn er iſt ang den 7 Quellgeiſtern als 
lbs 2 ein 

/ 


160: "I AURORA. 7 Cap.) 


ein Kern aus —— zuſammen pe ftehet nun 
da ald an ſtatt GOttes des Vaters. 
87. Nicht der Meinung, daß er GOtt der Vater fey; weis 
cher beſtehet in den 7 Geiſtern der gangen Tieffe, und iſt nicht 
creatürlich 5. fondern auf daß in der Natur unter den Creatu: 
ren auch eine folche Creatur fey mie GOtt der Vater in den 7 
Duellgeiftern iſt, die da herrſche unter den Ereaturen. 


| 


88. Denn da ſich GStt cveatürlich machte, da machte Er, 
fich nach feiner Dreybeit ereatürlich: Gleichwie in GOtt die 


Dreyheit das gröfte und vornehmfte iſt, und doch gleichwol _ 
feine wunderliche Proporg, Geftalt und Veränderung nicht 
Fan ermeffen werden, in dem Er fich in feiner Wirckung fo 
mancherley und vielfaltigerzeiget ; alfo auch hat Er ZPrinci« 
päl-oder Fürften-Engel gefchaffen, nach dem höchften Primat 
feiner Dreyheit. 

89. Hernach hat er Fürften: Engel gefchaffen, nach den 7 


| 


j 


Quellgeiſtern, nach ihrer Qualität, als da find Gabri-El, ein 


Engel oder Furft des Tones oder ſchneller Borfchaft, fowol 

Rapha-El, und andere mehr in dem Königreiche Micha-Els. 
90, Diefeg muft du nichEverftehen, ald hatten dieſe koͤnigi⸗ 

fche Engel in der Gottheit, das ift, in den 7 Quellgeiftern 


GOttes, welche find auſſer den Creaturen, zuregieren : nein, 


ſondern ein ieder über feine Creaturen. 


g1. Gleichwie die Dreyheit GOttes über das unendliche 


Velen, und über die Figuren und mancherley Geftalt in der 
Gottheit vegieret, und daſſelbe verändert und bildet ; alfo find 
auch die drey englifche Könige ein Herrüber ihre Engel bis in 
das Hertze und tieffeften Grund :_ob fie fie ſchon nicht Fönnen 


corporlich verändern wie GOtt felber ‚der fie geſchaffen hat, 


noch regieren fie fie corporlich, und find ihnen ver. 
verbunden, wie Leib und Gecle einander verb i 

92. Denn der König iſt ihr Haupt, und ſie ſi nd des Rönig es 
Glieder, und die Duell- Fuͤrſten⸗Engel ſind des Koͤniges Sie 
the oder Geſchaͤffte: Gleichwie im Menſchen die fünf Sinnen, 
ober wie die Haͤnde und Fufle, oder das Maul, Naſen, Augen 
und Ohren, Damit der König feine Gefchaffte verrichtet. 

3. Nun gleichwie alle Engel dem Könige verbunden find, 
olfi if auch der König GOtt feinem Schöpfer verbunden ‚wie 
Leib und Seele. Den Beib bedeutet GOtt, und die Seele der 
englifche König, ber indem Leibe GOttes ift, und iſt ge * 

.. geibe 








Capıız, Morgenröthe im Aufgang. 161 
Leibe GOttes zur Creatur worden, und bleibet ewig in dem 
Leibe GOttes, wiedie Seele in ihrem Nefte: Darum hat ihn 
auch GOtt alſo hoch gloriſiciret als fein Eigenthum , oder wie 
die Seele im Leibe glorificiret iſt. ! 

94. Alfo ſiehet der König oder Groß-Furft Micha-El GOtt 
dem Vater gleich in feiner Glorifteirung oder Klarheit und iſt 

ein Koͤnig und Fuͤrſte GOttes auf dem Berge GOttes, und 
hat das Amt in der Tieffe, darinnen er geſchaffen iſt. 

5. Derſelbe Eirf oder Raum  darinnen er und feine Engel 
gefchaffen find, iſt fein Königreich, und er iſt ein lieber Sohn 
GOttes des Vaters inder Natur, ein creatürlicher Sohn, an 
dem der Vater feine Freude hat. 

96, Nicht muſt du ihn dem Hergen oder dem Fichte GOt⸗ 
‚ tes vergleichen, das da iff in dem gantzen Vater, das da weder 
Anfang. noch Ende hat, wie GOtt der Vater felber. 

97. Denn dieſer Fürfte iſt eine Creatur, und hat einen An: 
fang : er iſt aber in GOtt dem Vater, und ift mit Ihm in ſei⸗ 
ner Liebe verbunden als feinlieber Sohn, den Er aus jich fel- 
ber gefchaffenhat. 

98. Darınn hat Er ihm aufgefeßet die Krone der Ehren, 
der Macht und Gewalt , daß im Himmel nichts höhers oder 
ſchoͤners ift, auch nichts machtigers (als GOtt felber in feiner 
Dreyheit) als Er · Und das iſt der eine König mit rechten 
Grunde in der Erfentniß des Geiſtes recht befchrieben. 

Bon dem andern Könige, Lucifer iso genant, um 

| .... feines Falleswillen. | | 

99. Alhier König Lucifer thue die Augen ein wenig zu, und 
fionfe deine Dhren ein wenigzu, daß du nichts hoͤreſt und ſie⸗ 
beft : fonft wirft du dich graufam fihamen, daß ein anderer 
auf deinem Stuhl ſitzet, und deine Schande noch vorm Ende 
der Welt foll alfo gar offenbar werden , welche du doch vonder 
Welt her haft verborgen gehalten und untergedruckt, wo du 
nur gekönt haft; iego will ich Deinen Eöniglichen Primat bes 
ſchreiben, nichtdir , fondernden Menfchen zu gefallen. 

109. Diefer hochmächtige, herrliche und fchöne König bat 
feinen rechten Namen verloren in feinem Falle; denn er heiſt 
ietzunder Lucifer, das iſt ein Verſtoſſener aus dem Lichte 
GOttes. "Sein Name ift anfänglich nicht alfo gewefen ; denn 
er iſt ein creatuͤrlicher Fuͤrſte oder a, des Hergend a 


162 I. AURORA. Gay. 
tes gemefen in dem helfen Lichte, der allerfihönffe unter den 3 
- Königender Engel. 3% | 
) Von feiner Erfhaffung. | 
101. Gleichwie Micha-El iſt erfihaffen nach. der Dualität, 
Art und Eigenfchaft GOttes des Vaters; alfo iſt auch Lucifer 
erfihaffen worden nach der Dualitat, Art und. Schönheit _ 
GOttes des Sohnes, undift in Liebe mit Ihm verbinden ge: 
weſen alsein lieber Sohn oder Hertze umd fein Hertze iſt auch 
im Centro des Lichtes geftanden , gleich als ware er GOtt fel- 


ber, undfeine Schönheit ift uber alles geweſen. Denn ſeine 
Umfaſſung oder vornehmfte Mutter ift der Sohn GOttes ge: 
wefen da ift er geftanden ald ein Königoder Furfte GOttes. 
102. Gein Revier, Drt und Raum mit feinen gangen 
Heere, darinnener ift zur Creatur worden, und das fein Koͤ⸗ 
nigreich geweſen ift , das ift der erfchaffene Himmel und diefe 
Welt darinnen wir mit unferm Könige JEſu Chriſto wohnen, 

103. Denn unfer König figer in Goͤttlicher Almacht,gleich- 
mie König Lucifer faß, auf dem Föniglichen Stuhle des ver: 
ſtoſſenen Lucifers, und des Königes Lucifers Königreich ift 
‚ nun feine worden. Fuͤrſt Lucifer, mie ſchmecket dir das? 

104. Nun gleichwie GOtt der Vater mit feinem Sohne ift 
mit groffer Liebe verbunden, alfo auch ift König Lucifer mit 
dem Könige Micha-El mit groffer Liebe verbunden gewefen, als 
wie ein Hertz oder ein GOtt: denn der Duellbrunn des Sohns 
GOttes hat gereicht Bid in Lucifers Hertz hinein. Aa 

105. Allein daß er das Licht, das er in feinem Corpus ges 
habt , zum Eigenthum gehabt bat: welches, weil es gefchie- 
nen , mit dem Lichte des Sohng GOttes, fo auffer ihm gewe⸗ 
ſen iſt, inqualiret oder incorporiret hat als ein Ding, ob ihr 
‚gleich zwey gemefen find ; noch ift es mit einander verbunden 
geweſen wie Leib und Seele. Ya 

106. Und gleichwie dag Licht GOttes in allen Kraftendes 
Vaters regieret , alfo hat er auch in allen feinen Engeln regie⸗ 
ret, algein machtiger König GOttes, und hat auf feinem 
Haupte getragen die fchönfte Erone des Himmeld,  _ 

107. Albierbey will ichs ießo bewenden laſſen, diemeil ich 
imandern Capitel werde alfo viel mit ihm zu ſchaffen haben. 
Er mag noch ein wenig albierinder Erone prangen,fie foll ibm 
bald abgezogen werden, Ber Ye lker — 

Von 


4 





Gap.ı2z, Morgenroͤthe im Aufgang. 163 
Bon dem dritten engliſchen Koͤnige, Uri-El genant. 

108. Diefer holdſelige Fuͤrſt und Koͤnig bat feinen Namen 
von dem Lichte, oder von dem Blitze oder Ausgange des Lich⸗ 
tes: das bedeutet recht GOtt den H. Geiſt. 

109. Gleichwie der H. Geiſt von dem Fichte ausgehet, und 
formerund bilder alles , und herrſchet in allem; alfo iſt auch 
die Gemalt und Holdfeligfeit eines Cherubins: Der iſt derko⸗ 
nig und das Herge aller feiner Engel, das iſt wenn ihn feine 


‚ Engel nur anſchauen , fo werden fie mit dem Willen ihreg Koö— 


nigeg inficivet. | 
no. Gleichwie der Wille des Hergens alle Glieder des Rei» 
besinficivet, daß der gantze Leib thut wie dag Herge befehlofz 


| fenbat, oberwieder 9.Geifim Centro des Herkengnufge- 


het, underleuchtet alle Glieder im Leibe; alfo auch inficireg 
der Eherubin mit feinem gangen Glange und Willen alle feine 
Engel, daß fie alle zufammen find wie ein Leib, und der Kö— 
nig ift das Herge darinnen. a 

im. Nun diefer herrliche und ſchoͤne Fuͤrſt iſt nach der Are 
und Qualität des 9. Geiſtes gebildet, und iſt wol ein herrlicher 
und fchöner Furft GOttes und iſt mit den andern Fürfien in 
Liebe verbunden als ein Hertze 

2. Das find nun die 3 Fuͤrſten GOttes im Himmel, 
Wenn nun der Bliß des Lebens, das ft, der Sohn GSttes 
inmittlern Cirkel in den Duell-Geiflern GOttes aufgehet,und 
fich triumphirende erzeiget, fo fleiget auch der H. Geiſt eri- 


umphirende uͤber fich. In diefem Auffteigen fleiget auch die 


Trinitaͤt im Hergendiefer 3 Könige auf, und triumobi 
5 ein ieder nach feiner Qualitaͤt und Art. mebirer 

113. In dieſem Aufſteigen wird des gantzen Himmels Heer, 
alle Engel triumphirende und freudenreich, und gehet auf dag 
53* Teum laudamus. In dieſem Aufſteigen des Her- 
tzens wird der Marcurius im Hertzen erwecket, ſowol in dem 
gantzen Salitter des Himmels: da gehet in der Gottheit auf 
die wunderliche und ſchoͤne Bildung des Himmels in mancher⸗ 
ley Farben und Art, und erzeiget ſich ieder Geiſt in feiner Ge⸗ 
ſtalt fonderlich. | 

114. Ich Fan es mit nichts vergleichen als mit den aller 
ebelften Steinen, ald Rubin, Smaragden, Delfin, Onir, 
Saffir, Diamant, Jaſpis, Hyarinth, Amerhift, Beril, 
Sardis, Carfunckel und —— 

| a 


25. In 


164 , * 1 AURORA, Cap. n. 


"715. Su folcher Farbe und Art erzeiget fich der Natur-Him: 
mel GOttes im Aufgehen der Geifter GOttes, wenn denn 


num das Licht des Sohnes GOttes darinnen feheinet, fo iſt es 


gleich einem helleh Deere von oben ergehlter Steine Farben. . 


Von der wunderlichen Propork, Veränderung und 
Aufiteigen der Qualitäten in der himmliz 
| ſchen rate, 77 Te 
116. Weil dann der Geiſt des Himmels Geftalt zu erfennen 
giebet, fo Fan ich nicht unterlaffen alfo zu fchreiben, und laß 
es den walten, der es alfo haben will. Wiewol der Teufel 
möchte Spötter und Verachter darüber erwecken , fo frage ich 
doch nach dem nichts , mir gnüget ander holdfeligen Dffenba- 
rung GOttes: fie mögen fo lange fpotten, bis fie es mit ewi⸗ 
ger Schande erfahren werden; denn wird fie der Duell des 
Reuels wolnagen. RR; 
117. Sch binauch nicht im Himmel geftiegen, ‚und babe 


a u Te ·· —— 


folches mit fleifchlichen Augen gefehen, vielmeniger hatmird 


iemand gefaget : denn obgleich ein Engel Fame und fagte mirg, 
fo könte ichs ohne Erleuchtung GOttes doch nicht faflen, viel- 
weniger glauben. Denn ich fFunde doch immer im Zweifel, 
obs auch ein guter Engel im Befehl GOttes geweſen wars, fin- 
temal fich der Teufel auch in Geſtalt eined Engels verkleiden 
fan, die Menfchen zuverfuhren. (2. Cor.ın 14.) . 

18. Weil es aber im Centro oder Eirfel des Lebens gebo⸗ 
ven wird, als ein helle ſcheinend Licht, gleiche der himmli⸗ 
ſchen Geburt oder Aufgeben des H. Geiftes, mit feurigem 
Zrieb des Geiſtes, fo kan ıch dem nicht wiederſtehen, die Welt 
mag meiner immerhin fpotten. N > 


119. Es bezeuget der Geiſt, es fey noch gar ein kleines dahin, 


ſo wird der Blitz im gantzen Cirkel dieſer Welt aufgehen , zu 
‚welchem dieſer Geiſt ein Bote oder Verkuͤndiger des Tages iſt. 
Welcher Menſch alsdenn nicht in der Geburt des H. Geiſtes 
zu der ſelben Zeit wird erfunden werden, indem wird dieſe Ge⸗ 
burt auch ewig nicht aufgehen , ſondern er bleibet im Duell der 
Finfterniß, als ein todter harter Feuerftein , in welchem der 
Duellder Grimmigkeit und des Verderbend ewig auffteiget, 
Da wirberin der Geburt des hoͤlliſchen Greuels ewig fpotten : 
denn waſſerley Qualitaͤt der Baum iſt, deſſenerley if auch ſei⸗ 

ne Frucht. ae Yan 
A 120. Du 


m mn m _ 


Cap. i2. Morgenröthe im Aufgang. 165 

120. Du lebeft zwiſchen Himmel und Hölle, im welches 
das dur ſaͤeſt, in demfelben wirft Dir auch ernten, und daffelbe 
wird deine Gpeife feyn in Ewigkeit. Wirt du Spott und 
Verachtung faen, fo wirft du auch Spott und Verachtung 
ernten, und das wird deine Speife ſeyn. 

121. Darum, o Menſchen⸗Kind! fiehe dich vor, und traue 
nicht zu vielaufweltliche Weisheit; fie iſt blind und iſt blind 
geboren: wenn aber der Blitz des Lebens darinnen geboren 
wird, ſo iſt ſie nicht mehr blind, ſondern ſiehet. Denn Joh. 
3:7. ſpricht Chriſtus: Ihr muͤſſet von neuem geboren wer⸗ 
den, anders koͤnnet ihr nicht in das Himmelreich kommen. 
MWahrlich er muß auf eine folche Weife geboren werden im H. 
* welcher aufgehet im ſuͤſſen Quell⸗Waſſer des Hertzens 
im Blitze. 

122. Darum hat auch Chriſtus die Tauffe, oder die Wie— 
dergeburt des H. Geiſtes, im Waſſer geordnet, dieweil die 
Geburt des Lichtes im ſuͤſſen Waſſer des Hertzens aufgehet. 
Welches gar ein groß Geheimniß iſt, und iſt auch allen Men⸗ 
ſchen von der Welt her verborgen blieben bis auf heute. Das 
will ich an ſeinem Orte klar beſchreiben und beweiſen. 

123. Nun mercke des Himmels Geſtalt: Wenn du anſieheſt 
dieſe Welt, fo haft du ein Vorbild des Himmels. Die Ster⸗ 
nen bedeuten die Engel: Denn gleichwie die Sternen unveraͤn⸗ 
dert.müffen bleiben bis ans Ende diefer Zeit ; alfo muffen Die 
ig imder ewigen Zeit des Himmels ewig unverändert blei⸗ 

en 


124. Die Elementa, bedeuten die wunderliche Propors und 
Beranderung des Himmels Geftalt : Denn gleichmwie fich die 
Zieffe zwiſchen Sternen und Erden in ihrer Geſtalt immer. 
verandert, bald iftes ſchoͤn lichte, bald trübe, bald Wind, bald 
Regen „bald Schnee, bald ift die Tieffe blau , bald grünlich, 
bald weißlich, bald dunkel; Ä 

125. Alfo iſt auch die Veranderung des Himmels in man⸗ 
cherley Farben und Geftalt ; aber nicht auf folche Art wie in 
diefer Welt, fondern alles nach dem Auffteigen der Geifter 
GOttes: und das Licht des Sohnes GDttes fcheinet ewig 
drinnen, aber es hat doch einmalein gröffer Aufſteigen in ber 
Geburt als das ander: darum iſt die wunderliche Weisheit 
Gttes unbegreiflich. 
126, Die Erde bedeutet die himmlifche Natur oder den 7ten 
N 8 BR er Natur⸗ 


166 u, Bs AURORA,. 0. @ap.ı2. 
Natur⸗Geiſt, darinnen die Bildungen und Formenund Far: 
ben aufgehen. Die Vögel, Fifche und Thiere bedeuten die . 
mancherley Geſtalt der Figurenim Himmel. 
127. Das folft du wiſſen, denn es bezeugets der Geift im 

Blitze, daß im Himmel gleichwol allerley — aufgehen, 
gleich den Thieren, Voͤgeln und Fiſchen dieſer Welt, aber auf 
himmliſche Form, Klarheit und Art; ſowol allerley Baͤume, 
Stauden und Blumen: aber gleichwie es aufgehet, alſo ver- 
gehets auch wieder: denn es wird nicht zuſammen corporiret 
gleich den Engeln, denn es figuriret ſich alſo in der Geburt der 
aufſteigenden Qualitaͤten indem Natur⸗-Geiſt. 

128. Wenn eine Kignrin einem Geiſte gebildet wird, daß 
ſſe beſtehet, und fo der andere Geiſt mit dieſem ringet und ob⸗ 
ſieget, fo wird fie wieder zertrennt oder ja verandert , alles 
un * Qualitaͤten Art: und das iſt in GOtt wie ein heiliges 

Spiel. ei 

129. Darum find auch die Crenturen, ald Thiere; Vögel, 

Fiſche und Würime in diefer Welt nicht zum ewigen Weſen ges 
fchaffen, fondern zum verganglichen , gleichwie die Figuren 
des Himmels auch vergeben. Das fege ich nur zu einer Anz 
leitung hieher, bey der Schöpfung diefer Welt wirft du es 
ausfunrlich gefchrieben finden. 


Das nz. Capitel. 


Bon dem erfchrecklichen, Fläglichen und elen⸗ 
den Salle des Koͤnigreichs Lucifers. 


Summarien 


Itation. . . Vom Anfang der Sünde und des Teufels Urſprung 

Ih ifis bishero verborgen blieben zn mil ſichs dinen 2:5. Der 

- — Zeufel beichuldiget GOtt. 6. Prädeftination. 7. Die Schrift 
wird geserret. 8._ Der Teufel und feine Advocaten find Lügner ‚und 
Baumeiſter der Höllen.g.ıo. GOtt will nicht das Bdfe; er hat es ver⸗ 
boten. usız. Citatio.ı4. Die Ernte iſt nahe. ib. Warnung.ıs. Es 
wird fich nicht ein ieder in des Autoris Waare ſchicken. 16. Ein ieder 
fen fürfichtig.ı7.. GOttes Picht iſt nöthig im Herten; denn es ſcharfen 
Verſtand bedarf, und die Armatur GOttes. 18:20. Es wird ihm 
Ihruindeln, 21. Eigene Erfahrung. 22. Eine ſtrenge Arbeit iſt nöchig 
Gen gewafnet.23.24. Ohne Sieg tits vergeblich DerWeg iſt en9.25- 
Bitte umden H.Geift: denn ohne Erleuchtung iſt Fein Weritand ; auch 
muſt dur in der diebe wallen. 2628. Aus der Ratur iſt alles. —— 
29. Der Trieb ſtehet in der Engel Leib.30 Lueifer hatte den kraͤf ao 
— 2 





eramp: u ’ 2 
Gap. rz. Morgenröthe im Aufgang. 167 
Leib; zi. feine Hoffart. 32. Im Hersen gehet die Geburt auf.33. Sein 
Richt hat des Sims fa ne 34. Die7 Duellgeifter ha- 
ben die Gewalt, und geben ihren Willen zur Geburt 235. 36. Jeder hat 
den Zügel bey der Hand und find. mit GOtt verbunden 37.38. Die Gei⸗ 
fter im Lucifer waren nicht gehorſam; blieben nicht in Demuth. 39. 40. 
Sein Picht und GOttes Hers folten Brüder feyn. 41. Die Engel, ſolten 
bet ſpielen vor GOttes Herb. 42. Die 7 Geifter jolten Tieblich aufs 
eigen, und ihr Licht fanfte Leuchten, nit Lobgeſang: 43:45. fie erhuben 
fich aber wider Natur-Recht, und zündeten den Galitter an. 46. Dar: 
aus entſtund Wiederwillen und Eigenheit.47.48: Der Teufel iſt ſelbſt 
Schuld daranz 49. hat ihme die grimmige Dualität zugerichtet; ein 
geind GOttes und alerMenfchen. 50:54. Die Beſchreibung der Qua⸗ 
litaͤten in der innerften Geburt. 55. Wie die Kälte im Winter : alio ift 
die harte Dualität im Centro. 56.57. ‚Die bittere ütreiffend.s8. Dieje 
2 Dualitäten gebären die Hise.ib.. Wo num feine Loͤſchung / iſt lauter 
eindfchaft. sg. Eine Qualität wieder die andere und die Hitze wieder 
ende. 60°62. Nach dieſen 4 Dualitäten wird GOtt eiferig genennet. 
63. Eitatio. 64:66. Proceß. 67.68. Keine Ducktät iſt ohne die ande: 
re.69. Die Schärfe dienet zur Coagulation.des Corpus. 70. Gleich: 
niß zur Abbildung. 71. Die 7 Räder find die 7 Geiſter GOttes. 72. 73. 
Der Sohn GEOttes tft das Centrum im Auf⸗- und Abſteigen Der Geifter. 
74:76. Der H. Geiſt iſt der Werckmeiſter. 77. 78. Die ſuͤſſe Dualitat 
ift der bittern Sterben, 79. daraus der Blitz; go. und im Licht iſt die 
Sreude, darin das Reben. 81.82. Die 7 Geiſter inficiren ſich mit einans 
der, und gebären den Ton und Lobgeſang. 33.84. Im ſuͤſſen Licht ſaͤufti⸗ 
get ſich die Hige. 85. Die Schärfe bleibet im Kern verborgen. 86. Die 
Gottheit ringet janft. 87. Durch) gefchwindes Erheben kommt nord: 
nung: 88. In der Welt und Teufeln its anders. 89. So ſchoͤn war £u: 
eifer, und nicht bos geichaffen. 90:93. Gott hat ſich gar janft in der 
herben Dualität beweget zur Schöpfung. 94. Der EngelCorporirung, 
25.96. Fucifer war aus dem ganken Koco gecorporiret: welcher Cirk 
ieſe gange Welt beareift. 91:99. Die Geburt GOttes_in den Engeln. 
100. Das Licht hat fie verklaͤret und erleuchtet,ıon, Der neue Sohn 
im Hergen Lucifers hatte Gemeinichaft mit dem Sohne GOttes aufler 
fih; und hat fein Get mit GOttes Geift inqualirt; und iſt Luecifer ein 
Fürft GOttes geweſen, der mit GOtt inqualiren follen. 102-105. GOtt 
wallet fanft. 106.107. Nicht als GOtt ſelbſt, ſolte er wallen.ıoe. Der 
Ton jolte lautbar feyn. ib, Im Gebet ſollen wir mit GOtt bilden. 109. 
110. Die Speife jollen wir für Natur-Recht gebrauchen. m. Der Geiſt 
in den Engeln hilft bilden. n2. Wie GOtt thut,thun die Engel. 113.114, 
Eott ift alles.us, Eucifers Ungehorſam und Erhebung. 116.117. Die 
Geifter zündeten fich zu ſehr an; us. der Blitz rieb fich mit der bittern 
Duakität zug. das fülle Waſſer vertrocknete; 120, ızı.. die Hitze kon⸗ 
te nicht brennen; 122.123. der Waſſer-Geiſt ward verwandelt. 124. 
Die Säure hatihren Urſprung. 125. Die Duell-Beifter fliegen in ein⸗ 
ander auf: waren aber eitel Hitze und die Dualitäten wider einander. 
126-128. Ueftand der Gift:und Todes. 129. Im dieſem Wüten ift Luchs 
fers Leben geboren. 130. Wieder Bater ‚fo der Sohn und der Ton. 
131, 132, Wie der Geiſt im Hertzen, fo gebek er zum Mund aus, 133. 


24 Vor 


168 SL AURORA: ° Cayın. 
Dr diefen Spiegel will ich alle hoffartige, geißige , neidi⸗ 
ge und zornige Menfchen geladen haben, da werden fie 
den Urſprung ihrer Hoffart, Geitzes, Neides und Zor- 

nes fehen, und auch den Ausgang und endliche Belohnung. 

2. Es haben die Gelehrten viel und mancherley Monftra 
berfurbracht von dem Anfang der Sünden und Urfprung des 

Teufels und haben fich damit gekratzet; ein ieder hat gemeinet, 

er habe die Axt bey dem Gtiele, und ift ihnen gleichwol ſaͤmt⸗ 

lich verborgen blieben bis aufdato. | 

3. Weil fichsaber nunmehr will ganglich offenbaren, als 
wie in einem hellen Spiegel, fo ifEwolzu vermuthen, daß der 
groſſe Tag der Dffenbarung GOttes nunmehr vorhanden ift, 
da fich die Grimmigkeit und das angezundete Feuer von dem 
Lichte feheiden wird. ? | | 

4. Darum foll fich Feiner felber ſtockblind machen : denn die 
Seit der Wiederbringung, was der Menſch verloren hat, die iſt 
nunmehr vorhanden, die Morgenvöthe bricht an, es ift Zeit 
vom Schlaffe aufzinwachen. 

5. Nun frage ſichs: Was iff denn der Duell der erften 
Suͤnden des Königreichs Kucifer3? Alhie mug man die böch- 
ſte Zieffe der Gottheit wieder vor die Hand nehmen, und be: 
feben, woraus König Lucifer iſt zu einer Ereatur worden, oder 
was der erfte Quell der Bosheit in ihm gemefen fey. 

6. Es entſchuldiget fich der Teufel und feine Rotten, ſowol 
auch alle gottlofe Menfchen, die in der Verderbung gejeitget 
werden, noch immerdar, GOtt thue ihnen unrecht, daß Er fie 
verflofle. 

‚7. Es darfauch mol die iegige Welt fagen, GOtt habe es in 

feinem vorfeßlichen Rathe alſo befchloflen , daß etliche Men- 

ſchen follen feelig ſeyn und etliche verdammt ; darzu babe 

GOtt den Fürften Lucifer Darum verftoflen, daß er fol ein 

Spectakel feyn des Zorns GOttes. 

8 . Als gleich ob die Hölle oder das Boͤſe von Ewigkeit ge⸗ 
weſen waͤre, und GOtt in feinem Fuͤrſatz haͤtte, daß Creaturen 
darinnen ſeyn ſollen und muͤſſen; und kratzen und dehnen ſich 
alſo mit den Schriften ſolches zu erweiſen, da ſie doch weder 
Erkentniß des rechten GOttes noch der Schrift Verſtand har 
ben: wiewol indie Schrift auch etlich irrig Ding gebrauen iſt. 

9. Chriſtus fager : Der Feufelfey ein Mörder und Lugner 
dom Anfang gemefen, und ey in der Wahrheit nie —— 

on, 


Gapırzz. Miorgenröthe im Aufgang. 169 
Joh. 8:44. Weil ihm aber diefelben Rechtſprecher und Dis 
fputiver fo treulich beyftehen, und verkehren GOttes Wahr: 

it in Zügen, indem ſie aus GOtt einen durffigen und grim- 
migen Teufel machen, der das Böfe geſchaffen habe und noch 
SZ fo find fie mit famt dem Teufel allzumal Mörder und 

ugner. 

10. Denn gleichwie der Zeufel ein Stifter und Vater der 
Höllen und Verdammniß ift, und hat ihm die hoͤlliſche Quali: 
tat jelber erbauet und zugerichtet zu feinem koͤniglichen Sitz; 
alſo ſind auch ſolche Seribenten der Luͤgen und Verdammniß 
Baumeiſter die den Teufel helfen feine Luͤgen beſtaͤttigen, und 
aus dem barmhertzigen henlichen ‚freundlichen GOtt einen 
Mörder und eifrigen Berderber machen, und verfehrenG Dt: 
tes Wahrheit in Ligen. 

u. Denn im Propheten fpricht GOtt: Go mahr sch lebe, 
Sch habe nicht Luft am Tode des Suͤnders, fonderndag er fich 
befehre und lebe. Hezech. 33:11. Und im Palmen ſtehet: Du 
Biff nicht ein GOtt, der das Boͤſe will. PL. 5:5. 

12. Darzu hat GOtt den Menfchen Gefeße gegeben, und dag 
Dofe verboten, und das Gute geboten. So denn GOtt das 
Böfe wolte, und auch das Gute, fo müfte Er mit Ihm felber 
uneins feyn, und wurde felgen, daß eine Zerfförung in der 
Gottheit ſey, daß eines wieder das ander lauffe, und eines das 
ander verderbe. 

13. Run wie diefesalles befchaffen ſey, oder mie bie Bos⸗ 
heit feinen erſten Duell, Urſprung und Anfang ‚habe genom- 
men, will ich in höchfter Einfakti in der gröffen Tieffe erklären. 


14. Es ladet und citiret derowegen der Geift alle verirrete 
und vom Teufel verführete Menſchen auf diefe Schule vor 
diefen Spiegel, da werden fie dem Mord-Teufel ins Herge fe- 
ben. Wer jich nun vor feiner Lügen nicht hüten will, da er 
doch wol Fan, dem iff fein Rath weder hie noch dorte: wer mit 
ihm füen will, der wird auch mit ihm ernten. Im Centro 
des Blitzes bemeifet ſichs, daB die Ernte ſchon gar weiß if, de 
wird ein ieder einernten, mager ausgefüet hat. - 

15. Alhie will ich mein überantmortet Pfund auf Zinfe aus⸗ 
leihen, wie mir denn befohlen iſt: wer nun mit mir wuchern 
and handeln will, dem fols frey ſtehen, er jey gleich, ein Chriſt, 
Jude, Tuͤrcke oder Heide, es gilt a alles gleich; mein m. 

au 


70... L AURORA © Gay. 
Haus ſoll einem ieden offen ſtehen, und ft a gefinanget 
oder betrogen werden, fondern es foll ihm Recht gefcheben. 

16. Da mag nun ein ieder zufehen, Daß er handele, damit er 
feinem Heren Wucher erwerbe : denn ich fürchte mol, es wer⸗ 
de ſich nicht ein ieder Kaufmann koͤnnen in meine Waare ſchi⸗ 

en, ſintemal ſie manchem gar unbekant wird ſeyn; ſo wird 
auch nicht ein ieder meine Sprache verſtehen. 

17. Derowegen will ich einen ieden gewarnet haben, daß er 
vorſichtig handele, und ſich nicht beduͤncken laſſe, er ſey reich, 
er koͤnne nicht arm werden: Warlich ich habe wunderbarliche 
Waare feil, es wird ſich nicht ein ieder darin verſtehen. 

18. Da nun einer in ſeiner vollen Weiſe hinein plumpte und 
geriethe in Verderben, der mag ihm ſelber die Schuld geben, 

er bedarf wol eines Lichtes in feinem Hertzen, damit fein Ver⸗ 
ſtand und Gemuͤthe moͤchte regieret werden. 

19. Anders komme er nur nicht auf mein Kauf⸗ Haus, oder 
er betreugt ſich ſelber: denn Die Waare, die ich feil habe, Die iſt 
gar edel und theuer, und bedarf gar ſcharfen Verſtand. Dar⸗ 
um ſiehe dich vor, und ſteig nicht in die Hoͤhe, wo du keine Leiter 
ſieheſt; oder du faͤlleſt. 

20. Mir aber iſt die Leiter Jacobs gezeiget, darauf bin ich 
geſtiegen bis in Himmel, und habe meine Waare empfangen, 

die ich feilbabe: Wil mir nun iemand nachfleigen, der ſehe 
auch, dag er nicht truncken fey ; fondern er muß umgüvtet 
ſeyn mit dem Schwert des Geiſtes. 

21. Denn er muß durch eine graufame Tieffe ſteigen, der 
Schwindel wird ihm oft in Kopf kommen: darzu muß er mit- 
ten durch der Höllen Neich fleigen : was er alda wird für 

- Berhönung und Spott müffen leiden, das wird er wol er= 


ohren. 

22. ch habe es in diefem Kampf auch oft * mit trau⸗ 
rigem Hertzen erfahren: die Sonne iſt mir oft verloſchen aber 
wieder aufgegangen; und je oͤfter ſie verloſchen iſt, je heller 
und ſchoͤner iſt ſie wieder aufgegangen. 

23. Nicht ſchreibe ich mir dis zum Lobe, ſondern ob dirs 
auch alſo ginge, daß du darum nicht gar verzweifelſt: denn 
es gehoͤret gar eine ſtrenge Arbeit hierzu, wer zwiſchen Him⸗ 
mel und Hölle will mit dem Teufel fechten; denn er iſt ein 
maͤchtiger Fuͤrſt. 

24. Darum ſchaue zu/ daß du den Pantzer des ee 


Cap. 13. Morgenroͤthe im Aufgang. 17ı 
babeft, anders komme nur nicht auf mein Kauf⸗Haus, oder du 
wrirſt mit dieſer Waare übel Handeln. Du muſt dem Teufel 
und der Welt abfagen,wilft du Fampfen ; ſonſt fiegeft du nicht : 
fo du aber nicht ſiegeſt, fo laß mein Buch mit frieden, und blei- 
be bey dem alten, oder du wirft böfen Lohn empfahen. Irre 

dich nicht, GOtt laͤſt ſich nicht fhotten. Gal. 6:7. 

25. Es iſt fuͤrwahr ein enger Steg, der da will durch der 
Höllen Pforten zu GOtt dringen, er muß manchen Druck und 
Quetſch des Teufels leiden. Denn das menſchliche Fleifch iſt 

ar jung und zart, und der Teufel rauh und harte, darzu fin⸗ 
der. hitzig, bitter, herb und kalt; die zwey fugen fich übel zus _ 


ammen. | u 
26. Darum willich den Lefer freufich gewarnet haben, als = 
wie mit einer Vorrede über diefe groſſe Geheimniß, ob er did 
Ding nicht verfkünde, und Doch gern verftehen molte, daßer 
wolte GOtt um feinen H. Geiſt bitten, daß Er ibn wolle mit 
demfelben erleuchten. F- 

27. Ohne Erleuchtung deflelben wirft du diefe Geheimniß 
nicht verſtehen: denn es iff in des Menſchen Geift ein feſt 
Schloß davor, daß muß vonehe aufgefchloffen werden; und 
das Fan fein Menfch hun, denn der H. Geift ift allein der 
Schluͤſſel darzu. 

28. Darum wilt du eine offene Porte in die Gottheit haben, 
fo muſt du in GOttes Liebe wallen; das habich dir zur Nach: 
richtung hieher gefeßt. 
| 29. Nun merde : Ein ieder Engel iſt geſchaffen in dem ten 
Quell-Beifte, welcher iffdie Natura : daraus iſt ſein Leib zu⸗ 
ſammen corporiret, und ift ihm fein Leib zum Eigenthum ge 
geben worden, und derfelbe iſt für fich frey, gleichwie der 
gantze GOtt frey iſt. | | 

30. Er hat auffer ihm feinen Trieb, fein Trieb und Beweg⸗ 
lichkeit ſtehet in feinem Corpus , derfelbe iſt auf Art und Weife 
wie der gange GOtt iſt, und fein Licht und Erfentniß, darzu 
fein eben wird auf Art und Weife geboren, wie das gange 
Göttliche Wefen geboren wird. Denn der Leibiffder zufam: 
men⸗corporirte Natur⸗Geiſt, und umſchleuſt die andern 6 
Geifter ‚die gebaren fich in dem Leibe, gleichmwie in der Gottheit. 

31. Rum hat Lucifer den allerfchönften und Eraftigften Leib 
im Himmel unter allen Fürften GOttes gehabt, und fein 2icht, 
das er in feinem Leibe immer geboren hat, das hat mit Be 

” 





72 .  LAURORA Gap. 
Hergen ober Sohn GOttes incorporivet, ald wäre es ein 


ing. ( 

32. Als er aber gefehen hat, daßer alfo fchöne ift, und hat 
empfunden feine innerliche Geburt und groffe Gewalt, fo hat 
fein Geift, den er in feinem Corpus geboren hat, der da iftfein 
animalifcher (feeliicher) Geift oder Sohn oder Herge, fich ent⸗ 
hebet, in millens uber die Göttliche Geburt zu triumphiren, 
und fich über dag Here GOttes zu erheben, _ 

33. Hier merde die Tieffe: Im mittlern Duell-Brunne, 
welcher ift 048 Hertze, da gehet die Geburt auf: die berbe 
Dualität reibet fich mit der bittern und Hiße, da zuͤndet fich 
das Licht an, ‚das ift der Sohn, deſſen er in feinem Leibe im: 
_ mer fihwanger ift, und das ihn erleuchtet und Ichendig macher. 
34. Nun iſt daſſelbe Licht im Lucifer alfo ſchoͤn geweſen, daß 
es hat des Himmels Geſtalt uͤbertroffen, und in demſelben 
Lichte iſt der vollfommene Verſtand geweſen, denn alle 7 
Quell⸗Geiſter gebaͤren daſſelbe Licht. 

35. Nun aber find die ſieben Quell-Beifter des Lichtes Va⸗ 
ter , und mögen der Geburt des Lichts zulaffen, wie viel fie 
wollen: das Licht Fan fich nicht höher erheben, als ihm die 
Quell⸗Geiſter zulaffen. 


36. Wenn aber das Licht geboren iſt, fo erleuchtet es alle 
7Quell-Seifter , daß fie alle 7 verftandig find, und geben alle 


7 ihren Willen zur Geburt des Lichtes. 

37. Run hat aber ein ieder Macht, feinen Wilfen in der Be- 
burt des Lichtes zu andern nach dem es vonnöthen thut: fo 
nun das gefchicht, fo Fan der Geiſt nicht alſo triumphiren, ſon⸗ 
dern muß feinen Pracht legen. Und darum find alle 7 Geifter 
in voller Gewalt, und hat ein ieder den Zügel beyder Hand, 
daß er mag inne halten, und den gebornen Geift nicht laffen 
höher triumpbiren, als ihm gebübret. | FR 

38. Die7 Beifter aber, die in einem Engel find, Die das 
Licht und den Verftand gebären , die find mit dem gangen 
GOtt verbunden, daß fie nicht folen anders oder höher oder 
fehrer qualificiven als GOtt felber ; fondern es foll eine Weife 
feyn. Gintemal fie nur ein Stücke von dem Bangen find,und 
nicht das Gange felber : denn GOtt hat fie darum aus ſich ger 
ſchaffen, daß fie follen in folcher Form und Weife qualificiren 
wie GOtt felber. 2 

39. Run thäten aber die Duell-Beifter im Lucifer 9* 

ni 


Sap.ız. Morgenröthe im Aufgang. 173.- 
nicht, fondern weil fie ſahen, daß fie im höchften Primat ſaſ⸗ 
fen , fo bewegten fie fich alfo harte, Daß ber Geiſt, den fie ge: 
boren, gan feurig ward, und ftieg im Quellbrunne des Her- 
tzens auf mie eine ftolge Jungfrau. 

40. So die Duell-Geifter hatten fein lieblich qualificire, 
wie fie thaten , ehe fie cregtürlich worden, als fie noch in ge- 
mein in GOtt warenvorder Schöpfung, fo hatten fie auch ei⸗ 
nen lieblichen und fanften Sohnin ſich geboren ‚, der ware bein 
Sohn GOttes aleich geweſen, und ware das Licht im Lucifer 
und der Sohn GOttes ein Ding geweſen, eine Inqualirung 
oder Inficirung, einlieblich Halfen, Hersen und Ringen. 

41. Dent das grofle Licht, welches ift das Herge GOttes, 
das hatte fein fanft und lieblich mit dem kleinen Licht im Luci⸗ 
fer, ald mit einem jungen Sohn gefpielet, denn der Kleine 
Sohn im Lucifer folte des Hertzens GOttes liebes Brüderlein 


eyn. | 

42. Zu ſolchem Ende bat GOtt der Bater die Engelges 
ſchaffen, daß gleichtwie Er in feinen Dualitaten vielfältig, und 
in feiner Beranderung unbegreiflich ift in feinem Riebe-Spiel; 
alfo folten auch die Geifterlein oder die Lichterlein der Engel, 
welche find wie der Sohn GOttes, vor dem Hertzen GOttes 
indem geoflen Lichte fein fanft fpielen, Damit die Freude im 
Hergen G ttes möchte hier vermehret werden, und möchte 
alfo in GOtt ein heilige Spiel fepn. 2 

43. Die 7 Beifter der Natur im Engel die folten fein lieb- 
lich in GOtt ihrem Vater fpielen und aufffeigen, wie fie vor 
ihrem creaturlichen Wefen gethan hatten, und fich in ihrem 
neugebornen Sohne freuen, denfie aus fich ſelbſt geboren hat⸗ 
sen, welcher das Licht und Verſtand ihres Leibes iff. 

44. Und daffelbe Licht folte fein fanfte in dem Hergen GOt⸗ 
ses auffteigen , und fich indem Lichte GOttes freuen, als wie 
ein Kind bey feiner Mutter: da folte ſeyn hertzlich Lieben und 
freundlich Kuͤſſen, gar ein fanfter und lieblicher Geſchmack. 

45. In diefem folte der Ton auffteigen und fchallen mie 
Singen und Klingen, Loben und Jubiliren, und folten fich 
alle Qualitäten darinnen freuen,und ein ieder Geiſt ſeine Goͤtt⸗ 
liche Arbeit treiben, wie GOtt der Vater felber. Dennfo 
ches hatten die7 Geifter in vollfommlicher Erkentniß dennfie 
waren mit GOtt dem Vater inqualivet, daß fie alles Eonten 
fehen, fühlen, ſchmecken, riechen und hören, was GOtt 
ihr Bates machte, 46. As 





vi 


174 N I, AURORA: * Cap. J 

46. Als fie fich aber erhuben in ſcharfer Anzundung, fo thaͤ— 
ten fie ja wieder Natur⸗Recht anders, als GOtt ihr Vater 
thaͤte, und das war ein Duell wieder die gange Gottheit. Denn 
fie zundeten den Galitter des Corpusan, und gebaren einen 
boch-triumphirenden Sohn, derinder herben Dualitat mar 
harte, rauh, finfter und kalt; inder füffen brennend, bitter 
und feurig. Der Ton war ein harter Feuerklang; Die Liebe 
war eine hochmuͤthige Feindſchaft wieder GOtt. 

47. Da ſtund num die angezundete Braut indem fiebenten 
Natur⸗Geiſte wieeine fiolge Beltia, und vermeinte nun, fie 
ware über GOtt, es waͤre ihr nchis gleich. Die Liebe war 
erkaltet, das Hertze GOttes konte fie nicht beruͤhren; denn 
es war einWiederwillen zwiſchen ihnen: Das Hertze GOttes 
wallete fein ſanft und liebreich; ſo wallete das Hertze des En⸗ 
gels gantz finſter, hart, kalt und feurig. 

48. MNun ſolte das Herbe GOttes mit dem Hertze des En⸗ 
gels inqualiren, und das konte nicht ſeyn: denn ed war Harte 
wieder Weich, und Sauer wieder Suffe und Finfter wieder 
Licht, und Feuer wieder ein lieblich Warmen und harte Po⸗ 
* wieder einen lieblichen Geſang. 

Hoͤre Lucifer, wer iſt nun Schuld dratt, daß du biſt ein 
Sei el worden? Iſts GOtt, wie du leugſt? O nein, du fel: 
ber: Die Quellgeiſter in deinem Corpus ‚der du felber biſt, die 
haben dir ein folch Söhnlein geboren. ' Du kanſt nicht Tagen, 
dag GOtt den Galitter, daraus Er dich machte, bat ange⸗ 
zündet ; fondern Deine Duellgeifter thäteng, achdem du ſchon 
ein Fuͤrſt und König GOttes wareſt. 

50. Darum wenn du ſageſt, GOtt habe dich alſo geſchaf⸗ 
fen, oder ohne genugfame Urfachen aus deinem Loco geſpeyet, 
fo biſt du ein Lügener und Mörder: denn das gantze Himmels⸗ 
Heer giebt Zeugniß wieder Dich, daß du Dir Die grimmige Qua⸗ 
litaͤt haſt ſelber zugerichtet. 

sı. Iſts nicht wahr, fo fahre vor Gottes Antlitz und ver⸗ 
antworte dich: Aberdu ſieheſts ohne das wol, und darfſt es 
nicht wol anſchauen. Lieber, moͤchteſt du nicht einen freund 
lichen Ruß von dem Sohne GHttes haben, daß du dich einmal 
labeſt? wo du recht biſt, ſo ſchau Ihn doch einmalan, viele 
leicht wirſt du geſund. 

52. Aber warte ein wenig, ed ſitzt ein anderer auf deinem 


= Sufk, der laͤſſet fich kuͤſſen, und iſt ſeinem Ba Hat 
ſamer 





Cay.ız. MorgenrötheimAufgang. 175 
famer Sobrt, und hut wieder Vater thut. Warte nurnoch 
eine kleine Weile, fo wird dich das höllifche Feuer kuͤſſen: 
Nimm derweil mit dem Latein für Tieb , bis dir mehr draus 
wird, du wirft bald deine Erone verlieren. 

53. Run möchteeiner frage: Was iſt denn eigentlich im 
Lucifer die Feindfehaft wieder GOtt, darum er aus feinem Lo- 
co getrieben worden iſt? Alhie will ich dir den Kern und das 

Hertze Lucifers eigentlich zeigen, da wirft du fehen, was ein 
Teufel iſt, oder wie er ein Teufel worden ift: darum ſchaue 
zu , und lade ihn nicht zu Gaſte denn er ift GOttes und aller 
a und Menfchen abgefagter Teind, und das in feine 
‚ Emigfeit. 
34.1 Wirft du nun dieſes recht verffehen und begreifen , fo 
wirſt dir nicht aus GOtt einen Teufel machen, wie etliche 
thun, die da fagen, GOtt habe das Böfe geichaffen, und 
tolle noch, daß etliche Menſchen follen verlören werden: 
welche dem Beufel feine Lügen helfen vermehren, und führen 
über ſich felbft das ftrengeirtbeil, indem fie GOttes Wahr: 
heit in Lügen verkehren Ä u 
55. Nun merde: Die gange Gottheit bat in ihrer inner 
kichffen oder anfänglichften Geburt im Kern. gar, eine ſcharfe, 
erfchreskliche Schärfe, indem die herbe Qualitaͤt gar ein er⸗ 
ſchrecklich berb,, hart, finſter und kalt Zufammenziehen iſt, 
gleich dem inter, wenn es grimmig Falt ift, daß aus dem 
Waſſer Eid wird, und darzu gang unerträglich, 
66. Dencke, wenn im Winter, wenn es alſo kalt iſt, ſolte 
die Sonne weggenommen werden, was da fuͤr eine Kaͤlte und 
antz rauhe und harte Finfternigfeyn würde; da koͤnte Fein 
eben beſtehen. Ä 
57. Auf eine folche Art iſt die herbe Qualitaͤt im innerften 
Kern in fich ſelbſt, und für ſich allein auffer den andern Qua⸗ 
Kitten in GOtt: denn die Strengigfeit macht die Zufammen- 
ziehung und Haltung eines Corpus, und die Härtigfeit ver- 
trocknets, daß es creatuͤrlich beſtehet. 

68. Und die bittere Qualitaͤt iſt ein reiſſend, durchdringend 
and ſchneidend bitter Duell: denn fie zertheilet und zertreibet 
die harte und herbe Dnalitat, und macht die Beweglichkeit. 
Und zwiſchen diefen 2 Dualitäten wird die Hige geboren von - 
ihrein arten und geimmigen bittern Reiben, Neiffen und To⸗ 


ben [ bie ſteiget in der bitterm und harten Qualität aufalgene 
grim ⸗· 


176 21:1 AURORA, Cap. 13. 
grimmige Anzuͤndung, und faͤhret hindurch als ein harter 
Feuer⸗ Klang, davon der harte Ton entſtehet, und in folchem 
Aufſteigen oder folch Auffteigen wird: in ber herben Qualität 
umſchloſſen und befeſtiget, daß es ein Corpus iſt der beſtehet. 

9: Nun fo denn in diefem Corpus feine Dualität mehr 
märe, die da koͤnte diefer vier Dualitäten Grimmigfeit löfchen, 
fo ‚wäre jo eine ſtete Feindfchaft darinnen : denn die bittere 
ware wieder die herbe, indem fie, alſo darinnen ſtuͤrmet und 
reiſſet, und die herbe zuſprenget. 

60. So waͤre die herbe auch wieder die bittere; —* fie 
die bittere alfo zufammenzeucht und gefangen hält, Daß fie ib» 
ven eignen Bang nicht haben koͤnte. 

61. Und die Hige ware wieder die alle beyde indem ſie mit 
ihrem grimmen Anzuͤnden und Aufſteigen alles hitzig und wuͤ⸗ 
tend machet, und gantz wieder die Kalteift. 

62. So waͤre der Ton eine groſſe Feindſchaft i in den andern | 
Er. indem er mit Gewalt durch alles faͤhret, als ein Wuͤ⸗ 
teri 

63. Nun diefes if alfo die allertieffeſte und innerlichfie,ver- 
borgene Geburt GOttes, nach welcher Er fich einen zorni⸗ 
gen, eiferigen GOtt nennet, wie ben den 10 Geboten am Ber⸗ 
ge Sinai zu fehen iſt. Kxod. 20: 5. Deut. 5:9. Und in ſolcher 
Qualitaͤt ſtehet die Hoͤlle und ewige Verderbniß darzu die 
ewige Feindſchaft und Mordgrube: und eine ſolche Creatur 
if der Teufel worden. 

64. Weiler aber numein abgefaafer Feind GOttes if, und 
aleichtwol die Difputiver und Zeufelshelfer wollen erzwingen, 
daß GOtt das Boͤſe und auch das Gute wolte, und daß GOtt 
etliche Menfchen babe zur Verdammmß geſchaffen; fo ladet 
ſie der Geiſt GOttes bey Poen ewiger Feindſchaft vor dieſen 
Spiegel: da ſoll ihr Hertze aufgeſchloſſen werden, und ſollen 
ſehen, was GOtt iſt, oder wer der Teufel iſt, oder. wie er, ein 
Teufel worden ift. 

65. Iſt dein Herge nicht im Tode Dertiegele durch deinen | 
Muthwillen und Bottesläfterung und. erſoffene greuliche 
Same in willens davon nicht abzuſtehen; fo wache auf und 


ee: Sch nehme Himmel und Erden, darzu Sternen und 
Elementa, und alle Creaturen und den Menſchen in feiner gar 
gen Subſtantz felber zum Zengnig, und will es auch beſen 4 





Cay.ız. Morgenroͤthe im Aufgang. 177 
Har an feinem gehörenden Orte mit allen diefen erzehlten Din⸗ 
gen ermeifen, fonderlich bey der Schöpfung aller Crea⸗ 
turen. 

G67. Genuͤget dir an dieſen Dingen nicht, fo bitte GOtt, daß 
er dir dein Hertze aufthut, fo wirft du Himmel und Hölle, dar: 
zu die gantze Gottheit in aller ihrer Qualitaͤt erkennen und fe 
hen: alsdenn wirft du wol aufhören dem Teufel Recht zu fpre: 
chen. Ich Fan dir dein Herge nicht auffihlieffen. Nun 


mercke 

Die rechte Geburt GOttes. 
68. Siehe, wie ich oben erzehlet babe, fo iſt die Geburt 
 BHttes in feinem innerſten Weſen in diefen 4 Qualitäten alfo 


ſcharf. 

609. Du muſts aber gar eigent verſtehen. Die herbe Qua⸗ 
litaͤt iſt alſo ſcharf in ihrer eignen Qualitaͤt in ſich felber : fie if 
aber nicht allein oder auſſer den andern, auch nicht von ſich 
oder in ſich ſelber geboren, daß ſie gantz frey iſt; ſondern die 
andern 6 Geiſter gebaͤren fie, und die haben fie auch bey dem 

Zügel, und mögen ihr Gewalt laſſen, mie viel fie wollen. 
Denn das füfe Quell⸗Waſſer iſt flugs die Peitſche über Die her⸗ 
be Dualität und fänftiget fie, daß fie gang dünne, fanft und. 

weich wird, darzu gang lichte. | 
70. Daßfie aber alſo ſcharf in ſich iff, das ift zudem Ende, 
daß Fan ein Corpus durch ihre Zufammtenziehung gebildet . 
‚ werden; fonftbeftunde die Gottheit nicht, viel weniger eine 
Creatur. Und in dieſer Scharfe iſt GOtt ein allbegreifflich® 
und allfafßlicher, ſcharfer GOtt; denn die Geburt und Schaͤr⸗ 
fe GOttes iſt allenthalben alfo. 

7. So ich dir aber die Gottheit in ihrer Geburt ſoll in ei⸗ 
nem kurtzen runden Cirkel recht in der hoͤchſten Tieffe be⸗ 
ſchreiben ſo iſt ſie alſo: Gleich als wenn ein Rad vor dir ſtůn⸗ 
de mit 7 Raͤdern, da je eines in das andere gemacht ware, alſo 
daß ed aufallen Enden gehen koͤnte, vor fich und hinter fich 
und quericht, und durfte feiner Ummendung ; und fo e3 gin⸗ 
ge, daß immer ein Rad in feiner Ummendung dag ander gebä> 
ve, und doch Feines verginge, ſondern alle 7 fichtlich waren. 
Und die fieben Räder gebären immer die Naben in Mitten 
nach ihrer Ummendung, daß alfo die Nabe frey ohne Veraͤn⸗ 
derung immer beffunde; die Räder gingen gleich vor fich oder 
Hinter fich oder quericht, oder uber fich ae unter fich, * 

* ie 


die Nabe gebare immer Die Speichen, baß fie in dem Umwen⸗ 
den uͤberall recht waren , und doch auch Feine Speiche vergin- 
ge, fondern fich immer alfo mit einander umdrebete, und ginge 
wohin es der Wind drehete, und duͤrfte keiner Immendung. 
72. Nun mercke, mas ich Dich befcheide: Die7 Rader find 

die 7 Geiſter GOttes, die gebaren fich immer einer den ans- 
dern, und iſt wie man ein Rad ummendet, da7 Kader in eins 
ander wären, und eines drehete fich immer anders als das 
ander in feinem Inneſtehen, und warendie7 Rader in einan- 
der gefalget, wie. eine runde Kugel. Da man doch gleichwol 
alle 7 Raͤder, eines ieden Umgang infonderheit fahe, ſowol 
auch feine gange Geſchicklichkeit mit feinen Salgen und Spei⸗ 
chen (die Falgen bedeuten auch die Speichen, ) und mit feiner 
Naben. Und die 7 Naben in Deitten waren wie eine Nabe,die 
ſich in dem Umwenden überall hinſchickte, und die. Räder ge⸗ 
baͤren immer dieſelben Naben, und die Nabe gebaͤre immer in 
allen 7 Ravern die Speichen, und verginge doch auch Fein 
Rad, ſowol auch Feine Nabe, und auch Feine Falge und Spei⸗ 
che: und daſſelbe Rad hatte 7 Raͤder, und ware doch. nur ein 
Rad, und ginge immer vor fi, wo es der Wind bin triebe. 
73. Nunfiebe: Die 7 Rader in einander „da eines immer 
das ander gebäret, und aufallen Seiten gehen, und doch Feines 
vergeher oder fich ummender, das find bie 7 Quellgeifter GOt⸗ 
tes 068 Daters, Die gebären inden 7 Radern in iedem Rad eine 
Nabe, und find doch nicht 7 Naben, fondern nureine , Die ſich 
in alle fieben Raͤder fibicket. an na 

74 Wind das iſt das Herge „oder der innerſte Corpus der 
Räder, darinnen die Räder umlauffen: Und das bedeut den 
Sohn GOttes, ‚den alle7 Geifter GOttes des Vaters in ih⸗ 
rem Eirfel immer gebaren ; und Er iſt aller 7 Geilter Sohn, 
und fie qualificiren ae in feinem Lichte, und iſt in Mitten der, 
Geburt, und haͤlt alle 7 Geifter GOttes, und fie wenden fich in 
ihrer Geburt mit Ihm alfo um. Pr 

75. Das ift, fie ſteigen num über fich oder unter fich, oder 
Binter fich oder vor fich, oder quericht ; To ift das Herge GOt⸗ 
tes immer in Mitten, und ſchickt fich immer zu iedern Quell⸗ 
geifte. Alſo iſts Ein Herge GOttes, und nicht 7, das von al⸗ 
len 7 Geiftern immer geboren wird,undift aller 7 Geiſter Her⸗ 
Ge und Leben. . 

76. Nun die Speichen, die von ber Naben und — 

* i 





Cap.) MorgenrötheimAufgang 179 
immer geboren werden, und doch fich in alle Rader im Umge⸗ 
ben ſchicken und ihre Wurtzel, Anhalt oder Einpflecken, darin: 
nen fie ſtehen, und daraus fie geboren werden, die bedeuten 
GoOtt den H. Geift, der aus dem Vater und Sohne ausgehet, 
gleichwie die Speichen aus der Naben und dem Rade, und 
bleiben Doch auch in dem Rade. 

7. Run gleichwie der Speichen viele find, und geben im: 
mer in dem Rade mit um; alſo iff der H. Geiſt der Werck- 
Meifter in dem Rade GOttes, und formet und bilder alles in 
dem gangen GOtt. t 

"78. Run hat das Rad 7 Rader in einander, und eine Na⸗ 
be,die ſich in alle 7 Rader ſchicket, und alle 7 Rader gehen an 
der einen Naben: Alſo iſt GOtt ein einiger GOtt mit 7 Quell⸗ 
geiftern in einander, da immer einer den andern gebäret ; und 
iſt doch nur Ein GOtt, gleichmwie alle 7 Kader Ein Rad. 

79. Run merde: Das Rad in feinem zufammenzcorpos 
rirten Baue bedeutet die herbe Dualitat, Die zeucht das gange 
corporliche Wefen der Gottheit zufammen, und balt eg, und 
vertrocknet es daß es beſtehet. Und das ſuͤſſe Quell⸗Waſſer 
wird von dem Umtreiben oder Aufſteigen dev Geiſter geborens 
denn wenn ſich das Licht in der Hige.gebavet, fo erfihrickt die 
herbe Dualitat vor grofler Freude: Lind das iſt wie ein Nies 
derlegen oder Dunnemwerden, und ſincket das harte corporliche 
Weſen nieder wie eine Sanftmuth. | 

80. Der Schrack oder der Anblick des Lichts ſteiget nun 
in der herben Qualitaͤt feinfanft und zitternd auf und zittert: 
der iſt nun in dem Waſſer bitter 5 und das Licht vertrocknet 
ibn, und macht ihn freundlich und ſuͤſſe. 

81. Darinnen ftehet nun das Leben: und die Freude: dent 
der Schrack oder Blitz ffeiget nun in allen Dualitaten auf wie 
ein oberzeblet Rad,das fich umwendet; da ſteigen alle 7 Geiffer 
in einander auf, und gebaren fich gleichiwie in einem Eirfel; 
und das Licht wird mitten in den 7 Geiſtern febeinend, und 
ſcheinet wieder in alle Geiſter: und darinnen triumphiren alle 
Geiſter, und freuen ſich in dem Lichte. | 

82. Gleichwie die 7 Rader an der einigen Naben umger 
ben, ald an ihrem Hergen; das ſie halt, undfie halten die Na⸗ 
ben ; alſo auch gebaren die 7 Geiſter das Here, und das Her⸗ 
ge halt die 7 Beifter, und gehen alda auf Stimmen und Goͤttli⸗ 
she Freudenreich, hergliches Lieben und Kuͤſſen. Bas 

0 M2 83. Denn 


180 L. AURORA; 0 @ap.n, 


83. Denn wenn die Seiffer mit ihrem’ Lichte in einander 
wallen, fich umdrehen und Aufiteigen, fo wird immer dag Le⸗ 
ber geboren ; denn ein Geift gibt immer dem andern feinen 
Geſchmack, das ift, er inficiret fich mie demandern. = 

84. Alfo Eoftet einer den andern und fühlet den andern s 
und der Schalloder Ton dringet von allen 7 Geiftern gegen 
dem Hergen, und ffeiget in dem Hergen im Blige des Lichts 
auf, da geben auf Stimmen und Freudenveich des Sohnes 
GOttes: und alle7 Geiſter triumphiren und freuen fich in 
dem Hergen GOttes, ein ieder nach feiner Qualität. 

85. Denn in dem Lichte in dem fuflen Waffer wird alle 
Herbigkeit und Härtigkeit und Bitterfeit und Hige geſanfti⸗ 
get und lieblich, und ift in den 7 Geiſtern nichts denn ein lieb⸗ 
liches Ringen und munderliches Gebaren , wie ein berliges 
Spiel GOttes. Eee 1 WERT ETR 

86. Shrefcharfe Geburt aber, davon ich oben gefchrieben 
habe, die bleibe als wie ein Kern verborgen: denn fie wir 
von dem Licht und füffen Waſſer gefanftiger. —** 
87. Gleichwie ein ſaurer und bitterer grüner Apfel von der 
Sonnen gezwungen wird, daß er fein lieblich iſt zu eſſen, und 
man ſchmecket doch alle feine Dualitaten ; alſo behaͤlt auch bie 
Gottheit ihre Dualitaten : aber fie ringet fein fanfte wie ein 
fieblich Spiel. —— | je 

88. So fich aber die Duellgeifter wurden erheben, und ge- 
ſchwinde in einander durchdringen, und fich harte reiben und 
quetfehen ; fo quetithte fich das ſuͤſſe Waffer aus, und zuͤndete 
fich die grimmige Hige an: alsdenn würde aufgehen das 
Feuer aller fieben Geifter , wie im Lucifer. din 
89. Das it nundie wahrhaftige Geburt der Gottheit, die 
von Emigkeit anallen Enden iſt alfo gewefen, und bleibet in al? 
fe Ewigkeit alfo. Aber im Reiche Lucifers des Verderbers 
hats eine andere! Geftalt, wie ich oben von der Grimmigkeit 
geſchrieben habe: Undin Diefer Welt; melche iegt auch halb 
angezuͤndet ift, hats ietzo auch eineandere Beftalt, bis aufden 
Tag der Wiederbringung: davon will ich bep ver Schöpfung 
diefer Welt fchreiben. — ——— 
90. Nun in dieſem herrlichen Tieblichen und bimmliſchen 
Salitter oder Goͤttlichen Qualitaͤten iſt das Königreich Luei⸗ 
fers auch gefehaffen, ohne einige groͤſſere Bewegung als der 
andern. Denn als Lucifer geſchaffen war, fo ſtunde er 





Capızz. Morgenröthe im Aufgang. 181 
gang en, und war der ſchoͤnſte Fürffim Himmel, ge- 
Vz und angethan mit der ſchoͤnſten Klarheit des Sohnes 


91. So aber Luciferin der Bewegung ber Schöpfung wäre 
verdorben, wie er fürgibt, fo hatte er feine Vollkommenheit, 
Schönheit und Klarheit niemals gehabt, fondern wäre alsbald 
ein —— finſterer Teufel geweſen, und nicht ein Che⸗ 
rubin. | 

Ron der herrlichen Geburt und Schoͤnheit des 

Koͤniges Lucifers. 

92. Siehe du Mord-und Luͤgen⸗Geiſt, alhie will ich deine 
Eönigliche Geburt befchreiben , wie du in deiner Erſchaffung 
worden biſt; wie dich GOtt erfchaffen hat, und wie du alfo 
Hr worden bift, und zu waferley Ende dich GOtt erfchaf- 

en bat. 

93: Wenn du anderft fageft, fo leugft du: denn es zeuget 
Himmel und Erden, darzur alle Creaturen, ja die gange Gott⸗ 
heit wieder dich, daß dich GOtt zu feinem Lob erichaffen bat 
aus fich felber, zu einem Fuͤrſten und Könige GOttes, wie den 
Fürffen Micha-El und Uri-El. — 

94. Nun mercke: Als ſich die Gottheit zur Schöpfung be 
weget hat, und hat wollen Creaturen in ſeinem Corpus bilden, 
ſo hat Er nicht die Quellgeiſter angezuͤndet, ſonſt wuͤrden ſie 
wol ewig brennen; ſondern Er hat ſich gantz ſanfte in der her⸗ 
ben Qualitaͤt beweget. Dieſelbe hat den Goͤttlichen Salitter 
zuſammengezogen und vertrocknet, daß es ein Corpus worden: 
und iſt die gantz Goͤttliche Kraft aller ſieben Quellgeiſter des 
Orts oder Raumes,fo weit der Engel begriffen, in dem Corpus 
gefangen und des Corpus Eigenthum worden, welches nicht 
wieder Fan oder foll zerftöret werden in Emigkeit ‚fondern ſoll 
des Corpus Eigenthum bleiben in Ewigkeit. 

95. Nun die gefangene oder zufammen corporirte Kraft 
aller 7 Quellgeifter die hat num in dein Corpus ihr Eigenthum 
gehabt, undiffin dem Corpus aufgeftiegen, und hat fich gebo⸗ 
ven nach Art und Weife, wie fich die gange Gottheit gebaret 
aller fieben Duellgeifter. 

96. Es hat ſowol immer eine Dualität die andere geborem _ 
und iſt doch auch Feine vergangen, mie in dem gangen GOtt: 
So hat fich der gange Corpus ſowol ar in BD BEN 

lo M3 re 


182000111, AURORA, ‚Say. 13. 


. ren, gleichwieft * die Gottheit auſſer dem * in der Drey⸗ 
heit gebaͤret. 

97. Dieſes muß ich aber alhie melden, daß Lucifer der Rö- 
nig iſt aus feinem gantzen Königreiche zufammen corporiret 
worden, ald das Herge des gangen Ortes oder Raumes, ſoweit 
fein gang englifch Heer ift gefchaffen worden, und foweit der 
Cirk begriffen hat, darinnen er mit feinen Engeln iſt zur Crea⸗ 
tur worden, und GOtt vor der Zeit der Schöpfung in ſich bes 
—— hatte zu einem Raum eines Königreichs. 

Welcher Cirk begreift den erfchaffenen Himmel und 
ce Melt, ſowol die Teffe der Erden und des gantzen Cirks. 

9. Nach den Qualitäten find feine Duell-FZürften geſchaf⸗ 
fen ie, welches da find feine königliche Raͤthe, ſowol alle 
feine Engel. Doch folffdu wiffen, daß ein ieder Engel alle 
7 Geiſter infich hat ; aber einer unter den 7 ift Principal. 

100. Nun ſiehe: Als nun der König Lucifer alfo zufammen 
corporiret ward, als ein Begreiffer ſeines gantzen Königreichs, 
ſo iſt alsbald zur ſelben Stunde und in demſelben Augenblicke, 
als er zuſammen corporiret worden, die Geburt der H. Drey⸗ 
faltigfeit GOttes (welches er in feinem Corpus zum Eigen- 
thum gehabt,) aufgefkiegen, und hat fich geboren wie auffer der 
Creatur in GOtt. [. Verſtehe in der Freyheit: nicht ef 
„fentislifch, fondern wie das Feuer das Eiſen durchgluͤet, 
„und das Eiſen bleibet Eiſen; oder wie das Licht die Sin: 
„ſterniß erfuͤllet/ da die finſtere Quell ins Licht ver wan⸗ 
„delt und freudenreich wird, und bleibet doch im Centro 
„eine Finſterniß; da man die Natur verſtehet, denn ein 
„Geiſt wird nur mit der Majeſtaͤt erfüller.] 

101. Dennim Zuſammentreiben des Corpus iſt gleich auch 
die Geburt mit geoffem Triumph als in einem neugebornen 
Könige in GOtt aufgeftiegen, und haben fich alle fieben Quell 
Geiſter gautz fr eudenreich und triumphirende erzeiget. Und 
iſt alsbald in demſelben Augenblicke das Licht aus den 7 Gei⸗ 
ſtern im Centro des Hertzens geboren worden und aufgegan⸗ 
gen, als ein neugeborner Sohn des Koͤniges welcher auch als⸗ 
bald augenblicklich den Corpus aller 7 Quell⸗Geiſter aus dem 
Centro des Hertzens hat verklaͤret; und von auffen bat ihn 
das Richt des Sohns GOttes verflärer. 

102. Denndie Geburt des neuen Sohnes im: Hergen Luci⸗ 
fers iſt durch den gangen Corpus gedrungen, und if ep> dem 

ob: 





Cap,nz. MorgehrötheimAufgang. 183 
Schne GOttes ‚ivelcher auffer dem Corpus geweſen, glorifi⸗ 
ciret und freundlich beneveniret worden mit der gröffen 
‚Schönheit des Himmel3, nach der Schönheit GOttes des 
Sohnes; und iſt ihm als ein liebes Hertze oder Eigenthum ges 
wefen, mit welchem die ganse Gottheit inqualivet hat- 

103. So ift auch alsbald der Beiffdes neu gebornen Sohns 
im Herßen vom Yichte Lucifers durch feinen Mund ausgegan- 
gen, und bat mit dem heiligen Seifte GOttes inqualiret, und 
ift mit höchfter Freude empfangen worden, ald ein liebes 
Bridkelein.! u. | | 

104. Nun, da ſtehet nun die fchene Braut: Was follich 
nun von ihr fchreiben ? Iſt fienicht ein Fürft GOttes geme- 
fen, darzu der allerfchönfte, darzu in GOttes Liebe, als ein 
lieber Sohn der Ereaturen? * 

Von dem erſchrecklichen, hoffaͤrtigen und nunmehr 
klaͤglichen Anfang der Suͤnden, die 
hoͤchſte Tieffe. | 

105. Hie mercke auf: Als nun König Lucifer alſo ſchoͤne, 
berrlich , hoch und heilig erbauet war, fo folte er nun anfan= 
gen und GOtt feinen Schöpfer loben ‚preifen und ehren, und 
ſolte das thun, das GOtt fein Schöpfer thate. 

106. Als nemlich GOtt fein Schöpfer der qualificirte fein 
fanfte , Tieblich und freudenreich ; und ein Duellgeift in GOtt 
fiebet immer den andern, und inficiret fich mit dem andern, 
und hilft dem andern inder himmlifchen Pomp immer bilden 
undformen. RT | 

| 107. Dadurch in der himmlifchen Domp immer ſchoͤne Fir 

guren und Gewachfe aufgehen, darzu vielerley Farben und 
Frucht; das thun die Duellgeifter GOttes, das ift in GOtt 
wie ein H. Spiel. 2 

108. Nun ſiehe: Weil denn nun ietzo GOtt hatte ewige 
Creaturen aus ſich ſelber zuſammen corporiret, ſo ſolten die⸗ 
ſelben nicht in der himmliſchen Pomp auf eine ſolche Weiſe qua⸗ 
lificiren gleichwie GOtt. Nein, denn zu dem Ende waren ſie 
nicht alſo gebildet worden: Denn der Schoͤpfer hatte aus den 
Urſachen den Leib eines Engels trockner zuſammen corporiret, 
als Er in feiner Gottheit mar und blieb, daß die Qualitaten 
folten harter und derber werden, auf daß der Ton oder Schall 
folte lautbar werden, auf Daß 5 wenn die 7 Qualitäten ur 
au * 4 I 


Engelim Centro des Hertzens das Licht und den Geiſt oder 
Verſtand gebaͤren, daß derfelbe Geift, welcher im Licht des 
Hergend zum Munde des Engels ausfahrer in die Göttliche 
Kraft, folte ald ein lautbarer Schall in aller Qualitäten 
Kraft in GOtt, ald eine liebliche Mufica, fingen, Elingen, 
und in der Bildung oder Qualificirung®Dttes als eine liebliche 
bergliebende Stimme inder Formung GOttes aufgehen. 
109. Wenn der H. Geift die bimmlifche Frucht bilder, fo 
folte der Ton, welcher im Lobe GOttes folre aufgeben aus den 
Engeln, mit in der Bildung der Frucht ſeyn; hinwieder folte 
die Fruchtder Engel Speife feyn. 
uo. Und darum beten wir auch im Vater⸗Unſer: Gib ung 
unſer taͤglich Brod, Matth. 6: n. Daß alfo derfelbe Fon oder 
Mort Gib, welches wir aus unferm Centro des Lichts durch 
den animalifchen [jeeliichen] Geift aus dem Munde von ung 
ſtoſſen in die Göttliche Kraft,foll in der GöttlichenKraft als ei- 
ne Witformung oder Mitgebarung helfen unfer täglich Brod 
bilden, welches ung hernach der Bater zur Speife giebet. 
um. Und wenn denn alfo unfer Ton in GOttes Ton incorpo: 
tiret wird, und wird.alfo die Frucht gebildet, ſo muß es ung 
ja gefund ſeyn, und wir in G ttes Liebe ſeyn; und haben die | 
Speife ald für Natur-Recht zu gebrauchen, dieweil unfer 
Geiſt in GOttes Liebe hat diefelbe helfen bilden und formen. 
Hierinnen ſteckt die innerſte und groͤſte Tieffe GOttes: O 
. bedencke dich! An feinem Orte will ichs ausführlich 
erklären. 
12. Nun zu ſolchem Ende hat GDtt die Engel gefchaffen, 
‚und das thun fie auch: Denn ihr Geiſt, welcher im Centro 


ober Herken aus ihrem Lichte, in Kraft aller 7 Auellgeifter 


aufgehet, der gebet zu ihrem Munde aus, gleichwie GOtt 
der H. Geiſt vom Bater und Sohne ; und hilft alles in GOtt 

as ift, inder Böttlichen Natur) formen und bilden durch den 

Marcurium, Geſang und Reden und Freudenfpiel: 

113. Denn gleichwie GOtt in der Natur wircket allerley 
Formen, Bildungen, Gewächfe, Feucht, Farben; alfo 
thun auch die Engel gang einfältig : und folten fie gleich kaum 
aufeinem Stecken reiten, oder in dem bimmlifchen Mayen 
ich der fehönen Blumen freuen, und davon gan einfältig re⸗ 
den ; noch dannoch ſteiget derſelbe Tom oder Rede in dem Goͤtt⸗ 
lichen Salitter mit auf, und hilft mit bilden sag t 

—J | 114. DA 





Cap.ız. Morgenröthe im Aufgang.' 185 

114. Haft du doch deffen auch viel Erempel in diefer Welt, 
dag wern manche Creatur oder Menfch nur etwas anfiehet, fo 
verdirbet es, von wegen der Gift in den Erenturen. Darger 
gen können etliche Menfchen, fowolauch Thiere und Creatu= 
ren, mit ihrem Ton oder Worten die Bosheit an einem Din- 
ge verandern, und in eine richtige Form bringen. 

115. Das iſt nun die Göttliche Kraft, der alle Creaturen 
unterworfen find: Denn alles, was da lebet und ſchwebet, dag 
iſt in GOtt, und GEOtt felber iſt alles; und alles, was gebil- 
det iſt, das iſt aus Ihm gebildet es ſey gleich aus Liebe oder 


vn. i 
Der Sunden Quell⸗Ader. 

26. Rum, wienun Yucifer alfo Eöniglich gebildet war, daß 
fein Geiſt in feiner Formirung oder Bildung in ihm aufftieg, 
und von BDtt gar fchön und lieblich empfangen , und in die 
Glorificirung gefeget ward , da folte er nun augenblicklich fei= 
nen englifchen Gehorſam und Lauff anfangen, und folte in 
GoOtt mallen wie GOtt felber thaͤte) als ein lieber Sohn indes 
Vaters Hauſe: und das thaͤte er nicht; 

117. Sondern als fein Licht in ihm geboren war im Hertzen, 
und feine Duellgeifter urplöglich mit dem hoben Lichte inficiret 
oder umfangen wurden, da wurden fie alfo hoch erfreuet, daß 
fie fich in ihrem Leibe wieder Natur⸗Recht erhuben ; und fin 
gen gleich eine höhere, ftölgere, prachtigere Dualificirung an 
als GOtt felber. 

118. Indem fich aber die Geifter alfo erhuben, und alfo 
heftig in einander triumphirten, und wieder Natur-Recht 
aufſtiegen, fo zundeten fich Die Duellgeifter zu hart an: als 
nemlich die herbe Dualität zog den Corpus zu harte zufammen, 
daß das fufle Waſſer vertrocinete. 

„119. Undder gewaltige und geoffe helle Blitz, welcher. im 
ſuͤſſen Waffer in der Hige war aufgegangen , davon bie bittere 
Dualitat im füffen Waſſer entftehet, der rieb fich ſchrecklich 
barte mit der herben Dualität, als wolteer fie zerfprengen 
vor groffer Freude. 

120. Denn der Blitz war alfohelle, daß er den Duellgei- 
ftern gleichwie unerträglich mar: Darum zitterte und rieb fich 
die bittere Dualitat alfo harte inder herben, daß die Hige wie⸗ 
der Natur-Recht angezündet ward; und die herbe vertrock⸗ 

nete auch das füffe st Zufammenziebung- 

| M 5 


121. Run 


186 --LAURÖORA Cap ‚m 

127. Nun mar aber der Hige Dualität alfo ſtreng und eifes 
rig, daßfleder herben Dualität ihre Macht nahm: denn die 
Hitze entſtehet im Quellbrunne des füffen Waſſers. 

122. Weil aber das füffe Waſſer durch die herbe Zuſammen⸗ 

ziehung vertrocknet war, ſo konte die Hitze nunmehr zu keinem 
Lohe kommen, oder zu keinem Lichte (denn das Licht entſtehet 
in der Fettigkeit des Waſſers) ſondern fie glamm wie ein ange⸗ 
zundet hitzig Eifen, dag noch nicht recht gluend iſt, und iſt 
noch gar dunkel; oder ald wenn du einen fehr harten Stein 
ing Feuer würfeft, und lieffeft den gleich in der groſſen Hige 
liegen, wielange du wolteſt, ſo wuͤrde er doch nicht glüend: 
das machts, er hat zu wenig Waſſer. 
123. Alſo zuͤndete nun die Hitze das vertrocknete Waſſer an, 
und das Licht konte ſich nicht mehr erheben und anzuͤnden: denn 
das Waſſer war vertrocknet, und ward von dem Feuer oder 
groſſen Hitze vollend verzehret. 

124. Nicht der Meinung, daß darum der Geiſt des Waf: 
ſers ſey aufgefreſſen worden, welcher in allen 7 Qualitaͤten 
wohnet ; fondern feine Duafität oder Ober⸗Quelle ward vers 
wandelt in eine dunckele, higige und faure Dualitat. 

125. Dennalhiean dem Orte hat die faure Qualitaͤt ihren 
erften Urſprung und Anfang genommen , welche nun auch auf 
dieſe Welt geerbet iſt; welcheim Himmel in GOtt auf ſolche 
Weiſe gar nicht iſt, und auch in feinem Engel: denn fie ift 
und bedeut das Haug der Trübfal und Elendes, eine Vergef 
fung des Guten. —— 

126. Als nun dieſes geſchach, ſo rieben ſich die Quellgeiſter 
ineinander nach Art und Weiſe, wie ich droben bey der Figur 
des ſiebenfaͤchigen Rades vermeldet habe: Denn ſie pflegen alſo 
ineinander aufzuſteigen und einander zu koſten, oder ſich mit 
einander zu inficiren, davon das Leben und die Liebe entſtehet. 

127. Nun aber war in allen Geiſtern nichts denn eitel hitzi⸗ 
ge, ſeurige, kalte und harte Verderbung: Alſo koſtete ein boͤ⸗ 
fer Quell den andern, davon ward der gantze Corpus alſo gar 
grimmig; denn die Hige war wieder die Kalte, und die Kalte 
wieder die Hiße. 
128. Weil denn nun das füffe Waſſer vertrocknet war , fo 
fuhr Diebittere Dualitat welche von dem erflen Blige entſtan⸗ 
den und geboren ward, als ſich das Licht anzuͤndete dem 


orpus 








Cap. Morgenrötheim Aufgang. 187 
Corpus auf durch alle Geiſter, als wolte fie den Leib zerflören, 
wuͤtete undtobete als die argefte Gift. | 

129. Und davon iſt die erſte Gift entflanden , darinnen wir 
arme Menfchen nun in diefer Welt auch zu kaͤuen haben, und 
Dadurch der bitter giftige Tod ing Fleifch kommen iſt. 

130. Run in diefem Wüten und Reiffen ward nun das Les 
ben im Lucifer geboren, das ift, fein liebes Göhnlein im Cir⸗ 
kel des Hertzens: Was nun das fir ein Leben oder liebes 
Soͤhnlein wird gewefen feyn, gebe ich einer vernuͤnftigen See⸗ 
len zu bedencken. 

131. Denn wie der Vater war, fo ward auch mun fein Sohn, 
aldnemlich ein finſter, herber, Ealter, harter, bitter, hi⸗ 
Kiger , ſaurer, ſtinckichter Duellbrunn : und die Liebe Funde 
in der bittern Qualität in ibrem Durchdringen und Schme⸗ 
cken; die ward eine Feindfchaft aller Duellgeifter im Leibe des 
bochmüthigen Königes, | 

132. Alfo flieg nun der Ton durch dag Durchdringen der 
Bittern Qualitaͤt durch die Hiße und vertrocknete Waſſer, und 
durchdieherbe, harte Dualitatin das Herg, in das liebe neue 
Soͤhnchen. 

133. Alda ging der Geiſt nun aus: Wie er im Hertzen gebo⸗ 
ren war, ſo ging er nun zum Munde aus: Was er aber fuͤr 
ein willkommener Gaſt wird vor GOtt und in GOtt geweſen 
ſeyn, und auch vor den H. Engeln der andern Koͤnigreiche, 
das gebe ich dir zu bedencken. Er ſolte nun mit dem Sohne 
GOttes inqualiren, als ein Hertze und ein GOtt: Ach und 
Ewig, wer will das genug ſchreiben oder reden! | 


Das 14. Capitel. 
Wie Lucifer der fchönfte Engelim Himmel 


iitder greulichite Teufel worden. 


Pott des Satand.s.ı. Citation. 2. Er iſt eine Feindſchaft wie: 

der GOtt. 3. ‚In Corporirung des Leibes, hat ſich das Licht im 
Lucifer angesundet; 4. und alle7 Quell⸗Geiſter erhuben ſich 
in ihrem Licht; und wichen von ihrem Sede. 5⸗9. Die Engel ſind haͤr⸗ 
ter als die Ideen. 10. u. Wegen der haͤrtern Corportrung ſchien das 
Licht helle im Corpus; darum die Duell-Geifter fols worden. ı2. 13. 
Eigenheit. ib. Ste wuſten mol daß fie ein Particular 14. Sie wol- 
genden gansen GOtt anzünden.ıs. Wurgel der hoͤlliſchen Elemen- 
een. 16. Der Duell-Geifter Trieb entiichet im Leibe; ı7. ſie heu⸗ 
ehelten einander. 18. Die herbe Dualität hat Erde und Steine or 
Vilae, \ 111478 


188 I, AURORA.» ° @ap.ız. 


liret. 19. Die bittere Qualität wolte den Corpus zerfpeengen. 20. 
Die Hitze hat das füfle Waſſer ermordet, und das geuer half dazu. .21. 
22. Der Ton fuhr aufwie ein Donner, und das Feuer als Wetter: 
leuchten , und ermordeten das füfle Waſſer. 23:25. Teufel. 26. Frage. 
27. König £ucifer hat fein gantzes Revier anzunden wollen ; 28. — te 
einen eigenen Willen erwecket; verachtete der Liebe Stuͤrmen und das 
Licht. 29.30, Frage. zu. Lucifer iſt ein groſſer Theil der Gottheit ge: 
weſen, bat auch wieder Michael geſtritten; 31. verachtete das Licht 
des Sohnes GOttes; 32. ale ſeine Engel waren ihm unterthan; wol: 
ten im Primat ſitzen und hatten einen Willen. 33.34. GOtt hats vor 
der Zeit nicht gewußt. 35. Chriftus it an feine Stelle gefchaffen. 36. 
Nach dem Zorn hats GOtt gemußt : Au der Liebe ift kein Boͤſes offen? 
bar, wol in der Empfindlichkeit: Liebe⸗wiſſen. ih. Des Geiftes Trieb 
au fohreiben. 39. Autoris Kampf, 40. Er darf nicht zurück fehen. qı. 
Zuverfiht auf GOtt. 42. Ergibt fich ind Creutz. 43. Sieben Geftals 
ten der Suͤnde. 44. 45: Die 4 Söhne des Teufeld.Streit, 46°49. Drit- 
te Eitation.so. Der 7 Geiſter Lucifers falfche Geburt foll die Hölle zu 
Lohn haben. 51.52. «Der Teufel lohnet fchlecht. 53. Der Erfte Geiſt iſt 
die herbe Dualität: obſchon in der Wurkelicharf, wird fie doch vom 
Licht des ſüſſen Waſſers temperirt; 54.55. iſt ein demuͤtiger Vater 
ihrer Kinder. 56. Aus Diefer freundlichen Gottheit it Lucifer gefchaffen. 
57. Die zuſamm⸗corporirte Geiſter hatten die Erfentniß der Göttli- 
chen Geburt; 58. ſie wuſten daß fie Creaturen in ihrem Loco waren; 
59. hatten alle Macht zu figuriren, und waren Dazu gefchaffen, 60. 61. 
wie an den auffern Ereaturen zujehen. 62. Lucifer wolte firenger ſeyn, 
als der Galitter auffer ihn. 63. Die Herbe Eunts allein nicht thun, 
und heuchelte mit den andern; 64.65. molte über GOtt mit der 
Schärfe regieren und Primus in der Gottheit feyn ; 66.67. erhub fich 
und zuͤndete fich an; 68. ſtritte mit dem füflen Hafer, machte Stei⸗ 
ne, grob Waſſer, und war kalt; davon die Härte in dieſer Welt. 69:71. 
Der Teufel verachtete die Liebe: darum muſte fich GOtt in feinem Ei: 
fer bewegen. 72.73. Citatio. 74. Beweis if dieſe bofe Welt. 75. Das 
Kind foll der Mutter gehorfamfenn. 76. Die Wohnung iſt der Mut: 
ter. 77. Der Ungehorſam wird ausgemworfen , wie an Lucifer gefches 
hen. 78.79. Der te Geift, das Waller. 80. Der Kern des füllen 
Waſſers ward Lucifer gegeben. 81. Er hats in eine Säure verwandelt, 
melche wieder das ſuͤſſe Waſſer reitet: 82:85. Iſt eine Feindſchaft wieder 
GOtt. 86. Lueifer mar aus GOtt geboren. 87. Gein Leid ſtritte wicht 
allein wieder GOtt, fondern auch fein Geiſt. 83. 89. Der Geift regieret 
im Leib. 90. Iſt ein Geift mit GOtt, wiewol nur ein Theil, und kan 
nur durch bie 7 Natur-Beifter gehalten werden. 91.92. Der Vater 
ſormirt das Wort oder Geiſt. 93. Its in der Liebe, fo ifts angenehm? 
94. DieLuft ſtecket im Hertzen: 95. Alfohat Lucifer die Natur im 
erſten Principio entzündet. 96. Solche Geftalt hats auch im Men⸗ 
fchen. 97., GHDtt it alles in allen. 98. 99. Die Liebe iſt in allen. 100. 
Das Gericht wird alles offenbaren. 101.102, Mit der Gäure grei 
Lucifer allen Erenturenins Herb. 103. No die Liebe nicht wäre, mů⸗ 
fen wir alle verderben. 104.105. Der Held im Streit iſt unſre Zu⸗ 
ſlucht. 106. Chriſtus erhält die Liebe im diefer Welt. 107. r 
Das, 


| Cap. 14. Morgenrötheim Aufgang. 189 
| Das Haus der Mordgruben. 

Lhier, König Lucifer , zeuch den Hut in die Augen, daß 
| du es nicht fieheft: man wird dir die himmlifche Crone 

abnehmen, du kanſt nicht mehr im Himmelregieren. 
Nun ſtehe noch ein wenig ftille, wir wollen dich von ehebe- 
ſchauen, welch eine fehöne Braut du biſt; ob du vielleicht noch 
Eönteft den Unflath deiner Hurerey abbaden, dag du wieder 
ke: —59 wir wollen deine Zucht und Tugend ein we⸗ 
nig beſchreiben. 
2. Wolher ihr Philoſophi und Rechtſprecher des Koͤniges 
Lucifers, nun tretet herzu und verredet ihn, weil er noch die 
Crone hat :denn alhie wollen wir Malefitz⸗Recht über ihn hal⸗ 
ten: Könnt ihr das Recht erhalten, fofoll er euer König feyn ; 
wo nicht? fo foller hinunter indie Hölle geftoffen werden, und 
ſoll einander feine Fönigliche Erone bekommen, der beffer re= 
gieret als er. 

3. Nun mercke: Als ſich nun Lucifer alfo greulich verder- 
bete , fo waren alle feine Duellgeifter eine Feindfchaft wieder 
GOtt, denn fie qualificirten alle viel anders als GOtt, und 
ward eine ewige Feindfchaft zwifchen GOtt und dem Rucifer. 

4. Yun möchte einer fagen: Wie lang iſt denn Lueifer im 
Lichte GOttesgeflanden? n. 

DDie Tieffe. 
Als der koͤnigliche Leib des Lucifers zuſammen corporiret 
ward, in derſelben Stunde zuͤndete ſich auch das Richt im Lu⸗ 
ciferan. : Dennaldbald feine Dueligeifter in der Erbauung 
des Corpus anfingen zu qualificiren und fich zu gebaren , wie 
der Natur Recht war, ſo ging der Blitz des Lebens im Hergen 
im füffen Quell⸗Waſſer auf; fo war der Fönigliche Leib ſchon 
fertig, und fuhr der Geift im Hergen von dem Lichte aus duch 
den Mund in das Herge GOttes i 
5. Damwarereinüberaus fihöner Fürft und König, und 
dem Böttlichen Wefen gar lieb und angenehme, und ward mit 
gar groſſen Freuden empfangen. Desgleichen fuhr auch der 
Beift vom Hergen in alle Quell⸗Adern des Corpus, und zuͤn⸗ 
dete alle 7 Geiſter an: Da ward der Fönigliche Leib augenblick- 
lich glorificiret,, und ſtund da als ein König GOttes in uner: 
—— Klarheit, welche des gantzen Himmels⸗Heer uͤber⸗ 
af. J 


6. Nun r 








ar 
e 


190 TI AURORA, " &ay.ız. 


6. Kun indiefem hellen und lichten Blige wurden alsbald 
die fieben Duell-Geifter angeſtecket, als wie man ein Feuer 
anſteckt: Denn fie erfchracken vor der graufamen Klarheit £ 
res Geiſtes, und wurden in dem erffen Blitze oder Anbli 
flugs hoch-triumpbhirende, erheblich, ffolß und zuviel freus 
denreich, und bewegten fich zu höherer Geburt. 

7. Go fie aber in ihrem Sede waren. blieben ſitzen, und hat- 
gen aualificiret wie fie von Ewigkeit gethan hatten, fo hatte 
ihnen das hohe Licht nicht gefihadet. Denn fie waren nicht 
neue Beifter aus etwas anders gemacht, fondern es waren 
die alten Geiſter, die keinen Anfang hatten gehabt, die im 
GOtt waren ewig gemefen, und wuſten wol der Gottheit und 
der Natur Recht , wiefie wallen folten. | 

3. Auchal3 GOtt den Corpus zufammenfigurirfe , fo toͤd⸗ 
tete Er nicht zuvorbin die Duellgeifter 5; fondern Er figurirte 
den Leib des Königes Lucifers aus dem Kern des Beſten zus 
ſammen, darinnen die allerbeſte Wiſſenſchaft war. 

. Sonſt wo die Qualitaͤten waren vorhin todt gemefen , fo 
haͤtten ſie eines neuen Lebens beduͤrft, und waͤre im Zweifel, ob 
der Engel koͤnte ewig beſtehen. | 

10. Vernims nur recht: GOtt ſchuf darum Engelaus fich 
ſelber, daß ſie haͤrter und derber zuſammen corporiret waͤren 
als die Figuren (Ideen), welche durch das Qualificiren der 
Geifter GOttes in der Natur aufgingen ‚und auch durch der 
Beifter Bewegen wieder vergingen, dag ihr Licht in ihrer 
Hartigkeit folte heller fcheinen,, und Daß der Ton des Corpus 
heil tönete und ſchallete, damit die Treudenreich in GOtt 
groͤſſer wurde ; das mar die Urfache, Daß GOtt Engel ſchuf. 

1. Daß aber gefagt wird, der Engel habe ein neu Licht ge- 
Boren, oder. einen neuen Geiſt, iſt alſo zu verſtehen: 

12. Als die Duellgeifter harter zufammen corporiret wa⸗ 
ven, fo febien das Kicht viel heller im Corpus und aus dem 
' Corpus alg vorhin im Galitter : Denn ed ging vielein hellerer 
Blitz im Corpus auf als vorhin, weil der Galitter dünne war. 
73. Darum murden auch die Duellgeifter ftolß ; und ver: 
meinten, fie hatten viel ein fehöner Soͤhnlein oder Licht als der 
Sohn GOttes war: Darum wolten fie auch fehrer qualifici⸗ 
ren und fich erheben, und verachteten das Dualificiven in 
GOtt ihrem Vater, ſowol auch die Geburt GOttes des Soh⸗ 

nes, und auch den Ausgang GOttes des H. Geiſtes, und vers 

| i s meine 


Cap.14. Morgenrötheim Aufgang. 191 
meinten ‚fie woltens thun: Weil ſie alfo herrlich zufammen. 
corporirer waren, fo wolten fie auch herrlich und prachtig auf: 
fteigen, und fich fehen laſſen als die ſchoͤnſte Hinmels-Braut. 
. 14 Sie wuſten mol, daß fie nicht der gange GOtt wären, 
fondern waren ein Stuͤcke darvon; fo wuſten fieauch wol, wie 
weit fich ihre Allmacht erſtreckte: Aber fie wolten nicht mehr. 
das Alte, fondern wolten höher feyn als der gange GOtt, und 
vermeinten,fie wolten ihr Revier über Die gange Gottheit über. 
alle Königreiche haben. NETT | 

15. Darum erhuben fie fich, in willens den gantzen GOtt zu 
regieren: Es ſolten ale Formen undBildungen in feiner Qua⸗ 
lificirung aufgehen; er wolteder Herr ber Gottheit feyn, und 
Fein anderer folte neben ihm Herr kp.) u. 

16. Das iftnundie Wurgeldes Geitzes Neides, Hoffarts 
und Zornes : denn in dem grimmen Dualificiren ‚ging der 
Sorn auf, und brante wie higig und falt Feuer, darzu bitter 
wie Öallen. | ö | 

- 17. Denn die Duellgeifter hatten einen Trieb von auffen 
in ſich; fondern der Trieb zur Hoffart erhub fich im Corpus int 
Rath’ der 7 Ducllgeifter „Die vereinigten ſich daß ſie wolten 
alleine GOtt ſeyn. — BE 

18. Weil fie. es aber in ihrem alten Sede nicht fonten anfatı= 
gen und ins Werck bringen,fo heuchelten fie mit einander: Sie, 
wolten fich erheben wieder die Geburt GOttes, und wolten im 
der hoͤchſten Tieffe qualificiren, fo wuͤrde ihnen nichts koͤnnen 
gleiche ſeyn; ſintemal fie der maͤchſte Fuͤrſt in GOtt wären. 

19. Die herbe Qualitaͤt war der erſte Moͤrder und Heuch⸗ 
ler: Denn als fie ſahe, daß fie alſo ein ſchoͤn Licht gebar,bruckte 
fie ſich noch harter zulammen ‚ald fie GOtt zufammen fchuf, 
in Deinung, fie wolte noch viel erſchrecklicher ſeyn, und alles 
in ihrem gangen Revier zuſammenziehen, und als ein ſtrenger 
Herr halten. Inmaſſen fie denn auch was gethan bat ‚Davon 
die Erde und-Steine ihren Urfprung haben, welches ich bey 
der Schöpfung der Welt fchreiben will. | 

20. Diebiftere Qualität war der andere Mörder : Als fe 
im Blige aufging, fo riß ſie mit Brechen und groffer Gewalt 
inder berben Dualitat,aldmolte fie den Corpus zerfprengen ; 
aber die herbe Dualıtat ließ iht das zu, ſonſt hatte fie wol koͤn⸗ 
nen den bittern Seift gefangen nehmen und im füflen Waffer 
baden,bis ihm der Hochmuth vergangen ware. Aber fie wol 
wis, te 


ns —— I. AURORA. Gay; 14. 
te ein folch Brůderlein haben,denn es dienete ihr: fintemalder 
. bittere Geiſt auch von ihr als von ihrem Vater Urfprung 
nimmt, und battedem wol fönnen wehren. | 

21. Die Hiteiftder dritte Mordgeift, Die hat ihre Mutter 
das ſuͤſſe Waſſer ermordet ; aber der herbe Geift iſt Urfache 
dran, denn mit feiner ſtrengen Zufammenziehung und Harte: 
machung hat er init der bittern Qualität dag Feuer alfo heftig 
erwecket und angezündet: denn das Feuer ift der herben und 
bittern Dualitat Schwert. | 

22. Weil aber das Feuer im füffen Waſſer aufgehet , fo bat 
es felber die Peitfheiin eigener Gemalt und hatte koͤnnen Die 
herbe Qualität im Waffer zurücke halten ; aber fie ward auch 
ein Heuchler, und heuchelte mit der gröften Qualität, nemlich 
der herben, und half das ſuͤſſe Waffer ermorden. 

23. Der Toniffder vierte Mörder: denn er nimmt feinen 
Klang im Feuer im ſuͤſſen Waffer und ſteiget fein lieblich im 
gangen Corpus auf. | | | 

24. Das thät er auch nicht ; fondern nachdem er im Waß 
fer aufgeftiegen war in die herbe Qualitaͤt, fo heuchelte er auch 
init der herben Dualitat, und fuhr alfo ungeftumme auf wie 
ein Donnerfchlag: Damit wolte er feine neue Gottheit bewei⸗ 
fen; und das Feuer fuhr auf, als wenn es metterleuchtet, da⸗ 
mit vermeinten fie alfo groß zu ſeyn über alle Dinge in GOtt. 

‚25. Undtrieben folches alfo lange, Bis fie ihre Mutter das 
ſuͤſſe Waffer ermordeten: Da ward der gange Leib ein Finſter⸗ 
ehal, und war fein Rath mehr in GHDtt ‚der da hätte koͤnnen 
Helfen; ausder Liebe ward eine Feindſchaft; aus dem gangen 
Corpus ward ein ſchwartzer finfter Teufel. X 

26. Das Wort Teu hat ſeinen Urſprung von dem harten 
Pochen oder Toͤnen, und das Wort Fel hat ſeinen Urſprung 
von dem Falle: alſo heiſt nun Herr Lucifer Teufel, und nicht 
‚mehr Cherubin oder Seraphin. 

27. Einrede. Nun moͤchte einer ſagen: Haͤtte denn GOtt 
nicht der Hoffart Lucifers koͤnnen wehren, daß er von feinem 
Hochmuth waͤre abgeſtanden ? Das ift eine hohe Frage, wels 
cher fich alle Rechtfprecher des Teufel! wollen behelfen ; aber 
ſie find alle vor das Malefig-Reche geladen, fie mögen zus 
fihauen, daß fieihren Herrn verantworten, ober das Recht 
wird über ihn ergehen, und er wird feine Grone verliepren. 


Die 


Sap.rs. Morgenröthe imAufgang. 193 
Die wunderliche Offenbarung. 

28. Giehe, König Rurcifer iſt das Haupt in feinem ganken 
Revier gemefen, und ifk ein gewaltiger König gemefen, und ıff 
aus dem Kern feines gangen Reviers gefhaffen worden, und 
bat durch feine Erhebung wollen fein gantzes Revier anzuͤn⸗ 
den, daß alles hatte ſollen alfo brennen und qualificiren, wie er 
infeinem Corpus. , 

29. Ob nun gleich die Gottheit auffer feinem Corpus hatte 
wollen fanftig gegen ihm qualificiren ‚und ihn erleuchten und 
zur Buſſe vermahnen, fo mar doch num fein ander Wille im Lu⸗ 
cifer, denn daß er wolte über den Sohn GOttes berrfchen, und 
das gantze Revier anzunden ‚und wolte auf eine folche Weife 
felber der gange GOtt ſeyn über alle engelifche Heere. 

30. Wenn num das Herge GOttes mit feiner Sanftmuth 
und Liebe gegen dem Lucifer ſtuͤrmete, fo verachtete erd nur, 
und meinete, er wäre viel beſſer; und fFürmete hinwieder mit 
Feuer und Kalte in harten Donnerfchlagen gegen ben Sohn 
GoOttes, und meinete, Er muͤſte ihm unterthanig feyn; er waͤ⸗ 
re Herr: denn er verachtete das Richt des Sohns GOttes. 

sı. Spribffdunun: Wie hat er folche Macht gehabt ? Ta, 
er hatfie gehabt: denn er iſt ein groß Theil der Gottheit ge 
mefen, und darzu aus dem Kern; denn er hat ſich auch an den 
König und Groß-Fürften Micha-El gerieben, ihn zu verderben, 
welcher endlich mit ihm geftritten hat und ihn übermunden, 
indem die Kraft GOttes in Lucifers Reiche auch heftig wieder 
ihren König geſtritten hat, bis er endlich von feinem Fönigli= 
then Stuhle als ein Uberwundener iſt geſtoſſen worden. Apoc. 
12: 8. 9. | 

32. Spricht du nun: GOtt haͤtte ihm follen fein Herge er: 
leuchten, daß er hatte Buſſe gethan. Er molte auch Fein an: 
der Licht annehmen : denn er verachtete das Licht ded Sohns 
GOttes, welches auffer feinem Corpus leuchtete , diemeil er fo 
ein bligend Licht in ihm hatte, und erhub fich je länger je ſeh 

rer, bis fein Waffer [,, IR bier das Waſſer des ewigen Les 
ı  „bens,im Licht der Maieſtaͤt erboren; aber im Centro 
U „gleiche fichs dem Schwefel-Geifte , oder Scheide⸗ Waſ⸗ 
| „ſer] gar vertrocknete und verbrante ‚und fein Licht gar ver: 
I Iofch; da war eögefcheben. 
; Bon dem Falle aller feiner Engel. 
33. Nun moͤchte einer fagen ; Wie dann, Ye ai 
5 J 


* 


| 
| 


| 
| 


942 I, AURORA. Gay. 
dismalalle feine Engel mitfielen? Wieder Herr gebot, alſo 
thaten auch alle ſeine Unterthanen: Als er fich erhub und wol⸗ 
te GOtt ſeyn, ſo ſahen folches auch feine Engel, und thaten alle 
wie ihr Herr, und thaten alle, als wolten fie die Gottheit ffür- 
men. Denn fie waren ihm alle untertbanig ‚und erregierete 
in allen feinen Engeln, dein er waraus dem Kern des Galit- 
‚ters gefchaffen, daraus feine Engel allefamt waren tgeſchaffen: 
und war aller ſeiner Engel Hertz und Herr. 

34. Darum thaͤten ſie alle wie er, und wolten alle im Pri- 
mat der Gottheit ſitzen, und mit ihrem Herren im gangen Re— 

- vier gewaltig regieren über die gange Göttliche Kraft: Es 
* alles ein Wille bey ihnen, und lieſſen ihnen den nicht 
nehmen. 

35. Nun ſprichſt du: Hat denn der gantze GOtt ſolches vor 
der Zeit der Erſ haffung der Engel nicht gewuſt, daß ed werde 
alfo zugehen? Nein : denn wenn e8 GOtt vor der Zeit.der 
Erfchaffung der Engel gewuſt hätte, fo ware es ein ewiger 
vorfeglicher Wille geweſen, und ware eine Feindfihaft wie⸗ 
der GOtt; fondern GOtt hatte ihn wol anfanglich zu einem 

Teufel gefcbaffen. 

36. So aber hat ihn GOtt zu einem Könige des Lichtes ger 
fchaffen; Und da er ungehorfam ward, und wolte uber den 
gantzen GOtt feyn, fo Ipeyete ihn GOtt von feinem Stuhl, 
und ſchuf in Mitten unſrer Zeit einen andern König aus der⸗ 
felben Gottheit, daraus Herr Rucifer mar gefchaffen ( verſtehe 

es recht, aus dem Salitter, der auſſer dem Corpus des Koͤni⸗ 
ges Lucifers war ) und ſetzte ihn auf den koͤniglichen Stuhl Lu⸗ 
Afers, und gab ihm Macht und Gewalt, wie Lucifer vor feinem 
Zul hatte,und derfelbe König beift IEſus Cheiftus, und 
ift GOttes und des Menſchen Sohn: Das willichan fei- 
nem Drte Elar beweifen und ausführen. _ G-Im andern und 
„dritten Buche iſt diefes erkläre; GOtt hats nach feinem 
„Born wol gewuft,sber nicht nach der Kiebe, davon GOtt 
„ein SOtt beiffet ; dabin geber kein Grimm oder Ima⸗ 
„gination ; auch Feine Forſchung von der hoͤlliſchen Crea⸗ 
„tur ift in der Liebe. Diefe Srage wird alfo verfianden : 
„Denn ich fage, SOtt weiß nicht das Höfe; item, GOtt 
„will nicht ons Boͤſe, vermöge der Schrift, fo verſtehe ich, 
„daß in feiner Kiebe (welche allein das einige Gut ift und 
— heiſſet) kein Blick des Boͤſen offenbar iſt. Sonſt 
v„wo 


Capıra. Morgehröthe im Aufgang. 195 


„wo Boͤſes darinnen offenbar wäre, fo wäre die Liebe 


# „nicht dieeinige Sanftmuth und Demutb : Aber im Aus⸗ 


* 


3. Richt ſchreibe ich mir ſolches * ‚Ruhm, — mein 
u 2 


„ſprechen feines Worts, da die Natur der geiltlichen 
„Welt urſtaͤndet da man die Empfindlichkeit verfteber, 
„undfich GOtt darinnen einen zornigen eifrigen GOtt 
„und ein verzehrend Feuer nenner; alda innen bat Ers, 
„wol in Ewigkeit gewuft, daß fo erfich alda innen wärs 
„de einmalbewegen, daß derfelbe Ouellwürde auch crea⸗ 
„turlich werden: Kr heiffer aber darinnen nicht GOtt, 
„fondern ein verzehrend Seuer. Ich verftebe dieſe Fra⸗ 
„ge magiſch, wie GOttes Kiebe und Zorn unterfcbieden 
„wird, und wie die Wiſſenſchaft des Boͤſen, als vom Teus 
„fel und Selle, allein von feinem Duellbrunn erkant wer: 
„de; Daraus auch der Sallfeine Urfachen genommen bat. 
„Alſo ift auch allein in GOttes Kiebe der Duellbrunn 
„und Wiſſenſchaft der Sreudenreich: denn eine iede 
„Scientz urfacher ihres gleichen. Denn fo ich ſagte: GOt⸗ 
„tes Kiebe hätte das Boͤſe gewolt ‚oder cs wäre eine fal⸗ 
„Iche Scienz in GOttes Kiebe und Sanftmuth, fo redete 
„ich wieder die Schrift: Denn was GOttes Kiebe in fich 
„empfindlich weiß, das will fie auch und nicht mebr. Und 
„was GÖttes Zorn in fich empfindlich weiß, das weiß 
„Er auch und nichtsmehr. Daraus in der Schöpfung 
„Boͤſes und Gutes iſt entftanden: und vermabne den Les 
„fer, unfern gar tieffen Sinn recht zu verfteben , undfich 
„albier nicht zu irren; fondern unfere andere Schriften 


„zu lefen, da es genug ift erkläret worden. ] 

Von den groffen Sünden und Wiederwillen, und 
darzu ewiger Feindfchaft des Küniges Lucifers 
mit feinem gangen Heere wider GOtt. 

37. Das iftder rechte Spiegel der Menfchen: Vor diefes 
Malefitz⸗Recht ladet der Geift alle Menfchen als vor einen 
Epiegel da mögen fie fich befehen , mag die verborgene Sin: 


e iſt. — — 

38. Dieſes iſt von der Welt her verborgen blieben, und in 
keines Menſchen Hertze alſo gantz und gar offenbar worden : 
Ach verwundere mich auch felber viel fehrer, als ſich der Leſer 
vielleicht verwundern wird, ob der hoben Offenbarung. 


uhm 


Wick 


ars Te 
Bi. 


196 I. AURORA, Gap. 14. 
Ruhm ftchet in meiner Hoffnung des Zukuͤnftigen: ich bin fo 
molein armer Sunder wie alle Menſchen, und gehöre auch 
vor diefen Spiegel; fondern ich verwundere mich , daß ſich 
GOtt in ſo einem einfaltigen Manne will alſo gang und gar 
offenbaren, und treibet ihr noch darzu, folches aufzufchreiben ; 
da doch viel beſſere Scribenten waren, bie es viel höher Fönten 
fchreiben und ausführen aldich, der ich nur der Welt Spott 
und Narr bin. 

40. Aber ich fan und will Ihm nicht wiederftehen : denn 
ich bin oft in geoffer Arbeit gegen Ihm geftanden, fo es nicht 
fein Trieb und Wille fey ‚daß Er folches molte von mir neh⸗ 
men; aber ich befinde, das ich mit meiner Arbeit gegen Ihm 
nur babe Steine zu diefem Bau zugefragen. 

41. Nun aber bin ich zu hoch geftiegen, und darf nicht wie- 
der zurück fehen, fonft ſchwindelt mir ; und babe noch ein Elei- 
nes Leiterchen bis ans Ziel, da ift alle meines Hertzens Luft 
vollend hinzufteigen. Denn fo ich auffteige, fo ſchwindelt 
mir garnicht; aber wenn ich zurück fehe, und will wieder um⸗ 
£ehren, fo ſchwindelt mir,und fürchte mich des Fallens 

42. Darum habe ich meine Zuverficht auf den ſtarcken 
Gott geſetzt, und wills wagen, und willzufehen, was doch 
draus werden will. Ich habe auch nicht mehr algeinen Leib, 
der ift ohne das ſterblich und zerſtoͤrlich, den will ich auch ger: 
ne dran wagen: fomir nur das Licht und die Erfentniß mei- 
nes GOttes bleibet, fo hab ich genug wol bie und dorte. 

43. Auch fo will ich mit meinem GOtt nicht zürnen, ob ich 
vielleicht um feines Namens willen mufte Schmach leiden, 
welches mir denn alle Tage blühet, und bin des faſt wol ge⸗ 
wohnet. Sch will mit dem Propheten David fingen: Und 
wenn mir gleich mein Leib und Seele verfihmacht, fo biff du 
EHtt doch meine Zuverficht, mein Heil und meines Hergend 
Sroft, Pal. 73:.26. en 
- 44. Die Sünde hat 7 Speciesoder Geſtalten, darunter find 
4 — Quellbrunnen, und diegte Geſtalt iſt das Haus 
des Todes. | 

45. Nun mercke; Die 7 Geflalten find die —5*5 
des Corpus; wenn die angezuͤndet werben, fo gebaͤret ein ieder 
Geiſt eine ſonderliche Feindſchaft wieder GOtt. 

46. Aus dieſen 7 gebaͤren ſich nun andere 4 neue Soͤhnlein, 
und die find der neue GOtt, der gang und gar wieder ben al⸗ 

Ken 


— ——wc 


Cap.ia. Morgenroͤthe im Aufgang 157 
ten GOtt iſt, ald wie 2 abgefagte Kriegs: Heere , die einander 
ewige t gefihworen haben. 

dr Der erſte Sohn iſt die Hoffart, der ander Sohn ift 
der Geitz, der dritte Sohn iſt der Neid, der vierte Sohn iſt 


er Zorn. u 

48. Diefes wollen wir num im Grunde befehen, mo alles 
feinen Urfprung nimt, und wie es eine Feindfchaft wieder 
GOtt iſt: Da wirſt du fehen mas ber Anfang und die Wurtzel 
—— iſt, und warum fie in GOtt nicht kan geduldet 
werden. ——— 

49. Nun wolher ihr Philoſophi und Juriſten die ihr erhal⸗ 
ten wollet, und unterſtehet euch zu bemeifen, GOtt habe dag 
Böfe auch gefchaffen, iind molle daſſelbe; es fen aus GOttes 
Fuͤrſatz, daß der Teufel gefallen ſey, und daß viel Menſchen 
verloren werden; ſonſt haͤtte er alles koͤnnen ander n. 

50. Citation. Hie ladet euch der Geiſt unſers Koͤnig⸗ 
reichs/ mit ſamt eurem Fuͤrſten Lucifer, den ihr vertbadiget, 
zum drittenmal vor das endliche Malefig-Recht, da gebet Ant⸗ 
wort. Denn bey diefen 7 Species und 4 neuen Soͤhnen in 
des Ra Vaters Haufe foll das Recht vollfuhrer 
merden.' IT RER. RATEN 

51. Wo ihr koͤnnet erhalten, daß die 7 Geifter Luciferd die 4 


neie Soͤhne aus Recht und Billigkeit geboren haben, daß ſie 


aus Recht und Billigkeit den Himmel und die gantze Gottheit 
regieren ? ſo ſoll Koͤnig Lucifer wieder auf ſeinen Stuhl gelegt 
werden / und ſoll ihm fein Koͤnigreich wieder werden. 

52. Wonicht? fo ſoll ihm eine Hoͤle oder Loch zur ewigen 
Gefangniß eingeräumee werden, und da foll er mit feinen 
Söhnen ewig gefangen ſeyn; und ihr moͤget zuſchauen, daß 
das Recht nicht uber euch auch gehalten werde. 

53. Diemeil ihr denn das Recht des Teufels führen wollet, 
womit foll er euch lohnen ? Er hat in feiner Gewalt nichts denn 
böllifche Greuel: Was werdet ihr denn zu Lohn Eriegen? Rath 
Fritz: Sein allerbefied ; das Obſt und den Weyrauch feines 
Sartend. | 

Won der erften Species. 
‚54. Der erfte Geift iſt die herbe Qualitaͤt: Die iſt in GOtt 
ein fein lieblich Zuſammenziehen, Vertrocknen und Kuͤhlen, 
und wird zu der Bildung gebraucht; ua ob fie in ihrer ne 

Var 3 etwa 


198° 7° AURORA 1 Gay.ıa. 
etwas ſcharf iſt/ ſo temperiret fie füch Doch mit dem ſuͤſſen Wafr 
fer, Daß ſie gantz fanft, lieblich und freudenreich it 
5. Und wenn das Licht des ſuͤſſen Waſſers in fiefommt, fo 
gibt fie freundlich und freywillig ihre Geburt darzu, und ma⸗ 
chet es trocken und belle ſcheinend. Und wenn der Ton in dem 
Lichte aufſteiget ſo gibt fie ihren Ton oder Klang fein fanft 
und brüderlich darzu. Auch ſo nimt fie die, Liebe von allen 
Geiſtern an: Der Hitze vergoͤnnet ſie auch / daß ſiemag freund⸗ 
lich Eublen, und iſt mit allen Qualitaͤten ein freundlicher Wil⸗ 
le; fie hilft auch gern den Natur⸗Geiſt bilden, und in bemfel- 
ben allerley Formen, Figuren, Frucht und Gewächfenach. al- 
er 6 Geiſter Willen. a Are 
‚56. Sie iſt gar ein demuͤthiger Vater ihrer Kinder, der fie 
berglich lieber und. freundlich mit ihnen fpielet : denn ſie iſt 
recht der andern 6 Geiſter Vater, welche ſich in ihr gebaͤren; 
und ſie hilfe ſie alle geaaͤͤen. 
57. Run als GOtt den Luciſer mit ſeinem Heer beſchuf/ da 
ſchuf Er ihn aus dieſer freundlichen Gottheit aus ſich ſelber, 
aus dem Loco des Himmels und dieſer Welt; es war keine 
andere Materia darzu: Dieſer lebendige Salitter ward gantz 
fanft zuſammen gezogen, ohne Toͤdtung oder ohne groſſe Be— 
wegung. an EROHENLTRLHEN RUHE 9 
58. Es hatten aber die zuſammen⸗corporirte Geiſter die 
Erkentniß, Wiſſenſchaft und das ewige unanfaͤngliche Geſetze 
GOttes, und wuſten wol, wie ſich die Gottheit gebar. So 
wuſten fie auch wol, daß das Hertze GOttes Primus in der gan⸗ 
gen Gottheit war; fie wuſten auch wol, daß fie nichts mehr 
zum Eigenthum hatten, darmit zu thun und zu laſſen, als ihren 
eignen zuſammen⸗corporirten Leiba denn fie fahen wol, Daß 
fich Die Gottheit auffer ihrem Corpusgebar, wie fie von Ewig⸗ 
Feit gethan batte. ee ie, 
259. So wuſten fie auch wol, daß fienicht der gange Raum 
oder Dre waren; fondern daß fie Ereaturen in demfelben 
Raum oder Drte waren, die da fölten die Freude und wunder⸗ 
liche Proporg deffelben Orts vermehren, und folten mit dem⸗ 
ſelben Raume oder Orte der Gottheit fein freundlich cordiren, 
inqualiren, oder ſich freundlich mit den Qualitaͤten auſſer ih⸗ 
rem Corpus inficiren. TR. SEE 2 
60. Giehatten auch alle Macht, mit allen Figuren, For- 
men und Gewaͤchſen zu thun wie fie wolten: es war nn 


Cap.ın. Morgenroͤthe im Aufgang. 199 
hertzlich Liebeſpiel in GOtt; Sie hatten GOtt ihren Schöpfer 
mit nichts zum Wiederwillen beweget, ob fie gleich alle himm- 
lifche Figuren und Gemachfe hatten zerbrochen, und hatten ih: 
nen eitel Reit-Pferde daraus gemacht; GOtt haͤtte ihnen im: 
mer genug andere laſſen aufgehen: denn es waͤre alles nur 
ein Spiel in GOtt geweſen. 

61. Denn zudem Ende waren fie auch alſo geſchaffen, daß 
fie folten mit den Figuren und Gemwachfen fpielen, und die nach 
ihrem Gefallenbrauchen. Denn die Figuren haben fich von 
Ewigkeit etwan alfo gebildet, und find wieder durch die Quell⸗ 
geifter vergangen und verandert worden : denn das iſt das 
ewige Spiel GOttes vor den Zeiten der Erſchaffung der En— 
gel gemefen. 

62. Deſſen haft du auch gar eingut Erempel, mo du fehen 
wilſt, und alhie nicht blind bift ‚an den Tihieren, Vögeln und 
allem Gemächfe diefer Welt : Das war alles zuvorhin gefihaf: 
fen und aufgangen, ehe der Menſch aefchaffen ward, welcher 
iſt und bedeut Das andere Heer, das GOtt an des verſtoſſenen 
Lucifers Heers Stelle ſchuf, aus Lucifers Loco, 

63. Nun, was that aber die herbe Qualitaͤt im Lucifer? 
Als fie GOtt alſo fein ſanft hatte zuſammen-corporiret, ‚da be⸗ 
fand ſie ſich maͤchtig und gewaltig, und ſahe, daß ſie einen ſchoͤ⸗ 
nern Corpus hielt, als die Figuren auſſer ihr waren: darum 
ward ſie hochmuͤthig, und erhub ſich in ihrem Corpus, und 
wolte ſtrenger ſeyn als der Salitter auſſer ihrem Corpus. 

64. Weil ſie es aber allein nicht thun konte, ſo heuchelte fie 
mit den andern Geiſtern, daß ſie ihr als dem Vater folgeten, 
und thaten alle wie fie, ein ieder in feiner eignen Qualitaͤt. 

65. Als ſie ſich nun alſo vereinigten, ſo gebaren ſie auch ei⸗ 
nen ſolchen Geiſt, der fuhr zum Munde, zu Augen, zu Ohren 
und zur Naſen heraus, und inficirte ſich mit dem Salitter auf? 
fer. dem Corpus, | 

66. Denn das war der herben Dualität Fürfag, daß, die- 
meil fie alfo herrlich als der Kern aus dem gantzen Königreich 
zufammenzcorporiret war, fie auch durch ihren Geiſt, den fie 
mit den andern Geiſtern gebar, molte auffer ihrem Corpusin 
dem gangen Salitter G ttes mit der Schärfe gemaltig re 
gieren, und folte alles in ihrer Gewalt ſtehen. 


67. Sie wolte alles durch ihren Beift ‚den fie gebar ‚bilden 
24 und 


Han. 





200 1 AURORA 
und formen, gleichwie diegange Gottheit: fie wolte Primus 
in der gangen Gottheit feyn, dad war ihr Fürfaß. 

68. Diemeilfiees aber in ihrem rechten natürlichen Sede 
nicht vollenden Eonte, fo erhub fie ſich und zuͤndete fich an: 
Mit diefem Anzüunden zindete fie auch ihren Beift an; der fuhr 
nun zum Munde, Ohren, Augen und Nafen aus, als ein. 
- gang grimmigner Geiſt, und ſtritt wieder den Salitter in fei- 
nem Loco , ald wieeinffürmiger Herr, und zundete den Sa⸗ 
litter an, und zog mit Gewalt alles zufammen. 

69. Du muſts recht verfichen: Der herbe Duell in dem 
ausgegangenen Beifte zundete die herbe Dualitat in feinem 
Loco an, und herrſchete mit Gewalt inder herben Dualitat im 
Galitter: Und das molte die herbe Qualität des Salitters 
nicht haben, fondern frite mie dem füffen Waſſer gegen die: 
fen Geiſt; aber eshalfnichtd, der Sturm ward je langer je 
gröffer , bis die herbe Dualitat des Galitterd angezundet war. 

70. Als nun diefes geſchach, fo ward der Sturm alfo groß, 
daß die herbe Dualitat den Galitter zufammen zog, daß harte 
Öteine daraus worden: Und daher haben die Steine in diefer 
Welt den Urfprungs unddas Wafferim Galitter ward such 
zuſammen gezogen, daß ed gar dicke war, wie es in dieſer 
Welt ietzt iſt. 

71. Als ſich aber die herbe Qualitaͤt im Lucifer anzuͤndete, ſo 
ward ſie auch gantz kalt: denn die Kaͤlte iſt ihr eigen Geiſt, 
darum zuͤndet fie ietzt auch mit ihrem Falten Feuer indem Sa⸗ 
litter alles an. Und davonift das Waſſer alfo kalte, finfter 
und dicke worden in biefer Welt, und davon ift alles fo harte 
und begreiflich worden, welches vor den Zeiten der Engel 
nicht war. Diefes war nun ein groffer Wiedermwillen in dem 
Goͤttlichen Salitter, eingroffer Kampf und Streit, und eine 
ewige Feindfchaft. 

72. Gprichſt du nun: GOtt haͤtte ihm follen Wiederſtand 
thun, daß ſo weit nicht waͤre kommen. Ja lieber blinder 
Menſch, es ſtund nicht ein Menſch oder Thier vor GOtt; ſon⸗ 
dern es war GOtt wieder GOtt, ein Starcker wieder einen 
Starcken: Darzu wie ſolte ihm GOtt Wiederſtand chun? mit 
der freundlichen Liebe wolte es nicht gelten, Lucifer verachtete 
es nur, und wolte ſelber GOtt ſeyn. 

73. Solte ihm denn GOtt mit Zorn begegnen, welches 
doch endlich geſchehen muſte, ſo muſte ſich GOtt ſelber in ſei⸗ 

nen 


Cap. 14 Morgenröthe im Aufgang. 201 

nen Dualitäten anzüunden in dem Galitter, darinnen König 

Lucifer wohnere, und mufte im ſtarcken Eifer wieder ihn fErei- 
ten. Von dieſem Streit ift did Königreich alfo finfter , wuͤſte 
und böfe worden: darauf hernach eine andere Gchöpfung 


folgen mufte. * * me . 

74. Ihr Philoſophi und Juriſten des Fuͤrſten Lucifers, bie 
verantwortet erſtlich den herben Geiſt im Lucifer, ob er recht 
gehandelt Habe oder nicht, und beweiſet das in der Natur: Ich 
will nicht eure gezerrete und gedehnete gebogene Schriften ha⸗ 
ben zum Beweis, fonderi lebendige Zeugen. 

75. sch ftelle euch) auch lebendige Zeugen dar, als nemlich 
den erfihaffenen und begreiflichen Himmel, die Sternen, die 
Elementa, die Creaturen, die Erde, die Steine, die Men— 
ſchen, und endlich euren finftern, Ealten , hitzigen, harten, 
rauhen, böfen Fuͤrſten Lucifer felber ; Diefes alles iſt durch fei- 
ne Erhebung alfo worden. 2 

76. Hie leget eure Verantwortung uͤber dieſen Geiſt ein; 
wo nicht ? ſo ſoll er condemniret werden: Denn das iſt das 
Recht GOttes, das keinen Anfang hat, daß ſich das Kind, 
das von der Mutter geboren iſt, ſoll vor der Mutter demuͤthi⸗ 
gen, und ihr gehorſam ſeyn: denn es hat ſein Leben und ſeinen 
Leib von der Mutter, die es geboren hat. sm 

77. Auch fo ff der Mutter Haus, diemeildie Mutter lebet, 
nicht des Kindes Eigenthum ; fondern fie behalt es aus Liebe 
bey fich, und nehret es, und hanget ihm den fehönften Schmuck 
an, denfiehat, und gibts ihm zum Eigenthum, auf daß ihre 
Freude andem Rinde vermehret wird, und fie mit ihm mag 
Freude haben. J 

78. Da ſich aber das Kind wieder die Mutter auflehnet, 
und nimt der Mutter alles, und herrſchet über fie, und ſchlaͤgt 
fie noch darzu, und zwinget fie in andere Gitten wieder Recht 
und Billichfeit ; ſo iſts ja recht, daß das Kind aus dem Haufe 
geffoffen wird, und muß hinter den Zaͤunen liegen, und hat 
fein Eindlic) Erbtheil verloren. La 

79. Allo iſt es mit GOtt ımd feinem Kinde Lucifer auch 
gangen:Der Bater hatteihm auch den allerfihönften Schmuck 
angeleget, in Hoffnung Freude mit ihm zu haben; als aber 
das Kind den Schmuck befam, fo verachtete esden Vater, und 
wolte über den Baterherrfihen, und dem Vater fein Haus 

rſtoͤren und ſchlug noch darzu den Vater, und wolte fich 
t weilen und lehren laſſen % 5 Bon 


202 ° ° LÄURORA. . Capıig. 
Bon der andern Species oder Geift der Suͤnden 
Anfang im Lucifer. | 
80. Der andere Geift iſt das Waſſer. Nun, gleichwie 
die herbe Qualitaͤt der Bater iſt der andern 6 Geiſter der fie 
zuſammen zeucht und halt; alſo iſt das ſuͤſſe Waſſer die Mut⸗ 
ter, in der alle Geiſter empfangen, behalten und geboren wer⸗ 
den: und fie ſaͤnftiget und traͤncket fie, darinnen und davon fie 
ihr Leben befommen , auch ſo gehet das Licht der Freudenreich 
darinnen auf. erde | 

81. Nun König Lucifer bat das ſuͤſſe Waſſer auch eben in 
folcher Maſſen zu feinem corporlichen Regiment befommen, 
und zwar den Kern und das allerbefte: Denn GOtt hing feis 
nem Soͤhnlein den allerfihönften Schmuck an, in Hoffnung 
viel Freude mit ihm zu haben. 

82. Nun, was thatdie herbe Dualitat mit feiner Mutter, 
dem füffen Waffer ? Sie heuchelte mit der bittern und mit der 
Hiße, daß fie fich folten erheben und anzunden: Gie molten die 
Mutter ermorden, und in eine faure Geſtalt formiren; das 
durch wolten fie mit ihrem Geiſte gan ſcharf über Die gange 
Gottheit regieren; es mufte fich alles vor. ihnen buͤcken und 
* und fie wolten alles mit ihrer Scharfe formen und 

ar at | 

83. Nach diefem falfchen Befchluß thaten fie ein Ding, und 
vertrockneten das ſuͤſſe Waffer im Corpus Lucifers: und die 
Hiße zuͤndete es an, und die Herbe trocknete ed; da ward ed 
sank fauer und fcharf. 
84. Als ſie nun in folcher Qualificirung den Geift Lucifers 
geboren, fo mar das Leben des Geiſtes, welches im Waffer 
aufgebet,forwol auch das Licht gan ſauer und ſcharf. | 

85. Nun ftürmete diefer ſaure Geift auch aus allen feinen 
Kraften wieder das ſuͤſſe Waſſer auffer dem Corpus in dem 
Salitter GOttes, und dachte, er müffe Primus feyn, und in 
eigener Gewalt alles formen und bilden. 

86. Und das war die andere Feindfchaft wieder GOtt, da⸗ 
von iff die ſaure Qualität in diefer Welt entfkanden ; Gie iſt 
nicht ewig gemefen , als du denn deffen ein gut Exempel haſt: 
Wenn du etwas Suͤſſes in die Warme fegeft,und laft es ſtehen, 
fo wird esfelber faur, welches auch Waſſer oder Bier oder 
Wein im Faſſe thut. Derandern Qualitaten aber veranden 

i 


Cap. 14. Morgenröthe im Aufgang. 203 
ws —* als nur in einen Geſtanck, das macht des Waſſers 
ualitaͤt. 

87. Nun ſprichſt du: Warum hat GOtt den boͤſen Geiſt 
Lucifers/ welcher aus dem Corpus Lucifers gangen, in ſich gez 
laſſen; haͤtte Er ihm doch koͤnnen wehren? Dieſes iſt der Kern: 
Du folft willen, daß es zwifchen GOtt und Rucifer Fein ander 
Unterfcheid iſt geweſen, als wie mitden Eltern und ihren Kin- 
dern ‚und. noch. viel naher. Denn gleichwie die Eltern ein 
Kind aus ihrem Leibe gebaren nach ihrem Bilde, und behalten 
esin ihrem Haufe als einen naturlichenteibed-Erben,und pfle⸗ 
gen dep ; alſo nahe ift auch der Corpus Lucifers der Gottheit. 
Denn GOtt hat ihn aus feinem Leibe geboren: darum hat Er 
ihn auch zum Erben feiner Guter gemacht, und ihm den gan⸗ 
Gen Locum , darinnen er ibn ſchuf, zum Befiß eingeraͤumet. 

Diie hoͤchſte Tieffe, 

88. Hie ſolſt du aber wiſſen, womit Lucifer hat wieder 
GOtt geſtritten und GOtt erzoͤrnet? denn mit feinem Corpus 
hätte ers nicht thun können : denn fein Corpus begreift nicht 
weiter ald den Dre , da er zumaln ſtehet, damit mürde er nicht 
viel Haben fönnen thun; fondern es iſt ein anders. 

89. Hie merke auf. _ Der Geift, welcher im Centro deg 
Hertzens von allen 7 Quellgeiftern geboren wird, der iſt auch, 
weil er noch im Leibe iſt, (wenn er geboren iſt) mit GOtt inqua⸗ 
lirend als ein Wefen , und ift auch Fein Unterfcheid. 

go. Wenn derfelbe Geift, welcher im Corpus geboren 
wird, Durch die Augen etwas anfiehet , oder durch die Ohren 
hoͤret, oder durch die Nafen recht ; fo iſt er fehon in demſel⸗ 
ben Dinge, und arbeitet Drinnen als in feinem Eigenthum : 
Und fo es ihm gefaͤllet, fo iffet er davon , und inficiret fich mit 
dem Dinge, und ringet mit ihm, und macht eine Temperang, 
es ſey auch einDing fo weit als es wolle ; Alfo weit als fein ur⸗ 
fprünglich oder anfänglich Königreich in GOtt reicher alſo 
— der Geiſt augenblicklich regieren, und wird von nichts 
gehalten. 

gr. Denn er iſt und begreift die Gewalt, wie GOtt der H. 
Geiſt, und iſt in dieſem zwiſchen GOtt dem H. Geiſt und des 
Corpus Geiſt gar fein Unterſcheid, als nur dieſer, daß der H. 
Geiſt GOttes die gantze Fuͤlle iſt und des Corpus Geiſt nur 
ein Stuͤcke, welcher durch die gantze Fuͤlle dringet, und ” 


204 ' LAURORA Cap.i4. 
er hinkommt, fich mit demfelben Orte inficivet, und gleich 
indemfelben Loco mit GOtt herrfchet. ° = 

92. Denneriff aus GOtt undin GOtt, und Fan nicht ge- 
halten werden, als nur durch die 7 Natur-Geifter ded Cor- 
pus , welche den animalifchen (ſeeliſchen) Geiſt gebaͤren, die has 
ben den Zugelbeyder Hand, und Eönnen ihn gebaren wie fie 
wollen. [(„ GOttes Geift hat alle Qualle: aber es fcheis 
„det fich in 3 Prineipia, da dreyerley Quali urftänden, als 
„eine im Seuer nach dem erften Principio ; und die andere 
„im Lichte im andern Principio ; und die deitte im Geifte 
„diefer Welt, inder Auft: und Sternen-Dualle] ; 

93. Wenn die herbe Dualität, als der Vater, das Wort 
oder den Sohn oder Geift former, fo fteher er in Centro des 
Hergens gefangen, und wird von den andern Geiftern appros 
bivet, obergutift. So er nun dem Feuer gefallet,, fo laft 
das Feuer den Blitz (darinnen der bittere Geiſt ſtehet) durch 
das file Waſſer gehen, alda enipfanget es die Liebe, und 
fahrt mit ihm in die herbe Dualicat. 

94. Wenn nunder Blig mitder Liebe wieder in bie herbe 
Qualitaͤt kommt mit den iegt neugebornen Geifte oder Wil- 
len, fo freuet fich die herbe Dualitat des jungen neuen Sohnes, 
underbebet fih: Da fafletibnder Ton, und fahrt mit ihm 
zum Munde, zun Augen, jun Ohren und zur Nafen beraus, 
und richtet das aus, das im Rath der fieben Beifter beichlof- 
ſen iſt: Denn wie des Raths Beſchluß iſt, alſo iſt auch der 
Geiſt; und der Rath kan ihn aͤndern, wie er will. 

95. Darum ſteckt die urfprungliche Luft im Cirkel des Here 
tzens, im Rath der ſieben Geiſter: wie dieſelben den Geiſt ges, 
baren, ſo iſt er auch. Ä 

96. Nun aufeine folche Weife bat Herr Lucifer die Gott: 
beit in Zorn bracht, [„Ons iſt, dieewige Natur entzuͤndet 
„nach dem erften Principio] diemeil er mit allen feinen En= 
geln hat als ein boshaftiger Teufel wiederdie Gottheit geffrit- 
ten, inwilleng das gange Revier unter feine ingeborne Gei⸗ 
ſter zu bringen, daß diefelben folten alles formen und bilden, 
und das gange Revier folte fich beugen, und mit der angezuns 
—* Schaͤrfe der ingebornen Geiſter regieren und bilden 

en. 
97. Und wie dieſes eine Subſtantz in Engeln hat, alſo hats 
auch eine Subffang im Menſchen. Darum befinnet mn 

— of⸗ 


Cap. 14. Morgenröthe im Aufgang. 205 
hoffaͤrtigen, ihr geitzigen, ihr neidigen, ihr zornigen, ihr laͤ⸗ 
ſteriſchen, ihr huriſchen, ihr diebiſchen, ihr wucheriſchen 
Menſchen, was ihr für ein Soͤhnlein oder Geiſt in GOtt ſchi⸗ 
cket. [Die Seele iſt urſtaͤndlich mit dem Verbo FIAT in 
„der ewigen Natur gefaſſet worden, welche iſt GOttes 
Natur nach dem erſten Principio und ewigen Urſtand der 
Matur; und fofiefich im Urſtande entzuͤndet, fo entzuͤn⸗ 
„det fie SOttes Zorn inder ewigen Natur] 

98. Sprichſt du: Wir ſchicken ihn nicht in GOtt, fondern 
nur in unfern Naͤchſten oder in feine Arbeit, das ung liebet. 
Nun fo zeige mir einen Drt, da du deinen lüffernden Geiſt hin⸗ 
ſchickeſt, es ſey gleich ein Menſch oder Viehe, oder Kleider 
oder Acker oder Geld, oder mas genant mag werden, da nicht 
GOtt ift: Aus Ihm ift Alles, und Er iſt in Allem, und Er 
ift felber Alles , und halt und traget Alles. 

99. So ſprichſt du: Erift aber in vielen Dingen mit ſei⸗ 
nem Zorne, diemweiles alfo hart und Höfe ift, und der Gott: 
beit nicht abnlich. Sa, lieber Menfch, es iſt alles wahr: In 
Silber, Hold, Steinen, Acker, Kleidern, Thieren und Men- 
fihen , was begreiflich ist, iſt freylich überall der Zorn GOt⸗ 
tes; fonft ware es nicht alfo hart begreiflich. 

100. Dufolt aber wiffen, daß auch der Kern der Liebe in 
allem im verborgenen Centro ftecket; es ſey denn gar zu böfe; 
das gefallet dem Menfchen auch nicht. ſ„GOtt befitzt als 
„tes, allein nach der Natur, Er iſt nicht die Eſſentz, Er 
„befirzt fich felber.] Oder meineſt du, daß du recht thufk, 
daß dudich in GOttes Zorn badeſt? Giehe zu, daß er dir nicht 
— Fa Geele anzundet, und du ewig darinnen brenneft wie 

ucifer. | 
ı01. Wenn aber GOtt dad Verborgene am Ende diefer 
Zeit wird hervor bringen , fo wirſt du molfehen, wo GOttes 
Liebe oder Zorn geweſen ift: Darum ſchaue zu und hüte Dich, 


und wende deine Augen vom Böfen ; oder du verderbeftdich. 


u u. Me * 


102. Ich nehme Himmel und Erden zum Zeugen, daß ich 
— habe, wie mir GOtt offenbaret hat, daß es 
ein Wille ſey. 

103. Alſo hat König Lucifer in feinem Corpus das füfle 


Woaſſer in eine ſaure Schärfe verwandelt, in willens hiemit in 
der gantzen Gottheit in feinem Ubermuth zu regieren. Er 


hats auch fo weit gebracht, Daß er in dieſer Welt mit derfelben 
| ' Shirfe 


RN — DR 3°) 2.22 
200  LAURORA. 2 apa. 
Schärfe allen Ereaturen ing Herge greift, ſowol in Laub und 
Gras, undinalles, ald ein König und Fuͤrſte diefer Welt. 

104. So nun nicht die Göttliche Liebe noch in der gangen 
Natur diefer Welt waͤre, und wir arme Menfchen und Crea⸗ 
turen nicheden Held im Streit bey ung hätten , ſo muͤſten wir 
in einem Augenblicke alle in dem höllifchen Grenelverderben. 

105. Darumfingen wir wolrecht: Mitten wir im Leben 

- find mit dem Tod umfangen: mo follen wir denn fliehen hin, 
daß wir Gnad erlangen? Zu dir, HErr Chriff, alleine. 

106. Da iſt nun der Held im Streit, zu dein wir fliehen 
müffen , welcher iſt unfer König JEſus Chriſtus: Der hat in 
fich des Vaters Liebe, und ſtreitet in Görtlicher Macht und 
Gewalt wieder den angezuͤndeten böllifchen Greuel. 

107. Zu dem müffen wir fliehen, und der erhalt die Liebe 
GOttes in diefer Welt in Allem , ſonſt ware es verloren. 

Nur hoffe, wart und beit, 
Es iſt noch eine kleine Zeit, 
Bis Teufels Reich darnieder leit. 

108. Ihr Philoſophi und Juriſten, die ihr aus GEOtt einen 
Teufel macht , und ſaget, Er wolle das Boͤſe; alhie leget abers 
mal eure Antwort ein, ob ihrs Recht Fönnt erhalten ? Wo nicht, 
fo foll der faure Geiff im Lucifer auch condemniret werden, als 
ein Berderber und Feind GOttes, und alles feines himmli⸗ 
ſchen Heeres. 


Das 15. Capitel. 


Von der dritten Species oder Geſtalt der 
Sünden Anfang im Lucifer. 

| Bummarien. 
Er zte Beift ift ber bittere,s. 1. entſtehet im Blitz des Lebens; ib. 
machet in der Herben Die Gedancken oder Willen; 2. wallet fürs 
Rnehmlich im Ton und in der Siebe. 3. 4. Die Geele kan ohne dem 
Leib nicht beftehen. 5. Die bittere Dualität im Lucifer „machte einen 
ftachlichten Geiſt, welcher in der Gottheit riſſe, brach ıc. 6:8. Daher iſt 
er ein Mörder und Fügner, und wolte erfchrecklich herrichen. 8.9. Er 
mußte wol,daßer in der Sanftmuth folte brennen, 10. Wolte fein 
Corpus geehret haben. n. Der Ichheit Urſtand. i2. Er ſchlug ſich mit 
— ibid. Sein inqualiren mit GOtt war Morden, Stechen, 
auben ꝛtc. i3. Zündete GOttes Salitter an: 14. Bon dieſer Anzun⸗ 
dung nennet ſich GOtt einen Eiferer. is. Ermahnung an die Mens 
fen. 16, Das Wort, 17.18, GOttes Priefler, 19521. Troſt. Be: 
| * er 


Sap.z. Morgenrötheim Aufgang, 207 
Der ate Geiſt die Hitze, wird im ſuͤſſen Waſſer fanft ; davon die Liebe 
27. Der Teufel wolteim Feuer bereichen. 28. Das Licht fcheinet im 
Setten, welches der Teufel in fich verbrant, und ihm felbft Die * zu⸗ 
gerichtet. 2931. Aus dem Blitz ward ein Wüten und Stechen; ze. 
aus dem Leben ein Stacheldes Todes. 33. Das kalte Feuer war wie 
der die 34. Der eigene Wille wolte in der ganken Göttlichen 
Kraft herrichen.zs.36. Weile Na ibid. Der Geelen Geift iſt fubti- 
ler als die 7 Duellgeifter. 37. Der Göttliche Galitter iſt der 7fe Quell: 
Geift. 38. Der Seelen⸗Geiſt gebarek ſich im Herken 539. iſt mit der 
verborgenen Gottheit Ein Ding. 40. Die Seele begreift den höchiten 
Sinn. 41. Die Geifter haben eine groffe Macht gehabt. 42. Diefer 
Seuer-Duellift eine Seindichaft wieder GOtt. 43. Der ste Geift, die 
Liebe, ift der Demuth Anblick; 44. machet alles fünfte, 45. darinnen 
die Gottheit beſtehet. 46. In den erften vier Geſtalten ftehet die Goͤtt⸗ 
liche Geburt. 47. 48. Lucifers Picbes- Brunn war wiein GOtt, und iſt 
ein grimmig Feuer worden, die Liebe GOttes zerſtoͤhrend: IM. Dar: 
aus die ewige Seindichaft entitanden. 52. Am Wälsen der Sternen it 
ein Exempel. 53. Alto it ein groſſer Wiederwille und Streit im Leibe. 
54.55. Das Zorn⸗Feuer brennet noch in dieſer Welt. 56. Rucifer hat 
fich felbit angezündet. 57. Der öte Geift ift dee Schall; z8. urſtaͤndet 
im Feuer⸗Blitz, und ift bie Goͤttliche Sreudenreich 558.59. dringet gantz 
ſanft durch alle Geiſter; 60. gehoͤret zum Unterſcheiden. 61. Der 
Schall iſt des Geiſtes Wagen, und Hilft in der Formirung. 62.65. Im. 
Lucifer iſt er feurig, und ſticht als eine feurige Schlange. 64.65. Ur: 


fprung der Schlangen , Donners und Wetterleuchtens. 66. GOttes 


Geiſt wallet fanft. 67. — wird der Wille geformet : Die andern 
6 jprechen ihn aus, und ber Ausgang iſt ber H. Geiſt. 68:70. Alſo folte 
£ucifer auch janft gebären, 71. GOttes Gehülfe geweſen feyn, 72. und 
der Salitter ein Paradis ; 73. fo fie nur wären in der ſanftmuͤthigen Ge⸗ 
burt geblieben. 74. GOtt und die Ereatur war ein Hers.75. Lucifer 
bildet Schlangen und giftige Thiers=Geitalten ; daher fie in Diefer Welt 
entitanden. 76.77. Denmaus dem angezündeten Galitter alles ges 
fchaffen, iedes Thier nach der ſtaͤrckſten Dualität.78-80. Eitation.gı.fq. 


Er zte Geiſt in GOtt iſt der bittere Geift, melcher im 

Blitze des Lebens entſtehet: DennderBlig des Lebens 

gehet im füllen Wafler durch Reibung der herben und 
bigigen Dualitat auf; der Corpus des Blitzes aber bleibet im 
ſuͤſſen Waffer als ein Licht oder Herge fein fanfte beftehen , und 
der Blig iſt gang zitternde, und vom Schrack und Feuer und 
Waſſer und herben Geift wird er bitter durch Urfprung des 
Waſſers, barinnen er aufgehet. 

2. Derſelbe Blitz oder wuͤtende Schrack oder Bittere Geiſt 
wird in der herben Qualitaͤt gefangen, und im klaren Lichte in 
dem herben Geiſte glorificiret und hoch freudenreich: Der iſt 
nun die Beweglichkeit oder die Wurtzel des Lebens , die — * 





hart) 2 _ 
Kr. y, ”. ’ 


208 I, AURORA. Gap. 5. 
herben Qualitaͤt das Wort bildet oder feheidlich machet, daß 
im Corpus ein Gedanken oder Willen entfteber. 

3. Nun derfelbe hoch triumphirende und Freuden-Geift 
wird in dem Göttlichen Galitter gan löblich und wol zur 
Bildung gebraucht: Denn er mallet vornehmlich im Ton und 
in der Liebe, und if dem Hergen GOttes in der Geburt zu naͤ⸗ 
beft, und mit Ihm in der Freude verbunden , welcher denn 
auch felber der Duell der Freuden oder das Aufſteigen im 
Hergen GOttes ift. | | 
4 Und iſt hie fein Unterſcheid, als nur diefer, wie Leib und 
Geele im Menfihen: Der Leib bedeutet die7 Quell-Geiſter 
des Vaters, und Die Geele bedeutet den eingebornen Sohn 
Gottes des Baterd, [Der Seelen Geiff bedeuter GOt⸗ 
„tes Hertze, und die Seele das Auge GOttes im erſten 
„Principio, wie im deitten Buche vom Dreyfachen Lehen 
„des Menſchen erklärer worden.) 

5. Gleichwie der Leib die Geele gebaͤret, alſo gebaren auch 
die 7 Beifter GOttes den Sohn: Und gleichmwie die Geele ein 
fonderliches ift, wenn fie geboren iſt, und ift doch mit dem Lei⸗ 
be verbunden, und kan ohne den Leib nicht befteben ; alfo iſt 
auch der Sohn GOttes, wenn Er geboren iff, ein fonderliches, 
undkan doch ohneden Bater nicht beftehen. 

6. Nun merde: Eben auf eine folche Art war auch die 
bittere Dualitat im Lucifer, und hatte Feine Urfache zu ihrer 
Erhebung, und auch Feinen Trieb von etwas; fondern fie folg⸗ 
tedem folgen Hochmuth der herben Dualitat ale dem Vater, 
und vermeinte auch, fie wolte in ihrer Species über die gange 
Gottheit herrfchen,und zuͤndete fich in ihrer Erhebung an. 

7. Als fie nun den animaliſchen (ſeeliſchen) Geiſt im Corpus 
‚balfgebaren, fo ward verfelbe Seif in Diefer Species ein grim⸗ 
miger, fFachlichter, mutender, angezundeter, gallen:bitter und 
reiffender Geiſt, eine rechte Dualitat des höllifchen Feuers, 
ein gantz grimmig und feindlich Weſen. 

8. Wenn nun diefer Geift in dem animalifchen (ſeeliſchen) 
Geifte aus dem Hergen Luciferd und feiner Legionen in die 
Gottheit fpeculirete, [das ift, feinen Willen darein führer 
„te, alsin die Gebärerin,] fo war ed nicht anders als ein 
‚Reiffen, Brechen, Stechen, Norden und Giftbrennen. - Dar 
von faget Chriſtus: Der Teufeliffein Lügener und Mörder 
von Anfang, und iſt in der Wahrheit nis beffanden, Joh. 8: ar 

9: 


Sap.ız. Morgenrothe im2lufgang. 209 

9. Lucifer meinete aber, er wolte hiemit über GOtt ſeyn, es 
£önte niemand alfo gantz erfihrecklich herrfchen und regieren 
als er, es folte ſich alles vor ihm beugen, ev wolte mit feinem 
Geift in der gangen Gottheit, als ein König uber alles, mit Ges 
malt herrſchen: weil er der Schönfte war, fo wolte er auch 
der Maͤchtigſte feyn. | 

10. Er ſahe und mufte aber wol das fanfte und demüthige 
Weſen in Gtt feinem Vater ; darzu wuſte er auch wol, dag 
es von Ewigkeit war in folcher Sanftmuth geftanden,und daß 
er auch in folcher Goͤttlicher Sanftmuth gebaͤren folte als ein 
lieber und gehorfamer Sohn. 

iv. Weiler aber ietzo alfo fihön und herrlich war gebildet, 
als ein König inder Natur ‚fo flach ihn feine fchöne Geſtalt, 
und vermeinete, Sch bin nun in GOtt und aus GOtt formiver, 
wer will mir obfiegen, ober wer will mich verändern ? Ich 
will ſelber Herr feyn, und mit meiner Schärfe in allem herr⸗ 
fchen, und mein Corpus fol das Bild feyn ‚dad man ehren toll, 
ich will mir ein neu Reich zurichten : denn Das gange Revier 
iſt mein, ich bin allein GOtt, und kein ander. 

12. Und fchlug fich in feiner Hoffart felber mit Finſterniß 
und Blindheit, und machte fich zum Teufel: der muß er auch 
ſeyn und bleiben ewiglich. Er erkante an GOtt nur die 
Majeſtaͤt und nicht das Wort im Gentro, das die Wurf⸗ 
Iſchaufel bat. Er blendete ſich ſelber mit der herben 
„Sinfterniß, denn er wolte ſich entzuͤnden, und im Feuer 
„berrfeben über das Licht und die Sanftmuth. 

13. Wenn nun diefe böfe, teufelifche Geifter im Galitter 
Gottes (verſtehe dag Centrum der Gebärerin) walleten, und 
darinnen ſpeculirten, fo war alda nichts als Stechen, Brennen, 
Morden und Rauben, und eitel Wievderwillen : denn das Her: 
ge GOttes molte die Liebe und Sanftmuth; fo wolte Lucifer 
dieſelbe mit Gewalt in eine Wuͤterey verkehren. = 

14, Da war nichts denn Feindfchaft und Wiederwillen : er 
zündete mit Gewalt den Glitter GOttes an, der von Emig- 
Feit hatte geruhet und in feiner Sanftmuth geftanden. 

5. Bon diefer Anzundung in diefem Revier heift fich nun 
Gott einen zornigen, eiferigen GOtt über die, fo Ihn haſſen 
Exod. 20: 5. Deut. 5:9.da$ iſt, über die, fo feinen Zorn und 
Grimm noch fehrer anzünden mit ihren teufelifchen Geiftern, 
it Fluchen Laftern und aller Brimmigteh die im De 

« f ß f) 


a, 


ER 210.°. MAURORAL m G@ap,ıs, | 


ſteckt, mit Hoffart, Geitz, Neid, Zorn; das alles, was in dir 
iſt, wirft on in GOtt: [Os iſt in die Gebärerin der Na⸗ 
„tur: Darum foll fie durchs Feuer bewaͤhret werden, 
„und der Seelen-Geift auch, da die Bosheit follim Sener 
„bleiben. 

16. Sprichftdu: wie kan das ſeyn? Wenn du deine Augen 
aufehuft, und ficheft das Welen GOttes, fo ſtichſt du als wie 
mit Dornen indas Wefen GOttes, und bewegeſt den Zorn 
GOttes. Wenn der Ton in deinen Obven fchallet, dag du 
ihn aus dem Weſen GOttes auffangefk, fo inficireft du ihn, als 


ce 


ob du Donnerſchlaͤge drein wuͤrfeſt. En, 

"17. Denke, was du mit der Naſen und mit dem Maule 
thuſt, da dein liebes neugebornes Göhnlein mit deiner Rede 
raus fahret aldein Göhnlein aller 7 Geifter ob der nicht im 
Galitter GOttes ſtuͤrmet, wie Lucifer thate 2 Oes iſt hierin- 

‚nen gar Fein Unterſcheid. 
18. Dargegen ſpricht GOtt: Ich bin ein barmbergiger 
GOtt uͤber die, fo mich lieben, denen will Sch wol thun in tau⸗ 
fend Blied. Exod.20:6. Deur,S:1o. | 
19. Hie merce auf: Das find diejenigen, die gegen dem 
angezundeten Zorn-Zener mit ihrer Liebe, Sanftmuch und 
emſigen Anzundungen der Liebe, mit ihrem Gebet das Zorn- 
Feuer löfiyen, und der angezundeten Grimmigkeit entgegen 
dringen. 

20. Da iſt freylich manch harter Stoß: denn das ange⸗ 
zuͤndete Zorn⸗Feuer GOttes ſtoͤſt manchmal auf ſie, daß ſie 
nicht wiſſen, wo zu bleiben; es liegen Centner⸗Berge auf ih⸗ 
nen; das liebe Creutz drucket und iſt fchwer. 

or. Uber das iſt ihr Troſt und ſtarcker Helm wieder die 
Grimmigkeit und das angezuͤndete Feuer, wie der Fönigliche 
Prophet David ſaget: Dem Frommen gehet das Licht aufin 

der Finfterniß. Plalm.ır2: 4. 

22. Eben indiefem Streit wieder den Zorn GOttes, und 
die angezuͤndete Grimmigfeit des Teufels und aller gottlofen 
Menſchen, gebet dem Frommen das Licht in feinem Hergen 
auf, und umfanget ihn die freundliche Liebe GOttes, auf daß 
er in feinem Creutz nicht verzaget, und ferner wieder den Zorn 

"und Grimm furmet. 
23. Wenn nicht noch je und allewege etliche Fromme Men⸗ 
ſchen auf Erden waren, Die den Zorn GOttes loͤſcheten mit ib- 

Ä rem 


 Sap.ıs: Morgenrötheim Aufgang. au 
rem Gegenfage, fo hatte fich das höllifche Feuer laͤngſt ange: 
zundet ; fo wurdeſt du wol ſehen, wo die Hölle wäre, welches 
du ietzo nicht glaubeſt. 

24. Aber dis ſaget der Geiſt: Alsbald die Grimmigkeit den 
Gegenſatz der Liebe in dieſer Welt uͤberwindet, fo zuͤndet ſich 
das Feuer an, und iſt fuͤrbaß mehr Feine Zeit irn dieſer Welt. 

25: Daß aber die Grimmigfeit iego fchrecklich brenne ‚darf 
albie Feines Beweiſes, denn es iſt am Tage. Siehe, es gehet 
noch ein Kleines Feuer im Gegenſatz wieder den Zorn auf, aus 
GOttes fonderbarlichem Liebezwang: wenn dis auch ſchwach 
wird, ſo iſt das Ende dieſer Zeit. f.Sign.R.c. 10: I. 

26. Db aber Lucifer Recht habe, daß er die Grimmigkeit 
im Salitter GOttes erwecket hat, davon diefe Welt alſo ſtach⸗ 
licht, dornicht, felficht, neidig und falfch ift ? follen die Advoca⸗ 
ten und Bertreter Eucifers alhie such verantworten ; wo nicht 
fo fol diefer dritte bitter ‚ ſtachlichter Geift auch condemniret 
werden. _ — 


Don der vierten Species oder Geſtalt der Suͤnden 
BE Anfang im Lucifer. 

„27. Der vierte Geiſt GOttes iſt die Sitze, die wird zwi⸗ 
fchen der bittern und herben Dualität geboren, und wird im 
ſuͤſſen Waſſer empfangen, darzu fiheinend und leuchtend, und 
ift der rechte Brunn-Duell des Lebens. Denn im füffer 
Waſſer wird fie gang fanfte, davon die Liebe entſtehet, und iſt 
nur ein lieblich Waͤrmen und fein Feuer. Und 068 gleich ier- 
verborgenen Kern des Feuers Dualitöt oder Urſprung iff; fr 
ift doch daffelbe Feuer nicht angezündet, Denn es wird im Inf 
fen Waffer geboren. Wo nun Waſſer iſt da ift nicht Feuer, 
fondern ein lieblich Warmen und fanft Qualificiren; wenn 
aber das Waſſer vertrocknete, ſo wuͤrde Feuer, das da bren⸗ 


nete. | 
28. Alfodachte Herr Lucifer auch, er wolte fein Feuer an- 
zͤuͤnden, fo koͤnte er im Eifer mit Gewalt in der Goͤttlichen 
Kraft herrſchen; er dachte aber, es folte ewig brennen, und 
auch leuchten; fein Vorhaben war nicht ‚daß er. wolte dag 
Licht auslöfhen, fondern e3 folte im Feuer brennen; er ver⸗ 
meinete, er wolte das Waſſer vertrocinen, fo würde das Licht 
im brennenden Feuer ſchweben. Er wuſte aber nicht, wen 
. er das vertrocknete Wafler Rondee daß ſich ————— 
— ER 2 iſt, 


212 1, AURORA Gap.ıs. 


ift, das Del oder Here des Waſſers, würbe verzehren, und 
miürde aus dem Licht eine Finfternig werben, und aus dem 
Waſſer ein faurer Seftand. 

29. Denn das Del oder das Fette im Waffer wird durch 
die Ganftmuth oder Wolthun geboren, und daſſelbe Fette iſts, 
darinnen dag Ficht fcheinend wird; fo aber das Fette verbrant 
ift, fo wird aus dem Waffer ein faurer Geſtanck, und darzu 
gang finiter. 

30. Alfo gings der Hoffart Lucifers auch: er triumphirte 
eine Fleine Weile mit feinem angezundeten Lichte als aber fein 
Licht verbrante, fo ward er ein ſchwartzer Teufel. Er ver⸗ 
meinete aber, er wolte ewig allo im brennenden Lichte in der 
sangen Bötrlichen Kraft herrfchen, als ein gang erſchreckli⸗ 
cher GOtt, und rang alſo mit feinem Feuer⸗Geiſte mit dem 
Salitter GOttes, in willens das gange Revier feines Koͤnig⸗ 
reichs anzugunden. Und hat auch freylich was gethan, in⸗ 
dem er die Goͤttliche Krafte hat brennende gemacht, welches 
fich noch an Sonne und Sternen beweiſet: : auch fo zuͤndet fich 
oft das Feuer im Galitter inden Elementen an, daß man ver- 
meinet die Tiefe brenne, davon ich an feinem Drte handeln 
will. „Er trat aus der Sanftmuth zurüde in aͤngſtli⸗ 
„chen Feuer⸗Willen, und fielin die Sinfterniß. Der Le: 
„fer foll an keinem Örte verffeben, daß der Teufel babe 
„GOttes Licht angezuͤndet; fondern nur die Geftalten 
„der Natur, daraus das Kicht febeinet. Denn das Licht 
„hat er nicht ergriffen, fowenig das Feuer das Kicht er⸗ 
„greiffet: erift ins Seuer gegangen, und iff ausgetrieben 
„worden in die Sinfterniß, und bat auffer feiner Creatur 
„weder Seuer noch Licht, 

31. Nun indiefer Dualitat bat ihm König Lucifer recht das 
hoͤlliſche Bad zugerichtet: Er darfnicht fagen, daß ihm GOtt 
babe die hoͤlliſche Qualitaͤt erbauet und zugerichtet , fondern er 
felber ; darzu hat er die Gottheit beleidiget, und aus den Kraf- 
ten GOttes ein hoͤlliſch Bad gemacht, ihm zu feiner eiwigen 
Behaufung. | 

32. Denn ald er und alle feine Engelin ihren Cörpern den 
Duellgeift des Feuers anzuͤndeten, fo brante das Fette im ſuͤſ⸗ 
ſen Waffer, und ward aus dem Blig oder Schracke, welcher in 
der Geburt des Licht! grimmig aufgehet, ein Wuͤten und Reif 
fen, Brennen und Stechen, und eingang wiederwillig er 

| 33.44 


Cap.ıs, Miorgenröthe im Aufgang. 213 

33. Aus dem Leben ward alda in diefer Qualität ein Sta: 
chel des Todes: denn durch die Hige ward die bittere Dualis 
tat alfo grimmig, ftechend, wutend und brennend, ald wäre der 
gange Leiblauter Seuer-Stacheln worden, dieriß und wuͤtete 
nun inder berben Dualität, als ob man mit feurigen Bfriemen 


durch den Corpus ſteche. 


34. Dagegen wuͤtete und tobete nun das kalte Feuer der 
herben Qualitaͤt wieder die Hiße, und wieder die bittere Gift 
als wie ein groß Aufruhr, und war nun fürbaf in diefem Cor- 
pus Lucifers nichts denn Morden, Rauben, Brennen und Ste⸗ 
then, ein gang erfchrecklich Hölifch Feuer. 

35. Diefer Feuer-Geift und rechter Teufeld-Geift erhub 
fich num auch im Centro des Hertzens, und wolte durch den 
animaliſchen Geift Mit diefem verfteher man den Wil⸗ 
„len⸗ Seiſt ausdem Centro, der aus der Gebärerin erbo⸗ 
„ten wird, als aus den 7 Quellgeiſtern, der ift das Bild 
„Göttes.] inder gantzen Göttlichen Kraft herrfihen, und 
den gangen Salitter GOttes anzuͤnden, als ein neuer und ges 
waltiger GOtt. Die Formen und himmlifihe Bildungen 
folten in erfchresklicher Feuers⸗Qualitaͤt aufgehen, und ſich 
nach diefer Grimmigkeit bilden laffen. 

36. Wenn ich nun alhie von dem animalifchen Geiſt ſchrei⸗ 
be, fo muſt du auch ganß eigentlich wiſſen, was er ſey oder wie 
er ſey; ſonſt wirft du diefe Geburt vergebens leſen, und wird 
dir gehen wie den weifen Heiden, die da fFiegen bis vor GOttes 
Antlitz, und Eonten daffelbe nicht fehen. | Be; 

37. Der Seelen-Beiftift gar viel fubtiler und unbegreifli- 
cher als der Corpus oder die 7 Duellgeifter, welche den Corpus 
halten und bilden: denn er gehet von den 7 Beiftern aus, 
gleichwie GOtt der H. Geiſt vom Vater und Sohne. 

38. Die7 Quellgeiſter haben ihren zuſammen⸗corporirten 
Leib aus der Natur, dag iſt aus dem ſiebenten Natur⸗Geiſt in 
der Goͤttlichen Kraft, welches ich in diefem Buche den Salit⸗ 
ter GOttes heiſſe oder die Begreiflichkeit,darinnen die himm⸗ 
lifche Figuren aufgehen. Das iſt ein Geiſt mic alle 7 Geifters 
allein die andern 6 find ein unbegreifliches Wefen darinnen 
dern die Goͤttliche Kraft gebaͤret fich inder Begreiflichkeit des 
fiebenten Natur⸗Geiſtes gleichtwie verborgen , den Ereaturen 
unbegreiflich. f 
39. Der animalifche oder. — aber der — 
J 3 


214 I. 'AURORAL N @ap.iıs. 
fich im Hergen aus den7 Quell⸗Geiſtern nach Art und Weife, 
wie der Sohn GOttes geboren wird, und behaͤlt im Hertzen 
feinen Sig, und gebet von demfelben Sitz aus indie Göttliche 
Kraft, wieder H. Geiftvom Vater und Sohne: denn er hat 
auch eine folche Gubtiligkeit wie GOtt der H. Geiff, und in- 
qualiret mit GOtt dem H. Geiſte. “ 

40. Wenn der animalifche Geift aus dem Corpus ausge⸗ 
bet, ſo iſt er mit der verborgenen Gottheit ein Ding, und ift 
mit in der Bildung eines Dinges in der Natur, wie GOtt der 
H. Geiſt ſelber. Deffen haft du ein Erempel: Wenn ein Zim⸗ 
mermann will ein Eunfklich Haus bauen , oder ſonſt ein ander 
Handwercker ein künftlich Werck machen, fo koͤnnen es nicht 
zuvorhin die Sande machen , welche bedeuten die Natur ; ſon⸗ 
dern die 7 Beifter find Die erſten Bauleute dran, und der ani⸗ 
analifche Geift weiſet den 7 Geiftern die Form. Alsdenn bil- 
den es die 7 Beifter, und machen es begreiflichs alsdenn arbei⸗ 
ten erſt die Hande nach dem Bilde: denn du muſt ein Werck 
vorhin in Sinnbringen, wilft du edmachen. 

41. Denn die Geele begreift den hoͤchſten Sinn, fie fiehet, 
was GoOtt ihr Vater macht, und arbeitet mit in Der himmli⸗ 
ſchen Formung, darum cirkelt fie den Natur-Geifkern ein 
Modelfür, wie fie follen ein Ding bilden. Und nach diefer 
Surbildung der Geelen werden alle Dinge in diefer Welt ge: 
macht: denn die verderbte Seele arbeitet immer,daß fie moͤch⸗ 
te himmlifihe Formen bilden ; aber ſie kan nicht, denn fie hat 
zu ihrer Arbeit und Werck nur irdifihen , verderbten Galitter, 
ja eine halb-todte Natur ‚darinnen fie nicht kan himmlifche 
Figuren bilden. N ln te | 

42. Bey diefem kanſt du verftehen, mas die Geifter der 
verſtoſſenen Engelfür eine groſſe Macht in der himmliſchen 
Natur haben gehabt, und wie deine Subſtantz mag um die 
Verderbung ſeyn, mie fiedie Natur im Himmel in ihrem Lo. 
co haben verderbet und verwüftermitihrer grenlichen Anzuͤn⸗ 
dung, davon ber fehreckliche Grimm , welcher in diefer Welt 
herrſchet, ift entſtanden. 

43- Denn die angezuͤndete Natur brennet noch immerdar 
bis an juͤngſten Tag, und dieſe angezuͤndete Feuer⸗Quell iſt 
eine ewige Feindſchaft wieder GOtt. Ob aber dieſer ange⸗ 
zuͤndete Feuer⸗Geiſt Recht habe, und daß ihn. GOtt ſelber 
angezuͤndet Hat ‚davon das Zorn⸗Feuer entſtanden iſt? Be 

Die 


Gay.is.: Morgenröthe im Aufgang. 215 

die Gnaden⸗Wehler auch verantworten, und in der Natur be- 

** wo nicht, ſo ſoll dieſer Feuer⸗Geiſt auch condemniret 

werden. | 

Bon der fünften Species oder Geftalt der Sünden 
Anfang im Lucifer und feinen Engeln. 

44. Der fünfte Duellgeift in der Göttlichen Kraft ift die 
holdſelige Kiebe: bie ift der rechte Anblick der Ganftmuth 
und Demuth, die wird auch im Blitz des Lebens geborem. 
Wenn der Blig als ein Schrack geſchwinde Durchdringet, da⸗ 
durch die Freude entſtehet fo bleibet der Stock des angezuͤn⸗ 
deten Lichtsim füllen Waſſer beſtehen, und dringet fein fanft 
dem Bligenach durch das Feuer bis in die herbe Hualitaͤt, und 
fanftigetdas Feuer, und macht die herbe Dualitatfeinlinde 
und weich, welches auch eine Geburt des Waſſers iſt. 

45. Wennaberdas Feuer den linden , füffen und weichen 
Schmack ſchmecket, fänftiget ſichs und formiret fich in ein 
ſanft Warmen, gansliebreich, und gehet gar ein freundlich 
Leben im Feuer auf, und durchdringet mit diefer lieben fanften 
Waͤrme dieherbe Qualitaͤt, und ſtillet das alte Feuer, und 
macht das Harte weich, und das Dicke duͤnne, und dag Fin⸗ 
fterelichte. | 

46. Wenn aber der bittere Blitz, mit ſamt dem herben und 
Feuer⸗Geiſte dieſe Sanftmuth koſtet, fo iſt alda nicht? denn 
eitel Sehnen, Begehren und Erfüllen, gar ein ſanftes und 
liebliches Koften, Ringen, Küffen und Liebe⸗Geburt: Denn 
aller Auellgeifter fivenge Geburten werden in diefem Durch: 
dringen gang ſanfte, lieblich demuͤthig und freundlich, und 
beſtehet recht die Gottheit bierinnen. 

47. Denn in den erſten 4 Duellgeiftern ſtehet die Göttliche 
Geburt: darum muͤſſen fie auch gang frenge ſeyn wiewol fie. 
auch ihre fanfte Mutter das Wafler unter füch haben ; und in 
dem fünften ſtehet Die boldfelige Liebe , und in dem fechffen Die: 
Zen ‚und in dem fiebenten die Formung oder Begreiflich> 

eit. 

48. Nun wolher Lucifer mit deiner Liebe , wie haft du dich 
gehalten ? Iſt deine Liebe auch ein folcher Duell-Brunn? Wir 
* ſie ietzt auch beſehen welch ein lieber Engel du biſt 
worden 
49. Mercke: So ſich Lucifer nicht hätte erhaben und ange⸗ 
zuͤndet, ſo waͤre fein ame under Liebe nicht anders al in 
— 4 Ott: 


216 1, AURORA, Gay, 15. 
BDtt : denn es war kein ander GSalitter in ihm als in GOtt. 
59. As er fich aber erhub, im willens mit feinem animali⸗ 
ſchen (feetifchen) Geiffe die gantze Gottheit zu regieren, fo war 
der Stock und Hergedeg Lichts, welches der Kern der Liebe im 
ſuͤſſen Waffer ift, ein grimmig und nachdringend Feuer-Duell, 
davon indem gangen Corpus gar ein zitternd, brennend Regi⸗ 

ment und Geburt entifund. IB 

- 51. Wenn nun der animalifche Geiſt in diefer fErengen und 
berben Feuers⸗Geburt geboren ward, fo drang er gang grim⸗ 
mig aus dem Corpus in die Natur oder Galitter GOttes, und 
zerſtoͤrete die holdfelige Liebe indem Galitter. Denn erdrang 
gang grimmig und feurig als ein Wuͤterich Durch alles, und 
meinete, er ware allein GOtt; er wolte mit der Scharfe herr: 


en. 

52. Bondiefem iſt nun entſtanden der groffe Wiedermwillen 
und ewige Feindfchaft zwifchen GOtt und dem Lucifer: Denn 
die Kraft GOttes wallet gank fanfte, Tieblich und freundlich, 
daß man auch ihre Geburt nicht begreiffen fan; und die Geifter 
Lucifers wollen und reiffen gan herbe, feurig und gefihwind 
wallende. Ä > 

53. Diefes haſt du ein Erempelan dem angezundeten Sa⸗ 
litter der Sternen, welche von diefem angezündeten Grimme 
dich müffen mit der Eitelkeit alſo gefchwind rum mälgen bis an 
Juͤngſten Tag: denn wird die Grimmigfeit von ihnen gefchie= 
den, unddem König Lucifer zu einem ewigen Haufe gegeben. 

54. Daß aber dig ein groffer Wiederwillen in GOtt fey, 

. Darf Feines Beweiſens; fondern ein Menſch mag denken, ob 
ihm ein folcher grimmiger Feuer-Quell im Leibe entſtuͤnde was 
Wiederwillen und Unluſt er haben würde, und wiegar oft der 
gantze Leib würde ergrimmet werden. 
55. Welchesvdenn freylichdenen geſchicht, welcheden Teu⸗ 
fel zur Herberge einnehmen : aber weil er Gaſt iſt, foliegt er 
ſtille, wie ein zahm Hundlein; aber wenner Wirth wird, fo 
ſtuͤrmet er das Haus, wie er dem Leibe GOttes thaͤte. 

56. Darum iſt nun das Zorn⸗Feuer GOttes noch in dem 
Leibe GOttes dieſer Welt bis ans Ende, und wird manche 
Creatur im Zorn⸗Feuer verſchlungen: Davon gar viel zu 
Schreiben ware; aber es gehört an feinen gebührenden Ort. 

57. Ob nun GOtt diefe Feindſchaft und geimmen Feuer⸗ 
Duell im Lucifer babe ſelber alſo geſchaffen —9* 

| a 


 Eap.ız. Morgenröthe im Aufgang. 217 
das follen die Verſehung⸗ und Gnaden⸗wehler verantworten, 
undin der Natur beweifen ; wo nicht , fo foll diefer verderbte 
Feuer: Duell, welcher an ſtatt der Liebe flehet, auch condem: 
niret werden. 

Bon der sten Species oder Geftalt der Sünden 
Anfang im Lucifer und feinen Engeln. 

58. Der fechfte Duell: Geifkin der Göttlichen Kraft iff der 

Marcurius oder Ton, darinnen der Unterfcheid und die himm⸗ 

liſche Freude aufgehet. Diefer Geift nimt feinen Urſprung 

> im Feuer⸗Blitz, dasift, in der bittern Qualität, Mıd ſteiget 

im Blitz durch das ſuͤſſe Waſſer, darinnen ſanftiget er ſich, daß 

er helle wird , und in der herben Dualitat wird er gefangen, da 

rüget er alle Geifter ; von dieſem Rügen fleigetauf der Ton, 

im Blitz ftehet fein auffteigender Duell, und im füffen Waffer 

in der Liebe fein Leib oder Wurgel. | 
ı 59. Run diefer Ton iſt die Göttliche Freudenreich, dag Tri: 

umpphiren , darinnen das Göttliche und fanfte Biebe-Spiel in 
= aufgebet , darzudie Formen, Bildungen und allerley 
iguren. 

60. Dur folft aber albie wiffen , daß diefe Qualität gang 
fanft und lieblich mit ihrem Rugen durch alle Geifter dringer, 
auf Art und Weife wieineines Menſchen Hergen ein lieblich 
und fanft Freuden⸗Feuer aufgehet, darinnen der animaliiche 
Cfeetiihe) Geiſt triumphiret, als ware er im Himmel, 

61. Run diefer Geift gehörer auch nicht zur Bildung des 
Corpus, fondern zum Unterſcheid und zur Beweglichkeie, fon- 
derlich zur Sreuden und zum Unterfcheid in der Bildung. 

62. Wenn der animaliſche Geiſt im Centro deg Hertzens in 
Mitten der fieben DuellsGeifter geboren iſt, dag der Wille der 
fieben Geifter zufammenscorporivet iſt, fo führt ihn der Ton 
zum Corpus heraus, und ift fein Wagen, darauf der Geiff 
fahret , und erequiret dasjenige, was im Rathe der 7 Geiſter 

befchloffen iſt. i 
63. Dennder Ton fahretdurch den animalifchen Geiſt in 
die Natur GOttes oder in den —— des ſiebenten Quell⸗ 
Geiſtes in der Goͤttlichen Kraft, welches ſeine anfaͤngliche 
Mutter iſt, und inqualiret mit derſelben in der Formung, und 
auch im Unterſcheide der Bildung. 

64. Darum da König Lucifer * hochmuͤthiges Roͤßlein 
5 im 


Fu 


218 I. AURORA Capp is. 
im Ton in eine feurige Ruͤgung in allen fieben Geiſtern ver: 
wandelte, war es ein ſchrecklich Wiederwillen im Salitte 
GOttes. | 

65. Denn als fein animalifcher Geiſt in feinem Corpus ge⸗ 
boren war, fo ffach er aus feinem Corpus in den Salitter GOt⸗ 
tes wieeine feurige Schlange aus einem Loche. Wenn fich 
aber der Mund aufthaͤt zur Rede, das iſt, wenn die 7 Geiſter 
das Wort in ihrem Willen zufammen corporiret hatten, und 
- durch den Ton inden Salitter GOttes ſchicketen, ſo war e8 an 

ders nicht, als wenn ein feuriger Donnerfeil in die Natur 
GOttes filhre,oder eine grimmige Schlange, die da wuͤtet und 
tobet, als wolte ſie die Natur zertrennen. | 

66. Daher nimts auch feinen Urfprung, daß man den Teu⸗ 
fel die alte Schlange heiſt, Apoc- 12:9. und auch daß Nattern 
und Schlangen in diefer verderbten Welt find, darzu allerley 
Ungeziefer von Würmen, Kröten, Fliegen, Laufen und Floͤ— 
ben, und alles was de iſt; auch fo nimt dag Wetterleuchten, 
Donnern , Bligen und Hageln von dieſem feinen Urſprung in 
diefer Welht. 

67. Merde: Wenn der Ton in der Göttlichen Natur auf 
fteiget, fo ſteiget er fein fanft aus allen 7 Duellgeiftern zugleich 
auf, und gebaret das Wort oder die Figuren fein fanfte. 

68. Das iſt, wenn ein Duellgeift einen Willen fchöpfer zur 
Geburt, fodringet er fein fanfte Durch die andern Quellgeifter 
bis ind Centrum des Hertzens, da wird der Wille nach allen 
Geifterngeformet und approbirek. = 


69. Und alddenn fprechen ihn die andern 6 Geiſter im Ton 
aus GOttes animalifchen Geifte aus, verftehe aus GOttes 
Hergen , aus dem Sohn GOttes, welcher im mittlern Cen- 
——— als ein zuſammen⸗gefaſſet und corporiret Wort 

ehen. 

70. Und der Blitz aus demſelben Wort oder das Ruͤgen des 
Woͤrts, welches iſt der Ton, faͤhret vom Wort fein ſauft aus, 
und verrichtet den Willen des Worts: und derſelbe Ausgang 
vom Wort iſt der H. Geiſt, der formet und bildet alles, was 
im Centro des Hertzens im Rath der 7 Geiſter GOttes des 
Vaters beſchloſſen iſt. N 

71. Auf eine folche fanfte Art und Weife folte Koͤnig Lucifer 
auch gebaren , qualificiven , und nach der Gottheit Recht mit 


- 


Caprig. Morgenröthe im Aufgang. 219 
feinem animalifchen Geift im Salitter oder in der Nature 
GOttes helfen bilden , als ein lieber Sohn in der Natur. 

72. Gleichwie ein Sohn im Haufe dem Vater hilfe fein 
Werck treiben nach des Vaters Art und Kunſt; alſo folte auch 
Lucifer mit feinen Engeln indem groffen Haufe GOttes des 
Vaters, nach Art und Weile GOttes, mit feinemanimalifchen 
(ſeeliſchen) Geiſte alle Formen und Gemwachfe im Galitter 
EHrtes helfen bilden. — —A 

73" Denn der gantze Salitter ſolte ſeyn ein Lufl-Haus der 
engliſchen Coͤrper, und ſolte alles nach ihres Geiſtes Luſt auf⸗ 
gehen und ſich bilden, damit ſie nimmer und ewig keine Unluſt 
an irgend einer Figur oder Creatur haͤtten; ſoudern ihr ani⸗ 
maliſcher Geiſt folte mit in aller Bildung feyn, und der Gas 
litter folteder Creaturen Eigenthum ſeyn. [Die Bildung 
„aus den himmliſchen Eſſentien geſchicht magiſch; alles 
„nach dem Willen und Vermoͤgenheit der Natur und 
„Eresturem] —R io 

74. So fienur waͤren in ihrer fanftmüthigen Geburt nach 
Göttlichen Rechte blieben,fo wäre alles ihr eigen geweſen und 
waͤre ihr Wille immer und ewig erfuͤllet worden, und ware 
nichts denn eitel Liebes Freude bey ihnen und in ihnen geweſen, 
ivdifch zu reden gleichmwie ein ewig Rachen und fich immer 
Freuen in ewiger Hertzens-Luſt. & | 

75. Denn GOtt und die. Creaturen waren ein Herge und 
Willen gewefen. [» Die Bildniß ausdem Seelen-Seuer 
—S— oder das Göttliche Centrum iſt in einem 
eſen. Re " iz Zzr 2 mer Er — 
76. W fich aber Rucifer erhub, und zündete ſeine Quellgei⸗ 
fter an, fo fuhr der animalifehe Geiftim Ton aus allen Eörpern 
der Engelfuciferd aus in ben Galitter GOttes, ald_eine feu- 
rige Schlange oder Drache, und bildete allerley giftige und 
a Formen und Bilöniffe, gleich den wilden und böfen 

hieren. | 

77. Und daher haben die wilden und böfen Thiere in dieſer 
Melt ihren Urfprung : denn das Heer Lucifers hat den Salit= 
ter der Sternen und der Erden angezündet, und halb getoͤdtet 
umdverberbet.. —— 

78. Denn ald GOtt nach dem Fall Lucifers die Schoͤp⸗ 
fung diefer Welt verrichtet, fo. ward alled aus demſelben Sa: 


2 


litter geſchaffen/ darinnen Lucifer geſeſſen war. — 
ee au 


f 


220 n. L AURORA. > "Gapıız, 


auch hernach die Creaturen in diefer Welt aus demfelben Sa- 
litter gefchaffen werden: die formirten fich nun nach der anges 
zuͤndeten Dualitaten Art, 568 und gut. 

79. Welch Thier num des Feuers, oder der bittern oder 
herben Qualitaͤt am ſtaͤrckeſten im Marcurio mar, dad ward 
auch ein bitter , herbe, higigumd grimmig Thier, alles nach⸗ 
dem eine Dualitat Primus ineinem Thier mar. 

80. Diefes fegeich dir alhie zu einer Anleitung bieher: bey 
der Schöpfung diefer Welt wirft du es ausführlich und be= 
weißlich finden. I end | 

81. Ob nun diefer feurige Ton und Drachen-Geift im Luci- 
fer und feinen Engeln recht ſey, und obihn GOtt alfo geſchaf⸗ 
fen habe? dag follen die Advocaten Lucifers, die aus GOtt ei- 
nen Zeufelmachen, alhie auch verantworten, und dag inder 
Natur bemeifen, ob GOtt ein GOtt fey , der dad Boͤſe wolle 
und gefchaffen babe. —XX 

82. Wo nicht ? fo ſoll dieſer Geiſt auch zur ewigen. Gefaͤng⸗ 
riß condemniret werden: und ſie moͤgen von ihrer Lügen und 
Gotteslaͤſterung abſtehen, ſonſt find fie aͤrger als die wilden 
Heiden, die von GOtt nichts wiſſen; welche doch auch in GOtt 
leben, und vielen ſolchen Gotteslaͤſterern werden zuvor das 
—— beſitzen: welches ich an ſeinem Orte auch erklaͤ⸗ 
ren will. a 


Das 16, Eapitel. 


Bon der 7ten Species oder Geftalt der Suͤn⸗ 
den Anfangim Lucifer und feinen 
Engeln. > 
Er Nigromantia Urkund. s.1.2. Das Gericht fofget über ſolche 
Wiffenichaft.3. Ermahnung. 4. Der rte Geift iſt die Natur, 
| und aller Geifter Leib ; 5. 6. wird von den 6. Geiftern geboren 
und iftihre Nahrung.7. Die 6 Geiſter find das Leben, in Mitten iſt 
das Hertz oder Licht. 8-12. Die vergängliche Ereaturen werden gebil- 
det, nicht geboren. 13. Der Engel Schöpfung aus der gantzen Gott: 
heit. 14. Das englifhe Regiment gebäret fich wie die Gottheif. ı5. 
Die engliſche Erkentniß ftehet im Geiſt, der muß ſtill halten und die 
Geifter in ihm arbeiten laffen. 16.17. ‚Der 7te Geiſt iſt der Engel Gare 
ten. 18. Das Ringen der Geiiter verändert die Figuren und Gewaͤch⸗ 
fe. 19. 20. Unſere Geele, nicht der Leib, begreift die Göftliche Geburt. 
21., Der Teufel wird dieſe Offenbarung anfeinden. 22.. Des Autoris 
Trieb und Gabe wil in. Chrifto mit dem Teufel fechten. 24. 25. —2 


Cay.ıs, Morgenröthe im Aufgang. 221 
Elend ift unbeſchreiblich; 26. hat alles Gute ins Höfe verwandelt. 27. 
GHDOtt hat das Boͤſe nicht gemoit. 238. Der Menſch hat das Boͤſe nicht 
in die Thiere gebracht. 29.30. Liebe zu allen Menſchen. 31. Lucifers 
Schönheit verleitet jeine Duellgeiffer 332.33... wolten den natürlichen 
Leib in der Geburt GOttes erheben, welcher eigene Wille wieder die Ge⸗ 
burt EOttes war; 33735. folte mit GOtt figuriren. 36._ Der 7te Na: 
tur⸗Geiſt fol um in GOttes Willen gelaflen fenn. 37. 38. 
Der Begreiflichke bt.39. Ein Geiſt fan das gange Hertz GDttes 
nicht begreifen. 40. 4. Das Hertz iſt eine fonderliche Perſon. 42. "jede 
Geburt bleibet in ihrem Sede, 43. Lueifers Leib war aus der äufferli= 
hen Geburt gefchaffen. 44. 45. , Die Nigromantie iſt des Teufels Acf- 
feren. 46. 47._ Der ſeeliſche Geift iſt geſchwind verwandelt: 48. der 
Leib aber muß durch Charaeteres besaubert werden. 49. , Das Fleiſch 
wird in geringere Geſtalt gebracht. 50. Die fiederiihe Geiſter Eün- 
nen fich in eine andere Geſtalt verkleiden. sı. Die, Natur laͤſt nicht alle 
Stunden mit fi gaudeln.s2. Die Grimmigkeit thuts; die Liche 
aber bricht ihm jeine Macht. 53.54. Warum der Zauberen Grund ent: 
decket wird? ss. Sie iſt gantz wieder GOttes Liebe und Sanftmuth. 
56. Im Lucifer loͤſchete das Zern⸗Feuer das Licht aus, und wolte alles 
ermorden. 57.58. Er hat GOttes Zorn angezuͤndet, nicht uͤberwun⸗ 
den. 59. Das Zorn⸗Feuer reichet nur in die Geburt der Quellgeiſter. 
60. Die liche dringet durch die gantze Goftheit, 61. darum wuͤtete 
Lucifer nur inder Natur.62. Die 7 Geifter find nur in der aͤuſſern 
Dualificirung entzündet , und ſtehet die Holle nur in der äufferften Ge⸗ 
burtdiefer Welt. 63.64. Die Hitze ward kalt umd finſter; 65. das 
Licht verloſch. 66. Des Waflers Grobheit. 67. Die Liebe ward ein 
Gift. 68.69, Die Natur if nur aufferlich verdorben 5 die innere hat 
das Gericht. 70. 71. Lueifer if gefangen; fein Gericht nahe; 72. bat 
feine Legionen alle verteufelt. 73. Es war nicht GOttes Vorſatz. 74. 
Der Teufel Eonte nicht aufler GOtt geftoflen werben. 75:78. Geine 
Schönheit betrog ihn; 79. wolte mit Gewalt alles beugen, und über 
alle englische Königreiche herrſchen, und mit Morden und Stehen 
alles zwingen: 8084. weils aber vergeblich geweſen, hat er fich im 
Zorn⸗ Feuer gar angezündet; 85.86. iſt alio ein Anfang alles Höfen 
worden, und ein Vater der Fügen und Mordens; 87. 88. iſt von 
Gott verluchet worden „ mie auch der Autor thut. 89. Abfagung dem 
Teufel. 90. , Der Streit im Himmel. gt. Der Geilt allein verſtehet 
diefen Streit, und der ſeeliſche Geift beingts dem fidertfchen , welche 
ſtuͤndlich reiten. 92.93. Der&treit zwiſchen Richt und Finſterniß in der 
Seele, wieim Himmel, 94.95. Wenn tie fieget, bringet fie das Licht 
in die Dernunftz aledenn kennet fie des Teufels Feindſchaft und 
Macht. 96. 97. . Der Streit ift zwiſchen Sleifch und Geift.98. Die 
Seele fahret mit ihrem Licht ins Fleiſch, und muß hart kaͤmpfen; 99. 
100, wird oft geichlagen, ib. Der Streit waͤhret, folange das Fleiſch 
auch waͤhret; ioꝛ. wird allein aus der Praxi erlernet und dadurch 
der Engel Streit verftanden. 102.103. Die Engel haben die Teufel 
ausgetrieben bis. an den Mond; 104. nashher wird ihr Focus fenn, 
wo jet bie Erde iſt. 105, ſeqq. 


Alhie 


222 5%... L AURORA. Gap. 16. 


Lhie magſt du beine Augen recht aufthun, denn du wirft 

bie verborgne Dinge fehen, die allen Menfchen von der 

- Welt her find verborgen geweſen: denn du mirft fehen 

die Dordgruben des Teufels und die grauſame Günden, 
Zeindfchaft und Verderbung. —— 

2. Der Teufel hat den Menſchen die Zauberey gelehret, das 
mit fein Reich zu ſtaͤrcken: ja.hötte er dem Dienfchen das rech- 
te Fundament offenbaret, was drunter ſteckt, es folte es wol 
mancher haben laffen bleiben. SUSE 
3. Wolber ihr Gauckler und Zauberer, die ihr mit dem 
Teufel bublet, kommt aufmeine Schule , ich will euch weiſen, 
wie ihr mit eurer Nigromantia ‚oder Kunſt indie Hölle fahret. 
Ihr Eügelt euch damit, daß euch der Teufel unterthanig iſt, 
amd meine, ihr feyd Götter. Alhie mwillich der Nigromanti= 

Urkund befchreiben, dennich bin auch ein Naturfündiger wor: 
den; aber nicht aufeure Art, fondern eure Schande aufzude: 
een durch Göttliche Offenbarung ‚der legten Welt zur Nach: 
richtung, und zu einem Urtheil ihrer Wiffenfchaft : denn das 
Gerichte folget über die Wiſſenſchaft. 

4. Weildenn der Bogender Grimmigkeit ſchon gefpannet 
iſt , fo mag fich ein ieder wol vorſehen, daß er nicht im Ziel- 
maß befunden werde: denn Die Zeit iff vorhanden , von 
Schlaffe aufzuwachen. 

5. Nun die ſiebente Geſtalt oder der ſiebente Geiſt in der 
Goͤttlichen Kraft iſt die Natur, oder der Ausgang aus den an⸗ 
dernfechfen. Denndie herbe Qualitaͤt zeucht den Galitter 
oder dag Gewircke aller ſechs Geiſter zuſammen, gleichwie ein 
Magnet des Eifens Salitter an fich zeucht ; und wenn es nun 
zuſammen gezogen ift, fo iſts eine BegreiflichFeit , in welcher 
die 6 Geiſter GOttes unbegreiflicher weile qualifieiren. 

6. Diefer fiebente Geiſt hat eine Farbe und Art wie alle 
Geifter : denn er iftaller Geifter Leib, Darinnen fie fich gebaͤ— 
gen ald in einem Corpus ; auch fo werden aus diefem Geiffe 
alle Figuren und Formen gebildet , darzu find auch Die Engel 
daraus geſchaffen, und ſtehet alle Natuͤrlichkeit darinnen. 

7. Und wirddiefer Geiſt von allen 6 immer geboren, und be⸗ 
fiehet immerdar, und vergeher Feinmal: hinwieder gebaree 
er immer wieder die 6. denndie andern 6 find in diefem 7ten 
ald wie in einer Mutter umfihloffen, und nehmen ihre Nab⸗ 
zung, Staͤrcke und Kraft immer in ihrer Mutter — 

Denn 


Cap.rx6. Morgenröthe imAufgang. 223 


8. Denn der fiebente iſt der Leib, und die andern 6 find das 


. Reben; und im mittlern Centro iff dag Herge des Lichts, wel⸗ 


ches die 7 Beifter als ein Licht des Lebens immer gebaven : und 
daffelbe Licht iftihr Sohn ; und die mallende Beweglichkeit 
oder Durchdeingung durch alle Geifter empöret (gebaͤret) ſich 
im Hergen im Aufgang des Lichts. | 

9. Und das iſt der Geiſt aller 7 Geiſter, welcher aus dem 
Hertzen GOttes gebet ‚der da indem 7tenalles formet und 
bildet, amd darinnen fich die Duellgeifter mit ihrem Lieberin⸗ 
gen in unendlich erzeigen. | 

10. Denn die Gottheit ift gleichwie ein Rad, das fich mit 
feinen Zalgen und Speichen, und mit ſamt der Naben um⸗ 
wendet, und dag ineinander gefälget iſt als wie 7 Räder, daß 
e3 Fan ohne Umwendung vor fich und hinter ſich, fomol uber 
fich, unter fich und neben fich gehen. N 

u. Da man immer die Geſtalt aller 7 Raber, und die eini⸗ 
ge Nabein Mitten inallen 7 Raͤdern vecht ſiehet, und doch 


nicht verffehen Fan, wie das Rab gemacht iff ; fondern man _ 


wundert fich immer ob dem Rade, indem ſichs immer wunder⸗ 
licher erzeiget mit feinem Aufiteigen, und bleibet doch auch nur 
an feiner Stelle, 

12. Auf eine ſolche Art wird die Gottheit immer geboren, 
und vergehet doch auch keinmal; und aufeine ſolche Art wird 
das Leben in Engeln und Menfchen auch immer geboren. 


13. Aber nach dem Bewegen der 7 Geiſter GOttes werden 


Die Figuren und Ereaturen der Verganglichkeit formiret, und 
nicht alfo geboren; ob fich mol die Geburt aller 7 Geiſter dar⸗ 
innen erzeiget, fo ftehet ihre Qualitaͤt doch nur allem in dem 
fiebenten Narur-Geift, welchen die andern 6 nach ihrer Qua⸗ 
litaͤt und nach ihrem Ringen und Aufffeigen formen, bilder 
und verandern. Darum werben auch die Figuren und ver- 
gängliche Formen und Ereaturen verandert, nach Art des fie- 
benten Natur⸗Geiſtes, in welchem fie aufgeben. 

14. Die Engel aber find nicht allein aus dem 7ten Natur: 
Geiſt gebildet ‚wie die vergangliche Ereaturen 5 fondern da 
fich Die Gottheit zur Schöpfung der Engel bewegete, da ward 


in iedem Eirkel, da ein ieder Engel zufammen-corporiret ward, 


die Gottheit mit ihrer gangen Subftang und Weſen zuſam⸗ 
men⸗corporiret, Verſtehe alle beyde ewige Principia, 


5 „Feuer und Kicht; und doch nicht Feuers Dali, —— 


—— * en⸗ 


4 
— 


. 


224 I. AURORA, Cap. 16. 


„eſſentialiſch] und ward ein Leib draus, und blieb doch auch 
die Bottheit in ihrem Sede wie vorhin. | 

15. Verſtehe disrecht: Der Leib des Engels oder die Be: 
greiflichkeit ifF aus dem 7ten Geifte, und die Geburt in dem⸗ 
felben Leibe find die 6 Duellgeifter , und der Geiff oder dag 
Herge, (den die6 Geiſter im mittleren Centro des Leibes ger 
baren, darinnen dag Licht aufgehet, und aus dem Licht der 
animalifche (ſeeliſche) Geift, welcher auch auflerhalb des Cor- 
pus mit der Gottheit inqualiret,) das bedeut das Herge GOt⸗ 
te8, aus welchem der H. Geiſt ausgehet. Undes iftauch aus 
dem Hergen GOttes in den Leib des Engels in der erſten Zus 
fammen-corporirung mit einqualiret worden: darum gebaret 
ſich nun des Engeld Regiment im Gemuͤthe wie die Gottheit. 

16. Und gleichwie in dem ten Natur-Beifte GOttes, wel 
cher aus den andern 6 entſtehet, nicht die gange vollkoͤmmliche 
Erfentnißder andern 6 Geiſter ſtehet (denn er Fan ihre tieffe 
Beburt nicht erforicben, indem fie fein Vater find, und ihn aus 
fich gebaren ;) alfo ſtehet auch nicht die gange vollföinmliche 
Erfentnig GOttes in dem englifchen Leibe, fondern in dem 
Geiſte, welcher im Hergen geboren wird, welcher von dem 
Lichte ausgehet, der mit dem Hertzen und Geiſte GOttes in: 
qualiret, darinnen ſtehet die vollfömmliche Erkentniß GDt- 
tes; aber der Leib Fan denfelben animaliſchen (feclifchen) Geiſt 
nicht ergreiffen, wie auch der 7te Natur⸗Geiſt nicht die tieffe⸗ 
ſte Geburt GOttes (ergreiffet.) 

17. Denn wenn der 7te Natur⸗Geiſt geboren wird, fo wird 
er von der erben Dualitat getrocknet, und als wie vom Bater 
gehalten, und kan nicht wieder zuruͤcke in die Tieffe, das iſt, im 
das Centrum des Hergens, wo der Sohn geboren wird, und 
daraus der H. Geiſt augaehet ; fondern muß als ein geborner 
Leib ftille halten, und die Quell⸗Adern das if, die Beifter in fich 
laſſen aualificiren und arbeiten nach ihrem Gefallen. Den 
ex ift der 6 Geifter Haus oder Eigenthum, dag fie immer 
bauen nach ihrem Sefallen ; oder wie ein Luff-Sarten, darein 
der Haus⸗ Vater allerley Früchte füet nach feinem Gefallen, 
und deß geneufk. 

18. Alſo bauen die andern 6 Geiſter immer dieſen Luffe 
Garten, und faen ihre Frucht drein, und genieflen derfelben zu 


Staͤrckung ihrer Macht und Freuden: und das iſt er 
* Ba 


‚Caps. Morgenröthe im Aufgang. 225 
ten, da die Engelinnen wohnen und fpaßieren geben, und dar: 
innen die bimmlifche Frucht waͤchſet. 
19. Die wunderliche Proporg aber , fo fich in Gemachfen 
und Figuren in diefem arten erzeiget, die entſtehet durch die 
Dualificirung und Durch das Liebe-Ringen der andern Geiſter. 
Denn welcher Primus wird in ben Rampfe, der bildet die Ges 
mwachfenach feiner Art ; darzu helfen die andern immerdar, 
bald iſt es einer an einem Drte, bald der ander, bald der dritte, 
und fo fort. 
20. Darum gehen auch fo mancherley Gewaͤchſe und Fi⸗ 
guren auf, welches der leiblichen Vernunft der Engel gang 
amerforfchlich und unbegreiflich iſt, aber der animalifchen 
Cjeelifchen) Vernunft des Engels gang volfümmlich begreiflich, 
21. Golches ift meinem Leibe auch gan verborgen; aber 
meinen animalifihen Geiſte nicht : Solange er mit GOtt ins 
qualivet, fo begreift erd ; wenn er aber in Suͤnden fallet, fo 
wird ihm die Thuͤr verriegelt, welche ihm der Teufel zuriegelt, 
die mußdurch groſſe Arbeit des Geiftes wieder aufgemacht 
werden. | 
22. Sch weiß wol,daßder Zorn des Teufel diefer Dffene 
darung in vieler gottlofen Hergen wird fpotten , denn er ſchaͤ⸗ 
met füch fehr ob diefer Offenbarung,er hat meiner Seelen auch 
manchen Druck hiemit gegeben ; aber ich laß es den walten, 
der es alfo haben will,ich Fan ihm nicht wiederftehen : und folte 
gleich mein irdifcher Leib darmit zu Grunde geben ‚fo wird 
mich doch mein GOtt in meiner Erfentniß glorificiren. 

23. Diefer meiner Erkentniß Glorificirung. beaehre ich 
auch, und Feiner andern: Denn ich weiß, fo diefer Geiſt in mei⸗ 
nem neuen Leibe ‚welchen ich am Tage meiner Auferftehung 
aus diefem meinem ießigen verderbten Leibe befommen werde, 
aufgeben wird, daß er wird der Gottheit ähnlich fehen , darzu 
ben heiligen Engeln. 

24. Denn das triumphirende Freuden-Licht in meinem 
Beifte zeiget mird gnugfam an, darinnen ich auch big in die 
Zieffe der Gottheit habe geforfcher , und diefelbe nach meinen 
Gaben und Trieb des Geiſtes recht befchrieben: obmwol in 
groffer Ohnmacht und Schwachbeit, indem mir meine ange: 
borne und wirkliche Sünden haben oft die Thür verriegelt, 
aD DR: SCHI Dan nenn SID A A 


re 


26 AURORA HT. Capııs 
meiner Gefängnig und Angſt gefreuet; ſo wirds ihm doch we⸗ 
nig Nutz zu feinem Reiche bringen. j 
25. Darum babe ich nur nichts als feinen grimmen Zorn 
zu gewarten: Aber meine Zuverficht iff der Held im Streit, 
der mich oft von feinen Banden erloͤſet bat; in Dem will ich 
mit ihm Fechten bisaufmeine Vonhinnenfahre:. um 


Bon der. erfchrecklichen, Eläglichen und elenden 
Derderbung des Lucifers in dem jiebenten 
Natur-Geift 
Dos Trauer⸗Haus des Todes. 

26. Wenn alle Baume Schreiber wären, und alle Aeſte 
Schreibfedern, und ale Berge Bücher, undälle Wafler Din: 
ten; noch fönten fie den Jammer und Elend nicht genugſam 
befchreiben, den Lucifer mit feinen Engeln in feinen Locum 
bracht bat. — — * in 

27. Denn er hat aus dem Haufe des Lichts ein Haus der 
Finſterniß gemacht , und aus dem Haufe: der Freuden ein 
Trauer-Haus, aus dem Haufe der Luft und Erquickung ein 
Haus des Durfis und Hungers, aus dem Haufe der Liebe eine 
ewige Feindfchaft ‚aus dem Haufe der Sanftmuth ein ewig 
Pochen, Donnernund Bligen, ausdem Haufe des Friedes cin 
ewig Jammer⸗ und Heule⸗Haus, aus dem Haufe des Lachens 
ein ewig Zittern⸗ und Schrecten- Haus, aus der Geburt des 
Richts und Wolthuns eine ewige hoͤlliſche Pein, aus den Spei⸗ 
ſen der Lieblichkeit einen ewigen Greuel und Geſtanck, einen 
Eckel vor aller Frucht, aus dem Hauſe der Libanon und Ce⸗ 
dern ein ſteinicht, felſicht und Feuer⸗Haus, aus dem ſuͤſſen Ge⸗ 
ruch einen Stanck, ein Haus des Wuſtes und — ein 
Ende alles Guten, aus dem Goitlichen Leibe einen ſchwartzen, 
finſtern Falten, hitzigen, in ſich freſſenden und doch nicht ver⸗ 
zehrenden Teufel, der da iſt eine Feindſchaft wieder GOtt und 
feine Engel, und alles Himmels Heer wieder ihn. 
28. Run mercke: Es haben die Gelehrten viel Diſputi⸗ 
rend, Fragens und Nachdenckens gehabt von der grimmigen 
Bosheit in allen Ereaturen, fomolan Sonne und Gternen in 
dieſer Welt, desgleichen ſind etliche fo gar giftige boͤſe Thiere, 
Wauͤrme und Gewaͤchſe in dieſer Welt, darum fich die Ver— 
nünftigen billig gewundert haben und haben etliche ıtfehlofs 
fen, GOtt muͤſte ja Due Boͤſe auch wollen, N N 

80 


Cams, Morgenröthe im Aufgang. 227 
Böfes geſchaffen habe; etliche haben dem Fall des Menfchen: 
die Schuld gegeben, etliche der Wirckung des Teufels. 

29. Diemeil aber alle Erenturen und Gewaͤchſe find vor der 
Zeit des Menfchen geſchaffen worden, fo darfft du dem Mens 
fchen wicht die Schuld geben: denn der Menfch bar nicht der 
Zhiere Leib in feiner Schöpfung Friegt, fondern ift ihm in ſei⸗ 
nem Fallerftio worden. Auch fo bat der Menfch nicht die 
Bosheit und Gift in die Thiere, Vögel, Würme und Steine 
bracht? denn er hatte nicht derfelben Leib; ſonſt wo er dem 
Grimm in alle Ereaturen bracht hatte ‚fo hatte er bey GOtt 
ewig feine Gnade gehabt wie Die Teufel. Der arme Menſch 
ift nicht aus feinem vorfeßlichen Willen gefallen, fonbern durch 
—— inficirte Gift ; ſonſt wäre ihm kein Rath ge⸗ 
we D won — 3 . . SR 

30. Nun dieſe rechte Unterweiſung wirſt du alhie folgende 
beſchrieben den, nicht aus Eifer, jemanden hiermit zu 
ſchmaͤhen fondern aus Liebe und zu demuͤthiger Unterwei⸗ 
fung aus dem Abgrunde meines Geiftes, und zu gewiſſem 
Troſt dem armen, Franken alten Adam der iegt an feiner lege 


ten Vonhinnenfahrt lieget. 

zi. Denn wir find in Chriſto alle ein Leib : Darum wolte 
auch dieſer Geiſt hertzlich gerne, daß feine Mit-Blieder moͤch⸗ 
gen mit einem Truncke des edlen Weines GOttes vor ihrer 
Hinfahrt gelabet werden, damit den groffen Streit des Teu⸗ 
fels zu beſtehen und den Gieg zu erhalten; damit der Sieg 
des Teufels indiefer ietzt vollen Welt möchte zerfföret, und 
der groffe Name des HErrn geheiliget werden. 22 

32. Nun ſiehe: Als König Lucifer mit feinen Engeln alfo 
herrlich, ſchoͤn und Göttlich erfihaffen worden war, als ein 
Cherubin und König in GOtt , ſo ließ er fich feine Geſtalt bes 
thoͤren indem ex ſahe, was für ein edler ſchoͤner und herrlicher: 
Geiſt inihmaufging: da meineten feine 7 Duell-Beifter, fie. 
wolten fich erheben und anzunden, fo würden fle auch alfo 
fhöne, herrlich und maͤchtig ſeyn wie der animaliſche (jeetifche) 
Geift, damit. wolten ſie in dem gangen Revier mit eigener. 
Kraft und Gewalt herrfchen ald ein neuer GOtt. ii 

‚33. Sie fahen wol, daßderanimalifche Geift mit dem Here 
gen GOttes inqualirete: darum war das ihr Befchluß,dag fie 


2 wolten erheben und anzunden, in —* alſo Har rich 
wer J | 


8 


— 2 
— ı.; 
„ 


228 Wu AURORA, Gapııs, 
und allmachtig zu ſeyn als der tieffeſte Grund im Centro des 
Hertzen⸗ GOttes. 

34. Dennfie vermeineten, den natürlichen Leib‘, der aus 
dem Natur-Geifte GOttes war aufammen-corporiret ‚indie 
verborgene Geburt GOttes zu erheben, dag ihre 7 Quell⸗Gei⸗ 
ſter möchten alfo hoch feyn, und alfo allbegreiflich wie der ani⸗ 
maliſche Geiſt. Und der animalifche Beift folte über das Cen- 
rum des Hergend GOttes triumphiren, und folte ihm das 
Hertze Gttes unterthaͤnig feyn ; und Die 7 Geiſter wolten 
wit ihrem animalifchen Geiſte alles bilden und formiren. 

2 35. Und dieſer Hochmuthund eigener Wille war ganslich 
wieder die Geburt GOttes: Denn der Leib des Engels ſolte 
in ſeinem Sede bleiben, und eine Natur feyn, und als eine de⸗ 
muͤthige Mutter ſtille halten, und nicht die Allmwiffenheit und 
eigene vernünftige Begreifligkeit des Hertzens oder der fieffes 
fen Geburt der H. Dreyfaltigkeit haben; fondern die 7 Gei⸗ 
fer folten fich in ihrem natürlichen Leibe gebaͤren wieinGHtr. 

36. Und, ihre. Begreiflichkeit folte nicht im verborgenen 
Kern, oder inder innerlichften Geburt GOttes ſeyn; ſondern 
der animaliſche (feefifche) Geiſt, welchen fie in ihrem Centro des 
Hertzens geboren, ifr folte mit der innerlichiten Geburt GOt⸗ 
tes inqualiren, und alle Figuren helfen formiren und bilden 
nach der 7 Geiſter Luft und Willen , damit in der Goͤttlichen 
Pomp alles ein Hertz und Willen wäre, | 

37. Dennalfoift die Geburt GOttes auch! Der Tee Na⸗ 
tur Geiſt greift nicht zuruͤcke in feinen Vater, der ibn gebaͤret, 
ſondern halt als ein Leib ſtille, und laͤſt des Vaters Willen wel⸗ 
Ser iſt die andern 6 Geifter, i in ſich formen und bilden, wie fie 
wollen. 

38. Auch fo greift fein Geift beſpnders mit feinem corbor⸗ 
lichen Weſen nach dem Hertzen GOttes; fordern er ſchleuſt 
ſeinen Willen mit den andern ins Centrum zur Geburt des 
Hertzens, daß alſo das Hertze und die 7 Seifter, GOttes ein 
Willen find. 
30 Denn das iſt der Begreiflichkeit Geſetze daß fie ſi ch 
nicht indie Unbegreiflichkeit erhebe : denn die Kraft, welche 
im Centro oder in Mitten zuſammen⸗ corporiret wird aus allen 
7 Geiſtern, Die iſt unbegreiflich und unerforfchlich ‚aber nicht 
——— —— Er eines Geiſtes Kraft —* ſon⸗ 
dern allen ſieben 
EI 


Cape 16. Morgenröthe im Aufgang. 229 
40. So kan nun ein Geiſt in feinem eignen Corpus , auffer 
ſeiner inſtehenden Geburt, nicht in das gantze Hertze GOttes 
greiffen, und alles approbiren und forſchen: denn er begreift 
auffer feiner initehenden Geburt nur feine eigene Geburt im 
Hersen GOttes; aber alle 7 Geiſter zugleiche begreiffen das 
Hanse Hertze GOttes. Auch im Mienfchen : verftebe 
„aber nachder Bildniß GOttes, als im Seelen-Geifte, 
„nicht in der feurigen Eſſentz der Seelen ; fondern in des 
„Kichts Effenz, daririnen GOttes Bildnif ſtehet.)] 
41; Aber in der inſtehenden Geburt der Geifter , da einer 
den andern immer gebäret, da begreift ein ieder Geiſt alle7 
Geifter ; aber nur im aufgehenden Blise des Lebens. 

42. Das Herge aber iſt nun ein fonderlicheg ‚wenn es ges 
boren iſt eine fonderliche Perfon , und doch nicht von den Gei⸗ 
ftern abgetrennet; aber die Geiſter können fich in ihrer erſten 
Geburt nicht in die andere verwandeln, 

43. Auch fo Fan fich die andere nicht in die dritte verwan⸗ 
dein, welchesift der Ausgang des Geiftes ; fonbern eine iede _ 
Geburt bleibet in ihrem Sede, und find alle Geburten zuſam⸗ 
men doch nur der einige GOtt. £ 

44. Weilaber der Leib Lucifers aus der Natur und auffer- 
lichiten Geburt gefchaffen war, fo war es ja gang unrecht ‚daß 
er fich in die innerlichfte und tieffte erhub ‚welches er Doch im 
Goͤttlichen Recht nicht thun fonte ; fondern er muſte fich er- 
heben undbanzünden ‚damit die Duellgeifter in das ſchaͤrfſte 
Durchdringen und Inficiren gefeget würden. J 

45. Ich meine ja, du ſchoͤner Nigromanticus, du haft dich 
wol verwandelt : du magft die Menfchen billig auch deine 
Kunſt lehren,ob fie vielleicht möchten auch fo gewaltige Goͤt⸗ 
ter werden, wie du biſt worden. | 

46. hr blinden und boffärtigen nigromantifchen Gauck⸗ 
ler, bierinnen ſteckt eure Kunſt; ihr verwandelt die Elementa 
eures Leibes Durch eure Conjurationes und Inftrumenta der 
Qualitaͤten die ihr darzu brauchet, und meinet, ihr habt Recht 
am . Iſts aber nicht wieder die Geburt GOttes, fo bewei⸗ 

DABE u. 


47. Bievermeinet ihr wol, daß ihr euch koͤnnet verwan⸗ 
deln in eine andere Geftale? Ihr laffet euchden Teufel aliv af 
fen, und ſeyd doch inder Kunfe blind: Und ob ihr fie noch fo 
mol gelernet hattet, fo wiſſet ihr ur ben Zmest Darinuen 


(Eier a 


230 ILAURORA. Caps 


nicht; * das Hertze darinnen iſt die — der 
Quellgeiſter, wie Herr Lucifer that, da er wolte GOtt ſeyn. 

48. Sprichſt du nun, wie kan das ſeyn? Siehe, wann die 
corporliche Quellgeiſter ihren Willen in die Zauberen ſetzen, 
fo iſt der animaliſche (ſeeliſche) Geift, den fie gebaͤren, und der in 
der Sternen und Elementen Qualität im verborgenen und 
ciefiten Centro herrfchet, fehon ein Zauberer und hat ſich in die 
Zauberey verwandelt. 

49. Der thieriſche Leib aber kan nicht bald hernach; ſon⸗ 
dern muß Durch Characteres und Conjurationes, und etliche 
darzu dienliche Inftrumenta verzaubert werden , darmit der 
animalifche Geiſt den £hierifchen Leib unfichtbar mache, und 
indie Geſtalt verwandelt, wie der Quellgeiſter anfänglicher 
Mille war. 

50. Das thierifche Fleifch Fan fich mol nicht verwandeln, 
ober in eine andere Geburt feßen; fondern es wird in eine ges 
ringe und dünne Forma bracht, gleich einem Thier oder Hol 
und * das ſeinen Leib in den Elementen qualificiren⸗ 


e hat. 

SI. Aber die fi derifchen Geiſter koͤnnen ſich in eine andere 
Geſtalt verkleiden; aber auch nur ſo lange, als ihnen die Ge: 
burt der Natur über ihrem Polo zulaffet: Denn wenn fich die 
mit ihrem Umwenden und Durchdringen verandert, daß ein 

Quellgeiſt Primus wird, fo liegt ihre Kunſt darnieber ‚und hat 
ihre Gottheit in dem erſten Quellgeiſte, in welchem ſie ihre 
Kunſt haben angefangen, ein Ende. 

32. Sol fie nun langer beftehen, fo muß fie aufs neue nach 
dem ietzt⸗regierenden Quellgeiſte gemacht werden, oder muß 
Der Teufel mit feinem animalifchen Geifte in den fiderifchen 

Beiſtern des Cörpers feyn, der ihn flugs anders verwandelt ; 
ſonſt Hat feine Kunſt alhieein Ende. Denn die Natur laffet 
nicht alle Stunden mit fich gauckeln, wie die Beifter wollen ; 
Tondern es muß alles nach dem Geiſte geſchehen welcher da⸗ 
zumalen-Primus iſt. 

53. Nicht macht derſelbe Geiſt GOttes welcher in der 
Natur krimus iſt, die Gauckeley; ſondern es wird in der Grim- 
** des Galitters, welche Herr Lucifer mit feiner Erhe⸗ 

bung hat angezündet, welches fein ewiges —— if ge 


macht. 
54. Wenn ſich aber die Maren Geige fan 


\ x 


Cap. is. Morgenrötheim Aufgang. 231 
das angeqünbete Feuer dem Gauckler auch nicht mehr dienen. 
Denn das euer inder Natur iff nicht in diefer ietzigen 
Zeit des el eigen Gemalt-Haus: fintemal die Liebe im 
Centro des Zorn⸗ Feuers verborgen ſtehet, und Pucifer mit ſei⸗ 
nen Engelnim äufferlichen Zorn⸗ Feuer gefangen liege bis in 
das Gerichte GOttes da wird er dad Zorn Feuer abtheilig 
von der Liebe zum eminen Bade bekommen, und wird ohne 
Smeifel feinen Gaucklern dag Haupt mit mafehen. 

55. Diefes fegeich dir nur zu einer Warnung hieher , damit: 
dir wiſſeſt, was die Zauberey für einen Grund hat: nicht der: 
geſtalt daß ich wolte heidnifche Zauberey ſchreiben, ich habe 
fie auch nicht gelernet ; fondern der animalifche (ſeeliſche) Geiſt 
fiehet ihre Gauckeley, welche ich im Reibe nicht verſtehe. 

56. Diemeil fie aber gantz und gar wieder die Liebe und 
Sanftmuth der Geburt GOttes lauffet, und iſt ein Wieder 
willen in der Liebe GOttes, dem Menſchen ohne darzu drin⸗ 
gende groſſe Noth verderblich zu thun; ſo will der Geiſt den 
Gaucklern und Veraͤnderern der Ordnung GOttes das Zorn⸗ 
Bad der Natur zu einer ewigen Abtrocknung beſcheiden ha⸗ 
ben, da moͤgen ſie ihre neue Gottheit inne beweiſen. 


Ron der Anzuͤndung des Zorn⸗Feuers. 


„57. Ms fich nun König Lucifer mit allen feinen Engeln an⸗ 
sundete, fo ging das Zorn⸗Feuer augenblicklich im Corpus auf, 
und verlafih das holdſelige Licht in dem animalifchen Geetiihen) 
Beifte und ward ein grimmiger Teufeld Geiſt; alleg nach 
der Ynzundung und Willen der Duellgeifter. 

53. Nun diefer animalifche Geiſt war nun mit der Gottheit 
in der Natur verbunden , und konte mit derfelben inqualiven, 
als waͤre es ein Ding: der ſtach nun aus den Corpuſſen der 
Teufel in die Natur GOttes als ein Moͤrder und Dieb, der da 
begehrte alles zu ermorden und zu rauben und unter feine Ge⸗ 
walt zu bringen, und sünbete alle 7. Beifter in der Natur an; 
da war nicht8 denn * —* bitter, feurig und krachend 
brennend Reiſſen und: 

59. Richt ſolſt du ne daß der Teufel babe die Gott: 
beit alſo —— uͤberwunden: Nein; ſondern er hat den Zoru 

angezuͤndet welcher wol in Ewigkeit haͤtte im Ver⸗ 

on geruhet; und hataus dem Salitter GOttes eine 

NMordgruben gemacht: denn J man Feuer ins Stroh F— 
ei 5* 4 


— 
— 
— 
r 


232 AURORA 0° Bam 
cket, fobrennet es. Nicht ift aus GOtt darum ein Teufel 
worden. | 4 KEIN £ 

60. Auch foreicht das Zorn-Feuer GOttes in der Natur 

‚ nicht bis auf den innerften Kern des Hergeng , welcher iſt der 
Sohn GOttes, vielmeniger in die verborgene Heiligkeit des 
Geiftes ; fondern bis in die Geburt der ſechs Duellgeifter , in 
den Locum, mo der fiebente geboren wird. { 

61. Denn an dem Drte, oderindiefer Geburt iff Herr Lu⸗ 
cifer zu einer Ereatur worden, und reichte feine Herrfchaft 
nicht tieffer : So er aber ware in der Liebe blieben, fo hatte fein 
animalifcher Geift gereicht bi8 ind Centrum des Hertzens 
GOttes, denn die Liebe dringet durch bie ganke Gottheit. 

62. Als aber feine Liebe verlafch , fo konte der animalifche 
Geiſt nicht mehr in das Herge GOttes, und war fein Fuͤrneh⸗ 
men vergeblich ; fonderner mutete und tobete in der Natur, 
das iſt, indem fiebenten Duellgeiffe GOttes. 

63. Weilaber die Rraftaller 7 Beifter in diefem ſtund, fo 
wurden fie auch alle fieben im Zorn angeſteckt; aber nur in der 
aufferlichen und begreiflichen Dualifiirung. Denn das Her: 
tze konte der Teufelnicht berühren; fo Eonte er auch bie inner⸗ 
fe Geburt der Duellgeifter nicht berühren, denn feine Herr- 
Jichfeit der 7 Geiſter war im erften Blig des Anzuͤndens ſchon 

erſtorben, und alöbald im erften Ausgang des animalifchen. 
Geiftes gefangen gehalten. 

64. In dieſer Stunde hat ihm König Lucifer die Hoͤlle und 
ewige Berderbung felber zugerichter : die flehet nun. in dem 
aufferffen Duellgeifte der Natur GOttes, oder in der äuffer- 
ſten Geburt diefer Welt. 

65. Als fich aber die Natur alfo erfchrecklich anzündete, ſo 
word aus dem Haufe der Freuden ein Haus der Trübfal: Denn 
die herbe Qualität ward angezunder in ihrem eignen Haufe; 
die war nunein gang harte, Falt und finfter Weſen, gleich 
dem Falten und harten Winter ; Die zog nun den Galitter zu⸗ 
ſammen, , und vertrocknete ihn, daß er gang rauhe, Falt und 
ſcharf ward, gleich den Steinen , darinnen ward die Hiße ge= 
fangen und mit zufammen gezogen , und inein hart, Ealt, fin- 
ſter Weſen formiref. J 
66. Als dieſes geſchach, fo verlaſch auch das Licht in der 
Natur in der aͤuſſerſten Geburt und ward alles gantz finſter 
und verderbet: das Waſſer ward gantz kalt — —— 

FR, — 


A ae ar RE De e . » 

Cap.i6. Morgenröthe im Aufgang. 233 

ſich etwan in den Klüften: Da ift der Urſprung des elementi⸗ 
ſchen Waſſers auf Erden. 

67. Denn vor den Zeiten der Welt iſt das Waſſer gang 
dünne gleich der Luft gewefen ; darzu iſt dag Leben darinnen 
geboren worden , welches ietzo alfo tödtlich und verderbet iſt, 
undalfe waltzet undlauft. 4 

68. Aus der holdfeligen Liebe , welche im Bliß des Lebens 
aufging , ward eine grimmige und bittere Gift, eine rechte 
Mordgrube, ein Stacheldes Todes; aus dem Ton ward ein 
hart Pochen der Steine, ein Haus des Elendes. 

69. In Sunma, es war alles ein gang finſter und elend 
Weſen in dem gangen Revier, in der aufferften Geburt des 
Königreichs Lucifers. ER 

70. Du muft aber nicht denken, daß die Natur fey big auf 
den innerften Grund alfo verderbet und angezündet worden ; 
fondern nur die aufferfte Geburt: Die innerlicheaber,in wel⸗ 
cher fich die 7 Duellgeiffer gebaren, behielt fein Recht für fich, 
dieweilder angezuͤndete Teufel nicht fonte hinein greiffen. 

71. Run aber hat die innerliche Geburt die Wurffchauffel 
in der Hand, und wird einmal ihre Tennen fegen, und die 
Epreue dem Reiche Lucifers zu einer ewigen Speiſe geben. 
Denn fo der Teufelhatte können indie innerite Geburt greif- 
fen , fo ware alsbald aus dem gangen Revier feines König- 
reichs die angezundete brennende Hölle worden. 

72. Aber alfo muß er als ein. Gefangener in ber aufferffen 
Geburt bis an Juͤngſten Tag gefangen liegen, welcher nunmehr 
verhanden iſt, und gar nahe zu gewarten. 

73. Lucifer aber hat ſeine Quellgeiſter bis indie innerſte Ge⸗ 
burt angezuͤndet, und gebaͤren ſeine Quellgeiſter nun einen 
animaliſchen Teufelsgeiſt, der ein ewiger Feind GOttes iſt. 

74. Denn da ſich GOtt in ſeiner aͤuſſerſten Geburt in der 
Natur erzernete, fo war es nicht fein vorfeglicher Wille, daß 
Er fich molte anzunden , Er hats auch nicht gethan; fondern 
Er hat den Galitter zufammen gezogen, und dem Teufel hie⸗ 
mit eine ewige Herberge zugerichtet. 

75. Denn auffer GOtt kan er nicht geftoffen werben inein 
ander Koͤnigreich der Engel ; fondern e8 muß ihm ein Locus 
zur Bebaufung bleiben. So wolte Erihm den angezündeten 
Salitter auch nicht alsbald zur ewigen Behaufung geben: 
denn die innerliche Geburt der a fund noch darinnen 

— 5 ver 


234... L AURORA 2 Gays 
verborgen. Denn EDtt hatte ein anders im Sinne hiemit zu 
thun; und folte Rönig Rucifer ein Sefangener bleiben, big ein 
ander englifch Heer aus demfelben Galitter an feine Stelle 
wuͤrde, welches ſind die Menſchen. 

76. Nun wolher ihr Juriſten Lucifers, alhie verantwortet 
euren König, ober Recht habe, daß er das Zorn⸗Feuer in der 
Natur hat angezimber 2 wo nicht , fo foll er ewig darinnen 
brennen , und eure Luͤgen wiederdie Wahrheit mit ihme. 
77. Das find alſo die 7 Species oder Gefkalten der Sünden 
Anfang und ewiger Feindfehaft wieder GOtt. 

78. Kun folget mit kurtzen von den A neuen Soͤhnchen Lu⸗ 
cifers, die er in ſeinem corporlichen Regiment in ſich geboren 
hat, darum er in aus feinem Loco geftoffen , und der greulich⸗ 
ſte Teufel worden. 

Von der Hoffart, der erſte Sohn. 

79. Nun fraget ſichs: Was hat denn den Lucifer darzu be⸗ 
weget, daß er wolte uͤber GOtt ſeyn? Alhie ſolſt du wiſſen, 
daß er auffer ihm gar keinen Trieb bat gehabt zu *— Hoffart; 
fondern feine Schönheit betrog ihn: da er fahe, Daß er der 
ſchoͤneſte Fürft im Himmel war fo berachtete er das freundlis 
che Qualificiren und Gebären der Gottheit, und dachte, er 
molte mit feiner fürfflichen Kraftin der gantzen Gottheit re- 
gieren, es folte fich alles vor ihm beugen. 

80. Als er aber befand, Daß er folches nicht thun Fonte , fo 
zundete er fich felber an, in willens folches auf eine andere 
Weiſe zu thun: Da ward aus dem Sohn des Lichts ein Sohn 
der Finfterniß , denn er verzehrete feine ſuͤſſe Waffers-Rraft 

felber , und machte daraus einen fauren Geſtanck. 
Don dem andern Sohn, dem Geitze. 

81. Der andere Wille war der Geitz der wuchs aus der 

Hoffart: Denn er vermeinte, er wolte über ali⸗ engliſche Koͤ⸗ 

nigreiche herrſchen als ein Einiger GOtt, vor ihm ſolte ſich 

alles beugen, er wolte mit ſeiner Kraft alles bilden : darzu ber 

trog ibn auch feine ſchoͤne Geſtalt/ daß er vermeinte, er wolte 

alles allein inne haben. 

" 82) Beydiefer Hoffart uad Geitz mag fich die ietzige Welt 

fpiegeln , und beme nachdensten , wie eg eine Feindſchaft wie⸗ 

der GOtt ift, und fie darmit zum Teufel fahren, und ihren 

Sachen ewig muͤſſen offen haben, zu i rauben und zu verſchlin⸗ 

gen; und finden doch nichts als hoͤlliſche Greuel. o | 
Der 


* 


N: 
. 


Tay.ıs. Morgenröthe im Aufgang. 235 


Der dritte Sohn ift der Neid. 

83. Diefer Sohn ift das rechte Podagra der iegigen Welt: 
denn er nimt feinen Urfprung im Blitz der Hoffart und des Gei⸗ 
tzes, und ſtehet auf der Wurgeldes Kebens, mie eine flachlich- 
te und bittere Galle. 3 

84. Diefer Geift Fam auch anfänglich aus der Hoffart ; 
denn die Hoffart dachte: du biſt fchöne und machtig. So 
Dachte der Geiß: es muß alles deine ſeyn; undder Neiddach 
ce : du wilft alleserftechen, das dir nicht gehorfam ıft, und 
flach biermit auf dieandern Porten der Engel, aber gang ver: 
geblich : denn feine Macht erftreckte fich nicht weiter ald in ſei⸗ 
nen Locum , daraus er gefchaffen war. 

| Der vierte Sohn ift der Zorn. 

85. Diefer Sohn iſt das rechte brennende höllifche Feuer, 
und nimt feinen Urfprung auch von der Hoffart: Denn als er 
feiner Hoffart und Geige mit feinem anfeindlichen Neide nicht 
Eonte gnug thun, fozundeteer dag Zorn-Feuer in füchan, und 
brüllete damit in die Natur GOttes als ein grimmiger Löwe, 
davon denn der Zorn GOttes aufging und alles Ubel. 

86. Davon gar viel zu fhreiben wäre; du wirft es aber 
bey der Schöpfung begreiflicher finden ‚idenn daſelbſt findet 


man lebendige Zeugen gar gnugfam , dag alfo Feiner zweifeln 


darf ‚ ed verhalte fich nicht alſo. 


87. Alto iſt König Lucifer ein Anfang der Sunden, undein 


Stachel des Todes, und eine Anzundung des Zorns GOttes, 
und Anfang alles Boͤſen, eine Berderbung diefer Welt; und 


was je Boͤſes geſchicht, da iſt er der erfte Urſacher dran. 


88. Auch ſo iſt er ein Moͤrder und Vater der Luͤgen, und 
Stifter der Hoͤllen; ein Verderber alles Guten, und ein ewi⸗ 
ger Feind GOttes und aller guten Engel und Menſchen, mit 
dem ich und ale Menſchen, die gedencken ſelig zu werden, muͤſt 
fenalle Tage und Stunden flreiten und fechten, ald gegen 
demargeften Feinde. | 
— Die endliche Condemnation. 

89. Weil ihn aber GOtt als einen ewigen Feind verflucht 
bat, und zur ewigen Gefaͤngniß verurtheilet , da er ihm denn 
fein Stunden-Ölas nunmehr vor Augen fichet, und mix durch 
GOttes Geiſt fein hoͤlliſch Reich iſt offenbar morden ; als ver: 
fluche ich ihn auch mit und neben allen heiligen N 
3 * en⸗ 


— 
# er © * 


236 I. AURPRA.Capp.i6. 


Menſchen, und abſage ihm als einem ewigen Feinde, der mir 
oft meinen Weinberg zerriſſen hat. . 

90. Darzu abfage ich allen feinen Juriſten und Helfern, 
und will mit Ööttlicher Gnaden hinfort fein Reich gantz offen= 
baren und beweifen, daß GOtt iſt ein GOtt der Liebe und 
Sanftmuth, der nicht das Böfe will, der auch nicht Luſt und 
Sefallen an iemands Verderben hat ; fondern will, daß allen 
Menſchen geholfen werde: Pfal. 5:5. Ezech. 18; 23. und 33: 11. 
1. Tim. 2:4. Darzu willich bemweifen , daß alles Böfe vom 
Teufel herkommt, und feinen Anfang von ihm nimt. 

Don dem endlichen Streite und Verftoffung des 
Koniges Lucifers, famt aller feiner Engel. 

91. Als ſich num der greuliche Lucifer, als ein Wuͤter, Tober 
und Verderber alles Guten, alſo gantz erſchrecklich erzeigete, 
als wolteler alles verderben und anzuͤnden, in willens unter 
feine Botmaͤßigkeit zu bringen: fo war nun alles Himmels 
Heer wieder ihn, und er auch wieder alles: da ging mun der 
Streit an, denn es ſtund alles gantz fehreeklich gegen einander. 
Und der Groß⸗Fuͤrſte Micha-El mit feinen Regionen ffritt ge: 
gen ihn, und der Teufel mit feinen Regionen ſiegete nicht ; fon: 
dern ward aus feinem Loco getrieben als ein Uberwundener! 
Apoc.12:8.9. J | | | 
92. Run möchte einer fragen, was doch das für ein Streit 
geweſen ſey, womit fie doch gegen einander gefkritten haben 
2 Woffen ? Dis verborgene Ding verſtehet allein der 

eift, welcher alle Tage und Stunden mit dem Teufel ſtrei⸗ 
ten muß: das aufferliche Fleifch kan es nicht begreiffen, auch 
fo koͤnnen es die fiderifchen Beifter in dem Nenſchen nicht ver⸗ 
fehen, und wird von dem Menfchen gar nicht begriffen ; es 
fey denn daß der animalifche (ſeeliſche) Geift mit der innerſten 
Geburt in der Natur ingualire, im Centro, wo dag Licht GOt⸗ 
tes des Teufels Reich entgegen geſetzet iſt, das ift, in der drit⸗ 
ten Geburt in der Natur diefer Welt. 

93. Wenn er in diefem Sede mit GOtt ingualiret , fo brin⸗ 
gets der animalifche Geiſt in die ſideriſchen: denn die ſideri⸗ 
fchen müffen in diefem Loco alle Stunden mit dem Teufel 
freiten. Denn inder aufferffen Geburt des Menfchen bat 
der Zeufel Gewalt; denn es iff fein Giß da, die Mordgrube 
des Berderbend, und iſt das Hang des Elends, darinnen * | 


Sap.ıs. MorgenrötheimAufgang 237 
get der Teufelden Stacheldes Todes, und greift durch feinen 
animalifihen Geift dem Dienfchen in feiner aͤuſſerſten Geburt 
ins Herge hinein. 

94. Benn aber bie fiderifchen Geiſter von dem animali- 
ſchen Geift, welcher im Lichte mit GOtt inqualiret ‚erleuchtet 
werden, fo werden fie gang inbrunffig und deg Richts begierig: 
dagegen wird der animalifche Geiſt des Teufels, welcher in der 
aufferften Beburt im Menſchen berrfcher, gan erſchrecklich 
und zornig, darzu gang wiederwillig. 

5. Und da gehet alsdenn das Gtreit- Feuer im Menſchen 
J— wie es im Himmel mit Micha-El und Lucifer aufging, und 
a fich die arme Seele mol quetfchen und radebrechen 
laſſen. 

96. So ſie aber fieget, fo bringet fie ihr Licht und Erkentniß 
mit ihrem Durchdringen bis in Die aͤuſſerſte Geburt des Men⸗ 
ſchen: denn ſie dringet mit Gewalt zuruͤcke durch die 7 Geiſter 
der Natur; welche ich alhie Die ſideriſchen Geiſter heiſſe, und 
herrſchet mit im Rathe der Vernunft. 

97. Alsdenn erfennet erfi der Menſch, was der Teufel fey, 
wie er ihm fo feindig ſey, und wie groß feine Macht fey, auch 
wie er ale Tage und Stunden gang verborgen mit ihm ſtrei⸗ 


ten muß. 

98. Welches die Vernunft oder aͤuſſerliche Geburt des 
—2 ohne dieſen Kampf nicht begreiffen kan: Denn die 
dritte oder alleraͤuſſerſte Geburt im Menfchen, welches die 
freifchliche Geburt ift, und ihm der Menfch durch den erften 
Luft Fall felbft erbauet und zugerichtet bat, iſt des Teufels 
Raubſchloß und Wohnhaus, da der Teufel als wie in einer 
Hp gie mit der Geelen ſtreitet, umd ihr manchen harten Kopf⸗ 

gibe 

9. Dieſe Geburt des Fleiſhes iſt nun nicht der Seelen 
Wohnhaus; fondern fie fahrer im Streit mit ihrem Lichte in 
Goͤttlicher Kraft hinein, und ffreitet wieder den Mord deg 
Teufels. Dagegen ſcheuſt der Teufel mit feiner Gift auf die 
7 Duellgeifter, welche die Seele gebaͤren, in willens die zu ver⸗ 
ben und 5 damit er den gantzen Leib zum Eigen⸗ 
thum befo | 

100. 8* nun die Seele fol ibr Licht und Erkentniß im des 
 Menfhen Gemuͤthe bringen, ſo muß fie gar harte kaͤmpfen und 
— para einen engen Steig hiudurch: fie * a 


2338 .ntuL AURORA: 2 Gapıs, 
vom Teufel zu Boden gefihlagen; aber fie muß ſtehen als ein 
Ritters⸗Mann in der Schlacht. So ſie nun fieget, fo hat fie 
den Teufel uͤberwunden; ſieget aber der Teufel, ſo wird die 
Seele gefangen. Hays / 

or. Weil aber die fleifchliche Geburt nicht der Geelen eie 
gen Haus if, und fie daſſelbe nicht erblich befigen Fan wie der 
Teufel, fo währet der Kampf folang, als das Fleiſchhaus wahr 
ret: Wenn aber das Fleiſchhaus zerſtoͤret wird, und die See⸗ 
le noch in ihrem Haufe unuberwunden und ungefangen frey 
ift, fo hat der Streit ein Ende, und muß der Teufel eiwig von 
diefem Geiſte weichen. ihre 

102. Darum iſt dieſes gar ein ſchwerer Articul zu verſte⸗ 
ben, und Fan gar nicht denn nur in dieſem Kampfe verftanden 
werben: Wenn ich gleich viel Bucher davon fehriebe, fo ver- 
ſteheſt du doch nichts; es fen denn Daß dein Geiſt in ſolcher 
Geburt ſtehe, und dag die Erfentniß in dir felber geboren wers 

de; aufler dem Fanft du e8 weder faflen noch glauben. 

103. So du aber dis begreiffeft, fo verfteheft Din auch den 
Streit , welchen die Engel mit den Teufeln gehalten haben : 
denn die Engel'haben nicht Sleifch und Bein, ſo hats der Teu⸗ 
fel auch nicht: Denn ihre leibliche Geburt ſtehet nur in den 
fieben Duellgeiftern, aber die animalifhe (ſeeliſche) Geburt jn 
* Engeln, die inqualiret mit GOtt; in den Teufeln aber 
nicht. Ren u 
104. Darum folt du hie wiſſen/ daß die Engel mit ihrer ani⸗ 
maliſchen Geburt,in welcher fie mit GOtt inqualiven, haben 
in GOttes Kraft und Beift wieder die angezunderen Teufel 
geſtritten undfie aus dem Lichte GOttes ausgeftoflen , und 
zuſammen getrieben in eine Hoͤle, das iff, in ein enge Revier, 
gleich einer Gefängniß, welches iſt der Dre auf und über der 
Erden bis an Monden, „welcher if eine Goͤttin der irdifchen 


r) 
ar 


cburt ———— 
105. Alſo weit haben fie ihr Revier ietzund bis an Juͤng⸗ 
fen Tag: alödenn werden fie ein Haus befommen.an dem 
Eoco, mo ietzt die Erde ſtehet, [Des ift, in der aͤuſſerſten 
„Geburt in der Sinfterniß, da fie das ate Principum und 
„Uuell des Licht nicht erreichen. ] und das wird heiflen Die 
brennende Hölle. | ur, 
106. Herr Lucifer da warteauf; und laß dir dieſe Prophe⸗ 
zeyung derweil gewiß ſeyn: denn du wirſt den angaben 


| 


bei! in der auſſern Geburt. 31. Streit zwiſchen der Seele und di 


Cap. 17. Morgenröthe im Aufgang. 239 


Salitter in deräufferfien Geburt, —* du ſelber haſt alſo zu⸗ 
gerichtet, zu einem ewigen Haufe bekommen. 

107: Aber nicht in folcher Forma , wie er ietzt ſtehet; ſon⸗ 
dern es wird fich alles im angezuͤndeten Zorn⸗Feuer fcheiden, 
und wird dir der finftere, hitzige und Falte, rauhe, harte, bittere, 
ſtinckichte Wuſt zur ewigen Herberge eingeraumet werden.” 

108. Da ſolft du ein ewiger, allmächtiger Bott innen 


fepn, wie ein Gefangener i in einem tieffen Kercker: da wirſt du 
GOttes Licht ewig weder ſehen noch erreichen, und der ange⸗ 
zuͤndete bittere Zorn GOttes * deine — ſeyn, dar⸗ 


aus du nimmer nor 


Das Im, ‚Sapitel.-- 


Yon dem Fläglichen und. eine PIERRE, 
der verderbten Natur ‚und Urfprung der 4 
Elementen, an ſtatt der heiligen Regier 


rung GOttes. 


Summarien. 


ES hat had Sheifers Sal in der Natur ein ander Rebiment be⸗ 
kommen. s.ı. Die Geburt iſt ſanft und licht geweſen; 2.3. 


Streit aber; im Loco dieſer Welt, * einen efachen Duell be⸗ 
kommen. 4.5. Licht aus dem ſanften Wallen.6. Waſſers, Saltz und 
Steine Beginn.7. 8. Die * Qualitaͤt hat die Erde und BAER zu⸗ 
ammen geiogen..geu, Die bittere gebaͤret Fliegen 1e2. Die -Hize 

dee das il zu 33. Alfo hat auch die Erde ihren Urſtand. 14. 
Durch Verloſchung des Bichts iſt der Edi in die Natur fommen. 15:17. 


Adam hatte einen —— Kraft-Reib: 18. Die Maſſa war inficirt; 


daher die buſt, und aus der Luft der Verſuch⸗ Baum, den Adam bilden 
Eh 19, 20. Des? Teufeld Sucht, 21. Das Weib gebäret; hat gegeſ⸗ 


en. 22.23. Aus dem Eilen — e Leib, welcher verderblich: und 
ein Same. 24:26. Wit der äuffere bLeib; alſo Die Auffere Welt. 27. Die 
—— ichet im Zorn Feuer .Dieſe Welt fiehet noch in 


Dttes Kraft und Liehe, iſt aber verborgen. 29.30. Lucifer iſt ein ges 
er. 32. Die Seele kriegt manchen Stoß. 33.34. 


SCH GOtt ein ewiger allmächtiger Regent iff, dem 


niemand wieberftehen fan; fo hat Die Natur in ihrer 
Anzundung doch nun gar ein wunderlich Regiment 
—* welpen vor den aeien bes Born * gewe⸗ 


a — 3.deng 


y Bil Bi Ne 


= 


240 ‚I AURORA, Cap.ı7 


. 2. Denn die 6 Quellgeiſter haben ben ten Natur⸗Geiſt 
vor den Zeiten des Zorns indem Loco dieſer Welt gang fanfte 
und lieblich geboren, gleichwie ietzo im Himmel gefchiche, und 
iſt gar fein Funcke des Zorns darinnen aufgangen. 

3. Darzu iſt alles gang lichte darinnen gemefen, und has 
doc feines andern Licht? Darınnen beduͤrft; fondern der 
Quellbrunn des Hergend GOttes hat alles erleuchtet und iſt 
ein Licht in allem geweſen, das überall unaufloͤslich und un⸗ 
auf haltlich hat geſchienen: denn die Natur iſt gantz dünne ges 
weſen, und iſt alles nur in Kraft geſtanden / und iff gar eine 
liebliche Temperang gemefen. 

4. Alsbald fich aber der Streit in der Natur mit den ffol- 
gen Teufeln hat angefangen da bat indem 7ten Natur-Geifte 
in dem Revier Lucifers melches iſt der Locus diefer Delt, alles 
eine andere Geſtalt und Wirckung befommen. 

5. Deun die Natur kriegte einen zweyfachen Duell, und 
ward die. äufferfke Geburs in der Natur im Zorn⸗ Feuer ange: 
zundet, welches Feuer man hun beiffet den Zorn GOttes, oder 
die brennende Hölle. 

6. Hierzu gehöret num. der allerinnerſte Sinn zum Ver⸗ 
ftande:. der Locus, wo das Licht im Hertzen geboren wird, der 
begreift dieſes nur; der aͤuſſerliche Menſch begreift es nicht. 
Siehe, als Lucifer mit feinem Heere das Zorn⸗Feuer in der 
Natur GOttes erweckte daß ſich GOtt in der Ratur in dem 
Loco Lucifers erzuͤrnete fo friegte die aͤuſſerſte Geburt in der 
Natur eine andere Dualität, gank grimmig, herbe kalt hitzig, 
Bitter und ſauer. Der mwallende Geift, melcher uvorpin in 
der Natur hatte fein fanft qualificiret, ver ward in feiner aufe 
ferften Geburt gang erheblich und fehreeklich ‚welchen man 
iegumder in der Aufferfien Geburt den Wind oder das Ele: 
ment Luft heiffet, von wegen: feiner Erhebung. _ * 

7.Denn als ſich die Geiſter in ihrer: aͤuſſerſten Geburt 
anzuͤndeten fo gebaren fie einen ſolchen bart-wallenden Geiſt 
Auch fo ward das ſuͤſſe Waffer, melches vor den Zeiten des 
Zorns gantz duͤnne und unbegreiflich war, gantz dicke und er⸗ 
heblich; und die herbe Qualitaͤt ward gañitz ſcharf und kalt⸗ 
rn ‚denn fie Eriegte eine firenge Zuſammenziehung gleich 

altze. 
b 8. Denn das Saltz⸗Waſſer oder Saltz, welches a heute 
an in der Erden gefunden wird, das bat feinen U prans 


ei 


Cap. ız. Moraenröthe im Aufgang. 241 
und Herkommen von der erſten Anzuͤndung der herben Qua⸗ 
litaͤt; ſo haben die Steine auch ihren Anfang und Herkommen 
davon, ſowol auch die Erde. | 

9. Denn die herbe Qualität zog nun den Galitter gan 
herbe und ſtrenge zufammen, und vertrorfnete ihn : davon iff 
die bittere Erde worden; die Steine aber find aus dem Ga- 
fitter, welcher dismals in Kraft des Tones geffanden, worden. 

10. Denn wiedie Natur mit ihrem Wircken, Ringen und 
Aufſteigen der Geburt in der Zeit des Anzuͤndens iſt geſtan⸗ 
den, alſo hat fich auch eine Materia zufammen gezogen. 

ıı. Run fraget fichs: Wie iſt denn ein begreiflicher Sohn 
aus der unbegreiflichen Mutter worden? Deffen Haft du ein 
Gleichriiß, wie die Erde und Steine aus der Unbegreiflichkeie 
find worden. 

ı2. Giehe, die Tieffe zwifchen Himmel und Erden iſt auch 
unbegreiflich ; noch gebaren der Elementen Qualitaͤten gleich- 
wol zu manchen Zeiten ein lebendig und begreiflich Fleiſch 
darinnen, ald Heufchresfen, Fliegen und Wurme. 

13. Das machen der Dunlitäten firenge Zufammenziehuns 
gen, in welchem zufammengezogenen Galittes fich Dann als— 
bald das Yeben gebäret : Denn wenn die Hige die herbe Quali⸗ 
tat anzundet, fo gehet das Leben auf; denn die bittere Duali- 
tat beweget füch, welche des Lebens Urfprung if. 

14. Alfo auch in gleicher Seftalt hat die Erde und Gteine 
ihr Herfommen : Denn als füch der Salitter in der Natur an⸗ 
zundete, jo ward alles gan& rauhe, dicke und finfter, wie ein 
dicker, finſterer Nebel, welches die herbe Dualität mit ihrer 
Kalte vertrocknete. | 

15. Weilaber das Licht in der aufferffen Geburt verlafch, 
fo ward die Higein der Begreiflichkeit gefangen, und Eonte ihr 
Leben nicht mehr gebaͤren. Davon iſt der Tod in Die Natur 
kommen daß ihr die Natur, oder die verderbte Erde nicht 
mehr helfenfan: und darauf hat eine andere Schöpfung des 
Lichts müffen erfolgen, fonft wäre die Erde ein ewiger unauf⸗ 
löslicher Tod; nun aber gebärerfieihre Frucht in Kraft und 
Anzuͤndung des erfihaffenen Lichtes. 

16. Nun möchte einer fragen : Wie hats denn eine Geftalt 
mit der zweyfachen Geburt befommen? Iſt denn GOtt im 
der Anzundung des Zorn- Feuers in dem Loco diefer Welt er? 

loſchen / daß alſo nichts ald nur ein BERN * RE 


” aa 


242 1, AURORA. Lan. 17. 
aus dem Einigen BDtt ein zweyfacher GOtt morben? Ant- 
wort: Dieſes kanſt du nicht beffer begreiffen oder verftehen, 
als nur an deinem eignen Leibe, der ift Durch dem erften Fall 
Adams mit aller Geburt, Geſchicklichkeit und Willen ein 
fol) Haus worden, wie der. Locus diefer Welt iff worden. 

1: Erftlich haft du das thierifche Fleiſch, das iſt durch 
den Luſt⸗Biß alfo worden, denn es iſt das Haus der Berder- 


Bun. | 
18. Als Adam aus dem verderbten Galitter der Erben, 
das iſt, aus dem Samen oder Maſſa, welchen der Schöpfer 
aus ber verderbten Erden zog, gemacht ward, jo war er erftlich 
nicht ein folch Fleiſch, ſonſt ware fein Leib fterblich gefchaffen 
geweſen; fondern er hatte einen englifchen Kraft⸗Leib, darin⸗ 
nen folte er ewig befteben, und folte von engliſcher Frucht ef 
fen, welche ibm denn auch im Paradis wuchs vor feinem ale 
le, ehe der Herr die Erden verfluchte. 
ı9. Weilaber der Same oder die Maſſa, daraus Adam 
gemacht mard, mit der verderbten Sucht des Teufeld etwas 
inficiret war, folüfterte Adam nach feiner Mutter, das iſt von 
ber Frucht der verderbten Erden zu eflen, welche da in ihrer 
äufferlichen Begreiflichkeit böfe, und im Zorn⸗ Feuer alfo hart 
begreiflich war worden. i 
20. Weil aber Adams Beift nach folcher Frucht füfterte, 
bie da war wie bie verderbere Erbe, fo figurirteibhm auch die 
Natur einen ſolchen Baum zuſammen, ber da war wiebie ver⸗ 
berbete Erde. Denn Adam war das Hers in der Natur, 
darum balffeinanimalifcher (feetiicher) Geiſt auch Diefen Baum 
bilden, davon er gerne eſſen molte. ne 
21. Als aber der Teufel fabe,daß die Ruf in Adammar , fo 
fach er getroft auf den Galitter in Adam, und inficirte den 
Galitter, daraus Adam gemacht war, noch fehrer. 
22. Da war es nun Zeit, daß ihm der Schöpfer ein Weiß 
bauete, welche hernach Die Sünde zu Werck richtete, und von 
ber falfihen Frucht aß. Sonſt mo Adam hatte von dem 
Baum geffen, ehe das Weibaus ihm geinacht ward, fo ware 
es noch ubler zugangen. f ii 
23. Weil aber diefes gar eine hohe und tieffe Befchreibung 
bedarf, darzu viel Raumes gehöret, fo ſuche e8 bey dem Fall 
Adams, da wirſt du es ausführlich befihrieben finden: Ich - 
wende mich ietzo zu beim porgenommenen Gleichniß. 
J AN 


. iv. 
> ae 


Gap. m. Morgenroͤthe im Aufgang. 243 


24. As nun Adam von der Frucht aß die da boͤſe und gut 
war , ſo kriegte er auch bald einen folchen keib: die Frucht war 
verberbet und begreiflich , wie noch heute alle Fruͤchte auf Er⸗ 


den find ; einen folchen fleifihlichen und begreiflichen Leib Frieg- 


te auch Adam und Heva zuband. 

25, Nun aber ift das Fleiſch nicht der gange Menfch ; denn 
diefes Sleifch Fan die Sortheit nicht fahen oder begreiffen, fonft 
mare dag Sleifch nicht ſterblich und verweslich. Denn Chri- 
ſtus fanet Joh. 6:63. Der Geiftiffdas Leben, das Fleiſch iſt 
fein Nuͤtze. 

26. Denn diefes Fleisch Fan dad Himmelreich nicht erben ; 
fondern es iſt nurein Same, der indie Erde geſaͤet wird, dar: 
aus wird wieder ein unbegreiflicher Leib wachſen, wie der erſte 


‚war vorm Falle. Der Beift aber iſt das ewige Leben, wel⸗ 


cher mit SDit inqualiret , und die innerliche Gottheit in der 
Natur begreift. | 

27. Run gleichtwie der Menſch iſt in feinem aufferlichen 
Menſchen verderber , und ift nach feiner fleifchlichen Geburt im 
Zorne GOttes, und auch darzu ein Feind GOttes, und ifE 


doch nur ein einiger Menſch, und nicht zweene; (dargegen HE 


er in feiner geiftlichen Geburt ein Kind und Erbe GOttes, der 
mit GOtt herrfihet und lebet, und mit der innerſten Geburt 
—* inqualiret ;) alſo iſt auch der Locus dieſer Welt nun 
worden. 

28. Die aͤuſſerliche Begreiflichkeit in der gantzen Natur 
dieſer Welt und aller Dinge, die darinnen ſind, ſtehen alle im 
Zorn⸗ Feuer GOttes. Denn es iſt durch die Anzuͤndung der 
Natur alſo worden: und Herr Lucifer mit ſeinen Engeln hat 


ſeine Wohnung auf ietzo in derſelben aͤuſſerlichen Geburt, wel⸗ 


che im Zorn⸗Feuer ſtehet. 

29. Nun aber iſt die Gottheit von der aͤuſſerlichen Geburt 
nicht abgetheilet, daß es auf ietzo in dieſer Welt zwey Dinge 
waren ; ſonſt hatte der Menſch keine Hoffnung, auch fo ſtun⸗ 


de dieſe Welt nicht in der Kraft und Liebe GOttes. 


30. Sondern es ift die Gottheit in der aufferlichen Geburt 
verborgen , und hat die Wurffchauffel in der Hand, und wird 
einmal die Spreue und den angezuͤndeten Galitter auf einen 
Hauffen werfen, und feine innerliche Geburt davon entziehen, 
amd folches dem Herrn Lucifer und feinem Anhange zu einem 
ewigen Haufe geben. a: 
Er | 22 31. Un? 


a, Pia 


31. Unterdeſſen muß Herr Rucifer inder aͤuſſerſten Geburt, 
inder Natur diefer Welt, im angezuͤndeten Zorn⸗Feuer gefan- 
gen liegen: und darinnen hat er groffe Gewalt, und Fan allen 
Ereaturen mit feinem animalifchen Geiſte in der äufferften 
Geburt, welche im Zorn-Feuer ftehet ins Here greiffen. 

‚32. Darum muß die Seele des Menfchen ſtets mie dem 
Teufel kaͤmpfen und ſtreiten: denn er halt ihr ſtets die Saͤu⸗ 
Aepfel des Paradiſes für, [IF der grimme Duell dee 
„Bosheit , Damit die Seele inficiter wird.) fie fol auch an⸗ 
beiffen , damit er fie auch in feine Gefaͤngniß möchte bringen. 

33: Wenn ihm aber das nicht will gelingen, fo gibt er ihre 
manchen harten Kopfftoß, und muß derfelbe Menſch immer 
im Creuß und Elende in diefer Welt ſtecken. Denn er verdeckt 
das edle Senfförnlein, daß fich der Menſch felber nicht kennet: 
fo meinet denn die Welt, er werde von GOtt alfo geplager und 
een ‚ damit iſt des Teufel! Reich immer verborgen 

ieben. | 

34. Uber warte Fritz, du baft mir auch manchen Stoß ge 
geben; ich habe dich lernen kennen, und will dir deine Thür 
a * wenig aufſchlieſſen, damit ein anderer auch ſehe, wer 
du biſt. | * 


Das 18. Capitel. 


Von der Schoͤpfung Himmels und Erden, 
und des erſten Tages —— 
Summarien. 


Je erſte Welt iſt fo blind an GOtt geweſen, als die letzte. 5. 153. 
Autoris Gabe, der Welt zum beſten, und zu Offenbarung der 
Bosheit des Teufels; 4. 5. ſuchet zu wuchern; 6. warnet 
vor Spötteren. 79. Der Teufel hat das Licht verloren. io. Die her⸗ 
be Qualität hat Steine, und mit der bittern, Sand congulıret. u. 
Wo der Ton mit war, damurden Metallen; wo Waſſer zugleich, da 
ward milde Erde: dazu die Bitterkeit aeholfen. 12.13. Die Hise hat 
gehärtet; auch Gold, Silber und Edelgeſteine geboren; hat das Licht 
vertrocknet. 14:16. Dir Edelfteine Urfprung. 17:19. Die Gottheit iſ 
im innersten Kern verichloffen, mit dem Zorn bewahret.20. Die ine 
nerfte Geburt ſtehet in Mitten; iſt Licht, und den Quellgeiſtern des 
Menfchen unbegreiflich. 21225._ Die äuffere Geburt hat 7 Species. 26. 
In den 6 Beutern ſtehet aller Ereaturen bLebens⸗ Geiſt und Wille: Ir 
zten das Corpus. 27.28, Die Natur ıft vor dem Zoͤrn duͤnne geweſen, 
und hat ihr eigen Licht im Centro gehabt: 29. Pucifer aber hat den 
Zorn Gottes darinn erwedet, und iß alſo im Zorn GOttes gefangen. 
BE A; 3% 


Cay.ız. MorgenrötheimAufgang 245 
0.31. Die Teufel können in Ewigkeit das Licht nicht begreifen , denn 
ie habens in ſchet 32.33: Diet 





— der Gottheit in ihm. 39. 


der offenbar. 41. In dieſer Welt ſtreiten Liebe und Zorn um bie 
Oberhand. 42. Der gute Galitter inden Thieren wird ewig bleiben. 
43. In dieſer Welt iſt allesim Streit. 44:47. Die Auslegung Gen. 
1,1. nach der Natur-Sprache: 48. Der Wörter: Am: 48. 49, 
Anz: so. sı. Des Teufels Sucht ift verworfen 52. fang: Die Här: 
tigkeit und der Grimm find verfioffen, und die inneren Geifter find auch 
nicht gar vein.s3256. Schuf: 57. Der Steine Compaction durch 
die herbe Dualität.58.: Die Tieffeüber die Erden.sg. GOtt: 60. 
Gott ift von feinem Sig nie abgewichen. 61. Himmel: 62:64. 
Chriſtus ift verfehen. 65, und: 66:68. Erden: 69. 70. GOtt 
wird das Hertz der Erden vom Zorn erlöfen. 71274., Was du in die Ers 
de ſaͤeſt, wirft dur ernten, und wirft in Gut oder Boͤß leben. 75:77. Dies 
fe Erkentniß iſt in der Angſt geborem, 78:81. Aufder Erden war es fin? 
fier 582.83. Auf, In: 84. Dieinnere Geburt war licht, und dringet 
aus in den Zorn. 85287. Auslegung des Wortes fprach : 89:92. Was 
GOttes Sprechen fen? 93:95. Wesdie Finſterniß bedeute? 96. 97. 
Die auffere Geburt Fan den H. Geiſt nicht begreifien. 98. Er gehet 
durch alles; 99.100, .hat den Teufel im Zorn verriegelt, und moh- 
net mitten im Zorn; 101. bauet ihm in dieſer Weit ein Haus und 
Tempel, und herrfchet in der äuffern Welt. 102.104. Die Liebe iſt dem 
Zorn entgegen geſetzet und find in allen Creaturen beyſammen. 1052107. 
Der Geiſt im Herken kan leicht entzündet werden. 108. Der Menſch iſt 
nicht wie die —ãa—— :109. Warum Maͤnnlein und Weiblein 
heſe ıo. Die Natüur iſt zu ſchwach allein zu gebären. um. Zween 
MWilleninder gantzen Natur. nz, Inder Höllen Keich hat die Schoͤp⸗ 
fung begonnen. ibid. Diefe Welt iſt eine Mördergrube. uz. Der Zorn 
wird nicht ſiegen, wann die Creaturen fich nicht übergeben. u14._ Es 
will gefämpfet ſeyn; nicht in die a ſaͤen, in Sünden leben. 116. Der 
Teufel herrſcht in den fiderifchen Geiftern. u7. Die Zunge ift der ſideri⸗ 
ſchen Beifter Sohn. 118:122. Die Sonne iſt nicht GDttes Heck. 123, 124» 
Dieſes Licht iſt nicht Die Sonne. 125. en 

Avon ſchreibt Moſes in feinem erften Buche, ald wäre 

er darbeygeiwefen, und haͤtte es felber gefehen: Ohne 
Zweifel hat ers in Schriften von jeinen Vorfahren em? 
pfangen; er mag auch wol im Geiſte etwas mehr in dieſem er 
Kant haben als feine Vorfahren. Beh | 
2. Diemweilaber zuder Zeit, da GOtt Himmel und Erden 
gefchaffen hat, noch kein Dienfch gewefenift, der folches ge⸗ 
ſehen hat, ſo iſt ſchließlich —— vor ſeinem Fall, * 

SE 3 no 


* 


noch in tieffer Erkentniß GOttes geweſen iſt, ſolches im Geiſt 
erkant hat; als er aber gefallen, und in die aͤuſſerſte Geburt 
geſetzet ward, ſolches nicht mehr erkant hat, ſondern als eine 
dunckele und verdeckte Geſchichte im Gedaͤchtniß behalten, und 
auf ſeine Nachkoͤmmlinge gebracht hat. | | 

3. Sintemal offenbar iſt, daß die erſte Welt vor der Suͤnd⸗ 
fluth fo wenig von den Dualitaten und Geburt GOttes ge 
wuſt bat, als eben die letzte, in welcher wir ießt leben: Denn 
die aͤuſſerſte, fleifchliche Geburt hat die Gottheit niemaln koͤn⸗ 
nen ergreiffen oder verſtehen; fonft wurde wol etwas mehr 
davon gefchrieben feyn. | 

4. Weil mir aber durch Göttliche Gnade in diefem hoben 
Articul diefe groffe Geheimniß in meinem Geiſte nachdemin- 
wendigen Menſchen, welcher mit der Gottheit inaualiret , et= 
mas offenbar iſt worden; ſo kan ich nicht unterlaffen, folches 
nach meinen Gaben zu befchreiben, und will den Lefer treulich 
ermahnet haben, fich an ber Einfalt des Autors nicht zu aͤr⸗ 


gern. | 
s. Denn ich thue es aus keiner Begierdedes Ruhms, fon: 


‚dern indemüthiger Unterweifung dem Lefer, Damit die Wercke 


GOttes möchten dem Kefer etwas befler befant werden, und 
des Teufels Reich offenbart ; dieweil die ietzige Welt in aller 
Bosheit und Laftern des Teufels —* und wallet, Damit fie 
doch fehen möchte , in mas fur Kraft und Trieb fie lebe, und 
in waſerley Herberge ſie zu gaſt iſt. 

6. Db ich vielleicht mit meinem uͤberantworteten Pfunde 
möchte auch was erwuchern , und baffelbe meinem GOtt und 
Schöpfer nicht einfach und leer mieder uberantworten, als 
ein fauler Rnecht, der in dem Meinberge des HErrn ware 
muͤßig aeffanden , und wolte feinen Lohn ohne Arbeit fodern. 

7. Db aber vielleicht der Teufel Spötter und Veraͤchter er⸗ 
wecken möchte, die da würden fagen, es gezieme mir nicht, al- 
fo hoch in die Gottheit zu ſteigen, und darinnen zu grübeln: 
Denen allen gebe ich zur Antwort, daß ich nicht in Die Gottheit 
bin geſtiegen bennmir, ald einem geringen Menfchen, fol 
ches auch nicht möglich ware zu thun; fondern die Gottheit iſt 
in mich geftiegen, und ift mir ſolches aug feiner Liebe offenbar, 
welches ich im meiner halb⸗todten fleifchlichen Geburt fonft 
wol würde müffen bleiben laffen. | ae 
8. Weil ich aber den Trieb darzu habe, ſo laß ichs den * 
| en 


Cap.ız. Morgenröthe im Aufgang. 247 
ten und machen, ber es weiß und verfteht, und der es alfo 
haben will : ich armer Staub und Erden⸗Menſch koͤnte nichts 


un. 

9. Es ladet aber der Geift allediefe Spötter und Veräch- 
ter vor bie innerfte Geburt GOttes in dieſer Welt, von ihrer 
Bocheit abzuftehen ; wo nicht,fo follen fie als hoͤlliſche Spreue 
in die aufferfle Geburt, in Zorn GOttes geſpeyet werden. 

10. Nun mercke: Als nun GOtt in der dritten Geburt im - 
dem Revier Lucifers, welches da war der gantze Ort und 
Raum dieſer Welt erzoͤrnet ward, ſo verloſch das Licht in der 
zten Geburt, und ward alles eine Finſterniß; und ward der 
Salitter in der zten Geburt alles gantz rauh, wild, kalt, hart, 
bitter, ſauer; an etlichen Enden ſtinkicht, ruͤhricht und bruͤ— 
ebicht, alles nach der Quell⸗Geiſter dismal wirckenden Ge 

urf. 

ıı. Denn an welchem Drtedie berbe Qualität Primus mar, 
da ward der Galitter zufammengezogen undvertrodinet, dad 
harte, derbe Steine wurden; an denen Drtenaber, wo der 
berbe Beift mit dem bittern zugleiche Primus geweſen, da iff 
ſtachlichter Sand worden : denn der wütende bittere Geiſt hat 
den Salitter zerbrochen. 

12. Andenen Drtenaber , mo der Fon mit dem herben Sei: 
fte im Waſſer iſt Primus geweſen, da iſt Kupfer, Eifen und 
dergleichen Stein-Erg worden. Woaber das Waſſer iſt Pri- 
mus gewefen mit allen Geiftern zugleich, da iſt die wilde Erde 
morden ; und das Waffer ift etwan in Klüften, gleich einer 

Wolcken, gefangen gehalten worden. Dennder herbe Beift, 
als der Bater der verderbten Natur, hat es gefangen gehal- 
ten mit feiner ſcharfen Zuſammenziehung. 

13. Der bittere Geift aber ift die vornehmffe Urfache der 
ſchwartzen Erben : denn durch feine grimme Bitterheit iſt der 
Galitter nach feiner aufferften Geburt ertödter worden ; dar⸗ 
aus dann die wilde Erde iſt worden, 

14. Die Hige aber bat fonderlich in bem herben Geifte die 
Haͤrtigkeit helfen machen: mo fie aber iff Primus gewefen, da 
bat fie den allerebelften Salitter in der Erden geboren, als 
Gold, Silber und die edelften Steine. 

15. Dennald dag ſcheinende Licht ift von wegen ber hartem, 
derben und rauhen Dateria verlofchen; fo ift es in der Hige, 
welche des Lichts Vater iſt, mitzvertrogfnet und incorporivet 
worden, 377 WR 16. Doch 


248 ' L AURORA Rap. ıg, 

16. Doch mu du dig verftehen : Do der Fi Beift im 
füffen Waſſer in der Liebeift Primus geweſen, da bat ber berbe 
@eift die Materiam zuſammen ⸗gezogen: ſo iſt das alleredelſte 
Ertz und Geſteine worden. 

17. Anlangend aber die koͤſtlichen Steine, als Carfunckel, 
Rubin, Smaragden, Delfin, Onix und dergleichen, die die 
alferbeften find, diehaben ihren Urfprung , wo der Bliß des 
Lichts in der Biche aufgangen iff. Denn derfelbe Blitz wird in 
der Sanftmuth geboren, und iſt das Herke im Centro der 
Duell-Geifter ; darum find diefelben Steine auch fanfte, Eraf- 
tig und lieblich. 

18. E3 möchte einer fagen, warum doch der Menfch in 
diefer Welt das Gold, Silber und Edelgefteine vor allem an⸗ 
dern Dinge lieber, und folches zur Wehre oder Schug feines 
Leibes gebrauchet ? Hierinnen freckt der Kern: denn das Gold, 
Silber, Edelgefteine und alles lichte Erg hat feinen Urfprung 
vom Fichte, welches vor den Zeiten des Zorns in der auflerffen 
Geburt inder Natur, das iſt, ın dem zten Natur⸗Geiſte ge: 
Ben hat. 

9. Weil denn ein ieder Menfeh iſt wie das gantze Haus die: 
fer Pet ‚ fo lieben auch feine Duell-Geifter den Kern oder das 
allerbefte in der verberbten Natur, und brauchen dag zu ihrem 
Schutz und Wehre. 

20. Den innerften Kern aber, welcher iff die Gottheit, 
koͤnnen ſie nirgend begreiffen: denn das Zornfeuer liegt davor, 
wie eine ſtarcke Mauer, und muß dieſe Mauer mit hartem 
Sturme zerſprenget werden, wollen die. ſideriſchen Geiſter 
hinein ſehen. Dem animaliſchen aber ſtehet die Thuͤr offen, 
denn er wird von nichts abgehalten, und iſt gleichwie GOtt 

ſelber in ſeiner innerſten Geburt. 

21. Yun möchte einer fragen: Wie fol ab mich Ran) in die 
dreyfache Geburt in der Natur verſtehen? han 
Die Tieffe. 

Eiche, die innerfie und tieffefte Geburt ſicheni in der 
Mitten, und iſt das Hertze der Gottheit, welches aus den 
Quellgeiſtern GOttes geboren wird: Und dieſe Geburt iſt das 
Licht, welches, obs gleich aus den Quellgeiſtern geboren wird, 
doch auch kein Quellgeiſt für ſich allein begreiffen kan; ſondern 
ein ieder Quell⸗Geiſt begreift nur ſeinen inſtehenden Locum in 
dem Lichte; aber alle 7 Geiſter zugleich — das —— 
Licht , denn fie find des Lichts Vater, — 


44 


Cap. is. Morgenrötheimdlufgang 249 

22. Alfo auch begreitfen die Duell-Geifter des Menfchen 
nicht ganglich die innerſte Geburt der Gottheit welche im Lich- 
te ftehet ; fondern ein ieder Quell⸗Geiſt greift mit feiner ani: 
maliſchen Geburt in das Herge GOttes, und inqualiret im 
demfelben Loco mit ihme. | r 

23. Und das iff die verborgene Beburt in der Natur, wel 
the Fein Menſch in feiner Vernunft oder- Sefchicklichkeit ber 
greiffen Fan ; fondern die Seele des Menſchen begreifts allein, 
melche im Lichte GOttes ſtehet, aber die andern nicht. 

24. Dieandere Geburt in der Natur find die7 Geiſter der 
Natur. Dieſe Geburt ift verffandlicher und begreiflicher, 
aber dach auch nur den Kindern diefer Geheimniß : der Bauer 
verſtehets wol nicht, ob ers gleich fiehet, reucht , ſchmecket, 
böret und fuͤhlet; noch ſiehet ers an, und weiß nicht , wie das 
Weſen iſt. „Wird hiemit die verderbte Vernunft inei- 
„gener Witze obne GOttes Geifte verftanden: trifft den 
„Doctor gleich als den Bauer ; es iff einer an der Gottheit 
„fo blind als der ander , und gebet oft der Bauer vorm 
„Doctor mitder Erkentniß; fo eran GÖtrbanger.] 

25. Nun diefes find die Beiffer , darinnen alle Dinge ſte— 
ben im Himmel und in diefer Welt: und daraus iff der dritte 
und aufferfle Geiſt geboren, darinnen die Verderblichkeit 


ehet. * 
26. Diefer Geiſt aber oder dieſe Geburt hat 7 Species, als 
Herbe, Süffe, Bitter , Hige: diefe 4 gebaren die Begreif: 
lichkeit in der zten Geburt. Der ste Geiſt iff die Liebe, die 
entftehet vom Lichte des Lebens, die gebaͤret die Sinnlichkeit 
und Vernunft. Der 6te Beift iffder Ton, der gebaret den 
Se = die Freude, und iſt der aufffeigende Duell durch 
alle Beifter. J 
27. In dieſen 6 ſtehet nun der Geiſt des Lebens, und der 
Wille oder die Vernunft und Gedancken aller Creaturen; dar⸗ 
zu alle Kunſte und Veranderungen, fowol Sormungen und 
er alles deß, mas im Geiffe in der Unbegreiflichfeit 
ehet. Da EI 
. 28. Der fiebente Geiſt iſt die Natur, in welcher das cor⸗ 
porliche Weſen aller 6 Geifter ſtehet, denn die andern 6 gebaz 
ren den fiebenten. In diefem Geifte ſtehet das corporliche 
Weſen der Engel, Teufel und Menſchen, und iſt eine Mutter 
der andern 6 Geiſter, in an fie fich gebaven „und er 
3 —— 5 w * 


2356." L AURORA Bay. 
5 ſie auch das Licht gebaͤren, welches iſt das Hertze 


29. Von der dritten Geburt. Nun die dritte Geburt iſt 
die Begreiflichkeit der Natur: die iſt vor der Zeit des Zorns 
gantz duͤnne, lieblich und helle geweſen, daß die Duell-Beifter 
haben koͤnnen durch alles ſehen. Es iſt darinnen weder Stei⸗ 
ne noch Erde geweſen, und hat auch kein ſolch geſchaffen Licht 
beduͤrft wie ietzo; ſondern das Richt hat ſich überall in der Mit: 
gen geboren, und iſt alles im Lichte geftanden. 

30. Als aber König Lucifer ift gefchaffen worden, fo hater 
in biefer dritten Geburt den Zorn GOttes erwecket: denn der 
Engel Leiber find in diefer 3ten Geburt zur Creatur worden. 

31. Weil denn nun die Teufel ihre Leiber haben angezündet, 
in willens damit uber die gantze Bottbeit zu herrfchen ; fo bat 
der Schoͤpfer dieſen zten Geiſt oder die zte Geburt inder Na⸗ 
sur auch in feinem Zorne angezündet, und den Teufel darinnen 
gefangen genommen, und ihm eine ewige Herberge darinnen 
zugerichtet, auf daß er nicht höher fey als der ganke GOtt. 
[(„Verftebe im äuffeen Duelles denn das alleräuferfte iſt 
„auch das allerinnerfte.) 

32. Weil fich aber die Teuffel aus Hoffart und Muthwillen 
haben felber angezündet , fo find fie aus der Geburt des Lichts 
gantz und gar ausgeſtoſſen worden, und Eönnen daffelbe ewig⸗ 

lich weder fallen noch begreiffen. % 

33. Denn das Licht ihres Hertzens, welches mit dem Her⸗ 
‚gen GOttes inqualivete, haben fie felber verloͤſchet, und an 
deſſen fatt einen grimmigen , hitzigen, herben, bittern und 

harten ſtinkichten Teufels⸗Geiſt geboren, 

34. Nun muſt du aber nicht dencken, daß darum aus der 


* gantzen Natur oder Loco dieſer Welt ſey ein eitelbitterer Zorn 


GOttes worden: Nein, alhie ſteckt der Zweck: Der Zorn be: 
greift nicht die innerſte Geburt in der Natur, denn die Liebe 
Gottes iſt noch in dem gantzen Loco dieſer Welt im Centro 
verborgen; auch ſo iſt das Haus, darein Herr Lucifer gehoͤ⸗ 
ret, noch nicht gantz entſchieden, ſondern es iſt in allen Din⸗ 
gen in dieſer Welt noch Liebe und Zorn ineinander, und ringet 
und Fampfet immer” miteinander. | 

3. Aber die Teufel koͤnnen das Ringen des Lichts nicht ers 


veiffen , fondern nur das Ringen des Zorns: ven find fte 
* | ) | darint das 


v 


Cap.is. Morgenröthe im Aufgang 258 
Scharfrichter, und exequiren das Necht , welches im Zorn 
Gbottes geſprochen wird tiber alle gottlofe Menfiben. 

36. ES darf auch kein Menſch fagen, dag er im Zorn-Feuer 
des gantzen Verderbniß gesoren fey aus GOttes Vorfage. 
Nein: ftehet doch die verderbte Erde nicht im gangen Zorn⸗ 
feuer GOttes; ſondern nur in ihrer aufferlichen Begreiflich- 
keit, in welcher fiealfo harte, derbe und bitter iſt. Dabey ein 
ieder wol merken Fan, daß derfelbe Gift und Grimmigkeit 
— die Liebe GOttes gehoͤret, in welcher nur eitel Sanft⸗ 
muth iſt. 

37. Nicht ſage ich darum, daß ein ieder Menſch heilig von 
Mutter⸗Leibe komme; ſondern wie der Baum ift, alfo iſt auch 
feine Frucht. Nun aber ift die Schuldnicht GOttes, ob eine 
Mutter ein Kind des Teufels gebare; fondern ihre Bosheit. 

38. So aber ein wilder Zweig in einen fuffen Acker geſetzt 
wird, und wird mit etlichen darzu dienenden Reifern und gu⸗ 
tem Geſchmack eingepfroft ; fo macht ein milder Baum, ob- 
gleich der Zweig wilde war. Denn es iſt hie alles möglich: eg 
Hk fich fo bald das Gute ins Boͤſe, ald das Soͤſe ing 

ute. 

39. Denn ein ieder Menſch iſt frey, und iſt wie ein eigener 
GOtt, er mag ſich in dieſem Leben in Zorn oder ins Licht ver⸗ 
wandeln: Was einer für ein Kleid anzeucht, das verklaͤret ihn; 
und was der Menſch fir einen Corpus in die Erde ſaͤet, ein 
folcher wird auch aufmachen, obgleich in ander Form und 
Klarheit, iedoch alles nach des Samens Dualitat, 

40. Denn fodie Erde gang von GOtt verlaffen wäre, fo 
trüge fie nimmer Feine gute Früchte ,fondern eitel böfe: weil 
aber die Erde noch in GOttes Liebe ſtehet, fo wird fein Son 

‚nicht ewig darinnen brennen ; fondern die Liebe, die uͤberwun -⸗ 
den hat, wird das Zorn-Feuer ausſpeyen. | 
41. Alsdenn wird angehen die brennende Hölle ‚, indem fich 
die Liebe von dem Zorn feheiden wird: In dieſer Welt aber iſt 
Liebe und Zorn in einander in allen Ereafuren ; welches in 
feinem Ringen obfieget ‚das erbet fein Haus mit Rechte, es 
fey gleich das Himmels Reich oder Hoͤllen⸗Reich. 

42. Nicht fage ich darum, daß die Thiere darum folten in 
ihrer Geburt dag Himmelreich erben: dennfie find gleich dee 
verderbten Erden böfe und gut; fo fie aber wieder in ihre 
Mutter die Erde geſaͤet werden, fo find fie Erben. m 


43.€8 


252 1 AURORA, ı @ap., 
43. Es wird aber derfele Salitter in einem guten Thiere 
darum nicht dem Teufel zum Eigenthum eingeräumet wer 
den; fondern wird im abgefchiedenen Theile ewig in der Na: 
tur GOttes blühen, [Das iſt, ihre Figur wird als ein 
„Schatten auf der heiligen Erden fteben in den Wuns 
„dern, als in der ewigen Magia.) und andere hiinlifche Figu⸗ 
venbringen: Aber ber Galitter des Thieres des Zorns GOt⸗ 
tes wird indem Zorn CEOttes ewige hoͤlliſche Frucht tragen. 
44. Denn fodie Erde angezundet wird, fobrennet im Zorn. 
das Feuer, und in der Piebe das Licht: dann wird fich alles 
fcheiden, denn eines wird das ander nicht mehr koͤnnen begreif: 
fen. In dieſer Zeit aber hat alles einen. zweyfachen Duell: 
Mas dualhie im Geiſte baueſt oder faeft, es fey gleich mit 
Morten, Werden oder Gedancken, das wird bein ewig Haus 


feyn. 

45. Alſo fieheft und verſteheſt du, woraus die Erde und 
GSteinefind worden : Eo aber derfelbe angezuͤndete Galitter 
hätte follen alſo in der gantzen Tieffe diefer Weltbleiben, jo waͤ⸗ 

ee der gantze Locus ein Finſterthal gemwefen, denn das Licht war 
in der dritten Geburt mit gefangen. | 

46. Richt iſt darum das Licht des Hertzens GOttes in fei- 
ster innerften Geburt gefangen worden; fondern das in der 
dritten Geburt ‚fhien in der aufferfien Begreiflichkeit , das 
ward mit eincorporiret: darum lieben die Menſchen alle. Din- 
ge, welche in demfelben Galitter ſtehen. 

47. Weilaber die gange Tieffe in der dritten Geburt gar 
finſter war, vonmwegen des verderbten Galitter8 der Erden 
und Steine, fokonte es die Gottheit nicht alfo erdulden; fon- 

dern fihufdie Erde und Steine zufammen aufeinen Klumpen. 
s 48. Davon fihreibet nun Moſes: Am Anfang ſchuf GOtt 
Himmel und Erden, ꝛc. Gen.izt. Diefe Worte muß man 
eigentlich betrachten, was fie find : denn das Wort Am faflet 
fich im Hergen und fahret bis auf die Lippen, da wird es ges 
fangen, und gehet ſchallende wieder zurüce bis an feinen aus⸗ 
gegangenen Drt. 

49. Das bedeutet nun, daß der Schall von dem Hersen 
GHtes ift ausgangen, und bat den gantzen Locum diefer 
Welt umfaſſet; alder aber böfe befunden worden , fo iſt der 
Schall wieder in feinen Locum getreten. 4a 

50. Das Wort An das ſtoͤſt aus dem Hergen zum — 

I: au 


Cap. i8. Morgenröthe im Aufgang. 253 
aus, und hat einen langen Nachdruck: wenn ſichs aber aus⸗ 
ſpricht, fo ſchleuſt fich8 mitten in feinem Sede mit dem obern 
Gaumen zu, und iſt halb drauffen und halb drinnen. - 

51: Das bedeutet, daß das Herge GOttes einen Eckel an 
der Nerderbung hat gehabt, und das verderbte Wefen von fich 
geftoffen ; aber in der Mitten beym Hertzen wieder gefaſſet 
und gehalten. ! i 

52. Gleichwie die Zunge das Wort zubricht , und halt es 
halb drauffen und halb binnen ; alfo auch wolte das Herge 
GOttes nicht den angezündeten Salitter gar verwerfen, fon: 
bern die Bosheit und Sucht des Teufels : und das andere fol. 
te nach diefer Zeit wieder erbauet werdenn. 
53. DasWort fang fahrer fihnell vom Herken zum Mun⸗ 
de raus, und wird auch am hinterm Drte der Zungen mit dem 
Barmen gehalten) und wenn es los gelaſſen wird,fo thuts noch 
einen ſchnellen Druck vom Hergen zum Mundeaus. 

54. Das bedeutet die ſchnelle Verfloffung des Aberaums 
der Teufel mit ſamt dem verderbten Salitter : Denn der ſtar⸗ 
cke und ſchnelle Geift ftöffer den Odem ſtarck von fich,, und bes - 
hält den rechten Ton des Worts oder den Ausfpruch am bin- 
tern Baumen bey.fich, das iſt, den rechten Beift des Wortes. 

55. Das bedeutet, daß die verderbte Grimmigkeit ewig aus 
dem Lichte GOttes verftoffen iſt; aber der innerliche Geiſt, 
der wieder feinen Willen damit beladen iſt wieder in fein erſtes 
Haus folligefeger werden. 13 ya la 

56. Der legte Nachdruck ang bedeutet, daB bie innerſte 
Beifter in der Verderbung auch nicht gar reine find; und de⸗ 
romegeneine Fegung oder Verzehrung des Zornes im Feuer 
bedurfen, welches am Ende diefer Zeit geſchehen wird. 

57. Das Wort Schuf faſſet ſich über und unter der Zun⸗ 
gen, und macht die Zahne in beyden Gaumen zuſammen, und 
druckt fich alfo zufammen : und wenn es zufammen gefaſſet 
und gusgefprochen ift, fo macht es das Maul fehnelle wie ein 
Blig wieder auf, uf 

58. Das bedeutet des herben Geiftes ffarde Zufammen- 
treibung des verderbten Galitterdauf einen Riumpen: denn 
die Zaͤhne halten das Wort, und laflen den Geiſt zwiſchen den 
Zahnen durch gar langfam. Das bedeutet, daß die herbe 
Dualität die Erde und Steine beyfammen fefle belt; und laͤſſet 
chwol die Beifter der Erben aus dem herben Geiſte grur 
Die ne 


‘> 


254° LAURÖORA.  —°< Gay. . 
nen und blühen, welches bedeutet die Wiedergeburt oder 
Wiederbringung der Beifter der Erden. 

59. Daß aberdas Maul wird nach dem Worte fchnell wie⸗ 
der aufgemacht, bedeutet die Tieffe uber ber Erden, daß GOtt 
der HErr dennoch daſelbſt mohnen will, und fein Regiment 
‚für fich behalten , und den Teufel als einen Gefangenen im 
Zorn: Feuer halten. 

60. Das Wort GGtt faflet fich mitten oben auf der Zun- 
gen, und flöffet aus dem Hersen dahin, und laffet das Maul 
offen, und bleibet auf feinem Föniglichen Geffel fißen, und fchal- 
let aus ſich und im ſich: wenn e8 aber ausgefbrochen ift, fo 
thut e3 noch einen Druck zwiſchen den obern Zahnen und Zun- 
gen heraus. — 

Gi. Das bedeutet, als GOtt Himmel und Erden, darzu alle 
Creaturen geſchaffen hat, dag Er gleichwol in feinem Goͤttli⸗ 
then, ewigen, allmachtigen Sitze ift blieben, und von dem nie 
abgerichen, und daß Er allein Alles iſt. Der legte Druck be- 
deutet die Schärfe feines Geiſtes/ damit Er augenblicklich alles 
ausrichtet in feinem gangen Corpus. 

62. Das Wort Himmel faffet ſich im Hergen, und fröffer 
bis auf die Lippen, da wird es verfchloffen « und die Sylbe 
‚rel macht die Rippen wieder auf, und wird. mitten auf der 
Zungen gehalten, und fähret der Geift auf beyden Geiten der 
Zungen aus dem Maule, - £ 

. 63. Das bedeutet, daß die innerfie Geburt vor der aͤuſſer⸗ 
ſten iſt durch die greuliche Suͤnde verſchloſſen worden, und iſt 
der aͤuſſerlichen verderbten Geburt unbegreiflich. 

64. Dieweil es aber ein Wort mit einer zweyfachen Sylbe 
iſt, unddieandere Sylbe Mel das Maul wieder aufmachet, fo 
bedeutet, daß die Porten der Gottheit ift wieder aufgeſchloſ⸗ 
fen worden: | 

‚65. Daß ſichs aber mit dem Wort Mel auf der Zungen 
mit dem obern Gaumen wieder faflet ‚und feſte halt, und der 
Geiſt aufbeyden Seiten Darneben ausgehet, das bedeutet, daß 
GOtt diefem verderbten Königreiche oder Loco in GOtt ,wol⸗ 
te wieder einen König und Groß⸗Fuͤrſten geben ‚der die inner⸗ 
ſte Geburt der Haren Gottheit folte wieder auffchlieflen, und 
Dadurch der H. Geiſt zu beyden Seiten, das iſt, aus der inner⸗ 
ften Tieffe des Vaters und Sohnes folte wieder ausgeben in 
dieſe Welt, und folte diefe Welt durch den neuen König wieber 
neugeboren werben, 66.908 


Cap. 18. Morgenröthe im Aufgang. 255 


66. Das Wort Und faflet fich im Hergen, und wird mit 
ber Zungen im obern Gaumen gefangen und zuſammen⸗cor⸗ 
poriret; wenn es aber los laͤſſet, ſo thuts noch einen Truck aus 
dem Hergen zum Munde aus: das bedeutet nun den Untere 
ſcheid zwiſchen der heiligen und irdifihen Geburt. 

67. Die Sylbe fahre wol aus dem Hergen, aber fie wird 
mit der Zungen im obern Gaumen gehalten, daß man nicht 
verſtehen kan, was das fur ein Wort iſt: Das bedeutet, daß die 
irdifche und verderbte Geburt die innerſte Geburt nicht er- 
greiffen fan ; fondern fie iſt eine Thoͤrin und Naͤrrin. 

68. Derlegte Druck aus dem Hersen bedeutet, daß fie mol 
mit der innerften Geburt in ihrer Söhnlichkeit inqualiren 
werde, aber in ihrer Vernunft nicht ergreiffen : Darum iſt die 
Sylbe ſtumm, und hat keinen Verſtand, und wird nur zum 
Unterfcheid gebrauchet. 

69. Das Wort Erden ſtoͤſſet vom Hertzen, und faffet fich 
am bintern Theiluber der Zungen, im hintern Gaumen, und 
zittert: es braucht fich aber bie Zunge zu der erſten Sylben 
Er nicht; fondern fie ſchmaͤuget fich in den untern Gaumen 
Binein, und verfreucht fich als vor einem Feinde: f 

72. Die andere Sylbe Den faffet fich mit der Zungen mit 
dem obern Gaumen, und laflet das Mauloffen: und der Geift 
ber Formung fahret zur Naſen raus, und will nicht in dieſem 
Worte zum Munde mit raus ; und ober gleich etwas mit raus 
faͤhret, fo fahret der. rechte Klang bes rechten Geiſtes doch nur 


durch den Geruch oder die Naſe heraus, 
71. Das iſt ein groß Geheimniß: Das Wort Er bedeutet 


die angezundete herbe und bittere Qualität, den ernften Zorn 
GOttes, der zittert im hintern Gaumen, davor fürchtet fich 
die Zunge, und ſchmaͤuget fich im untern Gaumen, , und fleuche 
als vor einem Feindee.. 

72. Das Wort Den faſſet ſich wieder aufder Zungen ‚und 
der Geiſt zeucht Die Kraft aus dem Wort, und faͤhret einen an⸗ 
dern Weg damit zur Nafen raus, auch fo fahret er damit hin⸗ 
auf ins Hirn vor den königlichen Gtubt, | 

73. Das bedeutet , daß der Aufferffe Salitter der Erben 
ewiglich von GOttes Licht und Heiligkeit verworfen if. 

74. Daß aber der Beift die Kraft des Wortg faſſet, und eie 
nen andern Weg durch die Nafen ins Hirn vor den Stuhl der 

Sinnen fahrt, das hedeutet, daß GOtt mil das Herge der * 


256 - AURORA, .@ap. 1. 
‚ben aus dem Zorn der Bosheit sieben, und zu feinem ewigen 
koͤniglichen Lobe brauchen. 

75. Mercke: Er will den Kern und das Beſte oder den gu⸗ 
ten Geiſt aus der Erden ziehen, und wieder neu⸗ gebaren zu 
‚einer Ehre und Herrlichkeit. 

76. Hie Menſch beſinne dich: Was du für einen Samen 
wirft i in die Erde faeır, ein folcher wird auch aufgehen, und 
‚ewig blühen und Feucht tragen, entweder in Liebe oder im 

orne. 

"a7. Wenn aber das Gute wird von dem Böfen eher 
‚werden, alddenn ‚wirft du in deinem bie erworbenen Theile Ie- 
ben, es fey gleich im Himmeloder im böllifchen Feuer: Wo- 
hin du iegt wirbeft,da fähret deine Seele hin, wenn du ſtirbeſt. 

78. Oder meineſt du ‚daß mein Geiſt Diefes aus der ver- 
derbten Erden gefogen hat, oder aus einem Filtzhute ? wahr: 
lich nein ; fordern der Geiſt bat zu diefer Zeit meiner Befchrei- 
bung mit der tieffeften Geburt GOttes ingualiret, in dem ha⸗ 
be ich meine Erfentniß genommen,und daraus ift fie gefogen : 
nicht in groffer irdiſcher Freuden ſondern in aͤngſtlicher Ge⸗ 
burt und Truͤbſal 

79. Denn was ich hierüber habe muffen von Teufel und 
der hölfifchen Dualitat erleiden, welche in meinem aufferlichen 
Menfchen ſowol herrſchet als in allen Menfchen , das wirft du 
wolnicht faffen, du tantzeſt denn auchandiefem Reiben. 
80. Hätten unſere Philofophi und Doctores nicht immer 
aufder Fiedelder Hoffart gegeiget, ſondern auf der Propheten 
und Apoftel Geigen e8 folte wol eine andere Erfentnig und 
Philofophiain der Weltfeyn. Darzu ich von megen meiner 
Schwachheit und wenig Studirens darzu wegen meiner bloͤ⸗ 
den Zungen faſt zu wenig Bin; aber in der Erkentniß nicht zu 
einfaltig. Allein ich Fang nicht nach der tieffen Sprache und 
Zierlichkeit geben ; aber ich Taffe mir an meiner Gabe genus 
gen, und bin ein Philofophus der Einfältigen. a 

Bon der. Schöpfung des Lichtes in diefer Welt. 

81. Alhier thue die Augen deines Fleiſches ein wenig zu, 
denn fie find dir alhie nichts nuge, dieweil fie blind und erſtor⸗ 
ben find, und thue die Augen deines Geiſtes auf, fo will ich, Dir 
die Schöpfung GOttes recht zeigen.. . 

82. Mercke Manun GHtt den verberbten Galıtter der 
Erden und Steine, welcher fich in der äuflerffen Geburt BR 

r - DIE 


Gav.ırz. Morgenröthe im Aufgang. 257 
die Anzundung geboren hatte, zufammen:getrieben bat auf ei= 
nen Klumpen, fo war darum die 3te Geburt in der Natur in 
der Tieffe über der Erden nicht rein und helle, fintemal der 
Zorn GOttes noch darinnenbrennete. 

83. Und obgleich die innerfte Geburt licht und helle war, fo 
Eonte es doch die auflerfke, welche im Zorn⸗Feuer fund, nicht 
begreiffen, fondern fie war gang finfter- 

84. Denn Mofes fehreibt : Und es war finfter auf der 
Tieffe, ꝛc. Gen. ı: 2.3. Das Wort Auf bedeut die aufferfte 
Geburt, und das Wort In bedeut die innerſte Geburt. 

85. So aber die innerſte Geburt ware finfter gemefen, fo 
hatte der Zorn GOttes erwig in diefer Welt geruhet, und waͤ⸗ 
re ewiglich nicht lichte worden 5 aber alfo hat der Zorn das 
Hertze GOttes nicht beruhret. i 

86. Darum ifter ein füfler, freundlicher, gutiger , fanfter, 
reiner und barmbergiger GOtt nach feinem Hergen in der 
innerften Geburt indem Loco diefer Welt blieben, und feine 
fanfte Liebe dringet aus feinem Hergen indie aͤuſſerſte Geburt 
des Zorns , und Llöfchet denfelben. Darum fprach Er: Es 
werde licht, | 

87. Hie mercke den Ginn in der höchiten Tieffe: Das 
Wort Sprach ift auf Menfchen-Weife geredet. Ihr Philo- 
fophi thut die Augen auf, ich will euch in meiner Einfalt die - 
Sprache GOttes lehren, als e8 dann feyn muß. » 

88. Das Wort Sprach faſſet fich zmwifchen den Zähnen: 
denn die beiffen fich zufamınen, und zifchet der Geiſt durch die: 
Zahne raus, und die Zunge beuget fich in der Mitten, und vor- 
1 * ſie ſich, als ob ſie hoͤrete, was da ziſchete, und ſich 

urchtete. 

. 89. Wenn aber der Geiſt das Wort faſſet, fo macht er das 
Maul zu, und faſſets am hintern Gaumen uͤber der Zungen in 
der Hoͤle in der bittern und herben Qualitaͤt. | 

90. Da erfchrickt die Zunge und fchmauget fich in den un- 
tern Gaumen: Alsdenn fahrer der Geiſt aus dem Hertzen, und 
fchleuft das Wort, welches fich am bintern Gaumen in der 
berben und bittern Qualität im Zorn faffet ‚und faͤhret durch 
die Grimmigkeit ſtarck und machtig ald ein König oder Fuͤrſt 
hervor, und fchleuft das Maul auch auf, und herrfchet mit far: 
stem Geiſte aus dem Hergen durch den gangen Mund und 
auſſerhalb des Mundes, und macht * maͤchtige lange —— 


258 © 1 AURORA, 7 Cap. 18. 
als ein Geiſt, ver den Zorn zubrochen hat, gegen melchem fich 
der Zorn mit feinem Kirren in der herben und bittern Dualis 
tat, im bintern Gaumen in der Höleauf der Zungen fpreuget, 
und behalt fein Recht für fich, und bleibet an feinem Orte ſi⸗ 
gen, und laft den fanften Geift aus dem Hergen durch fich aus, 
und donnert mit feinem Kirven hernach, und hilft da8 Wort 
Bilden und formen, und kan aber mit feinem Donner nicht vor 
feinem Sede, fondern bleibet in feiner Höfe ald ein Befangener, 
und erzeiget fich ſchrecklich. | ASt. 

gt. Daß ift gar ein gros Geheimniß. Hie mercke den Sinn 
begreiffeft du das / ſo verſteheſt du die Gottheit recht; wo nicht, 
fo biſt dur noch blind im Geifte? Richte nicht, sderdu lauffeſt 
alhie wieder eine ſtarcke Porten und wirft gefangen ; fange 
dich das Zorn- Feuer , fo bleibeft duewig drinnen. 

92. Run fiehedu Menfchenkind, was dir der Geift für eine 
Porten des Himmels , der Höllen und der Erden, darzu der 
sanken Gottheit aufſchleuſt. | | 

93. Du folft nicht dencken, daß GOtt zu der Zeit auf Den: 
ſchen⸗Weiſe geredet hat, daß es nur ein ohnmachtig Wort, 
gleich einem Menſchen gemwelen fey. Des Menſchen Wort 
faffet fich wol auch in folder Form, Proportz, Qualitaͤt und 
Geſchicklichkeit; allein daß es der halbstodte Menſch nicht 
verſtehet: und iſt dieſer Verſtand gar edelund theuer , den 
er wird allein inErfentniß des Heiligen Geiftes gebogen. 

94. GOttes Wort aber, das Erdazumalin Kraft geredet 
bat, das hat Himmel und Erden, und aller Himmel Himmel, 
ja die gange Gottheit umfaſſet. | 

5. Es faffet fich aber erſtlich zwiſchen den zuſammenge⸗ 
biffenen Zahnen und zifchet: Das bedeutet, daß der Heilige 
Beift ift im Anfange der Schöpfung durch die harte verfchlof 
fene Mauer der zten und aufferften Geburt , welche im Zorn⸗ 
Feuer in diefer Welt ftebet, gefahren. Denn es ftehet ges 
ſchrieben: Und es war finfter auf der’ Tieffe, und der Geiſt 

GOttes ſchwebete auf dem Waffen, Genef. 1: 2. 

96. Die Tieffe bedeutet die innerſte Geburt, und die Fin: 
fterniß bedeutet die Aufferfte verderbte, in welcher der Zorn 
brante; das Waffer bedeutet die Saͤnftigung des Geiftes. 

97. Daß aber der Geift durch die Zaͤhne zifchet, bedeutet, 
daß der Geiſt iſt aus dem Hertzen GOttes durch den Zorn ge⸗ 
fahren ; daß aber die Zähne zubleiben, weil der Gei Br 

ı\; > un 


N . R 

Cap. is. MorgenrötheimAufgang. 259 
und fich nicht aufthun das bedeutet, Daß der Zorn den Heiligen 
Beift nicht hat begriffen. 

98. Daß fichaber die Zunge im untern Gaumen ſchmaͤu⸗ 
get und vorne fpiger, und Laft fich zu den Zifchen nicht ges 
brauchen, das bedeutet, daß Die aufferffe Geburt, famt allen 
Creaturen, die darinnen find, den H. Geiſt, der aus der in» 
nerften Geburt aus dem Herken GOttes ausgehet, ‚nicht koͤn⸗ 
2 begreiffen, auch mit ihrer Macht nicht auf halten und ihm 
wehren. 

99. Denn Er gehet durch alle verſchloſſene Gemache und 
Geburten, und darf keiner Aufſchlieſſung, gleichwie ihn die 
Zaͤhne nicht koͤnnen halten, daß Er nicht durch ſie ausgehet. 

100. Daß aber die Lippen offen ſtehen, wenn Er durch die 
» Sahne ziſchet, bedeutet, daß Er mit feinem Ausgange aus dem 
Hertzen GOttes in der Schöpfung diefer Welt hat die Him— 
mels⸗Porten wieder aufgefchloffen ‚und iſt Durch die Porten 
des Zornd GOttes gegangen, und hat den Zorn GOttes fefle 
verriegelt und zugelaflen, und dem Teufel fein ewig angezuͤn⸗ 
Det —— feſte zugeſchloſſen, daraus er ewig nicht kom⸗ 
men kan. 

101. Weiter bedeuts, daß der H. Geiſt gleichwol eine of⸗ 
fene Porten in dem Zorn⸗Hauſe dieſer Welt habe, da Er ſein 
Werck treibe,der Höllen-Porten unbegreiſlich, und da Er Ihm 
einen heiligen Samen ſamle zu ſeinem ewigen Lobe, ohne Wil⸗ 
len en böfifchen Porten, und derfelben auch gang unbes 
greiflich. | | 

102. Öleichwie der Geift feinen Ausgang und gefaften 
Willen durch die Zahne verrichtet, und fich Die Zahne doch 
nicht bewegen, oder des Geiſtes Willen begreiffen fönnen ; afs 
ſo bauer Ihm der H.Beift, ohne Begreiffung des Teufels und 
des Zorns GOttes, ohn unterlag einen heiligen Samen und 
Sempelin dem Haufe diefer Welt. | | 

103. Daßfich aber das gange Wort Sprach im hintern 
Gaumen uber der Zungen in der Hoͤle mitten in der herben 
and bittern Dualität faffet und firret, Das bedeutet, daß GOtt 
den Locum diefer Welt beym Hergen in der Mitten gefaſſet 
Hat, und bat ihm wieder ein Haus zu feinem Lobe gebauet wies 
Der alles Srungen und Murren des Teufels, darinnen Er mit 
feinem H. Geifte herrfcher. wir 

104. Gleichwie der Geiff vom’ .. durch das Mut⸗ 
| 2 sen 


260 RL AURORA: .° @aw.ıg, 
ven und Kivren der herben und bittern Qualität ſtarck und 
mächtig ausgehet, und herrfchet mit feinem Ausgange in der 
berben und bittern Dualitat, der herben und bittern Qualität 
unbegveiflich als ein mächtiger König ; alfo auch herrſchet 
der Geiſt GOttes in der aͤuſſerſten Geburt diefer Welt , in dem 
Zorn⸗Hauſe machtig, und gebaret Ihm einen Tempel darin 
ten, dem Zorn-Hauſe unbegreiflich. N 

105. Daß aber der herbe und bittere Geift alfo murret, 
wenn der Geift vom Hergen durch fein Haus gehet, und mit 
Gewalt herrfcher, das bedeutet , daß der Zorn GOttes famt 
den Teufeln fey in dem Haufe diefer Welt der Liebe entgegen 
gefeßt, daß die beyde werben die gange Zeit diefer Welt mit 
einander kaͤmpfen und flreiten ‚wie zwey Kriegs-⸗Heere; da⸗ 
ber dann auch der menfchliche und thieriſche Krieg und Gtreit 
aller Ereaturen feinen Hrfprung hat. 

106. Daß fich aber die herbe und bittere Qualitaͤt mit zum 
Wort faffet, und miteinander concordiven, und doch gleichwol 
nur der Geiſt des Hergend das Wort zum Munde ausſpricht, 
bedeutet, daß alle Creaturen, welche allein Durchs Wort find 
herporgangen, als da find die Thiere, Vögel, Fiſche, Wuͤrme, 
Kraut und Grad, darzu Baume und Stauden, werden von 
dem gantzen Leibe böfe und gut formirer werden; und daß in 
denen allen wird ffehen die zornige und verderbte Dualität, 
undauch die Liebe GOttes, und wird doch alles durch den 
Geiſt der Liebe getrieben werden ; und werben fich die 2 mit: 
einander reiben, quetſchen und preffen. 

107. Dadurch dann in mancher Creatur wird das Zorn 
Feuer alfo hart entzündet werden, daß der Leib mit famt dem 
Geifte wird einen ewigen Zorn-Galitter in der Höllen geben. 

108. Dennder Geiſt, der im Hergen geboren wird, der muß 
mitten durch der Höfen Porten in feinem Leibe wandeln, und 
‚Kan gar leicht entzündet werben, e8 iff wie Holg und Feuer; 
geuſt du nicht drein, fo brennets. 

109. OMenſch! du wareſt nicht mit den Thieren durchs 
Port gefchaffen von Bote und Gut; hatteft du nur nicht von 
Böfe und Gut geſſen, fo ware in dir nicht das Zorn: Feuer: 

aber fo haft du auch einen thierifchen Leib kriegt; nun erbars 
me eg die Liebe GOttes, es ift geſchehen. J 

no. Daß ſich aber nach Zuſammenfaſſung des Worts 

in 


Cap.rs. Morgenroͤthe im Aufgang. 261 
in der herben und bittern Qualitaͤt im hintern Gaumen uͤber 
der Zunge das Maul weit aufthut, und faͤhret der zuſammen⸗ 
gefaſte Geiſt miteinander zum Munde aus, der da iſt aus dem 
Hergen, und auch ausder herbenund bittern Qualitaͤt gebo⸗ 
ren, bedeutet , daß die Creaturen werden in grofler Angſt und 
Wiederwartigkeit leben, und fich nicht werden können durch 
einen Leib gebaren, fondern durch zweene. 

ım.. Denndieherbe und bittere Dualitat nimt dem Geiſt 
aus dem Herken die Kraft und inficiret fich mit demfelben : 
Darum iſt die Natur nun zu ſchwach worden im Geiſte des Her⸗ 
tzens, und vermag die eigene innerſte Geburt des Hertzens 
nicht zu entheben; und hat derowegen die Natur ein Weiblein 
und Mannlein gefchaffen, 

u2. Huch fo bedeutet es den böfen und guten Willen in der 
sangen Natur, fowolin allen Creaturen ; daß nun werde ein 
ftetiged Ringen, Kampfen und Würgen feyn , davon diefe 
Melt recht ein Sammerthal, voller Creutz, Verfolgung, Drus 
he und Arbeit heift. Denn als der Geift der Schöpfung iſt 
ins Mittel getreten, da hat Er mitten in der Hoͤllen Reiche 
muͤſſen die Schöpfung formiren, | i 

113. Weil dann nun die äufferffe Geburt inder Natur zwey⸗ 
fach ift, das iſt böfe und gut , fo iſt ein fletines Martern, 
Duerfchen  Sammern und. Heulen, und müffen fich alle Crea⸗ 
turen in diefem Leben wolmartern laffen, und heift diefe böfe 
Melt billig eine Mordgrubedes Teufels. 

114. Daß aber der herbe und bittere Geift im bintern Gau⸗ 
men auf der Zungen bleibet in feinem Sede ſitzen und bellet 
durchs Wort mitzum Munde raus, und kan doch nicht von 
dannen, bedeutet , daß der Teufel und der Zorn GOttes mer: 
de wol in allen Ereaturen herrſchen, werde aber nicht vollen 
Gewalt in ihnen haben, fondern werde in feiner Gefangniß 
muͤſſen bleiben , und werde inalle Creaturen bellen, und die⸗ 
felben plagen , aber nicht überwältigen ; fie wollen dann felber 
gerne aus eignem Willen in feinem Loco bleiben. 

ı1s. Gleichwie der fanfte Geiſt des Hergens durch die herbe 
und bittere Qualität fahrer, und überwindet diefelbe ; und ob 
er gleich mit dem herben und bittern Geiſte infisivet wird, noch 
dannoch reiſt er durch als ein Uberwinder: fo er aber wolte 
freywillig in der Hoͤlle im here und bittern Geiffe Be 

3 igen, 


a I. AURORA. Cayııe. 
ſitzen, und ſich laſſen fangen , und nicht Ep, fo wäre die 
Schuld feine; 

116. Alfo auch iſts mitden Creaturen, die da nur wollen 
ſtets im hoͤlliſchen Feuer foen und ernten, fonderlich der 
Menſch, welcher in fletiger Begierde der Hoffart, Heißes, 

Neides und Zornes lebet, und will keinmal wieder daffelbe mit 
dem Liebe Geiſt und Feuer Fampfen und ffreiten der zeucht ih⸗ 
me den Zorn GOttes und das brennende bölfifipe euer felber 
über Leib und Seele. 

17. Daß fich aber die Zunge alfo harte in den intern Gau⸗ 
men fehmäuget, wenn dag Wort ausfahret, bedeutet den ani⸗ 
malifchen Geift der Ereaturen, fonderlich des Deenfchen. Das 
Wort, welches fich im obern Gaumen faffet, welches mit dem 
herben und bittern Geifte inqualiret, bedeutet die 7 Beiffer der 
Natur oder die fiderifche Geburt ‚in welcher der Teufel herr 
fehet, und der H. Geiſt ſich ihm darinnen entgegen feßet, und 
den Teufel überwindet. | 

18. Die Zunge aber bedeutet die Seele, die wird von den 
7 Beiftern der Natur geboren, und iſt ihr Sohn; wenn nun 
die 7 Seifter wollen, fo muß fich die Zunge nach ihrem Gefal: 

len bewegen, und muß ihre Sachen fördern. 

119. Wennnun die fiderifchen Beifter nur nichtfalfch wer⸗ 
den, und. buhlen mit dem Teufel, fo verftecken fie den animali- 
ſchen Beift und halten ihn ſelbſt in ihren Banden gefängen als 
einen Schas, wenn fie mit dem Teufel fechten 5 ‚gleichmwie fie 
Die Zungen verftecken, wenn fie mit der herben umd bittern 
Qualitaͤt ringen als ihr beſtes Kleinod, 

120. Alſo haſt du eine kurtze und doch wahrhaftige Anlei⸗ 
tung des Worts das GOtt geſprochen hat, in Erkentniß des 
Geiſtes recht beſchrieben, nach meinen Gaben und uͤberant⸗ 
wortetem Pfunde recht mitgetheiler.. 

ıor. Run fragt ſichs: Was hat denn GOtt gebrosben ?Er 

ſprach: Es werde lichte, und es ward lichte, Gen. 3. 

122. Die Tieffe: Das Licht ift aus der innerſten Geburt 
gegangen, und hat die aufferfte, wieder angezuͤndet. 

123. Mercke: Es bat der aͤuſſerſten wieder ein natuͤrlich 
eigenthuͤmlich Licht gegeben. Nicht folft du dencken, daß das 
Fichte der Sonnen und der Natur fen dag Herge GOttes, wel⸗ 
ches im Verborgnen leuchtet. Nein : du folff das Licht der 
Natur * anbeten; Es iſt nicht das Hertz GOttes —— 


» 


Caps. Morgenröthe im Aufgang. 263 
es iſt ein angezündet Licht in der Natur, welches Kraft und 
Hertze ftehet in der Fertigkeit des ſuͤſſen Waſſers; und der an⸗ 
dern Geifter allein der dritten Geburt, die man nicht GOtt 
heiſt, obfie gleich in GOtt und aus GOtt geboren if; fo ift es 
doch nur fein Handwercksgezeug, welches die Elare Gottheit in 
bie tieffefte Geburt zuruͤcke nicht wieder ergreiffen Fan, gleichs 
wie das Fleiſch nicht Fan die Seele begreiffen. 

124. Uber nicht alfo zu verffehen , daß darum die Gottheit 
vonder Natur abgetrennet fen: nein, fondern es iff wie Leib 
un Seele; die Natur iſt der Leib, das Herge EOttes iſt die 


125. Nun moͤchte einer fragen: Was iſts denn fuͤr ein 
Richt geweſen, das da iſt angezuͤndet worden? Iſt es die Son⸗ 
ne und Sterne geweſen ? Nein: die Sonne und Sternen 
find erſt den 4ten Tag aus demfelben Richte geſchaffen worden: 
Es iſt ein Licht in den 7 Beiftern der Natur aufgangen,das hat 
Feinen eigenen Sitz oder Ort gehabt; fondern hat überall ge⸗ 
fchienen, aber nicht helle gleich der Sonnen, fondern gleich dem _ 
Himmelblaue und lichte nach der Duellgeifter Art, bis hernach 
ift die rechte Schöpfung und Anzundung des Feuers im Waſ⸗ 
fer in dem herben Geifte mit der Sonnen erfolget. 


Das 19. Capitel. fir 


Bon demerfchaffenen Himmel und der Ge- 
jtalt der Erden unddes Waffers, ſowol 
von dem Lichte und Finſterniß. 


| Summarien. 

Er rechte Himmel iſt bis dato verborgen geweſen. z.1.2. Der 
Himmel, da GEOtt inne wohnet, iſt nicht ferne, 3. Autoris vor 
malige Blindheit und Schwermuͤthigkeit, 47. zweifelhaftige 

Gedanden und Betruͤbung; 8.9. daran fein ernitliher Kampf mit 
GHLt und der Hölen-Pforten.io.n. Gein Triumph im Geiſte, und Die 
Erkentniß GOttes im Licht der Natur: 12.13. Hat aber noch ı2 Jahr 
verziehen müffen.14,, Das erſte Feuer war ein Same, welcher viel er⸗ 
litten. 15:17. Streitim Sleiih. 18. Geburts⸗Schmertzen durch des 
Teufels und Zerns Kraft erwecket. 19:22. Der Himmel in diefer Welt 
it unfer Himmel, 23. Der u iſt allenthalben, und mit 
der Tieffe uͤber uns gleich. 24. 25. Ein GOtt überal. 26. Der obere 
Himmel begreift die 2 Konigreiche,der andere iſt dieſe Welt; 27. 28. der 
iſt jo weit geſchloſſen, als der ZornGOttes reicht. 29. Keiner Fan in den 
andern, und iſt cin fefter Schluß darzwiſchen. 30. 31. Die Engel fireiten 
in der inneriten Geburt für uns. 32. In der fideriichen Geburt ſtehet 
Eiche und Zorn gegen sinander im — 33. Die zte Geburt * —F 

4 ele 


264 7 VLAURORAST Cam. | 


helle Himmel.34. Chrifti Geburt. 35. Seine Herrfchaftin allen 3 Ge | 


burten. 36. In diefem Himmel fiset Chriftus als unfer König. 37. 
Troſt. 39. Wiederjtehe dem Teufel, und laß ihm nicht zur Herberge ein. 
39:41. Gott iſt überall in feinem Himmel. 42:44. Die Sünde im 
— iſt GOttes Zorn. 45. Dem Teufel wird der Erden Raum zur 
ahnung werden. 46. Das Zornfeuer wird nicht ausloichen. „47. 
Der Himmel iſt überall. 48. Die Seele fähret im Sterben nicht über 
fich in den oberen Himmel. 49. Inder innerften Geburt ift die Gottheit 
ein Leib, so. In GHttift nahe und weit Ein Ding. sı. Die Vorten 
der Goftheif itüberall Eins. 52. Jede Seele bringet einen neuen 
Triumph. 53:55. Die 7 Geifter GOttes find Einig: 56. Die Erde 
aber if aus dem verderbten Salitter und todt; meil der Salitter 
durch GOttes Zorn ermordet. 57560. Der Salitter war dünne,darin 
‚ber Zeufelfaß. 61. Die Erde mar nicht Stein. ib. Die äuffere Geburt 
ift verbrant. 62. Die Geele gibt Leben. 63. Diezte Geburt geichicht in 


Liche und Zorn 5 wohin bie Seele gefäet, in Rebe oder Zorn, da wirdfie 


auferftehen. 64. GOtt wird nur im Geilte des Menfchen erkant. 65. 66. 
Ale Elementen und Creaturen find nach der Ducll-Beifter Art wor: 
den. 67. Des Waſſers Compresion. 68. Der Meere Urftand. 69. Das 
Waſſer ſuchet die Thäler : bedeutet den Geift der Sanftmuth 70:73. 
Der Mensch empfing im Fall den Geift des Geſtirns. 74. Jeder Menſch 
formiret fein Wort nach der inftehenden Geburt , und gibt einem teden 
Ding feinen Namen. 75.76, Autor warnet, daß man ihme nicht folle 
nachkratzen; 77. fiehet hofarkige Geiſter voraus. 78. Mofes hat von 
den Vorfahren die Schöpfung. 79. Abend und Morgen ütert am 4. 
Zage worden. 80. Tag und Nacht üt geweien. 81. 82. Frage: 83. 
Abend und Morgen iſt unter dem Mond. ıbid. Vom Worte Tag. 84: 
87. Das Licht iſt aus dem Hertzen GOttes herfür gebrochen. 88. Die 
7 Auell:Beifter waren in der Schoͤpfung nicht erſtor ben; erfreueten ſich 
um Tageszticht, und haben ſich in des Lichtes Willen ergeben. 89:91. 
Der herbe Geist muß alles halten und bilden, fonft Eönte im Leibe nichts 
beftehen 592. 93. auch bedeutets die Auferitehung. 94. Die herbe Na: 
fur begreift das Licht GOttes nicht. 95. Der Zorn iſt zur Zeit der Ge: 
burt nicht aufgewecket worden. 96. Der, Teufel kan die Wercke des 
Lichts nicht begreifen : 97. bezeiget mit eigener Erfahrung 5 98. ver⸗ 
decket oft das Licht ; Darüber Paulus auch geflehet. 99. 100. Er fonte 
das Licht in der fiderifchen Geburt nicht vollfommen haben : welches al⸗ 
lein Die im Licht ſtehende Seele weiß, 101.102. Alfo begehrte Moſes 
GOttes Licht vollkommen zu ſehen: es konte aber nicht ſehn. 103. 104. 
Tag iſts vor der Sonnen Schöpfung geweſen. 105. Die Menfchen we⸗ 
den GOttes Zorn felbit auf: und machen ihnen felbft die Holle.106.107. 
I der Finſterniß it GOttes Zorn. 108.109. Das Wort Nacht. no. 

er H. Geiſt hat Mißfallen an der Finſteruiß; will ſie aber zum Licht 
gebaren, jo ſie fill halt.un. ıı2. Die Pradeftination refutiret. uz. Die 
ganze Revier der aͤuſſerſten Geburt iſt finiter geweſen; hindert unfer 
Geficht. 14:16. Der Zorn GOttes ruhet in der Finftermiß. u7. Das 
Vatur⸗Licht ſtehet in der jideriichen Geburt. 113. Der Zorn mird der 


Finſterniß Leben feyn. ung. Boͤſe Früchte in der 96 °. Die erſten 


3 Zuge waren nicht abgeichieden. 121, Der Erden Bewegungen.ız2. 


Won 


— — 


Cap.ıs. MorgenrötheimAufgang. 265 
Bon dem Himmel. — 

Er rechte Himmel, welcher iff unfer menfchlicher eige 

ner Himmel, da die Seele hinfahret, wenn ſie vom Reis 

= pefeheidet, (und da Chriſtus unſer König iſt eingegan- 

gen, und von dannenher Er von feinem Vater fommen und 

geboren ift, und ein Menſch in der Tungfrauen Marien Leibe 


worden ift,) ift bis anhero den Kindern der Menfchen faft ° 


verborgen geweſen, und haben mancherley Meinung gehabt. 
2, Es haben fich auch die Gelehrten darum gefraget mit 
vielen ſeltſamen Schreiben, und find einander in die Haare 
gefallen mit Schmahen und Schanden : dadurch dann der 9. 
Name GOttes iſt geſchaͤndet, und feine Glieder verwundet, 
und fein Tempel zerfföret, und der heilige Himmel mit diefem 
aftern und Anfeinden entheiliget worden. £ 
3. Es haben die Menſchen je und allmege gemeinet, der 
Himmel fey viel Hundert oder tauſend Meilen vondiefem Erd- 
boden, und GOtt wohneallein in demfelben Himmel; es ha⸗ 
‘ben auch mol etliche Phyfici fich unterftanden, diefelbe Höhe zu 
meffen, und gar feltfame Dinge berfürbracht. 
4. Zwar ich habe es ſelber vor diefer meiner Erkentniß und 
Offenbarung GOttes dafuͤr gehalten, daß das allein der rech⸗ 
te Himmel ſey der ſich mit einem runden Cirk gang licht⸗ blau 
hoch uber den Sternen fehleuft, in Meinung GOtt habe allein 
da innen fein fonderliches Wefen, und regiere nur allein in 
Kraft feines H. Geiſtes in dieſer Welt. 


5. Als mir aber diefes gar manchen harten Stoß gegeben 


bat, ohne Zmeifel vondem Geifte, der da Luft zu mir hat ge 
habt, bin ich endlich gar in eine harte Melancholey und Trau⸗ 
rigkeit gerathen, als ich anfchauete die groffe Tiefe diefer 
Melt, darzu die Eonne und Sternen, fomol die Wolcken, dar- 
zu Regen und Schnee, und betrachtete in meinem Geifte die 
ganze Schöpfung diefer Welt. 

6. Darinnen ich dann in allen Dingen Böfes und Gutes 
fand, Liebe und Zorn ; in den unvernüunftigen Creaturen, als 
in Hols, Steinen, Erden und Elementen fomol als in Men: 
ſchen und Thieren. — 


7. Darzu betrachtete ich das kleine Fuͤncklein des Men⸗ 


ſchen, was er doch gegen dieſem groſſen Wercke Himmels und 

Erden vor GOtt möchte geachtet ſeyn. | $ 
8. Weilich aber befand, dag in allen Dingen Bofes und 
R5 | Gutes 


f 


266 „0, IAURORA. Capp.io. 
Gutes war, in den Elementen ſo wol als in den Creaturen, und 
daß es in diefer Welt dem Gottlofen fo mol ginge als den 
Frommen, auch daß die Barbarifihen Voͤlcker die beſten Laͤn⸗ 
der innen hatten, und daß ihnen das Gluͤcke noch wol mehr 
beyſtuͤnde ald den Srommen. — 
9. Ward ich derowegen gantz melancholiſch und hoch be- 
truͤbet, und Eonte mich Eeine Schrift tröften, welche mir doch 
faſt wolbefant war: darbeydann gewißlich dev Teufel nicht 
wird gefenret haben, welcher. mir dann oft heidnifche Gedan⸗ 
sten einbleuere, derer ich albie verſchweigen will. Ach Hei 
10. Als ſich aber in folcher Trubfal mein Geift dann ich 
wenig und nicht3verffund was er war) ernſtlich in GOtt er- 
hub als mit einem groffen Sturme, und mein gantz Hers und 
Gemuͤthe, ſamt allen andern Gedanden und Willen fich alles 
darein ſchlos, ohne nachlaffen mit der Liebe und Barmhertzig⸗ 
keit GOttes zu ringen, undicht nachzulaflen, Er ſegnete mich 
dann, dag iſt, Er erfeuchtete mich dann mit feinem H. Geiſte, 
‚damit ich feinen Willen möchte verftehen, und meiner Trau⸗ 
rigfeit los werden ; fo brach der Geift durch. — 
1. Als ich aber in meinem angeſetzten Eifer alſo hart mies 
der GOtt und aller Höllen Porten ſtuͤrmete, ald waren mei: 
ger Kraften noch mehr vorhanden, in willens Das Leben daran 
zu feßen, (welches freylich nicht mein Vermögen wäre gewe⸗ 
fen ohne des Geiſtes GOttes Beyftand,) alsbald nach-etlichen 
harten Stuͤrmen iſt mein Geift durch der Höllen Porten 
durchgebrochen bi in die innerſte Geburt,der Gottheit, und 
alda mit Liebe umfangen worden, wie ein Brautigam feine lie= 
be Braut umfaͤhet. ft J 
12. Was aber fuͤr ein Triumphiren im Geiſte geweſen, kan 
ich nicht ſchreiben oder reden: es laͤſt ſich auch mit nichts ver⸗ 
gleichen als nur mit deme, mo mitten im Tode das Leben gebo⸗ 
ren wird, und vergleicht fich der Auferſtehung von den Todten. 
13. In dieſem Lichte hat mein Geiſt alsbald durch alles ge- 
fchen, und an allen Ereaturen, fo mol an Kraut und Gras 
GoOtt erkant, wer der fey, und wieder fey, und mag fein Wille 
fen : auch fo iſt alsbald in diefem Lichte mein Willen gewach- 
fen mit groflem Trieb, das Weſen GOttes zu befchreiben. 
14. Weil ich aber nicht alsbald die tieffen Geburten GOt⸗— 
tes in ihrem Wefen Eonte faflen, und in meiner Bernunfft be- 
greiffen, fo bat ſichs wol 12 Jahr verzogen, ehe mir iſt —* 
| "rechte 


Cap i9. Morgenröthe im Aufgang. 267 
rechte Verſtand gegeben worden : und ift gangen mie mit eis 
nem jungen Baume, den man in die Erde pflantzet; der iſt 
erftlich jung und zarte, und hat ein freundlich Anſehen, fonderz 
ich wenn er fich zum Gewaͤchſe wol anlafler: er tragt aber 
nicht alsbald Früchte, und ob er gleich bluͤhet, fo fallen fie doch 
ab; esgehet auch mancher kalter Wind, Froſt und Schnee 
darüber, ebe er erwaͤchſt und Frucht traget. 

15. Alfo iſts dieſem Geiſte auch gangen : Das erſte Feur mar 
nur ein Samen, aber nicht ein immer bebarrlich Lichts es iſt 
feit der Zeit mancher Falter Wind drüber gangen, aber der 
Wille ft nie verlofihen. 

16. Es hat fich diefer Baum auch oft verſucht, ober möchte 
Krüchte tragen, und fich mit Blühen erzeiget, aber die Blubte 
ift von dem Baume abgefchlagen worden bid auf dato: da ſte⸗ 
het er in feiner erſten Frucht im Gemachfe. 

17. Bon diefem Lichte babe ich nun meine Erfentniß, darzu 
meinen Willen und Trieb; und willdiefe Erfentnis nach mei- 
nen Gaben fehreiben, und es GOtt walten laffen, und folte ich 
‚gleich hiemit erzörnen die Welt, den Teufel, und aller Hoͤllen 
hr und will zufehen, mas GOtt darmit meinet. Denn 

einen Furfaß bin ich viel zu ſchwach zu erkennen: ob gleich 
der Geift etliche Dinge, die zufunftig find, im Lichte zu erfen- 
nen gibt; fo bin ich doch dem aufferlichen Menſchen nach viel 
zu fchwach, folches zu begreiffen. 

18. Aber der animalifche Geiſt, welcher mit GOtt inqua⸗ 
firet, der begreifts mol, der thierifche Leib aber Frieget nur ei- 
nen Blick darvon,gleich als wenn es merterleuchtet : Denn alfo 
ftelfet fich die innerfte Geburt der Geelen, wenn fie durch die 
Aufferffe Geburt, in Erhebung des H. Geiftes, durch die Por- 
ten der Höllen reiffets aber die aufferffe Geburt thut fich bald 

‚wieder zu: denn der Zorn GOttes verriegelt die fefte, und halt 
fie in feiner Macht gefangen. | 

19. Asdann iſt die Erkentniß des aufferften Menſchen da⸗ 
bin, und gehet in feiner truͤbſeligen und aͤngſtlichen Geburt um 
wie ein ſchwanger Weib, der die Wehe ankommt, und molte 
Were gerne gebaren, und kan doch nicht, und angffet ſich im⸗ 
merdar. 

20. Alſo gehets dem thierifchen Leibe auch: Wenn er ein⸗ 

‚mal hat die Suͤßigkeit GOttes geſchmecket, fo hungert und 
duͤrſtet ihn immerdar darnach; aber der Zeufel, in Kraft nn 

* — Zorn 


268 I. AURORA... > Gap.ıy, 


Zornd GOttes wehret fich treflich; und muß ein Menſch in 
folchem Lauffe mir immer in angftlicher Geburt ſtehen, und iſt 
nichts denn Kaͤmpfen und Fechten in ſeinen Geburten. 

21. Dieſes habe ich nicht mir zum Lobe geſchrieben, ſondern 
dem Leſer zum Troſt, ob ihn vielleicht luͤſterte auf meinem 
ſchmalen Stege mit mir zu wandern, daß er darum nicht bald 
verzweifele, wenn ihm die Porten der Hoͤllen und des Zorns 
GOttes begegnen und unter Augen ſtoſſen. 

22. Wenn wir werden miteinander uͤber dieſen ſchmalen 
Steg der fleiſchlichen Geburt auf jene gruͤne Wieſe kommen, 
da der Zorn GOttes nicht hinreicht; alsdann wollen wir uns 
dieſes erlittenen Schadens wolergegen,ob wir gleich ietzo muͤſ⸗ 
ſen der Welt Narr ſeyn, und den Teufel in Kraft des Zorns 
GOttes laſſen über uns herrauſchen: ES lieget nichts Daran; 
es wird uns in jenem Leben ſchoͤner anſtehen, als haͤtten wir in 
diefem Leben eine koͤnigliche Crone gefuͤhret: denn es iſt gar 
eine furge Zeit dahin, und iſt nicht werth, Daß es eine Zeit ge: 
nant wird. | 

23. Nunmerde: Wenndu deine Gedancken von demHim⸗ 
mel faſſeſt, was der ſey, oder wo der fey, oder wieer fey ? fo 
darfſt du deine Gedancken nicht vieltaufend Meilen von hin⸗ 
nen ſchwingen: denn derfelbe Locus oder Himmel iſt nicht dein 

‚Himmel. Und ober gleich mit deinem Himmel verbunden ift 
mie ein Leib, undesift auch nur ein Leib GOttes, ſo biſt du 
doch nicht im demfelben Loco, der über viel hundert taufend 
Meilen ift, zur Creatur worden; fondern in dem Himmel die⸗ 
fer Welt, die auch eine folche Tieffe in fich. hat, das Feine 
‚menfchliche Zahl iſt. 
24. Dennder rechte Himmeliftallentbalben, auch an dem 
Orte, wo du fteheft und geheft: Wenn dein Geift die innerſte 
Geburt GOttes ergreift, und durch die fiderifche und fleiſchli⸗ 
che hindurch dringet, fo ıfk er fehon im Himmel. - . 

25. Daßaber wahrhaftigift, daß ein reiner, fehöner Him⸗ 
mel in allen dreyen Geburten über der Tieffe dieſer Welt fey, 
in welchem GOttes Weſen mit famt den H. Engeln gang lau= 
ter, fehöne und freubenreich aufgehet, das ift unleugbar, und 
wäre der nicht aus GOtt geboren, der folches verneinte. 

26. Dufolftaber wiſſen, daß ber Locus diefer Welt mit fei: 
ner innerften Geburt init dem Himmel über ung inqualivet, 
und iſt ein Herge, ein Wefen, ein Willen, ein GOtt, 2 in 

allem. 


Gap;ı9.: Morgenröthe imAufgang. 269 
allem. Daß aber der Locus diefer Welt nicht ein Himmel ge⸗ 
nennt wird, und daß ein Schluß zwiſchen dem obern Himmel 
über ung fey, das bat diefen Verſtand: 

27. Der obere Himmel begreift die 2 Koͤnigreiche Micha- 
Els und Uri-Els und alle der H. Engel, die nicht mit Luciſ ge⸗ 
fallen find: und derfelbe Himmel iſt blieben, wie er von Emig- 
keit iſt geweſen, ehe die Engelfind gefchaffen worden. 

28. Der andere Himmel iſt diefe Welt, in welchem Lucifer 
ein Koͤnig war; der hat die aͤuſſerſte Geburt in der Natur an: 
gesunder: Und das iſt nun der Zorn GOttes, und Fan nicht 
GOtt oder Himmel geheiflen werden, fondern die Berderbung. 

29. Darum fihleuft fich der obere Himmel in ſeiner auffer: 
ften Geburt alfo weit zu ald meit der Zorn GOttes reicht, und 
fo weit als das Regiment Lucifers hat gereicht: denn die ver⸗ 
derbte Geburt Fan die reine nicht begreiffen. 1 

30. Das ift, die aufferfte Geburt diefer Welt Fan die auf 
ferfte Geburt des Himmelg über diefer Welt nicht ergreifen: 
denn esiftwiedas Leben und der Tod gegen einander, oder wie 
en Menſch und ein Stein gegen einander. 

51. Darum ift ein feffer Schluß zwifchen der aufferffen Ges 
burt des obern Himmels und diefer Welt : Denn die Veſte zwi⸗ 
fchen ihnen iſt der Tod, der herrfihet an allen Enden in der 
auſſerſten Geburt in diefer Welt; und damit iſt diefe Welt 
verriegelt, daß die äufferffe Geburt des obern Himmels nicht 
in die aufferfte Geburt diefer Welt kan, es iſt eine groſſe Kluft 
zwifchen ihnen. 

32. Und darum können wir die Engel in unferer aufferften 
Geburt nicht fehen, und die Engel können auch nicht in Der 
aufferften Geburt Diefer Welt bey ung wohnen; in der inner: 
fienaber wohnen fie bey und, Und fo wir mit dem Teufel 
Eampfen, fo halten fie feine Schlage in der innerffen Geburt 
auf, und find der H. Geelen Schuß. Darum können wir die 
Engel nicht ſehen oder begreiffen, denn die aͤuſſerſte Geburt 
ihrer Keiber ift der aufferften Geburt diefer Welt unbegreiflich. 

33. Die andere Geburt diefer Welt ſtehet im Leben: denn 
es ift die fiderifche Geburt, Daraus die dritte und H. Geburt 
geboren wird, und darinnen Kiebe und Zorn miteinander 
ftreiten. Denn die andere Geburt ftehet inden 7 Quell⸗Gei⸗ 
fern diefer Welt, und iſt an allen Enden und in allen Greatus 
sen, ſowol auch im Menfchem alfo: nun aber herrſchet ei 
— ei 


270 I. AVRORA-.Cap.i9. 
Geiſt auch in der andern Geburt, und hilft die dritte heilige 
Geburt gebaͤren. | | 

34. Die dritte aber iſt der Flare und heilige Himmel, wel⸗ 
cher mit dem Hergen GOttes auffer und uber allen Himmeln 
inqualiret alg ein Herge: und ift auch ein Hertze, das den Lo- 
cum diefer Welt halt und traget, und das den Teufel in der 
äufferften Geburt im Zorn⸗Feuer gefangen halt, als ein Al: 
mächtiger, unbegreiflicher GOtt. 

35. Und aus diefem Hergen if SEGUS CHRISTUS 
Gottes Sohn, inder Jungfrauen Marien Leib in alle 3 Ges 
burten gangen, und hat diefelben wahrhaftig an fich genom- 
men, aufdaß Erdurch und mit feiner innerften Geburt den 
Zeufel, Tod und Hölle in der aufferften Geburt gefangen neh⸗ 
me, und den Zorn GOttes uberwinde al$ ein König und 
Siegs-Fuͤrſt, und in Kraft feiner Geburt im Fleifche durch 
‚alle Menſchen durchdringe. 

36. Und durch ſolch Eingehen der innerften Geburt des 

Hertzens des Himmels diefer Welt in die fiderifche und auffer- 
fie HEZESUSCHRISTUGS, GDites und Marien Sohn, 
ein Herr und König diefes unfers Himmel? und der Erden 
worden, der in allen 3 Geburten herrfcher über die Suͤnde, 
Teufel, Tod und Hölle: und mit dem dringen mir durch des 
Fleiſches fündliche, verderbte und aufferfte todte Geburt Dusch 
den Tod und Zorn GOttes in unfern Himmel. “ 
37. In dieſem Himmel figet igunder unfer König JE⸗ 
SUS CHRISTUGS zur rechten GOttes, und umfaffet alle 
3 Geburten, als ein allmachtiger Sohn des Vaters, der durch 
und in allen 3 Geburten in diefer Welt allen Raumen und Or⸗ 
ten gegenwartigift, und alles faſſet, halt und traget als der 
Neue geborne Sohn vom Vater, inder Gewalt und auf dem 
Eike des Sroßmachtig = gewefenen, und nunmehr verffoffe: 
nen, verfluchten und verdammten Königs Lucifers des 
Teufels. 

38. Darum, du Menfchen-Kind, fep nicht fo furchtſam 
amd verzaget: Wenn du in deinem Eifer und Ernſt deinen 
Thraͤnen Samen fäeft, fo faeft du ihn nicht auf Erden, fondern 
in Himmel, denn in deiner fiderifchen Geburt fäeft du, und in 

der animalifchen ernteft du, und im Himmelreiche befigeft du 
8 und geneuſt deß. 
39. Weildu in dieſer ſtreitigen Geburt lebeſt, fo * — 
i 


Gay.ı9. Morgenröthe im Aufgang. 271 

dich buͤcken, and den Teufellaffen aufdir berreiten: aber alfo 
hart erdich fchläget; fo hartefchlageft du ihn mieder, fo du dich 
wehreſt. Denn wenn du gegen ihm ffreiteff, fo ſchuͤreſt du 
ihm fein Zorn⸗Feuer auf, und zerfföreft ihm fein Neſt; das iff 
alsdann wie ein groffer Aufruhr, als hielteft du eine gemaltige 
Schlacht mieihm. * | 

40. Und obgleich deinem Leibe etwas wehe gefchicht, fo ges 
fehicht ihm doch viel übeler, wenner übermunbden tft; fo bruͤl⸗ 
let er wie ein Loͤwe, dem feine Jungen gerauber find, denn der 
Grimm und Zorn GDttes peiniget ihn; wenn du ihn aber zur 
Herberge einläft, fo wird er fett und geil, und überwindet dich 
mit der Zeit. * N 

41. Alſo haft du eine wahrhaftige Beſchreibung des Him⸗ 
mels: Und ob du es gleich mit deiner Vernunft nicht faſſen 
kanſt ſo kan ichs doch gar wol fafſen; fo denke ihm doch nur 
vernunftig nach, mas GOtt fey. — —* 

42. Du ſieheſt in dieſer Welt nichts als die Tieffe, und dar⸗ 
innen die Sterne und die Geburt der Elementen: Wolteſt du’ 
nun ſagen, daß alda nicht GOtt fey ? Lieber, was iſt dann an 
diefem Orte geweſen vor der Zeit der Welt? Welteft du ſa⸗ 
gen, nichts, ſo redeft du ohne Vernunft ; du muſt je fagen, daß 
BHtt alda geweſen fey, fonft wäre aldanichtsmorden, 

43. Iſt dann nun GOtt alda gerefen, wer hat Ihn dann 
weggeſtoſſen oder überwunden, daß Er nicht mehr da iſt? Iſt 
aber GOtt da, fo iſt Er ja in feinem Himmel, und darzu in ſei⸗ 
ner Drevfaltigfeit. — 

44. Der Teufel aber hat das Zorn-Bad angezuͤndet, davon 
it die Erde und Steine, darzı die Elementa alfo bemealich, 
darzu alfo Falt, bitter und hitzig worden, und bat die aͤuſſerſte 
Geburt ermordet. - 

45. Davon iſt nun der Handelund mein gank Fürnehmen 
zu fchreiben, mie ſie wieder fey lebendig worden, und wie fie 
fich wieder gebare : und davon iſt auch in den Creaturen das 
thierifche Fleifch worden ; die Sünde aber indem Fleiſche iff 
der Zorn GHtted,. © 

46. Zum andern iſt die Frage und der Handel in diefem 
Buche, mo dann der Zorn GOttes werde hinkommen? Da 
gibt der Geift Antwort, daß am Ende diefer verderbten Ge— 
burt⸗Zeit dem Teufel werde nach Auferſtehung der Fodten der 
Locus oder Raum, "wo ietzt die Erbe ſtehet, —— 

Er uni 


und Zorn-Haus eingeraumet werden, und doch.nicht durch. 
alle 3 Geburten, fondern nur die aufferfke, in welcher er ietzt 
ftehet: die innerfte aber wird ihn in ihrer Macht gefangen 
balten, und zum Fußſchemel brauchen, welche er ewig weder 
ergreiffen noch beruͤhren wird koͤnnen. 

47. Denn es hat nicht den Verſtand, daß das Zorn-Feuer 
werde ausgeloͤſchet werden, und nicht mehr ſeyn; ſonſt muͤ⸗ 
ſten die Teufel auch wieder heilige Engel werden, und in dem 
heiligen Himmel leben; wo aber nicht, ſo muß ihnen ein Loch 
in dieſer Welt zur Herberge werden. 

48. Wenn dem Menſchen feine Augen nur eröffnet wür- 
den, fo fäheer überall GOtt in ſeinem Himmel, denn der Him- 
mel ſtehet in der: innerften Geburt. Darzu da Stephanus 
den Himmel bat offen gefehen, und den HErrn JEſum zur 
Kechten GOttes, Adtor. 7:55. da hat fich fein Geift nicht erſt 
in den obern Himmel geſchwungen; fondern er hat durchge- 
— in die innerſte Geburt, da iſt der Himmel an allen 

nden. 

49. Dudarfit auch nicht dencken, daß die Gottheit etwan 
ein Wefen fey, dienur im obern Himmel fey, und daß unfere 
Geele, wenn fie vom Leibe fcheidet, auf in den obern Himmel 
fahre viel hundert taufend Meilen. Es darf def gar nicht; 
fondern fie wird in die innerfte Geburt gefeßet, da iſt fie bey 
GOtt, und in GOtt, und bey allen heiligen Engeln, und fan 
je —* ſeyn, und auch bald drunten; ſie wird von nichts 

ehalten. 
2 so. Denn in der innerften Geburt iffdie Obere und Unte- 
re Gottheit Ein Leib, Eine offene Porten : Die heiligen Engel. 
fpagiren ſowol in der innerften Geburt diefer Welt bey unferm 
Könige JEſu Chriſto, als im Dbernin ihrem Revier. 
sı. Und wo mwolte die Seele des Menſchen dann gern ſeyn, 
als bey ihrem Könige und Erlöfer JEſu Chriſto? Denn in 
GHe iſt Weit und Nabe als ein Ding, eine Begreiflichkeit, 
: überall Vater, Sohn, Heiliger Geiſt. RN 

52. Die Porten der Gottheit ift im obern Himmel nichts. 
anders, auch nichts hellers alg in diefer Welt : Und mo koͤnte 
doch aröffere Freude feyn aldan dem Orte mo alle Stunden: 
fchöne liebe neugeborne Kinder und Engel zu Ehriftofommen, 
die durch den Tod ſind ins Leben gedrungen? die werden ohne 
Zweifel von vielen Gtreiten willen zu fagen ; Up. PETE 


| 


Say.ıg. Morgenröthe im Aufgang. 273 
doch aröffere Freude ſeyn , als wo mitten im Tode ohn unter⸗ 
Mr inimer das Leben geboren wird ? 

53. Bringt doch eine jede Geele einen neuen Triumph mit 
fich , und iſt nichts dann ein eitel freundlich Beneveniren und 
Willkommen. Denke, wenn die Seelen der Kinder zuden 
Eltern fommen, die fie in ihrem Leibe geboren haben , ob alda 
nicht möchte Himmel feyn ? Dder meineff dur, ich fehreibe zu 
irdiſch? wirft du an diefes Fenſter kommen, du wirft nicht fas 
gen, es fey irdiſch; ob ich gleich muß eine. irdifche Zunge 
brauchen, foiffdoch rechter himmlifcher Verftand darunter, 
Das ich in meiner aͤuſſerſten Geburt weder fchreiben noch reden 


an. | 
54. Sch weiswol, daß das Wort von den drey Geburten 
nicht wird in einem ieden Hergen Eönnen begriffen werden, 
fonderlich mo das Hertze zu viel im Fleiſche erfoffen iſt und 
mit der. aufferften Geburt verriegelt. Sch Eang aber nicht an- 
ders geben, denn es iſt alſo: und wennich gleich lauter Geiſt 
fchreiße, wie es dann auch in Wahrheit nicht anders ift, fo 

verſtehet das Hertze doch nur Fleiſch, wie, ich ſehe. 
Von der Geſtalt der Erden. 

55. Es haben zwar viel Scribenten geſchrieben, der Him⸗ 
mel und die Erde ſey aus Nichts geſchaffen; nimt mich aber 
Wunder, daß unter ſo treflichen Maͤnnern nicht einer iſt ge⸗ 
funden worden, der doch hatte den rechten Grund koͤnnen be- 
ſchreiben; fintemal doch derfelbe GOtt iſt yon Emigfeit gewe⸗ 
fen, der iegt iſt. 

56. Wo nun Nichts iſt, da wird auch nichts; alles Ding 
muß eine Wurgel haben, fonft waͤchſt nichts: wären nicht 
die. 7 Geiſter der Natur von Ewigkeit geweſen, fo wäre fein 
Engel, auch Fein Himmel, und auch Feine Erden worden. 
57. Die Erde ber iff aus dem verderbten Galitter der auf: 
ferften Geburt worden, du kanſt daS nicht Ieugnen. Wenn 
du die Erde und Steine anfieheft, fo muſt du ja fagen , daß der - 
Tod drinnen ſey; bingegen muſt du auchfagen, daß ein Leben 
darinnen ſey; fonft wuchle darinnen weder Gold noch Gil: 
ber, auch weder Kraut noch Gras. 

58. Run möchte einer fragen: Sind denn auch alle3 Ges 
burtendarinnen ?: Sa; das Leben dringe durch den Tod: die 
aͤuſſerſte Geburt iſt der Todʒ die andere iſt das Leben, melcheg 
im Zornfeuer und in ber Liebe aber ; die dritte iſt das H. Ah 

a. 59. Un⸗ 


Nina 


274 I, AURORA: Eap.ı9, 
59. Unterricht. Die aufferliche Erde ift ein bitter Ges 
fand, und iſt todt, dag verftehet auch ein ieder Menſch. Der 
Galitter iitaberdurch den Zorn ermordet worden: denn du 
kanſts nicht leugnen, daß nicht GOttes Zorn inder Erden 
fen ; fonft ware fie nicht alfo herbe, bitter, fauer und giftig, 
und gebare auch nicht folche giftige, böfe Würme. So du 
aber molteft fagen, GOtt habe fie aus feinem Fürfage alfo ges 
fchaffen, fo wurdeft du fagen, daß GOtt felber die Bosheit fey. 
60. Lieber fage mir doch, warum iſt doch der Teufel verſtoß 
fen worden? Du wirſt freylich fagen , um feiner Hoffart wil= 
Ien, daß er hat wollen uber GOtt feyn. Rath Zrig, womit? 
mas hat er für Gewalt gehabt ? hie ſage, weift du was: weift 
du nichts; fofchweig und höre: . .. . . —J 
„61. In dem Salitter der Erden ſaß er vor den Zeiten der 
Schöpfung, als derſelbe noch dunne, und in himmliſcher hei⸗ 
liger Geburt (fund, und war in dem gantzen Königreiche die⸗ 
fer Welt : daſelbſt war e8 nicht Erde und Steine, fondern ein 
bimmlifcher Same , welcher aus den 7 Duellgeiftern der Na⸗ 
tur geboren ward: denn darinnen gingen bimmlifche Früchte 
und Formen auf, welches war eine Luft-Speife der Engel 
62. Als aber der Zorn darinnen anbrante, fo wards im To⸗ 
de ermordet: aber nicht alfo zu verftehen, daß fie darum gar 
£odt fey ; denn wie kan in GOtt etwas gar fterben , da$ fein 
Reben von Emigfeit hat gehabt ? fondern die aufferfte Geburt 
iſt verbrant, erfroren, erfoffen und erftarret. 

63. Die andere Geburt aber gebaret in der aufferften wie⸗ 
der das Leben: und diedritte wird zwifchender erften und an⸗ 
dern geboren , das ift zwifchen Himmel und Hölle, mittenim 
Zorn-Feur , und dringet der Geiſt im Zorn-Feur durch, und 
gebäret das H. Leben, welches ftehetin Kraft der Liebe, 

64. Und in derfelben Geburt werden die Todten auferfter 
ben, dieda haben einen heiligen Samen gefaet ; die aber ha⸗ 

"ben im Zorn⸗ Feur gefaet , die werden im Zorn-Feur- aufer- 
ftehen. Denndie Erbe wird wieder lebendig werden : finte 
malfie die Gottheit in Chriſto hat wieder neugeboren Durch 
fein leifch, und zur Rechten GOttes erhoͤhet; aber dad 
Zornfeur bleibet in feiner Geburt. Te 

65. Daß du aber wolteſt fagen, e8 ſey Fein Leben in der Er⸗ 
den, forebeftdu blind ; du fieheft ja, daß Kraut und Gras 
daraus waͤchſet. Daß du aber molteft fagen , fie ae 

— iner⸗ 


Cay.ı9: Morgenröthe imAufgang. 275 
Einerley Geburt, fo redeſt du auch blind : denn das Kraut und 
Holtz, das daraus wachit, iſt nicht Erbe; auch fo iff die 
Frucht auf dem Baumenicht Hole ; auch fo iſt die Kraft der 
Frucht nicht GOtt, fondern GOtt iſt im Centro in der inner⸗ 
fien Geburt in allen 3 natürlichen Geburten verborgen, und 
wird nicht erfant als nur im Geifte des Menfchen ; auch fo 
kan Ihn die aufferliche Geburt in der Frucht nicht faſſen oder 


balten , fondern Er halt die aufferfte Geburt der Frucht und 


formiret fie. 

66. Die andere Frage: Warum iff dann bie Erbe alfo bers 
gicht, fteinicht und uneben? Die Berge find in der Zuſam⸗ 
mentreibung alfo worden: denn des verderbten Galitters iſt 
je an einem Orte mehr gemwelen als am andern, ald nachdem 
wie a Rad GOttes mit feinen inftehenden Duellgeiftern iſt 
geweſen. 

67: An denen Orten, wo das ſuͤſſe Waſſer im inſtehenden 
Rade GOttes iſt Primus geweſen, da iſt viel irdiſch begreiflich 
Waſſer worden: wo aber die herbe Qualitaͤt in der Bitterkeit 


im Marcurio iſt Primus gemwefen , da iſt vielErde und Steine 


worden: woaber bie Hige im Lichte iſt Primus geweſen, da iſt 
viel Silber und Gold, darzu etliche fihöne Steine im Blige 
des Lichtes worden ; fonderlich wo die Liebe im Lichte iſt Pri« 
mus gemwefen , da find die edelften Steine worden und das beſte 


old. 

68. Als fich aber der Klump der Erden Hat zuſammen ge⸗ 
druckt, fo ift das Waffer heraus gequetfchet worden: wo es 
aber mit der herben Dualitat mit harten Felſen iſt eingepreſt 
worden, da iſt es noch in der Erden, und hat feit der Zeit et⸗ 
liche groſſe Löcher zu feinem Gang geweicht und gemacht. 


69. Andenen Orten , mo groffe Meere und See ſind, da iſt 


das Waffer über demfelben Polo Primus geweſen: und meil es 
dann nicht viel Salitter daſelbſt hat gehabt, fo iſt indie Erde 


—— ein Thal worden, darinnen iſt das Waſſer fliehen 
l 


70. Denn das duͤnne Waſſer ſucht den Thal und iſt eine 
Demuͤthigkeit bes Lebens, welches ſich nicht erhebet wie die 
herbe, bittere und Feurs-Qualität hat gethan in den Creatu⸗ 
ven ber Teufel. | 

71. Darum ſuchet e8 immer die nieprigften Stellen auf 


BR 


wi % 


Erden: das bedeutet recht den Geiſt der Sanftmuth in wel: 
— S2 se. 


“ 


chem das Leben wird geboren, wie du bey Erffhaffung des - 
Menfchen Fanft leſen, und auch davorne ‚bey feiner Species. 

+. Rom Tag und Nacht... > 
72. Die ganke Gottheit mit allen Kraften und Wirckun⸗ 
gen, mit ſamt ihrem inftehenden Wefen , fowol ihr Aufſteigen 
und Durchdringen und Beranderung, das ift, das gantze Ge⸗ 
wircke oder. die gange Gebaͤrung, wird alles verffanden im 
Geifte des Worts. her | ü 

73. In welcher Proporg oder inftehenden Gebarung der 
Dualitaten der Geiſt das Wort faflet und former „und damit 
ausfahret, eben eine folche inflehende Geburt, Durchdringen, 
Yuffteigen , Ringen und Siegen hats auch inder Natur. = 

74. Denn als der Menſch indie Sünde fiel, da ward er aus 
der innerften Geburt in die andern zwo gefeßt , die umfingen 
ibn bald und inqualirten mit ihme und in ihme, als in ihrem 
Eigenthum ; und empfing der Menfch aldbald den Geift und 
alle Gebarung der fiderifchen und auch der auflerffen Geburt. 

75. Darum fpricht er nunalle Worter nach der inſtehenden 
Bebarung der Natur aus: denn der Geift des Menfchen,(mel: 
cher in der fiberifihen Geburt ſtehet, und mit der ganzen Na⸗ 
ur inqualiret, undift gleichwie die gange Natur felber) der 
formet das Wort nach der inftehenden Geburt. 

76. Wenn er mas ſiehet, fogibt er ihm den Namen nach 
feiner Dualificirung : foll er aber das thun, fo muß er ſich auch 
imn eine folche Geſtalt formiren, und fich mit feinem E challe al- 
fo gebaren, wie fich da8 Ding, daser nennen will, gebaret; 
und hierinnen ffeckt der Kern des gangen Verſtandes der 
Gottheit. | 

77. Nicht fchreibe ich folches und gebe es ans Ficht, daß 
mir alsbald ein ieder fol nachfragen, und hierinnen feines 
Geiſtes Gutduͤnken an Tag geben, und eg fur Heiligthum aus⸗ 
fehreyen. Höre Gefelle, e8 aehöret was mehr darzu: dein 
animalifcher Geift muß vorhin mit der innerſten Geburt in 
GDtringualiven und im Lichte ſtehen, daß er die fiderifche Ge— 
burt recht kennet, daß er eine. freye Porte in allen Geburten 
bat; anders wirft du nicht heilige und rechte Philofophiam 
fehreiben, fondern Laͤuſe und Floͤh, und wirft ein Spoͤtter 
GOttes erfunden. | 

78. Sch laffe mich fchon wol beduͤncken, der: Teufel werde 
fein boffartiges Roͤßlein alhie mit manchem reiten, und (7 
x . Er l 


— 


Cayııy) Morgentöthe im Aufgang. 277 
ſich mancher auf die Bahne machen, ehe er geguͤrtet if, dar- 
an ich will unfchuldig feyn. Denn mas ich alhie offenbare, 


das muß ich thun, denn es iſt die Zeit der Durchbrechung vor= . 


handen. Wer nun will fchlaffen, den wird das Sturm⸗Wet⸗ 
ter der Grimmigkeit aufwecken: damit nun ein'ieder acht auf 
feine Sache habe, will ichs treulich angezeiget haben nach des 
Beiftes Triebund Willen. | 
79. Mercke: Der Scribent Mofes fihreibet, GOtt habe 
das Licht von der Finfterniß geichieden , und das Licht Tag ge: 
‚beiffen , und die Finſterniß Nacht ; da fey aus Abend und 
Morgendererfte Tag morden. Gen.r:4.5. Beil dis Wort 
Abend uno Morgen gantz wieder die Philofophia und Ver: 
nunft lauffet, fo iſt dafuͤr zu halten, daß Moſes nicht der Autor 
darzu iſt; fondern es iſt von feinen Vorfahren auf ihn gebracht 
worden , welche alle 6 Tage der Schöpfung haben in einen 
Lauff gerechnet , und die Schöpfung von Adam nur. in einem 
dunckelen Worte behalten,und auf die Nachkommen gebracht. 

80. Denn Abend und Morgen ift nicht geweſen vor der 

Zeit der Sonnen und Sternen, welche erſt gewiß und wahr- 
haftig am aten Tage find erfchaffen worden: welchesich dann 
aus gemiffen Grunde bey Erfibaffung der Sonnen und Ster⸗ 
nen erweifen will, r 

81. Tag und Nacht aber find geweſen: das will ich albie 
nach meiner Erfentnißerklaren. Du magſt albie die Augen 
deines Beiftes abermal weit aufiperren, wilſt du es verſtehen; 
wo nicht, fo wirftdu blind feyn, | 

82. Wie dann diefes groffe Werck in den Menfchen iff ver: 
borgen blieben bis auf dato, da wild (GOtt Lob) einmal Tag 
merden : denn die Morgenröthe bricht an, der Durchbrecher 
der innerften Geburt erzeiget fich mit feinem rothen, grünen 
und weiſſen Fahnlein in der aufferften Geburt auf dem Res 
genbogen, 

33. Merde. Nun fprichft du: Wie fan denn Tag und 
Kracht gemefen feyn, und nicht auch Morgen und Abend? 
Horgen und Abend ift allein über der Erden unterdem Mon⸗ 

den , und nimt feinen Urfprung vom Lichte der Sonnen, die 
mache Abend und Morgen, und auch den aufferlichen Tag, und 
auch die aufferliche finftere Nacht , das weiß ein Jedermann. 


4 
« 


Es hat aber zu der Zeit nicht orig Schöpfung = 
N 3 | un 


v 


273 LAURORA! © Cap. 19. 
und Morgens gebabt ; fondern da fich Abend und Morgen bat 
angefangen, fo ifter in feinem Lauffe blieben bis daher. 

Vom Tage. * 

84. Das Wort Tag faſſet ſich im Hertzen und faͤhrt hervor 
sum Munde, und fahrt durch die Straſſe der herben und bit⸗ 
sern Dualitat, und wecket die herbe und bittere Qualitaͤt nicht 
aufz fondern gehet ſtarck durch ihren Eocum, welcher am 
Hintern Baumen uber der Zungen ift, hervor gang fanfte, und 
der herben und bittern Dualitat unbegreiflich. 

85. Wenn e8 aber hervor auf die Zunge fommt, fo fchleuft 
die Zunge mit dem Dber-Gaumen das Maul zu: wenn aber 
der Geiſt andie Zahne ſtoͤſſet, und will raus, fo ſchleuſt die 
Zunge das Maulauf, und will vorm Worte raus, und thut 
gleich. einen Freuden-Sprung zum Maule raus, 

56. Wenn aber das Wort durchbricht, fo macht fich dag 
Maul inwendig weit auf, und das Wort faffet fich mit feinent 
Schallen hinter der herben und bitten Qualität noch einmal, 
und wecket diefelbe als einen faulen Schläffer in der Finſterniß 
anf, und fahrt jahling zum Munde aus. 

87. Alsdann zarret die herbe Dualität hernach als ein 
ſchlaͤfferiger Menſch, der vom Schlaffe aufgeweckt wird: 
aber der bittere Geiſt, welcher vom Feur⸗Blitz ausgehet, blei- 
bet liegen und hoͤret nichts, beweget füch auch nicht. Dieles 
find nun gar groffe Dinge, und nicht fo fehlechte,mwie der Bauer 
wol vermeinet. | 

88. Daß fich nun erſtlich der Geiſt im Hersen faſſet, und 
bricht durch ale Wachen bis auf die Zunge unvermerckt, das 
bedeutet, Daß das Licht aus dem Hergen GOttes iſt hervorge⸗ 
brochen durch die aͤuſſerſte, verderbte, grimmige, todte, bit⸗ 

‚tere und herbe Beburt in der Natur dieſer Welt, dem Tode und 
Zeufel, ſamt dem Zorne GOttes unbegreiflich „ wiedann ge: 
fihrieben ſtehet im Evangelio St. Johannis c. 1:5. Das 
Licht ſchien in der Finſterniß, und die Finſterniß habens nicht 
begriffen. 

39. Daß aber die Zunge mit dem obern Gaumen das Maul 
zufchleuft, wenn der Geift auf die Zunge koͤmmt, , bedeutet, 
daß die 7 Duellgeifter der Natur in diefer Welt zur Zeit der 
Schöpfung durch den Zorn GOttes nicht find erftorben gewe⸗ 

fen, fondernlebendig und wacker. Denn die Zunge 2 

2 A 


Gap.ıy, Morgenröthe im Aufgang. 279 
das Leben der Natur, in welchem die animalifche oder heilige 
Geburt ſtehet; denn fie iffein Vorbild der Seelen. 

90. Daß aber der Geiſt die Zunge alfobald inficiret, went 
er auffiefommt, davon fie einen Freuden-Sprung hut, und 
will noch vorm Geiſte zum Maul raus, bedeutet, daß die 7 
Duellgeifter der Natut (welches die fiberifche Geburt heiffet,) 
als das Licht G ‚(melchesder Tag heiffet,) und ihnen auf⸗ 
ging, aldbald Göttlich Leben und Willen Befommen haben, und 
fich hoch erfreuet, wiedie Zunge im Maule, 

-91. Dag fich aber die vordern Gaumen inmwendig ermeitern, 
und dem Geiſte Raum geben nach feinem Gefallen , bedeutet, 
daß fich die gange fiderifche Geburt gang freundlich in des 
Lichtes Willen gegeben bat, und den Grimm in ihr nicht auf⸗ 
gemecket. 

92. Daß fich aber der Geiſt, wenn er zum Munde ausfäh- 
vet, erſt noch einmalhinter der herben Qualität auf der Zun⸗ 
gen im hintern Gaumen faſſet und wecket die herbe Dualität 
als einen Schlaffer auf, und fahrer ſchnell zum Munde aus, 
bedeutet, daß der herbe Geiſt zwar alles in der. gangen Natur 
muß halten und bilden , aber allererft wenn es der Geiſt des 
Lichts hat formiret; dann weckt er erſt den herben Geift auf, 
und gibts ihme in die Hande, daß ers halt. 

93. Und das muß feyn von wegen der aufferften Begreif⸗ 
lichkeit , die muß im herben Grimme gehalten werben ; fonff 
beſtuͤnde nichts im Corpus , auch fo beſtuͤnde die zufammenge- 
druckte Erde und Steine nicht ; fondern es würde wieder ein 
zerbrochener,, dicker und finfter Salitter, welcher in der ganz 
gen Tieffe ſchwebete. 

94. Auch fo bedeutet eg, daß diefer Galitter auf die lebt, 
wann der Geiſt wird fein Geſchoͤpfe und Werde in diefer Welt 
ausgerichtet haben , fol wieder aufgewecket und lebendig wer⸗ 
den am Juͤngſten Tage. ; 

95- Daß fich aber der Geiſt Hinter der herben Dualitat fa 
fet , und nicht in der herben Qualität, und weckt diefelbe auf, 
bedeutet , daß die herbe Natur das Licht GOttes nicht werde 
eigenthümlich begreifen ; fondern werde fich in dem Gnaden- 
Lichte freuen, und Durch daffelbe aufgeweckt werden, und den 
Millen des Lichts verrichten , gleichwie der £hierifche Leib des 
Menfchen den Willen des Geiſtes verrichtet, und find doch 
sicht zwey Dinge. | | 

SH 06. Daß 


280 - LAURORA, Cap. i19. 


96. Daß aber der bittere Geiſt ftille liege, und des Beiftes 
Werck nicht höret und begreift, bedeutet, daß dag bittere 
Zorn⸗Feuer, welches im Feuer-Blige entſtehet zur Zeit der 
Geburt des Lichts, und auch noch vom Lichte nicht aufgeweckt 
wird, und daffelbe nicht begreift; ſondern liegt in der auffer- 
ften Geburt gefangen,und muß den Geiſt des Lichts fein Werck 
in der Natur laffen machen wie er will, und kan die Wercke des 
Lichts weder ſehen, hören noch begreiffen. * 

97. Darum ſoll fein Menſch dencken, daß ihm der. Teufel 
die Wercke des Lichts werde Eönnen aus feinem Hertzen reiffen : 
denn er Fan fie weder fehen noch begreiffen ; und ob er gleich in 
der aufferften Geburt im Fleiſche wuͤtet und tobet, als in ſei⸗ 
nem Raubſchloſſe, verzage nicht; bringe nur nicht felber die 
Wercke des Zorns in deines Hergens Licht, fo wird deine See⸗ 
le vor dem tauben, ſtummen und im Lichte blinden Teufel wol 
ficher ſeyn. Ä 

98. Du folft nicht meinen, daß ich alhie fehreibe als einen 
Wahn, 068 alfo ſey oder nicht; fondern dem Geiſte ftehet des 
Himmels und der Höllen Porten offen, und dringet im Lichte 
durch beyde, und ſchauet die, und Fan die auch gar wol appro⸗ 

biren: denn die fiderifche Geburt lebet zwiſchen beyden, und 
muß fich wol quetſchen laffen. } 

99. Und ob mir gleich der Teufel das Licht nicht nehmen 
Fan ; noch verdeckt er mirs oft mie der aufferften undfleifchli- 
chen Geburt, daß fich die fiderifche Geburt angffet , als ware 
fie gefangen. | i . 
100. Das find allein feine Schläge, Damit dad Senf koͤrn⸗ 
lein verdeckt wird :-Davon fager der heilige Apoftel Paulus 
auch, es fey ihm ein groffer Pal ins Fleifch gegeben worden ; 
und er habedem HErrn geflehet, Er wolte doch folches von 
ihm nehmen, darauf ihm der HErr geantwortet, er folle fich 
laffen an feiner Gnaden genügen, 2. Cor. 12:7.8.9. 

101. Denn er war auch kommen big an dieſen Locum, und 
hatte gern das Licht ohne Verhinderung zum Eigenthum in 
der fiderifchen Geburt gehabt ; aber es konte nicht feyn , denn 
der Zorn ruhet in der fleifchlichen Geburt, und mufte die Ber: 
weſung im Sleifche tragen. Go aber der Grimm gang von 
der fiderifchen Geburt genommen würde, fo ware er in derfel- 
ben GOtt gleich , und wuͤſte alle Dinge wie GOtt felber. 

102. Welches allein iego die Geele weiß, welche ar re 

ichte 


W Dr. Rn FE A 
Cap. i9. Morgenröthe im Aufgang. 
Lichte GOttes inqualiret: fie Fand aber nicht a A wie⸗ 
der zuruͤcke in die ſideriſche Geburt bringen, denn fie iſt eine 
‚andere Perfon. Gleichwie auch der Apfel auf dem Baume 
feinen Geruch und Geſchmack nicht Fan wieder zurücke in den 
Baum oder in die Erde bringen, und ober gleich des Baumes 
Sohn ift; alfo iſts auch in der Natur. 
103. Der heilige Dann Moſes war alfo hoch und tief in die⸗ 
fein Fichte, daß auch das Licht die ſideriſche Geburt verflärete, 
davon die aufferfte Geburt des Fleiſches in feinem Angeficht 
verkläret ward, nd begehrte auch GOttes Licht vollfommlich 
" in der fiderifchen Geburt zu feben. 

104. Aber e8 konte nicht ſeyn, denn es Tieget der Zorn⸗Rie⸗ 
gel davor: denn es kan auch die gantze Natur der fiderifchen 
Geburt in diefer Welt das Licht GOttes nicht ergreiffen; - 
darum ift das Herge GOttes verborgen, das doch an allen 
“Enden wohnet, und alles begreiffet. 

105. Alfofieheft du, daß der Tag fey vor der Zeit der Son⸗ 
nen und Sternen geweſen; denn da GOtt ſprach: Es werde 
lichte, (Genef. 1:3.) da ift das Licht durch die Finſterniß gebro- 
then, und die Finfterniß hats nicht begriffen ; fondern ift in 
feinem Sede blieben fißen. 

106. Auch fo fiebeft du, wie der Zorn GOttes in der auf- 
ſerſten Geburt der Natur Verborgen liege und ruhe, und kan 
nicht aufgeweckt werden, die Menſchen werfen ihn Bann felber 
‚auf, welche auch mit ihrer fleifchlichen Geburt mic dem Zorne 
in der aͤuſſerſten Geburt der Natur inqualiren. 

107. Darum ob nun iemand zur Höllen verdammt würde, 
darf er nicht fagen, GOtt habe e8 gethan, oder Er wolle daf 
felbe ; fondern der Menfch erwecket das Zorn- Feur felber in 
ihme, welches, mann e8 brennend wird, hernach mit GOttes 
Zorne und dem hoͤlliſchen Feur inqualiret als ein Ding. 

108. Wenn dein Licht verloſchen iſt, fo ſteheſt du in der Fin: 
ſterniß; undinder Finſterniß iſt der Zorn GOttes verbor⸗ 
gen: wenn du ihn aufweckeſt, fo brennet er in dir. 

109. “in einem Steine iſt auch Feur: wenn man aber nicht 
drauf fchlaget, fo bleibet das Feur verborgen; wenn man 
aber darauf fehläget, fo fpringt das Feur heraus; iſt dann et- 
was vorhanden, dag des Feurs fahig ift, fo brennet3 und wird 
ein groß Feur; alfo gehets auch mit dem —— zu, wenn 
er das ruhende Zorn-Feur anzuͤndet. 


SS; Ron 


282 BL AURORA. - Gap... 


Von der Nacht. 

110. Das Wort Nacht faſſet fich erftlich auf dem Hergen, 
und grunget der Geiſt mit der herben Qualität, doch der her⸗ 
ben Dualität nicht gang begreiflich ; hernach faffet fichg auf 
der ea Weil es aber auf dem Hergen grunget, fo ſchleuſt 
die Zunge das Maul derweil zu, bis der Geiſt kommt, und faſ⸗ 
ſet ſich auf der Zungen: dann macht ſie das Maul geſchwinde 
auf, und laͤſſet den Geiſt hinaus. 

u. Daß ſich nun das Wort erſtlich auf dem Hertzen faſſet, 
und grunget mit der herben Dualität,bedeut, daß fich der Heiz . 
lige Geift habe in der Finfterniß gefaffee über dem Hergen 
GOttes in der fiderifchen Geburt der 7 Duellgeifter. Daß 
er aber mit der herben Qualitat grunget, bedeut, daß die Fin⸗ 
ſterniß fey ein Wiedermille wieder den Heiligen Geift gemefen, 
ander der Beifteinen Mißfallen hat getragen. 

112. Daß er aber gleichwol durch die finftere Straffe gehet, 
bedeutet, daß der Geiftdurch die Finfternig, welche noch in 
ſtiller Ruhe ift, auch gehe, und die zum Licht gebare; fo fie 
nur ſtille halt, und nicht das Feur anzuͤndet. | 
213. Albier fol billig die richtende Welt feben, welche den 

Menfchen in Mutter⸗Leibe will verdammen; da er doch nicht 

weiß, ob das Zorn=Feur von den Eltern in ber Frucht fey gang 
angezundet oder nicht 5 daß auch der Geiſt GOttes in der Fin 
ſterniß wallet, welche noch in der Ruhe ſtehet, und- Fan die 
Finſterniß wolzum Licht gebären. Darzu ift aber nun des 
Menfchen Geburt-Stunde dem Menſchen fehr zuträglich, und 
auch manchem fehr ſchaͤdlich; aber nicht zwinglich. 
„4. Daß lich aber das Maul zuthut, wenn fich der Geiſt 
uber dem Hergen faffet, und die herbe Dualität grunget gegen 
.. und mit ihme, bedeut, daß das ganke Revier oder der gantze 
Locus dieſer Welt iſt in der ſideriſchen und auch in der aͤuſſer⸗ 
ſten Geburt gantz finſter geweſen, und von dem ſtarcken Aus⸗ 
gange des Geiſtes lichte worden. 

115. Daß ſich aber der bittere Geiſt nicht aufwecket, indem 
der Geift durch feinen Locum gehet, bedeut bie finftere Nacht 
in der aufferften Geburt dieſer Welt, die hat das Licht nie er- 
griffen, und wirds auch in Ewigkeit nicht ergreiffen. 

116. Dannenhero kommt, daß die Creaturen nur mitden 
Augen dag fiderifche Licht fehen : fonft wo die Finfterniß niche 
noch in der aufferften Geburt ware, fo Fönte der neo 
| Bei 


Cayp.ıı9 Morgenröthe im Aufgang. 283 
Beiftdurch Holg und Steine fehen, fomol durch die gange Er⸗ 
den, und würde von nichts abgehalten, wie es im Himmel ift. 


117. Uber num ift die Finſterniß von dem Licht gefchieden, 
und bleibet in der äufferften Geburt: darinnen ruhet der Zorn 
GOttes big an Juͤngſten Tag; alddann wird der Zorn ange⸗ 
zündet werden, und wird die Finſterniß das Haus der ewigen 
Verderbniß feyn ; darinnen wird Herr Lucifer mit allen gott= 

loſen Menfchen, welche in die Finſterniß im Zorn: Acker gefaet 
haben, ihre ewige Wohnung haben. - 


118. Die fiderifche Geburt aber, in welcher ießunder das 
natürliche Licht ftehei, und darinnen die heilige Geburt gebo- 
ren wird, die wird am Ende diefer Zeit auch angezundet wer⸗ 
Den, und wird fich der Zorn und die heilige Geburt von einan⸗ 
der fiheiden : denn der Zorn wird die heilige Geburt nicht be⸗ 
greiffen. 

ug. Es wird aber der Zorn in der fiderifchen Geburt dem 
Haufe der Finfternig zu einem Leben gegeben werden, und der 
Zorn wird heiffen das höllifche Feur, und das Haußder Fin- 
fterniß, welches ift die aufferffe Geburt, wird heiffen der Tod, 
and König Lucifer wird darinnen GOtt ſeyn, und feine Engel 
mit allen verdammten Menſchen werden feine Diener feyn. 


120. In diefem GSchlunde wird nun allerley böllifche 
Frucht und Bildung aufgeben, alles nach höllifcher Qualitaͤt 
und Art ; gleichwieim Himmel bimmlifche, nach himmlifcher 
Dualitat und Art. 

21. Alfo kanſt du verftehen, mas die Schöpfung Himmels 
und der Erden bedeut und ift, und was GOtt den erffen Tag 
gemacht hat: wiewol die erffen 3 Tage mit Abend und Mor- 
gen nicht find abgetheilet geweſen; fondern e8 wird eine Zeit 
als 24 Stunden gerechnet, wie es inder Höhe überm Monden 
eine Zeit und Zag ift. 

122. Zum andern wirds auch darum für einen menfchlichen " 
Tag gerechnet, dieweil ohne Zweifel der Erdbodem alsbald 
feine Ummendung bat angefangen, und fich in folcher Zeit, 
weil GOtt das Licht von der Finfkerniß gefchieden hat, einmal 
umgewendet hat, und feinen Lauff zum erftenmal verrichtet. 


Das 


284°. »'WAURORAM“  Gap.ao. 
Das 20. Capitel. 
Bon dem andern Tage. 


Summarien, / 
Er Teufel weiß die Schöpfung des Lichts nicht, 6.3. er begreift 
nur die grobe aufferliche Geburt, auch im groben Waffer : aber 
die innere fan er nicht begreifen. 4-6. Der H. Geiſt hats bisher 
verborgen, 7. Der Teufel it nun loßz 8. feine 4 Söhne regieren 
ietzo bie Welt, und ift kein Glaube in der Welt; 9.10, fie ftehet in der 
Hölle,n., hungert nur nach Geld. 12.13. Das H. Licht iſt in der Welt 
nur eine Hiſtorie 14. Willen thuts nicht. 1s. , Was der rechte Glaube 
ſey 216. Urtheilüber die Xelt. 17. Wir müffen freiten wieder des 
Zeufels Bosheit. 18. Unſer Herg muß mit der Liebe GOttes inquali⸗ 
ven, und wieder den Zorn fiegen, oder man bleibet des Teufels Knecht. 
19.20. Ohne Streit iſt die Wiſſenſchaft nichts. 21. Die Heiden wer⸗ 
den dich richten, und wirft ein Heuchler erfunden: 22. 23. . dein Pfund 
wird von Dir gefodert, und das Leiden Chrifti von dir genommen wer— 
den.24.25. Dasuntere Waſſer iſt tödtlich. 26. Das Hertz gehüret 
zur ſideriſchen Geburt. 27.28. Indem Waſſer über der Erden mallet 
der 9. Geift: 29. , Die Elementa find ineinander. 30.31: die Sterne 
von oben, und Das Wafler auf Erden gebären Wolden. 31.32. Das 
obere Waller muß der Erden zu Hülfefommen. 33. Das Feuer regie- 
vet in der Tieffe in Waffer und Luft. za. Dasbegreifliche iſt vom unbe- 
greiflichen Wafler gefchteden. 35. Der Zorn iſt auch im Waffer über 
der Erden. 36. Diefes kommt der Erden Salıtter zu Hülfe. 37. Was 
die Beite fen. 38. Des Teufels Wohnung iſt zwifchen dem Mond und 
der Erden: da der Teufel und Menichen den Grimm anzuͤnden. 39.40. 
‚Der Himmel if ein Unterſcheid; 41. iſt Das Firmament. 42. Die 
Veſte halt das Waſſer und Erde gefanaen. 43:45. Durch diefe Veſte 
müffen mir durchbrechen, 46. 47. darin das Fiat fichet, 48. GOtt 
wohnet auch im Gentro unter der Veſten. 49. Es iſt alles gegen einan⸗ 
der, wie das Regiment im Menfchen. so. Diegrobe Geburt; sı. ‘die 
fiderifche und ſeeliſche. 51253. Der feelifche Menfch muß durch die Ve: 
ſte dringen. 54.55... Der Menſch kan nicht gantz ohne Zorn feyn. 56.57. 
In der Sinfterniß liegt £ucifer gefangen. 58. Die auffere Geburt fan 
. GHOttnichtfehen. 59. ei der fiberifchen it das Ober⸗Waſſer, da ſtrei⸗ 
tet Liebe und Zorn; dieſe dringet in die aufere. 60:61. Go meit, der 
Zorn gehet, kan ber Teufel reichen 5 und jo weit hat des Menfchen Er- 
£entniß gereichet..62. 63. Der andere Theil ift das ſuͤſſe Waſſer, und 
hält den Teufel gefangen ; darin wohnet der H. Geift, und die Gotts- 
fürdhtige —— 64.65. Wohinein der Menſch ſaͤet, da bleibet er 
ewig. 66. In diefem Himmel wohnen die H. Engel bey uns. 67. Der 
Br Creutz; die Liebe Gedultz der Geiſt Glaube: hierinnen 
ecket die gantze chriftliche Lehre; 68.69, auſſer dieſem ift alles unbe: 
ſtaͤndig. 70. DBerinahnung an die Lehrer. 71,72. Diezte Geburt ift 
unter der Veſte verborgen, und it GDttes Hertz, darinnen Chriffus 
fißet. 73.74. Die Befte des Himmels iſt Chriſti Stuhl. 75: Calvint 
Lehre von Chrifti Leib wiederleget. 76:79. Chriſti Leib unbegreiflich.8o. 
Auch unfere Leiber werden den Engeln gleich feyn. 81. 82. Chriftus hat 
nach. feiner Auferfiehung nicht immer fichtbar gewandelt, & Kr 
riſti 


Cap⸗20.  Morgenröthe im Aufgang. 285: 
Chriſti Leib. hält die —— — Theil der Liebe. 85. 86. Der‘ 


minel iſt in allen heiligen Renſchen. 857. Alſo iſt der Menfch dem. 
* nach in der Halle, 88. ———— 89. 90, Adam 


hatte der gantzen Tune She, 91. Das Wort Waſſer in der 
Natur⸗Sprache eroöffnet. 22. Das Hertz GOttes hat einen Schluß 
um fich gemach 8 94. De ele inqualiret mit dem 9. Geiſt. 95. 
Die Teufel ſamt den Zorn fan weder den Himmel noch den H. Geiſt er⸗ 
greiffen. 96. er H. Geiſt herrſchet überallin dieſer Welt. .. 


On dem andern Tage ftehet gefehrieben: und en 
fprach: Es werde eine Veſte zwifchen den Waflern, 
und bie ſey — zwiſchen den Waſſern. Da 
machtes Ott die Veſte, und ſcheidete das Waſſet unter der, 
Veſten von — ſer über der Veſten und es geſchach al: 
und GOtt nennete die Veſte Himmel; da ward aus Abend 
und Morgen der. —— Zag Gen. 176.7.8: 


"3: Diefe Befchreibung zeiget abermal an, daß nicht iR 
theure Mann Moſes der Autor darzu ſey; denn es ift gang _ 
unverftandig und 3 — gefthrieben , wiewol es doch gar 
ereflichen Verſtand ba 

3. Dhne nie bat folches der 9. Geift nicht mollen offene 
Kar damit der Teufelnicht alle Geheimniffe in der Schoͤp⸗ 
füng wollte. ‚Denn er ſelher (der Teufen; meiß nicht die Schoͤp⸗ 
a wie der Himmel aus dem Nittel des Waſſers 
iſt gemacht 

Denn er kan das Richt und die beili ge Gebaͤrung, welche 
im pair des Himme ſs ſtehet, weder fehen noch begreifen ; 
fondern. nur die G —— welche in der berben, bittern ſau⸗ 
ren und Hibinen Qulitaͤt ſtehet davon. die ‚aufferfte Geburt 
ift entftanden, das iſt fein koͤniglich Sch 'oB. 

5., Nicht, alfo zu verſtehen, daß er-in dem elementifihen 
arten feine Gewalt habe, daffelde zu befigen ; denn.die aufe 
ferite verderbte Geburt indem elementiſchen Wafler geböret 
auch zum Zorn GOttes, und iſt auch der Tod darinnen, wie 
in der Erden. 

6. Allein der Geift in Mofe meinet albie viel ein ander 
Waller, dasder Teufel weder verftehen noch begreiften kan; 
fo es aber hatte follen eine folche lange Zeit erflaret ſeyn, ſo 
haͤtte es der Teufel von dem Menſchen erlernet, und haͤtte ohne 
Zweifel ſeine hoͤlliſche Spreu auch drein geſtreuet. 

7 Darum hat esder H. Geift verborgen gehalten bis auf 


e 


286 an AURORA, Gap. 20, 
dielegte Stundevorm Abend, da feine taufend Jahre vollen⸗ 
det finds da er foll wieder los werden auf eine Eleine Zeit, wie 
in der Offenbarung. zu lefen iff. Apoc. 20:3. [»YZach dem 
„Sommer kommt wieder der letzte Winter, aber die 
„Sonne wird vonebe noch warme feheinen. „). 

8. Weiler aber iego von den Ketten der Finſterniß 108 iff, 
fo laft GOtt allenthalben in diefer Welt Lichter aufitecken, 
damit ihn die Menſchen follen lernen fennen und fich vor ihm 


buten. - sth, 1% 

9. Dber nicht los fey, gebe ich einem ieden zu erkennen: 
fchaue nur die Welt bep dem hellen Lichte an, fo wirſt du fin- 
den, daß ietzo alle 4 neue Söhne, welche der Teufel hat gebo⸗ 
ven, da er aus dem Himmel gefloffen worden ift, die Welt ve- 
gieren, ald(ı) Hoffart, (2) Geis, (ZI Neid, (4) Zorn: dieſe re⸗ 
gieren ießo die Welt, und find des Teufels Herge, feine ani⸗ 
malifche Geiſter. | 

ı0. Darum ſchaue die Welt nur recht an, fo wirſt du be⸗ 
finden, dag fie ganglich mit dieſen 4 neuen Söhnen des Teufels 
inqualiret : darum iſt ſich nun vorzufehen. Denndas-ift die 
Zeit, davon alle Propheten haben gemeiflaget, und Chriſtus 
faget im Evangelio: Meineft du auch, daß des Menfchen 
Sohn wird Glauben finden, wenn Er wird wieder Fommen 
die Welt zurichten? Luc. 18:8. 

u. Die Welt meinet wol, fie ſtehe iegt im Flor, weilſie das 
helle Licht hat über ſich ſchweben; aber der Geiſt zeiget mir, 
daß fie mittenin der Höllen ſtehe. Denn fie verläffer die Liebe, 
und hanget am Geige, Wucher und Schinderey, es ift Feine 
Barmhertzigkeit bey ihr. 

12. Ein ieder ſchreyet: Haͤtte ich nur Geld! der Gewaltige 

ſauget dem Niedrigen das Marck aus den Beinen, und nimt 
ihm ſeinen Schweiß mit Gewalt. 

113. In Summa es iſt nur Luͤgen, Truͤgen, Morden und 
Rauben; und heiſt wol recht des Teufels Neſt oder Wohn⸗ 


auß. 

14. Das heilige Licht iſt ietzo nur eine Hiſtoria und Wiſſen⸗ 

ſchaft: der Geiſt will darinnen nicht arbeiten, und vermeinen, 
dag fen der Glaube, den fie mit dem Munde befennen, 

15. O du blinde und thörichte Welt, voll des Teufels! es 
iſt kein Glaube, daß du weift, daß Chriſtus für Dich gefforben 
iſt, und hat fein Blut für dich vergoffen, dag du folft felig * 

en. 


Cap. 20. Morgenröthe im Aufgang. 287 
den. Es iſt nur eine Hifforia und Wiffenfchafft: der Teufel 
weiß es auch wol, es hilft ihm aber nichts ;_alfo auch du thoͤ⸗ 
richte Welt, laͤſſeſts bey der Wiflenfchaft bleiben, darum wird 
dich deine Wiflenfchaft richten. 

16. Wilt du aber wiffen, was der rechte Glaube fey, fo mer⸗ 
de: Dein Hers muß nicht mit den 4 Söhnen des Teufels in- 
aualirenin Hoffart, Geitz, Neid, Zorn, Wucher, Schinden, 
Schaben, in Lügen, Trügen und Deorden ; dem Nachffen den 
Biffen vor Beiß aus dem Halfe reiffen, und nur Tag und 
Nacht auf Rift finnen, wie du möchteft dem Hoffart- Beiß- 
Neid: und Zorn-Teufel wol hofiren und genug thun, dich in 
weltlichen Zuften zuuben. | 

17. So fpricht der Geiſt in feinem Eifer des Zorns GOttes 
indiefer Welt: Weildein Geiſt und Willen mit den 4 Laſtern 
des Teufelsinqualiret, fo bift du nicht ein Geiſt nit GOtt; 
und wenn du mir gleich alle Stunden deine Eippen boͤteſt und 
deine Knie vor mir beugeft, fo mag ich doch deiner Arbeit nicht: 
ift doch dein Odem ohne das immer vor mir, was foll mir der 
Weihrauch im grimmen Zorne? Meineft du, ich wolle den, 
Zeufel in mich laffen, oder wolte die HöNe in Himmel heben ? 
18. Rehre um, und ſtreite wieder die Bosheit des Teufels, 
und neige dein Herß gegen dem Herrn deinem GDtt, und 
wandele in feinem Willen. Wird fichdein Herge zu mir nei= 
gen, fo will Sch mich auch zu dir neigen ; oder meineſt du, Sch 
bin falfch wie du? 4 

19. Alſo ſage nun ich: So dein Hertze in deiner Wiſſenſchaft 
nicht mit GOtt inqualiret aus einem rechten Fuͤrſatze der Lie⸗ 
be, fo biſt du ein Heuchler, Luͤgner und Mörder vor GOtt: 
denn GOtt erhoͤret niemandes Gebet, das Hertze richte ſich 
dann in Gehorſam gantz in GOtt. 

20. Wilt du wieder den Zorn GOttes kaͤmpfen, ſo muſt du 
den Helm des Gehorſams und der Liebe anziehen, ſonſt brichſt 
du nicht durch; brichſt du aber nicht durch, ſo iſt dein Streit 
a und bleibeft einmal ein Diener des Teufeld mie das 
ander. — — 

21. Was hilft dich deine Wiſſenſchaft, wenn du nicht wilſt 
darinnen ffreiten? Nichts: Es iſt eben als wenn einer einen 
groſſen Schag wuͤſte, und fürchte den nicht, den er doch mol 
nit zu befommen, und ſtuͤrbe hungers bey feiner Wiſſen⸗ 


Haft. 
22. Dad 


67% 


288 IL: AURORA, ‚ Cap. 20, 


22. Das der Beift: Viel Heiden, bie fein Wiſſen⸗ 
ſchaft nicht haben, und ſtreiten aber wieder den Grimm, wer- 
den dir dad Himmel⸗Reich zuvor befigen. Wer will fie rich: 
ten, wenn ihr Herge mit GOtt inqualiret ?_ ob fie Den gleich 
nicht Fennen, und arbeiten doxh in feinem Beifte in Gerechtige 
Feit und Reinigkeit ihres Hertzens, in rechter Liebe gegen ein- 
ander; bie bezeugen ja, daß das Geſetze GOttes in ihrem 
Hergen fey. Rom.2:15.. - 

23. Weildu es aber weißt und thufts nicht, jene aber wiſ⸗ 
fens nicht und thuns doch ; fo richten fie mit ihrem Thun deine 
Wiſſenſchaft, und du wirft ein Heuchler erfunden, ein unnuͤtzer 
Knecht, der in den Weinberg des HErrn iſt geſtellet, und will 
darinnen nicht arbeiten. 

24. Was meineſt du wol, baß der Hausvater wird ſagen, 
wenn er fein uͤberantwortet Pfund wird von Dir fodern und du 
wirſts in die Erde vergraben, haben? Wird er nicht fagen: 
Du Schalcks⸗Knecht, warum lieheſt du nicht mein Pfund auf 
Zinfe aus, fo hatte ich das Meine mit Wucher gefodert ? 

25. Und es wird von dir das Leiden Chriſti gar genommen, 
und den Heiden gegeben werden, welche nur ein Pfund hatten, 
und gemähreten dem Hausvater funfe: und du wirft mit den 
Hunden heulen müffen. 

26. Nun mercke: Wenn man nun will recht betrachten, 
wie GOtt habe das Waffer unter der Veften von dem Wafler 
über der Velten gefchieden, f6 finden fich albier gar groffe 
Dinge. Denn das Wafler, das auf Erden rubet, das iſt eben 
ein verderbet und toͤdtlich Wefen wie die Erde, und gehöret 
auch zur aufferften Geburt, welche mit ihrer Begveiflichkeit 
im Tode ftebet, gleichmwie die Erde und Steine. 

27. Nicht der Meinung, daß es gar von GOtt verftoflen 
ſey: denn Das Herse darinnen gehöret noch zur fiderifchen 
Beburt, aus welcher die heilige Geburt geboren wird, 

28. Es ftehet aber der. Todinder aufferften Geburt: dar- 
um ift das begreifliche Waſſer von dem unbegreiflichen ge- 
fehieden worden. 

NRun ſprichſt du, wieift das? Siehe, das Waſſer in 
F ieffe über der Erden, melches mit dem Element Luft und 
Feuer inqualiret, das ift das Waſſer der fiderifchen Geburt, 
Darinnen das fiderifihe Leben ffehet, und darinnen vornehm⸗ 
* der H. Geiſt wallet; auch dadurch die dritte und — 


Cap. 20, Morgenroͤthe im Aufgang. 289 
Geburt gebaͤret, dem Zorn GOttes darinnen unbegreiflich: es 
iſt ai daſſelbe Waffer vor unfern Augen gleich der Luft an- 
zuſehen. 

50. Daß aber wahrhaftig Waſſer und Luft und Feuer in 
der Tieffe uber der Erben in einander fey, Fan ein ieder ver: 
nunftiger Menſch ſehen und verftehen. 

3ı. Denn du ſie heſt oft die gange Tieffe gar bell und Tauter, 
und in einer Viertel-Stunde mit Waſſer⸗Wolcken bedeckt. 

32. Das ift, wenn fiedie Sternen von oben, und dad Waſ⸗ 
fer auf Erden von unten anzündet, fo gebaͤret fich alsbald 
Waſſer welches wol nicht geſchehen würde, fo nicht der Zorn 
in der fiderifchen Geburt auch ſtuͤnde. 

33. Weil e8 aber alles verderber iſt, fo muß das obere 
Waſſer im Zorn GOttes der herben, Sittern und hißigen Qua⸗ 
ni der Erden zu Hülfe kommen, und ihr Feuer löfchen und 

fie fänftigen, Damit das Lehen immer Fan geboren werben, 
und auch die heilige Geburt zmifchen dem Tode und Zorn 
GOttes koͤnne geboren werden. 

34. Daß aber auch das Element Feuer in der Tieffe in Luft 
und Waffer regieren und fey, fieheft du ja an dem Wetter- 
leuchten; auch fo fieheft du, wie das Licht der Sonnen da$ 
Element Feuer aufder Erden mit ihrem Anfloffe anzündet : 
ei doch manchmal in der Höhe in des Monden Eirfgar 


tiſt. 

35. Nun aber hat GOtt das begreifliche Waſſer von dem 
unbegreiflichen geſchieden, und hat das begreifliche auf die Er⸗ 
den geſtellet; und das unbegreifliche iſt in der Tieffe blieben in 
ſeinem eigenen Sitze, wie es von Ewigkeit geweſen iſt. 

36. Weil aber der Zorn auch in demſelben Waſſer in der 
Tieffe über der Erden ift, fo gebäret fich ſtets durch die Anzuͤn⸗ 
dung der Sternen und des Waſſers im Zorne folch begreiflich 
— welches mit feiner. aͤuſſerſten Geburt im Tode ſtehet. 

. Welches, weiles mit der innerffen Geburt mit der fi- 
de en inqualivet, dem Galitter der nerderbten Erden zu 
Hülfekommt, und feinen Zorn löfcher, damit in der fiderifchen 
Geburt alles im Leben flebet, und Die Erde durch den Tod das 


Lehen, — 
Die Porten der Geheimniß. 
38. Daß aber eine Veſte fey smifehen den Waflern, die da 


——— dieſen Verſtand 
39. Die 


290 I. AURORA: Cap. 20. 
39. Die gantze Tieffe vom Monden bis an die Erde ſtehet 
mit ihrer Wirckung alles in der zornigen und begreiflichen Ge⸗ 
burt: denn der Mond iſt eine Goͤttin der begreiflichen Geburt, 
auch ſo iſt das Haus des Teufels, Todes und der Hoͤllen in dem 
Revier und Cirk zwiſchen dem Monden und der Erden. 
40. Da dann der grimme Zorn GEOttes in der aͤuſſerſten 
Geburt in der Tieffe von Zeufeln und allen gottloſen Menſchen 
täglich angezundet und aufgeblafen wird durch die aroffe 
Suuͤnden der Menfchen, welche noch mit der fiderifchen Geburt 
in der Tieffe inqualiren. r 
4. Nun hat GOtt die Veſte, welche Himmelheift, zwi⸗ 
ſchen der aͤuſſerſten und innerſten Geburt gemacht, und Die iſt 
ein Unterſcheid zwiſchen der aͤuſſerſten und innerſten Geburt. 
42. Denn die aͤuſſerſte Geburt des Waſſers kan die inner⸗ 
ſte Geburt des Waſſers nicht begreiffen, welche Himmel heiſt / 
der aus dem Mittel des Waſſers iffgemacht. Himmel iſt 
„das Firmament, das Feuer⸗Meer aus den 7 Geiſtern 
„der Natur, daraus die Sterne als eine Quinta Eſſentia, 
„mit dem Verbo FIAT gefaſſet und corporiret oder ger 
„febaffen wordenfind. Er hat Seuer und Wafler, und 
„bänget in fich hinein am erſten Prineipio, und wird feine 
Wunder mit der Figur ins Ewige führen, aber ſeine Ge⸗ 
„burt vergebet.] — 
43. Nun aber ſtoͤſſet die innerſte Geburt des Himmels auf 
der Erden harte an, und haͤlt das aͤuſſerſte Waſſer auf Erden 
mit ſamt der Erden harte gefangen. EL 
44. Wenn das nicht ware, fo würde fich das Waffer, mit 
Ummendung des Erdbodeng, wieder zertheilen ; auch fo wuͤr⸗ 
de die Erde zerbrechen, und in die Tieffe zerſtieben. 
45. Runaber hält diefelbe Veſte ‚zwifchen dem aufferften 
begreiflichen Waffer und dem innerlichen , die Erde und das 
begreifliche Wafler gefangen. | | 
46. Möchteftdu nun fragen: Was ift denn das für eine 
Veſte des Himmels , die ich weder fehen noch veritehen kan? 
Es iſt die Veſte zwifthen der Flaren Gottheit und der verderb⸗ 
‚sen Natur, durch welche du muſt durchbrechen , wenn du zu 
SHDtt wilft: Und ifteben die Veſte welche nicht gang im Zor⸗ 
ne ftehet, und doch auch nicht gang reine iſt im Feur, davon 
gefchrieben ſtehet: Es find auch die Himmel nicht: reine 
r ar vor 


Cap, 20. Morgenröthe imAufgang. 291 
vor GOtt: Hiob,ız: 15. Und wird am Juͤngſten Tage der 
Zorn davon gefeget werden. | 
47. Denneöftehet gefihrieben: Himmel und Erde verge- 
ben, aber meine Worte vergehen nicht, fpricht Chriſtus March, _ 
24:35. Marc, 13: 31.) 0.0 % 5 
48. Nun aber iff das Unreine in demfelben Himmel der 
Zorn; das Reine aber it das Wort GOttes, welches Er eine 
mal gefprochen hat : Es ſcheide fich das Waſſer unter der Ve- 
ften von dem Waller uber der Velten, Gen.ı:7. Daſſelbe 
Wort ſtehet nun da, und iftin die Veſte des Waſſers gefaſſet, 
und halt das aufferliche Waffer mit der Erden gefangen. 

Die Porten der Gottheit. 
49. Hie mercke nun die verborgene Geheimniß GOttes: 
Wenn du nun anſieheſt die Tieffe über der Erden , fo muſt du 
nicht fagen: bie iſt nicht Die Porten GOttes, da GOtt in fei- 
ner Heiligkeit wohnet: Nein, nein ‚fo dencke nicht ; ſondern 
die gange Heilige Drepfaltigfeit, GOtt Vater, Sohn, H. Geiſt 
wohnet im Centro unter der Veſten des Himmelg , und dieſel⸗ 
be Befte fan Ihn nicht begreiffen. 

50. Es iſt wol alles ein Corpus, die aufferfte Geburt und 

. auch die innerſte mit ſamt der Veſten des Himmels, fo wol 
auch ‚die ſideriſche Geburs darinnen, in welcher der Zorn 
GOttes mit qualificiret: aber es iffaegen einander wie dag 
Kegimene im Menſchen. 

51. Das Fleiſch bedeut Ddie aͤuſſerſte Geburt, welches iſt 
das Haus des Todes: die andere Geburt im Menſchen iſt die 
ſideriſche, in welcher das Leben ſtehet, und da Liebe und Zorn 
mit einander ſtreiten. 

52. Und alſo weit kennet ſich der Menſch ſelber: denn die 

ſideriſche Geburt gebaͤret in der aͤuſſerſten, das iſt, im todten 
Sleifche, das Leben. 
. 53. Die dritte Geburt wird zmifchen der fiderifchen und 
auflerften geboren, und diefelbe heiſt die animalifche oder die 
Gesle, und iſt ſo groß als der gange Menfch. Und diefelbe 
Geburt kennet und begreift der aufferliche Menfch nicht, auch 
fo begreift3 der ſideriſche nicht; fondern ein ieder Quell⸗ 
— fine inſtehende Wurgel, welche bedeut den 


Himme STasu we | } * 
54. Und derſelbe animaliſche * muß durch die Weile 
TAN 2 - 3 


002 I. AURORA. Cap. 20. 
des Himmels zu GOtt dringen, und mit GOtt leben: anders 
kan der gantze Menſch nicht in Himmel zu GOtt kommen. 
55. Denn ein ieder Menfch, der da will felig werden, der 
muß mit feinen inftehenden Geburten feyn wie die gantze Gott⸗ 
beit mit allen 3 Geburten in diefer Welt. 
- 56, Nicht kan der Menfch gans rein ohne Zorn und Suͤn⸗ 
den ſeyn: denn die Öeburten in der Tieffe diefer Welt find 
auch nicht aan rein vor dem Hergen GOttes; (Hiob, 15:15.) 
fondern es ringet immer Liebe und Zorn miteinander, davon 
fih GOtt einen zornigen , eiferigen GOtt heiſt. (Exod, 20: 5. 
Deut. 5:9.) IR 3 | 

57. Nun wie der Menſch iſt in feinem Geburt-Regimente, 
alſo iſt auch der gantze Leib GOttes dieſer Welt: in dem 
Waſſer aber ſtehet das fanfte Leben. Erſtlich iſt in dem aͤuſſer⸗ 
lichen Leibe GOttes dieſer Welt der erſtarrete, herbe *— 
und hitzige Tod, in welchem das begreifliche Waſſer auch er⸗ 
ſtarret und todt iſt. J 

58. Und darinnen iſt nun die Finſterniß, darinnen Koͤnig 
Lucifer mit feinen Engeln, fo wol alle fleiſchliche gortlofe Men- 
fchen auch noch mit lebendigem Keibe gefangen liegen, fo wol 
auch die abgefchiedene Geifter der verdammten Menfchen. 

59. Diefe Geburt Fan das Herge GOttes weder fehen hoͤ⸗ 
ren, fühlen, riechen noch begreifen, und iff eine Naͤrrin, die 
König Lucifer hat in feiner Hoffart alfo zugerichtet. : a 

60. Die andere Geburt ift die fiderifche, du muſt verſtehen 
der 7 Duellgeifter Leben: darinnen iſt nun Liebe und Horn ges 
gen einander, und darinnen ſtehet nun das Ober⸗Waſſer, wel- 
‚ches ein Beift des Lebens iſt; und darinnen oder dazwiſchen 
ift nun Die Veſte des Himmels, welche aus dem Mittel des 
Waſſers iſt gemacht. TREE 

61. Diefe Geburt dringet nun durch die aufferliche erſtar⸗ 

rete durch den Tod durch, und gebäret das ſideriſche Leben im 
Tod, das ift, in der erftarreten Erden, Wafler und Fleiſche 
der Thiere und Menfchen, auch Vögeln, Zifchen und Wuͤrmen. 

62. Und big in diefe Geburt halb, als viel der Zorn begreift, 

ander Teufel reichen, und tieffer nicht ; und fo weit ift feine 
„ Wohnung, undtieffer nicht: darum Fan der Teufel nicht wiſ⸗ 

fen, wie das ander Theil in diefer Geburt eine Wurgel hat. - 

63. Und bis hieher iſt der Menſch in feiner Erkentniß von 
der Welcher nach feinem Falle kommen: die andere 
y: En ar mweide 


Eay.20. Morgenrotheim Aufgang. 293 

welche Himmel heiſt, bat der Geiſt dem Menſchen verborgen 

gehalten bis daher, damit fie der Teufel nicht von dem Mens 

—* erlernete, und dem Menſchen vor feinen Augen Gift drein 
reuete. 

64. Diefes andere Theil der fiderifchen Geburt, welches in 
der Liebe im füffen Waſſer ſtehet, iff nun Die Veſte des Him⸗ 
mel3, die den angezündeten Zorn , mit famt allen Teufeln ge= 
fangen haͤlt. Denn darein Fönnen fie nicht: und in diefem 
Himmelwohnetder H. Geift, der ausdem Hergen GOttes 
ausgehet, und ſtreitet wieder die Grimmigfeit , und gebaret 
Ihm * Tempel mitten in der Grimmigkeit des Zorns 
GOttes. 

65. Und in dieſem Himmel wohnet der Menſch, der GOtt 
fürchtet, auch noch mit lebendigem Leibe: denn derſelbe Him⸗ 
mel iſt in dem Menſchen fo wol, als in der Tieffe uber der Er- 
den. Und wie die Tieffe über der Erden iſt, alſo iſt auch der 
Menſch beydes in Liebe und Zorn, bis nach Abſcheidung der 
Seelen; alsdenn wenn die Seele vom Leibe ſcheidet, ſo bleibet 
ſie allein im Himmel der Liebe oder im Himmel des Zorns. 

66. Welch Theil ſie alhie im Abſcheiden hat begriffen, das 
iſt nun ihr ewig unaufloͤslich Wohn⸗Haus, und fan ewig dar⸗ 
aus nicht kommen: denn es iſt eine groſſe Kluft zwiſchen ih⸗ 

nen, wie Chriſtus beym reichen Manne ſaget. Luc. 16: 26. 

67. Und in dieſem Himmel wohnen uns die heiligen Engel 
bey; und in dem andern Theile die Teufel: und in dieſemHim⸗ 
‚mellebet der Menfch zwifihen Himmel und Hole, und muß 
von dem Grimme manchen harten Stoß, Berfuchung und 
Derfolgung leiden, und fich manchmal wol martern und quet- 
fchen laffen. 

68. Der Zorn heift das Creuße,und der Liebe⸗ Himmel heiſt 
die Gedult, und der darinnen aufgehende Geiſt heit die Hoff 
nung und der Ölaube, der mit GOtt ingualiret, und mit dem 
Zorneringet, big er fieget und übermindet.(t.Joh. 5: 4.) 

69. Und bierinnen ſteckt die gantze Ehriftliche Lehre: mer 

anders lehret, der weiß nicht, mas er lehret; denn feine Lehre 
bat feinen Fuß oder Grund, und fein Hertz zappelt immer und 
jammert, und weiß nicht, was es thun fl. 
70. Denn ſein Geiſt ſuchet immer der Ruhe, und finder ihr 
nicht: denn iſt er ungeduldig und ſuchet immer was neues; 
und wenn ers findet, ſo erkitzelt er ſich N als hatte er ei⸗ 
—* WE nen 


294 I. AURORA. .  @ap.ao, 
nen neuen Schaß funden, und ift doch Feine Beſtaͤndigkeit in 
ihme, fondern ſuchet ſtets Abfinentz, : 

71. Ihr Theologi, albier thut euch der Geiſt Ehur und 
Zhor auf: wolt ihr nun nicht fehen, und eure Schaflein auf 
geuner Weide weiden, fondern auf duͤrrer Heide ; fo folt ihe 
Das vor dem ernften und zornigen Gerichte GOttes verant- 
mworten: da ſehet eben zu. | | 

72. Ich nehme den Himmel zum Zeugen, daß ich albie ver⸗ 
zichte, das ich thun muß: denn der Geift treibet mich darzu, 
daß ich auch mit ihm ganglich gefangen bin, und mich feiner 


nicht erwehren kan, vielleicht was mir auch immer hernach 
begeanen möchte. 


Die heilige Porten. 
73. Die dritte Geburt in dem Leibe GOttes Diefer Welt ift 
unter der Beften des Himmels verborgen: und Die Veſte des 
Himmels inqualiret mitderfelben ; aber doch nicht gank leib- 
Jich, fondern creatuͤrlich, gleichwie die Engel und die Geele des 
Menſchen. 
74. Und dieſelbe dritte Geburt iſt das allmaͤchtige und hei⸗ 
lige Hertze GOttes: darinnen ſitzet unſer König JEſus Chri⸗ 
ſtus mit feinem natürlichen Leibe zur Rechten GSttes als ein 
König und HErr des gangen Leibes oder Loci Diefer Welt, der 
nut feinem Hertzen alles umfaſſet undhalt. 
75. Und diefelbe Veftedes Himmels ift fein Stuhle- und die 
Quellgeiſter feines natürlichen Leibes herrfchen indem gangen 
Leibe diefer Welt und ift alles mit ihnen verbunden, was in 
der fiderifchen Geburt im Theil der Liebe ſtehet; das andere 
Theil dieſer Welt iſt mit dem Teufel verbunden. 

‚76. Du muſt nicht dencken, wie Johannes Calvus oder 
Calvinus gedacht hat, der Leib Chriſti fey ein unallmachtig 
Weſen, und begreiffe nicht meiter als den Locum in fih. 
77. Nein, du Menſchen Kind, du irreſt, und verfteheit die 

Göttliche Kraft nicht recht : begreift doch einieder Menſch in 
feinen fiderifchen Quellgeiftern den gangen Locum oder Leib 
diefer Welt, und. der Locus begreift den Menfchen; es ift als 
ein Leib, allein nur unterfthiedliche Glieder. f 

78. Wie wolten denn die Duellgeifter in dem natürlichen 
Leibe Chriſti nicht mit den Duellgeiftern der Natur inquali- 
zen? iſt doch fein Leib auch aus den Duellgeiftern der Re 

RAM —— —— un 


Cap.20. Morgenröthe im Aufgang. - 295 
und fein Herge animalifch aus der dritten Geburt, welches iff 
das Herge GOttes ‚das aller Engel und aller Himmel Him- 
mel, ja den gangen Vater begreift. 

79. Ihr Calviniſten albier ſtehet ab von eurer Meinung, 
ihr irret; und martert euch nicht mit dem begreiflichen Wer 
fen : denn GOtt iſt ein Geiſt Joh. 4: 24. und in der Begreife 
lichkeit ftebet der Tod. 

80. Der Leib Ehrifti iff nicht mehri in der harten Begreif⸗ 
lichkeit, ſondern in der Goͤttlichen Begreiflichfeit der Natur, 
gleiche den Engeln. 

Sı. Denn unfere Leiber werden auch in der Auferſtehung 
nicht in folchen harten Sleifche und Beinen beſtehen, fondern 

find gleiche den Engeln : und obgleich alle Forma und Kraft 
at darinnen feyn, auch alle Geſchicklichkeit, (bi8 auf die Ge⸗ 
burts⸗Glieder, die werden in einer andern Forma fteben, jo 
mol auch das Eingemweide der Darmer) fo werden wir doch 
nicht die harte Begreiflichkeit haben. 

82. Denn Chriffus faget zu Maria Magdalena,im Garten 
Joſephs beym Grabe, nach feiner Auferflehung: Ruͤhre mich 
nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem GOtt 
und zu eurem GOtt. Joh. 20517. Als wolte Er fagen: Ich 
habe num nicht mehr den thieriſchen Leib; und ob ich mich der 
gleich in meineralten Geftalt erzeige, fonft koͤnteſt du mich 
in deinem thierifchen Leibe nicht feben. 

83. Auch fo wandelte Erdie e 40 Tage nach feiner Auferſte⸗ 
hung nicht immer unter den Juͤngern ſichtlich, ſondern un⸗ 
ſichtlich nach ſeiner bimmlifchen und englifchen Eigenfchaft ; 
fondern wenn Er wolte mit den J Füngern reden ‚fo erzeigte Er 
fich in begreiflicher Geſtalt, damit Er Fönte natirrliche Worte 
mit ihnenreden : denn die Göttliche Fan die Berderbung nicht 
begreiffen. 

84. Auch fo zeigetd genug an, daß fein Leib engliſche Art 
habe indem er iſt zu feinen Jungern Durch verſchloſſene Thür 
— Joh. 20:19. 

85. Alfo folt du nun willen, daß fein Leib mit allen 7 Gei⸗ 
ph in der Natur inqualiret in der fiderifchen Geburt im 

Theil der Liebe, und halt die Suͤnde, den Tod und Teufel in ſei⸗ 
nem Zorn-Theil gefangen. 

86. Alſo verſteheſt du nun, was GOtt den andern Tag ge⸗ 
mac bat , als Er das RI unter —* Veſten von — 
4 Waſſer 


296 T AURORA.  Gap.2o. 


“ 


Waſſer über der Veften gefchieden hat. Auch fo ſieheſt du, wie 
du indiefer Welt überall im Simmel und auch in der Hölle biſt, 
und wohneft zwiſchen Himmel und Hölle in groffer Gefahr. 
87. Auch fo ficheffdu, wie auch der Himmel in einem hei⸗ 
ligen Menſchen iſt, und allentbalben, mo du ſteheſt oder ge⸗ 


heſt oder liegeft, fo dein Geiff nur mit GOtt inqualiret, fo biſt 


du demfelben Theil nach im Himmel,und deine Geele in SH tr. 
Darum fpricht auch Chriſtus: Meine Schaflein find in mei- 
nen Bo und niemand wird mir fie raus reiffen. Job. 
10:2 u 
88. Desgleichen ſieheſt du, wie du dem Zorn nach allegeit 
in der Höllen biff bey allen Teufeln : wenn dir deine Augen nur 
eröffnet waren, du folteft Wunder fehen ; aber du ſteheſt zwi⸗ 
schen Himmel und Hölle, und kanſt Eeines fehen , und wan⸗ 
delſt gar auf einem fchmalen Stege. 

„89. E3 find etliche Menfchen zu mancher Stunde dem fide> 
riſchen Geiſte nach bin entritten worden, wie man ed nennet, 
und die haben alsbald auch des Himmels und der Höfen Por⸗ 
tenerkant, auch angezeiget, wie mancher Menfch mit leben- 
digem Leibe in der Höllen mohnet. Derer bat man zwar ges 
ſpottet, aber mit groffem Unverſtande: denn es verhält fich 
alfo. Diefes will ich an feinem Orte ausführlich auch be- 
fihreiben,, mas es für eine Geſtalt mit ihnen bat. 

90. Daß es aber eine zweyfache Geburt mie dem Waſſer 
babe, willich alhie mit der Sprache der Natur auch bemei= 


fen: denn das ift die Wurtzel oder Mutter aller Sprachen, die 
‚in diefer Welt find, und ſtehet die gange vollfömmliche Er: 


kentniß aller Dinge hierinnen. 
91. Denn ald Adam erfklich geredet hat, fo bat er allen 
Greaturen , nach ihren Dualitäten und inftehenden Wirckun- 


'gen, den Namen gegeben: Und iſt eben die Sprache der gan⸗ 
gen Natur, aber e8 kan fie nicht ein ieder : denn es ift ein Ge: 


heimniß, Myfterium , welches mir von Gnaden GOttes iſt 


‚mitgetheilet worden von dem Geifte, der Luft zu mir hat. 
"Myft,M.c. 19: 22, - 


92. Nun mercke: Das Wort Waſſer dag ftöffet aus dem 


Hertzen, und macht die Zähne zu, und gehet über die herbe 


und bittere Dualität, und ruger fienicht, und fahre durch die 


Zähne raus; und bie Zunge raft fich mit zum Geiſte, und bilft 


ziſchen, 


Cap. 20. Morgenrötheim Aufgang. 297 

ziſchen, und inqualiret mit dem Geiſte, und der Geiſt gehet 

gantz maͤchtig durch die Zaͤhne raus. 

3. Wenn aber der Geiſt zum meiſten Theil raus iſt, ſo 
of fich erft der herbe und bitter Geiftauf, und inqualiret erft 

binten nach mit dem Worte: er bleibet aber in feinem Sede 

figen, und zarret machtig inder Sylbe Ser hernach. 

94. Daß fich nun der Geiſt im Hergen faffet und fahrt her⸗ 
vor, und macht die Zähne zu, und ziſchet mit der Zungen 
durch die Zaͤhne, bedeutet, daß fich das Hertze GOttes habe 
beweget, und mit feinem Geiſte einen Schluß um fich ge= 
macht, welches iſt die Veſte des Himmels : gleichwie fich die 
Sahne zumachen, und der Geift gebet durch die Zahne; alfo 
auch gehet der Geift aus dem Hergen in die fiderifihe Geburt. 

95. Und gleichwie fich die Zunge mit zum Zifchen Bilder, 
und inqualiret mit dem Geifte, und wallet mit ibme ; alfo bil⸗ 
det fich die Seele des Menſchen mit dem H. Geiſte, und inqua- 
liret mit demfelben , und dringet mit in Kraft deffelden durch 
den Himmel, und herrichet mit im Worte GOttes. 

96. Daß fichaber erſt hinten nach die herbe und bittere 
Dualität aufwecket, und bildet fich hinten nach zum Worte, 
bedeut, daß es zwar alles einkeibift; aber der Himmel und 
der H. Beift, famt dem Hertzen GOttes, hat feinen Sedem 
für fich: und Fan der Teufel famt dem Zorne weder den 9. 
Beift noch den Himmel ergreiffen , fondern es hanget der Teu⸗ 
fel mit dem Zorne inder aufferften Geburtam Worte; und 
hilft der Zorn in der aufferffen Geburt in diefer Welt alles bil- 
den, wasinder Begreiflichkeit ſtehet, gleichwie die herbe und 
bittere Dualität fich hintensnach zum Worte bilden, und in- 
aualiren mit demfelben. 

97. Daß aber der Beift erſtlich alfo über die herbe und bit: 
tere Dualitat gehet unvermercdt, bedeut , daß die Porten 


GOttes uͤberall in dieſer Welt ift, da der H. Geift herrſchet, 


und daß der Himmel überall offen ſtehet, auch mitten in der 
Erden; und daß der Teufelden Himmel nirgends Fan weder 


+ 


ſeehen noch begreifen, fondern er iftein murrender und kirren⸗ 


ber Höllen-Hund , der erff hinten nach kommt, wenn der 9. 
Geiſt Ihm hat eine Kirche und Tempelgebauet, und denfelben 
im Zorne zerſtoͤret, und hanget hinten⸗ nach am Worte, als 
ein Feind, der nicht will, dag ihm % feinem Lande ſoll ein = 
We —3 h pe 


298 ... © »L AURORA. Gap. ar 


pel GOttes gebauet werben, darmit fein Reich möchtege- 
fchmalert werden. 


Das 21. Eapitel. 
Bon dem dritten Tage. 


Summetien. 


MıTage hat Gtt die Erde zufammengetrieben, und den Ten: 

$ N fel aus dem Himmel geftoffen. 6. 124. Die Zieffe ift hell worden. 5. 
Den ꝛten Tag ift zwiſchen Liebe und Zorn eine Kluft gemacht, 

und das Wafler des Nebens vom Waſſer des Todes gefchieden worden. 


6.7. GEottes Geiſt regieret alenthalben in diefee Welt.s. Deren: 


fel war in die Finſterniß gebunden. 9. Des Menfchen Vernunft hat 
nach dem Kal die himmliſche Geburt nicht begreiffen Eonnen. 10. GOtt 
hat nichts neues gemacht, denn es iſt nur ein Einiger GDft.n. ı2. Die 
Erde it von Ewigkeit geweſen, aber nicht fogrob. 13. Lucifer hat den 
Zorn in dieſer Welt erreget: darauf die Ausſpeyung erfolgek. 14. 15. 
m zten Tage ging das Licht in der Finſterniß auf. 16. Ohne EHDttes 
Licht iſt der fiderifche Dienich blind. ı7._ Das Wort iſt nie gar erftorben. 
13. Als das Ficht aufging, Fund das Wort in voller Geburt. 19. Die 
Leiber der Srüchte wurden wegen des Zorns bös und gut, iedes nach 
einer Art, wie es in himmliſcher Dualität gewefen war, 20:22. aber 
gest mit iedifchen Leibern. 23._ Die Fruͤchte waren nicht gans im Zorn. 
24. Wie die Erdemit dem Wort war, fo war die Srucht.25. Die 
fiderifche Geburt mit dem Wort gebieret durch den Tod. 26.27. War: 
um die Früchte einen anderı Leib haben als die Erde, und ihr Schmad 
uͤſſer als der Leib? 28.29. Der Menſch it nicht aus dem Zorn ge- 
macht, er hing ihm an, 30. ergriff aber inden Zorn zuruͤck, fiel in 
Das zormige ſideriſche Theil, und ſtehet nun zwiſchen Himmel und Hölle 
in ffetem Streit. 31734. Dein Geift wird aus deiner fiderifchen Geburt 
geboren. 35. Der Apfel foll wieder ins Paradis geſetzet werden : 36. 37. 
alſo auch des Menſchen Leib, fo ermit Der Liebe inqualirek. 38.39. Die 
ſideriſche Geburt ſtehet in Liebe und Zorn. 40. Das todte Fleiſch iſt ein 
Aas ai. Die fiderifche Geburt gebäret die ſeeliſche 42. Der Menich 
kan mit der Seele im Leibe in GOtt leben. 43. Die Seele in der liebe 
ftehende , ift cin Weſen mit der Liebe; 44. die Geele im Wort er- 
griffen, hat eine offene Pforte im Himmel. 45.46. Der Teufel ift dir 
im Zorntheil nahe: Wache! ib. er reiffet dich aus dem Wort, und 
zundet dir das Zorn: $euer inder Geelen an.47. So du in der Liebe 
ſiegeſt, bleibeft du emig in GOttes Liebe: 48. jo du aber im Zorn blei⸗ 
beh, erreiche du den Himmel nicht. 49. Leib und Geele follen wieder 
zuſammen fommen. 50:54. Go die Geele im Woet bleibet, iſt fie im 
Wort beym Leibe: denn des Leibes Kraft bleibet.s5:60, Man kan 
‚ auf Einmalnicht alles begreiften (darum wirds in andern Büchern bes 
ſchrieben) weil das Rad fich immer umdrehet. 61.64. Die Erde hat 
eben ſolche Duellgeifter, als die Tieffe oder Himmel über der Erden. 65. 
Das todte Fleiſch gehöret nicht zur Geburt des Lebens 66. Die Huͤlſe 
wird nicht wieder auferfiehen. 67, Der Menſch träget des Sohn: 


RF 


 Bap.ar Morgenröthe im Aufgang. 299 
Wohnhaus im Leibe. 68. Die Erde iſt der Frucht Mutter: und des 
Leibes Kind ift die Geele. 69:71. Die 7 Geifter GOttes gebären in der 
Erden,wieim Himmel. 72. Das iſte Principium herbe,bitter , Waſſer 
oder füffe; 73.74. dieſe 3 find ein finfter Thal, ein Urſprung des Zorns, 
Teufels, Tod und Hole, ein ftetes Wuͤten und Würgen : 75.76. da: 
von GOttes Zorn und die Beweglichkeit ihren Urfprung nimt. 77. Die 
herbe iſt Primus, trocknet aus die Suͤſſe, nimt die bittere gefangen 5 
78.79. daraus ſteiget die Angit auf, und gebäret ſich eine Hitze. 80.81. 
Diefen Angſtſchweiß ziehen die andern auf im Streit und Ringen. 82: 
85. Der, Wursel Wachſung inder Erde. 86:88. Das Zorn-Feuer 
iſt in allen; Qualitäten. 89. Sie fünnen kein Licht gebären , denn fie 
zu rauh und ſtrenge find, und das Fette im füllen Waſſer, trodnen und 
ermorden. 90:94. Aus dem Waller wird ein Angſt⸗Schweiß. 95.96. 
Beweis von einer Wurselhisiger Dualifät. 97.98. Wie die himmli⸗ 
fihen Früchte aufgehen. 99.100. Die 7 Quellgeiſter find gefangen, 
nicht ermordet. ion. Die erſten drey gehören zur Bildung des Leibes: 
die andern 3 find umbegreiflih. 102.103. Die erften 3 find erſtarret: 
darum iſt ihre Geburt ein finiter Beib.1047106. GDttes und der Hoͤl⸗ 
len Reich find ineinander. 107. Der Leib wird nach Art der innern 
Geburt formiret 108. it alfo der Leib aut und boͤs, todt und leben⸗ 
dig.109.n0. Wie Krankheiten entiiehen und geheilet werden durch 
die Medicamenten; mi⸗nz. Welhein warme Feuchtigkeiten gethan, 
die Krankheiten benehmen: daraus des Worts Kraft in der Erden zu 
fehen. 147116. Der Zorn iſt des Todes und Teufels Leben. 17. Faß dei⸗ 
ne ſeeliſche Geburt mit dem Lichte inqualiren , jo biſt du wie die ganke 
Gottheit. 13.19. In dir muß es geboren werden, joniten iſt dein Ber 
griffthöricht. 120. 121. Go weit der Galitter angezündet worden, iſt die 

Schöpfung geichehen. 122. In den 6 Tagen haben fich die 7 Quell⸗Gei⸗ 
fter gebildet. 123.(1) Die Herbe,R ald Erde und Stein. 124.125.(2) Die - 
Scheidung des Lichts / M als des groben Waffers von dem ſubtilen, wel⸗ 
es im Lichte GOttes aus dem Tode geboren wird. 1267130. Der 3. Tag 
ift SF, an welchem die Erde angefangen zu grünen. 31:134. GOtt 
iſt in aller Geburt in feinem Himmel verborgen. 135. Die Auflerfte Ge: 
burt fol nicht zuruͤck greiffen. 136. 137. 


SS Bgleich der Geift in den Schriften Mofisdietieffeften 
Geheimniſſe im Buchſtaben hat verborgen gehalten, 
gleichwol ift alles fo gar ordentlich beſchrieben, daß an 

der Ordnung fein Mangel iſt. 

2. Denn als GOtt durchs Worthat Himmel und Erden 
gefihaffen , und hat das Licht von der Finfternig gefchieden, 
und hat jedem Dinge feinen Sedem gegeben, fo hat alsbald ie⸗ 
des feine Geburt und Dualificivung angefangen. —— 

3. Den erſten Tag hat GOtt den verderbten Salitter, wel⸗ 
cher iſt in der Anzundung feines Zorns worden, zuſammen ge⸗ 
trieben, oder durch den ſtarcken Geiſt geſchaffen: denn das 
Dort Schuf heiſt hie eine Zufammentveibung. = 

4. ; 


300 1, AURORA, — Gaparn 
4. In diefer Zufammentreibung des verderbten Zorn⸗Sa⸗ 
litters iſt auch König Lucifer als ein unmachtiger Fuͤrſte mit 
famt feinen Engelnin die Hölle des Zorn-Galitters in den Lo- 
cum, go die aufferliche halbtodte Begreiflichkeit geboren 
mird, getrieben worden, welches ift der Raum zwifchen der 
Natur Goͤttin dem Monden, und der todten Erben. | 
5. As num Diefes geſchehen iſt, fo ift die Tieffe helle worden, 
und hat fich mit dem verborgenen Himmel das Licht von der 
Finſterniß gefchieden, und iſt die Kugel der Erden in dem arof- 
fen Radeder Natur einmal umgemandt gemefen ; und iſt hier- 
. mit die Zeit einer Ummendung oder eined Tages vergangen, 
welches 24 Stunden in ſich halt, | 
6. Die andere Tage⸗ Laͤnge iſt die fcharfe Scheidung ange: 
sangen,und iſt die unbegreifliche Kluft zwiſchen den Zorn und 
zwifchen die Liebe des Lichtes gemacht worden, und iſt König 
Lucifer in dem Haufe der Finfterniß feſte verriegelt , und zum 
endlichen Berichte behalten worden. | 
7. Auch fo ift das Waſſer des Lebens von dem Waſſer des 
Todes gefchieden worden: iedoch minder Geſtalt, daß es in 
diefer Zeitder Welt an einander hange wie Leib und Geele, 
und doch Feines das ander begreiffe s fondern der Himmel,wel- 
cher aus dem Mittel des Waſſers iſt gemacht worden, iffeine 
Kluft zwifchen ihnen,daß alfo das begreifliche Waſſer fey ein 
Tod und das unbegreifliche fey das Leben p 
8. Alſo regieret nun der unbegreifliche Geiſt, welcher iſt 
Gott, allenthalben in dieſer Welt, und erfuͤllet alles: und der 
Begreifliche hanget an ihm, und wohnet in der Finſterniß, und 
kan den Unbegreiflichen weder ſehen, hoͤren, riechen noch fuͤh⸗ 
len; ſondern ſeine Wercke ſiehet er, und iſt ein Zerſtoͤrer der⸗ 


Iben. 

9. Als nun GOtt den Teufel in die Finſterniß gebunden 
durch den Schluß des Himmels, welcher Himmelallenthalben 
an allen Enden ift;fo fing Er wieder an feine wunderliche Ge- 
burt indem 7ten Natur-Geifte,und gebar fich alles wiederum, 
mie es von Ewigkeit gethan hatte. Denn fo fchreibet Moſes: 
Und GOtt fprach : Es laſſe die Erde aufgehen Kraut und 
Gras, das fich befame /und fruchtbare Baume, da einiegliches - 
nach feiner Art Frucht trage, und habe feinen eigenen Samen 
bey ihm ſelbſt auf Erden : und es geſchach alfo. Und die Erde 
ließ aufgehen Gras und Kraut, das fich befamet, ein —— 

m 


Gay.ar. Morgenröthe im Aufgang. 301 
nach feiner Art; und Baume,dieda Frucht trugen, und ihren 
eignen Samen bey fich ſelbſt hatten, ein ieglicher nach feiner 
Art. Und EDtt fahe, daß es gut war: da ward aus Abend 
und Morgen der dritte Tag. Gen. 1:11. 12.13. 

10. Diefes ift zwar gan recht und eigentlich beſchrieben; 
aber der rechte Grund ſteckt im Worte verborgen, und iſt von 
dem Menſchen niemalen verftanden worden. Denn der Menſch 
hat feit der Zeit des Falles niemals Fönnen die innerliche Ge⸗ 
Burt begreifen, wieda ſey die himmliſche Geburt ; fondern ſei⸗ 
ne Bernunftift in der aufferlichenBegreiflichkeit gefangen ges 
legen, und hat nicht können durch den Himmel durchdringen, 
und die intierliche Geburt GOttes fehauen, welche auch ift in 
der verderbten Erden und allenthalben. 

1. Du darfſt alhie nicht denchen, daß GOtt was neues ge⸗ 
macht habe, das vorhin nicht geweſen fey: denn wenn das 
waͤre, ſo waͤre ein anderer GOtt worden; welches doch nicht 
moͤglich iſt. 77 | 

12. Denn auffer diefem Einigen GOtt iſt nicht 3 : denn es 
iſt auch der Hoͤllen PortenTlicht auffer Diefem Einigen GDtt ; 
allein eine Entſcheidung iſt worden zwiſchen der Liebe im Liche 
te, und zwifchen dem angezundeten Zorn inder Finferniß,und 
Fon eines das ander nicht begreiffen, und bangen doch an ein⸗ 
ander alsein Leib. 

73. Der Galitter, daraus die Erde iff morben, der iſt von 
Emigfeit geweſen, und iff in dem 7ten Duellgeiffe geftanden, 
welches iftder Natur-Geift, und die andern 6 haben den 7ten 
immer geboren, und fie find damit umfchloffen, oder als in ih⸗ 
rer Mutterleibe gefangen gelegen, und find des fiebenten Kraft 
und Reben geweſen, gleichwie Die fiderifche Geburt im Steifche. 

14. Als aber König Lucifer den Zorn in dieſer Geburt erre⸗ 
get hat, und mit feinem Hochmuth den Gift und Tod drein 
Bracht bat, fo bat fich in der zornigen Geburt, in der Grimmig- 
Feit oder Stacheldes Todes, folche Erde und Steine geboren. 

15. Aufdiefes ift nun die Ausfpeyung erfolget : denn die 
Gottheit konte folche Geburt in der Liebe und im Lichte GOt⸗ 

tes nicht leiden, fondern der verderbte Salitter muſte auf einen 

Klumpen getrieben werden, und Herr Lucifer mit ihme ; und 

verlofch zuhand dag eingeborne Licht in Dem verderbten Gar 

liter, und wardder Schluß des Himmels zwiſchen den Zorn 

und zwiſchen die Siebe gemacht, auf daß firh nicht mehr ſolcher 

ee 5 Salitter 


3502 :. °. LAURORA. Cap. 21. 
Galitter gebare, und Daß der Himmel den Zornin der äuffer- 
ften Geburt in der Natur in der Finfternig gefangen bielte, 
‚und eine ewige Entfcheidung zwifchen ihnen fey. 

16. Als aber diefes in Tagen vollendet war , fo ging am 
zten Tage das Licht auf in der Finſterniß; und die Finſterniß 
famt ihrem Surften fonte e8 nicht begreiffen : Denn da ging 
aus der Erden auf Gras und Kraut und Baumes; dabey ſte⸗ 
het nun gefchrieben: Einieglichesnach feiner Art. Gen-u: 12. 
77. In dieſem Worte fleckt der Kern der ewigen Geburt 
verborgen, und kan mit Fleifch und Blut nicht ergriffen wer⸗ 

den, fondernder H. Geift muß durch die feelifche Geburt die 
fiderifche im Menſchen anzuͤnden, fonft iſt er bierinnen blind, 

und verftehet nichts ald von Erden und Steinen, und von 
Gras, Kraut und hölßernen Baumen. Alhie ſtehet nun ges 

fchrieben: GOtt fprach : ES lafle die Erde aufgehen Gras 

und Kraut, und fruchtbare Baume. ET 

18. Hiemerde: Das Wort Sprach iſt ein ewiges Wort, 

und iſt vor den Zeiten des Zorng von Emigfeit in diefem Ga- 

litter gemwefen, ald er noch in himmlifiher Form und eben 
fund, und ift auch in feinem Centro nie gar geftorben, fondern 

nur inder Begreiflichkeit. 

. 19. As aber das Licht in der aufferlichen Begreiflichkeit 
oder im Tode wieder aufging, ſo ſtund das ewige Wort in vol- 
ler Geburt, und gebar durch und aus dem Tode das Leben, und 
brachte der verderbte Salitter nun wieder Früchte hervor. 

- 20. Weil aber das ewige Wort mit der Verderbung ins 
Zorn muſte inqualiren, fo wurden die Leiber der Früchte boͤs 
und gut. Dennausder Erden, welche ift im Tode, muſte die 
aufferliche Geburt der Früchte werden ; fo muſte aus der fia 
deriſchen Geburt, welche ſtehet in Liebe und Zorn, der Geiſt 
oder das Leben werden. 

21. Denn alfo ſtund die Geburt der Natur in der Zeit der An⸗ 
zundung und ward alfo in die Erde mit eincorporiret,und mufte 
auch infolcher Geburt wieder aufgeben. Denn eg Pie ge⸗ 
ſchrieben, daß die todte Erde ſoll laſſen Gras und Kraut und 
Saͤume aufgehen, ein iegliches nach feiner Art. | 

22. Das iſt nach Art und Dualitat, wie es von Emigfeit in 
himmliſcher Qualität ‚Art und Form gewefen war. - Denn. 
das heift feine eigene Art,die in Mutterleibe einpfangen iſt, und 
iſt fuͤr Natur⸗Recht fein, als ſein eigen Leben. a 

I 23. Alſo 


Cap.ar. Morgenröthe im Aufgang. 303 
23. Alſo hat auch die Erdefein fremd Leben hervor bracht, 
als das, das von Ewigkeit in ihr gemefen iſt. Gleichmie fie 
vor der Zeit des Zorns hat himmlische Früchte bracht, die da 
Haben een heiligen, reinen, himmlifchen Leib gehabt, und find 
eine Speifeder Engel gewefen ; alfo brachte fie nun auch ießt 
Fruͤchte hervor nach ihrer begreiflichen ‚harten ‚böfen , zorni⸗ 
gen, giftigen, halb-todten Art: denn wiedie Mutter war, alfo 
wurden auch die Kinder. 

24. Richt finddie Früchte der Erden darum gank in Zorn 
GOttes: denn daseingecorporirte Wort, weiches unfterblich 
und unverderblich iſt, das von Ewigkeit iſt indem Salitter 
der Erden geweſen / das gruͤnete wieder in dem Leibe des To⸗ 
des, und brachte Fruͤchte aus dem erſtorbenen Leibe der Er⸗ 
den; aber die Erde hat das Wort nicht ergriffen, ſondern das 
Wort die Erde DEI | 

25. Und wie nun war die gange Erde mit ſamt dem Wort, 
alfo war auchdie Frucht : das Wort aber blieb im Centro des 
Himmels; welcher an diefer Statte auch iff verborgen, und 

ließ die Geburt der 7 Duellgeifter.aus.der aufferften ‚ verderb- 
ten und todten Geburt) den Leib formiren ; und fie blieb als 
das Wort und Hertze GOttes, in ihrem himmliſchen Sede fie 
gen, aufdem Throne der Majeftät, und erfüllete die fiderifche 
und auch todte Geburt, aber ihnen als das heilige Leben gang 
unbegreiflich. EHRT | * 

26. Richt ſolſt du denken, daß Darum die aͤuſſerſte todte 
Geburt der Erden habe ein ſolch Leben durchs aufgegangene 
Wort kriegt, daß ſie nicht mehr ein Tod ſey, und dag in ihrer 
Zrucht nicht der Tod ſey: ‚nein, das kan ewig nicht ſeyn: denn 
was in GOtt einmal todt iſt das iſt todt, und wird in feiner 

‚eigenen Gewalt ewig nicht. wieder lebendig; ſondern das 
Wort, welches mit der ſideriſchen Geburt inqualiret im Theil 
der Liebe, das gebaͤret durch die ſideriſche Geburt durch den 
Tod das Leben. J 

27. Denn du ſieheſt ja wie alle Fruͤchte der Erden was fie 
aus ſich gebieret, verfaulen muͤſſen / und find auch ein Tod. 

28. Daß aber die Fruͤchte einen andern Leib bekommen als 
bie Erde, der da viel kraͤftiger ſchoͤner wolſchmeckender und 
wolriechender iſt, das machts, daß Die ſideriſche Geburt vom 

VWorte die Kraft nimt, und formet einen andern Beib, der da 

ſiehet halb im Tod und halb im Beben, und ſtehet zwifchen der 

Liebe verborgen. | 29. Daß 


29. Daß aber die Früchte auf dem Leibe viel lieblicher , ſuͤſ⸗ 
fer und milder find ‚mit gutem Geſchmacke, dag ift die dritte 
Geburt aus der Erden, nach welcher die Erde wird gereiniget 
werden am Ende diefer Zeit, und wieder in ihren erſten Locum 
gefeßt werden: aber der Zorn wird im Tode bleiben. 

Die freudenreiche Porten der Menfchen. 

30. Giehe ‚fo fpricht der Geift im Worte, der da iff dag 
Herge der Erden, der da aufgehet in feinem Himmel im hellen 
Blige des Lebens, mit dem mein Geiſt in feiner Erkentniß in« 
aualiret, und durch den ich diefe Worte fchreibe: Der Menfch 
iſt aus dem Samen der Erden;aus einer zuſammen corporir= 
ten Maſſen gemacht, [„verftebe-aus der Erden Matrix, da 
„das Augezweyfach ift, als eines in GOtt und eines in 
„dieſe Melt, aus 3 Principien; ] und nicht aus dem Zorne, 
fondern aus der Geburt der Erden, als ein König: oder‘ Hertze 
der Erden, und ſtund in der ſideriſchen Geburt im Theil der 
Liebe ; aber der Zorn hing ibm an, den folte er von fich gebären, 
wie die Frucht die Bitrerkeit des Baumes von fich gebaret. 

31. Und das thate er nicht. ; fondern griff zuruͤcke aus der 
Liebe in Zorn, und ließ fich nach feiner todten Mutter gelüften, 
davon zu effen und ihre Bruft zu fangen, und auf ihrem 
Stamme zu ffeben. iin — —— | 

32. Nun wie er rang,fogelang es ihme auch : der hat fich 
mit feiner aufferffen Geburt in Tod feiner Mutter bracht , und 

mit feinem Reben aus der Liebe in das Theil’ der zornigen Tide: 
rifchen Geburt. Rn ar 

33. Dafteheter nun zwiſchen Himmel und Höledem Teu⸗ 
-  felim Uugenfcheine in feinem Reiche, wieder welchen der Teu⸗ 
fel ſtets krieget und ffreitet, ihn entweder aus feinem Lande zu 
verbannen indie Erde, oder ein Kind des Zorns in der Höllen 
aus ihm zu machen. | \ 
34. Was iſt nun feine Hoffnung? Siehe du blinder Heide, 
fiehe du Schrift-Zerrer und Dehner, thue deine Augen weit 
auf, und fehäme dich nicht vor diefer Einfalt: denn GOtt 
liegt im Centro verborgen, und iſt noch viel einfältiger, aber du 
ſieheſt Ihn nicht. — 

5. Siehe dein Geiſt ober deine Seele wird aus deiner ſide⸗ 
Geburt geboren, und iſt die dritte Geburt in dir, gleich⸗ 
wie der Apfel auf dem Baum die dritte Geburt von der Erden 
iſt, und fein Gewaͤchs nicht in ber Erben bat, fonbern Ei * 


Gay. Morgenroͤthe im Aufgang. 305 
Erden : fo er num ein Geiſt wäre wie deine Seele, fo wuͤrde er 
fich die Erde wol nicht mehr binden laflen zu verderben. 

36. Das folft du aber wiffen, das der Apfel auf feinem 
Stamme gleichwol mit feiner innerften Gehurt mit dem Wort 
GOttes inqualirer, durch welches Kraft er ift aus der Erden 
gewachſen. Weilaber der Zorn in feiner leiblichen Mutter 
ift, fo kan ſie ihn nicht aus der begreiflichen Geburt fegen; fons 
Be er muß mit feinem Leibe in der BegreiflichFeit im Tode 

eiben. IR J— | 

37. Wer in feiner Kraft, in welcher fein Leben ſtehet, mit 
welcher er mit dem Worte GOttes inqualiret, wird er am 
Süngften Tage in feiner Mutter ‚in Kraft des Worts, wieder 
in feinen bimmlifchen Locum gefeget, und von der zornigen 
und todten Begreiflichkeit gefchieden werden, und im Himmel 
biefer Welt aufgehen in himmlifcher Form , und eine Frucht 
feyn der Menfchen in jenem Leben. Alhie verfteher: die 
„Araft des Principii, daraus der Apfel und alles wächfer, 
„follinder Renovation der Welt wieder im Paradis grüs 
„nen mit den Wundern.] 


38. Weildu aber biff aus dem Samen der Erdengemaht 


im Worte, „ROTHE ERDE iſt Feuer und Waſſer, mit 
„dem Verbo FIAT gefafler aus der Erden Matrix: alsaber 
„der Menſch in die Erde imaginirete, ward er — 5* 
und haft deinen Leib wieder zuruͤcke in die Mutter geſetzt, fo if 
dein Leib auch ein begreiflich todter Leib worden, mie deine 
Mutter y - Und dein Leib hat die Hoffnung, wie die Erde ſei⸗ 
ne Mutter, daßer wird am Juͤngſten Tage in Kraft des Worte 
wieder infeinenerften Locum gefeget werden. 

39. Weil aber deine fiderifihe Geburt alhie auf Erden im 
Zorn ftehet, und inqualiret mit der Liebe im Worte , gleichmwie 
die Frucht auf den Baume ; (denn die Kraft der Frucht inqua⸗ 
liret mit dem Worte) foftehet deine Hoffnung in GOtt. | 

40. Den die fiverifche Geburt ſtehet in Liebe und Zorn: 
und deß Fan fie fich in diefer Zeit nicht benehmen von wegen der 
aufferften Geburt im Fleifthe; welche im Tode ſtehet. 

4u. Denn das todte Fleiſch hat die fiderifche (Geburt) um⸗ 
fangen : und iſt des Menſchen Sleifch ein todt Aas, weil ed 
noch im Mutter⸗beibe iſt und mie der Höfen und GOttes Zorn 


42. Nm aber gebaret bie ſideriſche G wurt die —— 


306 1. AURORA: G&apan 


Kfeelifche,) als die dritte, welche im Worte ffehet, da das Wort 
eingecorporiret im Centro verborgen lieget in feinem Himmel. 


ar 
\ 


[„Der Sulphur zur Seelen iſt das erfie Principium in dem 


„ewigen Willen-Geifte, und kommt im dritten Principio 
„zum Zeben: lebet alfo zwiſchen Kiebe und. Zorn, und 
„bänget an beyden.] "yralg DIE 

43. Weil du aber num deine Vernunft haft, und bift nicht 
wie der Apfelauf dem Baume, ſondern biſt zu einem Engel und 
GOttes Ebenbilde an der verſtoſſenen Teufel Stelle geſchaf⸗ 
en, und weiſt, wie du kanſt mit deiner ſideriſchen Geburt im 


Theil der Liebe mit dem Wort GOttes inqualiren; fo kanſt du 
deine animaliſche Geburt im Centro in das Wort im Himmel 


fegen, und kanſt mit deiner Seelen mit lebendigem Leibe in 
diefer todten Begreiflichkeit mit GOtt im Himmel herefchen. 
44. Denn dag Wort iſt in deinem Hergen, und inquali⸗ 
vet mit der Seelen als ein Wefen : und fo deine Geele in der 
Liebe ſtehet, fo iſt es auch ein Weſen, und magft fagen, daß du 
deiner Seelen nach im Himmel figeft; und lebeſt und herrſcheſt 
mit GOtt. [„Verſtehe nach dem Geifte der Seelen mit 

„ver Bildniß aus dem feelifchen Feur.] | 
45. Denn die Seele,melche dag Wort ergreiffet, die hat ei- 
ne offene Portenim Himmel, und Fan von nichts gehalten wer⸗ 
den ; auch fo ſiehet fie der Teufel nicht, denn fie ift nicht in ſei⸗ 
nem Lande, SER TR Ehe 
46. Weil aber deine fiderifche Geburt mit dem einen 
Theilim Zorne, und das Fleiſch durch den Zorm im Tode ſte⸗ 
het, fo fieher dir der Teufel im Theil des Zorns ſtets bis in 
dein Herg hinein ; und laffeft du ihm Raum, foreift er dir das 
Theil der fiderifchen Geburt, welches in der Liebe ſtehet, aus 

dem Worte. | ee Na 
47. Alsdenn iſt dein Herge ein finfter Thal :..arbeiteft du 
nicht bald wieder zur Geburt des Lichts fo zuͤndet er dir dag 
Zorn-Feuer drinnenan ; alsdenn wird deine Seele aus dem 
orte ausgeipeyer, und inqualiret mit dem Zorn GOttes; 
and du biſt hernach ein Teufel, und nichrein Engel, und fan 
mit Dt animalifihen Geburt nicht Die Porten des Himmel 
erreichen. J at ET 
48. Soduaber mit dem Teufel ftveiteft, und behaͤlteſt die 
Norten der Liebein deiner fiderifchen Geburt, und faͤhreſt alſo 
dem Leibe nach von binnen s ſo bleibet deine — 8 
9 em 


s 


- 


rer Mutter dem Leibe nach der —— in der Er⸗ 
2 


Cap. 2i. Morgenroͤthe im Aufgang. 307 
dem Teufel gang verborgen, und herrſchet mit GOtt bis an 
Tag der Wiederbringung (deffen) was verloren iſt. 

49. So du aber im Zorne ſteheſt mit deiner fiderifchen Ge⸗ 
Burst, wenn du dem- Leibe nach von binnen faͤhreſt, und deine 
Seele nicht ind Wort gefaffet iſt; foerreicheff du die Porten 


des Himmels ewig nicht, fondern wo du deinen Samen, bag iſt 


deine Geele, hingeſaͤet haft, in demſelben Theil wird auch der 
Leib aufftehen. 


Die Porten der Kraft. 


505 Daß ſich aber Leib und Geele werde wieder zufammen 
finden am Tage der Auferftehung, ſieheſt du alhie an der Ge⸗ 
burt der Erden. Denn der Schöpfer fprach : Es laffe die 
Erde aufgehen Gras, Kraut und fruchtbare Baume ‚ein iegli- 
ches nach feiner Art; da ging ein iegliches nach feiner Arc 
aufund gruͤnete: und wie es vor der Zeitdes Zorns hatte eis 
nen himmlischen Leib gehabt, fo Friegete es nun einen wdifchen 
nach feiner Mutter, Gen. 1: II. | 

51. Das iſt aber zu bedencken, wie alles in dem aroffen Auf- 
ruhr des Teufels iſt ins Wort eingefaft geweſen, daß alles iſt in 
feinem eignem Wefen nach feiner Kraft und Art aufgangen, 
als ware es nie zerfföret, fondern nur verandert worden. 

52. Iſt es nun zu der Zeit gefihehen ‚da folch Morden und 
Rauben iſt gemefen, fo wird es am Juͤngſten Tage vielmehr 
geſchehen, wenn fich die Erde im angezundeten Zorn-Feuer 
wird fiheiden, und wieder lebendig werden: fo wird fie ja 
freylich ins Wort der Liebe ſeyn eingefaft, gleichwie fle in dem⸗ 
ſelben Worte alhie hat ihre Frucht geboren von Gras und Kraut 
und Baͤumen, ſowol allerley Ertz von Silber und Gold. 

53. Weil aber die ſideriſche Geburt der Erden in der Liebe 
ſtehet, und die äufferliche im Tode, ſo wird auch ein iedes in 
feinem Sede bleiben, und fich Leben und Tod fcheiden. - 

54. Wo wolte nun die Seele des Menſchen am Tage der 
Wiedergeburt wollen lieber feyn als in ihrem Vater, das ift,in 
dem Leibe, der fie geboren hat. | 55 

55. Weil fie aber dieſe Zeit, weil der Leib iſt im Tode gewe⸗ 
fen, ft im Worte verborgen blieben, und daſſelbe Wort auch 


_ bie Erbehalt in der fiderifchen Geburt in der Liebe ‚fo inquali⸗ 


ret fie auch durchs Wort die Zeit ihrer Verborgenheit mit ib- 


den, 


308; I, AURORA, ,  Gapar, 
den, und ift Leib und Seele in dem Worte nie von einander ge- 
fchieden, fondern leben zugleiche in GOtt. ER 
56. Und obgleich der thierifche Leib muß verfaulen , noch 
lebet feine Kraft, und wachſen aus feiner Kraft derweil in feie 
ner Mutter fehöne Röslein und Bluͤmlein; und ob er gleich 
im Feuer verbrant wäre, fo ftehet feine Kraft doch.in den 4 
Elementen im Worte, und inqualivet die Seele mit Ihm: denn 
die Geele ift im Himmel, und derfelbe Himmel iftuberall, auch 
mitten in der Erden. | m ar Ye 
57. Menſch, in diefem Spiegel beſiehe Dich derweil, bey 
der Schöpfung des Menfchen wirft du es ausfuhrlicher fin: 
den zulefen: dieſes fege ich dir nur hieber aus den Urfachen; 
daß du die Kraft der Schöpfung möchteft beffer verftehen, 
und daß du dich in diefen Beift lerneſt defto baß ſchicken/ und 
feine Sprache erlerneft. | 2 sarrist ame Make 
Die offene Porten der Erden 
58. Nun möchte einer fragen: Aus waſſerley Materia oder 
Kraft ift dann das Gras, Kraut und Baume herfür gangen? 
wie hats doch eine Subſtantz und Gelegenheit mit dieſem Ge- 
ſchoͤpfe? Der Einfaͤltige ſpricht: GOtt hat alles aus 
Nichts gemacht ; er kennet aber denſelben GOtt nicht, und 
weiß nicht, was Er iſt: wenn er die Erde anſiehet mit ſamt 
der Tieffen uͤber der Erden, ſo dencket er: das iſt nicht GOtt, 
oder da iſt nicht SOtt. Er bildet ibm allezeit fir, GOtt wohne 
allein über dem blauen Himmel der Sternen, und regiere etwa 
mit einem Geiſte der von Ihm ausgehe in dieſer Welt ſein 
Corpus ſey nicht hie auf Erden, und in der Erden gegenwärtig. 
59. Solche Meinunge habe ich in der Doctoren Bucher und 
Schriften geleſen: und eben darum iſt auch ſo vielerley Mei⸗ 
nung und Zanck unter den Gelehrten entſtanden. 
60. Weil mir aber GOtt die Porten feines Weſens in ſei⸗ 
ner groffen Liebe eröffnet, und dencker an den Bund, den Er 
mit dem Menfchen hat, fo mill ich ale Porten GOttes gang 
treulich und ernfllich nach meinen Gaben eröffnen und auf; 
fihlieffen, fo weit. mir GOtt zulaſtftt. 
61. Nicht alfo zu verftchen , daß ich Diefen Dingen machtig 
genug fey, fondern fo viel ich begreiffenfan. Denn das Wer 
fen GOttes ift wie ein Rad, da vielRader quericht,, über ſich 
und unter fich in einander gemacht find , und fich immer mit 
einander ummenden : da man zwar dns Rad ſiehet io 
! j 


GCap.ar. MorgenrötheimAufgang. 2309 
fich hoch verwundert, und doch auf einmal in ſeiner Umwen⸗ 
dung nicht erlernen noch begreiffen fan; fondern je mehr man 
das Rad anfichet, jemehr erlernet man feine Geſtalt; uud je 
mehr man lernet, je gröffere Puff hat man zudem Nade: denn 
man fiehet immer was wunderbarliches, und Fan fich ein 
Menfch nicht genug fehen und lernen. 

62. Alfo auchich, wasichan einem Orte nicht genug be- 
fehreibe von diefer groffen Geheimniß, das wirft du am andern 
finden : und was ich in diefem Buche nicht Fan befchreiben 
von wegen der fange und meiner Inbegreiflichfeit, das folt du 
in dem andern nachfolgenden finden. j 

63. Denn dieſes Buch ift das erfte Semachfe dieſes Zweig⸗ 
leing, das da geimet im feiner Mutter; gleichwie ein Kind, 
das da lernet gehen, und Fan nicht bald fehr lauffen. 

64. Denn obgleich der Geiſt das Rad fieher, und will feine 
Geſtalt an iedem Drte begreiffen, fo fan er. doch nicht genug⸗ 
fan von wegen Des Rades Umwendung: wenn aber Das wie⸗ 

derum kommt, daß er feine erfte gefafte Geſtalt mieder fiehet, 
fo lernet er immer was mehr, und wird dem Nabe immer gun⸗ 
fliger, und liebet daffelbe. & 

65. Nun merke: Die Erde hat eben folche Dualitaten 
und Duellgeifter, wie die Tieffe uber der Erden, oder mie Die 
Himmel, und gehöret alles mit einander zuſammen zu einem 
Leibe; und der gange GOtt iſt derfelbe einige Leib: daß du 
Ihn aber nicht ganslich ſieheſt und kenneſt, das iſt der Gun: 
den Urfache, mit welcher du in diefem Goͤttlichen groffen Leibe 
im todten Fleifche verfchloffen liegeft ; und iſt dir die Kraft der 
Gottheit verborgen, gleichwie das Marek in den Beinen dem 
Sleifche verborgen iſt. So du aber im Geifte durchbrichff 
durch den Tod des Fleiſches, fo fieheft du den verborgenen 
GOtt. Gleichwie das Marek in den Beinen durchbricht,ugd 
gibt dem Fleifche Kraft und Stärde, und das Fleiſch kan 
doch nicht das Marek ergreiffen, fondern nur feine Kraft; alſo 
auch du kanſt die verborgene Gottheit nicht im Sleifche feben, 
fondern du empfaͤheſt feine Kraft, und verfteheft darinnen, daß 
GOtt in dir wohnet. 

66. Denn das todte Fleiſch gehoͤret nicht in die Geburt des 
Lebens, daß es das Leben des Lichts eigenthumlich empfahe; 
ſondern das Leben des Lichts in GOtt gehet in dem todten 
Fleiſche auf, und gebaͤret Some aus dem todten Fleiſche ai 

J andern 


310 1. AURORA: Gap. 
andern bimmlifchen und lebendigen Leib, melcher das Licht 
Fennet und verftehet. ER | 

67. Denn diefer Leib ift nur eine Hulfe, daraus der neue 
Leib waͤchſet, [Der neue Leib wächfer aus der himmli⸗ 
„ſchen Wefenbeit im Worte, aus dem Sleifche und Blute 
„Chrifti, aus dem Myfterio des alten Zeibes.,, ] gleichwie 
mit dem Weitzen⸗Korne in der Erden; die Hulfe aber wird 
nicht wieder aufftehen und lebendig werden, gleichwie auch 
am Weißen nicht gefihicht, ſondern wird ewig im Tode und in 


der Höfen bleiben. | 
68. Darum träget der Menſch des Teufels ewig Wohn- 
haus albie auf Erden in feinem Leibe mitfich. Du magſt mol 
darmit prangen, du ſchoͤne Goͤttin, und magſt den Teufel der: 
weil in Die neue Geburt zugafteladen, es wird dir viel Mugen 
schaffen ; ſchaue zu, daß du nicht einenneuen Teufel gebaͤreſt, 
der in feinem eignen Haufe bleibe. 

69. Schaue die Geheimniß der Erden an; wie fiegebäres, 
fomuftdunuchgebaren. Die Erde iſt nicht der Leib, der her⸗ 
aus waͤchſt, ſondern ſie iſt deſſelben Leibes Mutter; gleichwie 
auch dein Fleiſch nicht iſt der Geiſt, ſondern das Fleiſch iſt des 

Geiſtes Mutter. 

70. Run aber ſtehet in beyden, in der Erden und auch im 
deinem Fleiſche, das Licht der klaren Gottheit verborgen, und 
bricht durch, und gebaͤret ihm einen Leib nach iedes Leibes Art, 
dem Menfchen nach feinem Leibe, und der Erden nach ihrem 
Leibe: denn wie die Mutter ift, fo wird auch das Kind. Des 
Menſchen Kind ift die Seele, die wird aus der fiderifchen Ge- 
kurt aus dem Sleifche geboren ; und der Erden Kinder find 
Gras, Kraut, Baͤume, Silber, Gold, allerley Er. 


71. Nun fprichft du: Wie foll ich mich dann in die Geburt 
der Erden fihicken, Daß ich was verſtehe? Siehe, die Geburt 
der Erden ſtehet in ihrer Geburt, gleichwie die gange Gottheit, 
und iſt gar kein Unterfcheid, als nur die Berderbung im Zorne, 
Darinnen die Begreiflichkeit ſtehet; das iſt allein der Unter: 
feheid, und der Tod zwifchen GOtt und der Erden. 

72. Dufolft wiſſen, daß alle 7 Geiſter GOttes in der Er: 
den find und gebaren, gleichwie im Himmel: denn die Erde 
iſt in GOtt, und GOtt iſt niegeftorben, fondern die aufferffe 

Geburt iſt todt, darinnen der Zorn ruhet, und wird König — 
ciifern 


een W 
We 


Gap. Morgenröthe im Aufgang. am 


eifern zu einem Haufe des Todes und der Finfterniß, und zu 
einer ewigen Sefangniß vorbehalten. / 


Don den 7 Geiftern GOttes und ihrer Wirz 


ckung in der Erden. - — 
73. Erſtlich iſt der herbe Geiſt, der zeucht in der ſideriſchen 
Geburt der 7 Quell⸗Geiſter in der Erden eine Maſſam zuſam⸗ 
men durch Unzundung der obern Geburt über der Erden, und. 
vertrocknet diefelbe mit feiner feharfen Kalte: gleichwie er 
das Waffer zufammenzeucht,und macht Ei draus, alfo zeucht 
er auchdas Waſſer inder Erden zufammen, und macht eine, 
trockene Maſſam draus. | 


74. Hernach fo iſt der bittere Geiſt, welcher im Feuer-⸗Blitz 
entftchet, auch in ber Materia oder Maſſa: der Fan nicht leiz 
den, daß er gefangen fey im Vertrockneten, fondern er reibet 


fich mit dem herben Geiffein der vertrocfneten Maſſa, bis er 


das Feuer anzuͤndet; wenn num dis gefchicht, fo erfchrickt der. - 


bittere Beift, und Frieget fein Leben. 4J 
75. Nim hie dis recht ein: In der Erden kanſt du auſſer 
den Kräutern oder Metallen nichts ſpuͤren noch finden, als 


Herbe und Bitter und Waffer : nun ift aber das Waffer füffe 


darinnen, den andern zweyen gang zumieber. | 
76. Auch ſo iſt es dͤnne, und die andern beyde harte, rauh 


und bitter, und iſt immer eines wieder Daß ander: iſt derowe⸗ 


gen ein ſtetiges Wuͤrgen, Kaͤmpfen und Ringen; aber in Die- 
ſer dreyer Wuͤrgen ſtehet noch nicht das Leben, ſondern ſie ſind 
ein finſter Thal, und find drey Dinge, die ſich nimmer mit ein 
Ti vertragen, fondern es iſt an ewiges Wurgen unter 
ihnen. aan * Wa 

.77. Und davon nimt die Beweglichkeit: ihren Urfprung : 
auch ſo nimt GOttes Zorn, welcher im Berborgenen ruhet, 
davon feinen Urfprung ; auch fo ift der Urſprung des Teufels, 
des Todes und der Höllen davon entffanden, wie du davorne 
beym Falle des Teufels Fanft leſen. | 

Die Tieffe im Centro der Geburt, 

78. Wenn fich nun die 3 Dinge, als Herbe, Bitter und 
Suͤſſe, alſo miteinander veiben, fo wird die herbe Qualitaͤt 
Primus: denn fieift die fFarckefte, und zeucht mit Gewalt die 
füffe zufaınmen ; denn die füffeift fanfte und ausdehnend von 
wegen ihrer Weiche, and muß fich gefangen geben: | 
RT! Ne 79. Bent 


312. WAURORA. Capet. 
79. Wenn nun das gefchicht, ſo wird die bittere mit gefan- 
gen in dem Leibe des füffen Waffers, und wird mit eingetrock⸗ 
net: alsdann ift Herbe, Süffe und Bitter ineinander, und 
wuͤrget ſich fo ffrenge in der vertrockneten Maſſa, bis die Maſ 
ſa trocken wird; denn die herbe Qualitaͤt zeuchts immer tro⸗ 
ckener zuſammen. 

80. Wenn ſich aber das ſuͤſſe Waſſer nicht mehr kan weh⸗ 
ren, ſo ſteiget die Angſt in ihm auf, gleichwie im Menſchen, 
wenn er ſtirbet, daß ſich der Geiſt vom Leibe ſcheidet, und fich 
* Leib dem Tode gefangen gibt; alſo gibt ſich das Waſſer 
gefangen. | 

gr. Und in demſelben Angſtaufſteigen gebaͤret fich eine 
Angft-Hige, dadurch ein Schweiß dringet, gleichwie durch 
einen frerbenden Menſchen: und derfelbe Schweiß inaualiret 
mit der herben und bittern Dualitat, dent e8 ift ihr Sohn, 
den fie aus dem füflen Waffer geboren haben, als fie das haben 
ermordet und zum Tode bracht. 

82. Wenn nun das gefchicht, fo freuen fich Die berbe und 
bittere Qualität in dem Sohne, verftehe in dem Schweiſſe, 
undeinieder gibt ihm feine Kraft und Leben, und fragen ein in 
ihn, gleichwie in ein geißig Farckel, daß ſie ihn bald groß zie— 
ben. Denndie berbe Qualität, ſowol auch die bittere, ziehen 
immer den Saft aus der Erden, und füllen ihn in den jungen 


ob, 

83. Der Leib aber, der aus dem füllen Waſſer erfklich ward 
zufammen gezogen, der bleibet erftorben, und hat nun der 

chweiß des Leibes, melcher mit der herben und bittern Qua⸗ 
lität inqualiret, das Haus innen, und breitet fich da aus, und 
wird seh fett und geil. Ben 

84. Nun aber Fönnen die 2 Dualitaten, ald herbe und bit: 
ter, ihren Zanck und Wiedermillen nicht laffen, fondern fie 
ringen fletö miteinander. Die herbe iſt ſtarck; ſo iſt die bit: 
tere geichminde, 

8. Wenn nun die herbe nach der bittern greift, fo fpringt . 
bie bittere beyfeit, und nimt des Sohnes Gaft mit: alddann 
bringet ihr die herbe uberall nach, und will fie gefangen neh: 
men, foreift dann bie bittereaus dem Leibe, und dehnet fich fo 
weit ala ſie kan, : 

86. Alsdann, wenn der Leib zu enge wird, daß fie ihn nicht 
mehr Fan ausdehnen, und ber bittere Zanck zu sroß ſowe 

| i 


 Sap.ar, Morgenröthe im Aufgang. 13 


fich die bittere gefangen geben. Doch Fan die herbe die Bittere 
nicht ermorden, fondern halt fie nur gefangen, und ift der 
Streit alfo groß in ihnen, daß die bittere noch zaßlich aus dem 
Leibe bricht, und nimt den Leib ihres Sohnes mit. 

87. Diefesift nun die Wachſung und Zuſammen⸗corpori⸗ 
—— Leibwerdung einer Wurtzel, wie die in der Erden 
wird. | 

88. Nun ſprichſt du: Wie fan in diefer Geburt GOtt 
ſeyn? Siehe, das ift die Seburt der Natur: fo nun in diefen 
drey Qualitäten, ald Herbe, Bitter und Güffe, nicht das ange: 
zundete Zorn⸗Feuer wäre, fo folteft du mol fehen, wo GOtt 
wäre. 

- 89. Nun aber ifFdasZorn-Feuer in allen dreyen: denn die 
Herbe ift viel zu kalte, und zeucht den Xeib viel zu harte zufame 
men; fo ift die Suͤſſe viel zu dicke und finfter, welche die herbe 
bald ergreift, und halt fie gefangen, und vertrocknet fie zu fehr; 
fo iſt die Bittere viel zu ſtachlicht, mörderifch und wuͤtende, 
und Eönnen nicht der Sachen eines werden. 

90. Sonſt wenn die Herbe nicht alfo harte im Falten Feuer 
angezündet wäre, und das Waſſer nicht fo diefe ware, und die 
Bittere nicht fo erheblich und mörderifch, fo Fönten fie das 
Feuer anzünden, davon das Licht entſtuͤnde, und aus dem Licht 
die Liebe, und aus dem Feuer-Bliß der Ton: dann wuͤrdeſt du 
wol ſehen, ob alda nicht würde ein bimmlifcher Leib feyn, dar- 
innen das Licht GOttes würde feheinen. | | 

gr. Weil aber die Herbe zu Falt iff, und vertrocknet das 
Waſſer zufehr, fo nimt fiedas higige Feuer in ihrer Kälte ge- 
fangen, und ermordet den Leib des ſuͤſſen Waſſers; auch fo 
nimt fie die Bittere gefangen, und vertrocknet fiemit. 

92. In dieſer Vertrocknung wird nun das Fette im füllen 
Maffer ermordet, in welchem fich das Feuer anzuͤndet, und 
wird aus demfelben Fette ein herber und bitter Geiſt. Denn 
wenn das Fette im ſuͤſſen Waffer erffirbet ‚fo verwandelt ſichs 
in einen Angſtſchweiß dariñen die herbe und bittereinqualiren. 

93. Nicht ifts alfo gemeinet, daß das Waſſer gang eriterbe: 
nein, da8 kan nicht ſeyn; fondern der herbe Geift nimt die 
Suͤſſigkeit oder des Waſſers Fertigkeit infeinem kalten Feuer 
—— inqualiret mit demſelben, und brauchts zu ſei⸗ 
nem Geiſte. 

94. Denn ſein Geiſt iſt gantz erſtarret und im Tode, ſo 

| | Us braucht 


314 0% MIAURORAL "apa 
braucht er nun das Waſſer zu feinem Leben, und zeucht ihm 


feine Settigfeit aus, und nimt ihm feine Macht. 

95. Alsdann wird aus dem Wafler ein Angſt⸗Schweis, 
welcher zwifchen Tod und Leben ſtehet, und Fan fich das Feuer 
der Hige nicht anzunden. Denn das Fette wird im kalten 


Feuer gefangen,und bleibet der gantze Leib ein finfter Thah 


welcher in einer ängfklichen Geburt ffehet, und kan dag Leben 
sicht ergreifen. | 

- 96. Denn das Reben, welches im Lichte ſtehet, kan fich in 
dem harten, bittern und berben Leibe nicht erheben : denn es 
ift in dem Falten Feuer gefangen, aber nicht gar erfforben. 

97. Denn du ficheft, daß diefes alles wahrhaftig iſt. Nim 
eine Wurtzel, dieder Hitze Qualitaͤt if, und thue fie in warn 
Waſſer, oder nim fie ing Maul, und mache fie warm und feuch⸗ 
te, fo wirſt du bald ihr Reben fehen, wie fie wird operiren und 
wircken: meil fie aber auffer der Hiße ift, foift fie im Tode ge- 
fongen, und iff Fakt wie eine andere Wurgelsder Hols. 

98. So ſieheſt du auch woh daß der Leib an der Wurtzel 
todt iſt: denn wenndie Kraft and der Wurgel ift, fo iſt der 
Leib ein todt Haas, und Fan nichts wircken. Das macht es 
nun, daß der herbe und bittere Geiſt haben den Leib des Waſ⸗ 
ſers ermordet, und die Fettigkeit zu ſich gezogen, und haben 
ihren Geiſt in dem todten Leibe aufgezogen. 

99. Sonſt wo das ſuͤſſe Waſſer koͤnte ſeine Fettigkeit in ei⸗ 
gener Gewalt behalten, und daß ſich der herbe und bittere 
Geiſt fein ſanfte in dem ſuͤſſen Waſſer miteinander rieben, ſo 

-sundeten fie das Fette in dem fuͤſſen Waffer an; fo wuͤrde ſich 
zuhand in dem Waſſer das Licht gebaͤren, und wuͤrde die herbe 
und bittere Qualitaͤt erleuchten. 

100. Davon würden fie ihr recht Reben bekommen, und 
wuͤrden fich an dem Lichte begnügen laffen, und fich darinnen 
hoch erfreuen : und von derfelben bebendigen Freude ging die 
Liebe auf, und erhub ſich im Feuer⸗Blitz, durch Aufſteigen der 
bittern Qualität in der herben der Ton: wenn nun dag ge: 
— ſo waͤre es eine himmliſche Frucht, wie ſie im Himmel 
aufgehet. 


101. Du ſolſt aber wiſſen, daß die Erde alle ſieben Quell⸗ 


geiſter hat: denn durch die Anzuͤndung des Teufels ſind die 
Geiſter des Lebens mit in Tod eincorporiret, und gleichwie ge⸗ 
fangen worden, aber nicht ermordet. — « — 

a 102. Die 


Cap.ꝛu. Morgenroͤthe im Aufgang 315 

102. Die erſten 3. als Herbe, Suͤſſe und Bitter, gehören 
zur Bildung des Corpus; und darinnen ſtehet die Beweglich- 
feit undder feib: die haben nun die Begreiflichkeit, und find 
die Geburt der äufferffen Natur. 

103. Die andern 3. als Hiße, Liebe und Ton, ſtehen in der 
Unbegreiflichkeit, und werden aus den erſten gen geboren: und 
das iſt nun die innerliche Geburt, mit welcher die Gottheit 
inqualiret. 

104. So nun die erſten 3 nicht im Tode erſtarret waren, 
daß fiefönten die Hitze anziinden, fo wuͤrdeſt du bald einen lich- 
ten, bimmlifchen Leib fehen, und wuͤrdeſt wol ſehen, mo GOtt 
waͤre. 

105. Weil aber die erſten 3 Qualitaͤten der Erden im Tode 
erſtarret find, fo bleiben fie auch ein Tod, und koͤnnen ihr Le— 
ben nicht ing Richt erheben; fondern bleiben ein finfter Thal, 
in welchem GOttes Zorn der Tod und die Hölle ſtehet, fo wol 
auch die ewige Gefaͤngniß und Duaal des Teufels. 

106. Nicht find diefe 3 Qualitaͤten von der äufferffen Ge 
burt, in welcher das Zorn=Feuer ſtehet, bis auf die innerſte 
vermorfen, fondern nur der aufferliche begreifliche Leib, und 
darinnen die Aufferliche hoͤlliſche Quaal. 

107. Alhie fieheft du num abermal, wie GOttes und der 
Höllen Reich an einander haͤnget als ein Leib, und kan doch ei- 
nes das ander nicht begreiffen. Denn die andere Geburt, alg 
Hitze, Licht, Liebe und Schall, iſt in der aufferffen verborgen, 
und macht die Aufferliche beweglich, daß fich die aufferliche zu⸗ 
fammen raffet, und gebäret einen Leib. 

108. Ob gleich nun der Leib in der äufferlichen Regreiflich- 
£eit ftchet, fo wird er doch nach der Are ber innern Beburt for: 
miret: denn in der innern Geburt frebet das Wort, und das 
Wort iſt der Schall, welcher im Feuer⸗Blitze im Lichte durch 
die bittere und herbe Qualitaͤt aufgehet. 

109. Weil aber der Schall des Worts GOttes muß durch 
den herben, bittern Tod aufgehen, und im halb-todten Waſſer 
einen Leib gebaͤren, ſo wird derſelbe Leib auch boͤſe und gut, todt 
und lebendig: denn er muß den Saft der Grimmigkeit und 
den Leib des Todes bald an ſich ziehen, und in ſolchem Leibe 
und Kraft ſtehen wie die Erde, die Mutter. 

uo. Daß aber das Leben unter und indem Tode der Erden 
verborgen liege, fo wol auch inder Erden Kindern, willich dir 
hier beweifen. uu.Gies 


316 I. AURORA, . ° &ap.ar. 

ı. Siehe, der Menfch wird fiech und kranck; und fo ihm 
nicht gerathen wird, gerath er in Tod durch ein bitter und ber: 
bes Kraut, das aus der Erden wächft, oder auch durch eim 
boͤs toͤdtlich Wafler, oder mancherley Kraut der Erden, fomol 
auch durch ein boͤs Fleiſch oder Eckel deflelben. 

ı2. So aber nun ein kluger Artzt iff, und erforfcher von 
dem Rranden,movon ihm der Schade ift entſtanden, und nimt 
diefelbe Urfachen der Krankheit, es fey gleich Fleifch, Kraut 
oder Waffer, und difkilirets oder brennets zu Pulver, nach- 
dem die Materia iſt das ſichs fehicket, und brennet ihm den 
aufferften Gift ab, welcher im Tode ſtehet; fo bleibe hernach 
in dem Waſſer oder Pulver die ſideriſche Geburt in feinem Sede, 
da Leben und Tod miteinander ringet, und find beyde erheb- 
lich, denn der todte Leib iſt wen. 

113. So du nun unter diefes Waffer oder Yulver einen gu- 
ten Theriak oder dergleichen Dinge nimft, das das Aufſteigen 
und die Macht des Grimmes inder fiderifchen Geburt gefan- 
genbalt, und gibſts dem Kranden in einem wenig warmen 
Trancke ein, es ſey Bier oder Mein; fo operiret die innerffe 
oder verborgene Geburt des Dinges, dag dem Menfchen hat 
die Krankheit durch ſeine aufferfte todte Geburt zugefüger. 

114. Denn wenn es in warme Keuchtigfeit gethan wird, fo 
wird das Leben indem Dinge auffteigend, und moltefich gern 
erheben, und im Lichte anzuͤnden es Fan aber nicht von wegen 
des Grimmeß, der ihm in der ſideriſchen Geburt entgegen iſt. 

115. So vielfanes aber, daß es dem Menfchen die Kranck⸗ 
heit benimt: denn das fiderifche Leben gehet durch den Tod 
auf, und nimt dem Stachel des Todes feine Gewalt; wenn es 
nun fieget, fo wird der Menfch wieder gefund. 

116. Alſo fieheft du, wie die Kraft des Worts und ewigen 
Lebens in der Erden und ihren Kindern im Centroim Tode 
verborgen lieget, und grünet duch den Tod, dem Tod unbe: 
- greiflich, und aͤngſtet fich immer zur Geburt des Lichts, und 
Tan doch nicht blühen, bis der Tod von ihr gefchieden wird. . 

117. Es hat aber in feinem Sede fein Leben, und Fan ihm 
nicht genommen werben, ‘aber der Tod haͤnget ihm in der auf: 
ferften Geburt an, fo mol auch der Zorn im Tode: denn ber. 
Zorn iftdes Todes und Teufels Leben; und im Zorne ſtehet 
auch das corporliche Wefen oder die Leiber der Teufel, die tod: 
te Geburt aber iſt ihr ewig Wohnhaus. —6 


* 21. Morgenroͤthe im Aufgang. 317 


Die Tieffe im Circkel der Geburt. 

118. Nun moͤchte einer fragen: Wie hats denn eine Sub⸗ 
ftang und Gelegenheit um dig, daß die fiderifihe Geburt ber 
Erden ihr Dualificirenund Gebaren hat einen Tag eher ange⸗ 
fangen als die ſideriſche in der Tieffe uͤber der Erden, ſintemal 
doch das Feuer in der Tieffe uͤber der Erden viel ſwarfer und 
anzuͤndlicher iſt als das Feuer in der Erden: und auch die 
Erde muß vondem Feuer in der Tieffe über der Erden ange: 
zundet werden, foll fie aber Frucht gebaren? Siehe, du ver⸗ 


ftandiger Geiſt mit dir redet der Geiff, und nicht mit dem _ 


tobten Geiſt des Fleiſches: fperre die Thür deiner ſideriſchen 
Geburt weit auf, und erhebe das eine Theil der fiderifihen Ge⸗ 
burt ins Licht, und laß das ander im Zorne ftehen, und fihane 
auchzu, daß deine animalifche (eeliſche Geburt mit dein Lichte 
gang inqualire. 

119. So du nun in folcher Form ſteheſt, fo biſt dur gleichtwie 


’ Himmel undErden, oder wie die gantze Gottheit mit allen Ge⸗ 
burten in diefer Welt. Wo du nun nicht alſo biſt, ſo biſt du al⸗ 


bie blind; und wenn du gleich der kluͤgeſte Doctor biſt, der in 
der Welt mag gefunden werden. 

120. Biſt du aber alfo, ſo erhebe deinen Geiſt und fiebe: 
durch deine affrologifche Kunſt, tieffen Sinn und Circkel Def 


fen kanſt du e8 auch nicht ergreifen, ed muß mur’in dir gebo⸗ 


ren werden „font begreift weder Gunft noch Kunſt. 

121. Sollen dir die Augen des Geiftes offen ftehen , fo muſt 
du alſo gebaren;; ſonſt iſt deine BegreiflichFeit eine Narrin und 
gefihicht bir eben, old wann dir ein Mahler die Gottheit auf 
ein Epiraphilın mahiet und ſagete, er habe es recht gemabiet, 
ſie ſey alſo. So geſchicht dem Glauber und dem Mahler einem 
wie dem andern, und ſehen Doch alle beyde nichts ald Hole und 
Farben‘, und führek ein Blinder den andern: wahrlich du 
muftalbienicht mit Thieren , fondern mit Goͤttern Fampfen. 

122. Nun mercke: Als fich die gange Gottheit in dieſer 


. 


Welt zur Schöpfung bewegte ‚da bewegte fich nicht nur ein 


Theil, und ruhete das ander; ſondern es Fund alles zugleich 
in ber Beweglichkeit: die gantze Ziefte, fo weit als Herr Eucifer 
war ein König geweſen, und fo weit als der Locus feines Koͤ— 
nigreichs reichete, und fo weit als der Galitter im Zorn⸗Feuer 
war angezündet. 


. Die Bergung der 3 Geburten waͤhrete ſechs zug: 


\ N EEE. 


- 


318 LT AURORA  - Gap.aı. 
und Nacht⸗ Laͤnge, da alle fieben Geifter GOttes in voller be 
wegender Geburt Funden, fo wol auch dag Hergeder Geiſter: 
und wendete fich der Salitter der Erden in diefer Zeit 6 mal in 
dem groffen Radeum. Welches Rad find die7 Duellgeifter 
GOttes; und ward in ieder Umwendung ein fonderlich Ge- 
machte nach den inftehenden Duellgeiftern geboren. 
124. Denn der erſte Duellgeiftift die herbe, Falte, fcharfe 

und harte Geburt ; und der .gehöret dem erften Tage zu: in 
der fiderifchen Geburt heiffeng die Aktrologi die Gaturniali- 
ſche, Die iſt an dem erſten Tage verrichtet worden, 

125. Denn da ift die harte, derbe, ſcharfe Erde und Gteine 
worden, und find zuſammen⸗corporiret worden: darzu iſt die 
ſtarcke Befte des Himmels geboren worden, und iff das Herge 
* — Geiſter GOttes in der harten Schaͤrfe verborgen ge⸗ 

anden. as | 
126. Denandern Tag eignen die Aftrologi der Sonnen zu ; 
er geböret aber dem Jupiter, aftrologifch zu reden : denn den 
andern Tag iſt das Licht aus dem Hergen der 7 Quellgeiffer 
durch die harte Dualitat des Himmels durchgebrochen , und 


hat eine Saͤnftigung indem harten Wafler des Himmels ge: 


macht, undiff das Licht inder Sanftmuth fcheinend worden. 
127. Da hat fich die Sanftmuth und das harte Waſſer von 


i einander gefchieden, und ift das harte in feinem harten Sede 


blieben als ein harter Tod, und das fanfte iſt in Kraft des Lichts 
durch das harte gebrochen. 126] 

128. Und das ift nundas Waſſer des Lebens, welches im 
Fichte GOttes aus dein harten Tode wird geboren : und alfo iſt 
das Licht GOttes im füffen Waſſer des Himmels durch den 
berben und harten finftern Tod gebrochen, und alfo ift der 
Himmel aus dem Mittel des Waſſers gemacht. 

129. Dieharte Veſte ift dieherbe Qualität, und die linde 
Befte ift das Waffer , in welchem das Licht des Lebens aufge: 
bet , welches iſt die Klarheit des Sohnes GOttes. 

130. Und in folcher Forma gehet die Erkentniß und das 
Richt des Lebens im Menfchenauch auf, und ſtehet das gange 
Licht GOttes in diefer Welt in folcher Forina, Geburt und. 
Aufgehen. 
131. Der dritte Tag wird dem Mars gantz recht zugeeignet, 
weil derſelbe iſt bitter und ein Wuͤter und bewegender Geiſt. 
Im dritten Umgange der Erden hat ſich die bittere Qualitaͤt 
mit der herben gerieben. ga Der: 


ER 22,. Morgeneöthe im Aufgang. 319 
4 132. Verſtehe dis hohe Ding recht: Als das Licht iſt im ſuͤſ⸗ 
fen Waſſer durch den herben Geiſt gebrungen, fo iſt der Feuer⸗ 
Blitz oder Schrack des Lichts als ſichs im Waſſer angezuͤn⸗ 
bet, in der herben und harten todten Qualitaͤt aufgegangen, 
—* allesrüge gemacht, davon ift Die Beweglichkeit ent: 


a aan, rede ich albie nicht allein vom Himmel über der 
Erden ; fondern diefe Rugung und Geburt ift zugleich in der 
Erden und überaß geweſen. 

134. Weil aber die himmliſche Früchte vor der ‚Zeit des 
Zorns nari in dieſer Ruͤgung der Quellgeiſter ſind aufgegan⸗ 
gen, und auch durch ihre Rugung wieder vergangen, und fi 

verändert haben ; fo find fioam dritten Tage der Schöpfunge- 
Geburt auch durch die Kügungdes Feuer-Bliges in der her⸗ 
ben Dualitat der Erden aufgegangen. 
135. Ob nun * die gantze Gottheit im — der Sden 
verborgen iſt, ſo hat die Erde darum nicht koͤnnen himmliſche 
Fruͤchte gebaͤren: denn der herbe Geiſt hat den harten Riegel 
des Todes vorgeſchloſſen, daß alſo das Hertze der Gottheit in 
Geburt in ſeinem ſanften und lichten Himmel verborgen 
iebe. 

136. Denn die aͤuſſerſte Geburt: iſt die Natur, und gebuͤh⸗ 
ret ihr nicht, Daß fie zuruͤcke in das Hertze GOttes greiffe, fie 
kan auch nicht; ſondern ſie iſt der Leib, in der ſich die Quells 
geifter gebaͤren und ihre Geburt mit ihrer Frucht erzeigen 
und darthun, 

137. Darum bat die Erbe am zten Tage angefangen zu 

gruͤnen als. die Duellgeifter im Schracke des — oder 
Feuer Blitz find geſtanden. 


Das 22. Capitel. 


Von der Geburt der Sternen, und Schr 
pfung des vierten Tages. 
Summarien. 
3% Morgen Roͤrte im Aufgang ſcheinet in der fi Sehen 
Geburt. a⸗a. Wiederholung des zten Tagewercks 57 

licher Vortrag des Autoris 8:10. Sein Lehrmeiſter Ki bi te 

‚tur; * er — 2——— Gelehrten nicht laͤßt ihre Formula ſtehen, und 
iſt im mit ihnen, einig.1z°14. Der Geilt heſtrafet ihre, 7 

olatunds und Blindheit 15:17. Des yyutosis Erweckung und Gehorſa 

18:20, Die Fhür des Erkentnifies wird allen Voͤlckern eröffnet werben: 





320 1, AURORA, Cap. aa, 
21. Der Zatıberer ift im Wege. ib.fq. Die Schöpfung des Geftirns. 24. 
25. Mofes iſt der rechte Autor nicht. 26.27. Die Schöpfung war der 
erften Welt Lehre. 28. Die weifen Heiden find in der Ratur tiefer gan: 
gen 529.30. haben fich an der Begreifligkeit vergaffet‘, die Göttliche 
Kraft aber nicht erfant: 31735. alfo auch die heutige@elehrten,die GOtt 
im Himmel allein fuchen. 34235. Einigegragen an bie Gelehrten.37:40. 
Autor entfchuldiget feinen sahen Begriff; 41:44. vermahnet zur Liebe 
und Srieden. 45. Der heilig lebt, iſt ſelbſt GOtt in dem einigen GOtt. 
6.47. Gott iſt alles und Fan von ſeinem Thron nicht abweichen. 48.49. 
ieſe Erfentniß it GOttes Gabe, und nur ein Durchbruch der Liebe zu 
verfichen.so.sı. Wo Liebe und Sanftmuth, da iſt GOttes Licht; es 
ſeyn aleich Tuben, Heiden oder Türcken. 52.53. Das Herk GOttes war 
zwiſchen der innern und aufferiten Geburt geboren. 54:56. Die Wilfen: 
ſchaft iſt — nichts; 57. der aber unwiſſend durch den Zorn 
dringt, ift Dem wiſſenden gleich. 58. 59. Wer ein Geiſt mit GOtt fen ? 
60. Was der rechte Gottesdienſt fen ? 61. Worzu das Geſetz gegeben ? 
62. Unterſcheid zwiſchen Chriſten, „üben ıc. 63:66. Vom Schreiber 
der Schoͤpfung. 67. Der rechte Glaube dringet Durch den Zorn GOttes. 
68. Der Tag des HErrn iſt angebrochen. 69. Die fideritche@eburt ſte⸗ 
het in Liebe und Zorn, 70.71. iſt eine Scheidung des Lichts und Finſter⸗ 
niB.72:76. Das Picht behält feinen Sit im Himmel und formiret die 
Geburf.77.78. Die Geiſter der Natur figuriren den Leib.79. Es iſt nur 
eine andere leibliche Geitalt aufgegangen. 80. Der Leib gehet in Kraft 
des Pichts aufs und das Richt gebaref ihm aus dem Tod einen andern 
Leib, dringet alsein Hertz mit aufz und: im Kichte ſtecket der Gottheit 
Kern.81:83. Das Metall iſt in der Liebe geftanden, und wird vom Men: 
ſchen gelichet. 84786. Des Ertzes iſt mancherley. 87. Ein ieder Duell: 
geiſt hat der gantzen Natur Eigenſchaft: darum it die Erde ſo vielerley 
Art. 88 89. Der Menſch weiß die fremde Materie abzuſchmeltzen: mie 
am Gold und Silber zu fehen. 90; 98. Die iſte Schmeltzung ‚92. Die 
2te. ib. Die zte Scheibung.93. Die ste. 94-96. Die zte. 97. Die. 6te.g8. 
In der sten iſt die größte Gefahr wegen des Feuer⸗Regiments; fo es zu 
hitzig, verbrennet 65. 99.100. In der zten muß das Seuer noch ſubtiler 
ſeyn: und der Leib bekommt feine Staͤrcke und Kraft 5 101. 102. der 
Geiſt aber Fan fich nicht ins Licht erheben. 103. Der Menſchen blinder 
Geis. 104. Autor jhreibet nicht als ein erfahrner Chymiſt, 105., weiß 
er dem geuer nicht umzugehen z106. Er will nur die Gottheit offen⸗ 

aren. 107. —2 


Lhie wird num angefangen die ſideriſche Geburt zu ber 
fehreiben, und n wol zumercen, mas der erſte Titel die: 






— fe8 Buchs et, der da lautet Morgenroͤthe im 
Aufgang: denn alhter wird auch gar ein Einfaltiger koͤnnen 
Das Welen GOttes ſehen und begreiffen. 
22. Es mache fich nur der Leſer nicht felber blind Durch feinen 

Unglauben und zahe Begreiflichkeit: denn ich habe biemit die 
gantze Natur mit allen ihren Kindern zumzgeugen und Beweis. 


Biſt du nun vernünftig, fo ſchaue dich um, und ſiehe dich felber 


Gap. 22. Morgenröthe im Aufgang. 321 
an, und bedencke dich recht, fo wirft du bald finden, aus waffer- 
ley Geiſt ich fehreibe. 

3. Sch will zwar den Befehldes Beiftes gehorfamtich aus⸗ 
richten; ſchaue du nun zu, undlaß dich nicht in einer offenen 
Thür ai albie ſtehet dir die Porten der Erfent: 
niß offen. 

H Und obgleich der Geift wieder etliche Aftrologos wird 
lauffen ; fo liegt mir nicht viel dran, ih muß GOtt mehr ge: 
horſam feyn ald den Menſchen: fie find im Geiſte blind: wol⸗ 
len fie nicht fehen, fo mögen fie blind bleiben, 

5. Run mercke: Als nun am zten Tage der Feuer-Blig aus 
dem Lichte, welches im füffen Waffer fiheinend ward, aufging ; 
(welcher Big iſt die bittere Qualität ‚der fich aus dem ange: 
zundeten Schracke des Feuers, im Wafler gebaret.) | 

ı 6.So mar nun die gange NRatur diefer Welt quallend und 
beweglich, in der Erden fo mol ald uber der Erden, und fing 
fich in allen Dingen wieder an das Reben zu gebaren. 

7.Ausder Erden ging auf rag, Kraut und Baume, und 
inder Erden ging auf Silber, Gold und allerley Ertz, und in 
der Tieffe über der Erden ging auf die munderbarliche For⸗ 
mung der Kräfte. 

8. Damit dur aber möchteft verffehen, wieegeine Subſtantz 
und Öelegenheit mit allen diefen Dingen und Geburten habe, 
fo will ich alles nacheinander, ein iedes in feiner Ordnung bes 
fhreiben, Damit du den Grund diefer Geheimnif recht ver: 
ſteheſt: und will erſtens an der Erden anfangen; hernach zwey⸗ 
tens von der Tieffe uͤber der Erden; und zum dritten von der 
zuſammen⸗corporirung der Coͤrper der Sternen; zum vier⸗ 
ten von den ſieben Haupt-Qualitaͤten der Planeten, und von 
derfelben Herge,mwelches iſt die Sonne; zum fünften von den 4 
Elementen; und zum ſechſten von der aufferlichen begreiflichen 
Geburt, welche entftehet aus dieſem gangen Regiment; und 
zum fiebenten von der wunderlichen Proportz und Geſchicklich⸗ 
feit des gantzen Rades der Natur. , 

9.Bor diefen Spiegel mil ich nun alle Liebhaber der heili⸗ 
gen und hochgelobten Künffe der Philofophiz, Aftrologi= und 
Theologiz geladen haben ; da will ich ihnen die Wurgel und 
- den Grund eröffnen. Sg 

10. Und ob ich ſchon nicht ihre Kunſt ſtudiret und gelernet 
Babe,und weiß auch nicht mit ihrem ——9 ** 

ar Re en; 


222 '1L.AURORA. Cap. 22. 
hen, daran liegt mir feine Bekummerniß: fie werben dannoch 
foviel zu lernen haben , daß es mancher die Zeit feiner Leben 
Tage nicht wird ergründen oder begreiffen. 

11. Denn ich brauche nicht ihrer Formula und Art, fintemal 
ichs von ihnen nicht gelernet babe ; ſondern babe einen andern 


Lehr⸗Meiſter, welcher iff die gange Natura. Bon derfelben 


gansen Natur mit ihrer inftebenden Geburt habe ich meine 
Philofophia, Aftsologia und Theologia ſtudiret und gelerner, 


und nicht von Menſchen oder durch Menſchen. 


12. Weil aber die Menſchen Götter find, und haben die Er: 
kentniß GOttes des Einigen Vaters aus dem fie find herkom⸗ 
men, und in dem fie leben, fo verachte ich ihre Formulaın der 


"Philophiz,Aftrologiz und Theologiæ gar nicht. Denn ich befin- 


de daß fie meiſtentheils gaꝛ auf rechtem Grunde ſtehet, und will 
mich auch befleiſſen daß ich ihrer Formula möchte nachfahren. 

13. Denn ich muß je fagen, daß ihre Formula mein Meifter 
iſt und ich aus ihrer Formula meinen Anfang und erſte Er- 
kentniß habe, Sch bin auch nicht des Willeng,daß ich ihre For- 
mula will umkehren oder verbeffern : denn ich kan auch nicht, 


‚babe fie auch nie gelernet, fondern laſſe fie in ihrem Sede figen. 


14. Ich willauch aufihren Grund nicht bauen ; fondern ich 
will als ein mühſamer Knecht Die Erde vonder Wurgel ſchar⸗ 
ren, damit man Fan den gangen Baum fehen mit der Wurgel, 


* Stamme, Neffen, Zweigen und Früchten, und dag alfo mein 


- 


Schreiben nichts neues ſey, fondern daß ihre Philofophia und 
meine Philofophia fey ein Keib, ein Baum ‚der einerley Fruch- 


te trage. 


15. Sch habe deſſen auch keinen Befehl, dag ich mich über fie 
ſoll hoch befihweren und fie verdammen, ohne uber ihre Lafter 
der Hoffart, Neid, Geitzes und Zornes; uber das beſchweret fich 
ver Geift der Natur mächtig febr, nicht ich: was wolte ich ar- 
‚mer Staub thun,der ich Doch faſt ohnmaͤchtig bin? 

16. Allein dag zeiget der Geift: Ihnen iſt das Pfunddes Ge- 
wichtes und der Schlüffel uͤberantwortet worden ; und fie find 
in ihren Wolluͤſten des Fleiſches erfoffen, und haben das Pfund 
des Gewichtes indie Erbe vergraben ‚und den Schlüffelin ih⸗ 
rer hoffartigen Trunckenheit verloren. 

17. Der Geiſt bat lange Zeit bey ihnen angehalten, fie follen 
einmal auffchlieffen, der helle Tag fey vorhanden ; fo geben fie 
in ihrer Trunckenheit um, und fuchen den Schluffel,und > 

| Ka 


Cap.22. Morgenröthe im Aufgang. 323 

doch den bey ſich / und Fennen ibnnicht ; und gehen alfo in ibrer 
hoffaͤrtigen und ehrgeitzigen Trunckenheit immer um füchen, 
‚als wie jener Bauer, der fein Pferd fuchte,umd ritt auch darauf. 

18. Darum ſpricht der Geift der Natur: weil fie nicht wol- 
fen aufmachen vom Schlaffe, und die Thuͤr aufmachen, fo will 
ichs ſelber thun. 

19. Was koͤnte ich armer, einfaͤltiger Laie ſonſt von ihrer ho⸗ 
ben Kunſt lehren oder fihreiben, ſo es mir nicht von dem Geiſte 
der Natur gegeben waͤre in dem ich lebe und bin ? habe ich doch 
nur einen Laͤien⸗Stand, und habe von dieſem Schreiben Feine 
Soldung. Golte ich aber darum dem Geifte wehren, daß er 
nicht anfahge aufzuſchlieſſen, wo er wolle ? bin ich doch nicht 
die Thur,fondern ein gemeiner Riegel davor: fo mich nun der 
Geiſt augzöge,und wärfe mich ing Feuer koͤnte ich ihm auch 
das wehren? 

20. So ich aber ein unnüger Riegel ſeyn wolte der fich nicht 
wolte laſſen ausziehen, und dem Geifte aufichlieflen, wuͤrde 
nicht der Geiſt über mir erzörnen, und mich abreiffen und weg⸗ 
werfen, und ihme einen nügern und gefuͤgern Riegel machen? 
Asdenn lage ich, und wurde mit Fuͤſſen getreten, da ich doch 
vorhin ander fchönen Thuͤr gepranget hätte : wozu ware der 
Riegel ſonſt als zu Feuer⸗Holtz? 

21, Siehe, ich ſage dir ein Geheimniß: Go bald die Thür 
bis an ihren Angel aufgehet, fo werden alle unnuͤtze feſte einge⸗ 
keilte Riegel weggeworfen werden: denn die Thuͤr wirdfür- 
baß nicht mehr zugeſchloſſen werden, ſondern ſtehet offen, und 
gehen die vier Winde da aus und ein. Aber der Zauberer 
ſitzet im Wege, und wird manchen verblenden , daß er die 
Thuͤr nicht jehen wird: dann fommt er heim und faget: Es 
iſt —— da ſondern es iſt eine Gedichte, gehet nicht 
mehr 

22. Alſo laſſen ſich die Menſchen abweiſen, und leben in ih⸗ 
rer Trunckenheit. 

23. Wenn nun dieſes geſchicht, ſo ergrimmet der Geiſt, der 
die Vorten hat aufgemacht-, dieweil niemand mehr will zu ſei⸗ 
“gen Thoren aus= und eingeben, und wirft die Pioften der Tho⸗ 
ren in Abgrund: und iſt fuͤrbaß nunmehr Feine Beit ; Die hinz 
on N, bleiben binnen , und diedranffen find, bleiben drauf 
en, Amen. 


24. Nun fragt ſi chs: Was 5 bie Sterne? Davon Kock 
BE, #2 bet 


ns 


324 IL. AURORA, apa, 





bet nun Moſes: Und GOtt fprach , es werden Lichter an der 


Veſten des Himmels, die da ſcheiden Tag und Nacht, und ge⸗ 
ben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre, und feyn Lichter an 
der Veſte des Himmels, daß fie fheinen auf Erden. 

25. Und es geſchach alſo, und GOtt machte zwey groffe 
Lichter, ein groß Licht, das den Tag regiere, und ein Klein 
Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sternen. Und GOtt 
fegte fie an die Veſte des Himmels, daß fie fehienen auf die Er⸗ 
de, und ben Tag umd die Nachrregierten, und feheibeten Licht 
und Finſterniß. Und GOtt fabe, daß es gut war: da ward 
aus Abend und Morgen der vierte Tag. Gen.r14-19. 

26. Diefe Beſchreibung zeiget genug an, daß ber theure 
Mann Moſes nicht der Autor fey : denn der Geribent hat me: 
der den rechten GOtt noch Die Sternen erfant, was die find, 
Und ift wolzu vermuthen, daß bie Schöpfung vor der Sund- 
fluth nicht iſt beſchrieben worden; ſondern als ein dunckel 
Wort im Gedaͤchtniß, von einem Geſchlecht aufs ander ge: 
bracht , bis nach der Suͤndfluth, da die Welt hat wieder ange⸗ 
fangen ebicuriſh zu leben. 

27. Da haben die heiligen Vaͤter, als ſie ſolches geſehen, die 
Schoͤpfung beſchrieben, damit es nicht moͤchte vergeſſen wer⸗ 
den, und die epicuriſche Welt doch moͤchte einen Spiegel an 
der E höpfung haben, und daran ſehen, daß ein GOtt ſey, 
und daß dis Weſen der Welt nicht von Ewigkeit alſo geſtanden 
ſey, damit ſie doch moͤchten einen Spiegel daran haben, und 
denſelben verborgenen GOtt fuͤrchten. 

28. Dieſes iſt auch der Alt⸗Vaͤter nach der Sundflurh, und 
auch davor, ihre vornehmſte Unterweiſung und Lehre geme: 
ſen, daß ſie die Menſchen an die ——— gewieſen haben; 
wie folches auch das gantze Buch Hiob treibet. 

209. Nach denſelben Vaͤtern find die weiſen Heiden kommen, 

die find in der Erkentniß der Natur was tieffer kommen: und 
muß mit Grund der Warheit fagen, daß fiein ihrer Philofo- 
phia und Erfentniß find bis vor GOttes Antlig fommen, und 
haben denfelben doch weder fehen noch erfennen können. 

30. Alfo gar iffder Menſch im Tode erftorben, und in die 
sufferfte Geburt in die todte Begreiflichkeit verriegelt worden: 
font wuͤrden ſie ja gedacht haben, daß in der Begreiflichkeit 
wuͤſte eine Göttliche Kraft im Centto verborgen fepn , der die 
Begreiflichkeit alſo erſchaffen haͤtte, darzu eebielte truͤge und 
regierete. 31. ur 


Cap.22. Morgenrötheim Aufgang. 325 

31. Siehaben zwar die Sonne und Sternen für Götter ge- 
ehret und angebetet; aber nicht erfent , wie diefelben geſchaf— 
fen oder worden find, oder woraus diefelben morden find. 

32. Dennfie möchten doch gedacht haben , daß fie von et: 
was herkommen waren , und daß daffelbe , das fie gefchaffen 
babe , müffe gröffer und alter feyn als die Eternen. 

-33. Darzu haben ſie ja die Erde und Steine zum Erempel, 
daß diefelben müften von Etwas ſeyn herkommen, ſowol auch 
die Menſchen, und alle Ereaturen auf Erden. Das alles 
uberzeuget fie, daß in diefen Dingen noch eine machtigere 
Kraft vorbanden fey, die dieſes alles alſo geſchaffen babe. 

34. Zwar was follich vielvon der Heiden Blindheit ſchrei— 
ben, find doch unfere Doctores in ihren gecrönten Hütlein 
gleich alfo blind : fie wiflen zwar , dag ein GOtt iſt, ber dieſes 
alles gefchaffen habe, fiewiffen aber nicht, wo derſelbe GOtt 
iſt, oder wie derfelbe iſt. 

55. Wenn fie wollen von GOtt fehreiben,, fo fischen fie Ihn 
auffer diefer Welt in einem Himmelalleine, gleich als ware er 
ein Bilde mit etwag zu vergleichen. Gielaflen zwar zu, daß, 
derfelbe GOtt mit einem Geiſte in diefer Welt alles regiere; 
aber fein corporlich Eigenthum wollen fie ſchlechts uber viel 
taufend Meilen in einem Himmelhaben, 

36, Wolber ihr Doctores, mo ihr Recht habt, fo gebet 
dem Geifte Antwort; ich will euch ein wenig fragen: 

37. Was vermeinet ihr wol daß vorder Zeit der Welt fen 
an ſtatt dieſer Welt geftanden ? oder woraus vermeinet ihr 
wol daß die Erde und Sternen find worden? oder was ver: 
meinet ihr wol daß inder Tieffe über der Erden. fey ; oder wo⸗ 
von die Tieffe worden fey ? oder wie permeinet ihr wol daß der 
Menſch GOttes Bildefey , in dem GOtt wohne? oder mas 
laſſet ihr euch beduͤncken daß der Zorn GOttes ſey ? oder mas 
GOtt für einen Mißfallen an dem Menfchen habe, daß Er 
denfelben peinige, fintemal Er ihn gefchaffen hat? daß Er 
5 Suͤnde zugerechnet, und zur ewigen Pein verur⸗ 
theilet? 


38. Warum hat Er dann das erſchaͤffen, daran ſich der 


Menſch vergreift? fo muß ja daſſelbe noch viel boͤſer ſeyn? 
warum oder woraus iſt daſſelbe worden ? oder mas iff die Ur? 
fache oder der Anfang oder die Geburt des geimmen Zornes 
GOttes, daraus Hölle und vn worden find? * wie 


A un 


+ 


326 1, AURORA. Gay. 
koͤmmts, daß fich alle Creaturen in diefer Welt miteinander 
beiſſen, ſtoſſen und ſchlagen; und wird doch dem Menſchen al⸗ 
lein Suͤnde zugerechnet? - 

39. Oder woraus ſind die giftigen und boͤſen Thier und 
Wuͤrme worden mit allem Ungeziefer ? oder woraus find die 
heiligen Engel worden? und letzlich, was iſt die Seele des 
Menſchen, und der groſſe GOtt ſelber⸗ | 

40. Hierauf gebet richtige und gründliche Antwort, und 
bemweifet das, und laffet von eurem Wort-Zand ab. "Mo ihre 
aun aus euren vorigen Schriften koͤnnet erweifen, daß ihr den 
rechten Einigen GOtt kennet, mie derfelbe fen in Liebe und 
Zorne, und was derfelbe ſey und koͤnnet beweiſen, daß nicht 
in Sternen, Elementen, Erden, Steinen, Menfthen, Thies 
ren, Wirmen, in Laub, Kraut und Gras, in Himmel und 
Erden GOtt fey, und daß diefes alles nicht BDtt felber ſey, 
und daß mein Geift falfch ſey; fo will ich der erfte feyn, und 
mein Buch im Zeuer verbrennen, und alles dasjenige, was 
ich gefchricben babe , wiederruffen und verfluchen, und mil 
‚mich gehorfamlich unterwerfen laffen. 

41. Jedoch nicht alfo gemeinet, Daß ich gar nicht irren koͤn⸗ 
te: denn es find etliche Dinge nicht genug erflaret, und find 
gleich) als wie von einem Anblicke des groffen Gdttes befchries 
. ben worden , da fich das Rad der Natur zu geſchwinde um⸗ 

werdet, und der Menſch mit feiner halb todten und sahen Be⸗ 
greiflichkeit nicht genugſam faſſen kan. 


42. Was du aber an einem Orte nicht erklaͤret und aus- 
fuͤhrlich findeft, das wirſt du am andern finden; mo nicht in 
dieſem, doch indem andern Buche, 


43. Nun wirſt du fagen: Es gezieme mir nicht alle zu fra⸗ 
gen, denn bie Gottheit ſey ein Geheimniß, die niemand erfor⸗ 
feen fan. Hoͤre geziemet mir nicht zu fragen, fo geziemet 
Dir auch nicht, daß du mich richteſt: ruͤhmeſt du dich aber der 
Erkentniß des Lichtes, undeinen Leiter der Blinden, und biſt 
felber blind; wie roilft du dann dem Blinden den Weg meifen? 
werdet ihr nicht beyde in eurer Blindheit fallen? -» 

44. Wilſt du aber num fagen: Wir find nicht blind, und fe- 
ben wol den Weg. destichtes. Warum zandt ihr dann um 
den Weg deg Richtes, den doch Feiner recht ſiehet ? Ihr lehret 
andere den Weg, und fuchet ibn doch felber immerdar, n 

! ap⸗ 


tr A 4 * * — 

Cap22. Morgenroͤthe im Aufgang. 327 
tappet im Finſtern, und ſehet ihn nicht: oder vermeinet ihr 
daß es Suͤnde ſey, ſo einer nach dem Wege frage? 

45. O ihr blinden Menſchen, laſſetab vom Zancke, und ver⸗ 
gieſſet nicht unſchuldig Blut, und verwuͤſtet darum nicht 
Land und Staͤdte nach des Teufels Willen; ſondern ziehet an 
den Helm des Sriedeng und guͤrtet euch mit Liebe gegen ein⸗ 
ander, und braucht euch der Sanftmuth. Laſſet ab von Hof 
fart und Beige, mißgoͤnne Feiner dem andern feine Geſtalt, 
laſſet euch das Zorn- Feuer nicht anzuͤnden, fondern Iebet in 
Sanfmuth, Keufchheit, Freundlichkeit und Reinigkeit; fo 
ſeyd und leberihr alle in GOtt. 

46. Denn du darfſt nicht fogen: Wo iſt GOtt? Höre du 
blinder Menſch, du lebeſt in GOtt, und GOtt iſt in dir: und 
ſo du heilig lebeſt, ſo biſt du ſelber GOtt; wo du nur hinſie⸗ 
heſt, da iſt GOtt. 

47. Wenn du die Tieffe zwiſchen Sternen und Erden an⸗ 
ſieheſt, wolteſt du ſagen: Das iſt nicht GOtt, oder hie iſt 
nicht GOtt? O du armer verderbter Menſch, laß dich unter- 
weiſen: denn in der Tieffe über der Erden, da du nichts fies 
heſt und erfenneft, und ſprichſt, da ift nichts, daſelbſt ıff 
gleichreol der Ficht- Heilige GOtt in ferner Dreyfaltigkeit, und 

' wird alda geboren wie in dem hohen Himmel über diefer Welt. 

48. Oder meineffdu, daß er von feinem Sede, da er von -, 
Ewigkeit iff gefeflen, in Zeit der Schöpfung diefer Welt iſt ab⸗ 
gewichen? Dnein, das kan nicht ſeyn: und ob Er wolte, fo 
fan Er das felber nicht thun, denn Er ift felber alles ; fo wenig 
ein Glied vom Leibe Fan von ihm felber abtreten, fo wenig fan 
auch GOtt zertrennt werden. 

49. Daß aber fo mancherley Formunge in Ihme iff, dag 
macht feine ewige Geburt, welche erſtlich ift Drepfächig, und 
aus derfelben Dreyheit gebaret fie fich in unendlich oder in un: 
ermeßlich. 

50. Bondenfelben Geburten mil ich albie fchreiben, und 
Der legten Welt Kindern anzeigen, mas GOtt iſt: nicht aus 
Ruhm oder Hoffart, Jemanden hiermit zu ſchmaͤhen oder 
verachten: Nein; der Geift will dich fanftig und freundlich 
aunterweifen, wie ein Bater feine Kinder : denn das Werck iff 

‚nicht meines Fleifihes Vernunft , fondern des Heiligen GOt⸗ 
tes Liebe⸗Offenbarung oder Durchbrechung im Zleifche. | 

51. In meinen eigenen Kraften % ich fo ein blinder —— 
| a 


— 


228 * I. AURORA. Cap. 22. 
als irgend einer iff, und vermag nichtes; aber im Geiffe 
GOttes ſiehet mem ingeborner Geift durch Alles, aber nicht 
immerdar bebarrlich ; fondern wenn der Geiſt der Liebe GOt⸗ 
tes Durch meinen Geiſt durchbricht, alsdann iſt die animali= 
ſche (ſeeliſche) Geburt und die Gottheit ein Weſen, eine Be- 
greiflichkeit und ein Licht. 
52. Nicht bin allein Sch alfo 5 fondern es find alle Menſchen 
alfo, es ſeyn gleich Ehriften, Juden, Tuͤrcken oder Heiden, ' 
Ber Liebe und Sanftmuth iff, indem iftauch GOt⸗ 
tes Licht. 
83. Wolteſt du fagen: nein? Es leben die Fürcken, Juden 
und Heiden ja auch in demfelben Corpus , darinnen du lebeſt, 
und brauchen auch deffelben Leibes Kraft, Die du braucheft,dar- 
zu haben fie auch denfelben Leib, den Du haft, und derfelbe 
GOtt, der dein GOtt iſt, iſt auch ir GOtt. 

54. So wirſt du ſagen: Sie kennen Ihn aber nicht, und eh⸗ 
ven Ihn nicht. Ja, lieber Menſch ruͤhme dich nur, du haſts 
mol getroffen; du kenneſt Ihn vor andern wol. Siehe, du 
blinder Menſch, mo die Liebe in Sanftmuth aufgehet, da ges 
het dad Herge GOttes auf. Denn das Herke GOttes wird / 
im fanften Waffer des angezundeten Lichtes geboren, es fey 
gleich im Menſchen oder auffer dem Menſchen: es wird uͤber⸗ 
allim Centro in der Mitten zwiſchen der aufferften undinner: 
ften Geburt geboren. 

55. Und was du nur anfieheft, da ift GOtt: die Begreif: 
lichkeit aber ſtehet in dieſer Welt im Zorne, die hat der Teufel 
angezündet; und im verborgenen Kerne mitten im Zorne wird 
das Licht oder Here GOttes geboren, dem Zorne unbegreife _ 
lich , und bleibet ein iedes in feinem Sede. 

56. Nicht ruͤhme ich darum der Juden, Tuͤrcken und Hei: 
den Unglauben und Halsftarrigfeit, und ihren Grimm und 
Bosheit wieder die Chriften: nein; das find eitel Stricke deg 
Teufels, der die Menſchen dadurch in Hoffart, Geiß, Neid 
und Zornreiget, Damit er das höllifche Feuer in ihnen anzuͤn⸗ 
de: auch fofanich nicht fagen, Daß diefe 4 Söhne des Teufels 
in der Ehriftenheit nicht auch regieren, ja wol in einem ieden 
Menschen. | 

57. Run fprichft du: Was ift dann der Unterſcheid zwi⸗ 
ſchen Chriſten, Juden, Türcken und Heiden? Hie thut der 
Beift Thür und Thor auf: wilſt du nicht fehen, fo fey N. | 


Cap.22. Morgenröthe im Aufgang. 329 
Das iſt h der Unterfiheid, den GOtt je und allmege gehalten 
hat, daß diejenigen, die da wiſſen, was GOtt iſt, und wie 
ſie Ihm dienen ſollen, koͤnnen durch ihre Wiſſenſchaft durch 
den Zorn in die Liebe GOttes dringen, und den Teufel uͤber⸗ 
winden: thun ſie es nun nicht, fo find fie nichtes beſſer als die, 
die es nicht wiſſen. 

58. So aber derjenige, der den Weg nicht weiß, durch 
den Zorn in die Liebe dringet, ſo iſt er dem gleiche, der durch 
feine Wiſſenſchaft iſt durchgedrungen; die aber im Zorn bes 
barren, und zuͤnden den in ſich gar an, die find einander auch 
alle gleiche: e3 feyn gleich Ehriften, Juden, Tuͤrcken oder 
Heiden. Rom. 2:11.29. 

59. Dover mag meineft du, damit mar kan GOtt dienen ? 
wolteſt du mit ihm heucheln, und deine Geburt fehmücken ? 

60. sch meine ja, du biſt ein fehöner Engel: mer Liebe in 
feinem Hertzen bat, und führet ein barmhertziges und fanft- 
muͤthiges eben, und ffreitet wieder die Bosheit, und dringet 
durch den Zorn GDttes ins kicht, der lebet mit GOtt, und if 
ein Geiſt mit GOtt. 

61. Denn GOtt bedarf Feines andern Dienſtes, als daß 
ſich ſein Geſchoͤpfe, welches in ſeinem Leibe iſt, nicht von Ihm 
verruͤcke, ſondern heilig ſey, wie Er iſt. h 

62. Darum gab auch GOtt den Juden das Geſetze, daß fie 
fich folten der fanften Heiligkeit und Liebe befleiffen , damit die 
gantze Welt einen Spiegel an ihnen hatte: als fieaber in Hof: 
fort geriethen, und rühmeten fich ihrer Geburt vor der Liebe, 
und machten aus dem Gefeße der Liebe eine Schärfe des 
En ; fo ftieß ihnen GOtt den Leuchter weg, und og zu den 

eiden. 

63. Zum andern iſt das der Unterſcheid zwiſchen den Chri⸗ 
ſten, Juden, Tuͤrcken und Heiden, daß die Chriſten deu 
- Baum des Lebens mwiffen , welcher ift Chriſtus, der da iffder 
Fuͤrſt unſers Himmels und diefer Welt, und regieret in allen 
Beburten ald ein König in GOtt feinem Vater , und die Men⸗ 
ſchen find feine Glieder. 

64. Nun wiſſen die Chriſten, wie fie fönnen, in Kraft die- 
ſes Baumes, aus ihrem Tode durch feinen Tod zu Ihm in 
fein Leben eindringen,und mit Ihm herrſchen und leben: da fie 
dann auch mit ihrem Durchdringen, mit ihrer Neuen Geburt 

aus diefem todten Leibe koͤnnen bey ze im Himmel —— 
— 5 5: 


330 1, AURORA. Cap. 22. 


65. Und obſchon der todte Leib mitten in der Hoͤllen iſt bey 


allen Teufeln, dennoch herrſchet der Neue Menſch mit GOtt 


im Himmel, und iſt ihnen der Baum des Lebens eine ſtarcke 
Porte, durch weiche fie ins Leben eingehen. Nun dieſes wirft 
du an feinem Drte ausführlich finden, 

66. Rum mercke: Es fehreibet Moſes, GOtt habe gefpros 
chen: Es werden Lichter an der Veſte des Himmels, die da 
leuchten auf Erden, und ſcheiden Tag und Nacht, und ma- 
chen Fahr und Zeit, ꝛc. Gen. 1:14. 

67. Diele Beſchreibung zeiget an, dad der erffe Geribent 
nicht gewuſt hat, mas die Sternen find, wiewol er doch des 
rechten GOttes iſt fähig aemwefen: Er bat aber die Gottheit 
beym Herken genommen und aufs Hertze gefeben, mas das 
Hertze und der Kern diefer Schöpfung fey; und der Geiſt hat 
ihm die fiderifihe und auflerfte todte Geburt verborgen gebal- 


‚ten, und hat ihn allein auf den Glauben, an das Herge der 
Gottheit getrieben. | 


— 


— 


— 


68. Welches auch das Hauptſtuͤcke iſt, das dem Menſchen 
am noͤthigſten iſt: denn wenn er den rechten Glauben ergreift, 
ſo dringet er durch den Zorn GOttes durch den Tod ing Leben, 
und herrſchet mit GOtt. 

69. Weil aber die Menſchen ietzo am Ende dieſer Zeit ſehr 


luͤſtern nach der Wurtzel des Baumes, durch welches die Na⸗ 


tur anzeiget,daß die Zeit de Baımes Entblöffung vorhanden 
fey ; als will ihnen der Geiffdiefelbe zeigen, und fich die Gott⸗ 
beit gan offenbaren: Welches iſt die Morgen-Röthe und Ans 
brechung des groffen Tages GOttes, an dem foll wiederbracht 
werden und aufgehen, was aus dem Tode zur Wiedergeburt 


‚ bes tebend geboren iſt 


70. Siehe, ald GOtt ſprach: Es werde Licht ; fo iſt das 
Sicht in den Kraften der Natur oder 7 Beiftern GOttes aufge⸗ 
gangen,und it die Veſte des Himmels, welche ſtehet im Worte 
im Hertzen des Waſſers, zwiſchen die fiderifche und aufferffe 
Geburt mit dem Worte und Hertzen des Waſſers geſchloſſen 
worden; und iſt die ſideriſche Geburt der Locus des Scheide: 
Ziels, welche ſtehet halb im Himmel und halb im Zorne. 

71. Denn aus demſelben halben Theil des Zorns gebaͤret 
ſich nun immer die todte Geburt: und aus der andern Helfte, 
welche reichet mit ſeinem innerſten Grad bis in das innerſte 


Hearge und Licht GOttes, gebaͤret ſich nun fur HE 
N 


M 


ui u En m Sn U _ 


Gay.22. Morsenröthe im Aufgang. 331 
Tod dag Leben ; und iſt Doch Die ſideriſche Geburt nicht zwey, 
ſondern ein Leib 

72. Als aber in zweyen Tagen die Schoͤpfung des Himmels 
J der Erden verrichtet ward, und der Himmel in dem Her⸗ 
tzen des Waſſers zum Unterſcheid zwiſchen dem Lichte GOttes 
und dem Zorn GOttes gemacht war; ſo gingen nun am drit⸗ 
ten Tage durch den Schrack des Feur⸗Blitzes (welcher in dem 
Hergen des Waſſers aufging, und drang durch den Tod, dem 
Tod unbegreiflich) wieder auf allerley Figuren, wie es vor der 
Zeit des angezuͤndeten Zorns war geſchehen. 

73. Beil aber das Waſſer, welches iſt der Geiſt des ſideri⸗ 
—* Lebens, mit im Zorn und auch im Tode ſtund, figurirete 
ſich auch ein ieder Reid alſo, wie die Geburt zum Leben und zur 
Beweglichkeit war. 

Von der Erden. 

4. Die Erde war nun der Salitter welcher aus der inner⸗ 
ſten Geburt ausgeſpeyet war und im Tode Fund: als aber der 
Feuer-Blig durchs Wort im Waſſer aufaing, ſo war es ein 
Schrack, davon entſtund die Beweglichkeit im Tode; und die⸗ 
ſelbe Beweglichkeit in allen 7 Geiſtern I nun die ſideriſche 
Geburt. 

Die Tieffe. 

75. Verſtehe dis recht: Als ſich am zten Tage der — 
Blitz im Waſſer des Todes hat angezuͤndet, fo iſt durch den tod⸗ 
ten Leib des Waſſers und der Erden, das Leben durchgedrungẽ. 

76. Nun aber begreift das todte Waſſer und Erde nicht 
äh als den Bliß oder Schrack des Feuers, dadurch ihre Bes 
weglichkeit entſtehet: das Ficht aber , welches in dem Feuer⸗ 
Blitz sans fanfte aufgehet, das Fan weder die Erde noch das 
todte Waller ergreifen. 

77. Es behält aber feinen Sig in dein Kern, melches iſt das 
Fette oder Wafler des Lebens oder der Himmel: denn esiftder 
Leib des Lebens, das der Tod nicht erareiffen kan, und gehet doch 
indem Tode auf. Auch fo kan es der Zorn nicht ergreifen; 
fondern der Zorn bleibet im Schracke des Feuer-Bliges, und 
a: Beweglichkeit im todten Reihe der Erden und dem 

er. 

78. Das Licht aber dringet gantz fanfte hinnach, und formi⸗ 
ret Die Geburt, welche durch den Schrack des Fener-Bliges 
ii feinen RIEF KONNEN Leib EN ki 

Die 


332 ı I. AURORA, Gap.22, 
Die Gewachfe der Erden. 

79. Wenn nun der zornige Feuer-SBlitz die Geiffer der Na- 
tur welche in der Erden im Tode ftehen, mit feinem geimmen 
Schrack aufwecket und beweglich macht, fo fangen die Geiſter 
an nach) ihrem eigenthümlichen Goͤttlichen Rechte fich zu gebaͤ⸗ 
ren,wie fie von Emigfeit getban haben, und figuwiren einen 
Leib zufammen nach deffelben Orts inftehenden Qualitäten. 

80. Was fur Salitter in der Zeit des Zorns Anzundung iff 
im Todeerftorben, und wie er zur felben Zeit ift im inftehenden 
Lebender 7 Beifter GOttes qualificirend gewefen alſo iſt er 
auch in der Zeit der Wiedergeburt im Feuer-Blige wieder auf: 
gegangen, und ift nichts Neues worden als nur eine andere Ge⸗ 
ſtalt des Leibes, welcher in der Begreiflichfeitim Tode ſtehet. 
- gr. Nun aber vermag fich der Galitter der Erden und des 
Maffers iego in feinem todten Weſen nicht mehr zu verändern, 
und in unendlich zu erzeigen,mwie er im himmlifchen Sede thäte; 
fondern wenn die Duellgeifter den Leib formen, fo gehet er in 
Kraft des Lichtes auf. 

32. Und das Leben des Lichts bricht durch den Tod, und ge- 
Bäret ihm einen andern Leib aug dem Tode melcher nicht iff 
dem Wafler und der todten Erden ahnlich; und Frieget auch 
nicht ihren Geſchmack und Beruch,fondern Die Kraft desLichts 
dringet durch, und femperirer fich mit der Kraft der Erden, und 
nimt dein Tode feinen Stachel, und dem Zorn feine giftige Ge: 
walt und dringet in Mitten des keibeg, in dem Gewaͤchſe als ein 
Hertze mit auf. 

83. Und hierinnen ſteckt der Kern der Gottheit im Centro 
in ſeinem Himmel, welcher ſtehet im Waſſer des Lebens ver⸗ 
borgen. Kanſt du nun, ſo greiffe zu. | 

Ron den Metallen in der Erden. 

84. Mit den Metallen hats eben eine Subftan und Ge- 
burt wie mit den Gewachfen über der Erden. Denndas Me 
tall oder Ers,iffin Zeit der Anzuͤndung des Zorns im inftehen- 
den Rade des 7ten Natur-Beiftes im Gewircke der Liebe ge— 
ſtanden da fich hinter dem Feuer⸗Blitz das fanfte Wolthun ge: 
baret,darinnen der heilige Himmel ftebet, der fich in diefer Ge- 
burt, wenn die Liebe Primus wird, in folcyer holdfeligen Klarheit 
und ſchoͤnen Farben erzeiget, gleich dem Golde, Silber und ed- 
keften Steinen. —— 

85. Aber das Silber und Gold in der todten big; 

i 


Gay.22. Morgenröthe im Aufgang. 333 
iſt nur. ein finfter Stein gegen der Wurgel der himmliſchen 
Gebarung. Ich ſetze es nur darum hieher, daß du wiffeft, wo⸗ 
von es feinen Urſprung hat. 

86. Weiles dann iſt das fchönfte Auffkeigen und Gebaͤren 
in der heiligen, bimmlifchen Natur gewefen, fo wird es auch im 
diefer Welt vom Menfchen vor allen andern geliebet. Denn die 
Natur hat dem Menſchen wol in fein Herge gefchrieben, daß eg 
beffer ſey, al3 andere Steine und Erde; fie hat ihm aber den 
Grund nicht fönnen offenbaren, wovon es worden oder ber: 
er ri dabey du nun die Diorgen-Röthe des Tages mer⸗ 

en kanſt. | ——— u | 

87. Des Erbes iſt aber viel und mancherley, alles nach 
dem wieder Salitter indem Natur-Himmel in feinem Aufftei- 
gen im Richt der Liebe iff Primus gemefen. Denn ein ieder 
Duelgeift in der himmliſchen Natur hat aller Duellgeifter 
Art und Eigenfihaft an fich: dann er wirdimmer mit den an- 
dern inficiret, Davon das Leben und die unerforfchliche Geburt 
GOttes entſtehet; aber nach Einer Kraft iffer Primus, und 
das iſt fein eigen Corpus, davon erden Namen hat. | 

88. Nun aber hafeinieder Duellgeift die Eigenfchaft der 
ganken Natur, und ift fein Gewirck in Zeit der Anzundung des 
Zorns GOttes mit in Tod eincorporirt worden, und ifF aus ei⸗ 
nesieden Geiſtes Gemwirde Erde, Steine, Erg und Waffer 
worden. 

89. Darum findeffdu auch nach iedes Beiftes Qualität in 
der Erden Erg, Steine, Waffer und Erden: und darum iſt die 
Erde fo viel und mancherley Qualitat, alles nach dem wie ein 
ieder Quellgeiſt mit feiner inftehenden Geburt in Zeitder An- 
zuͤndung iſt Primus gemefen. 

90. Die Natur hat gleichwol dem Menfchen fo viel offen- 
baret, daß er weiß wie er von eines ieden Quell⸗Geiſtes frem- 
dem inficieten Eingeburt Fan die fremde Materiam abſchmel⸗ 
gen, Damitderfelbe Duell-Geift in feinen eigenen Primat Pri- 
musbleibet. 

gı. Diefeshaft du an Gold und Gilder ein Erempel: bu 
kanſt daſſelbe nicht eber rein machen, daß es rein Silber und 
Gold ſey es werde dann 7 malim Feuer geſchmeltzet: wenn dag 
geſchicht, fo bleibts in mittlern Sede im Herten der Natur, wel: 
ches iſt das Waſſer in feiner eigen? Dualitat und Farben fißen. 

92. Erfilich muß ihm die herbe Qualitat, welche — 

itter 


Bu Haas AURORA, Cap. 22. 


litter im harten Tode gefangen halt,abgefchmelger werden, das 
ift der grobe fleinichte Aberaum. Hernach der herbe Tod vom 
Waſſer, davon mird ein giftig Scheide-Waffer, welches ſtehet 
im Aufgang des Seuer-Bliges im Tode. Welches ift ein boͤ⸗ 
fer, ja der allerboͤſeſte Duell im Tode, ja der herbe und bittere 
Tod ſelber: denn das ift der Locus , wo dag Reben, welches im 
füffen Waſſer entſtehet, ift ım Tode erfiorben ; dag fcheidet 
ſich nun in der anderen Schmeltzung. 

93. Zum dritten wird der Bittere, welcher in der Amzuͤn⸗ 
dung des Waſſers im FeuerBlitz entſtehet, abgeſchmeltzet: 
denn der ſelbe iſt ein Wuͤter, Tober und Zerbrecher, und kan 
kein Silber noch Gold beflehen, wenn der-noch nicht getüdtet 
ift, denner macht. alles bröde, und erzeigetfich in mancherley 
‚Farben, denn er reitet durch alle Beifter, und nimt aller Gei⸗ 
ſter Farben an ſich. 

94. Zum aten muß der Feuer⸗Geiſt, welcher ſtehet in der 
grauſamen Angſt und Wehethun des Lebens, auch abgeſchmel⸗ 

get werden: denn er iſt ein ſteter Vater des Zorns, und aus 
ihm gebaͤret ſich die hoͤlliſche Wehe 

95. Wenn nun dieſer 4 Geiſter Zorn getoͤdtet iſt, fo bleibet 
der Ertzt⸗Salitter indem Waſſer eine zaͤhe Materia, und ſie⸗ 
bet dem Geift, welcher in demfelben Erste Primusift, ähnlich: 

und das Licht, welchesim Feuer ffehet, farbe ihn nach feiner 
eigenen Dualität, esfey Silber oder Gold. 

96. Und fiehet nun die Materia in der a4ten Abſchmeltzung 
dem Silber oder Golde ahnlich: es beſtehet aber noch nicht, 
und iſt noch nicht genug iebe und rein; ber Leib beſtehet wol 
darinnen, aber nicht der Geift. 

97. Wenn es nun zum sten mal geſchmeltzet wird, fo ffeigee 
der Liebe⸗Geiſt indem Waſſer durch Licht auf, und macht den 
todten Leib wieder lebendig, daß alfo die Materia, Die von dem 
erſten 4 Abſchmeltzungen iſt blieben wieder die Kraft bekommt, 
die deſſelben Quell⸗Geiſtes, welcher in dieſem Ertze Primusiff, 
Eigenthum ift gemefen. 

. Wenn es nun zum 6ten mal geſchmeltzet — ſon rd 
es etwas harter: da bemeget fich das Reben, welches i 
Liebe iſt aufgangen, und rüget fich ; und von demfelben Fügen 
entſtehet der Ton in der Hartigkeit, und Erieget das Erg einen 
bellen Klang, denn die harte, — und bitter = fenerige 
Ä — iſt weg. 


99. In 


ads, — — 1 


Cap. 22, Morgenröthe im Aufgang. 335 
99. In dieſer 6ten Schmelßung, halte ich dafür; fey die 

gröfte Gefahr bey den Alchsmiften mit ihrem Silber: und 
Sold:machen. Denn bie gehöret ein recht ſubtil Feuer zu, 
und tan bald verbrant und taub werden, und auch viel zu blind 
durch ein zufalt Feuer. Denn es muß ein Median-Feiter 
ſeyn, daß der Geiſt im Hergen nicht aufſtehend werde, fondern 
fein ſanft wolle; fo krieget es einen feinen füflen und fanften 
Klang, und freuet ſich immer, als folte ſichs wieder im Lichte 
GOttes anzunden. 

100. Gpaber das Feuer in der sten und 6ten Schmelßung 
zu hitzig ift, fo mird das neue Leben, welches fich in der Picbe 
hat im Aufgang des Lichts Kraft aus dem Wafler geboren, 
wieder in.der Grimmigfeit, im Zorn⸗Feuer angeftertet, und 
wird aus dem Erge ein verbranter Schaum und Aberaum, 
und hat der Alchymift Dresf fuͤr Goldd. | 

101. Wenn es nun zum 7ten mal geſchmeltzet wird, fo gehö= 
vet noch ein fubtiler Feuer darzu: denn dafelbft ſteiget dag Le⸗ 
ben auf, und freuet fich in der Liebe, und will fich in unendlich 
erzeigen, wie es vor der Zeit des Zorns im Himmel hat gethan. 

102. Und in diefer Bewegung wird es wieder fett und geil, 
und nimt zu, und breitet fich aus, und gebaret fich die hoͤchſte 
Tiffe aus dem Hergen de3 Geiſtes gang freudenreich gleich 
als wolte es einen englifchen Triumph anfangen, und fich in 
Göttlicher Kraft und Form in unendlich, nach der Gottheit 
Hecht, erzeigen. Und dadurch bekommt der Leib feine gröfte 
Gtarde und. Kraft, und farbet fich der Leib mit dem hoͤchſten 
Grad, und friegerfeinerechte Schönheit und Tugend. 

103. Und wenn es nun kalt gemacht wird, fo bat es feine 
rechte Kraftund Farbe, und mangelt an nichts, ald nur an 
dem, daß fich der Geiſt nicht Fan ins Licht mit feinem Leibe er⸗ 
heben, fondern muß ein todter Gtein bleiben, ob er wol viel 
Fraftiger iſt als andere Steine ; noch bleibet der Leib gleich 
wolimTod. 

104. Und das iſt nunderblinden Menfchen irdiſcher Gott, 
den fie lieben ımd ehren, und laflen den lebendigen GOtt, der 
im Centro verborgen ſtehet, immer in feinem Sede figen. Denn. 
das todte Fleiſch begreift auch nur einen todten Gott, und ſeh⸗ 
net fich auch nur nach einem folchen todten Gott; aber es iſt 
ein Gott, der manchen Menfchen hat in die Hölle geſtuͤrtzet. 
105. Du darfit mich darum für Feinen Alchymiften Bu * 

J a dent 


36T AURORA Gay. 22. 
denn ich fchreibe allein in Erfentniß des Geiſtes, und nicht 
durch Erfahrenheit. Wiewol ich zwar albie etwas mehrers 
anzeigen fönte, in wie viel Tagen und in welchen Stunden ſol⸗ 
che Dinge müffen prapariret werden: denn man nicht Gold 
in einem Tage machen Fan, ſondern es gehoͤret ein aanger 
Monden darzı. b | 

106. Es iſt aber nicht mein Fuͤrnehmen, mich auf dag zu 
verfischen:: fintemal ich nicht weiß mit dem Feuer umzugeben, 
auch fo kenne ich der Duell-Geifter Farben in ihrer aufferften 
Geburt nicht, welches grofler Mangel zweene find; fondern 
ich kenne fie nach einem andern Menſchen, der nicht in der Be: 
greiflichkeit fteher. 

107. Bey der Befhreibung der Sonnen wirft du etwas 
mehrers und tieffer8 davon finden : Meine Meinung ift allein 
dahin gerichtet, die ganke Gottheit, als viel mir in meiner 
Schwachheit begreiflich if, zu befchreiben, wie dieſelbe fey in 
Liebe und Zorne, und mie fie fich ießo in diefer Welt gebare. 


Bon den föftlichen Steinen wirft du bey der Befthreibung der 


7 Planeten finden. 
Das 23. Capitel. 
Bon der Tieffe über der Erden, 


Summatien. 
Te Gottheit ift überall, und ſtehet auch in diefer Welt Negiment ; 

12. Sie iſt ſein feib. 3. Sonſt wäre der Menſch nicht GOt⸗ 

tes Bild, und koͤnte nicht wieder ermecet werden. 4,5. So 
du eine andere Materia bift als GOtt, kanſt du fein Kind nicht ſeyn. 6. 
Es find feine zmenerlen Gottheiten in GOtt. 7. 8. Aus welchen GOtt 
der Menich geichaffen iſt ? 9.10. Die fichtbare Wegreiflichkeit if GOt⸗ 

tes Zorn. un. In der ſideriſchen Geburt malen Liebe und Zorn gegen 

einander: der Glaube aber reichet in GOttes Her. 12:14. Der Zorn 


mar vor den Zeiten nicht: aber wol die ernfte firenge Geburt; doch 


nicht erheblich. 15.16. Nach diefer Tieffe erfante fich GDEE nicht. 17. 
Die 7 Geftalten find gleich. ig. (1) Dieherbe Dualität. 19. (2) Das 
füfle Waffer. 20. (3) Die Bitterkeit 21. (4) Das Feuer. 22. In 
dieſen 4 Geftalten hat die Hölle und des Teufels Bosheit ihren Ur: 
fprung. 23. Die ängitliche Sterblichkeit. 24. Des Teufels, Todes 
und Hoͤllen Vrftand, 25.26. Der Feuerſchrack gehet vorm Licht her. 27. 
Aus dem Feuer gebäret fich im Waffer das Licht, welches den gantzen 
. Leib dieſer Bebärung erſuͤllet; 28:31. wiewol das Licht Eeinen Anfang 
bat: Es iſt GOttes Hersoder Gohn. 32:35. Dieſes Licht wird in der 
menschlichen Geburt, der Seelen Geburt genennet. 36. Die ste Ge: 


Geiſt im andern geicharfet, 38. da Lauter Liche im ber ſcharfen Ge 


* 


Bu das Licht, machet die Scharfe Geburten fanfte,37. daß u f 


sung 


Eap.23: Morgehröthe im Mufgang. 337 TR 


rungift.39. Dieste Geburt: daraus mallet der H. Geift, und dringet 
durch alle Gebarungen. 40242. Die 7te Geburt iſt die Drenheit. 43. 
Die Geburten ringen miteinander. 44. Dieje Geburt heiffet GOtt 
Prater, Sohn, H. Geift: 45. um des beſers willen wirds unterfchieden 
fürgeitellet. 46.._ Die Gottheit iff die Geburt aller Dinar. 47. Die 
fcharfe Geburt iſt der Bemeglichkeit und des Lichtes Urfprung. 48. Die 
Natur ii der Leib: das Waſſer der Geill. 49. so. Das Licht macht 
alles ſanft, davon die ſtrenge Geburt gelabet wird, sı.52. und im Waf: 
fer die Bitterkeit aufiteiget, und bleibet Falt, herb und ffreng. 53.54. 
Des Feuers Anzundung. 55. Des Lichtes Aufgang. ib. Des Tons 
Urſtand. 56. Die ſtaͤrckſte Kraft bildet. 57, Keine Kraft ift Die erſte 
oder leute. 58. Die Natur kan von den Kräften GOttes nicht unter- 
ſchieden werden. 59.60. Eott iſt alles in allen: 61. mo aber das 
Licht verlofiben, da iſt die firenge Geburt Primus. 62.. Die zte Ge: 
burt iſt das Licht. 63. Die Lichts⸗Geburt Fan dic firenge Geburt nicht 
ergreiften. 64. Der Bater hat den Sohn lieb, wegen der Gänftigung. 
65. Dieje 2 find gleiche groß. 66:68. Der Geiſt iſt das teben, Bewe⸗ 
gen, Wallen und Sormen in beyden. 69. In der Luſt Tieget der Geiſt 
der Sanftmuth verborgen. 70. Der Himmel ift in deinem Hersen. 7. 
Diele 3 faffen einander nicht. 72. Der H. Geiſt iſt der Vollender des 
Göttlichen Willens. 73.74. Bermahnung an die Juriſten. 75.76. Die 
Gottheit it fanft und ſtille, und gebäret fich fanft. 77. _ Die Scharfe im 
Verborgenen heiffet GOttes Zorn. 78. Die Engel fpielen fanfft :79. 
Ihr Spiel.go. Welche Kraft Primus it, die gehet in den Engeln 
auf; 81. wenn ſich aber das Hertz GOttes erzeiget, gehen alle 3 Ko⸗ 
nnigreiche auf. 82.83. Des Autoris Gabe und Ruf, deine diefe ſchwere 
Arbeit auferleget worden. 84.85. GOtt iſt nichts freindes. 86. Die 
Engel find alle aus der Göttlihen Gebärung geſchaffen 87. GOttes 
und der Engel Wille ift Eins. 88. Diele find GOttes Kinder; ihre 
Leiber aber koͤnnen GOttes Geburt nicht ergreiffen. 89. go. Lucifer 
wolte allein GOtt feyn: gı. zündete feinen Peib an, und verlöfchete 
ihm das Licht, 92. und konte GOttes Hertz nicht fühlen, noch die 
fanfte Gebaͤrung ergreifen. 93.94. Gein Fettes im Wafler mard ein 
faurer Geſtanck; feine Duellgeifter waren im Zorn verfchloffen : 95.96. 
ſtehen alſo im Grimm des ı. Principit, 47. und iſt die Natur, den Teu⸗ 
feln zur Wohnitätte, hart entzündet. 98. 


Enn der Menfch die Tieffe uber der Erden anfiehet, fo 
ſie het er nichts ald Sternen und Wafler - Wolden, 
dann dencket er, es mufle ein anderer Dre feyn, da 

fich die Gottheit mit dem himmlifchen und englifchen Regi⸗ 
menterzeige. Er will ſchlecht die Tieffe, famt ihrem Regi⸗ 
ment, von der Gottheit unterſcheiden: denn er fiehet alda 
nichts als Sternen, und das Regiment darzwifihen iſt Feuer, 
Luft und Waſſer. * 
2. Da denckt er dann, das hat GOtt aus ſeinem Vorſatz 
aus Nichts alſo gemacht: wie koͤnte dem Weſen GOtt * 
oder 


338... E-AURORA. 0 93 Gay 


oder wiefönte das GOtt felber ſeyn ? Er bildet ihm immer 
ein, es fey nur alfo ein Haus, darinnen GOtt mit feinen Gei⸗ 


fferegiere und wohne: GOtt Fönne ja nicht ein GOtt feyn, 
deffen Wefen in Kraft dieſes Regiments beſtehe. | 
3. Esdürftemancher wolfagen: Was wäre das für ein 
GOtt, deffen Leib, Weſen und Kraftin Feuer, Luft, Wafler 


und Erde ſtuͤnde? 


4. Siehe, du unbegreifliher Dienfch, ich will dir den rech- | 


ten Grund der Gottheit zeigen. Wo diefes ganse Wefen 


nicht GOtt iſt, fobift du nicht GOttes Bilde ; wo irgend ein 
fremder GOtt iſt, ohaftdu Fein Theil an Shme. Denn du 


biſt aus diefem GOtt geſchaffen, und lebeſt in demmfelben, und 


derfelbe gibt div ters aus Ihme Kraft, Segen, Speife und 
Trank ; auch fo fichet alle deine Wiffenfchaft in Diefem GOtt; 
und wenn du ftirbeft, fo wirft du in Diefem GOtt begraben. 

5. Wo nun ein fremder GHtt iſt, der auffer Diefem iſt, wer 
wird dich dann aus diefem GOtt, Darinnen du vermwefen biff, 


u Ss un u 


wieder lebendig machen? wie wird dir der fremde GOtt, auß 


dem dur nicht gefchaffen bift, und in dem du nie gelebet haft, dei 


ten Leib und Geiſt wieder zuſammen⸗figuriren? 
6. So du nun eine andere Materia bift ald GOtt felber, 


wie wirft du dann fein Kind feyn? oder wie wird der Menfch 


und König Chriftus können GOttes leiblicher Sohn feyn, den 
Er aus feinem Hergen geberen hat? 


7. Somun feine Gottheit ein ander Wefen ift als fein Leib, 


von dem GOtt diefer Welt, und fein Herge ware von dem un- 
befanten GOtt. h 


ſo muͤſte zweyerley Gottheit in Ihme ſeyn; fein Leib ware 


8. D tbue die Augen deines Geiſtes auf, du Menfchen- 
Kind, ich will dir alhie die rechte und wahrhaftige, eigentliche 


Morten der Gottheit zeigen, als es Dann derfelbe Einige GOtt 


"haben will. | 
9: Giehe, das iffder rechte Einige GOtt, ausdem du ges 
fchaffen bift, und in dem du lebeſt: Wenn du anfieheft die Tief 
fe, und die Sternen, und die Erden, fo fieheff du deinen GOtt, 
und indemfelben GOtt lebeſt und biſt du auch, und derfelbe 


Ihme, fonft waͤreſt du nichts. Br 
120. Nun 


GoOtt regieret dich auch, und aus demſelben GOtt haft du 
auch deine Sinnen, und bift eine Creatur aus Ihme und ir 


Cap 23. Morgenröthe imAufgang 339 


10. Nun wirſt du ſagen, ich fchreibe heidniſch: Höre und 
ſiehe, und mercke den Unterſcheid, wie dieſes alles ſey: denn 
ich ſchreibe nicht heidniſch, ſondern philoſophiſch; fo bin ich 
auch fein Heide, fondern ich babe Die tieffe und wahre Erfent> 
niß des Einigen groflen GOttes, der Alles iſt. 

u. Wenn du anſieheſt die Tieffe, dieGternen, die Glemens 
ta, die Erde, fo begreiffeft du mit deinen Augen nicht die ‚belle 
and Have Gottheit, und ob Sie wol alda und darinnen iff; 
fondern du ficheft und begreiffeft erftlich mit deinen Augen den 
Tod, darnach den Zorn GOttes und das höllifche Feuer. 

12. Sodu aber deine Gedancken erhebeft, und denckeft, wo 
GOtt ſey ſo ergreiffeft du die fiderifche Geburt, da Liebe und 
Zorn gegen einander wallen. Wenn du aber den Glauben 
fchöpfeft an den GOtt, der in Heiligkeit in diefem Regimente 
zegieret, ſo brichft du durch den Himmel, und ergreiffeft GOtt 
bey feinem heiligen Hergen. 

13. Wenn nun diefes geſchicht,ſo biſt du wieder ange GOtt 


iſt, ver da felber Himmel, Erde, Sternen und Elementa iſt; 


und haſt auchein folch Regiment in die, und biſt auch eine fol- 
che Perſon, wieder gange GOtt in dem Loco diefer Melt iſt. 
14. Nun fprichft du; Wie foll ich das verſtehen? es iſt je 
Gottes und der Höfen oder des Teufels Reich von einander 
unterfchieden, und kan nicht ein Leib ſeyn? auch ſo iſt die Er: 
de und Steine nicht GOtt, ſo wol auch der Himmel und die 
Sternen, auch nicht: die Elementa, vielweniger fan ein 
Menſch GOtt feyn ; fonft würde er nicht Finnen von GOtt 
‚verftoffen werden? Hie will ich dir nun nach einander dem 
Grund erzehlen, behalt die Frage im Sinne. 
Ron der fiderifihen Geburt, und Geburt 
* | x GOttes. as) 


* 


iſt kein folch Zorn GOttes gewefen, auch Fein Tod, auch Fein 
Teufel, auch weder Erde noch Steine, auch fo hats feine 
Eternen gehabt ; fondern die Gottheit bat fich fein fanfte und 
lieblich geboren, und in Bildniffe figuriret, melche nach den 


Quellgeiſtern find corporiret morden mit ihrem Gebaren ,- 


Bingen und Aufffeigen, und 8 auch wieder durch ihr Rin⸗ 
2 gen 


3. Vor den Zeiten des erſchaffenen Himmels, und der 
Sternen und Elementen, und vor der Erfihaffung der Engel 


3400 I. AURORA, Cap.ꝛ3. 
gen vergangen, und haben ſich in eine andere Geſtalt formiret, 
alles nach deme wie ein ieder Quellgeiſt iſt Primus geweſen, 
wie du davorne kanſt leſen. —7 

16. Uber mercke hie recht: Die ernſte und ſtrenge Geburt, 
darausder Zorn GOttes, die Hölle und der Tod iff worden, 
die iſt wol von Emigfeit in GOtt gewefen, aber nicht anzuͤnd⸗ 
lich oder erheblich. Denn der gange GOtt ſtehet in 7 Species 
oder zerley Geftalt oder Gebaͤrunge; und wenn diefe Ge: 
burten nicht waren, fo mare fein GOtt, auch) Fein Leben, auch 
fein Engel, noch einige Creatur. 

17: Und diefelben Geburten haben Feinen Anfang, fondern 
haben fich von Ewigkeit alfo geboren: und nach diefer Tieffe 
weiß GOtt felber nicht, was Er if. Denn er weiß feinen 
Anfang, und auch nichtes feines gleichen, und auch Bein Ende. 

18. Diefer 7 Sebarungen in allem iſt Feine die erſte, und 
auch Feine die ander, dritteund legte; fondern fie find alle 7 
eine iede Die erſte, ander, dritte, vierteund legte. Doch muß 
ich nach creaturlicher Art und Weife eine nach der andern fe: 
Ken, fonft verfteheft du eg nicht: denn die Gottheit iſt wie ein 
Rad mit 7 Rader in einander gemacht, da man weder Anfang 
noch Ende fiehet. 

79. Nun mercke: Erſtlich iſt die herbe Dualitat, die wird 
von den andern 6 Geiſtern immer geboren : die iffinfich ſelbſt 
harte, Kalt, fiharfgleich dem Galße, und noch viel ſchaͤrfer. 
Denn eine Creatur fan ihre Scharfe nicht genug ergreiffen, 


fintemal fie in einer Creaturen nicht einig undalleine iſt aber 


nach der angezuͤndeten böllifchen Dualitat Art weiß ichs, wie 
fieift. Diele berbe, feharfe Dualitat zeucht zufammen, und 
baltin dem Goͤttlichen Leibe die Formen und Bildniffe, und 
vertrocknet fie, daß fie beſtehen. 

20. Die andere Gebaͤrung iſt das ſuͤſſe Waſſer, das wird 
auch aus allen 6 Geiſtern geboren: denn es iſt die Sanftmuth, 
welche aus den andern ſechs geboren wird, und ſich in der her⸗ 
ben Gebaͤrung auspreffet, und die herbe immer wieder anzuͤn⸗ 
det, löfchet und fanftiget, daß fie ihre Herbigkeit nicht Fan er- 
zeigen, wi 
Gewalt hätte. i | F 

21. Die zte Gebarung iſt die Bitterkeit, welche entſtehet 
aus dem Feuer im Wafler : denn fie reibet oder aͤngſtiget in 

in 


un 


e fie wol in ihrer eignen Schärfe auffer dem Waſſer | 


be a 

Cap.23. MorgenrötheimAufgang. 341 
in der herben und fcharfen Kalte, und macht die Kalte beweg⸗ 
lich, davon die Beweglichkeit entſtehet. 

22. Die te Gebarung ift das Feuer : das entſtehet 
vonder Beweglichkeit oder Reibung in dem berben Geis 
fie; und das iſt nun feharfzbrennende, und. die bittere iff 
fechend und wuͤtende. Wenn fich aber der Feuer-Geift in 
der herben Kalte alfo wuͤtende reibet ſo ift alda ein angftlich, 
erfchvecklich, zitternd und feharf wiederwillig Gebaͤren. 

23. Mercke bie tief : denn ich rede alhie auf Teufelifche 
rt, als ob fich das Licht GOttes noch nicht hatte in dieſen 4 
Species angezündet, als ob die Gottheit einen Anfang hatte; 
ch kan dich aber nicht anders und naher unterrichten , damit 
du es faſſeſt. 

24. In dieſer vierten Reibung iſt harte und gantz erſchreckli⸗ 
che, ſcharfe und grimmige Kalte, gleich einem zerſchmeltzten 
und fehr Falten Sale: Waffer, welches doch nicht Waffer waͤ⸗ 
re, fondern eine folche harte Kraft, gleich den Steinen. Auch 
fo iſt darinnen ein Wüten, Toben, Stechen und Brennen, und 
iſt das Wafler immer wie ein fferbend Menfch wenn fich Leib 
amd Geele ſcheidet, eine gang erfchreckliche Aengſtlichkeit, ‚eine 
Wehe-Bebarung. | 

25. Hie,Menfch, befinne dich, hie ficheft du, wo ber Teufel 
und feine grimmige, zornige Bosheit Urfprung hat; darzu 
GOttes Zornund das höllifche Feuer , auch der Tod und die 
HöNe und ewige Verdammniß. Ihr Philofophi mercket das! 

26. Wenn fich nun diefe 4 Gebarungen alfomit einander 
reiben, fo wird die Hiße Primus, und zuͤndet fich im füllen Waſ⸗ 
fer an, da gehet zuband das Licht auf, 

27. Berftehe dis recht : Wenn fich dag Richt anzundet, fo ge⸗ 
het der Feuer⸗Schrack vorher ; ald wenn du auf einen Stein: 
fchlageft, fo fieheft du von ehe den Feuer-Schrack,alsdann faſ⸗ 
fer fich erft das Licht aus dem Feuer⸗Schracke. 

‚28. Run fahret der Feuer-Schrast in dem Waſſer durch 
die herbe Dualitat, und macht fie beweglich ; dag Licht aber. 
gebaret ſich im Waffer, und wird fcheinend , und iff ein unbe⸗ 
greifliches, fanftes und liebreiches Wefen ‚Das ich noch Feine: 
Creatur genugfam weder fehreiben noch reden kan, fondern ich 
ſtammle nur wie ein Kind,dasda gerne wolte lernen reden. 

29. Daflelbe Licht wird in Mitten aus diefen 4 Species ger 
boren, aus dem Fetten des füffen A und erfuͤllet den 
I NIE, No 3 gan⸗ 


— 


342° UL AURORA Gap 


sangen Leib diefer Gebarung. Es iſt aber ein ſolch ſanftes 
Wolthun, Wohlriechen und Wolſchmecken, daß ich zu dieſem 
kein Sleichniß weiß, ald nur wo mitten im Tode dag Leben ge- 
boren wird, oder als wenn ein Menſch in einer groffen Feuers⸗ 
Glut ſaͤſſe und würde urplöglich raus gezogen und in eine fol: 
ehe groſſe Sanftmuth geſetzet, da er zuvor des Feuers Schmer⸗ 
Ken gefuͤhlet haste, und nun urplöglich verginge, und würde im 
ein folch ſanftes Wolthun gefeßer. —J 
30. Alſo wird die Gebaͤrung der 4Species in ein ſolch ſanftes 
Wolthun geſetzet, wenn das Licht in ihnen aufgehet. 


14 


31. Du muſt mich aber hie recht verfichen ich ſchreibe auf | 
ereaturlihe Art, ald wenn em Menfch wäre des Teufels Ger 


fangener gemwefen, und würde urplöglich aus dem bölfifchen 
Feuer ins Licht GOttes geſetzet. 


32. Denn das Licht hat in der Gebaͤrung GOttes keinen 


Anfang; ſondern es hat von Ewigkeit alſo in derGebaͤrung ge⸗ 
leuchtet, und weiß GOtt ſelber keinen Anfang darinnen. Allein 
der Geiſt thut dir hie der Hoͤllen Porten auf, Daß du ſieheſt, wie 
es eine Gelegenheit in den Teufeln und der Hoͤllen bat, und’ mie 
es im Menſchen ift, wenn dag Goͤttliche Licht verliſchet und er 
in GOttes Zorne ſitzet; fo lebet er in einer folchen Gebaͤrung, 
und in ſolcher Angft, Schmergenund Wehe. 

33. Ich kan dirs auch in Feiner andern Geftale furfchreiben : 
denn ich muß alfo fehreißen, ald wenn die Gebaͤrung GOttes 
einen Anfang hatte oder nahme, da esalfo worden ware. Ich 
fchreibe alhie gar wahrhaftige und theure Worte, welche allein 
der Geiſt verſtehet. Nun mercke N 

Die Porten GOttes. 
34 Das bicht, das ſich nun aus dem Feuer gebaret, und it 


ee ee Me BZ 


sem Waſſer ſcheinend wird, und erfilller Die gange Gebarung, ” 


und erleuchtet fie, und fanftiget fie, das ift das wahrhaftige 


Hertze GOttes oder der Sohn GOttes: denn Er wird aus 


dem Bater immer alfo geboren, und iff eine andere Perſon als 


die Qualitaͤten und Gebärung des Vaters. 


35. Denn die Gebärung des Baters kan das Licht nicht er⸗ 


haſchen oder begreiffen , und zu feinem Gebaren gebrauchen; 
ſondern das Licht ſtehet frey für fich, und wird von Feiner Ger 
baͤrung begriffen, und erfüllet und erleuchtet die gange Geba- 
rung, ald der Eingeborne Sohnvon Vater, (Joh.zı4) _ 
36. Und diefes Licht heiffe ich in der menfchlichen Geburt die 
anima= 


4 


5 
! 
f 
1 


% 
* 
* 


Cap.ꝛ3. MorgenrötheimAufgang. 343 
animalifche Geburt, [»Verftebe die Bildniß, ſo aus der 
„Seelen Eſſentien nach GOttes Gleichniß ausfpröffet.] 
oder der Seelen-Beburt, welche mit diefer GOttes animali⸗ 
fchen Geburt inqualivet: und hierinnen ff des Menſchen See⸗ 
le ein Herge mit GOtt weñ fie aber auch in dieſem Lichte ſtehet. 

37. Die ste Gebärung in GOtt iffnun: wenn diefes Licht 
alfo gan fanfte und lieblich durch die erften 4 Gebaͤrungen 
dringet, fo bringt es des füflen Waſſers Herke und lieblichſte 
Kraft mit fih. Und wenn es nun die fiharfen Geburten Fo- 
ſten, fo werden fie gang fanfte und liebreich, und ift wie immer 
das Leben im Tede aufginge. | 

38. Da ſchmecket ein ieder Beift den andern, und Frieget ei⸗ 
tel neue Kraft: denn die herbe Dualitat wird nun gar linde, 
denn des Lichts Kraft aus dem ſuͤſſen Waffer fanftiget fie, und 
in dem Feuer gebet die fanfte Liebe auf: denn es erwaͤrmet die 
Kalte, und das ſuͤſſe Waſſer macht den feharfen Schmack gar 
lieblich und fanfte. _ 

39. Und ift in den feharfen und feurigen Gebarungen nichts 
denn eitel Liebe⸗ Sehnen, Koften, freundlich Inficiren, holdſe⸗ 
lige Gebaͤrung: : da ift eitel Liebe und aller Zorn und Bitterkeit 
im Centro als in einer groffen Veſten verriegelt ; fondern die⸗ 
fe Sebarung iſt gar ein fonftes Wolthun; der bittere Geiſt iſt 
nun dielebende Bewenlichkeit. 

40. Die 6te Gebaͤrung in GOtt iſt nun: wenn die Geiſter 
in ihrer Geburt alfo von einander Foften, fo werden fie gan 
freudenreich: denn der Feuer-Blig oder die Scharfe aus ber 
Gehurt ſteiget nun über fich, und wallet gleichwie die Luft in 
diefer Welt. 

41. Denn wenn eine Kraft die andere ruͤget, fo Foften fie von 
einander, und werden gang freudenreich ; denn das Licht wird 
aus allen Kräften geboren,und dringet wieder durch alleKraf- 
te ; dadurch und darinnen gebäret ſich die erhebliche Freude, 
davon der Ton entfichet. Denn von dem Rügen und Bewe⸗ 
gen gebaret fich der lebendige Geift, und derfelbige Geift drin⸗ 
get durch alle Gebaͤrungen, der Geburt gang unfaßlich und 
unbegreiflich, und iſt eine ganß freudenreiche, liebliche Schar: 
fe, als wieeine liebliche Mufica, Und wenn nun die Geburt 
gebaret, ſo faſſet es das Licht, und fpricht ed wieder in die Ge⸗ 
buredurch den mallenden Geiſt. j 

)4 . 42. Und 


u ee Ne 
? 


344 NAURORA, © Gap. 

42. Und diefer wallende Geiſt iſt die dritte Perfon in der 
Geburt GOttes, und heiffet GOtt der Heilige Geifl. 

43. Die fiebente Gebarung ift und behale feine Geburt und 
Formung in bem Heiligen Geiſte: wenn berfelbe durch die 
fcharfen Geburten geher, fo gehet ermit dem Tone, und for- 
met und bilder allerley Figuren, alles nach deme, wiedie ſchar⸗ 
fen Geburten miteinander ringen. | 

44. Denn fieringen in der Geburt ſtets miteinander mie 
ein Liebefpiel: und nachdem die Geburt mit den Farben und 
— im Aufſteigen ift, fo werden auch die Figuren ge⸗ 

ildet. * | 

45. Und diefe Geburt heift nun GOtt Vater, Sohn, Heili: 
ger Geift, und iſt Feine die erſte und auch Feine die legte : und 
ob ich gleich einen Unterſcheid mache, und eine nach der andern 
feße, fo iſt doch Feine die erfte und keine die letzte; fondern fie 
u von Emigfeit in einem gleichen Welen und Sitze alfo ge: 
weſen. 

46. Sch muß nur unterſchiedlich ſchreiben Daß es der Le⸗ 
fer verſtehet: denn ich Fan nicht himmliſche, ſondern menſch⸗ 
liche Worte ſchreiben: Es iſt zwar wol gar recht geſchrieben; 
allein das Weſen GOttes ſtehet in Kraft, und es begreift es 
nur der Geiſt, und nicht das todte Fleiſch. 

47. Alſo kanſt du verſtehen, was die Gottheit für ein We⸗ 
ſen iſt, und wie die drey Perſonen in der Gottheit ſind: Du 
darfſt die Gottheit nicht irgend einer Bildniß vergleichen, denn 
fie iſt die Geburt aller Dinge; auch fo in den erſten 4 Species 
nicht die feharfe Gebaͤrung ware, ſo ware feine Beweglichkeit, 
un fönte fich nicht dag Licht anzunden und dag Leben ges 

aͤren. 

48. Aber nun iſt dieſe ſcharfe Geburt der Beweglichkeit 
und des Lebens, ſowol auch des Lichtes Urſprung, daraus der 
lebendige und vernuͤnftige Geiſt entſtehet, der da in dieſer Ge⸗ 
baͤrung unterſcheidet, formet und bildet. Denn die herbe kal⸗ 
te Geburt iſt ein Anfang aller Dinge; die iſt herbe, ſtrenge, 
zuſammen ziehende und feſte haltende, und die formet und 


zeucht aus der Gebaͤrung zuſammen, und macht die Geburt di⸗ 


cke, daß daraus wird eine Natur: und daher hat die Na- 
—— Urſprung in dem gantzen Leibe 
ttes. | ; 


40Die⸗ 
u.” . 


Cap. Morgenrothe im Aufgang. 345 
49. Diefe Natur iſt nun wie ein todtes, unverſtaͤndiges 
Weſen, und ſtehet nicht mit in der Kraft der Geburt ; fondern 
iftein Leib, in welchem die Kraft gebaret. Sie iſt aber der 
Leib GOttes und hat alle Kraft wie die gange Gebarung ; und 
die Geburt⸗Geiſter nehmen ihre Staͤrcke und Kraft aus dem 
Leibe der Natur, und gebaͤren immer wieder ; und der herbe 
Geiſt zeucht immer wieder zuſammen und vertrocknet : Alfo 
beftehet der Leib, und auch die Geburt-Seifker. | 

50. Die. andere Geburt ift das Waffer ; das nimt feinen 
Urfprung in dem Leibe der Natur. 

sı. Mercke: Wenn das Licht den herben zuſammengezoge⸗ 
nen Leib der Natur durchicheinet, und denfelben fanftiget ‚fo 
gebaret fich in dem Leibedas fanfte Wolthun. Alddenn wird 
die harte Kraft gar fanfte, und zerfihmelget wieein Eis von 
der Sonnen, und wird duͤnne gleichwie das Waffer in der 
Luft; iedoch bleibet der Stock der Natur der himmlifchen Bes 
greiflichfeit fteben : Denn der herbe und Feuer-Beift halt 
ihn, und das Sanfte Wafler ‚das von dem Leibe der Natur in 
Anzundung des Lichts fehmelget „das gehet durch die ffren- 
——— und feurige Geburt, und iſt gar ſuͤſſe und 

i 

52. Davon wird nun die ernſte und ſtrenge Geburt gela⸗ 
bet, und wenn fie es ſchmecket, fo wird fie erheblich und er- 
freuet fich, und iſt ein Freuden⸗Aufſteigen, da fich das Leben 
der Sanftmuth gebaͤret. Denn das iſt das Wafler des Le- 
bens, darinnen fich die Liebe in GOtt, fo wol in Engeln 
a ERMBOER gebaret, denn es hat alles einerley Kraft und 

eburt. 

53. Und wenn nun die Geburt der Kräfte das Waſſer des 
Lebens Foften, fo werden fie zitternde vor Liebe-Freuden : und 
daſſelbe Zittern oder Bewegen, welches mitten in der Ge- 
burt aufſteiget, ff bitter: Denn es fleiget geſchwinde aus der 
Geburt aufzwenn das Wafler des Lebens in die Geburt koͤmmt, 
als ein Freudenfprung der Geburt. 

54. Weil es aber alfo geſchwinde aufgehet, dag fich die Ge⸗ 
burt alfo geſchwinde erhebet, ehe fie mit dem Waſſer des Le- 
bens gang infieiret wird, fo behalt derfelbe Schrack feine Bit⸗ 

terkeit aus der ffrengen Geburt : denn die anfangliche Ge⸗ 
vbuurt iſt gantz ſtrenge, kalt feurig und berbe. 
J—— 95 55. Dat: 





55. Darum iſt num der Schrack auch alfo erheblich und 

zitternde: denn er beweget die gantze Geburt, und reibet fich 
darinnen, bis er dad Feuer inder harten Grimmigfeit anzuͤn⸗ 
det, davon das Licht feinen Hrfprung nimt. Alddann wird 
der zitternde Schrack mit der Sanftmuth des Lichtes erleuch- 
tet, und gehet in der Geburt auf und nieder, quericht ‚tiber fich 
en fich, wie ein Rad mit fieben Radern in einander ge- 
macht. | 
- 56. Bon diefem Durchdringen und Drehen entſtehet der 
Schall oder Fon nach iedes Geiſtes Art, und inficiret fich 
immer eine Kraft in der andern : denn die Kräfte find ale 
keibliche Bruder in einem Leibe und ffeiget die Sanftmuth 
auf; und der Geiſt gebaret und erzeiget fich in unendlich. 

57. Denn welche Kraft fich nun in dem Immenden am 
ſtaͤrckeſten erzeiget, das ift, in der Gebarung, nach derfelben 
Kraft, Art und Farben bildet ver H. Geiſt auch Die Figuren in 
dem Leibe der Natur. 

sg. Aſo ficheft du, wie feine Kraft die erfte ft, und auch 
Feine die andere ‚dritte, vierte und legte 5 fondern die letzte 
gebaret die erſte fo mel als die erſte und legte; und die mittel: 
ſte nimt ihren Uriprung ſowol von der legten ‚erften, andern, 
dritten und fo fort ar. 

59. Auch fo ſieheſt du wie die Natur nicht Fönne von den 
Kraͤften GOttes unterſchieden werden ; fondern e8 iſt alles 
eineib. Die Gottheit, ‚das ift, die heilige Kraft des Her- 
tzens GOttes, wird inder Natur geboren ; auch fo entftehet 
oder gehet der H. Geiſt aus dem Hergen des Lichts durch alle 
Bett des Vaters immer aus, und figuriret alles, und bildet 
alles. | 

"60. Diefe gange Geburt wird num in 3 Unterfibeide gethei- 
tet, da eirt iebes ein fonderliches und gankes iſt; und iſt Doch 
Feines von dem andern getrennet. AR 

Die Porten der heiligen Drevfaltigkeit. 

61. Die gange Geburt ‚welche iff aller Himmel Himmel, 
fowol diefe Welt, welche ift in dem Leibe des Gangen, ſowol 
der Locus der Erden und aller Ereaturen, und wo du nur bin 
ſinneſt und denckeſt, das alles zufammen ift GOtt der Bas 
ter, der weder Anfang noch Ende hat: und wo du nur hinfin= 
neſt und denckeft, auch in dem kleineſten Eirsfel; den du * 

magſt, 


Babe ar 


Cap.23. Morgenröthe im Aufgang. 347 
magſt, iſt die gantze Geburt GOttes vollkoͤmmlich und unauf⸗ 
haltlich und unwiederſtreblich. 

62. Iſts aber, daß in einer Greatire oder in einem Orte 
iſt das Licht verloſchen, fo iſt die firenge Geburt alda, welche 
im 09 im innerften Kern verborgen heget. Das iſt num 
ein Theil 
\ 63. Das ander Theil oder die andere Perfon iſt das Licht, 
—* aus allen Kraͤften immer geboren wird, und erleuch⸗ 
tet hinwiederum alle Kraͤfte des Vaters, und hat aller Kräfte 
Quellbrunn. 
6a4. Es wird aber darum vorm dem Vater als eine ſonder⸗ 
liche Perfon entſchieden, daß es die Geburt des Vaters nicht 
fan ergreiffen, und ift doch des Vaters Sohn, der aus dem 
Vater immer geboren wird: Deffen haft du ein Erempel 
an allen angezundeten Feuern in diefer Welt; dene ihm 
aur nach. 

65. Und der Vater Tiebet diefen feinen eingebornen Sohn 
darum alfo herslich ſehr, daß er das Licht und das fanfte 
Wolthun in ſeinem Leibe iſt; durch welches Rraft aufgehet 
Des DBaters Freud und Wonne. 

66. Diefesfind nun 2Perfonen, und Fönnen Feine die an⸗ 
dere faflen, halten noch begreiffen, und iff eine fo groß als die 
— und wenn eine nicht waͤre fo ware die andere auch 
richt 

67. Hie mercket ihr Juden Türcken und Heiden, denn 


euch gilts/ euch wird alhie die Porten GOttes eröffnet; vers | 


ſtocket euch nicht ſelber: denn es iſt ietzo die angenehme Zeit. 


Ihr ſeyd mit nichten in GOtt vergeſſen⸗ ſondern mo ihr euch 


befehret, fo wird das Licht und Hertze GOttes in euch aufge⸗ 
ben wie die helle Sonne. 

68. Solches fehreibeich, als in Kraft und voffföimmliche 
Erfentniß des groffen GOttes, und verftehe feinen a 
hierinnen gar wol. Dennich febe und bin in Ihm, und gruͤ⸗ 
ne mit dieſer Arbeit aus feiner Wurtzel und Stamm, auch fo 
muß es ſeyn. Nur ſchaue zn, verblendeft dur dich, fo ift fein 
Rath mehr,und darfſt nicht ſagen du haſts nicht gewuſt Ste⸗ 

he auf, der Tag bricht a !/ 

ein Der dritte Unterfebeib,; oder die dritte Perfon in dem 

GOttes, iſt der mallende Geift, welcher von dem ya 
eben 


ftehen in dem Schracke, wo dag Leben geboren wird , entfte- 
bet : der wallet nun inallen Kräften, und ift der Geiſt des 
Lebens; und die Kräfte koͤnnen ihn nicht wieder ergreiffen 
oder faffen , ſondern er zundet die Kraftean, und macht durch 
fein Wollen Figuren und Bildniffe, und former diefelben nach 
der Art, wie die ringende Geburt an iedem Drte ſtehet. 
. 70. Undfo du nicht wilft blind feyn,fo ſolſt du wiſſen daß die 
Luft derfelbe Geiſt iſt: aber im Loco dieſer Welt iſt die Natur 
darinnen gang erheblich im Zorn⸗Feuer angezündet, welches 
Herr Lucifer getban hat ; und lieget der Heilige Geiſt der da iſt 
der Beift der Sanftmuth, darinnen in feinem Him̃el verborgen. 

zu Dudarfit nieht fragen wo iffderfelbe Himmel? er iſt in 
deinem Hergen,fchleuß ibn nur auf; albie wird Dir der Schluf: 
fel gezeiget. Bart 

72. Alſo iſt ein GOtt, und 3 unterfchiedliche Derfonen in 
einander, und Fan Feine die andere faffen oder aufhalten, oder 
der andern Urfprung ergründen; fondern der Vater gebaret 
den Sohn, undder Sohn ift des Vaters Herge, und feine Liebe 
und fein Licht, und iſt ein Urſprung der Freuden, und alles Le⸗ 
bens Anfang. 


9 


348 I. AURORA. weh U Cap. 22, 





7 
| 


73. Undder Heilige Geift iſt des Lebens Geiſt und ein For: | 


mirer und Schöpfer aller Dinge, und ein Berrichter des Wil: 
lens in GOtt: der hat formiret und gefthaffen aus dem Leibe 
und in dem Leibe des Vaters alle Engel und Ereaturen, und 
balt und formiret noch täglich alles,und iſt die Scharfe und der 
lebendige Geift GOttes: wieder Vater das Wort aus feinen 
Kräften ſpricht ſo formets der Geiſ. 

Von der groſſen Einfaͤltigkeit GOttes. 

74. Wolher Juncker Hang im braunen Roͤſſel der du reiteſt 
vom Himmel in die Hölle,und aus der Hoͤllen bis in Tod, darin⸗ 
nen der Stachel des Teufels lieget, beſiehe dich bie, du Weltklu⸗ 
ger Menfch, der du voll böfer Klugheit ſteckeſt. 

75. Merckts ihr Weltklugen Juriften, mo ihr nicht vor die⸗ 
ſen Spiegel vor das helle und klare Angeficht GOttes moller, 
und euch alda befpiegeln, fobeut euchder Geiſt die Geburt im 


innerften herben Eircfelan, wo die Klugheit geboren wird, da 


die Schärfe der aͤngſtlichen Geburt GOttes ift ; denn daſelbſt 
wird eure Klugheit und tieffer Verſtand geboren. / | 
76. Wollet ihr num Goͤtter und nicht Teufel feyn,fo gi 


4 re > uf ie” - u Ad 

 &ayp.23. Morgenroͤthe im Aufgang. 349 

euch des heiligen und fanften Rechten GOttes; wo nicht, fo 
follet ihr immer und ewig in der ſtrengen und ernften Beburt 

GOttes gebaren. Golches fager der Beiffalg ein Wort GOt⸗ 
tes, und nicht mein todtes Fleiſch. 

77. Du folft wiffen, daß ichs aus der fodten Vernunft 
nicht fange; fondern mein Geift inqualiret mit GOtt und ap⸗ 
probiret Die Gottheit, wie die ſey mit allem ihrem Gebaren, 
Geſchmack und Geruch : Befinde demnach, daß die Gottheit fen 
gar ein einfältiges, fanftes, Tiebliches und ſtilles Weſen, daß 
fich die Geburt der Dreyheit GOttes gar fanfte, freundlich, 
lieblich und einig gebaret ; und Fan fich die Schärfe der inner- 
lichiten Geburt niemalen indie Sanftmuth der Dreyheit er- 
heben, fondern bleibet in der Tieffe verborgen. 

78. Und heiffet die Scharfe im Verborgenen, GOttes 
Zorn: unddasMWefender Ganftmuth inder Dreyheit heiffee 
GOtt. Dagehet nichts ausder Scharfe aus, das da vers 
derbe oder den Zorn anzuͤnde; fondern die Beifter fpielen fein 
fanfte in einander, wie die Fleinen Kinder, wenn fie fich mie 
einander freuen, da ein iedes fein Werck hat, und fpielen mit 
einander und liebfofen einander. 

‚79. Solch Werd treiben auch die heiligen Engel: und iff 
in der Dreyheit GOttes gar ein fanftes , Tiebliches und ſuſſes 
Weſen da fich der Geift in dem Tone immer erhebet, und 
ruget eine Kraft die andere, ald ob alda liebliche Sefange oder 
Saitenſpiele aufgingen. 

80. Und wie das Aufſteigen der Geiſter an iedem Orte iſt, 
alfo former fich auch der Ton, aber gank fanfte, den Leibern 
der Engel unbegreiflich , aber der animalifchen (ſeeliſchen) Ge: 
burtder Engel gar begreiflich : und mie fich die Gottheit an ie⸗ 
dem Drte erzeiget , alfoerzeigen fih auch die Engel. Denn 
die Engel find ausdiefem Weſen erfchaffen, und haben ihre 
Fuͤrſten der Duellgeifter GOttes unter ſich, wie fie inder Ge 
burt GOttes find. 

81. Darum wie fich das Wefen GOttes inder Geburt er. 
zeiget, alfo auch die Engel: welche Kraft inder Geburt GH: 
tes zu ieden Zeiten Primus wird, und jubiliret aus dem Herz 
Ken GOttes indem Heiligen Geifte, deffen Kraft-Fürft der 
Engel fanget auch feinen Lobgeſang vor allen andern an, und 
jubiliret mit feinem, Heere, bald iſts einer, bald der ander: 
denn die Geburt GOttes iſt wisein Rad, ——— 


% 


ne Va A A a V— 


350 0% LAURORA: | Gapıay 


82. Wenn fih aber das Herge GOttes mit feiner Klarheit 
fonderlich erzeiget,, fo gehet auf das gange Heer aller drey 
Königreichen der heifigen Engel, Und in Diefem Aufgehen 
des Hertzens GOttes iſt König umd Primus der Menfih JE— 
ſus Chriſtus, der fuͤhret den Föniglichen Reihen mit allen bei- 
ligen Seelender Menfchen bis an Juͤngſten Tag. Alsdann 
werden die heiligen Menſchen vollkoͤmmliche Engel, und die 
Gottlofen vollfömmliche Teufel, und das in feine Emigfeit. 
Die befpiegele Dich, du Fluge Welt, woher deine Klugheit 
ommt. 

83. Nun wirſt du ſagen: Sucheſt du doch viel tieffer Klug⸗ 
heit als wir; du wilſt in die Verborgenheit GOttes ſteigen, 
das keinem Menſchen gebuͤhret. Wir ſuchen nur menſchliche 
Klugheit, und du wilſt GOtt gleich ſeyn, und alles wiſſen, 


wie GOtt iſt; darzu in allen Dingen, beydes im Himmel und 


Hoͤlle, in Teufeln, Engeln und Menſchen. Darum iſts ja 


nicht unrecht , alle ſpitzfindige, ſcharfe Liſten zu ſuchen: denn 
es bringet Ehre und Gewalt, darzu Reichthum. 
84. Einrede: Wo du mir auf dieſer Leiter, darauf ich in 


die Tieffe GOttes ſteige, nachſteigeſt, fo wirft du wol geffie: 


gen haben. Sch bin nicht durch meine Vernunft oder durch 
meinten vorfeglichen Willen auf diefe Meinung , oder indiefe 
Arbeit und Erfentnig kommen: ich babe auch diefe Wirfen: 
fchaft nicht geſucht/ auch nicht8 darvon gewuſt; ich babe al- 
fein das Her GOttes geſucht, mich vor dem Ungemitter des 
Teufels darein zu verbergen. 

85. Alsich aber dahin gelanget bin, fo iſt mir dieſe groffe 


und ſchwere Arbeit aufgeleget worden, der Welt zu offenba- 


ven und anzukündigen den geoffen Tag des HErrn: und 
weilfie fo harte nach de8 Baumes Wurgelluftert, ihnen zu 
offenbaren, was der aanke Baum ſey; darmit anzumelden, 
daß es die Morgen-Rörbe des Tages fey, das GOtt in ſei⸗ 
nem Ratb verlanaft befchloffen hat, Amen. 

86. Alfo ſieheſt du nun, was GOtt ſey, und wie feine Lie- 
be und Zorn von Ewigkeit gemefen iſt, auch mie feine Geburt 
iſt: und darfſt nicht ſagen, Daß du nicht in GOtt lebeſt und 


biſt, oderdaß GOtt etwas fremdes fey , zu dem dur nicht kanſt 


Eommen; fondern mo du biſt, da ift die Porten GOttes Diff 
Du nun heilig, fo biſt du deiner Seelen nach bey GOtt im * 
mel⸗ 


Fe, 
7 


Cap23. Morgenroͤthe im Aufgang. 351 


mel; biſt du aber gottloſe, ſo biſt du deiner Seelen nach im 
hoͤlliſchen Fuer. | 

37. Nun merke weiter: Als GOtt die Engel allefamt 
fchuf, fo wurden fie nun aus dieſer Gebarung GOttes ge: 
fchaffen: ihr Leib ward aus der Natur zufammen-corporiret, 
darinnen gebar fich ihr Geift und Richt, mie fich die Gottheit 
gebar: Und wie die Duellgeifter GOttes ihre Kraft und Staͤr⸗ 
cke immer aus dem Feibeder Natur nahmen, alfo auch die En⸗ 
aelı bie dans ihre Kraft und Starde immer aus der Natur 

ttes. 

88. Und wie der Heilige Geiſt in der Natur alles formete 
und bildete, alſo inqualirete auch der Engel-Geiſt in dem Hei⸗ 
ligen Geiſte, und half alles formen und bilden, damit alles ein 
Hertze und Wille waͤre, und eitel Luſt und Freude. 

89. Denn die Engel find des groſſen GOttes Kinder, die Er 
in feinem Leibe der Natur geboren hat, zur Vermehrung der 
Böttlichen Freude. 

90. Hie folftou aber willen, daB der Engel Leiber nicht 
koͤnnen die Öeburt GOttes ergreiffen: ihr Leib verfteher fie 
auch nicht, allein ihr Geiſt verfteher fie ; der Leib aber halt 
ftille , aleichwie die Natur in GOtt, und laffer den Geiſt mit 
GOtt arbeiten und Liebefpielen. Denndie Engel fpielen vor 
GOtt und in GOtt, gleichwie dieHeinen Kinder vorden EI- 
gern, darmit wird die Sörtliche Freude dermehrer. 

gr. Als aber der großmachtige Fuͤrſt und König Lucifer er: 
Schaffen ward, fomolteer folches nicht thun, fondern erhub 
ſich, und wolte allein GOtt ſeyn, und zindete das Zorn: 
Feuer in ihme an; alſo thaten auch alle feine Engel. — 

92. Als aber dieſes geſchahe, fo bruͤllete er mit feinem an⸗ 
gezundeten Feuer⸗Geiſte in die Natur GOttes, da ward der 
gange Leib inder Natur GOttes, alfomweit als feine Herr ſchaft 
reichete , angezunder. Weilaber fein Licht zu band verlafch, 
fo fonte er mit feinem Beifte in den zweyen Geburten, des 
Sohnes GOttes und des Heiligen Geifte8 GOttes nicht mehr 
inqualiven, ſondern blieb in der fcharfen Geburt GOttes 

€ j 


ſtehen. | 

93. Denndas Licht GOttes und den Geift GOttes kan die 
ſcharfe Gebärung nicht begreiffen, darum find es auch 2 fon- 
derliche Perfonen. Darum fo konte Herr Lucifer mit a. 
ar | tren⸗ 


J 


firengen, Ealten und harten Feuer-Geburt dag Herge und den 
. H. Geift GOttes nicht mehr beruhren noch fehen, weder 

ſchmecken noch fühlen ; fondern ward mit feinem Feuer⸗Geiſte 
ausgefpeyet in die aufferfle Natur, darinnen er das Zorn- 
Feuer hatte angezundet. | 

94. Diefelbe Natur iſt zwar der Leib GOttes, in welcher 
fich die Gottheit gebaret ; aber die Teufel Eönnen die fanfte 
Geburt GOttes, welche im Lichte aufgehet, nicht ergreiffen. 
Denn ibr Leib iſt im Lichte erftorben, und lebet in der wuͤſten 
und ſtrengen Geburt GOttes, Da fich das Licht nimmermehr 
wieder anzundee. _ h 

95. Denn ihr Fettes im ſuͤſſen Waffer iſt verbrant, und ift 
aus demfelben Waffer ein faurer Geſtanck worden, darinnen 
fich das Licht GOttes nicht mehr Fan anzunden, und dag Licht 
GOttes kan darin nicht mehr gehen. 

96. Denn die Duell-Geifter inden Teufeln find im harten 
Zorne verfchloffen ; ihre Leiber find ein harter Tod, und ihre 
Geiſter find ein grimmiger Stachel des Zornd GOttes, und 
ihre Quell⸗Geiſter gebaren fich immer in der innerften Schar: 
fenach der feharfen Gottheit Recht. , 

97. Denn anderstönnen fie fich nicht gebaren, auch fo Fön 





onen fienicht eriterben noch vergeben ; fondern fie ffehen in der 


allerängftlichften Geburt , und iſt nichts denn eitel Grimmig⸗ 
keit, Zorn und Bosheit in ihnen, der angezuͤndete Feuer-Duell 
fleiget auf von Ewigkeit zu Emigfeit, und Fönnen die ſuͤſſe und 
lichte Beburt GOttes ewiglich nicht mehr berubren, weder fe= 


ben noch begreifen. . 
Don der angesundeten Natur. 


08. Die Natur aber hat GOtt darum alfo hart angezün: 
det, und fich darinnen erzörnet , daß Er den Teufeln damit 
ein Wohnhaus bauete, und fie darinnen gefangen bielte, auf 
das fie waren Kinder feine? Zorns, in denen Er mit feinem 

grimmen Eifer herrfchete, und fie in dem Zorne, 
Das24.Capitel. 
Don der Zufammen-corporirung der 
Sternen. | 


Summerien, 
I” Rad der Geburt GOttes bewegte ſich am 1.2. und3. Tage. 5 





Eny.24. Morgenroͤthe im Aufgang. 353° 
33. Die Finſterniß dieſer Welt Fan das Licht der Natur nicht 
begeciffen. 4. Das Licht fcheinet mitten im Tod und Zorn, GOt⸗ 
tes. s, She Licht iſt fein Berftand. 6. Gleichniß von der Rinde ei: 
nes Baums, die an des Baums Leben nicht begreifen :. aljd iſt die 
Finſterniß diefer Welt, 779. das Haus des Lebens iſt der Finſterniß 
unbegreiflish.o.u.. Die Liebe bricht durch den Tod, und der Zorn 
grünetin der Finſterniß: ı1.ı2. Dis if die fideriiche Geburt... Die 
Sternen find die Kraft der Quell-Geiſter GOttes. 14.15. Das Picht 
iſt aus der hart-verderbten Natur gersichen „ 16. darauf GOtt am 
aten Zagedie Sternen geichaffen, weil er ein neues engliſches Heer 
fchaffen,, und dieſes Haus als ein Fönigliches Regiment ſchmuͤcken wol: 
te. 17:19. Eott wolte einen neuen Leib bauen. 20. Der Teufel folte 
die gantze Erde nicht befigen. 21. Der focus hat nicht geſuͤndiget, Dar: 
um Eonte er dem Teufel nicht eingeraͤumet werden, 22.23. Gott molte 
aus der Erden ein engliich Heer gebaͤren: und folte die Bildung mies 
dergeboren werden, 24.25. Der Tod und Zornin der Erde ſolte dem 
Teufelzur Wohnung werden, 26. Die Sterne find Kräfte GOttes, 
von mamcherlen Wirkung, und jollen ſich in ihrem Sig nicht verän: 
dern, 27:30. find die innerſte jcharfite Bent ‚und konnen das Herg 
ri nicht ergreifen 5 31.32. find GOttes Werckzeug, undift eine 
Geburt wieim Menfchen. 33.34. GOttes Licht wird in Diefer Welt 
immer geboren. 35. Die Sternen zunden den Leib an. 36. In deufel- 
bem ift diebe und Zorn in einander. 57. Das Hera Gttes urſtaͤndet 
ausdem Wafler , welchesinden Sternen, auch) in des Menfchenkeib 
iſt 38.39. Die Sterne find aus dem angezündeten Zornhaus GOttes 
aufgangen. 40. Am zten Tage it das Leben durch ven Tod gedrungen: 
gleich Ehriftus aus dem Grab aufgeffanden. gu. 42. Es iſt nur eine Liebe 
in der Natur und GOtt, 43. wiewol die Natur in der ichärfiienGe- 
burt ſtehet denn die Teufel find. nicht im Himmel. 43745. _ Die Hite, 
Kälte und Säure iſt offenbar. 46. Die Sterne find die Ansundung. 47. _ 
Die neue Geburt im Waſſer des Febens mache fie fanfte. 48. Liebe 
und Zorn it wol Ein Leib: das Waſſer ift ein Unterſcheid 49:52. Der 
Dater iſt einig. 53. Geine ſtrenge Geburt ifiber Natur Leib. 54, Das 
Licht iſt in der Mitten, da gehet der 9. Geiſt aus. 55.56. Das Licht 
fänftiget die Scharfe. 57. Aus diefem Leibe iſt alles geichaffen. 58. Putz 
eier ermeckte die Schärfe in feinem Leibe; sg. dem wiederſtund der 
Dater mit der Schärfe, hat aber nicht fein Hertz angezündet. 60, 61. 
Die fiharfe Geburt fan die heilige nicht ergreiffen. 62. Das Waffer 
des Lebens wird im Durchdeingen des Zorns geboren. 63. Die Ster⸗ 
en find Die angezündete Geburt. 64. Die Seele begreift SOtt: die 
—— Geburthalb.65. Du beteſt GOtt im Himmel in dir an. 66. 
er irdiſche Leib iſt Ein Feib mit dem angezündeten Leib dieſer Welt: 
67. ſo iſt dein Himmel im neuen Menſchen, wie der Himmel auſſer 
dir.68. Der Gottloſe iſt des Himmels nicht fähig. 69. Streit im 
Menjchen. 70.71.° Autoris Erempel. 7: Der Teufel will den neuen 
Men —— Der kluͤgeſte Teufel iſt ihm entgegen 
geſetzt geweſt. za. GOtt gr tet fich felbi in uns, 75. grübelt nicht 
inder Höllen, fendern im Himmel. 76. Ankündigung des ernften Ge⸗ 
richts GOttes. 77. HR J 
TER A 3 Als 


— J. AURORA, ! Cap. 24. 
es nun der gange Leib der Natur in der Raumlichkeit 
diefer Welt, gleichwieim harten Tode erſtarret war, 
und doch das Reben Darinnen verborgen war, fo bewe⸗ 
gete GOtt den gangen Leib der Natur diefer Welt am vierten 
Tage, und gebar aus der Natur aus dem aufgegangenen Kich- 
te die Sternen: Denn das Rad der Geburt GOttes bewegete 
ſich wieder , wie e8 von Ewigkeit gethan hatte. | 
2. Es hat lich zwar wolam erften Tage beiveget, und die 
Geburt indem Leibe der verberbten Natur angefangen ; denn 
‚am erſten Tage bat fich das Leben vom Tode entfehieden, und 
am andern Tage ift eine Belle darzwifchen gefcbaffen wor⸗ 
den, und am dritten Tage iſt das Leben durch den Tod ge- 
brochen : Denn da ift das Licht Durch die Finſterniß gebro- 
chen, und hat den todten Leib der Natur grunend und beweg⸗ 
lich gemacht. I | ver 
3. Denn am dritten Tage bat fich der Leib der Natur alfo 
bart geangſtet, Big fich das Liebe-Feuer hat in dem Tode an- 
gezundet ; und iſt das Lebens-Licht durch den erſtarreten Leib 
des Todes gebrochen, und bat aus dem Tode gegruͤnet; es iſt 
aberam zten Sage nur im Feuerfihrasfe geſtanden, davon die 
Beweglichkeit if entffanden. de 
4. Am 4ten Tage aber iſt das Licht aufgangen, und hat ſei⸗ 
nen Sig in das Haus des Todes gemacht, welches doch der 
Tod nicht kan begreifen. So wenig als die ffrenge Geburt 
GOttes, welche im innerften Kerne ſtehet, davon dad Leben 
entftehet, Fan die Sanftmuth und das Licht der Sanftmuth 
mit famt dem Beifte in. der Sanftmuth ergreiffen, fo wenig 
- Fan auch die todte Finfterniß diefer Welt das Licht der Natur 
ergreiffen, ſowol auch Fein Teufel. ehe 
5. Sondern das Licht fcheinet durch den Tod, und hat ihm 
feinen königlichen Gig mitten im Haufe des Todes und des 
Zornes GOttes gemacht, und gebaret ihm einen neuen Leib 
GHDtted aus dem Haufe des Zornes, der ewig in der Liebe 
GOttes beftehet, dem alten angezundeten in der aͤuſſerſten 
Geburt unbegreiflich. J a ON 
6. Nun frageſt du: Wie ſoll ich das verſtehen? Ich Fan 
dirs wol nicht in dein Hertze ſchreiben, denn es iſt nicht ieder⸗ 
manns Verſtand und Begreiflichkeit, vorab wo der Geiſt im 
Hauſe des Zornes ſtehet, und nicht mit dem Lichte GOttes 
inqua⸗ 


ee y in . BE — 
 Cay.2a. Morgenröthe im Aufgang. 355 
inqualiret: Sch will dirs aber in irdifchen Gleichniffen zeigen, 
ob du möchteft ein wenig in tieffen Sinn kommen. | 
7. Siehe an einen Baum, der hat von auswendig eine har⸗ 
te, grobe Schale, die iſt todt und erſtarret: doch iſt fie nicht 
‚gang im Tode, fondern in ber Ohnmacht; und ift ein Untere 
fcheid viſchen ihr und dem Leibe, founter der Schalen wachs ( 
fet. Der keib aber hat feine lebendige Kraft, und bricht durch 
Die verdorrete Schalen aus, und gebaret ihm viel fchöner jun- 
ger Leider, welche doch, alle in dem alten Leibe ſtehen. 
8. Aber Die Schale iff wie ein Tod, und fan das Reben 
de3 Baumes nicht ergreiffen; fondern hanger ihm nur an, 
und iſt eine Decke des Baumes, in welcherdie Wuͤrme niften, 
und zerſtoͤren dadurch endlich auch den Baum. 
9. Als iſt auch das gantze Haus diefer Welt: Die auffer- 
Jiche Finſterniß iſt das Hans des Zornes GOttes, darinnen 
wohnen die Teufel, und iſt recht das Haug des Todes; denn 
das heilige Licht GOttes iſt darinnen erfforben. Es if? 
„in fein Principium getreten: und iſt Die Auffere Wefer- 
„beitan GOtt gleich als todt zu achten, und Ds fie doch ir 
„GOtt lebet, aber in anderer Duelle.) 

‚10. Der feib aber diefes groffen Haufeg, welcher unter der 
Schalen der Finfternig verborgen lieget, der Finfterniß unbes 
greiflich der iſt das Haus des Lebens, darinnen Liebe und 
Zorn mit einander ringen. 

11. Nun bricht die Liebeimmer durch das Haus Des Todes, 
und gebaret heilige, bimmlifihe Zweige in dem groſſen Bau- 
ame; welche im Lichte leben. Denn fiegrunen durch die Scha⸗ 
deder Finſterniß, gleichwie der Zweig durch die Schale des 
Baumes, und find ein Leben nit GOtt. 

‚12. Und der Zorn grunet auch in dem Haufe der Finſter⸗ 
niß, und behalt manchen edlen Zweig durch feine Inficirung 
indem Hanfe der Grimmigkeit, im Tode gefangen. | 

13. Dasift nun die Summa oder der Inhalt der fiderifchen 
Geburt, davon ich bie fehreibenwil,. \ 

14. Nun fraget ſichs: Was find die Sternen ? oder wor: 

aus find die worden? Gie find die Kraft der 7 Geiſter GOt⸗ 
28: Dann als der Zorn GOttes durch die Teufel in diefer 
Melt angezündet ward, foward das gante Haus diefer Welt 
inder Rasur oder aufferffen * gleich wie im Tode erſtar⸗ 
à 2 ret, 


356 ' 1.AURORA. Cap. 24. 
ret, davon die Erde und Steine ſind. Als aber derſelbe harte 
Aberaum zuſammen auf einen Klumpen getrieben ward, fo 
ward die Tieffe lauter aber gang finſter; denn das Licht dar- 
innen war im Zorneerfforben. u 

ı5. Nun aber konte der Leib GOttes diefer Welt nicht im 
Tode bleiben, fondern GOtt bewegte fich mit feinen 7 Duell 
Beiftern zur Geburt. | | 

16. Du muſt aber dis hohe Ding recht verfichen: Das 
Licht GOttes, welches ift der Sohn GOttes, fomol auch der 
H. Geiſt, iſt nicht erſtorben gemefen ; fondern das Licht, wel⸗ 
ches von Emigkeit ift aus dem Hergen GOttes gangen, und 
die Natur, welche aus den 7 Geiſtern geboren wird, erleuchtet 
bat, das iſt aus der hart=verderbten Natur gewichen: Das 
von iſt die Natur diefer Welt mit ihrer Begreiflichkeit im To⸗ 
de blieben, und Fan das Licht GOttes nicht ergreiffen, fondern 
iftein finfter Haus des Teufels. | Wr 

17. Nach diefem. hat GOtt am vierten Tage der Schoͤp⸗ 
fung das gantze Haus diefer Welt mit den Qualitäten wieder 
neugeboren, und hat die Duell-Beifter geftellet in das Haus 
ber Zinfterniß, aufdaß Er Ihm wieder einen neuen Leib dar 
aus gebare zu feinem Lob und Ehren. | 

18, Denn fein Bornehmen war, daß Er wolte wieder ein 
ander englifch Heer fehaffen aus diefem Haufe, das folte alfo 
gethan feyn : Er wolte ſchaffen einen Engel, welches war 
Adam, der folte aus fich gebaren feines gleichen Creaturen, 
die da befaffen das Haus der neuen Geburt; undin Mitte 
der Zeit folteihr König aus dem Leibe eines Menſchen geboren 
werden, und das neugeborne Reich als ein König diefer Ere- 
een an ftelle des verdorbenen und verſtoſſenen 

ucifers. 

19. Unter Vollziehung dieſer Zeit wolte GOtt dieſes Haus 
mit feinen Qualitaͤten als ein koͤniglich Regiment ſchmücken, 
und denſelben Quell-Geiſtern das gantze Haus einraͤumen, 
damit ſie in dem Hauſe der Finſterniß und des Todes wieder⸗ 
um Creaturen und Bildniſſe herfuͤr braͤchten, wie ſie von 
Ewigkeit gethan hatten, bis da vollendet wuͤrde das gantze 
Heer der neugeſchaffenen Engel, welches waren die Menſchen: 
alsdann wolte GOtt den Teufel in das Haus der Finſterniß in 
| eine 


En ka a 


Cap.24. Morgenröthe im Aufgang. 357 
eine enge Hölle verriegeln, und das gantze Haus in feinem 
Lichte wieder anzuͤnden, bis auf die Hölle des Teufels. 

20. Nun fragetfihs: Warum hat ihn nicht GOtt bald 
verriegelt, fo hatte er nicht fo viel Ungluͤcks angerichtet ? Sie⸗ 
be, das war GOttes Vorſatz, und der mufte auch beftehen, 
dag Er Ihm aus der verderbten Naturder Erden molte mies 
der ein englifch Heer erbauen: verffehe einen neuen Leib, der 
in GOtt ewiglich beſtuͤnde. 

21. Edwar mit nichten GOttes Meinung, daß Er die gan⸗ 
ge Erde wolte dem Teufel zu einem ewigen Wohnhauſe geben; 
fondern nur den Tod und die Grimmigfeit der Erden, den der 
Zeufeldreinbracht bat. 

22. Denn was hat der Salitter der Erden vor GOtt ge 
fündiget, daß er folte gang und gar in ewiger Schande ſtehen? 
Nichtes: er war nur em Leib, der da muſte ffille halten, als 
fich der Teufeldarinnen erhub. 

23. So Er num hätte follen dem Teufel alöbald ein ewig 
Wohnhaus einraumen, fo hätte aus bemfelben Loco nicht 
können ein neuer Leib erbauet werden. Was hatte nun der: 
felbe Raum in GOtt gefündiget, Daß er folte in ewiger Schan⸗ 
de ſtehen? Nichtes: es wäre eine Unbilligfeit. 

24. Nun aber war dag Bornehmen GOttes, daß Er wolte 
ein fchön englifch Heer aus der Erden machen, darzu alleriey 
Bildung. Denn es folte darinnen und darauf alles grünen 
und fich neu gebaren: wie man denn fichet an Erst, Gtei- 
nen, Baumen, Kraut und Gras, und allerley Thieren nach 
himmliſcher Bildniß. . 

25. Und obdiefelbe Bildung gleich zerganglich war, dieweil 
fie vor GOtt nicht rein war, fo wolte doch GOtt am Ende 
diefer Zeit das Herge und den Kern daraus ziehen aus der 
neuen Wiedergeburt, und von dem Tode und Zorne ent: 

- fcheiden : und folte die neue Wiedergeburt auffer diefem Lo- 

co in GOtt ewig grünen, und wieder himmliſche Frucht 

tragen. \ 

26. Der Todaber der Erden und der Zorn darinnen folte 

Herrn Lucifern zu einem ewigen Haufe werden, nach Vollzie⸗ 

hung der neuen Beburt : Unterdeflen folte Herr Lucifer in ber 

-  Zieffe uber der Erden in der —— gefangen liegen; AA 

RE. 205° 3 a 


338 13. L AURORA. Gap. 24, 
Da iſt er auchiegunder, er mag nun feines Glücks gar nahe ge⸗ 
wartig ſeyn. RN DE ER 
27. Daß aber nun ſolche neue Geburt fönte vollzogen wer⸗ 
den ohne des Teufel Willen, fo bat fich der Schöpfer in dent 
Leibe diefer Welt gleich wie creaturlich geboren in feinen 
Quellgeiſtern: und find alle die Sternen nichts ald Kräfte 
GOttes, und beffeher der gantze Leib diefer Welt in den 7 
Quellgeiſtern. | | | 
28. Daß aber fo gar viel Sternen mit fo mancherley 
Wirkungen find, das iſt die Unendlichkeit, die fich in den 7 
Seen GOttes in einander inficirer, und in unendlich ges 
aͤret. 

29. Daß ſich die Geburt, oder der Sternen Corpus in ih⸗ 
rem Gitze nicht veraͤndert, wie ſie von Ewigkeit gethan haben, 
bedeut, daß es ſoll eine ſtete Geburt ſeyn, dadurch der erflarz 
rete Leib der Erden ſolte ſtets wieder in einerley Wirckung, 
welche doch in der Unendlichkeit ſtehet, angezuͤndet werden, 
und ſich nen gebaͤren: ſowol auch das Haus der tieffen Fin— 
ſterniß uͤber der Erden, dadurch der neue Leib moͤchte immer 
aus dem Tode geboren werden, bis vollendet würde die Zeit 
und der gantze ueu⸗geborne Leib. | | 

50. Run fprichft du: Go find die Sternen dannoch GOtt, 
die man fir GOtt ehren und anbeten fol? Bis hieher find 
auch die weifen Heiden kommen, welche zwar mit ihrem ſchar⸗ 
fen Verftande unfere Philofophos gar weit übertroffen ha- 
ben; aber die rechte Thür der Erkentniß ift ihnen noch ver- 
borgen blieben. 

51. Giehe, die Sternen find ja aus GOtt zuſammen⸗-corpo⸗ 
riret; du muſt aber deffen Unterfcheid verftehen, denn fie find 
nicht das Herke und die fanfte, reine Gottheit, dieman fir 
BEHrE ehren und anbeten fol; fondern fie find die innerfte 


und fehäarfefte Geburt, da alles in Kämpfen und Ringen ſte⸗ 


het, da fich zwar das Hertze GOttes immer gebaret, und der 
Heilige Geiff aus dem Aufgange des Lebens immer aus⸗ | 


EDER DRAN ae —* 

32. Aber die ſcharfe Geburt der Sternen kan dag Hertze 
Gottes nicht wieder ergreiffen, ſowol auch den H. Geiſt⸗ 
ſondern das Licht GOttes welches in der Aengſtlichkeit auf 
gehet, mir ſamt dem Wallen des H. Geiftes aa; 


Re 


\ 


‚ beten Haufe bed Zorns RR aufgangen, gleichtwie die Be- 
Eee) R. 4 ide 


Cap. 24. Morgenröthe im Aufgang. 359 
Hertze für fich frey, und herrſchet in Mitten in dem Schluffe 
Des verborgenen Himmels,der aus dem Waſſer des Lebens iſt. 

33. Denn von demfelben Himmel haben die Sternen ihre 
erfte Anzundung befommen, und find nur wie ein Werckjeug, 
die GOtt zur Geburt brauchet. 

34. Es iſt eben eine folche Geburt wie im Menfchen, der 
Leib ift auch der Geelen Bater : denn die Seele wird aus der 
Kraft des Leibes geboren; und fo der Leib in angftlicher Be: 
burt GOttes ſtehet wie die Sterne, und nicht in der grimmti= 


‚gen, höllifchen ‚fo inqualiret die Seele de8 Menſchen mit der 


reinen Gottheit, al ein Glied mit feinem Leibe. 

35. Alſo auch wird das Herke oder Licht GOttes in dent 
Leibe diefer Welt immer geboren ; und daſſelbe geborne Hertze 
iſt ein Here mit dem ewigen, unanfanglichen Hergen GOt⸗ 
tes, das da iſt in und über alle Himmeln. 

36. Nicht wird eg allein in und aus den Sternen geborem, 
Sondern in dem gantzen Keibe diefer Welt; die Sterne aber 
ie den Leib diefer Welt immer an, daß die Geburt überall 

eſtehet. 

37. Du muſt aber dis hie wol mercken: Das Licht oder 
Hertze GOttes nimt ſeinen Urſprung nicht nur blos von den 
wilden, rauhen Sternen, da zwar Liebe und Zorn in einander 
iſt; ſondern aus dem Sitze, wo das ſanfte Waſſer des Lebens 
immer geboren wird. J— 

38. Denn daſſelbe Waſſer iſt in der Anzuͤndung des Zornes 
von dem Tode nicht ergriffen worden; ſondern es beſtehet von 


Ewigkeit zu Eiwgkeit, und reicht an alle Ende in dieſer 


Welt; und iſt das Waſſer des Lebens, welches durch den Tod 
* daraus der neue Leib GOttes in dieſer Welt erbauet 
wird. | 
39. Es iſt aber in den Sternen fowol als an allen Enden, 
ober ankeinem Orte faßlich und begreiflich ; fondern erfuͤllet 
zugleiche auf einmal Alles: auch if es in dem Leibe des Men- 
ſchen: Und men nach diefem Waffer duͤrſtet und trincket de, 
in dem zunder fich dag Licht des Lebens an, melches ift das 
Hertze GOttes: da quillet zuband aus der Heilige Geift. 
40. Run fprichft du: Wie beftehen dann die Sternen im 
Liebe und Zorne? Siehe die Sternen find aus dem angezuͤn 


glich: 


j 2 f } L A NE aa en. u 
360 LAURÖRA Cap. 24. 
wæeglichkeit eines Kindes in Mutterleibe im dritten Monat. 
Nun aber haben diefelben ihre Anzundung von dem ewigen 
unerſtorbenen Waffer des Lebens bekommen: denn daffelbe 
Waſſer ifkin der Natur nie erfforben. - 


41. Als fich aber GOtt in dem Leibe diefer Welt hat bewe⸗ 
get, da hat fich am dritten Trage die Aengfklichkeit in der Ge- 
burt dieſer Welt gerieben: Davon iſt der Feuer-Blig entſtan⸗ 
den, und hat ſich das Licht der Sternen im Waſſer des Lebens 
angezuͤndet. Denn bis an dritten Tag von der Zeit der An—⸗ 
zuͤndung des Zorns GOttes in dieſer Welt iſt die Natur in der 
Aengſtlichkeit ein finſter Thal geweſen, und im Tode geſtan⸗ 
den; am dritten Tage aber iſt das Leben durch den Tod ge⸗ 
brochen, und hat ſich die neue Geburt angefangen. 

42. Denn alſo lang, und keine Stunde langer, hat auch der 
neugeborne König und Groß⸗Fuͤrſt diefer Welt, JEſus Ehri- 
ſtus in dem Tode geruhet, und hat. die erffen drey Tage der 

Echöpfung der Natur, und diefelbe Zeit im Tode wieder zum 

Licht geboren, aufdaß diefe Zeit mit der Ewigen Zeit wieder 
eine Zeit, und fein Tag des Todes zwifchen ihnen ſey: und daß 

die ewige Liebe und die neugeborne Liebe aus dem neuen Leib 
der Natur fey Eine ewige Fiebe,und daß Fein Unterfcheid zwi⸗ 
ſchen der ewigen Liebe und der neugebornen Liebe fen; fon- 
bern daß die neugeborne Liebe reiche bis ind Weſen, das von 
Ewigkeit geweſen ift, und auch fur fich bis in Emigfeit. 

43. Alfo gar iff die neugeborne Liebe, welche iff aus dem 
Waſſer des Lebens im Lichte aufgangen in Sternen und in 
dem gantzen Leibe diefer Welt, mit der ewigen, unanfangli: 
chen Liebe verbunden, daß es fey ein Herß und ein Geift, der 
alles träger und erhalt. 

44. In dieſer Anzundung de Lichts in Sternen und Ele- 
menten bat fich darum die Geburt der Natur nicht gan in die 
heilige Sanftmuth verwandelt, wie es vor der Zeit des Zorns 
ift gewefen, daß die Geburt der Natur nun gang heilig und 
vein fey; nein, fondern fie ftehet in ihrer fcharfiten, ſtrengſten 
und angftlichften Geburt, da der Zorn GOttes ohn unterlag 
gruͤnet gleich dem hoͤlliſchen Feuer. | *3 

45. Denn ſo ſich die Natur haͤtte gantz und gar mit ihrer 
ſcharfen Geburt in die Liebe verwandelt nach kin on 

: | 


t,J 


Cap. 24. Morgenröthe im Aufgang. 361 
Bach wären die Teufel mieber in dem heiligen Gige 
tt 


46: Auch fo kanſt du dag gar mol fehen und verſtehen an 
der graufamen Hige und Kalte, ſowol an der Gift der Bitter- 
feit und Saurigkeit in diefer Welt, melches alles in der Ster⸗ 
nen Geburt fehet, darinnen die Teufel gefangen liegen. 

47. Die Sterne find nur die Anzuͤndung de3 groſſen Hau⸗ 
ſes: denn das gantze Haug iſt im Tode erftarret, gleichwie die 
Erde ; denn die aufferfte Geburt iſt todt und erſtarret, wie die 
Schale aufden Baum ; die fiderifche Geburt aber iſt der Leib, 
da das Leben innen aufgeber. 

48. Sie ift aber in ihrem Leibe gantz ſcharf; aber die 
neue Geburt welche im Waffer des Lebens aufgehet, und 
dringet durch den Tod, die macht fie fanfte. Gie Fan aber 
den Kern der feharfen Geburt nicht verandern ; fondern fie 
gebaret fich aus demfelben, und behält ihr heilig neu Leben 
fuͤt fich, und dringet durch den zornigen Tod, und der zornige 
Tod begreift eg nicht. | 

49. Diefe Liebe und Zorn iff nun mol ein Leib; aber das 
Mailer des Lebens ift der Himmel des Unterfcheideg zwiſchen 
ihnen, daß alfodie Liebe nicht den Zorn in fich faſſet oder be— 
greiffet, uud auch der Zorn nicht die Liebe; fondern die Liebe 
gehet aufim Waffer des Lebens, und nimt von der erften und 
ftrengen Geburt die Kraft infich, welche im Lichte if, die aus 
dem Zorne geboren wird, daß allo der neue Leib aus dem alten 
geboren wird. Denn der alte welcher ſtehet in der ffrengen 
Beburt, gehörer dem Teufel zum Haufe, und der neue dem 
Reich Chriſti. | 

50. Nun fraget ſichs: So find dann nun nicht alle 3 Per: 
ſonen inder Öottheit inder Geburt der Sanftmuth in diefer 

Welt? Sa, fie find alle drey in diefer Welt in voller Geburt = 

der Liebe, Sanftmuth, Heiligkeit und Reinigkeit, und werden 

immer in folcher Subftang und Wefen geboren, wie von Ewig⸗ 

feit geſchehen ift. —J 

51. Siehe, GDtt der Vater ſpricht zu dem Volck Iſrael 

am Berge Sinai, als Er ihnen das Geſetze gab: Ich bin ein 

Frriger eifriger GOtt uber die, ſo mich haſſen. Exod. 20: 5. 

eut.5:Q. 

52. Nun aber kanſt du ausdiefem einigen Vater, der da iſt 

ar 35 gormg 


462 N 'WAURORA. Cap. 2a; 


zornig und auch liebreich, nicht zwmey Perfonen machen; fon- 
dern es iſt ein einiger Vater, der da feinen herlieben Sohn 
immer gebaret,und von denen beydender Heilige Geiſt immer 
ausgehet. | | 

53. Mercke die Tieffeim Centro: Der Vater iſt das einige 
Weſen, der felber Alles iſt, und der feinen herglieben Sohn 
von Ewigkeit immer geboren hat: und in den beyden iſt 


ber 9, Geiffim Blitze, wo da8 Leben GOttes geboren wird, 


niner entftanden. 
54. Nun aber ift von der firengen und ernften Geburt 
der Quellgeiſter des Vaters, darinnen der Eifer und Zorn 
ſtehet, immer der Leib der Natur worden ; darinnen das Licht 
des —* als des Vaters Hertze ſtehet, der Natur unbe⸗ 
greiflich 

55. Denn das Licht iſt in der Geburt in Mitten; und iſt die 
Staͤtte des Lebens, wo das ſanfte Leben GOttes geboren wird 
aus allen Kraͤften des Vaters: und in demſelben Loco gehet 
der Heilige Beift vom Vater und Sohn aus. 

56. Nun aber find diefelben Krafte des Vaters, welche in 
der Anzuͤndung des Lichts ſtehen, der Heilige Vater und der 
fanfte Bater, und die reine Geburt GOttes: und der dar- 
innen aufgehende Beift iſt der Heilige Geiſt; die feharfe Ges 
burt sber iſt der Leib, darinnen diefes heilige Leben immer ges 
boren wird. 

57. Wenn aber das Licht GOttes durch diefe ſcharfe Ge⸗ 
burt fcheinet, fo wird fie gang fanfte, und iſt wie ein ſchlaffen⸗ 
der Menich, da fich dag Leben in ihme immer beweget, undder 
Leib ruhet fein fanfte. u ⸗ 

58. In dieſem Leibe der Natur iſt nun die Anzuͤndung ge⸗ 
ſchehen: denn aus dieſem Leibe waren auch die Engel geſchaf⸗ 
fen; und ſo ſie ſich nicht haͤtten in ihrem Ubermuth erhoben 
und angezundet ‚fo waͤre ihr Leib ewig in der ſtillen und unbe⸗ 
greiflichen Sanftmuth geffanden, wie inden andern Fuͤrſten⸗ 
chuͤmern der Engel auffer diefer Welt ; und ihr Geiſt hatte 
fich ewig in ihrem Leibe der Sanftmuth geboren, wie in dem 
Leibe GOttes die H. Dreyfaltigkeit, und ware ihr ingeborner 
Geiſt mit der Heiligen Dreyfaltigkeit ein Hertze, Willen und 
Liebe geweſen: denn zudem Mittel waren fie auch im dem Lei⸗ 
be GOttes erſchaffen zur Freude der Gottheit. 5 

u 59. Herr 


Ed 3 un 1 


Say. 24. Morgenröthe im Aufgang. 363 

59. Herr Lucifer aber wolte felber der machtigffe GOtt 
fegn, und zuͤndete feinen Leib an, und weckte die feharfe Geburt 
GOttes darinnen auf, und feste fich wieder das lichte Here 
GOttes, in Willens mit feiner Scharfe Darinnen zu herrſchen, 
welches doch unmöglich war. Dr 

60. Weiler fich aber wieder der Gottheit Hecht erhub und 
anzimbdete, ſo erhub fich auch die feharfe Geburt im Leibe des 
Vaters wieder ihn, und nahm ihn als einen zornigen Sohn in 
ver fcharfiten Geburt gefangen: und darinnen if nun feine 
ewige Herrfihafft. | | 

61. Als fich aber nun der Vater in dem Leibe der Schärfe 
anzuͤndete, fo bat Er darum nicht den heiligen Duell angezün: 
det, wo fich fein liebreiches Herg gebäaret, daß darum folte 
fein Herse im Zorn-Duell figen. 

62. Nein, das iſt unmoͤglich: denn die feharfe Geburt kan 
die heilige und reine nicht ergreiffen; fondern. die heilige und 
reine dringet durch die Scharfe durch, und gebaͤret ihn einen 
neuen Peib, welcher wieder in der Sanftmuth ſtehet. 

63. Und verfelbe neue Leib iſt das Waller des Lebens, 
melches geboren wird, wenn das Licht Durch den Zorn drin⸗ 
get, und der H. Geiſt iff der Formirer darinnen: der Him- 
mel aber it der Unterfcheid zwifchen der Liebe und dem 
Zorn, une iſt der Sig, wo ſich der Zorn in die Liebe ver— 
wandelt. 

64. Wenndu nun anfieheft die Sonne und Sternen, fo 
muſt du nicht dencken: das ift der heilige und reine GOtt; 
und muſt div nicht fürnehmen, von denfelben etwas zu bitten 
oder zu begehren, denn fie find nicht der heilige GOtt; fon- 
dern fie find Die angezundete ſtrenge Geburt feines Leibes, da 
Liebe und Zorn miteinander ringer. 

65. Der heilige GOtt aber deriff in Mitten aller diefer 
Dinge in feinem Himmel verborgen, und Fanft Ihn nicht 
fehen oder begreiffen; die Seele aber begreift Thn, und die 
fiderifche Geburt halb: denn der Himmel ift der Unterfcheid 
zwiſchen Liebe und Zorn, derfelbe Himmel iſt überall, auch 
in dir felber. 

66. Und wenn du nun den heiligen GOtt in feinem Him⸗ 
mel anbeteſt, fo beteſt du Ihn in dem Himmel, der in dir iſt, 
an: und derfelbe GOtt bricht mit feinem Lichte, und vn. 
* der 


364 EB AURORA, Cap. 24. 


der 9. Geiftburch dein Hertze, undgebäret deine Geele zu ei? 
* * Leibe GOttes, der mit GOtt in ſeinem Himmel 
errſchet. — 

67. Denn der irdiſche Leib, den du traͤgeſt, der iſt ein Leib 
mit Dem gangen angezunderen Leibe diefer Welt, und dein 
Leib inqualiret mit dem gangen Leibe diefer Welt, und ift fein 
Unterfcheid zwifchen den Sternen und der Tieffe mit famt der 
Erden, und deinen Leibe, es ift alles. ein Corpus. Allein dag 
iſt nur der Unterſcheid Daß dein Leib ift ein Sohn des gantzen, 
und iſt wie das gantze Wefen felber. 

68. Wie ſich nun der neue Leib dieſer Welt in feinem Him⸗ 
mel gebaͤret, alſo gebaͤret ſich auch dein neuer Menſch in ſei⸗ 
nem Himmel: denn es iſt alles ein Himmel, darinnen GOtt 
wohnet, und darinnen dein neuer Menſch wohnet, und kan 
nicht von einander getrennet werden. 

69. So du aber gottloſe biſt fo iſt deine Geburt des Him⸗ 
mels nicht faͤhig fondern des Zorns, und bleibeſt im andern 
Theile der fiderifchen Geburt, wo der ernfte und ffrenge Feuer: 
Quell aufgehet, und biſt im Tode verriegelt, folange bis du 
durch den Himmel brichft und lebeſt mit GOtt. 

70. Denn an der Stelle deines Himmels haft du den 


Zorn⸗Teufel ſitzen: fo du aber durchbrichit, fo muß er alda. 


weichen, und herrſchet der H. Geift in diefem Sitze; und in 
dem andern Theileder Grimmigfeit ficht dich der Teufel an, 
denn es ift fein Neſt, und der H. Geiſt thut ihm Wiederſtand; 
und der neue Menfch liegt in feinem Himmel unter dem Schutz 
des H. Beiftes verborgen, und der Teufel Eennet den neuen 
Menſchen nicht, denn er ift nicht im feinem Haufe , fondern im 
Himmelin der Befte GOttes. | 

71. Golches fehreibe ich als ein Wort , welches in feinem 
Himmelift:geboren, mo fich Die heilige Gottheit immer geba- 
ret,da der mallende Beift im Blis des Lebens aufgeht, da- 
ſelbſt iſt dieſes Wort und diefe Erfentniß geboren worden, 
und im Riebe-Fener durch den Eifer-Geift GOttes aufge: 

angen. EITZ, 
’ 72. Ich weiß wol, was der Teufelim Sinn hat: denn das 
Theil der ernſten und ſtrengen Geburt, da Liebe und Zorn ein- 
ander entgegen gefeßt find, ſihet ihm ins Herge. Denn wenn 
er mit feiner grimmigen und böllifchen Berfuchung aa 
} wi 


aa er Br 
r 5 %.% 


Eay.2s. Morgenrötheim Aufgang. 365 

wieein fehmeichlender Hund, fo ſetzt er mit feinem Zorn in 

dem heile, mo die ftrenge Geburt ſtehet, an: und daſelbſt iſt 

ir der Himmelentgegen gefeßt ; da wird die ſchoͤne Braut 
ant ar - J Pr j 


73. Denner ſticht durch den alten Menfchen, in Willeng 
den neuen zu verderben :: wenn fich aber der neue gegen ibm 
‚erhebet , jo weicht der Höllen-Hund >; alsdenn befindet der 
neue Menfch wol, was der Höfen- Hund hat für einen Rath⸗ 
ſchlag in die fiderifche Geburt gefchleift, und iſt Zeit auszu: 


fegen. | | 

74. Ich befinde aber , dag mir der Flügefte Teufel iſt ent: 
gegen gefegt, der wird. Epötter erregen, die werden fagen, 
ich, Wehe durch, meinen eigenen Wahn die Gottheit aus⸗ 
grubeln. | | 

75. Ja lieber Spötter „dur biff wol ein gehorfamer Sohn 
des Teufels, du magſt billig der Kinder GOttes fpotten; ich 
folte wol die Gottheit in meinem Vermögen können alfo tief 
ergründen, fo fich die Gottheit nicht in mir gründete: meineff 
du aber auch, daß ich ſtarck gnug fey zum Wiederfland? 

76. Ja lieber ſtoltzer Menfch , die Gottheit ift auch gar 
ein fanftes, einfältiges und ſtilles Wefen, und grübelt nicht 
im Grund der Höllen und des Todes, fondern in feinem Him⸗ 
mel, da nichts als einmuthige Sanftmuth iff : darum mir 
auch nicht gebühren wolte folches zu thun. 

77. Aber ſiehe, ich babe dieſes auch nicht auf die Bahn 
bracht; fondern deine Begierde und hocherhabene Luft, die 
hat die Gottheit bewogen, dir deined Hertzens Begierde in 
hoͤchſter Einfalt in der gröften Tieffe zu offenbaren , auf daß 
es ſey ein Zeugniß uber dich, und eine Anmeldung des ernſten 
Tages GOttes; fage ich als. ein Wort des. ernſten GDtteg, 
welches geboren iſt im Blitz des Lebens. | 


| Das 25, Kapitel. 
Don dem gangen Leibe der Sternen Ge- 
burt, das ift Die gange Aftrologia, oder 
der gantze Leib diefer Welt, 


e Summatien. ji 
Eon der Aftrologia der Sternkündiger , denen die Wurtel ver: 
0) borgen. $.13,. Yutoris Erkentniß mo fie dehet. 4. Die av 


RER, > a Zu — ‘ —* Ba ee 

366 ‚1 AURORA, Cap⸗. 

der des Sleifches find um den Bauch befüminert.s. Autor hat der- 

gleichen Anſtoß gehabt, und heftig kaͤmpfen muͤſſen mit dem Teufel; 

6:8. hat oft durchgebrochen, 9. will Leih und Leben wagen , und treu 

ſeyn in feinen Ruffe. io in. Das Haus dieſer Welt iſt in himmliſcher 

Klarheit geſtanden, und vom Teufel verderbet, 12. darum hat GOtt 

die Veſte zwiſchen Liebe und Zorn 75 — 13. Die Sanftmuth wal- 

let gegen den Zorn, und hat dieſe Welt in Einem Leih geſchaffen 14. 15. 

Liebe und Zorn folen gefihieden werden: 16. Den Himmel koͤnnen wir 

mit Augen nishtfehen. 17. Das blaue iſt das Dber-Wafler..ı3. Die 

Weite dieſes Loet kan niemand ergründen. 19. Der Himmel ik überall. 

20. Der Teufel Wohnung in den 4 Enden der Acquinoetial⸗Circul. 

21 Die Welt if wie ein menichlicher Leib. 22. Der Sternen She: 

pfung nach Art der 7 Quell⸗Geiſter GOttes. 23.24. Ein ieder Stern 

hat feine fonderliche Eigenschaft. 25. Durch Adams Fall iſt die Natur 

noch mehr verberbet. 26. Die neue Frucht bleibt verborgen, derem 

wir ietzt Darben müffen. 27.28. Die Liebe drung am zten Tage durch 

den Zorn, 29, ſie iſt hitzig 30. Die Sonne. 31. Die Liebe durchdrung 

die herbe Geftalt. 32. Der Sonnen Urſtand. 33. Fein giftiger Feind 

der Natur. 34. Die Sonne iſt der groͤſte Stern. 35. Das Licht uf Der 

Natur Hertz, und das it die Sonne. 36. Die Sonne iſt ein angezuͤn⸗ 

deter Punet in dem Leibe ber Natur. 37. In ihr it keine andere Kraft, 

als in der ganzen Natur, 38.39. iſt ein König in dein alten Verb. 40. 

Das Licht der Sonnen inqualiret mit der reimen Gottheit. 41:47. 

Autor fiehet mit inneren Augen durch Zorn und Liebe, Sternen und 

‚Elementen, durch des H. Geiſtes Sehen.48:50. Deralte Menſch ſitzet 

‚im Zorn ſtehet aber in ſteter Gehaͤrung 51. 52. Der Menſch ſucht im: 

mer janfte Tage, und laͤuft damit ins Verderben. 53.54. Du ſitzeſt im 

Reichthum ſtets in Gefahr ; To du nicht kaͤmpfeſt, wirſt du nicht ſiegen. 

55:57. Esift groſſe Gefahr; der Menſch muß immer kampfen. 58. 59. 

Die Sonne lauft von ihrem Loco nicht, 60. die Erde drehet ſich um, 

und bie andern Planeten. 61. Die Sonne ift ein angezuͤndeter Korus. 

'62. Border Zeit iſt alles licht geweſen: aber gar fanft, nicht jo grimmig 

wie die Sonne. 63:66. Die Sonne iſt das natürliche Licht der Welt. 

67. Als der Himmel gemacht, fo wars auf der Erden finſter; 68. de 

zuͤndete das bicht die Hitze an, welche gefangen und geſaͤnftiget ward, 

„daß fie ſich nicht weiter anzuͤnden konte. 69°71.,Des JAmzuͤndung. 72. 

- Seine Höhe über der Erden. 73:75. Die Kraft des Lichts iſt höher ge- 

ſtiegen, und iſt 24 ein fanftes Weſen: 76.77. feine Höhe über den S*. 
77:80. Weil das Ficht mächtig ‚ ſtiegs höher. 81. Die Sonne hat ein 
eigen Haus: jonit Fein Planet, 32. Die Geburt des Rebens im Leibe f 
und der Sternen Geburt iſt einerley 83. 84. Die herbe,falte und 
enge Qualitaͤt ziehet zuſammen, welches ber. Leib iſt, darinnen des 

ebens Geift fichgebäret ; 85:87. Das Licht fiehet im Hersen und gibt 

allem Kraft +88.89. gleichergeſtalt ft die Wiedergeburt. 90,9u+ In der 

Hitze des Hertzens entitehet dad Reben.ge. Das Herz bedeutet die Son⸗ 

ne. 93. Wie Das Ders; alfo weicher die Sonne nicht ab, und iſt ein 

Hertz in der gantzen Welt. 94.95, Die Galle iſt des Herkens Bewe⸗ 

gung, welche ihren Urſtand vom Blitz hat; 96. 97. aljo auch im aͤuß⸗ 


fein Regiment,melches den S' bedeutet, 98, 99. der iſt — 


Cap. 25. Morgenröthe im Aurgang. 367 
- ber Sonnen. 100, Das Hirn iſt des Hauptes Kraft. 101, 102. Das 
Licht des Lebens dringet ins Haupt, und. inqualiret mit dein Lebens: 
Geift im Hergen, 193. 104. bedeutet recht die neue Wiedergeburt, und 
iſt im Menfiheir die Seele. 105.106. Gleiches Herkommens iſt 4,107. 
welche Kraft von der Kälte ift gefangen worden, und it recht Das 
Hirn im leiblichen Regiment, und der Verſtand in der aufferlichen De: 
greifligkeite io9. ſſ. 
Je gelehrten und hocherfahrne Meiſter der Sternen⸗ 
Kunſt find in ihrem Verſtande ſo hoch und tief kommen, 
daß ſie wiſſen der Sternen Lauff und Wirckung, was 
Bere Inficiren und. Durchbrechen der 
Kraͤfte bedeutet und mitbringet 5: und wie fih dadurch Wind, 
Regen, Schnee und Hitze empoͤret (gebäret) auch Boͤſes und 
Gutes, Gluͤck und Ungluͤck, darzu Keben und Tod, und, alles 
Sreiben diefer Welt. ur RNIT 

2. Diefes iſt zwar das reihte Fundament , welches ich im 
Geiſt erkenne, daß es alfo ſey: ihre Erkentniß aber ſtehet nur 
im Haufedes Todes in der aufferlichen BegreiflichFeit, im d 
im Unfchauen der Augen des Leibes; und ift ihnen die Wur⸗ 
‚Bel diefes Baumes bis daher verborgen blieben. 

3. Es iſt auch nicht mein Fuͤrnehmen, daß ich welte von 
des Baumes Aeſten fbreiben, undihre Erfentniß umfehren: 
auch ſo baue ich nicht anf ihren Grund, ſondern laffe ihre Er⸗ 
kentniß in ihrem Sede ſitzen, dieweil ich fie nicht ſtudiret ha- 
be; und ſchreibe im Geiſte meiner Erkentniß von des Bau⸗ 
mes Wurtzel, Stamme, Aeſten und Frucht, als ein muͤh⸗ 
a. Knecht feines Heren, den ganzen Baum diefer Welt zu 

en. —— 
4. Nicht der Meinung, etwas Neues auf die Bahn zu 
bringen: denn ich habe deſſen keinen Befehl; ſondern mei⸗ 
ne Erkentniß ſtehet in dieſer Geburt der Sternen, in Mitten 
wo ſich das Leben gebaͤret, und durch den Tod bricht, und mo 
der wallende Geiſt entſtehet in durchbricht ; und in deffen 
Triebund Walken ſchreibe ich auch. 

5. Ich weiß auch gar wol,idaß die Kinder des Fleiſches 
werden meiner fpotten und fagen ; ich folte meines Berufs 
warten, und mich um diefe Dinge unbekuͤmmert laffen, und 
mich lieber um das fleißiger annehmen, das da mir und 

den Meinigen den Bauch fullet , und die laffen philofophiren, 
die es ſtudiret, und darzu beruffen find. J 
—— it 





* ae 
* 


368 ‚1. AURORA.  . @ap.as. 
6. Mitdiefer Anfechtung bat mir auch der Teufel fo man: 
chen Stoß gegeben, und mir folcheg felber eingebleuet, daß 
ich mich oft verwogen habe, Diefes zu unterlaffen ;. aber mein 
Fuͤrnehmen iff mir zu ſchwer worden. Denn wenn ich dem 
Bauch nachgedacht, und bey mir entfchloffen, 'diefes mein 
Borhaben zu unterlaffen, fo if mir die Porten des Himmeld in 
meiner Erkenntniß zugeriegelt worden. _ 

7. Alsdenn hat fich meine Seele geaͤngſtet, als ware fie 
vom Teufel gefangen: dadurch die Vernunft fo manchen 
Stoß befommen , als folte der Leib zu Grunde gehen, und 
bat auch der Geift nicht ehe nachgelaflen, bis er iſt wieder durch 
die todte Vernunft gebrochen, und hat die Thoren der Fin: 
fferniß zufprenget, und feinen Gig wieder an feine Gtelle 





befommen ; dadurch er denn allezeit neu Leben und Kraftbes 


kommen. 
8: Dadurch ich denn verſtehe, daß der Geiſt muß durch 


Creutz und Truͤbſal bewaͤhret werden : auch fo hat mirs 


an keiblicher Anfechtung nicht gefehlet, fondern habe im- 
mer be im Kampf ſtehen; fogar iftder Teufel darwieder 
gewefen. i | I 

9. Weil ich aber fpure, daß mein ewig Heil darauf fte: 
het, und dag mir durch mein Nachlaffen wolte: die Porten 
des Lichts zugefchloffen werben; welches C welches doch iff 
die Beftung meines Himmels, darein ſich meine Seele ver- 


birget vor dem Ungemwitter des Teufel, melche ich Doch mit 


‚groffer Mühe und manchem harten Sturme durch die Lie 


be GOttes erobert habe, durch die Durchbrechung mei: 


nes Erlöfers und Königes JEſu Ehrifti) fo will ichs laſſen 
GOtt walten, und meine, fleifchliche Vernunft gefangen 
nehmen. 


10. Und babe mir erwehlet die Porten des Erfentniß 


des Lichtes, und will des Geiſtes Trieb und Erkentniß nach⸗ 
fahren: und folte gleich mein thierifcher Leib an Bertelftab 
gereichen, oder gar zu Grunde geben, fo frage ich nun wei⸗ 
ter nichts darnach; und will mit dem Föniglichen Prophe⸗ 
ten David fagen: Und wenn mir gleich mein Leib und Geele 
verfihmacht, fo biff du, o GOtt, doch mein Heil, mein Troſt 
und meines Hergend Zuverficht. (Pfal. 73: 26.) Auf dich will 
ichs wagen ‚und deinem Geiſte nicht wiederſtreben: und % 
“X: 


a 


es gleich dem Fleiſche wehe thut, noch dannnoch muß der Glau⸗ 
be in Erkentniß des Lichts uber der Vernunft ſchweben. 

11. Sch weiß auch gar mol, daß einem Juͤnger nicht gebuͤh⸗ 
ret wieder den Meiffer zu Fampfen, und dag die hocherfahrnen 
Meiſter der Aſtrologiæ mir weit uberlegen find: aber ich arz 
beite in meinem Beruffe, umd fiein ihrem , auf daß ich nicht 
ein fauler Knecht meines Herrn erfunden werde, wenn derſel⸗ 
be wird fommen und fein uͤberantwortet Pfund von mir fo= 
dern, Daß ich Ihm daſſelbe möge mit Wucher Darftellen. Als 
will ich fein Pfund nicht in die Erde vergraben; fondern auf 
Wucher ausleihen, damit Er nicht in Zeit feiner Abfoderung 
möchte zu mir ſagen: Du Schalcksknecht warum haft du mein 
Pfund in die Finfternig verſteckt, und nicht damit gewuchert? 
(Matth, 25; 21. Luc, 19:23.) fo befame ich iegunder das Meine 
mit Wucher ; und daflelbe gar von mirnahme, und einen an- 
dern gabe, der mit feinem Pfunde viel gemuchert hätte; alg 
will ich faen, Er mag begieflen ; und es Ihn laſſen walten. 

12. Nun merde: Das gange Haus diefer Welt, das im 
fichebarlichen und begreiflichen Weſen ſtehet, das iſt das alte 
Haus GOttes oder der alte Leib, welcher vor Der Zeit des Zor⸗ 
nes iſt in himmliſcher Klarheit geſtanden: als aber der Teufel 
bat darinnen den Zorn erweckt, ſo iſt es ein Haus der Finſter⸗ 
niß und des Todes worden. 

13. Darum fich dann auch’ die H. Geburt GOttes als ein 
fonderlicher Leib von dem Zorne entichieden, und die Veſte deg 


Himmels zwiſchen Liebe und Zorn gemacht hat, daf aljo die 


Sternen⸗Geburt in Mitten ftehet: verſtehe, mit ihrer aͤuſſer⸗ 
lichen Begreiflichkeit und Sichtlichkeit ſtehet fie im Zorne des 
Todes, und mit der Darinnen aufgebenden neuen Geburt, wel⸗ 
che ſtehet immittlern Sede, wo der Schluß des Himmels ifk, 
ſtehet fiein der Sanftmuth des Lebens. 

14. Denn die Sanftmuth wallet gegen dem Zorn, und der 
Zorn gegen der Sanftmuth: und find alſo 2 unterſchiedliche 
Reiche in dem einigen Leibe diefer Welt. | 

15. Diemeil aber die Liebe und Sanftmuth GOttes den Leib 
oder Locum diefer angezundeten Ra ing nicht wolte im 
ewigen Zorne und Schanden laflen ſtehen, fogebar Er den 
gangen alten Leib diefer Welt wieder recht förmlich zu einem 


Leibe , darinnen das Lehen va nach Goͤttlicher Art und 
— [1 


Weil; 


a 
A 


Cap. 5. Morgenröthe im Aufgang. 365 


370 I. ARPRA.Cap. 2⸗.. 
Weiſe; obwol im angezuͤndeten Zorne: noch dannoch muſte 
er nach der Gottheit Recht beſtehen, auf daß daraus koͤnte ein 


neuer Leib geboren werden, der da beſtuͤnde in Heiligkeit und 


Reinigkeit in Ewigkeit. 
16. Um ſolcher Urſache willen iſt auch ein endlicher Schei⸗ 


de⸗Tag in GOtt beſtimmet worden, da ſich Liebe und Zorn 


ſollen von einander ſcheiden. | 
17. Wenn dununanfieheffdie Sternen und die Tieffe mit 
ſamt der Erden, fo fieheft du mit deinen leiblichen Augen nichts 


als den alten Leib im zornigen Tode: den Himmel kanſt du mit 


deinenleiblichen Augen nicht fehen , denn die blaue Kugel, die 
du in der Höhe fieheft, das ift nicht der Himmel ; fondern eg iff 
nur der alte Leib, den man billig die verderbte Natur heiffer. 

18. Daß es aber feheinet, ald ware eine blaue Kugel uber 
den Sternen, danait der Locus diefer Welt vor dem heiligen 
Himmelfey verfchloffen , wie dann die Menſchen bisher ge 
dacht haben ; das iffnicht alfo , fondern es iſt das Ober⸗Waſ⸗ 
fer der Natur, das ift viel heller ald das Waller unter dem 
Monden: wenn nun die Sonne durch die Tieffe fcheinet , fo 
ifts gleich wie licht blaue. 

19. Wie tief oder weit der Locus diefer Welt fey, weiß Fein 
Menfch : und ob fich gleich etliche Phyfici oder Aftrologi haben 
unterftanden , die Tieffemit ihrem Eircul zu meffen , fo iſt ihr 
Meſſen doch nur Fabeley oder eine Meflung der Begreiflich- 
feit , gleich als wolte einer den Wind haſchen. 

20. Der rechte Himmel aber ift überall in diefer iegigen 
Zeit bis an Juͤngſten Tag, und das Zorn⸗Haus der Höllen und 
des Todes ift auch indiefer Welt iegt überall bis an Juͤngſten 
Tag. Aber die Wohnung der Teufel iffiegunder vom Mon⸗ 
den bis an und in die Erden inden tiefen Spelunfen und Hoͤ⸗ 
len; fonderlich wo wufte und wilde Einöden find, und wo die 
Erde fehr ffeiniche und bitter ift. | ; 

or. Ihr königlich Regiment aber iſt in der Tieffe in den 
vier Enden der Equinodial-Cireul, davon ich an einem ans 
dert Orte ſchreiben will: alhie aber will ich Dir anzeigen, wie 
da fey der Leib dieſer Welt worden, und wie er auch auf ietzo 
noch ſtehet, und wie das Regiment darinnen iſt. 

22. Der gange Leib diefer Welt iſt gleichwie ein menſchli⸗ 
cher Leib: denn er iffin feinem aufferffen Cirk mit den Ster⸗ 

nen 


Cap. 25. Morgenröthe imAufgang. 371 
nen oder aufgegangenen Kraͤften der Natur umſchloſſen; und 
indem Leibe regieren die 7 Geiſter der Natur, und das Herge 
der Natur ftebet mitten inne. 

23. Die allgemeine Sternen aber die find die wunderliche 
Nroporg oder Beranderung GOttes: denn ald GOtt die 
Sternen ſchuf, ſo ſchuf Er fie aus dem Aufſteigen der Unend⸗ 
lichkeit, aus dem alten nunmehr angezundetem Leibe GOttes. 

24. Denn gleichwie fich die 7 Duellgeifter GOttes hatten 
vor der Zeit des Zornes mit ihrem Aufffeigen und Inficiven in 
unendlich geboren , daraus dann auch fo mancherley Figuren 
und himmliſche Gewaͤchſe find aufgegangen ; alfo auch figu- 
rirete der heilige GOtt feinen alten Leib diefer verderbten Na⸗ 
tur in fo viel und mancherley Kraͤfte als iemalen in der Heilig: 
feit waren inder Geburt geſtanden. 

25. Berftehe dis hohe Ding recht: Ein ieder Stern haf ei⸗ 
ne fonderliche Eigenſchaft, welches du auch ander Zierheie 
oder an der blühenden Erden ſieheſt: und bat der Schöpfer 
den alten angezundeten Leib darum in fo viel und mancherlep 
Kraften wieder erbauet und lebendig gemacht , auf dag fih 
durch dieſes alte Leben im Zorne wieder ein folch neu Reber 
durch den Schluß des Himmels darinnen gebare, aufdaß dag 
neue Leben hatte alle Kraft und Wirckunge, wie das alte ie- 
mals vor Zeit des Zorns hatte gehabt , und daß es koͤnte mit 
der reinen Gottheit auffer diefer Welt inqualiven, und daß eg 
mit der Bottheit aufler dieſer Welt fey ein heiliger GOtt. 

‚26. Auch fo war die neue Geburt in Zeit der Schöpfung 
bluhende, wenns der Menfch nicht hatte verderbet: durch 
welches die Natur noch fehrer verderbet ward, und GOtt der 
ker verfluchte. 

27: Dieweil der Menfch zu der Frucht des alten Leibes 
griff, fo blieb nun die Frucht des neuen Leibes in feinem Hime 
mel verborgen: und muß der Menfch diefelbe nun mit dem 
neuen Zeibe anſchauen, und Fan ihr mit dem natürlichen Leibe 
nicht genieflen. et. 

28. Davon mich wol luͤſtert zueffen, ich kan fie aber nicht 
erreichen :denn der Himmel iffder Schluß zwifchen dem alter 
und neuen Leibe; muß es deromwegen darben bi in jeneg Le⸗ 

ben, und meinem thierifchen Leibe Mutter Heva Zorn-Aepfel 


gueſſen geben. 
$ 492 Ron 


372 00% AURORA." Aa 25 


Bonder Anztndung — oder Lebens die⸗ 
selt 

29. Als GOtt den Leib diefer Welt hatte in zween Tagen in 
eine rechte Formam gebracht, und hatte den Himmel zum Un⸗ 
terfcheid zwiſchen die Fiebe und den Zorn gemacht, fo drang 
num ambritten Tage die Yiebe durch den Himmel durch den 
Zorn ; da bewerte fich zu hand der alte Yeib im Tode, und aͤng⸗ 
ffete fich zur Geburt. 

30. Denn die Liebe iſt hitzig, die zundete den Feuer⸗Quell 
an: der rieb fich inder berben und falten Qualität des erſtar⸗ 
reten Todes, big fich die herbe Dualitat am dritten Tage er: 
hißete, Davon dann die Bemweglichfeit oder die herbe Erde be⸗ 
weglich ward. 

51. Denn es Fund alles im Feuer⸗Schracke bis an aten 
Tag, da zuͤndete ſich das Licht der Sonnen an: denn der gan⸗ 

| ge‘ Leib aͤngſtete ſich in der Geburt als ein gebaͤrend Weib. 

3. Die herbe Qualitaͤt war der Umfaſſer oder der Ein? 
fehlieffr des Lebens gewefen ; in der aͤngſtete ſich nun die Hi⸗ 
tze, welche durch die Liebe GOttes angezuͤndet ward, und 
dringete die herbe Qualitaͤt als einen todten Leib aus: die His 
tzze aber behielt im mittlern Punct des Leibes feinen Gig, und 

drang durch. 

33. Als fich aber num das Licht der Sonnen anzuͤndete, fo 

fund der naͤheſte Eirf um die Sonne im Feuer: Sihrade: 
denn die Sonne oder das Richt ward im Waffer fcheinend, und 
die Bitterfeit aus dem Waſſer fuhr im Feuer-Schracke mit 
auf. Das Licht aber war alfo geſchwinde hinnach eilende, 
und ergriff den Feuer⸗Schrack; da blieb er als ein Gefange: 
ner ſtehen, und ward corporlich. 

34. Davon iſt in dem erften Umgange worden der Planeta 
Mars , welches Kraft in dem bittern Feuer-⸗Schracke flehet: 
denn er iffein Wüter, Tober und Stürmer wie ein Feuer: 

Schrack; darzu iſt er hitzig und ein giftiger Feind der Na— 
tur, durch welches Aufgang und Geburt in der Erden find al⸗ 
lerley giftige, böfe Wurme worden. 

35. Weilaber die Hitze im mittlern Punct des Leibes alfo 
machtiggroß war, fo drang fieauch alloweit von fich, und 
eröffnete die Kammer des Todes vor ihrer Anzundung des 
Lichts alſoweit, daß fie (die Sonne) der groͤſte Stern ge * 

* 36. Als⸗ 


Cap. 25. Morgenröthe im Aufgand - 373 

36. Alsbald fich aber das Licht in der Hitze anzuͤndete, fo= 
bald ward der higige Locus in dem Pichte gefangen, und Fonte 
der Corpus der Sonnen nichE gröffer werden. Denn das Licht 
fünftigte die Hige: da blieb der Corpus der Sonnen als ein 
Hergein Mitten ſtehen, denn das Licht iſt das Herge der Na⸗ 
tur, und nicht Die Hige, 

37. Hie muft dir aber eigentlich mercken: Alfomeit als fich 
der mittler Punct hat angezuͤndet, alſogroß ift auch die Sonne: 
denn die Sonne iff anders nicht3 als ein angezüundeter Punct 
indem Leibeder Natur. | 

38. Du darfſt nicht dencken, daß etwan eine andere Kraft 
darzu ſey, als in der gansen Tieffe des Leibes uberall iff. 

39. Wenn die Liebe GOttes durch ihren Himmel wolte den 
Hansen Leibdiefer Welt durch die Hitze anzünden, fo würde eg 
überall alfo lichte wie in der Sonnen, 

40. Wenn nun vonder Gonnen fönte die groffe Hiße ge— 
nommen werden, fo wäre fie ein Licht mie GOtt: weil aber 
daffelbe in diefer Zeit nicht ſeyn kan, fo bleiber fie ein König und 
Regent in dem alten verberbten und angezundeten Leibe der 
Natur; und die klare Gottheit bfeiber in dem fanften Himmel 
verborgen. “a 

ar. Uber das Pichtder Sanftmuth der Sonnen inqualiree 
mit der reinen Gottheit: aber die Hitze fan das Licht nichter- 
greiffen ‚ darum bleibet auch der Locus der Sonnen in dem Lei— 
be des Zorns GOttes; und darfit die Sonne nicht anbeten 
oder für GOtt ehren, denn ihr Locus oder Corpus Fan dag 
—— Lebens, von wegen ihrer Grimmigkeit, nicht er⸗ 
greiffen. ER 
Der höchfte Grund der Sonnen und aller 
* Planeten. 

42. Alhie werde ich Anfechter genugſam haben, die da wer⸗ 
den wiſſen zu tadeln: denn ſie werden nicht auf den Geiſt ach⸗ 
tung haben, ſondern auf ihr Altes, und werden ſagen, die 
Aſtrologi verſtehens beſſer, ſie haben geſchrieben; und werden 
die groſſe offene Porten GOttes anſehen wie eine Kuh ein neu 
Scheun⸗Thor. 

43. Ja lieber Leſer, ich verſtehe der Aſtrologorum Meinung 
auch wol; ich habe auch ein paar Zeilen in ihren Schriften ge⸗ 
leſen, und weiß wol, wie fieden u der Sonnen und Ster⸗ 

| 93 nen 


meiſtentheil für gut und recht. 

44. Daßich aber etliche Dinge anders fchreibe, thue ich 
nicht aus einem Wollen oder Wahn daß ich zmeifele , obs al- 
fo fey , ich darf auch feinen Zmeifelbieran ; fo fan mich auch 
Fein Menſch hierinnen unterrichten. | 

45. Denn ich babe meine Wiffenfchaft nicht vont Studio’: 
Zwar der fieben Planeten Ordnung und Inneſtehen babe ich 
in der Aftrologorum Bücher gelefen, befinde fie auch aan 
recht; aber die Wurtzel, wie fie worden und herkommen find, 
kan ich nicht von Menſchen erlernen , denn fie wiſſens nicht ; 
ich bin auch nicht Darbey geweſen, da fie GOtt aefchaffen hat. 

46. Weil mir aber in meinem Geiffe die Thoren der Tieffe 
und orten des Zorns, auch die Rammer des Todes iſt aufge— 
ſchloſſen worden durch die Liebe GOttes, fo ſiehet der Geiſt 
hindurch, Befinde demnach , daß die Geburt der Naturauf 
heute noch ſtehet, und fich alſo gebaret, mie fie erftlich ihren 
Anfang genommen bat: undalles, was da aufgehet in diefer 
Welt, e8 ſeyn gleich Menfchen, Thiere, Baume, Kraut, 
Gras, Erztoder was es wolle, fo gehet alles in folcher Qua⸗ 
litaͤt und Form auf; und alles Leben, es ſey boͤs oder gut, nimt 
ſeinen Urſprung alſo. 

47. Denn das iſt der Gottheit Recht, daß ſich alles Leben 
in dem Leibe GOttes auf einerley Weiſe gebaͤre: obs mol 
durch mancherley Bildungen geſchicht; ſo hat doch das Leben 
alles einerley Urſprung. 

48. Solche Erkentniß ſehe ich nicht mit fleiſchlichen Au⸗ 
gen; ſondern mit denen Augen, mo ſich das Leben in mir ges 
baret: in demfelben Sitze ſtehet mir. des Himmels und der 
Höllen Porten offen, und fpeculiretder neue Menfch in Mit⸗ 
ten der fiderifchen Geburt , und ſtehet ihm die innere und auf- 
ferfte Norten offen. \ 

49. Dieweil Er noch in dem alten Menfchen des Zorns und 
Todes ftecket, und figet auch in feinem Himmel, fo fiehet er 


durch beyde: auf folche Weite ſiehet er auch die Sternen und. 


Elementa; dennin GOtt iſt Fein Ort der Aufhaltung, denn 
das Auge des HErrn ſiehet Alles. 
50. So nun mein Geiſt nicht durch feinen Geiſt ſaͤhe, fo 


ware ich ein blinder Stock: weil ich aber die Porten GOttes 
/ in 


374 1: AURORA: 0.0 'Cawas 
nen fehreiben: ich verachte es auch nicht, fondern halte ed 


e e . ” B 

Gapias.: Morgenröthe im Aufgang. 375 
in meinem Geiſt ſehe, und habe auch den Trieb darzu, fo will 
ich nach meinem Anfihauenrecht fchreiben , und Feines Men 
fchen Autorität anfehen. \ 

51. Richt folt dur es verftehen, ald ware mein alter Menfch 
einlebendiger Heiliger oder Engel: Nein, Gefelle, er figet 
mit allen Menfchen im Haufe des Zorns und des Todes, und 
ift ein fleter Feind GOttes, der in feinen Sünden und Bo$- 
—— wie alle Menſchen, und iſt voller Gebrechen und 

angel. ; 

52. Das folft du aber wiſſen, daß er in ffeter aͤngſtlicher Ges 
baͤrung ſtecket, und wolte des Zorns und Bosheit gerne los 
feyn , undfandochnicht. Denn er ift wie das gange Haus 
diefer Welt, da immer Liebe und Zorn mit einander ringet, und 
gebaret fich immer der neue Keib mitten inder Angft. Denn 
alſo muß es feyn , wilft du aber von neuem geboren werben; 
anders erreicht fein Menfch Die Wiedergeburt. 

53. Der Menfch trachtet albie immer nach fanften Tagen 
des Fleiſches, und nach Reichthum und Schönheit, und weiß 
nicht, Daß er damit in der mer des Todes fißet, da der 
Gtacheldes Zorns aufihn zielet. a * 

54. Siehe, ich ſage dirs als ein Wort des Lebens, welches 
ich nehme in Erkentniß des Geiſtes mitten in der Gekurt des 
neuen Leibes diefer Welt, uber welchen iſt ein Herrfcher und 
König der Menfch JEſus Chriſtus, ſamt feinem ewigen Bas 
ter; auch nehme ichs vor dem Stuhle feines Thrones, da alle 
heilige Seelen der Menfchen vor Ihm ſtehen, und freuen fich 
vor hm ; daß die Begierde des Fleifches in fanftem Wolthun, 
reich ſeyn, ſchoͤne ſeyn machtig ſeyn, iſt ein lauter hoͤlliſch 
Zornbad, darein du dringeſt und lauffeſt, als wuͤrdeſt du hin⸗ 
ein gezogen, denn es iſt groſſe Gefahr darinnen. 

55. Wilſt du es aber wiſſen, wie es iſt; ſiehe, ich ſage dirs 
in Gleichniß. Wenn du nach deines Hertzens Luft in Reich⸗ 
thum und Gewalt biſt gedrungen, fo iſts eben mit dir, als ſtuͤn⸗ 
deſt du in einem tieffen Waſſer, da dir das Waſſer immer bis 
ans Maul ging, und unter deinen Fuͤſſen wäre fein Grund; 
fondern ſchwimmeſt alfo mie den Handen und ſchuͤtzeſt dich > 
bald waͤreſt du tiefim Waffer, bald feichte, und waͤreſt doch 
immer mit groſſem Schrecken gewartis wenn du zu Grunde 

N a4. gin⸗ 


2 RE AURORA, Cap. 25 


gingeſt; da dir dann das Waller manchmal ind Maul singe, 
und i 5* des Todes gewaͤrtig waͤreſt. 

In ſolcher Geſtalt und nicht anders ſitzeſt du in deinen 
asien des Kleifches: Wilſt du nun nicht kaͤmpfen, fo wirft 
du auch nicht fiegen ; fondern du wirft in deinem fanften Berte 
ermordet. Denn der Menfch hat ſtets ein gemaltiges Heer vor 
ihm, das da ſtets mit ihm Eampfet: will er fich niche wehren, 
fo wird er gefangen und erſchlagen. 

57. Wie will fich aber der wol wehren , der im tieffen Waſ⸗ 
fer ſchwimmet? der hat genug zu thun, daß er fich des Waſ⸗ 
ſers fchüger, und wird doch gleichwol von den Teufeln bes 


frürmer. 
58. D Gefahr über Gefahr! wie auchunfer König Chri- 


ſtus ſaget: Es wird fehnerlich ein Reicher ing Himmelreich 


eitigeben ; es wird ein Cameel leichter durch ein Nadelöhr ge: 
ben, als ein Reicher ins Himmelreich, (Matth. 19:25. Marc, 
Oꝛ: 25.) 

59. Will aber jemand neugeboren werden, der muß fich 
nicht dem Beige, Hoffart und eigen Gewalt zum Knechte ges 
ben, fich in feines Sleifches Willen zu beluffigen; fondern er 
| muß kampfen und ſtreiten miederfich ſelber, auch mieder ben 
Teufel und wieder alle Sleifches Luft, und muß denen, daß 
er nur eın Knecht und Pilgram auf Erden iſt, der da muß 
mandern durch dag gefährliche Jammer⸗Meer in eine andere 
Welt, damird er ein Herr ſeyn, und feine Herrfchaft wird 
in Kraft und vollkoͤmmlicher Luft und Schönheit ſtehen; fage 
ich als ein Wort des Geiftes. 

60. Nun merde: Die Sonne hat ihren eigenen koͤniglichen 
Locurn für fich, und weicht von ihrem Orte, da ſie iſt zum er» 
ſtenmal worden, nicht ab, wie etliche meinen, ſie lauffe in 
Tag und Nacht um den Erdboden, und auch ſolches etliche 
Aſtrologi ſchreiben: und haben fich auch etliche unterffanden 
zu meſſen, tie weit ihr Umcirk fey. 

61. Diefe Meinung iff unrecht: ſondern die Erde drehet fich 
um, und lauffet mit den andern Planeten als wie in einem Ra⸗ 
de um die Sonne. Die Erde bleibet nicht an einem Orte ſte⸗ 


ben; fondern lauffet in einem Jahr einmalum die Sonne,wie 


auch die andern Planeten unter der Gonnen: ausgenommen 
Saturnus und Jupiter fönnend von wegen ihres weiten fi 2 
ga 


Cap.25. Morgenrötheim Aufgang. 377 
aangs und groſſen Höhe nicht (in einem Jahre) thun, Diemeil fie 
hoch uber der Sonnen ſtehen. 

62. Run fraget ſichs: Was iff dann die Sonne und die 
andern Planeten? oder mie find die worden ? Giche die an— 
dern Maneten find eigne Cörper, die ihr cörperlich Eigen- 
thum baben,und find an keinen ſtillſtehenden Ort gebunden,alg 
nur an ihren Umcirk, da fie inne lauffen: die Gonne aber iſt 
fein folch Cörper, fondern fie iſt ein angezundeter Locus durch 
das Licht GOttes. 

63. Verſtehe es recht: Der Drt, wo die Sonne ift, der iſt 
ein folcher Dre, wie du irgend einen Ort uber der Erden er: 
kieſen möchteft : fo GOtt wolte das Licht durch die Hiße an- 
zunden, fo ware die gange Welt ein eitel folche Sonne : denn 


l 


diefelbe Kraft, darinnen die Sonne feher,ift überall; nd . | 


vor der Zeit des Zorn iſts überall in dem Loco dieſer Welt 
alfo lichte gemefen, wie die Sonne ift, aber nicht fo uner- 
träglich. —— 

64. Denn die Hitze iſt nicht ſo groß geweſen wie in der 
Sonne: darum iſt das Licht auch gar ſanfte geweſen; und von 
wegen der grauſamen Grimmigkeit der Sonnen wird die 
Sonne von der Sanftmuth GOttes unterſchieden. Daß 
man darum nicht ſagen darf, die Sonne ſey eine offene Por⸗ 
ten des Lichts GOttes; fondern fie iſt wie das Licht in 
des Menfchen Auge, da gehöret der Dre des Auges auch 
zu dem Leibe , aber das Licht wird von dem Leibe unter: 
ſchieden. —— 

65. Und ob es gleich durch die Hitze im Waſſer des Leibes 
entſtehet, noch iſt es ein ſonderliches, welches der Leib nicht 
begreiffen kan; ein ſolcher Unterſcheid iſt auch zwiſchen GOtt 
dem Vater und dem Sohne. 

66. Alſo iſt am 4ten Tage in der Angſt-Geburt dieſer 
Welt im mittlern Punct dieſer Welt die Sonne aufgegan— 
gen, und ſtehet an ihrem ewigen corporlichen Ort ftille: 
denn fie Fan fich nicht einem Drt nehmen, und an einem an- 

dern ſetzen. 

67. Denn ſie iſt das einige natuͤrliche Licht dieſer Welt, 
und auſſer ihr iſt Fein recht Licht mehr in dem Haufe des To- 
des: und obs gleich fcheinet, als *8 die andern Ster⸗ 
—— a 5 nen 


378 0.1 AURORA. © Gap.as. 


nen auch heil, ſo iſts doch nichts; fondern fie nehmen ihren 
lang alle von der Sonnen, wie bald hernach folger. 


Die rechte Geburt und Herfommen der Sonnen 
und Planeten ift aber alfo befchaffen, wie 

| folget : 

63. Als nunder Himmel zum Unterfiheid gemacht ward 
zwiſchen das Licht GOttes und zwiſchen die angezundete 
Verderbung des Leibes dieſer Welt, fo mar num der Leib dies 
fev Welt ein finfter Thal, und hatte Fein Licht, das in dem 
aufferlichen Leibe auffer dem Himmel gefchienen hatte ; da 
ſtunden' alle Kräfte gleich mie im Tode gefangen, und ang: 
feten fich alfo fehr, bis fie fich in der Mitten des Leibes erhi- 


Beten. 

: 69. Als aber diefes gefchach , daß die angfkliche Geburt fo 
firengein der Hige ſtund, fo brach die Liebe im Lichte GOttes 
durch den Himmel des Unterfcheids, und zundete die Hitze an. 
Da ging inder Hiße im Waffer oder im Fetten des Waſſers 
das ſcheinende Licht auf, und zundete fich des Waſſers Herge 
an: und dis iſt in einem Augenblick gefchehen. 

70. Denn alsbald daß das Licht hat den Corpus recht er⸗ 
griffen, ſo iſt der Corpus in dem Lichte gefangen worden, und 
iſt Die Hitze gefangen worden, und in eine ziemliche Sanft⸗— 
muth verwandelt worden, und hat nicht weiter koͤnnen in ſol⸗ 
cher Angſt ſtehen. 

71. Weil aber die Hitze von dem Licht iſt erſchrocken, fo 
hat ſich ihr grauſamer Feuer⸗Quaͤll geleget, und bat ſich 
nicht weiter Fönnen anzuͤnden: auch fo hat fich die Durch» 
brechung der Liebe im Lichte GOttes durch den Himmel 
aufdismal mit ihrem Durchbrechen nicht weiter erſtreckt 
aus EDttes Furfage, darum iſt die Sonne auch nicht gröffer 


worden. | 
Ron dem Planeten MARS. 


‚72. Als fich aber die Sonne angezündet, fo if der grau 
ſame Feuer⸗Schrack aus dem Loco der Sonnen uber fich 


gefahren auffer dem Loco der Sonnen, ald ein graufamer ‚uns 
geſtuͤmer Bliß, und hat in feinem corporlichen Wefen mit 


genommen die Grimmigkeit des Feuers; davon ift das mr 
 - 


4 
« 


Cap. 25. MorgenrötheimAufgang. 379 
fer gang bitter worden: und das Waffer iſt der Kern oder der 
Stock des Schrade. | 

73. Run ſchreiben die Aftrologi, daß der Planet MARS 
über der Sonnen hoch ſtehe 15750. Meilen, welches ich laffe 
gut feyn, dieweil ich mit dem Circul nicht umgehe: Alfo weit 
iſt dev geſchwinde Feuer-Schrast von feinem eignen Loco 
gefahren, bis ihn auch das Licht hat ergriffen, da iſt er auch 
vom Licht gefangen worden, und iſt ffillgeffanden, und hat 
den Locum eingenommen. | 

74. Daß ihn aber das Licht nicht hat ehe ergriffen, das 

macht der ernſte Grimm und gefchwinde Blig : denn er iſt von 
dem Lichte nicht ehe gehalten worden , bis ihm das Licht gang 
- inficiret hat. ; 
75. Da ſtehet er nun als ein Wuter, Tober und Beweger 
des gantzen Leibes diefer belt: denn das iſt auch fein Amt, 
daß er mit feinem Umgange in dem Rade der Natur alles be- 
weget, davon alles Leben feinen Urfprung nimt. 


Ron dem Planeten JUPITER. 


76. Als nun der bittere Feuer⸗Schrack von dem Lichte 
gefangen ward, fo drang das Licht in feiner eigenen Gewalt 
noch höher in die Tieffe hinauf, bis es reichte in den harten 
und falten Sig der Natur. Da konte die Kraft des erſten 
Yufganges aus der Sonnen nicht höber, und blieb alda 
eorporlich figen, und nahm denfelben Locum zur Woh- 
nung ein. 

77- Du muff aber dis Ding recht verftehen: Es iſt die 
Kraft des Lichts gemefen, die an diefem Ort iſt blieben fte- 
ben ; die ift ein gang fanfteg, freundliches, holdfeliges und füfz 
tes Wefen. Bon diefem fihreiben die Aftrologi,daß er über 
dem Mars hoch ſtehe 7875 Meilen; er ift aber der Sanftiger 
des Zerftörerd und wuͤtenden Martis, und ein Urfprung der 
Eanftimuth in allem Reben, und atıch ein re 


j 5 Waſ⸗ 
fers, davon fich das Leben gebaͤret, wie ich hernach melden 






will. 

78. Alfo weit hat nun des Lebens Kraft aus der Sonnen 
gereichet, und nicht höher : der Glantz oder Schein aber , mel- 
“ cher auch feine Kraft hat, der reicher bis an die Sternen, und 

durch den gangen Leib dieſer Welt. 


79.Du 


380 I. AURORA, Cap.ꝛ. 
79. Du muſt aber dis Ding eigentlich verſtehen, wovon 
dieje zwey Planeten find worden. ALS die Kraft des Her- 
gend GOttes aus dem ewigen, unerfforbenen Brunnquell deg 
Waſſers des Lebens durch den Himmel des Unterfcheides 
drang, und zundete dad Waſſer indem Loco der Gonnen an, 
‚fo fuhr der Blitz, verſtehe den Feuer-Blig, aus dem Waſ⸗ 
ſer A mar gang erſchrecklich und bitter, Daraus iſt Mars 
worden. : 

80. Nach demfelben Blig fuhr die Kraft des Lichts ger 
ſchwinde hernach, als wie ein fanftes , erhebendes Leben, und 
ereilete den Feuer⸗Schrack und fanftigte ihn, daß er etwas 
ohnmaächtig ward, und Eonte nicht mehr oder weiter durch die 
Tieffe brechen, fondern blieb zitternd fteben. 

81. Die andgegangene Kraft im Lichte aber war viel 
machtiger als der Feuer⸗Schrack: darum flieg fie auch bö- 
ber als der Feuer-Blig, bis fie in der Natur Strengheit 
hi wi Fam, da ward fie auch gleichwie obnmachtig, und blieb 

eben. 

82. Aus derfelben Kraft ift der Planet Jupiter worden, 
und nicht aus demfelben Loco, da er ftehet, fondern er zuͤn— 
det denfelben Locum mit feiner Kraft immer an; er aber 
iſt wie ein Hausgenoß in demfelben Loco, der immer in 
feinem Lehn-Haus rum wandern muß; die Gonne aber 
hat ein eigen Haus, fonft hat Fein Planet ein eigen Haus. 

83. So man will recht urfunden der Sternen Geburt oder 
Anfang, fo muß man eigentlich wiffen die Geburt des Lebens, 
wie fich das Lebenin einem Leibe gebaret, denn es iſt alles ei⸗ 
nerley Geburt. 

84. Wer das nicht weiß und verftehet, der meiß auch nicht 
die Geburt der Gternen ; denn e8 ift alles zufammen ein 
Leib. Eineiede Creatur, wenn in der das Reben geboren ift, 
fo fteht ihre Geburt hernach in ihrem Leibe ‚wie die Geburt 
des natürlichen Leibes diefer Welt: denn alles Leben muß fich 
nach der Gottheit Recht gebären , wie fich die Gottheit int 
mer gebaret. / 

85. Wenn man num dis vecht betrachtet und bedencket, 
welches doch ohne ſonderliche Erleuchtung des heiligen 


GoOlites nicht geſchehen kan ſo finder man anfanglich die >, 


er 


= 


Cap.25. Morgenröthe im Aufgang. 381 
be, Falte und ſtrenge Geburt, welche iff eine Urfache der Teibli- 
chen Natur, oder der Bildung eines Dinges. 

86. So nun diefe ftrenge und Kalte, ſcharfe zufammenzzie: 
hende Kraft nicht mare, jo märe Fein natürlich oder leiblich 
Weſen; auch fo beftunde die Geburt GOttes nicht, und ware 
alles unerforſchlich. 

‚87. Aber in dieſer harten, ftrengen und Falten Kraft ffebet 
das leibliche Wefen oder der Leib, darinnen ſich dann bes Ye- 
bens Beift gebaret; und aus demfelben Geiſte das Licht und 
der Berftand : Dadurch dann die Sinnen und die Ypprobirung 
aller Krafte entſtehet. 

88. Denn wenn das Licht geboren wird, fo wirdes in Mit: 
ten des Leibes, als ein Herge oder Geiſt aus allen Kraften ge- 
boren: und da ſtehet es auch in feinem anfanglichen Orte flil- 
le, und gehet durch alle Krafte. } 

89: Denn gleichwie es ausallen Kraften geboren iff, und 
hat aller Krafte Duellbrunn, alfo bringet e8 auch mit feinem 
Scheine aller Kraͤfte Duellbrunn in eine iede Kraft; davon 
dann der Geſchmack und Geruch, ſowol auch das Eehen, 
Fuͤhlen und Hören entſtehet, und die Vernunft und der 
Verſtand. 

go. Nun wie des Lebens Urkund und Anfang in einer Cres 
atur ift, alfo ift auch die erfte Wiedergeburt der Natur deg 
neuen Kebens in dem verderbten Feibe diefer Welt. 

91. Und mer das leugner; der bat weder rechten Verſtand 
noch einige Erfentniß der Natur; auch fo iſt feine Erfent- 
niß nicht in GOtt geboren fondern er iff ein GSpötter 
GOttes. | 

92. Denn ſiehe, du kanſts nicht leugnen, daß dag Reben in 
einer Greatur nicht in der Hitze des Hergens entſtehe: und in 
demfelben Leben ftehet auch das Licht der. animalifchen 
(eeliſchen) Öeburt. | 

93. Nun bedeutet das Her die Sonne; die iſt auch des 
Lebens Anfang in dem äufferlichen Leibe diefer Welt: nun 
Eanft du ja nicht fagen, daß die animalifche (feclifche) Ges 
burt vom Hergen abmeiche, weil der Leib in der Bemeglich- 
keit ſtehet. 

. Alſo auch weicher die Sonne nicht von ihrem Giße ab, 

fondern behält ihren eignen Locum als ein Hertze für ſich * 

euch⸗ 


Ak 


s — a a 


32° LAURORA Caps 


leuchtet als ein Licht, oder als ein Geift des gangen Leibes die- 
fer Welt, in allen Kraften des Leibes. 

95. Denn ihre Geburt iſt auch anfanglich aus allen Kraͤf⸗ 
ten: darum ifffiemit ihrem Licht und Hige auch wieder ein 
Geiſt und Hertze indem gansen Leibe diefer Welt. 

96. Weiter fo kanſt du dag auch nicht leugnen, daß die 
Galle in einer Ereatur nicht fep vom Hertzen entſtanden: denn 
fie bat eine Ader zum Hergen, und iff des Hergens Beweg— 
lichfeit, davon die Hitze entſtehet. 

97. Sie hat ihren erſten Urfprung vom Blig des Le: 
bens: Wenn fich das Leben im Hertzen gebaret, und daß 
das Licht im Wafler aufgehet, fo gehet der Feuer-Schrad 
are pi ffeiget aus der Aengſtlichkeit des Waſſers in der 
Hitze auf. | 

98. Denn wenn fich die Hige in der Kalte in der herben 
Dualitat alfo angfter, und dag fich das Licht Durch den ver- 
borgenen Himmel des Hertzens in der Leiblichkeit anzuͤndet, 
fo erfchriekt der ängftliche Tod im Zorn GOttes, und weicher 
als ein Schrack oder Blitz von dem Lichte, und fleiget gang 
erfchrecklich, zitternde und furchtfam uber fich.: und des 
Hertzens Licht eiler ihm nach und inficiret den ; alsdann blei- 
bet er fißern. 

99. Und das iſt und bedeutet den Planeten Mars: denn alfo 
iff er auch worden; und feine eigene Dualitat iſt anders nichts 
denn ein giftig, bitter Feuer⸗Schrack, welcher aus dem Loco 
der Sonnen iſt aufgegangen. 1 

100. Er iſt aber nun immer ein Anzunder der Sonnen, 
gleichwie die Galle des Hergeng, davon DIE Hitze beydes in der 
Sonnen und im Hergen beftehet, und davon das Leben in ale 
len Dingen feinen Urfprung nimt. 

101. Zum dritten Fanft du auch nicht leugnen, daß das 


Behirne im Haupte in einer Kreatur nicht fey des Hergeng 


Kraft: denn aus dem Hergen fteigen alle Krafte aufind 
Hirn, davon entitehen in dem Hirne die Sinnen des Hergeng. 


102. DasHirn im Haupt nimt feinen Urſprung von der 
Kraft des Hergens, Ä 
103. Mercke: Nachdem der Feuer: Schrad der Ballen 
oder des Martis iff vom Lichte des Lebens abgemicben, fo drin 
get die Kraft aus dem Hertzen durch das Licht des Lebens * 
na 





RE en 


Cap.as. Morgenröthe im Aufgang. 383 
nach bis ind Haupt in die firenge Qualität? und wenn dann 
die Kraft nicht Höher kan, fo wird fie von der frengen Geburt 
gefangen, und vonder Kälte vertrocknet. 

104. Da ſtehet fienun und inqualiret mit des Lebens Gei⸗ 
ſte im Hergen, und iff ein föniglicher Stuhl des Geiſtes des 
Hergend: denn bis dahin bringe der Geiſt des Hertzens Kraft, 
and de wird es approbiret. 

105. Denn das Hirn ſitzet in der ſtrengen Geburt, und iſt 
in feinem eigenen Corpus die fanfte Kraft des Hertzens, und 
bedeutet vecht die neue Wiedergeburt, melche mitten in der 
Strengheit des Todes und Zornes in feinem Himmel wie⸗ 
der nengeboren wird, und dringet durch den Tod ins Reben. 
Denn da wird der Geiſt oder die Gedancken wieder eine gange 
creatürliche Perſon durch die Inficirung oder Approbirung 
aller Kräfte, welches ich im Drenfchen die animalifche (ſeeliſche) 
Geburt heile. 

106, Denn wenn der neue Geift im Hirne recht vertiret 
äft, fo fahret er wieder in feine Mutter in das Herge: ald- 
dann ſtehet er ald ein vollfömmlicher Geiſt oder Wille, oder 
J — neugeborne Perſon, welche im Menſchen die Seele 

eiſſet. * 

107." Nun ſiehe, wie im Menſchen das Hirn ein Weſen 
and Herkommen ift, alſo ift auch der Planet Jupiter ein 
Weſen und Herfommen: denn er hat feinen Urfprung vom 
Aufgang des Xebens, von der Kraft, welche aus dem Waffer 

des Lebens aus dem Loco der Gonnen durch das Richt iff 
aufgangen. | 

108. Und iffdiefelbe Kraft fo hoch geſtiegen, big fie ift wie⸗ 
ber in der fErengen, harten und Ealten Kraft gefangen worden: 
alda ift fie blieben flehen, und durch den erften Umgang oder 
Fortgang corporlich worden, und vonder ſtrengen und alten 
Kraft vertrocknet. 

109. Und ift wolrecht das Hirm in dem leiblichen Regiment 
diefer Welt, davon die Sinnen und Vernunft geboren wer- 
den, auch alle Sanftmuth und Weisheit in der Natürlichkeit: 

. aber der rechte und H. Geiftim Menſchen wird im verborge- 
nen Himmel, im Wafler des Lebens geboren. 
no. Der aufferliche Jupiter iſt nur die Sanftmuth und der 
Verſtand in der aͤuſſerlichen Begreiflichkeit ; heilige 
ur % runn⸗ = 


u pr 77 


Brunn⸗Quell aber iſt unbegreiflich, und der aufferlichen Ver⸗ 
nunft unerforfchlich. Denn die fiderifche Geburt ſtehet nur 
mit der Wurgel im heiligen Himmel, und mit der Leiblich- 
feit im Zorne, | 


| Das 26. Eapitel. 
Von dem ‘Planeten SATURNO. 


Summaerien. 


Rlturnus kommt nicht von der Sonnen, $.1. iſt aller Peiblichfeit 
Anfang; 2. die herbe ſtrenge Aengſtlichkeit des gantzen Leibes 
der Welt iſt fein Urſprung. 3. Durch des Lichtes Anbruch 
kriegte die ſtrenge Geburt eine Bewegung, und iſt bis am zten Tage im 
Tode geſtanden: 4.5. weil die Sonne aber die aͤngſtliche Geburt 
übern 4 nicht aufſchlieſſen konte, und die Geburt ſich doch aͤngſtete, fo 
gebar fie den kalten R. 6:8. Derift an feinen Locum nicht gebun: 
den, wie die Sonne; 9.10. feine Höhe fan man nicht wohl wiſſen; u. 
iſt eine Urſache aller Eörper, und ein Einfchlieffer des Hirns. ı2. 13. 
24 gebieretzwiihen Fund R Ganftnuth und Weisheit.ı4. Nach: 
dem der feuerige d im Aufiteigen geboren, und das Licht den Seuer- 
fhrad gefangen, davon A worden iſt; fo ift die Sanftmuth in die 
Cammer des Dodes gedrungen, davon 2. 15:20. Durch Pucifers 
Anzuͤndung it das Licht verloichen. 21. GOtt wolte dieſen Forum den 
Teufeln nicht Laffen, und gebar.ein neu Regiment. 22. Der Teufel 
Fan im der Sonnen nicht fehen; Fan dis Regiment auch nicht faflen. 
23.24. Der Sohn GOttes hat diefen Loeum beym Herken gefaffet und 
neu geboren. 25. Aus dem Loco der Gönnen find 6 Dualitaten ent: 
fanden, 26. (ı) die Hitze, (2) das Licht, 27. , (3) Kraft des fe- 
bens. 28. Aus dem Feuer iſt der Glantz, Feuer, Licht. 29. . Alto hats 
eine Geftalt mit der ©. #.%. 30. Aus der Sonnen ſtiegen alle 
Dualitäten auf und nieder; 31. Des Lichtes Kraft ſtieg unter fich, 
daraus iſt 2 welche I fänftiget.32:37. Wiedas menfhliche Pebenz 
gleichen Aufgang haben die Planeten. 38:40. Beſtrafung der Medi⸗ 
corum Anatomie, 41. find nur Mörder, wollen nicht mit Goftern 
ftreiten. 42245. Des menfchlichen Samens Geburt. 46, , Der Leib 
bedeutet die Natur in dem Leibe GOttes. 47. Im menjchlichen Leibe 
— ungetrennet. 48. Das SIE nicht das Leben; 49. 
er Geiſt Ean ohne Leib nicht beitehen. so. Diefe 3 Negimente find der 
gantze Menfch mit 7 Geftalten. 51.52. Dieſe Welt iſt GOttes Leib, 53. 


er iſt aber eine finitere Tieffe, ohne Anfang und Ende, darinne die 7 


Geifter GOttes 53:56. Dieſe 7 Geftalten theilen fich in zWeſen. 57. 


Das Regiment ſtehet im Peibe mit den 7 Geiftern. 58. _ Wo die Geiſter 


nicht ringen, it Feine Bewegung. 59.60. Ein ſolch Haus iſt die Tiefe 
fe, 61. it nicht GOtt; nur ber Natur Leib. 62. Gin ſolch ie 


Says. Morgenrötheim Aufgang. 385 


/ 


Haus ift dieſe Welt morden im Fall Lucifers. 65. Das Regiment der 
7 Beijter iſt nicht vertrocknet. 64. Die Elare Gottheit ſtehet im Her: 
gen: unddie7 Beifter im Leib. 65. Die Leiblichkeit it finiter und 
hat das Sonnen⸗Licht nöthia. 66. Die Sonne wird vergehen, und 
GoOttes Hark fiheinen, und alles freudenreich werden, 67. 68. welches 
in diefer Welt nicht feyn kan. 69. Das Hertze GOttes wird die Tenne 
fegen. 70. Wie die aͤuſere Welt mit den Sternen, alfe if auch Das 
Fleiſchhaus. 1. Das Fleiſch gebäret feines gleichen; alio auch der 
Geiſt: und das Hertz gebaret auch einen Geiſt, der den andern verborz 
gen ift, 72. 73. dieſer ut die Seele. 74.75. Aus dem Leibe und 7 Geiz 
fern GOttes find Die Sterne. 76: Die Erde ift des 7ten Geiſtes Frucht, 
Darin ſich die andern gebaren : 77. alfo des Menichen Leib iſt ein Sohn 
der gantzen Natur; 78.79. iſſet den Samen der 7 Geiſter; 80. ſeine 
Schöpfung, 81:84. inmendiges Licht, 85. Game. 86.87. In dem 
finſtern Coͤrper iſt das Regimeitt der 7 Geiſter: 83. 89., die gebären. 
den zfachen Samen. 90. Ber Seelen Mutter it ohne Licht eine Harz. 
rin; 91.92, im Lichte ein Liebe-feben. 93. Das Licht iſt nicht behar⸗ 
Tich, 94:96. Des Samens Geburt, 97101. iſt wie die erſte Maffa. 
102:114. Urfache der Beite des Himmels. us. 116. Der rechte Vers 
ſtand der Schöpfung iſt Moſi, auch Adam verborgen gemefen: 117. 18. 
wird nunmehr eröffnet am juͤngſten Tage diefer Welt. ug. 120. Ge= 
heime Weiffagung. 120.121. DieMaffe Adams ik im Tale Lueifers 
sicht erftorben, wie die Erde: fondern ein Same ber Liebe worden 
122125. Der Geelen Geburt. 125-130, Warum Gott nicht alle 
Menschen auf Einmal erſchaffen. 131137. GOttes Liebe dringet durch 
Einenaufalle, 138. Beſchluß des Autoris. 


Aturnus der Ealte, ſcharfe und ffrenge, herbe Regent 
nimt feinen Anfang und Herfommen nicht von der 
Gonnen: denn er hat in feiner Gewalt die Kammer 

des Todes, und iſt ein Vertrockner aller Krafte, davon die 
Leiblichkeit entſtehet. 

2. Gleichwie die Sonne iſt des Lebens Hertze, und ein Ur: 
fprung aller Geifter in dem Leibe diefer Welt, alſo iſt Gatur- 
nus ein Anfanger aller Leiblichkeit und Begreiflichkeit: und 
ſtehet indieler 2 Planeten Gewalt der gange Leib diefer Welt, 
und mag feine Creatur oder Bildung, ſowol auch Feine Be: 
weglichkeit, auffer diefer beyder Gewalt, in dem natürlichen 
Leibe diefer Welt werden. 

3. Sein Urfprung aber iſt die ernftliche, herbe und ſtrenge 


Aengſtlichkeit des gangen Leibes diefer Welt: denn als in Zeit 


geiſter) fo ſtund die herbe — in ihrer ſchaͤrfeſten und 


der Anzuͤndung des Zorns das Licht in der aͤuſſerſten Geburt 
dieſer Welt verloſch, (welche Geburt iſt die Natuͤrlichkeit oder 
Begreiflichkeit, oder das Aufſteigen der Geburt aller Quell- 


firen: 


— 


386 I. AURORA. Cap. 26. 


firengeften Geburt, und zog aller Duellgeifter Gewircke 
san herb und fEreng zufammen. Davon dann die Erde und 
Steine find worden; und war wolrecht das Haus des Todes, 
oder die Einfchlieffung deg Lebens, darinnen dann König Lu⸗ 
cifer ift gefangen worden. 

4. Als aber am erften Tage das Licht durch das Wort oder 


GHertze GOttes etwas in der Wurtzel der Natur des Leibes die— 


ſer Welt wieder anbrach, gleichwie eine Erkieſung des Tages 
oder Anfang der Beweglichkeit des Lebens; ſo kriegte die 
ſtrenge und herbe Geburt wieder einen Anblick oder Aufgang 
des Lebens in der Geburt. 

5. Bon dieſem an iſt ſie gleichwie im aͤngſtlichen Tode ge: 
ſtanden bis an zten Tag, da die Liebe GOttes iſt durch den 


Simmel des Unterſcheides gedrungen, und hat das Licht der 


Sonnen angezundet. ; 
6. Weil aber der Sonnen Herge oder Kraft nicht konte die 


änaftliche Geburt, oder die Dualitat des Grimmes und 
Zorns aufichlieffen und temperiven, vorab in der Höhe über 
dem Jupiter; foftund derfelbe gange Umcirk in graufamer 
Aengſtlichkeit, als ein Weib inder Geburt, und Eonte Doch die 


SHitze nicht erwecken von wegen ber graufamen Kalte und 


Herbigkeit. 


7. Weil aber gleichwol alda die Beweglichkeit mar aufgan⸗ 


gen durch Kraft des verborgenen Himmels, ſo konte die Na— 


„tur nicht ruhen; ſondern aͤngſtete ſich zur Geburt, und gebar 


aus dem Geiſte der Schaͤrfe den herben, kalten und ſtrengen 


Sohn oder Stern Saturnum. 


‚8. Denn der Geiſt der Hitze konte ſich nicht anzuͤnden, da- 
von das Licht, und aus dem Licht durch das Waſſer die Liebe 
und Sanftmuth entſtehet; ſondern es war eine Geburt der 
ſtrengen, kalten und ernſten Grimmigkeit, der da iſt ein Ver- 
trockner, Verderber und Feind der Sanftmuth, der in den 
Creaturen die harten Beine gebᷣaͤrt. | 

9. Saturn aber iſt nicht an feinen Locum gebunden wie 
die Sonne: denn er iffnicht ein leiblicher Drt in dem Raume 


der Tieffe, fondern er iſt ein Sohn, der aus der Kammer des 


Todes, aus der angezundeten, harten und Falten Aengftlich- 
Zeit geboren iſt; und ift nur ein Hausgenoß in dem Raume, 
da er in umlauffet. Denn er bat fein corporlich Eigenum, 


= 
v. « 


Cap. 26. Morgenröthe im Aufgang. 387 
für fich, wie ein Kind, wenn e8 von der Mutter geboren iſt. 
[ „‚Saturnus ift wol auch mir dem Rade, als das FIAT das 
„Rad fihuf, gefchaffen worden, aber er geber nicht aus 
„SOLE. ] 

10. Warum er aber von GOtt alfo aus der firengen Be- 
burt iff aufgangen, und was fein Amt ift, will ich hernach 
melden vom Iimtreiben der Planeten. . 

u. Seine Höhe aber fan man nicht gar eigentlich wiſſen: 
sch halte es aber ganslich dafür, daß er zwifchen dem Jupiter 
und den allgemeinen Beftirne inder Tieffe in Mitten ſtehet: 
denn er iſt das Herge der Reiblichkeit in der Natur. 

12. Gleichwie die Sonne iff das Herge des Reben, und eine 


Urſache der Naturgeiſter; alfo ift er (Saturnus) dag Herge 


undeine Urfache aller Eörper und Bildungen in der Erden 
und auf der Erden, ſowol in dem gantzen Leibe Diefer Welt. 

13. Und wie im Menfchen die Hirnfchale iſt ein Umfaffer 
und Einfchliefler des Hirn, darinnen ſich die Gedanken ge- 
baren; alſo ift die Saturnialiſche Kraft ein Umfaſſer, Ver: 
trockner und Behalter aller Leiblichkeit und Begreiflichkeir. 

14. Und gleichwie der Planet Supiter, welcher iſt ein Auf- 
fehlieffer und Sebärer der Sanftmuth, zwifchendem grimmi- 
gen Mars und dem ſtrengen Gaturnus ſtehet, und gebaret die 
Sanftmuth und Weisheit in den Creaturen; alfo auch wird 
das Leben und der Sinn aller Creaturen zwifchen dieſen 2 
Dualitaten geboren, vorab der neue Leib diefer Welt, ſowol 
auch der neue Menſch, davon du bey der Befchreibung des 
Menſchen finden wirfk. | 


Von dem Planeten VENUS. 


15. Venus der holdfeligfte Planet oder der Anzuͤnder der 
Liebe in der Natur, hat feinen Urſprung und Herkommen auch 
von dem Yufgang der Sonnen: feine Dualitat, Wefen und 


| Herkommen iſt aber alfo befchaffen : 


‚16. Hie mercke dis recht und eigentlich: Als die Fiebe 
GOttes den Locum der Sonnen oder die Sonne anzuͤndete 
fo ging erſtlich aus der Aengftlichkeit aus dem Loco der 


Sonnen, aus den 7 Duellgeiftern der Natur auf der erfehreit: ° 
iche und grimmige bittere Beur-Gipvadh, welches Geburt 
a 2 


und 


288 L AURORA. Gay. 26, 
und anfanglicher Urfprung iſt der angezundete bittere Zorn 
GOttes, in der herben Dualitat durch das Waſſer. 

17. Der ging zuerft in der Anzundung der Sonnen aus 
der Kammer des Todes auf, und war ein Aufwecker des 
Todes und ein Anfänger ded Lebens, und flieg gang grim- 
mig und zitteunde über fich, Bis ihn das Licht der Sonnen 
ergriff und inficirte: da ward er durch die Ganftmutb de3 
—— gefangen und blieb ſtehen, davon iſt der Planet Mars 
worden 
18. Nach demſelben Feuer: Schract iſt die Kraft des Lichts, 
welche ſich anfaͤnglich aus dem Fetten des Waſſers hinter 
dem Feuer⸗Schracke hat geboren, urploͤtzlich als eine Maͤch⸗ 
tigkeit hinnach gefahren, und hat den grimmigen Feuer⸗ 
Schrack gefangen genommen, und ſich uͤber demſelben hoch 
erhoben, als ein Fuͤrſt und Zaͤhmer der Grimmigkeit: davon 
iſt nun die Sinnlichkeit der Natur, oder der Planet Jupiter 


worden. 
Die Porten der Liebe. 


19. As aber die zween Geiſter der Beweglichkeit und des 
Lebens aus dem Loco der Sonnen, durch die Anzuͤndung des 
Waſſers waren Aufgangen, fo drang die Sanftmuth als ein 
Eame des Waſſers mit der Kraft des Lichts gantz fanft infici⸗ 
gende und freundlich unter fich in der Kammer des Todes: 
Davon iſt die Liebe des Lebens oder der Planet Benus worden 
20. Du muſt aber albier dis hohe Ding recht verftehen: 
Die Geburt oder der Aufgang der 7 Planeten und aller Ster: 
nen iſt nichts anders als wie fich das Reben und die wunderliche 
Proportz der Gottheit von Ewigkeit geboren bat. 


21. Denn algihm König Lucifer den Locum diefer Welt als 
ein Zoru⸗Haus zugerichter hatte, und vermeinte alfo grimmig 
und gewaltig darinnen zu herrſchen, fo verlafch zuhand das 
Richt inder Natur, darinnen er vermeinte ein Herr zu ſeyn, 
und erffarrete die gange Natur als ein Leib des Todes, darin⸗ 
nen feine Beweglichfeit mar ; und muſte er als ein ewig Ge⸗ 
fangener in der Finſterniß bleiben. 

22. Nun wolte aber der heilige GOtt dieſen Locum fine 
Leibes, verftehe ren Raum diefer Welt, nicht laffen im ewiger Dt 
BIER und Schande eben, und den Zeufeln re 


. e . * 
Cap. 26. Morgenroͤthe im Aufgang. 389 
lich laſſen; ſondern gebar ein neu Regiment des Lichts und 
aller 7 Quellgeiſter der Gottheit, welches der Teufel nicht er⸗ 
greiffen noch faſſen konte, es war ihm auch nichts nuͤtze. 

23. Denn er Fan in dem Bichte der Sonnen nichts mehr 
ſehen als in der Finſterniß: denn er iſt im dieſem Lichte nicht 
zur Creatur worden, darum iſts ihm auch nichts nüse. 

24. Diemeiles aber folte ein neu Regiment feyn, fo muffe 
e3 ein Regiment ſeyn, das der Teufelnicht faſſen koͤnte, und 
dag er nicht zu feinem corporlichen Eigenthum brachen Fönte. 

25. Das iftnunalfo beichaffen: Es hat die Liche oder das 
ort oder das Here, dasift, der Eingeborne Sohn GOt⸗ 
tes des Baters, der da iſt das Licht und die Sanftmuth, und 


"die Liebe und die Freude der Gottheit, (wie Er felber faget, als 


Er die Menfchheit hatte an fich genommen : Sch bindas Licht 
der Welt, Joh. 8:12.) den Locum diefer Welt beym Hergen ge⸗ 
nommen, und inder Mitten diefes Raumesan der Gtelle, mo 
der mächtige Fürft und König Lucifer mar gefeflen vor feinem 
Falle, und da er war zur Creatur worden, neusgeboren. 

26. Und find aus diefem angezundeten Loco der Sonnen 
fonderlichfechferley Dualitaten entffanden undgeboren wor: 
den; allesnach der Goͤttlichen Geburt Recht. 

27. Erftlich iff aufgangen der Feuer⸗Schrack, oder die des 
weglichfeit inder Hige, das iff der Anfang des Kebens in der 
Kammer desTodes. Nach demſelben ift (2teng) das Licht in 
dem Fetten des Waflersin der Hiße ſcheinend worden : das 
iſt nun die Sonne, | 

28. (Zum zten) als nun das Licht der Sonnen hat den gan: 
Gen Corpus der Sonnen inficivet , fo iffdie Kraft des Lebens, 
melche aus der ıften Inficirung iſt aufgangen, über fich gefties 
gen, al3 gleich wenn man ein Hol anzuͤndet, oder fo man 
Heuer aus einem Steine ſchlaͤget. 

29. So fiehet man zu erſt den Blank , und aus dem Glan 
den Feuer⸗Schrack, und nach dem Feuer⸗Schrack die Kraft 
Des angezündeten Corporis: aund das Licht mit der Kraft des 
Corpus erhebet fich urplöglich über den Schrack, und regieret 
viel höher, tieffer und machtiger aldder Feuer-Schrad. 

30. Auch quaiificiret die Kraft des angezundeten Corpus 


in der ausgegangenen Kraft auffer dem Feuer fanft , lieblich 


br und finnyeich: und verſtehet — hierinnen das Goͤttliche 


BET 


b3 Weſen 


Pr‘ 


390 2 AURORA; Cap. 26. 


Weſen recht. Alſo hats auch eine Geſtalt mit Werdung der 
Sonnen, und der 2 Planeten Mars und Jupiter. 
31. Weil aber der Locus der Sonnen, das iſt, die Sonne 
alle Dualitaten nach der Gottheit Recht, wie auch. alle andere 
Oerter in fich hatte, fo ſtiegen auch zu hand in der erſten An— 
zundunge alle Dualitaten auf und nieder , und gebaren fich 
nach ewigem unanfanglichen Recht. 

32. Denn die Kraft des Lichts, welche die herbe undbittere 

Dualität in dem Loco der Sonnen fanftigte und dünne mach- 
te, gleich dem Waffer oder der Liebe des Lebens, flieg unter 
fich nach der Demuͤthigkeit Arc. 

33. Daraus iftder Planet Venus worden: denm er iſt in 
dem Haufe des Todes ein Auffchlieffer der Sanftmuth oder 
Anzumder des Wafferd, undein meicher Durchdringer in der 
Hartigkeit, ein Anzuͤnder der Biebe, in welchem das Dber- 
Regiment, als der bittern Hige des Mars und die bergliche 
Sinnlichkeit des Jupiters begierlich wird. 

34. Davon entfiehet die Inficirung: denn die Venus: 
Kraft macht den geimmen Mars oder Fener-Schrack linde, 
und ſaͤnftiget ihn, und den Jupiter macht fie demuͤthig; ſonſt 
brache die Kraft Jupiters durch Die harte Kammer Gaturni, 
und den Menfchen und Thieren durch die Hirnſchale, und ver- 
mandelte fich die Sinnlichkeit in Hochimuth über der Gottheit 
Geburt⸗Recht, auf Art und Weife des ſtoltzen Teufels. 

Von dem Planeten MARCURIUS. 
- 35. So mar will gründlich und eigentlich wiſſen, mie da 
ſey die Geburt oder der Anfang det Planeten und Sternen,und 
des Welens aller Wefen in der Tieffe diefer Welt, fo muß man 
eigentlich die inftehende Geburt, oder des Lebens Anfang im 
Menſchen betrachten. 

36. Denn daffelbe nimt einen folchen Anfang und Aufgang, 
and ſtehet auch in folchem Orden , wie die Geburt des Wefeng 
aller Werfen in dem Leibe diefer Welt. 

37. Denndas inftehende Rad der Sternen und Planeten 
iſt anders nicht, als wie die Geburt indem fiebenten Natur⸗ 
Geiſte vor den Zeiten der Welt iſt aufgangen, darinnen ſich 
haben Bildniſſe und Figuren, ſowol himmliſche Fruͤchte figu⸗ 
riret nach der ewigen Gottheit Recht. RR 

34. Weil dann der Menſch iſt nach der Qualificirung € 





Cap. 26. Morgenrötheim Aufgang. 391 
tes, undauch aus dem Göttlichen Wefen geſchaffen, fo bat 
das menfchliche Feben einen folchen Anfang und Aufgang, mie 
der Maneten und Sternen gemefen ift. | 

39. Dennder Maneten und Sternen Anfang , Inſtehen, 
+ Lauff und Wefen iſt anders nicht als der Anfang und Trieb 
oder das Regiment im Menfchen. 

40. Wienun das menfchliche Leben aufgehet , alfo iſt auch 
die Geburt der fieben Planeten und Sternen aufgangen, und 
ift in Diefem gar Fein Unterfcheid. 


Das Centrum oder Eirckel des Lebens Geburt. 
Die groſſe Tieffe. 

41. Bor diefen Spiegel fodert der Geiſt die Medicos, fon“ 
derlich aber dieAnatomicos und Menſchen⸗Schinder die durch 
ihre Schinderey haben wollen die Geburt und Aufgang des 
menſchlichen Lebens exfahren, und haben manchen unſchuldi⸗ 
gen Menſchen wieder GOttes und der Natur Recht und Ge: 


feg erinordet , in Hoffnung die wunderliche Proporg und Ges 


ftalt der Natur zu erkundigen, damit fie vielen andern Fönten 
zur Geſundheit dienen. 


42. Beil fie aber in der Natur erfunden werden ald Moͤr⸗ 


der und Übelthaͤter, wieder GOttes und der Natur Gefesund 


Hecht, fo fpricht ihnen der Geiſt, welcher mit GOtt inquali- 


vet, ihre Mörderey nicht für recht. 

43. Hätten fie doch die munderliche Geburt der Menfchen 
Fönnen viel näher und gemwiffer erfahren ‚ wenn fie ihr ſtoltzer 
Hochmuth und teufelifiber mörderifcher Sucht⸗Luſt hatte laſ⸗ 
fen darzufommen, welcher ihnen die rechten Göttlichen Sin⸗ 
nen verkehret hat. Sie haben nur wollen mit Menfchen und 
nicht mit Göttern kaͤmpfen: darum iſt ihnen der Lohn ihres 
Sertbums billig zu theilmorden. 

44. Wolauf ihr gefröneten Hütlein , laſt fehen, ob auch 
ein einfältiger Laye konne die Geburt des Menfchen Lebens in 


der Erkentniß GOttes erforfchen: iſts unrecht, fo wieder? 


legts; iſts aber recht, fo laſſets ſtehen? 
45 . Diefe Beſchreibung von des Menſchen Lebens⸗Geburt 
* ſetze ich darum hieher, damit der Urſprung der Sternen und 






um a — 
* = 


. 


- Planeten könne beffer gefaſſet werden : Bey der Beſchreibung 
54 von 


‚392  LAURORA. ° @ap.26, 
Bon Erfchaffung des Menſchen wirft du alles urkuͤndlicher und 
tiefer finden , wieder Anfang des Dienfchen ſey. 

46. Nun mercke: Der Sameim Dienfchen mird auf Art 
und Weile geboren, wie die wunderliche Propors und Geſtalt 
der Natur iſt in ihrem Ningen und Aufgang von Emigfeit ge: 
boren worden. | 

47. Denn das menfchliche Sleifch if und bedeutet die Na 
tur in dem Leibe GOttes, welche von den andern 6 Duell- 
Geiſtern geboren wird, darinnen fich die Duell-Beifter wie— 
derum nebaren und in unendlich evzeigen ; Darınnen Formen 
und Bildungen aufgehen, und darinnen fich das Herge GOt⸗ 
tes oder die heilige Klare Gottheit im mittlern Sede über der 
Natur gebaͤret, im Centro, wo des Lebens Licht aufgeher. 

48. Nun aber find in dem menfchlichen Leibe in dem Ge— 
burt⸗Regiment drey unterſchiedliche Dinge, da ein jedes ein 
fonderliches iſt, und find Doch auch nicht von einander ge: 
trennt, fondern find alle drey zuſammen nur der einige Menfch, 
nach Art und Weife der Dreyheit in dem Göttlihen Wefen. 

49. Das Fleiſch iſt nicht das Leben; fondern es iſt ein 
todt unverſtaͤndiges Wefen , welches, wenn des Geiftes Re— 
giment darinnen aufhoͤret zu qualificiren, alsbald ein todt Aas 
wird, verfaulen und zerſtieben muß. 

50. Nun aber kan auch kein Geiſt auſſer dem Leibe in feiner 
Vollkommenheit beſtehen: denn alsbald er von dem Leibe ent⸗ 
fihieden wird, verlieret er dag Regiment. Denn der Leib iſt 
Die Mutter des Beiftes, in welcher der Geift geboren wird, und 
in welcher er feine Starke und Kraft nimt; er iſt und bleiber 
wol der Geift, wenn er vom Leibe geffhieden wird, aber er 
verlieret daB Regiment. 

51. Diefe 3 Regimente find der gantze Menfch mit Fleifch 
und Geifte, und haben zu ihrem Anfang und Regiment ſonder⸗ 
Yich ftebenerley Geſtalt, nach Art und Weile der 7 Geifter 
GOttes oder der 7 Planeten. i ' 

52. Wie nun GOttes ewiges, unanfangliches Geburts 
Regiment ift, alfoift auch der Anfang und Aufgang der 7 
Planeten und Sternen; und alfo ift auch der Aufgang des 
Menſchen Lebens. — 

53. Rum mercke: Wenn du ſinneſt und denckeſt, mag da fen 
in diefer Welt und auffer diefer Welt, oder das Wefen *F 


* 


i TREE . 
GCay.26. Morgenröthe im Aufgang- 393 
Weſen, fo ſpeculireſt du oder finneft du in dem gantzen Feibe 
BHDttes, welcher iſt das Wefen aller Weſen: und der ift ein 
unanfanaliches Wefen. 

54. Er hat aber in feinem eigenen Sede feine Beweglichkeit, 
Pernünftlichkeit oder Begreiflichfeit, fondern iſt eine finftere 
Tieffe, die weder Anfang noch Endehat. Es iſt darinnen 
weder dicke noch dünne, fondern iſt eine finftere Kammer des 
Todes, danichts gefpurer wird, auch weder kalt noch warm, 
fondern ift das Ende aller Dinge. 

55. Diefes iſt nun der Leib der Tieffe, oder die wahrhaftige 
Kammer des Todes. 

56. Nun aber find in diefem finftern Thale die 7 Beifter 
GOttes, die auch weder Anfang noch Ende haben, da Feiner 
der erſte und auch keiner der ander, dritte und legte iſt. 

57. In diefen7 Regimenten theilet ſich das Regiment in 3 
unterfibiedliche Weſen, da feines auffer dem andern iff oder 
von dem andern getrennet wird. Die7 Geiſter aber gebaren 
auch je einer den andern von Ewigkeit zu Emwigfeit. 

58. Daserfte Regiment ftchet in dem Corpus aller Dinge, 
das ift in der gantzen Zieffe oder Ibefen aller Wefen: der hat _ 
an allen Enden und Drten die7 Geiſter in fich habhaftig und 
—— unabtrennlich oder unverruͤcklich zum Eigen⸗ 
thum. 

59. So nun die 7 Geiſter irgends an einem Orte nicht tri⸗ 
umphirende ringen, ſo iſt am ſelben Orte keine Beweglichkeit, 
ſondern eine tieffe Finſterniß: und ob gleich die Geiſter am 

ſelben Orte vollkoͤmmlich ſind, noch iſt der Locus ein finſter 
Haus; wie du ſolches an einem finſtern Gemache kanſt verſte⸗ 
hen, darinnen die angezuͤndeten Geiſter der Planeten und 
Sternen nicht koͤnnen die Elementa anzuͤnden. 

60. Nun aber iſt die Wurtzel der 7 Geiſter an allen Enden; 
aber auſſer dem Ringen ſtehet ſie ſtille, und ſpuͤret man keine 
Beweglichkeit. 

61. Ein ſolch Haus iſt die gantze Tieffe auſſer, in und über 
allen Himmeln, welches Haus heiſt die Ewigkeit: und ein 
ſolch Haus iſt auch das Fleiſch⸗-Haus in Menſchen und allen 
Ereaturen. 

62. Und dieſes Weſen zufammen begreift die Emigfeit, wel⸗ 

che nicht GOtt heiſt, fondern * unallmaͤchtige Leib der Na⸗ 
Kr J tur; 


394 I. AURORA. Cap. 26, 
tur ; da zwar die Gottheit unerfforben im Kern der 7 Geifter 
verborgen ſtehet, aber nicht begriffen noch verffanden wird. 

63. Ein folch Haus iſt auch der gange Raum diefer Welt 
worden, als fich die Gottheit in den 7 Beiftern vor den greu- 
lichen Teufeln verborgen hat: wäre es auch noch, wenn nun 
nicht die 7 Planeten und Sternen waren aus den Geiſtern 
GOttes aufgangen, welche die Kammer des. Todes in dem 
finftern Haufe diefer Weltan allen Enden wieder aufſchlieſſen 
und anzunden, davon das Regiment der Elementen entite: 


ef. 

64. Ferner folft du aber gleichwol auch wiſſen, daß das 
Regiment der 7 Geifter GOttes in dem Haufe diefer Welt dar- 
um nicht fey im Tode vertrocknet, daß nur alles muffe von den 
N aneten und Sternen fein Xeben und Anfang befommen : 

65. Nein; denn die Elare Gottheit ſtehet allenthalben im 

Girckel im Hersen der gangen Tieffe verborgen, und die 7 
Geiſter ſtehen in dem Leibe der Tieffe in Aengſtlichkeit und 
seoffer Gehnlichkeit, und werden von den Planeten und 
Sternen immer angezündet, davon die Beweglichkeit und die 
Geburt inder gangen Tieffe entitehet. 

66. Dieweil fich aber das Here der Gottheit indem Leibe 
diefer Welt in der aufferften Geburt, welches iſt die Reiblich- 
feit, verbirget , fo ift die Leiblichkeit ein finfter Haus, und ſte⸗ 
het alles in groffer Aengftlichkeit, und bedarf eines Lichts, 
melchesin der Kammer der Finfterniß leuchtet , welches ift 
die Sonne, alfolange bis ftch das Herge GOttes inden7 Geiz, 
ftern GOttes indem Haufe diefer Welt wieder wird bewegen 
unddie7 Geiſter anzunden. £ 

67. Alsdann werden die Sonne und die Sternen wieder in 
ihren erften Locum treten, und in folcher Forma vergeben: 
denn es wird das Herg oder Licht GOttes wiederum in der. 
Leiblichkeit, das iſt, in dem Leibe diefer Welt leuchten und 
alles erfüllen. 

68. Alsdann böret die Aengſtlichkeit auf: denn ment die 
Henaftlichkeit im Geburt-Negiment die Süßigfeit des Lichts 
GOttes koſtet, daß das Herge GOttes mit im Geburt⸗Regi⸗ 
ment triumphiret, ſo iſt alles freudenreich, und triumphiret 
der gantze Leib. D— 

60. Welches ietzunder in dieſer Zeit in dem Haufe Dice. 


Cap. 26. MorgenrötheimAufgang. 395 


Welt nicht feyn Fan, von wegen der grimmigen gefangenen 
Teufel, welche in der auflerften Geburt in dem Leibe diefer 
Welt hausbalten bis in das Berichte GOttes. 

70. Hie kanſt du nun verfiehen, mie das Herße GOttes die 
Wurffchauffel in der Hand hat, und wird einmal feinen Ten- 
nen fegen : welches ich biemit ernftlich anmelden thue, alsin 
Erfentniß im Lichte des Lebens, wo das Herge im Lichte des 
Lebens durchbricht, und verfündiget den hellen Tag. 

Vom Menfchen und Sternen. 

1. Wienundie Tieffe oder das Haug diefer Welt iff ein fin⸗ 
fter Haus, da fich die Peiblichkeit gang dicke, finffer , aͤngſt⸗ 
lich und halb todt gebaret und nimt von den Planeten und 
Sternen fein Wallen, welche den Leib in der auflerften Geburt 
anzunden, davonder Elementen Beweglichkeit entfteher, fo- 
wol das figurliche und creatuͤrliche Weſen; alſo iſt auch das 
Fleiſch⸗ Haus des Menſchen ein finſter Thal, da zwar die 
Aengſtlichkeit zur Geburt des Lebens innen iſt, und ſich immer 
hoch bemuͤhet , in willens ſich ing Licht zu erheben, davon ſich 
möchte das Beben anzunden. 

72. Weil fich aber das Herge GOttes im Centro oder Kern 
verbirget, ſo kan es nicht ſeyn gebaͤret derowegen die Aengſt⸗ 
lichkeit nicht mehr als einen Samen. Das Fleiſch⸗ Haus ge 
baͤret einen Samen ſeines gleichen wieder zu einem Menſchen, 
und des Geiſtes Haus in dem Inſtehen der 7 Geifter gebaͤret 
in dem Samen einen andern Geiſt ſeines gleichen wieder zu ei⸗ 
nem Menſchen-Geiſt. 

73. Und des verborgenen Hertzens Haus gebaͤret ihm auch 
wieder einen ſolchen Geiſt, der dem Fleiſch-Hauſe und auch 
den ſideriſchen Geburt: Geiſtern im Leibe verborgen ſtehet, 
gleichwie das Hertze GOttes in den 7 Geiſtern GOttes iñ der 
Tieffe dieſer Welt in den Geiſtern verborgen ſtehet, und ſie 
nicht anzuͤndet bis nach dieſer Enumeration oder Zeit⸗Rech⸗ 
nung. 

74. Dieſer dritte Geiſt iſt die Seele im Menſchen, und in- 
qualiret mit dem Hertzen GOttes, als ein Sohn oder kleines 

Goͤtterlein in dem groſſen unmeßlichen GOtt. 
73. Nun dieſe 3 unterſchiedliche Regimente werden in dem 
Samen geboren, welcher ſeinen Urſprung im Fleiſche nimt, 
wie — ($. 46. 20.) angemeldet babe. : 
76. 


396 I. AURORA, Gap. 36, 


76. Run mercke die verborgene Geheimniß: ihr Natur 
fundiger, nun mercket die Porten der groffen Geheimniß. 
Aus der angftlichen Kammer in dem Leibe diefer Welt aus 
den 7 Öeiftern GOttes find aufgangen die Sternen , die zuͤn— 
den an den Leib diefer Welt, und aus dem Leibe gebaret fich 
nun die Frucht oder der Same, welcher ift Waſſer, Feuer, 
Luft, Erde, 

77. Die Erbe ift des ten Geiſtes GOttes Frucht, mer 
cher iſt die Natur der Leiblichkeit, darinnen fich Die andern 6 
Geiſter wieder gebaren, und den Salitter des ten Geiftes 
in unendlicherley Geſtalt und Formen figuriren, alfo daß die 
Erde auchihren Samen gebaret, welches iſt die Frucht der 
Bemwachfe, wie folche3 vor Augen iſt. 

73. Nun ift des Menfchen Fleifch Haus auch ein folch 
Haus, wie die finftere Tieffe Diefer Welt, darinnen fich die 7 
Geiſter GOttes gebaren. 

79. Weil aber der Menſch ein eigen Leib iſt, der da iſt ein 
Sohn des gantzen Leibes GOttes, ſo gebaͤret er auch einen ei⸗ 
vn Samen nach dem Regiment feiner corporlichen Quell⸗ 

eilter. ü 

80. Der Leib nimt feine Gpeife von dem Samen der 7 ? 
Geiſter GOttes in dem Leibe der groſſen Tieffe, welcher iſt 
Feuer, Luft, Wafler, Erde. Von der Erden nims er die Ges 
burtder Erden oder die Frucht: denn er ift viel edler als die 
Erde, er ift eine ausgezogene Maſſa aus dem Galitter aus dem 
fiebenten Natur-Geifke. 

81. Denn als der Leib der Natur durch die Teufel ange- 
zundet ward, ſo zog das Wort oder Herge GOttes die Mafs 
ſam zufammen , noch ehe als der verderbte Galitter zuſam⸗ 
mengedruckt ward, welcher nun Erde heiſt, von wegen der 
harten Srimmigfeit oder Berderbung. & 
82. Als aber die Erde zufammengedruckt war, fo ffund 
die Maſſa in der finftern Tieffe in dem’ erfchaffenen Simmel 
zwiſchen der angfilichen Geburt und der Liebe des Hertzens 
GOttes bis an den 6ten Tag: da blies das Hertze GOttes 
das Licht des Lebens aus ſeinem Hertzen in der Maſſa innerſte 
oder dritte Geburt. 

83. Als dieſes geſchahe, ſo fingen in der Maſſa die 7 Quell⸗ 
Geiſter an zu qualificiren, und gebar ſich in der Maſſa der Sa⸗ 

me 


Gay. 26. Morgenröthe im Aufgang. 397 
me der 7 Auell-Geifter, ald Feuer, Luft und Wafler , wie in 
dem Leibe der Tieffe. 

84. Alſo ward der Menfch eine lebendige Geele, nach Art 
und Weife, wieda iſt aufgegangen die Sonne ‚und Daraus Die 
7 Planeten. — 

85. Das Licht im Menſchen, welches das Hertze GOttes 
hat neingeblaſen, bedeut die Sonne, welche in der gantzen 
Tieffe leuchtet: davon du bey der Schoͤpfung des Menſchen 
wirſt klaͤrer finden. 

86. Nun ſiehe: Gleichwie in der Tieffe dieſer Welt durch 
Anzuͤndung der Sternen wird aus dem Leibe der finftern Tief— 
fe ein Same geboren gleich dem creatuͤrlichen Leibe; alſo auch 
in gleicher Geſtalt wird in dem Fleiſch-Hauſe des Menſchen 
ein Same geboren nach der fieben Quell⸗Geiſter emigem Ge⸗ 
burt⸗Recht. et 

87. Und in den Samen find drey unterfchiedliche Din 
ge, da je eines das andere nicht ergründen fan; und find doch 
nur indem einigen Samen, und ingualiren auch miteinau: 
der als ein Wefen, und iff auch: nur ‚ein Weſen, und auch drey 
unterfchiedliche Dinge, nach Art und Weife Der Dreyheit in 
der Gottheit. | 

88. Erſtlich iſt der gantze Körper des Menfchen der iſt ein 
finſter Haug, und hat auſſer der ſieben Geiſter Qualificiren 
keine Beweglichkeit, ſondern iſt ein finſter Thal, gleichwie der 
Leib der Tieffe dieſer Welt. 

89. Nun iſt in dem finſtern Leibe des Menſchen auch ein 
ſolch Regiment mit den ſieben Geiſtern, gleichwie in dem Lei⸗ 
beder Tieffe. Wenn die ſieben Geiſter nach der Gottheit Ge— 
burt⸗Recht qualificiren, fo gebaͤret ſich aus dem Ringen der 
ſieben Geiſter ein Same nach ihres gleichen. 

go. Derſelbe Same bat nun erſtlich eine Mutter, das 
iſt die finſtere Kammer des Fleiſch-Hauſes; Zum ꝛten hat 
er eine Mutter, das iſt das Rad der 7 Geiſter, nach Art der 
7 Planeten; Zum zten hat er eine Mutter, die wird im 
Circkel der 7 Geiſter geboren in Mitten, und iſt das Herke der 

‚7 Beifter. 

91. Das ift nun die Mutter der Geelen, welche bie 7 
Geiſter durchſcheinet und lebendig macht: und an diefer 
Staͤtte inqualiret der Same mit dem Hergen GOttes, aber 

e nur 


6 
” 


398°  L AURORA Gay. 26. 
nur derjenige, in welchem das Ficht angezundet wird; in wel: 
chem aber das Zorn- Feuer brennet, da bleibet diefe 3te Mutter 


in der finftern Kammer gefangen. 
92. Und ob ſie gleich die dritte Mutter if, fo bleibt fie doch 


eine Naͤrrin, fo das Licht in ihr ſich nicht anzůndet, gleichwie 


die Tieffe dieſer Welt eine Naͤrrin vor dem Hertzen GOt— 
tes iſt, indem das Rad der 7 Geiſter in fo groſſer Aengſt⸗ 


lichkeit ſtehet in ſo vielem Verderben und Erloͤſen, in Hitze und 


Kaͤlte, wie vor Augen iſt. 

93. Wenn aber die dritte Mutter im Lichte angezuͤndet 
wird, ſo ſtehet ſie im geſchaffenen Himmel des heiligen Le— 
bens, und durchleuchtet die andere Mutter, davon die ſieben 
Geiſter einen freundlichen Willen bekommen, welcher iff die 
Liebe des Lebens, wie du kanſt davorneim 8. Capitel von der 
Liebe-Geburt GOttes leſen. 

94. Die dritte Mutter aber kan ſie nicht immer beharrlich 
—— denn ſie ſtehet in dem Hauſe der Finſterniß; 
ſondern ſie gibt ihr manchmal einen Blick, gleich als wenns 
wetterleuchtet, davon die dritte Mutter manchmal auch gang 


lͤſternd wird, und ſich hocherfreuet; aber von der Grimmig⸗ 


keit des Zorns GOttes bald wieder zugeriegelt wird. 

95. Auch fo tanger der Teufel aufdiefer Porten: dennesiff 
die Gefängniß, darinnen der neue Menfch verborgen lieget, 
und darinnen der Teufel gefangen liegt. 

96. Sch meine aber in dem Haufe der Tieffe diefer Welt: 
wiewol das Fleifchhaus und die 2 ieffe alles zuſammen mitein⸗ 


ander inqualiret als ein Leib, und iff auch ein Leib; allein une 


terſchiedliche Partes oder Glieder. 
— Die Tieffe im Centro. 


Siehe, wenn nun der Same geboren ift, fo ſtehet er in 


97- 
Mitten des Leibes im Hergen: denn dafelbft fanger Die Mutz 
ter der Drepbeit. 


98. Erſtlich fanget der herbe Geiſt, der zeucht eine Mae & 


fü aus dem ſuͤſſen Waffer zuſammen, das ift, aus der Fertige 
Eeit des Herken-Geblütes oder Saftes ‚oder Deles des Herz 


tzens. Daffelbe Oel hat nun ſchon die Wurgelder Dreybeit 


in fich, wie der gange Menfch ; denn es iſt eben ald wuͤrfe man 
einen Zunder⸗Feuer in Stroh. 


90 Nun ; 


8 


4 
4 


Cap. 26. Morgenroͤthe im Aufgang. 399 

99. Nun fraget ſichs, wie das zugehe? Hie iſt num der 
rechte Grund des Menſchen. Nun mercke eigentlich: denn 
es iſt der Spiegel der groſſen Geheimniß, die tieffe Verbor— 
genheit der Menſchheit, darum alle Gelehrten von der Welt 
her haben getantzet, und haben dieſe Thuͤr geſucht und doch 
nicht funden. wi | 

100. Run muß ich aber einmal anmelden, daß es die Mor- 
Be des Tages fey, ald es dann der Thuͤrhuͤter haben 

will. 

101. Nun mercke: Gleichwie die erſte Maſſa iſt worden, 
daraus Adam ein lebendiger Menſch ward, alſo auch in glei: 
cher Geſtalt wird ein ieder Maffa oder Sameder Dreyheit in 
iederm Menfchen. 

102. Mercke: Als der Galitter oder das Gewircke der 6 
Duellgeifter , welches iſt der fiebente Natur-Geift, in dem 
Raum diefer Welt angezundet ward, fo ffund das Wort oder 
Hertze GOttes allenthalben mitten im Circkel der 7 Geiffer 
als ein Herge, das alles, verſtehe den gangen Raum diefer 
Welt, aufeinmal zugleiche erfuller. 

103. Weilaber die Tieffe, dag iff, der gantze Raum diefer 
Melt feines Vaters, verfichedes Hergend GOttes Leib war, 
verfiche des Vaters Leib, und das Herge indem gangen Leibe 
leuchtefe als des Vaters Glantz; fo war der verderbte Sa— 
litter allenthalben mit dem Lichte oder Hergen GOttes in⸗ 
ficivet, und konte das Hertze GOttes auch nicht daraus flie- 
ben; fondern verbarg feinen Slang und Schein in dem Leibe 
der gangen Tieffe vor den grenlichen angezundeten Geiſtern 
der Teufel. 

104. Als diefes geſchahe, fo wurden die Quellgeifter alle 
gang geimmig und hart ringende, und der herbe Geift als der 
ſtaͤrckeſte, zog in dem fiebenten Natur-Geifte das Gewircke 
der andern funf gan fehrecklich zufammen, davon die bit: 

tere Erde und Steine worden ; waren aber noch nicht 
— — ſondern ſchwebeten in der gantzen 
ieffe. | | 
"105. In diefer Stunde iff die Maſſa zufammengezogen 
worden: Denn als fich das Herge GOttes in dem Galit- 
‚ser verbarg, fo blieftees den gangen Raum oder Leib wieder 





an, 


— 


400 I. AURORA, Gap. 26, 
an, und dachte, wieihm wieder zu helfen ware, damit wieder 
ein englifch Reich in der Tieffe diefer Welt wurde. Br 
106. Der Anblick aber war der Liebe-Geift im Hergen 
BDtte, der inficirte an dem Drte des Anblickes dag Dele des 
Waſſers, mo zuvorhin war dag Licht aufgegangen. 
107. Hie bedendfe St. Perri Anblick im Haufe Caiphaͤ, es 


iſt eben das. 


108. Gleichwie der Mann das Weib anblicket, und das 


Weib den Mann; und des Mannes Geiſt, (verſtehe die Wur— 


tzel der Liebe, welche im Aufgang des Lebens aus dem Waf- 
ſer durchs Feuer aufgehet) ſowol auch des Weibes Geiſt, 
ein Geiſt den andern in demſelben Oele des Hertzens faͤnget, 
davon alsbald eine Maſſa, Same oder treibender Wille eines 
andern Menſchen in der Maſſa entſtehet. 

109. Eben auf ſolche Weiſe iſt auch die erſte Maſſa wor⸗ 


den: denn der Liebe⸗Geiſt im Hertzen GOttes blickte in dem 


Leibe des angezuͤndeten zornigen Vaters das Waſſer des Le 
bens an, davon und daraus die Liebe im Fener-Blig aufging 
por der Zeit des Zorns. * 
10. In dieſem Anblicke hat ein Geiſt den andern gefan— 
sen: Das Oele oder Waſſer im Zorn bat den Liebe Geiſt 
im Hergen GOttes empfangen, und mit demſelben inquali= 
ret, und der herbe Beift hat die Maſſam zufammen gezos 
gen; alda iſt es ſchon eine Geburt oder ein Wille einer 
Bu Creatur geweſen, gleichwie der Game im Men- 
en, | 
ım. Run ift aber die Vefte des Himmels zwiſchen das 
Here GOttes und die angezundete harte Kammer des To= 
des gefchloffen worden, fonft hatte ſich alsbald das Leben 
in der Maſſa angezunder. Denn die Veſte war in der Maf- 
fa ſowol ald auffer der Maſſa, welche ift das Scheide-Ziel 
ieh dem Hergen GOttes, umd den grimmigen Ten: 
eln 


112. Darum muſte das Wort oder Hertze GOttes den 
wallenden Geiſt in der Maſſa aufblaſen, welches erſt am ſech⸗ 
ſten Tage geſchahe aus gewiſſen Urſachen. 


< 


113. So aber der Himmel nicht wäre als eine Veſte in 


der Maffa zwifchen das Herge GOttes und der Maſſa cors 


porliche Auellgeifter gefchloffen gemefen , ſo a 


Re. 
Rn 


Caps. Morgenröthe im Aufgang. aoı 
koͤnnen die Seele aus eigner Kraft anzunden;gleichwie mit ben 
beiligen Engeln gefchabe. 

114. Es waͤre aber zu fuͤrchten geweſen, daß es wurde Eon 
zugangen wie mit bein fchönen Söhnlein Eucifer, dieweil die 
corporlichen Duellgeifter in der Maſſa ſchon i im Zorn⸗Feuer 
angeſteckt waren. 

us. Darum muſte der Himmel eine Veſte zwiſchen dem 
Sumke, welcher dad Hertze GOttes im erften Anblick hatte 
empfangen / ſeyn, in Fall da ja der Corpus im Zorn-Feuer 
verdürbe ‚aß doch der heilige Same bliebe, melcher iſt die 
Seele, Die mit dem Hertzen GOttes inangliget: daraus dann 
koͤnte ein neuer Feib werden, wenn dergange GOtt würde die 
Tieffebiefer Welt wieder im Lichte des Hergend GOttes an⸗ 
zuͤnden mie es dann auch) alſo geſchehen iſt erbarme es die Lie⸗ 
be GOttes. 

16. Der there Mann M toſes ſchreibet: GOtt habe den 
Menſchen aus einem Erden⸗Kloſſe gemacht, mie es bie Ge- 
lehrten verteutſchet haben: er iſt aber nicht darbey geweſen, 
als es geſchehen iſt. 

117. Dis muß ich aber fagen ‚Daß Moſes wol recht gefehrie- 
ben hat; aber derrechte Verstand , woraus Die Erde worden 
fey, iſt beydes dem Dion und auch ſeinen Nachkoͤmmlingen 
im Buchſtaben verborgen blieben, und hat es der Geiſt bis 
auf dieſe Zeit verborgen gehalten. 

us. Es iſt auch Adam, weil er noch im Paradeis geweſen, 
verborgen gemelen: nun aber wird es gantz offenbar, denn 

das Hertz GOttes hat an die Kammer des Todes angefeßes, 
und will nahend Duschbrechen. 


119. Darum werden iekumder je länger je mehr etliche 
Strahlen ded Tages in etlicher Menſchen Hertzen durchbro 
chen, und den Tag verkuͤndigen. 

120. Wenn aber dieſe Morgen⸗Roͤthe wird vom Yufgang 
zum Niedergang ſcheinen, fo iſt vorbaß mehr feine Zeitz fone 
dern die Sonne des Hergend GOttes ge auf, und wird RA. 
RA. R.P. in die Kelter auffer der Stadt geftoffen, und mit 


* hat, Sieeöubuerte Worte, und den allei 
! ! rgene ’ wer ein in 
der Spracheder Narus.verftanden. 


T/ 





Cc 102. Me⸗ 


** 


402 1 AURORA, ı  G@ap.a6. 

122. Mofes fihreibet wol recht, daß der Menſch ſey aug 
Erde gefchaffen worden: aber zuder Zeit als die Naffa vom 
Worte gehalten ward , war die Maſſa noch nicht Er- 
de. Go fie aber nicht wäre vom Worte gehalten worden, 
fo ware diefelbe Stunde ſchwartze Erde daraus worden; 
aber das Falte Zorn Feuer war ſchon darinnen. % 
‚123. Denn diefelbe Stunde, als fich Rucifer erbub, er: 
grimmete der Bater in den Duellgeiftern gegen den Legio⸗ 
nen Lucifers, und verbarg fih das Herße GOttes in der Ber 
ſten des Himmels: da war der Galitter oder das Gewircke 
der Leiblichkeit fhon brennend, denn auffer dem Lichte iſt die 
finſtere Kammer des Todes. 

124. Die Maſſa aber ward in der Velten des Himmels . 
gehalten, daßfie nicht erffarb: denn ald dag Herge GOttes 
mit ihrer hisigen Liebe die Maſſam anblickete, fo fing das 
Oel in der Maffa, welches aus dem Wafler durchs Feuer auf- 
flieg, daraus das Licht aufgehet, und Daraus der Kiebe-Geiff 
aufgehet, das Herge GOttes, und ward eines jungen Sohnes 
ſchwanger. 

125. Das war der Same der Liebe, dent eine Liebe em⸗ 
pfing die andere: der Maſſa Liebe empfing die Liebe aus dem 
Anblicke des Herkens GOttes, und ward darmit inficiret und 

ſchwanger; und das ift der. Seelen Geburt i nach diefem 
Sohne iſt der Menſch GOttes Bilde. | 
126. Die Duellgeifter in der Maſſa konten aber hiermit 

“ nicht bald von der Geelen angezündet werden : denn die, 
Seele Fund nur im Samen in der Maſſa mit dem Herken 
GHttes in feinem Himmel verborgen, bis der Schöpfer die 
Maſſam aufblieg ; da zundeten die Duellgeifter die Geele 
auch an, da lebete Leib und Geele zugleiche. Fr 

127. Die Geele hatte wol vor dem Leibe ihr Leben, aber 
es ſtund in dem Hergen GOttes in der Maſſa im Himmel 
verborgen , und war nur ein heiliger mit GOtt ‚inqualiren- 
der Same, welcher ewig, unvergänglich und unzerflörlich 
war, denn ed war einneuer und reiner Same zu einem Engel 
and Bilde GOttes. j RN 

128. Das Gewircke aber der gangen Maſſa war ein 
Auszug oder Anziehung des Worts GOttes and dem Gewir⸗ 


# 
24 


En .e Ye 

Cap.ꝛ26. Morgenroͤthe im Aufgang. 403 
cke der Quellgeiſter oder des Salitters, daraus Erde 
ward. a 
129. Diefer Auszug war noch nicht zu Erde morden obs 
gleich der Erden Galitter war; fondern ward vom Worte 
' gehalten. Dennals der Liebegeift aus dem Hergen GOt⸗ 
"168 den Galitter der Maſſa anblickte, fo fing der Galitter, 
und ward im Centro der Geelen fihmanger : und das Wort 
fund in der Maſſa im Schalle ; aber das Licht blieb im Cen. 
sro der Maſſa in der Beten des Himmels im Dele des Her: 
Gens verborgen ſtehen, und bewegete fich nicht auffer der 
Veſten des Himmels in der Geburt der Duellgeifter. 


130. Sonſten mo ſich das Licht in der Geelen Geburt hät- 
ge angezündet, fo hatten alle 7 Duellgeifter , nach der ewi⸗ 
gen Gottheit Geburt-Recht, in dem Lichte triumphiret und 
aualificiret, und ware ein lebendiger Engel gemwefen : mweil 
aber der Zorn den Galitter ſchon bat infteivet, fo mar der 
Schade zu fürchten wie beym Lucifer. 
131. Nun fraget ſichs, warum denn nicht auf dismal 
find viel Maflen geſchaffen worden, daraus alsbald ware 
auf einmal ein gang englifch Heer an des gefallenen Luci⸗ 
fers Stelle worden? warum fich doch folte eine folche lange 
a im Zorne verlangen? und warum doch das gantze Heer 
olte aus der einigen Maſſa geboren werden in folcher gar 
langen Zeit? oder hat der Schöpfer dismal nicht den Fall 
des Menfchen gefehen und erfant? Diefes ift nun dag rech⸗ 
ge Thor der Berborgenheit GOttes, darander Lefer ja mer- 
clten ſoll, daß es nicht eines Menfchen Vermögen mare, fol- 
ches zu erkennen oder zu willen, mo nicht die Morgen-Röthe 
im Centro in der Geelen anbrache. Denn es find Göttli- 
che Seheimnifle, die Fein Menſch aus eigener Vernunft er- 
forfihen fon; ich achte mich auch. viel zu unwuͤrdig darzu; 
ich werde auch Spötter genug haben, denn die verderbte 
Natur ſchaͤmet fich grauſam ſehr vor dem Lichte. 
332. Ich Fan es aber darum nicht unterlaſſen: denn wenn 
das Goͤttliche Licht im Circkel des Lebens Geburt anbricht, 
ſ freuen ſich di uellgeifter, und fehen im Circkel des Le— 
in 





— _ 


bens im ihrer Mutter zuruͤcke in die Emigfeit, und auch vor 
. Mepindie Ewigkeit. 0. : 
J Cc2 133. Es 


Lok MN 
. * Sm = 

EI, 
N a x 


8 
a 


404 LAURORA? ) Gap.26) 
33. Es * KR nicht ein beharrlich Weſen oder Verklaͤ⸗ 
zung der Quell-Beifter, vielweniger des thieriſchen Leibes; 
fondern es find Strahlen der Durchbtecbung des Lichte 
GOttes mie feurigem Trieb, welcher aufſteiget durch dag 
fanfte Waller des Leben in der Siebe, und bleibet in feinem 
Himmel fichen. 
134. Darum fan ich3 weiter nicht bringen , als vom Hers 
tzen ins Hirn vor den fürfflichen Stuhl der Einen, da wird 
es in der Veſten des Himmels verfchläffen , und gehet nicht 
wieder durch Die Duelfgeifter zurück in die Mutter des 
Hertzens, daß es Eönteauf die Zunge kommen. Go dis ges 
—— wolte ichs muͤndlich ſagen der Welt verkuͤn⸗ 
igen 
35. Will es derowegen in feinem 34 laſſen ſtehen, 
und nach meinen Gaben ſchreiben, und mit Verwunderung 
5 — was Doch werben will: denn ich kan es in den 
uell⸗Geiſtern nicht genug begreiffen, dieweil ſie in der 
aͤngſtlichen Rammerftehen. Der Seelen nach ſehe ichs wol; 
aber die Veſte bes Himmels ff darzwiſchen, ‚in welche ſich die 
Seele verbirgt und alba ſelbſt ihre Strahlen vom Lichte 
GOttes empfaͤhet: gebez derowegen durch die: eſte des 
Himmels wie es wetterleuchtet, aber gang fanfte, gleich einer 
lieblichen Wonne. 
136. Daß ich allo in dev Begreiflichkeit meiner inſtehen⸗ 
den Quell Geiſter, oder im Circkel des Lebens anders nicht 
erkennen kan, dann der Tag breche an. Will derowegen die⸗ 
fer Erkentniß nach ſhreiben, und ſolte gleich der Teufel die 
Melt Fürmen, welches er doch nicht thun Fan 5 fondern es 
wird ihm auch biern.i: fein Stunden-Glas gezeiget. 

137. Runmolher ihr Gnaden⸗Wehler, die ihr vermeirtef, 
ihr treft3, und den einfaltigen Glauben für eine Närrin hal 
vet; ihr habt lange vor dieler Thür getanget, und euch der 
Schrift berühmet, wie GOtt etliche Menfihen Babe in Mut⸗ 
ee in Gnaden zum Himmelreich ermehlet, und erliche 
verfloffen. 

138. Hie macht euch nun viel Moſſen daraus Bien or | 
dere Menfchen anderer Qualität werden, ſo konnt ihr recht 
a Aus der einigen Maſſa koͤnnt ihr nicht mehr ala 

e Siehe — machen, die durch den. erſten Dienf - 
- A * 


ne v ' 
wL 





—* BR, \ 


B— 


Cap. 26. Morgenroͤthe im Aufgang. 405 
auf und durch Alle dringet; GOtt gebe, es babe gleich 


Petrus oder Paulus anders gefchrieben, fo fehet doch auf 
den Grund, aufs Herge: fo ihr nur das Hertze GOttes er- 
bafchet, fo habt ihr Örundesgenug. Laffet mich GOtt noch 
eine Weile leben, fo will ich euch die Gnaden⸗Wahl St. Pauli 
wol weifen. —* 
| nt R 1012, 


| Beſchluß des Autoris. Epift, 10.38. 


Sch befcheide den GOtt⸗liebenden Hefer, daß Dis 
N Buch WORGEIT-ROETZIE nicht iſt vollen- 
„der worden: denn der Teufel gedachte Seyer-Abend 
„damit zu machen ‚weil er fahe,daß der Tag darinnen 
„wolte anbrechen. Auch bar der Tag die Morgenroͤ⸗ 
„the ſchon Übereiler, daß es faſt lichte iff worden ; Es 
»geböreten noch wolein 30 Bogen darzu. Weil es aber 
„der Sturm bat abgebrochen , fo ifts nicht vollendet 
„worden, und iſt unterdeflen Tag worden ‚daß die Mor⸗ 
„genroͤthe ift verlofchen, und ift feit der Zeit am Tage 
„gearbeitet. Soll auch alfo bleiben fteben zu einer ewi⸗ 
„gen Gedächtniß , weil der Mangel in den andern Buͤ⸗ 
„chern ift erſtattet worden. 





32 N pri 43 * ———— Ar mem, 
— Ba DE and aa Where len 
Ma 172 y Reh: ES DR, * — LERNEN. 7° — 
—*8 | * m Mu x; a a Gr Pet: BAR >07 ER 
Et * © aehunlımon, Era) er äß je: 
UNE Elson Bd aa SE Hr — 
BI RE a um.? seht BR 


> RN —— aa —3 


‚auosc “8 


Ha NEE — as 


R „ 


ni * 


a t 
7 # 
# 8. u — 


+ 


Ki 









% — — Re 3car, 
i | 9 Basic. Buniz An Kros 

ı Maren Maine A 2207 
| ® — — en % A 
Düarere 2 E77 

















Fr Were rl , res ( Bye 


2a ee. 4. Lu ze, — weg EN 
— ARTEE (234 

| pe et —— — 
TREE: Beer. 22.0 rn 

; Us ni nn da — 
— 
— en; Mayr 208 — 
a Sen — 


RE 52 DIE N 


De — Check 2; An | 
AER. — 


ve. So elle — yore Sat /0 * | 
⸗ — —— ee Fe 
AR — —⸗ 9 wem Br SR e 154 








FE nice OR ” 


Nur } ” Br 
br ‚„„“ — x | 


Br, 

















BERN BE FR 
ER * 4 
ee ER ne — 


es 7 r h 4 f > 2 u , * —2 

* + » . 4 r . - ? 
” 7 * * * —— 

5 > j 


4 









—— Fre N